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Full text of "St Petersburger Medicinische Wochenschrift 29.1904"

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St. Petersburger 


KEIME WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaktion von 


F.tr. 


Prof. Ör. KarlDehio. Dr. Johannes Krannhals, 

irjew (Dorp* Riga. 

Or. Rudolf Wanach. 


St. Petersburg. 


XXIX. JAHRGANG. 

(NEUE FOLGE XXI. JAHRGANG). 


ST. PETERSBURG. 

^ivhdruckem von A. Wienecke, Katharinenhofer Prosp., JA 15. 

1904 . 


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e 



INHALTS-VERZEICHNISS 


Die mit * bezcichneten Zahlen beziehen 




Abführmittel, Purgatin a. — (23), 
(43). 

Abszess, F. v. subphren. iotraabdora. 
— ( 21 ). 

—, F. v. Hirn- (47). 

Achylia, üb. — gastrica 403. 

—, F. v. — u. adhäs. Peritonitis 
(29). 

Adnexe, vagin. Operat. b. Erkrank, 
d. — (41). 

—, s. a. Ovarium, Tobe. 

Adrenalin, — i. d. Gynaekologie 
(4). 

—, üb. — (U). 

üb. — Kokain-Anästhesie (29). 

—, Einfl. d. —s a. d. Blutzirkul. 
im Gehirn (43). 

—, — i. d. Aagenpraxis (63). 

Agurin, Wirk. d. —s (54). 

Alkaptonnrie, F. v. — 502. 

Akkomodation, Wirk. d. Sympathi¬ 
kus a. d. — (12). 

— Veränd. i. d. Augenkaramer b. 
— ( 30 ). 

Akromegalie, z. Kas. d. — (13). 

Albuminurie, Beob. üb. — b. Kin¬ 
dern 194. 

Alkohol, Bibliogr. d. —s 97. 

_ —Umschläge b. Peritypbl. (o). 


sich ^uf Original-Arbeiten, die eingeklammerten auf die russische Literatur-Beilage. 


Sach-Register. 


Alkohol, — u. d.sich entwick. Organis¬ 
mus (23) 

—, ak. —vergift, b. Kind. (40). 

—, Bedeut, d. denatur. — s (43). 
Alkoholiker, Beh. d. — m. Hypnose 
(5). 

—, Ambulat. f. — (22), (35). 

• —, üb. Intern, v. —n in Kranken¬ 
haus. (20), (35). 

Alkoholismus, Schwindsucht u. — 

( 7 ). 

—, ambulat. hypnot. Behandl. d. — 

( 12 ). 

—, geheilt, ehren. — (44). 

Alopecia areata, üb. d. Behandl. 
d. — 107. 

—, Lovacrin b. — 657. 

Ammoniak, Technik d. —destillat. 

b. Best. d. Stickstoffs 213*. 
Ammonshorn, vergl. Anat. n. Phy- 
siol. d. —s (4) 

Amnesie, 2 F. v. retroaktiver — 
(59). 

Anaemie, perniz. — hervorger. d. 

Helminthen (13). 

Anaesthesia sexnalis (40). 

Anatomie, Kompendium d. — d. 
Mensch. 16. 

—, Atlas d. deskript. — d. Menschen 
17. 

Anchylostoiniasis, üb. — 309. 
Aneurysma, F. v. — d. r. Art. cas. | 
interna 3. 


A neurysma, F. v. — arterio-ven. i. Sinus 
cavern. 3. 

—, F. v. — arterioven. d. Art. fern. 
172. 

—, üb. — aortae 240, (9). 

—, F. v. exstirp. — d. Art. popl. 
539. 

Angina, üb. — ulcerosa 160. 

—, Natr. salizyl. b. — (43). 

Angina pectoris, üb. Herzveränd. u. 
— 326. 

Angioin, F. v. — a. inner. Augen¬ 
winkel (32). 

—, kavernös. — d. Augenhöhle (38). 
—, — d. Orbita (38), (62). 

—, — d. Leber (39). 

Angioneurosen, üb. — d. Netzhaut 
(31). 

Aniridia congen. c. catar. nigr. (38). 
Anthrax, F. v. — d. Darines (24). 

—, üb. seit. F. v. — (29). 

—, — epidemie i. S Samara (35). 
Antisepsis, z. Verteilt d. — (48). 
Anus praeternaturalis, 2 F. v. — 
(2). 

—, — vagin. (48). 

Anurie, üb. kalkulöse — (13). 

—, F. v. — währ. d. Scharlachs 
(öl). 

Aorta, Bild v. Thromben i. d. — 
ascend. u. d. —bogen (63). 
Aphasie, F. v. postskarlat. — (20). 
Appendizitis, s. Perityphlitis. 


139272 


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IV 


Arbeiter, Einfl. d. Arbeit a. d. Ge- ' 
sundb. d. Wolga— (16). 

Argentum nitricum, — b. Magen¬ 
krankheit. (30). 

Arm, Entfern, d. - s mit Exstirp. i 
d. Schulter (47). 

—, Sarkom d. Ober—s (4<). 
Armenier, Simulation b. d.—n (24). 
Arsenpräparate, Wirk. ein. — (29). 
Arterien, Veränd. d. — b. Kind. 
(10). 

Art. carotis interna, F. v. Ruptnr j 
d. — (24). 

Art. centr. retinae, F. v. Embolie 
d. - (8), (62). 

Art. hyaloidea, F. v. -- pers. compl. 
(66). 

Art. mesenterica, F. v. Verschluss 
d. — sup. 542. 

Art. pulmonalis, F. v. Stenose d. — ! 
407. 

—, F. v. Vereng, d. — (24). 

Art. ulnaris, üb. Unterbind, d. — 
(12). . | 
Arteriosklerose, z. Aetiol. d. — I 
115*. 

—, üb. — 260, 346. i 

Arthritis, F. v. gonorrh. — (39). 
Arzneiverordnung, Lehrbuch d. — j 
25. 

Arzneimittel, Vaporisat. v. — n (36), I 
(48). 

•—, Wirk. v. —n a. d. überlebend. 
Darm (48). 

Asbestfilter, — f. d. Armee (42). 
Asthma, üb. — bronchiale 191*, 203*, 
667. 

Aszites, Operat. b. — n. Talma (1), 

(23) , (47). 

—, F. v. pseudochyl. Pleurit., Hy- 
drothorax u. — (9). 

—, F. v. Splenektomie b. — u. Ma¬ 
laria (14). 

Atmung, üb. d. Entstehung d. —sryth- 
mus (13). 

Atmokausis, — u. Zestokausis 16. 
Atropin, Wirk. d. —um methylo- [ 
brom. a. d. Auge (13). 

—, z. Beschränk. d. — gehr. b. ein. I 
Augenkrankheit. (32), (38). 

—, — b. Bluthnsten (34). 

—, — b. Appendizitis (39). 

—, — b. Darmokklusion (52). 

Auge, üb. Bezieh, d. Allgemeinleiden 
z. —nkrankh. 325. 
path. Anat. d. —s 388. 
spez. Bakteriol. d. —s 388. 

—, z. Tuberkul. d. —s 445*, 457*. 

—, —nveränder. b. Xeroderma pig- 
ment. 465*. . 

—, Ber. üb. 4-jähr. —npraxis i. 
Alexandropol (8). 

—, Ber. üb. 11-jähr. —npraxis i. 
Smela (Kiew) (8). 

—, Wirk. d. Brom-metylatropins a. 
d. - (8), (13). 

—, Beh. ein. —enkrankh. mit See¬ 
bädern (21). 

—, profess. —nverletz. (21). 

—, Bed. d. Massage b. —nkrankh. 

(24) , 


Auge, Veränd. i. d. —kammerb. Akko- | 
modat. (30). 

-, Abnahme d. Arbeitslähigk. b. 
— nverletz. (30), (38). 

—, üb. endogene Infekt, d. —s(32). 

—, z. Beschränk, d. Atropin^ebr. b. 
ein. —nerkrank. (32), (38). 

—, Wirk. d. Mydrols a. d. — (32). ; 

—, Ber. e. —heilanstalt i. Kischi- 1 
new (32). 

—, üb. Zellgifte i. d. Path. d. —s 
(36). 

—, 2 F. v. —nverletz. (38). 

—, Ber. üb. 2 monatl. —npraxis i. 
Mohilew (38). 

—, Ber. üb. ü. -npraxis i. Nishni- 
Nowgorod (38). 

—, Adrenalin i. d. —npraxis (53). 

—, Fliegenlarve i. d. vord. —nkarn- 
mer (55). 

—, Ber. üb. d. Sterlitamaksk. 
—nhosp. (56). 

—, Ber. üb. d. —nabteil am Kran- 
kenh. zu Baku (56). 

—, Individualis. d. Schüler, in Be¬ 
treff d. —n (56). . . 

—, homöopath, Beh. d. —nkrankh. 
(50). 

—, Veränd. i. d. - nhäut. b. M. 
Werlhofii (02). 

—, —nverletz. durch Zeitungshalter ! 
(62). 

Autointoxikation, — v. Darine aus | 
b. Kind. (17), (40). 


B. 


Bakterien, Vorlesungen üb. — 16. 
Balanoposthitis circinataerosiva (36). 
Bauch, 2 F. v. Laparot. u. —schuss 
448. 

—, F. v. schwer, —schussverletz. 
516. 

—, üb. d. Verheil, d. —wunde n. d. 
—schnitt (4). 

—, üb. Zerreiss. d. —narbe (13). 

—, Vernäh, d. —wunde n. Laparot. 
(28). 

—, F. v. Vüil. d. —hölde (30). 

—, Beh. penetrir. —wund. ( 62 ). 
Bazillen, über Ebert’sche — (14). 

—, üb. Dysenterie— 251. 

Bazillus, — conjunctivitiJissubtilifur- 
mis (16). 

—, z. differenz. Diagu. d. — smeg- 
mae, v. Tuberkelbaz. (34). 

—, —pseudotuberkulosis (27). 
Becken, Gew. d. Kind. b. eng. — 
(23), (37). 

—, Anat. d. männl. kl. — s (46). 

—, konserv. Beh. d. Gebuit b. eng. 
- (50). 

Befunde, graph. Fixirung physik. — 
492. 

Besessenheit, üb. — (11). 
Bitterraittel, Bedeut, d, — f. d. 
Verdauung (16). 


Blase, F. v. — nwandresektion weg. 

Karzinom (2). 

—, üb. —nbrüche (3). 

—, Plastik d. — a. d. Darm (1). 

—, Schusswunde d. — (42). 

—, üb. d. —nnaht (14), (47). 

—, z. Therap. d. —nfisteln (22). 

—, Neubild. d. — (46). 

—, Chorionepitheliom d. — (57). 
Blasenstein, 292 —operat. (19). 

—, Rezidive v. — en (40). 

—, 43 —operat. (42). 

116 —operat. (46). 

—, hohe —schnitte (46). 
Bleivergiftung, Veränd. d. rot. Blut- 
kürp. b. — (27). 

Blepharospasmus, einseit. essent. — 
(42). 

Blitzschlag, F. v.-Massen— 11*. 

Blut, F. v. —erguss i. d. Corp. vitr. 
d. Auges (5). 

—, üb. d. —versorg, des Herz. d. 
Warmblut. (26). 

—, üb. Veränd. d. —es b. Roeteln 
• (28). 

—, Atropin b. —husten (34). 

—, —veränder. b. Pemphigus (55). 
Blutdruck, üb. —messungen i. d. 

Badepraxis 171. 

—, üb. — b. Scharlach (54). 
Blutkörperchen, Veränder. d. rot. — 
b. Bleivergift. (27), 

—, Verhalt, d. weiss. — b. Typh. 
abdora. (48). 

Blutung, üb. — u. Oper. a. bypertr. 

Gaumentonsillen 109. 

—, —en b. Frauenleiden 459. 

—, Beh. klimakter. —en (62). 
Blutuntersuchung, üb. —en 27, 325. 
—, Anleit. z. klin. — 490. 

Bedeut, d. - (27). 
Blutzirkulatiou, Einfl. d. Adrenalins 
a. d. — i. Gehirn (43). 
Botulismus, d mikrobiol. Grundl. d. 

Lehr. v. — (23). 

Bradykardie, z. Kas. d. — (19). 
Briefe, — a. d. Ferneu Osten 123, 
137, 160, 173, 183, 196, 218, 
305, 314, 358, 426, 439, 463, 

479, 504, 529, 544, 569. 
Brom-metylatropin, Wirk. d. — a. 
d. Auge (8). 

Bronchialdrusen, d. Oliver-Cardarel- 
lische Sympt. b. karzinomat. — 

(?)• 

Bronchiektasie. üb. — b. Kindern 
(18). 

Brust, üb. penetr. —wunden 103. 
Bulbärparalyse, F. v. progr. — 267*, 
423. 


c 


Cerebrospinalmeningitis, heisse Bäder 
b. epid. — (34). 

—, eitr. — u. Influenzabazill. (40). 
—, F. v. epidera. — (51). 


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Limane, Schlammbeh. i. d. Odessaer 
—n (63). 

Linse, Entfern, e. Pistonsplitters a. 
d. — (62). 

—, iMehrjähr. Verweil, e. Kupfersplitt, 
i. d. — (62). 

Lipodermoid, F. v. — d. Bindehaut. 
(38). 

Lovacrin, üb. — b. Alopecie 657. 

Luftwege, Beteil. d. ober. — b. Lepra 
( 56 ). 

Lumbaltisteln, üb. — renalen Ur¬ 
sprungs (6). 

Lumbalpunktion, üb. — b. Hirntu¬ 
moren 1*. 

Lurabosakralhypertrichose üb. — (4). 

Lnnge, prim. —nkarzinom 356. 

—, üb. akute, —nblähung (15). 

—, oper. Eingr. b. —neiterung (30). 

—, oper. geheilt. —ngangr. (48). 

Lungentuberkulose, Kliraatother. d. 
chron. — 389. 

—. Erkrank, an - in Abhäng. v. 
Boden 391. 

—, Handb. d. Ther. d. chron. — 
458. 

—, — n. Alkoholisraus (7). 

Lupe, d. Berger’sche binokulare — 
(32). 

Lupus, F. v. — d. Unterlippe 194. 

—, — vulg. Konjunkt. (3l). 

—, üb. — (35). 

Luxation, üb Schulter— b. Syringo¬ 
myelie (14). 

—, — d. gross. Zehe (30). 

Lykopodium, — u. Tuberkelbazillen i. 
Sputum 43*, (8). 

Lymphgefäss, üb. Syphilis ohne Affekt, 
d. —Systems (7). 

Lyssa, F. v. — b. Menschen (6). 


3^C. 


Magen, d. schmerzh. —leere 389. 

—, Operat. am — 404. 

—, d. — Darmwirk. d. Morphin 527. 
—, Wasserstoffsuperoxyd bei einig. 
Erkr. d. —s (6). 

—, Einfl. einig. Fette a. d. — Sekre¬ 
tion (11). 

—, Behandl. akut. — darmkatharre 
m. Kochsalzinf. (11). 

—, F. v. Schrumpf, d. —s n. Schwe¬ 
felsäureverbrennung (14). 

—, 2 F. v. —krebs (27). 

—, z. Diagn. d. —krebses (36), (48), 
(58). 

—, tetan. Krämpfe b. —erweiter. 
(54). 

—, z. Kas. d. — turaor. (58). 

—, Zusammenh. v. Uterus u. — (61). 
Magendarmkrankheiten, Anwend. v. 
Oel b. — 68. 

Makroglossie, z. Kas. d. — 424, (7). 
Malaria, Wirk. d. Euchinins b. — 
63*, 


tx 


Malaria, — b. Riga 206. 

—, Sympt., Wesen u. Beh. d. — 

490. 

—, Epid. d. — (8). 

—, üb. d. —erkr. d. Nervensyst. (10). 
—, z. Parasitol. d. Mischform. d. — | 
(13). 

—, F. v. Splenektomie n. Talmas. I 
Oper. b. Aszites, u. (14). 

—, üb. —flecken d. Haut. (19). 

—, F. v. Masseninfekt, m. — (20). 
—, üb. Chinopyrin b. — (20). 

—, üb. Plasmodien b. — (20). 

—, F. v. — i. November (22). 

—, z. Mosquito - Theorie d. — (30). 
—, Bek. d. — i. d. Armee (41). 
Marine, üb. Heizung u. Ventil, i. 

Kronstadt. —hospit. (11). 

—, Hysterie i. Ssewastop. —hospitale 

(u). 

Marodenzimmer, üb. — d. Heeres 
108. 

Masern, — b. jung. Soldaten (5). 

—, z. Bakt. d. — (49). 

—, Scharlach kompl. d. — (50). 
Massage, Taschenbuch d. — 97. 

—, Bed. d. — b. Augenkr. (24). 
Medizin, d. — im Herodot. 17. 

—, Handbuch d. Gesell, d. — 17. 

—, Lehrbuch d. inner. — 17. 

—, Führer d. d. gesammte — 25. 

—, Grundr. d. gerichtl. — 269. 

—, Grundr. d. prakt. — 458. 

—, d. — in Russl. (23). 

—, Aufgab. der klin. — (27). 

—, Aufgab. d. — Studiums (30). 
Mehl, neue Meth. z. Best. d. Beschaff, 
d. —es (6). 

Melaena, — vera neonat. (51). 
Melancholiker, üb. psych. Kontrast- 1 
zwangszustände b. —n (28). 
Melanosarkom, F. v. — d. Vulva j 
(7). 

—, — d. unter. Lides (8). 

Meningitis, heisse Bäder b. Cere¬ 
brospinal— (34). 

Meningoencephalitis, syphilit. — (59). 
Menstruation, Neuritis opt. b. d. 

erst. — u. b. Suppr. d. — (56). 
Menthol-Jodol, Anwend. d. — i. d. 

Rhino-Laryngol. (58). 

Mesenterium, üb. prim. Geschw. i. — 
(2). f 

Methylalkohol, 16 Vergift, m. — 421*, 

433*, 447*. 

Methylenblau, d. — i. d. psych. 

Praxis (3). 

Metrorrhagia, F. v. — neonat. (44). 
Migräne, hypnot. Behandl. d. — (34). 
Mikrogastrie, üb. — (30). 
Mikrophthalmus, — n. Cystenbild. a. 

unt. Lide (31). 

Mikrokephalie, — b. Hunden (27). 
Milch, ist d. — e. Gewebe? (17). 

—, üb. Kryaskopie d. — (22). 

—, neue —wage (44). 

—, d. „Tropfen “ (50). 

—, d. Sterilisat. u. Pasteurisat. d. — 
(54). 

Miliartuberkulose, Diagn. d. allg. — 
(42). 


Militär, üb. Selbsthilfe i. — (5). 

—, üb. d. Komplet, d. —s (5). 

—, Tauglichk. z. —dienst. (42). 

—, Badstuben b. — (43). 

Militärarzt, Publikat. e. —es 97, 108, 
109. 

—, schriftl. Dienstverkehr d. —es 
229. 

—, Heranbild. d. —es (43). 
Militärhospital, Ber. d. —s i. Tiflis 
(6), (24). 

Milz, F. v. —turaor 437. 

—, Exstirp. d. — b. Aszites (14). 

—, F. v. Echinokokkus d. — (19). 

—, z. Kas. d. —exstirp. (47). 
Missbildung, F. v. — d. ob. Extrem. • 
(19). 

—, F v. — d. M. pector. (19). 
Missgeburt, künstl. — (15). 

Moor, üb. — 478. 

Morbus Addisonii, z. Lohre v. — 
( 16 ) 

Morbus Bantii, F. v. : — (42). 

Morbus Basedowii 85*. 

—, F. v. — 271. 

-, üb. — 313, 327, 414. 

Morbus Brightii, s. Nephritis. 

Morbus Littlei, F. v. — 36, 79. 
Morbus Morvanii, F. v. — 539. 
Morbus Paget, üb. — (45). 

Morbus Raynaud, F. v. — (33). 
Morbus Weilii, F. v. — m. Kompl. 
(29). 

Morbus Werlhofii, Zusammenh. d.— 
u. d. Tuber. (49), (50). 

—, Veränder. i. d. Augenhäut. b. — 

( 62 ). 

Morphin, d. Magendarm wirk. d. — s 
527. 

—, — b. Herzkrank. 448. 
Mundkrankh., Therap. d. — 122. 
Muskel, F. v. neur. —atrophie 303. 

—, üb. progress. —atrophie (3), (18). 

—, üb. Einfl. d. Musik a. d. —arbeit 
(3). 

—, körn. Degenerat. d. quergestreift. 
—fasern (12). 

—, Veränder. d. —sensibil. b. Tabes 
(34). 

—, Ruptur, d. ger. Bauch—n (50). 
MydroL Wirk. d. —s a. d. Auge 
(32). 

Myelitis, F. v. haemorrh. — d. 

Rückeumarks (9). 

Mykosis fnngoides, F. v. — 535*. 
Myoklonus, d. progress. —Epilepsie 
35. 

Myom, F. v. grossem — 79, 

—, Operat. d. Fibro—e d. Uterus 
(41). 

—, regress. Metaraorph. d. —e (41). 

—, Schwangersch. u. Fibro—e (61). 
Myopie, — u. Brille 404. 

—, üb. d. — 425. 

—. z. vollen Korrektur d. — (8). 
Myotonie, üb. idiomusk. Kontraktion 
b. — (11). 

Myringotomie, üb. — b. chron. Mit¬ 
telohrentzünd. (30). 

Myxoedem, F. v. — (17). 


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Googl 



X 


IST. 


Nabel, angebor. Harnfistel d. — s 
(46). 

Nabelschnur, F. v. —bruch m. un- 
gew. Inhalt. 270. 

Narkose, einig, üb. — i. d. gynaekol. 
Praxis (20). 

Nase, d. Therapie d. — nlnes 237*, 
249*, 423. 

—, d. —nreflexe 345. 

—, Fremdkörp. d. — (28) 

—, subrauk. Resekt. d. —sept. (41). 
—, Bed. d. —n u. Rachenaffekt, f. 
d. Ohr. (44). 

—, oper. Beh. d. — nseptumverkrüm. 
(53). 

Nasenrachenraum, Tumor d. —s 540. 
—, adenoide Vegetat. d. — s (24). 

—, Operat. z. Eröffn, i. — (45). 
Natrium cinnamylicum, Injekt. v. — 
b. Lungentub. (6). 

Natrium salicylicura. — b. Angina 
(43). 

Nephritis, Chirurg. Beh. d. — 527. 
—, F. v. — n. Influenza (8). 
Nerven, Erkrank, d. peripher. — 
448. 

—, Infektion b. Entstehung akut. 
—krankh. (12). 

—, Behandl. —kranker i. Sanatorien 
(12), (35). 

—, Behandl. —kranker m. Bädern 
(35). 

—, Beob. a. —krank. (42). 

—, neue Färb. d. —zellen (60). 
Nervensystem, Diagn. d. Krankh. 
d. —s 67. 

—, Anat. u. Physiol. d. —s 302. 

—, d. Zentrifuge als Diagnost. b. 
Erkr. d. — s ( 10 ). 

—, üb. Malaria Erkrauk. d. —s (10). 
—, 2 F. v. Syphilis d. —s (35). 
Nervosität, — i. Kindesalter 182. 
Nervus lacialis, Verhalt, d. Orbikul. 

b. Lähm. d. — (4). 

—, üb. träum. Paral. d. — (58). 
Nervus opticus, 's. Sehnerv. 

Nervus sympathicus, Wirk. d. — a. 

Akkomodation (12). 

—, z. Problem d. — 563*. 

—, üb. d. Plexus solaris d. — 579. 
—, Exstirp. d. — b. Glaukom (31). 
Nervus vagus, Exper. Unters, d. 

Brustteils d. — (15). 

Netzhaut, Haeraorrh. d. — b. Krebs 
d. Lung. u. d. Kleinhirns (31). 

—, Angioneurosen d. — (31). 

—, d. Adaption d. — (32). 

—, F. v. Cyste d. — (32). 

—, üb. d. Müllersch. Fasern i. d.— 
(55). 

Neugeborene, Wiederbel, asphykt. —r 
(37). 

Neurasthenie, üb. d. Blutdruck b. — 
(12). 

—, z. Kas. d. syph. — (25). 

—. Kakodyl b. — (52). 

Neuritis, F. v. penph. gonorrh. — j 
(3). I 


Neuron, z. —lehre 230. 

Neurose, üb. träum. —n 405. 

—, üb. sekret, depress. —n (21). 

Niere, Diabetes infolge v. Neben- 
—nerkr. 389. 

—, üb. Veränder. i. d. — n. Ent¬ 
fern. d. Kapsel (13). 

—, üb. d. bew. — u. d. Wander- 
- (14). 

—, z. Kas. d. —nchirurgie (15). 

—, Wirk. d. Gifte b. isol. —n (27). 

—, path. Harnelemente b. —entzünd. 
(43). 

—, a. d. Gebiet d. —nchirurgie (46). 

—, 2 F. v. prim. —nturaor (57). 

Nierensteine, F. v. —n 303, 346. 

Noma, Heil. d. — durch Pyoktanin 

( 10 ). 

—, F. v. — n. Masern (51). 

No-restraint-system, d. — in Russ¬ 
land (44). 


o 


Oedem, Traumat. hart. — d. Hand- j 
rückens 108. 

Oesophagotoraie, — z. Entfern, v. j 
Fremdk. (26). 

Oesophagus, Präpar. d. Nebenniere 1 
b. Erkr. d. — (36). 

Ohr, Bez. d. —enkrankh. z. denen 
d. Nase u. d. Rachens (19). 

—, tötl. Blut. a. d. Mittel— (41). 

—, Bed. d. Nasen-Rachenaffekt. f. 
d. — (44). 

Omentum, Funkt, d. — majus (58). 

Operation, vagin. u. abdoin. —en ! 
17. 

—, —en am Ohr 88. 

—, üb. gynaekol. —en 279*, 424. 

Ophthalmoplegia, F. v. — totalis (38). 

Ophthalmoskop, d. elektr. — Wolf. 
(32). 

Orbita, Fremdkörper i. d. — (6), 
(8), (62). 

—, Schussverl. d. — (38). 

—, Angiomatös. Geschwulst, d. — 
(38). 

—, Extr. e. Patrone a. d. — (42). 

—, F. v. Tumor, d. — (56), (02). 

Osteomalakie, 2 F. v. — (7). 

Otitis media, üb. —- 242. 

—, elektr. Licht b. — (27). 

—, llb. Myringotoraie b. chron. — 
(30). 

Oto-Rhino-Laryngologie, — i. Tulaer 
Hospitale (7). 

—, Anwend. d. Thigenol-Roche i. 
d. — (58). 

—, Anwend. d. Menthol - Jodol i. 
d. — (58). 

Ovarium, Cyste d. —s (15), (48). 

—, Vereiter. d. Cysten d. - s (61). 

Ovarium, s. a. Adnexe. 

Ozaena, — ra. tötl. Ausgang 35*. 


Pankreas, Beitr. z. Path. u. Ther. 

d. —erkrank. 651. 

—, z. Diagn. d. Syph. d. — (2). 

—, üb. d. Venen d. — (13). 

—, üb. Cysten u. Pseudocysten d. 

- (36). 

—, träum. —cyste (45). 
Paraffininjeklionen, — b. Deform, d. 
Nase 345. 

—, fehlerh. Sprache korrlg. d. — 
562. 

—, —, Theorie u. Praxis 679. 
Paralyse, progr. — zweier Ehegatten 
(H). 

—, Schwangerschatt b. progr. — 
(34). 

—, z. Kas. d. postdiphtherit. —n 
(63). 

—, üb. —n d. Fazialis (58). 

—, Statist. Unters, v. 900 F. progr. 

- (60). 

Paralysis agitans, Kakodyl b. — 
(62). 

Parametritis, — post, chron. 437. 
Paramyoklonus, F. v. — mulipl. 
Friedreich. (19). 

Paranoiker, — als Heilkünstler (60). 
Paraphasie, transkortik. — (60). 
Paratyphus, üb. — (13). 

Parotis, beiders. Erkr. d. Tränendr. 

u. - (30), (38), (62). 
Patellarfrakturen, üb. Heil. d. — 
durch Knochennaht (3). 

—, operat. Behandl. d. — (16). 

—, Beh. d. — m. Zirkulärnaht (54). 
Pellagra, z. path. Anat. d. — (12), 
(59). 

Pemphigus, üb. — ak. (33). 

—, Blutveräoder. b. — foliac. Cazen. 
(65). 

Pendjegeschwür, F. v. — (35), (57). 
Perikardium, F. v. Symphisis d. — 
etc. 97, 640. 

Perikarditis, oper. Beh. eitr. — 25, 
(52). 

Peritonitis, 4 F. v. — luberkul. 552. 
—, üb. oper. Behandl. d. eitr. — 
(5). 

—, üb. ausgebr. —gynaekol. Ur¬ 
sprungs (22). 

—, F. v. Achylie u. adhäs. — (29). 
—, Massage b. Becken — (37). 

—, — i. Folge v. Genitalaffekt. (37). 
—, oper. Behandl. d. Residuen n. 

Becken — (37). 

Perityphlitis, — larvata (56). 

—, chron. -- (Appendicalgie) 376. 
—, Abnormit. u.Kompl. d. — 523*. 
—, Alkoholumschläge b. — (6). 

—, d. Epidemiol. d. — (19). 

—. Atropin b. — (39). 

—, z. Beh. d. — (47). 

- , Extrauteringravid, od. — (47). 

—, Quecksilber als Urs. e. — (50). 
Perubalsam, Beh. v. Ekzem m. — 
Borsalbe (52). 

Pest, e. - epidemie z. Blida 229. 

—, üb. d. Mikroorganism. d. Bubon.- 
- (27). 


—DigitizecLby 




XI 


Phaenomen Purkinjes (32), 
Phagocytose, üb. —u. Leukolyse(22). 
Phalangitis, F. v. — gummosa (25). 
Pharmakologie, vergl. — d. Schlaf¬ 
mittel (49). 

Pharyngitis, üb. — haemorrhag. (27). 
Phlebitis, üb. —funicul. 338. 

üb. Thrombo— n. Varixbil¬ 
dung 438. 

Phlegmone, — d. Axilla n. Panarit. 
424. 

—, üb. Holz— (47). 

Phosphor, üb. d. —gehalt i. d. Nah¬ 
rungsmitteln (30). 

Photospekulum, e. — z. Lichttherap. 

i. d. Gynaekol. (13). 

Pilzmassen, — i. d. Tränenkanäl. 
357, (32). 

Pityriasis, üb. — rosea Gilbert. 437, 
(23). 

—, F. v. — rubra Hebrae (36). 
Plasmodien, üb. — b. Malaria (20). 
Pleura, Resorptionsfähigk. d. — (44). 
Pleuritis, F. v. pseudochyl — (9). 

—, üb. interlob. — (18). 

Plewna, Schlacht b. — (42), (43). 
Pneumonie, Bedeut, d. Bazill. pneum. 

als Erreg, v. — 652. 

—, fibrin. — m. Gehirnersch. (44). 
—, Leberveränder, b. fibrin. — (50). 
Pneumothorax, F. v. — i. Wochen¬ 
bett (7). 

—, F. v. prim. — (44). 
Pneumokokken, Allgemeininfekt, m. 
- (20). 

Poliomyelitis, — od. Polyneuritis 
425. 

—, — ant. acuta (9). 

Polyarthritis, F. v. — syphilitica (14). 
Polydaktylie, F. v. angeerbter Hernie 
u. — (20). 

Pomeranzen, —tinkt. b. Diarrhoe 
(44). 

Praeparate, Techn. d. hist. Unters. 

path.-anat. — 638. 

Priapismus, F. v. — (35). 

Processus vermiformis, z. Kas. d. 

Darmokklus. d. d. — 257*. 

—, — als Inh. d. Bruchsackes b. e. 

Herniotoirie 271. 

—, Cyste d. — 377. 

—, F. v. perf. Endzünd. d. —es 
(21). 

—, s. a. Perityphlitis 
Prostatektomie, üb. d. perineale — 
(33). 

Prostatitis, z. Kas. -d. ak. — go- 
norrh. (67). 

Protargol, — b. gonorrh. Cervix— u. 

Uternskatarrhen (15) 

Protokolle d. deutsch, ftrztl. Vereins 
z. St. Petersburg, 68, 97, 194, 
251, 326, 412, 478, 540. 

—, — d. Vereins St. Petersb. Aerzte, 
45, 109, 122, 172, 293, 356,357, 
423, 552. 

—, — d. XV. Livl. Aerztetages zu j 
Pernan, 146, 159, 170, 229, 240, ! 
259, 269. 

—. d. XVI. livländ. Aerztetages zu j 
Jnrjew (Dorpat) 348. i 


Protoklle, — d. V. Jahresvers. d. livl. 
Abt. d. St. Pet. ärztl. Ver. z. 
gegenseit. Hilfe zu Jnrjew (Dorpat) 
542, 555, 

—, — d. Gesellsch. prakt. Aerzte zu 
Riga, 2, 65, 78, 134, 206, 215, 
242, 271, 302, 313, 327, 346, 
377, 448, 466, 491, 502, 616, 
539, 567. 

—, — d. raediz. Gesellsch. zu Jurjew 
(Dorpat) 389, 469, 527, 553, 579. 
—, - d. Gesellsch. prakt. Aerzte zu 
Libau 424, 425. 

—, — d. I. estländ. Aerztetages zu 
Reval 369, 379, 391, 403, 404, 
414. 

—, — d. St. Pet. Ophthalm. Gesellsch. 
(8), (32), (56). 

—, — d. Mosk. Ophthalm. Gesellsch. 
(31), (38). 

Pruritus senilis, Spermin-Behandl. 
b. — 67*. 

Psendomelia, — paraesthe*. (öl). 
Pseudotumoren, üb. — d. Bauch¬ 
höhle (27). 

Psychiatrie, neue Erfahr, üb. — 
499*. 

—, üb. d. prakt. — (34). 

Psychose, —n u. Krankheiten 89. 

—, Gicht u. — 412. 

—, üb. träum. —n (11). 

—, —n i. d. Frühperiode d. Lues. 

( 12 ). 

—, üb. menstr. —n (24). 

—, ak. — n. Influenza (30). 

—, s. a. Geisteskranke. 
Psychotherapie, üb. d. — i. d. Der¬ 
matol. (26). 

Ptosis, F. v. — (62). 

Puerperalfieber, Puerperium —s. Sep¬ 
sis, Wochenbett. 

Puls, F. v. langsam. — (9). 

—, ungleich. — b. Stenosis ost. ven. 
(57). 

Pupillen, Bestimm, d. Distanz zw. 

d. Zentr. d. — (8), (32). 

Porgatin, — als Abführmit. (23), 
(43). 

Purpura üb. Diplokokken — (61). 

—, einige F. v. — n. Haematophilie 

( 68 ). 

Pyloroplastik, F. v. — (2). 
Pyoktanin, F. v. Heil. d. Noma d. — 
(10). 

Pyramidon, Wirk. d. —s b. Tier. 
(58). 




Radium, Einfl. d. —strahl, a. d. 

psychomot. Zentra (11). 

—, üb. d. Bedeut, d. Emanation d. 
-s (36), (48). 

Reflex, d. nasal. —neuros. 345. 

—, üb. d. distal. —ed.ob. Extremit. 
(3). 


Reflex, üb. —ersoh. a. d. Extremit. 

b. Lähmung. (3). 

—, üb. Faszien—e (12). 

—, d. Lumbofemoral— (59). 
Rökto-kolpo-perinaeoplastik (45). 
Rektoskopie, üb. d. — (36). 

Rekto-vaginalflstel, F. v. — (34), 
(48). 

Rektum, z. Therap. d. —Vorfalles 

122 , ( 22 ). 

Religion, — als Heilfaktor (34). 
Renntiersehnennaht, üb. — (37). 
Retinitis, F. v. — proliferans 134 
(38). 

—, F. v. — leukaemioa (38). 
Rhachitis, Pathol. u. Therap. d. — 
302. 

Rhinitis, Parafininjekt. b. —atroph. 

345. 

Rhinoplastik, üb. — 406. 
Rhinosklerora, F. v. — 346. 

Rippe, diagn. Bedeut, d. zehnten — 
75*, 242. 

—, —resekt. weg. Tumor (47). 
Roentgenstrahleo, üb. bish. unbek. 
Wirk. d. — 35. 

—, d. — i. d. Militärraediz. 54. 

—, Ein wirk. d. — a. innere Organ. 
345. 

—, üb. — b. Hautkrankh. 502. 

—, stat. Appar. f. — (43). 

Roeteln, üb. Veränd. d. Blut. b. — 
(28). 

Rueckenmark, d. Babinskische Phae- 
noraen b. —serkrank. (4). 

Ruhr, üb. —epidemie b. d. Truppen 
108. 


S- 


Salpingitis, — tnberknl. (40). 
Sanatorien, Tuberkulose u. — 23*, 
392. 

—, Behandl. Nervenkr. i. — (12). 
Sanitätsdienst, üb. d. Gefechts— 
108, 240. 

—, priv. — i. d. Armee (42). 
Sanitätstaktik, z. Entwickl. d. — 
229. 

Sanilätswesen, üb. Leist, d. Militär- 
—s 108. 

—, Reorganisat. d. —s a. d. Lande 
379. 

Santonin, F. v. —vergift. (18). 
Saponin, Beitr. z. Kenntn. d. —snbst. 
515. 

Sarkom, F. v. — 69. 

—, F. v. primär. Melano— (15). 

—, F. v. kleinzell. — d. retroper. 

Lymphdrüsen (23). 

—, prim. — d. hint. Mediastinum. 
(24). 

—, F. v. — (31). 

—, F. v. — d. Schlüsselbeins (36). 
—, — d. Bindehaut (38\ (56). 

- , — d. äuss. GenitaJ. (40). 


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XII 


Sarkom, pigm. — d. Oberarms (47). 
—, Melaoo— d. Mastdarms (48). 

—, F. v. Fibro— d. Magens (58). 
—, — d. Orbita (62). 

Schaedel, Spättrepan. n. —trauma 
(47). 

Schaedellage, Auwend. äuss. Druck, 
b. —n 515. 

Scharlach, Ikterus als Komplik at. b. 
- (7). 

—, üb. — i. Kinderhosp. i. Irkutsk 
(18). 

—, — kompl. d. schwere Masern 
(50). 

—, Anurie währ. d. —s (51). 

—, Serumbeh. d. —s (51). 

—, wiederh. —erkrank. (52). 

—, Blutdruck b. — (54). 

—, Beh. d. — m. Mosers Serum 

(59) . 

Schlamm, üb. d. —behandl. i. d. 

Kai 1 kas. Bädern (22). 

Schli.lonbein, üb. topogr. Abweich, 
d. -g (1). 

Schl alkrankheit, üb. d. — (53). 

Schl ni genbiss, üb. — 404. 

Schm.'rz, üb. Unters, d. —empfind- 
lichkeit (12). 

Schnecke, üb. d. —n-Gesichtsreflex 

(60) . 

Schriftproben, — z. Sehschärfebe¬ 
stimmungen 16. 

—, —, Gläser u. Maasstab (32), 
(38). 

Schulen, Lüft. u. Heizung d. — 122. 
Schussverletzung, 2 F. v. Laparot. 
n. Bauch— 488. 

—, 1 F. v. schwer. Bauch— 5)6. 
—, z. Kas. d. — d. Herzens (24). 
—, z. Kas. d. — d. Magens (30). 
—, — d. Orbita (38). 

—, F. v. — i. Munde (43). 
Schwangerschaft, s. Gravidität. 
Schwefelbäder, Stoffwechselveränd. b. 

Syph. u. d. Einfl. v. —n (26). 
Schwefelsäure, Schrumpf, d. Magens 
n. —Verbrennung (14). 

Sectio alta, 24 Fälle v. — (14). 
Sectio caesarea, üb. vaginal. — 3, 
(15). 

—, — a. d. Toten, lebende Frucht 
(4). 

—, 3 F. v. — (27). 

—, Indikation, d. — (37), (40). 

—, F. v. wiederholt. — (61). 
Seebäder, üb. — b. Trachom (21). 
Sehen, d. — n. d. Operation b. 
Blindgebor. (56). 

Sehnerv, Sperminbeh. b. —enatrophie 
67*. 

—, Behandl. d. Geschwülste d. —en 
(30). 

—, F. v. ausgerissen. — en (32), 

( 66 ). 

—, — enentzünd. währ. d. erst. 
Menstruat. u. b. Snppr. mens. 
(56). 

Sehschärfe, Schriftproben z. —be- 
stim. (16). 

—, üb. d. Beeinfl. d. zentr. — d.seitl. 
Beleuchtung (30), (32). 


Sehschärfe, — u. Schiessleistungen (31). 
—, üb. —bestimmung b. Matrosen 

(32) . < 

Selbsthilfe, z. Organ, d. — i. Mi¬ 
litär (5). 

Sepsis, üb. > Formalinbehandl. d. 

puerp. — 33*, 404. 
Septikopyaemie, F. v. kryptog. — (15). 
Serotherapie, — d. Gelenkrheumat. 
448. 

—, — d. bösart. Geschwülste (7). 

—, — d. Streptokokken (42). 

—, — d. Scharlachs (61). 

—, — d. Syphilis (55). 

Serum, Zubereit, d. Antidiphtherie—s 
(12). 

—, Veränd. d. parench. Org. d. 

haematolyt. — (37). 

—, Wirk. d. hepatolyt. —s (48). 
Sexualempfinduug, F. v. konträr. — 
( 11 ). 

Siebbein, F. v. Anom. d. —höhle 
(1). 

—, Empyeme d. —höhle (45), (62). 
Siegellack, hygien. Wert d. —es 
343*. 

Simulation, — u. Versttimmel. b. d. 
Armeniern (24). 

Sinus frontalis, 2 F. v. Trepanation 
d. — (38). 

Sinusthrombose, z. Semiotik u. 

Tberap. d. — (5). 

—, üb. — d. Sin. transv. (33). 
Sklera, Gumma d. — (8). 

—, F. v. —zerreissung (21). 
Sklerodermie, F. v. — 135, 206, 

(33) , (38). 

Sklerose, üb. amyotroph. Lateral— 
466, (59). 

—, F. extragen, prim. syph. — (24). 
Skopolamin, ther. Anw. d. —s (52). 
Skorbut, z. Haeraat. d. —s (7). 
Skrophulose, z. Frage d. — 131*, 
143*. 

Soldaten, Fussbekl. d. — (24). 

—, Gewichtsveränd. b. jung. — (24). 
—, Caries d. Zähne b. — (24). 

—, Verpfleg, d. —en im Felde (42). 
Somnoform, — b. Hypnos. (61). 
Spermin, —behandl. b. Atroph, opt. 

u. Prurit. sen. 67*. 

Spinne, üb. d. Biss d. schwarzen — 
(7). 

Spiritismus, üb. — 272, 304. 
Spondylose, z. path. Anat. d. neuro- 
path. — (12). 

Sprache, fehlerh. — korrig. d. Pa- 
raffininjekt. 552. 

Sprachstörungen, üb. — 321*, 325, 
^ 333*, 542. 

Sputum, Untersuch, d. —s in d. erst. 

Per. d. Tuberk. 353*, 363. 
Staphyioraykosis, z. Kas. d. ak. — 
(33). 

Stenokardie, üb. - u. Claudication 
interm. 282. 

Sternokleidomastoideus, üb. Hämatom, 
d. - (2). 

Stickstoff, Ammoniakdestill. b. Be- 
stim. d. —s 213*. 

Stimmgabel, Hörprüf. m. —n (42). 


Stoffwechsel, —veränd. b. Syphil. 

u. Schwefelbädern (26). 

Stomatitis, Pasta geg. Hg— 567. 
Strabismus, d. Sehen b. —altern. 

(32). 

—, d. Gesichtsfeld b. — concorait 
(62). 

Streptokokken, F. v. schwer. — infekt. 
(15). 

—, Einfl. d. Virul.d. — a.d. Wund¬ 
verlauf (24). 

—, Beh. d. — m. Anti—serum (42). 
—, Beh. d. Puerperalfiebers ra. Anti- 
—serum (43). 

Streptomykosis, z. Epidemiologie d. 
- (6). 

Struma, F. v. —colloides cystica 
135. 

Sublimat, —intoxikation b. neugeb. 
Kindern (8). 

Symblepharon, oper. Behandl. d. — 
(31), (38). 

Sympatikus, s. Nervus symp. 

Sympus apus. (28). 

Syphilis, Ther. d. Nasen— 237*, 
249*, 423. 

—, Beh. d. — m. Decoct. Zittm. 
415. 

—, Rbeumat. b. — 425. 

-, F. v. — 437. 

—, Ursprung d. — 527. 

—, Progn. d. — 551. 

—, z. Diagn. d. — d. Pankreas (2). 
—, Behandl. d. — m. Hydrarg. 
salicyl. (5). 

—, üb. — ohne Affekt, d. Lymph- 
gefässsystems (7). 

—, Behandl. d. — m. subkut. Her- 
mophenyl-Injekt. (9). 

—, z. Kas. d. Herz— (9). 

—, z. Kas. d. — d. Lungen u. d. 
Pleura (9). 

—, Psycbos. i. d. Frühperiode d. — 
(12). 

—, Dauer d. infekt. Periode d. — 
(25). 

-, Infekt, m. — b. d. rituel. Be¬ 
schneid. (26). 

—, 2 F. v. Reinfekt. m. — (26), 
(35). 

—, F.'v. extragenit. — inf. (26). 

—, üb? Hydrarg. anilin. b. — (27). 
—, üb. dunkle Punkte i. d. Lehr. 

v. d. — (29). 

— 2 F. v. — d. Nervensystems 

(35). 

— , Zahnanomalien b. — (36). 

—, Heilbarkeit d. — (36). 

—, —gummosa b. Kind. (39). 

—, extragenit. —infekt. (43). 

—, seit. F. v. — (49). 

—, Affekt, d. Gelenke b. — (55). 

—, z. Serother. d. — (55). 

—, Bed. d. — i. d. Aetiol.d. Tabes 
(57). 

—, — u. Meningoenceph. etc. (59). 
—, s. a. Sklerose, Ulcus durum. 
Syringomyelie, F. v. — 214*, 282, 
(27), (36). 

—, Schulterverrenkung b. — (14), 


-Digiti^ed-hy 


GooqI 



XVII 


Passtoors 338. j Przibylski, A. f 125. Sarubin, J. f 138. I Selenski, G. (53). Ssewastejew, \V.f339. 

Pasternak (50). j Pussep (16). Sarubin. N. f 47. | Selenski, M. t 316. Ssidorenko (11). 

Paucker, K. v. f 450. Sarytschew (47). j Selenskoi (28). Ssikorski, K. f 231. 

Pauli 395. Rachmaninow (33), (39), Sarzecki. A | 149. ! Seligsohn, E. f 18. Ssimanowitsch (14). 

Pawlow. W. t 518. (40), (58) Sassaparel (24). jSemlinski (50). Ssinizyn (2). 

Pawlow (25). ! Radakow (42). Sassedatelew (1). [Senator und KaminprSsinjusehin (48). 

Pawlowski (11). (23). Radecki, J. + Hl. Savary Pearce, F. f 294J 430 Ssirotinin «(11). 

Pawlikowsk#, E. f 252., Rakusa, P. f 98. Sawadski, M. t 440. Sengbusch 491, 502. Ssitsehinski (37). 

Paziorkowski, B. f 219. Raschkess (4), (51 Scarenzio, t 307. Serjesehnikow (6). Ssofronizki, N. f 149. 

Poiko, S. t 469. Rasdolski (43). Schäkert 399% 449. Serzew, J. f 42e. Ssokolow, N. f 111. 

Peredelski (43). Ratimow, W. f 110. Schafir. A. f 90. ‘Severin, K. t 284. ,Ssokolow. VV. (18). 

Perewostschikow (24). Ratschinski (37). Schaikewitsch (58). Shdanow (27). iSsokolow (2ß), (36). 

Perzew (29), (43). ; Redet* v. Schellman, A. Schamschin (9), Shdan Puschkin (5). Ssokolowski 327. 

Peskow f 440. ! t 506. Schaposchnikow (47). Sheltonoschki (44). Ssolowjew (48). 

Peters, M. f 428. j Redtenbacher v 494. Scharkewitsch (34). ( Sheltuchin (30), (48). Ssotin, A. f 18. 

Peterse» 194. \ Rein (37). Scbarschinski (34). Shirmunski (53). Ssuchanow (28). 

Petrasewitsch (50). j Reinhardt (31). Schatalow (33). Sholkow (30). Ssuchow (10), (31),(38). 

Petiow, G. f 450. Reitter u. v. Schrotter Schatenstein (44), (50).j Shukowski, M. (4), Ssusslow (12). 

Petrow, P. f 71. : 394. Schazki (361, (48). ! (tl), (59). Stachelin 438. 

Petrow, W. (1), (36). Reitz, VV. f 395. Scheel 58). Shukowski, W. (8). Stange (30’. 

(48). 1 Reitz 394. Scheitel (34). (18), (44), (51). [Stankewitsch (43). 

Petschnikow (49). j Rembold, 0. f 407. Scheinziss (47). Shytschenko (27). 'Stankow (40). 

Peunow, A. + 184. Rosanow (47). Schepilewski (23). Sianoschenski (23). Starkow, A. (2), (46). 

Pewnizki, A. (5), (14). Reschischikow, N. y S« hiele 123,165*, 167*, Siegmund 3. Starkow, W. f 369. 

Pewnizki (12), (35). 184. 535**, (35). I Siele (15). iStawski (30). 

Peypers f 38. ; Reynier, L. de f 274. Schiraanski (24), (41). Sieveking, E. f 111. Stechow 64. 

PezuliJ 392. Richter 107. Schirscbow (44). Sikar (20). |Stefanowski (30). 

Pfeil, L. f 294 Riegel, F. f 384. Schischkin (42). I Sikeraeier 229. (Stein, S. (1), (10). 

Piatkowski 43*. ; Riekhoff. A. v. f 545. Schistowski (52) Simon, J. f 360. 'Stein, A. 579. 


Pikowski (17). 

Pinkus, L. 16. 

Pinkus 363* 363*. 
Piontkowski (ö). 
Pletnew (57). 
Podgoretzki, Stolipin- 
ski (4). 

Podobanski (42). 

Pohl (38). 

Pokrowski, A. (5). 
Pokrowski, G. (23). 
Polilow, (34). 

Poljanski (21). 
Polonski, B. f 494. 
Poper (50). 

Popowa (49). 

Poroschin (7), (28). 
Portugalow (4). 
Posbariski (10), (33), 
(67). 

Pospelow, A. (64) 
Pospelow (35), (55). 
Potapow (6). 

Potechiu (22) 

Potejenko (1), (28), (40), 
(46). 

Prawossud (31), (38). 
Preobraschenski, C. 
(27). 

Preobraschenski, P. 
(67). 

Preobrastienski, S. (.28), 
(44). 

Preobrashenski (3). 
Prewitt, Th. f 631. 
Prisselkow, P. f 582. 
Prissmann 424, 437. 
Prjänischnikow (2). 
Prokopenko (8). 
Protopopow (43). 
Prus8ki (42). 

Pryor, W. f 460. 


i Riutie 173, 196. 

I Rippe 11*, (7). 

Risel 25. 
i Rjabow (16). 

Rohde 681. 

} Roehr, Th. t 38. 
Romanowski (49). 
Roraberg 260. 

: Rosanow (9), (14), (45), 
(46), (57). 

! Roschtschewski (21). 
Rosenblum (8). 

: Rosenfeld (15). 

| Rosenstein, P. + 349. 
Roskanski (34). 

. Rostowzew, J. f 482. 

! Rostowzew, M. (52). 
i Roth 108. 

! Rouget, C. t 232. 

I Rubel (27). 

I Rubez, N. f 149. 
i Rubinstein 75*, 242. 

I Rudnitzki (25). 

I Radski (10), (57). 

: Rüdiger, W. y 184. 

' Rumjanzew (18). 

1 Russakow (17), (39). 
Russka (21). 

Rnsslow (58). 
f Rybakow (22), (2 6). j 


Schlater (27). 

Schlegel, M. f 328. 
Schmaehmann 424,437 
Schmidt, Ad. 394. 
Schmidt, E. + 47. 
Schmidt, W. (46). 
iSchnirer 558. 
iSchönfeldt, L. 303. 
jSchoenfeldt, M. 466. 
[Scholle (51). 

[Schostak (7). 

■Schott 358. 
Schraratschenko, K. 
i f 207. 

jSchroeder, G. 389. 
Schroeder, Th. v. f 282 
(56). 

Schroeder (32). 
Schroeder u. Blumen¬ 
feld 458. 

Schtschedrowitsch, J. 
f 98. 

iSchtschegolew (46). 
Schtschepotjew (24). 
Schüler, M. + 294. 
Schulzen, VV. t 557. 
Schwalbe 458. 
Schwartz, S. (10). 
iSchwarz, E. 172, 225*. 
240. 378. 


Sabolotnow (49). 
Sablndowski (6). 
Sacharow (24). 

Sachs (19). 

Sagumenny (9). 
Saizew, Toporkow (3). 
Sakussow (27). 
Salzberg (58). 
Samelsan, L. + 80. 
Samurawkin (31). 
Santschenko (16). 
Sarser, G. t 38. 


Schweinburg 68. 
Schweinitz. E. f 149 
Schwoger-Letezki (5). 
Scott, N. f 274. 
Seegen, J. f 28. 
Seeley, H. t 126. 
|Segal (38). 

Seiliger (19). 
jSeldowitsch (22), (37) 
jSelenew (25), (55). 
iSeleukowski (32). 
‘Selenoi (12). 


! Sinowjew (34). 
jSiwre (37), (18). 

•! Sjanoshenski (41). 

! Sklifossnwski, N. f 557. 
Skolosubow o. Topor¬ 
kow (11). 
Skorobogatow (56) 
j Skrobanski (28). 
Slatogorow (27), (30). 
(49). 

Slawtschew (37). 
Slowzow (42). 
Smirjagin (56). 
Srairnow (2). 

Smolenski (43), (44). 

. Smolitschew (19). 

; Snamenski (14). 
Snegirew (30), (37), 

■ (38), (62). 

Sniker (59). 

Sobotta 17. r 

Sokalski (35). 

Solomon (60). 
j Sorotschinski (5). 

I Spassokukotzki (1). 

I Spener, K. f 232. 
i Spiegel, H. t 90. 
i Spiess, A. t 69. 
i Spindler (7). 

I Spirtow (3), (II). 

| Sprimon (58). 

; Ssadowski (28). 

' Ssamgin (59). 

; Ssamochozki (3), (10), 

1 (44), (53). 

| Ssashin (23). 
i Ssawicki, M. t 219. 
i Ssawin (1). 

! Ssawitsch (31). 

1 Sselizki (41). 
i Sseraenow, A. (13). 

! Ssemenow, V. f 28. 

I Sserpowski (7). i 


Steinhaus u. Aichen- 
j wald (52). 

Stell wag v. Clarion f 
518. 

Stepanow, M. f 274. 
Stersheminski (42). 
Stillmark 171. 
IStoelzner 302. 
iStojanow (87). 
'Stokman, A. f 494. 
Strachow (30), (31), 

1 (38). 

Strassburger 358. 
Stratejewski (47). 

Stratz 88. 
iStrauch, M. t 98. 
[Strauch, P. 25. 
Strekow (43). 
iStrelkow (23). 
Stroehmberg 170, 421*, 
433*, 417*, 566. 
Stroganow (36). 
Stroinowski (6). 
Studsinski (15). 
Stuehlern 662. 

Stuertz 438. 

Snlakow (24). 
Swershewski (58). 
Swirsky 527. 

Syssojew (41). 

Tanewski (50). 
Taraszkewicz, EL -f 416. 
Tauber (43). 

Tawildarow (23). 
Tedsheako, (27). 

Teich 229. 

Tentschinski (16). 
Thierfelder, T. t Hl. 
Thompson, H. f 174. 
Thomson 391. 

Thornton, J. + 38. 
Ticbonewitsch (36),(55). 


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XVIII 


Tillaux, J. f 469. 
Timirew ( 34 ). 
Tirntin (7). 

Titow (63). 

Tonkow (13). 
Topalski (24). 
Toporkow £4), (35). 
Topurija, S. t 307. 
Trinkler (2). 
Troschin (12). 


!Tschi 8 towit 9 ch, Ssl 
! stakow (28). 
Tschlenow 436, ( 

I (20), (45). 
Tschujewski (26). 
iTorner (26), (48). 
Tuskaja ( 61 ). 
Twarjanowitsch, J. 
71. 

Tyrmos (47). 


Trubatschew, A.t 440.! 1 y shDenkn < 24 > 
Truhart 553, 575*. n,.ir 0 im a *7 


Tschaikowski (53). 
Tschalossow (3). 
Tscharnezki (57). 
Tschgtschiam ( 38 ). 
Tschechow, A. t 307. 


Ucke 110, 357. 
Uglow ( 6 ). 

Ugrjumow (21). 
Uhthoff 326. 

Ulesko - Stroganowa 
(41). 


Tscheglow (68). .Uugern-Sternberg, W. 

Tscheinolossow (30), 504 . 

(56). Ungern Starnberg P. 

Tscherbak (4), (11). 230. 

Taoharepnin, S. t 18’•!Unterberger 23* 
Tscherepnin (20), (52),ju S penski (68). 

(54). Uwerski, A. f 371. 

Tscherno-Schwarz (18), 

(21), (33), (39). jVierhuff 66. 

Tschish, S. (2). I Vogel 4 69. 

Tschisb, W. (.12). [Vorkamff-Laue, A. v. 

Tschistjakow, P. f 207.1 f 371. 


Voss, G. 36, 9.67*, 

423, (59). 

Voss, F. 242. 

Wainstein (32). 
jWalent 459. 
Waljaschko (3), (45). 
Waltmann (54). 
Wanach 69. 

Warinski (25). 
Warneck (41), (47). 
Wassiljew, W. (29). 
Weber 122, (22). 
Wedenski (47). 
Wegescheider 539. 
Weigert, K. f 83'.'. 
Weinstein (32). 

Weiss 414. 

Weljamowitsch (10). 
Werbatus 478. 
Werchowski (47). 
Wereknndow (44). 
Werncke 445*, 457*, 
(62) 

Wertogradow (6). ( 43 ), 
Wesselowsorow (16). 
Westpbalen 68, 109. 

282, 542. 

Wiener (26). 

Wiesel 394. 


IWillanen (14) 
iWinckel 67, 8b. 
Winogradcw, W.fi6l. 
Winoknrow (18). 
Winter, G. 458. 

|Winter, N. t 28. 
iWinternitz 438. 

' VViridarski (40). 
|Wirsaladse (16). 
Wirschnbski (19). 
Wistingha:isi‘n 415. 
Witzinski (8), (13). 
Wjaseraski (61). 
jWjatkowski (32). 
jWladiinirolf 251. 
Wladimirski (40). 
Wlajew (7). 

Wlassow, l\ (24). 
Wlassow, W. (42). 
Woizechowski (41). 
Wojatschek (41), (42). 
Wolferz 2. 

Wolff, E. t 28. 

Wolff 325. 

Wolfram, W. j- 6. 
Wolkenstein (50). 
Wolkowitsch, A.f 161. 
VVolkowitsch, N. (41). 
jWollberg, L. f 670. 
|Wolochow (49). 


Woltke (9), ( 34 ). 
Woltmann (20). 
Wolynzew (45). 
^orobeitschik-ow (50). 
iWoronow (12). 
iWoronzow (44). 
Worotynski (35). 
Woskresseuski (40). 

VI reden (23). 

Wulfius 269, 270. 
Wutschichowaki, H. v. 
t 245. 

Wygodski (32), (66). 

Zabludowski 107. 

Zahn, F. t 407. 
Zaleski, P. f 219. 
Zaregradski (3), (12). 
jZazkin (5), (24), (42). 
!Zeidler, G. (30), (37). 
Zeidler, H. (22). 
Zeitling (7). 

Zentner (20). 

^inuo, A. f 138. 

Zitrin (62). 

Zoege y. Manteuffel 
411*. (26). 

Zweifel 54 . 

IZwetajew (19). 



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XIII 


rr. 


Tabes, Veränd. d. Muskelsensibilität 
b. - (34). 

—, Bedeut, d. Syphilis i. d. Aetiol. 
d. - (57). 

Taanalbin, — b. Kinderdiarrh. (44). 
Taubheit, ak. Entwick. vollst. — (40). 
Terpentin, Aufbew. v. Gnmmigegenst. 
i. —dämpfen (5). 

Tetanie, — m. myoton. Erschein. 
(59). 

Tetanus, Behandl. d. — m. Emul¬ 
sion a. Hirnsubst. (16). 

—, F. v. —träumen (18). 

TbalamDS opticus, sensibi. n. motor. 

. Bed. d. — (34). 

Thee, d. rnss. — a. Tschakwa (6). 
Theocin, z. diuret. Wirkung d. — 
(26). 

Therapie. Lexikon d. phys. — 269. 
—, Taschenb. d. — 538. 

Tbigenol, z. ther. Bedeut, d. — 
„Roche“ 887*. 

—, Anwend. d. —„Roche“ i. d. 
Rhinologie (58). 

Thorakotomie, Nachbehandl. d. — (6). 
Tod und Leben (27). 

Tonometer nach Fick (31). 

Torticollis rheumatica, d.Lichtbehandl. 
d. - (4). 

Trachom, üb. Ichthargan b. — (6). 
—, üb. e. —herd i. Ssamara (6). 

—, Ichthyol b. — (6). 

—, Cupium citr. b. — (10), (24), 
(38). 

—, Meerbäder b. — (21). 

—, Mechanische —behandl. (31). 

—, —Verbreitung i. Kurland (31). 

—, üb. oper. Behandl. d. —s (31). 

—, Aetiol. d. —s (31). 

—, Result. d. oper. —behandl. (32). 
(38). 

-, d. — (42). 

Traenendrüse, z. Mikrophys. d. — 
(12). 

—, beiders. Erkr. d. — u. Ohr- 
speicheldr. (30), (38), (62). 

—, F. v. Cyste d. — (31). 
Traenenkanälchen, Pilzmassen i. d. — 
357, (16), (32). 

Traenensack, z. Exstirp. d. —s (30), 
(31), (32). 

—, Answasch, d. - s (31). 

—, Polyp im — (31). 

—, Komp), b. Exstirp. d. —s (50). 
—, z. Anat. d. —s (62). 
Traenenwege, Elektrolyse b. Erkr. 
d. — (32), (36). 

Transplantation, F. v. Muskel— z. 
Deckung e. Defekts i. d. Bauch¬ 
wand (2). 

Transpoit, üb. — Verwundeter v. 
Kampfpl. (6). 

—, üb. — Schwerverwundet. (29). 
Tube, Corp. lib. in d. — (28). 

—, prim. —nkarzinom (49). 
TuberkeJbazillen, Lykopod. u. — i. ! 

Sputnm 43*. i 

—, Ubiquität d. — 54. 

—, — u. Baz. smegm. (34). j 


Tuberkulose, —, Schwindsucht, Sa- 
nator. 23*. 

—, Unters, d. Sput. in d. erst. Period. 

d. — 363*, 363*. 

—, üb. — u. Heilstätten 392. 

—, z. — d. Auges 445*, 457*. 

—, z. Ther. d. Kehlkopf— 489*. 

—, Ehe, — n. Schwaugersch. 549*. 
—, Behandl. d. — i. d. Limanen v.' 
Hadjibei (1). 

—, Kampf m. d. — i. d. psych. 

Anstalten (4), (35). 

—, Injektionen v. Natr. cinnarayl. b. 
Lnngen— (6). 

—, d. Nekro— u. d. Pseudo— b. 
Kaninchen (7). 

—, — i. Heere u. d. Flotte (11). 

—, prim. — d. Bindehaut (31). 

—, Karzinom u. — (33). 

—, üb. — d. weibl. Gen. (37). 

—, Bekämpf, d. — i. d. Armee (41). 
—, z. Statist, d. — (43). 

—, Maassn. f. d. Chirurg. — (49). 

—, Zusammenh. d. M. Werlhofli u. 

d. - (49), (50). 

—, s. a. Miliar— 

Tumor, Lumbalpunkt b. Gehirn — 
1*. 

—, Gehirn— nach Otitis med. 242. 
—, F. v. — cerebri 377. 

—, F. v. — d. reg. coccyg. 424, 425. 
—, F. v. Milz— 437. 

—, cavern. Blut- n. Lymphgefäss 
—en 502. 

—, üb. prim. —en i. Mesenterium 
(2). 

—, z. Diagn. d. Dickdarm—en (2). 
—, d. Serumtberap. d. bösart. —en 

(7). 

—, z. Diagn. d. —en d. Unterleibes 
(29). 

—, Luft— d. Kopfes (46). 

—, F. v. Orbital— (56). 

Typhus, Bekämpf, d. — 108. 

—, F.- v. foudr. - abdom. 390. 

—, üb. Ebert’sche Bazillen i. d. 
—roseolen (14). 

—, Diazoreaktion b. — abd. (23). 

—, üb. Komplik. d. — abd. (24). 

—, Eiterbildung b. — abd. (36). 

—, d. weiss. Blutkörp. b. — abd. 
(36). 

—, Hautschuppung n. — abd. (39). 
—, Epidem. d. — abd.i. d. Mandshu- 
rei (42). 

—, Verhalt, d. weiss. Blutkörper, 
b. —abdom. (48) 

—, d. —exanthem.-Epidemie in Ptsbg. 

1902/1903 (52). 

—, s. a. Paratyphus. 


TT. 


Ulcus durum, F. v. — (6), (20). 

—, F. v. — a. d. Unterlippe (25). 
—, — ohne Drüsenvergröss. (53). 


Ulcus molle, selten. Lokalisat_ d. —. 

(6). I 

—, F. v. d. Fingern (85). 

-, Beh. d. — (43). 

—,.bes. Form dt —-(55). . . 

Ulcus rot. ventric., üb. — 403. 

—, F. v..— (2). •> 1 

Unfälle, z. Verbind, v».—n b. Verf. 

v,j Geschützen (22). v'. 
Untersuchung, Lehrbuch d. —srae- 
thoden 35. ‘ • 

Untersttttzung8kassen, z. Frage d. — 
170. 

Ureteren, üb. d: —rkatheterismus 134. 
—, üb. • —‘vern&hung (28). v. : 
Urethra, z. >£as. d. -^steine (21). 

—, Herstell, e. künRtl. -*■» (41). 
Urethritis, — gonorrh. b. Knab. 

(57) . ■ 

Urobilin, d. —bef. im Ham (58); 
Urologie, Handb. d, — 458t . 
Uterus, Er weiter, d..n. Bossi 172. 
—, Bekämpf, d. —krebs. 458. 

—, —exstirp. weg. Karzinom 529. 
—, Exoochlent. d. ^— i. puerp. 67$. 
—, üb. vagin. Totalextirp. d. — (1). 
—, Behandl. gonorrh.,—katarrhe m. 
Protargal (15). 

—, r-dnversion, bedingt durch gross. 
Fibroid. (21). 

—, üb. rekurrent. Fibroide d. — 
(23). 

—, Diphtherie d. puerp. — (30). 

—, puerp. Erkr. d. —höhle (37). 

—, üb. —ruptur (37). 

—, F. v. — u. Scbeidenruptor (37). 
—, F. v. — bicorn. et Vag. septa 

(40) . 

—, Bez. d. Ligam. rotund. z. — 

(41) - 

—, Radikal beh. d. Fibromyome d. — 

(41). 

—, — bicornis m. ungew. Abort 
(49). . 

t—, inoper. ^krebse (49). 

—, Beh. d. —krebse (50). 

—,=— arcuat. sept. etc. (50). 

—, Vagina et — duplex (50). 

•—, radiment. Entwick. d. u, d. 
Atr. vag. (53). 

—, kons. vagin. Oper. d. —flbrome 

(58) . ...t 

—, Znsammenh. v. -— m. Magen (61), 
—, s. a. Cervix, Hysterotomie, Myom, 
Tobe. 


T7". 


Vaccination, üb...forcierte — b. Va¬ 
riola vera (6), (20). 

Vagina, prim. Neubild. d. — (4). 

—, Stenose d. — (28). 

—, Zerreiss d. Rekto—len Scheidew. 
•b. d. Geburt (7). 

—, oper. Beh. d. prim. —krebses 
(49). 


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XIV 


Vagina, — et Uterus duplex (50). 

—, Fremdk. i. d. — (60). 

Vaporisation, — v. Arzneimitt. (36), 
(4*). 

Variola, forc. Vacinat. b. —vera. (ß), 

( 20 ). 

Venen, üb. d. Behandl. d. varik. 
—erweiterung (16). 

Verbrechen, Krankheit, Begabung o. 

— 88. 

—, Psych. Analyse d. —8 (5). 

Verbrecher, üb. Charakterzöge d. — i 
(28). 

Verkrümmung, Behandl. d. —en mit 
Etappenverbänden nach Wolff (13). 

Veronal, z. Pharmakol. d. —8 (22). 

—, üb. Wirk. d. —s (30). 

—, — b. Geisteskrank. (52). 

Vibration, z. Frag. d. — s-Sensibili- 
tät (4). 

—, Unters, üb. mechan. —en (11). 

Virchow, als Arzt 325. 

—, d. Bedeut. —s i. d. Chirurgie 
(2), (5). 

Vulva, F. v. Melanosarkom d. — 

(7). 

Vulvo-vaginitis, Diphtheriebazillen b. 

- ( 6 ). 

—, üb. d. gonorrh. — b. Kind. (10). i 




Wachstum, üb. d. —-sgesetze d. menschl. 
Körp. (23). 

Wasser, ehern. Reinig, d. —s (42). 
Wasserstoffsuperoxyd, — bei einig. 

Erkr. d. Magens (5). 

Werde gesund! 26. 

Winterklima, d. — Egyptens 17. 
Wirbel, Operat. b. —erkrank. (45). 
Wirbelsäule, üb. Versteif. d. — 424, 
(16). 

—, neurop. Unbewegt, d. — (58). 
Wochenbett, Cholecystitis im — 425, 
465*. 

—, Beh. d. sept. —erkr. i. d. 

Cbarkower Klinik (50). 
Wochenbettfieber, Beh. d. —s in. 

Antistreptokokkenser. (44). 

Wunde, Einfl. d. Virul. d. Streptok. 

a. d. Verl. e. infiz. — (24). 
Wundbehandlung, — mittelst Pulveri- 
sation (19). 

Wundsperrer, e. neuer — (1). 


X 

Xeroderma, Augenveränder. b. —pig- 
ment. 465*. 


Zahn, —pflege i. d. Armee 107,(24), 

—, —anomalieen b. Syphilis (36). 

Zehe, Luxation d. gross. - (30). 

Zellgewebe, Echinokokkus d. sub- 
kut. —s (10). 

Zellgift, üb. Wirk. v. —en i. d. 
Pathol. d. Auges (36). . 

Zentralnervensystem, Metli. d. Färb, 
i. - (3). 

Zentralorgane, Bau d. nervös. — 
345, 436. 

Zentrifuge, d. klin. Bedeut, d. — als 
diagn. Hülfsmittel (9). 

—, z. diagn. Bedeut, d. Drehens a. 
d. — (12). 

Zestokausis, Atmokausis u. — 16. 

Zucker, —bild. i. d. isol. Leber (36). 

Zwangserscheinungen, psych. — 448. 

Zwillinge, E. v. Zaugenoperat. b. —n 
376*. 


Namen-Register. 


Abdejew (24). 
Abderhalden 97 
Abel 17. 

Abraham, A. f 440. 
Abrashanow (46). 
Abuladse (44). 
Achwlediani (10). 
Adamück (48). 

Adolphi 375*. 
Afanassjew, W. + 6. 
Agadschanianz (II), 
(26). 

Agrowski, M. + 161. 
Aikanow, A. + 246. 
Akinfijew, M. + 307. 
Aladshalow, J. + 469. 
Albanus 356. 
Albere-Schönberg 36. 
Alexandrow, A. (4), 
(37). 

Alexandrow, L. (40). 
Alexandrow, W. + 125. 
Alexandrow, W. + 261. 
Alexandrow u. Kwas- 
kow (41). 

Alexandrow u. Rosen¬ 
feld (49). 

Alexejew, M. (21). 
Alexejew, P. 216. 


Alfejew (24). 

Allingham, H. t 506. 
Almasow, W. + 383. 
Almkvist 567. 
Althansen, A. + 261. 
Amtschislawski (19). 
Anders, F. + 54ö. 
Andrshejewski (19). 
Andruss (6). 

Anufrijew (23), (49). 
Archangelsk^ M. +531 
Archipow, A. (33). 
Archipow (49). 

Argentow, T. + 395. 
Aristow, P. + 395. 
Asher 394. 

Aspissow (24). 
Astwazaturow (42). 
Ansin 63*. 

Anzeneek, A. f 261. 
Awdejew (5). 
Awerbach, J. (31). 
Awerbach, M. (15). 
Axenfeld 388. 

Bätge, A. + 197. 
Baginski (5). I 

Bahrdt 358. ' 

Baikow (14), (20). 1 


Bakst, N. + 570. 
Balarnssew (40). 
Balaschew (28). 
Bandaün (52). 

Banks, W. M. + 371. 
Baranow (54). 
Baratinski (26). 
Bassow, N. + 261. 
Bartels, M. + 461. 
Barth (6). 

Bartholow, R. + 252. 
Bary 27. 

Batnjew (16). 

Bauer (20). 

Bebowitsch (29) 
Bechterew (3), (4), 

(11), (12), (34), (35), 
(69), (60). 

Beckmann (6), 
Beermann, N. + 482. 
Bebr 259, 271, 304. 
Belikow u. Bauer (2), 
(49). 

Belizki (12). 

Beljajew, J. + 349. 
Beljajew, W. (13J. 
Bellarminow (8), (32). 
Beloglasow (7), (20). 
Beloussow, A. (17). 


Benderski (30). 
Benklewski, S. + 582. 
Bennecke, F. + 339. 
Benoit 229. 

Bereskin (31) 
Beresnegowski (33). 
Berg, A. 134. 

Berg, F. 271. 

Berg, H. 136. 

Berg, H. + 184. 

Bergei 501. 
Bergengrün 160. 
Bergmann 103*, 302, 
303, 346, 467, 539. 
Berkenheim (18). 
Bernhardt 448. 

Bertels 79, 206, 215, 
502. 

Bertenson (22). 

Bethe 302. 

Beuthner 17. 

Bilibin, J. + 173. 
Blago weschtschenski, 

D. (47), (66). 
Blagoweschtschenski, 
M. (62). 

Blessig 357. (32), (62). 
Blindreich 95*, 491. 
Büx, M. f 90. 


Bloch 581. 

Bluhm, K. + 461. 
Blumenau (35). 

Bobin (56). 

Bobkiewicz, J. + 231. 
Bobrow, A. + 645. 
Bock, W. + 197. 

Bode, 0. + 631. 

Boehm 25. 

Boettcher, B, + 383. 
Boetticher 79. 
Bogajewski (42), (53). 
Bogoljubow (11). 
Bogoras, A. + 90. 
Bogoslowski, V. + 339. 
Bogrow (34). 
Boino-Rodsewicz (35). 
Bokelmann 515. 
Boldirew (14). 
Bomstein (22). 
Bondarew (2). 
Bontsch-Osmolowski 
(13). 

Borissow (14), (16). 
Bornhaupt 377, 448, 
516. 

Borodulin, G. (58). 
Borodulin, W. + 567. 


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XV 


ßosse, H. 78, 

203*, 567. 

Bosse 67*. 

Botey 345. 

Botscharow (22). 
Bolscharowski (6). 
Brackei 424,426, 438. 
Brandenburg 395. 
Braslawski (13). 
Brauer 394. 

Braun 538. 

Braunschweig, M. v. f 
371. 

Braunstein (31), (38). 
Brebm, 0. 257*, 623*. 
ßreitmann (48), (50). 
Bremener (58). 

Britnew (16). 

Buch 289*. 

Buchowzew, J. f 407. 
Budberg 53*. 
Bukojeniski (4), (22). 
Bum 269. 

Burchard 4. 

Burdsinski (4), (41). 
Buschujow (24). 
Butzke, V. f 90. 
Burschalow (35). 
Burzew (6). 


Camp, de la 394. 
Carbonne, P. f 428. 
Castelli, R. f 28. 
Cayley, H. t 161. 
Cercich 657. 

Chanutin (36). 
Charitonow (6), (42). 
Cheyfetz (50). 
ChishDjakow (34). 
Chraeljewski (44), (63). 
Chochrjakow (6). 
Cholodkowski (61). 
CLolmogorow (23), 
(37). 

Chorzew (38). 
Christiani 425, 437, 

455*. 

Chworostanski (46). 
Clar, C. f 38. 

Claus, W. f 546. 
Cnyrim, V. f 284. 
Cobn, L. f 18- 
Cohn 89. 

Cron 108, 109, 240. 

Dagilaiski (6). 
Danilewski, A. (42). 
Danilewski, J. f 518. 
Danilewski, W. (27). 
Danilewski (44). 
Danilow (53). 
Danilowitsch (36). 
Darkschewitsch ( 16 ). 
David, t 261. 
Dawydow, A. t 482. 
Dehio, 358, 389, 438. 
Delektorski (39). 
Deraidow (44). 

Demin u. Schmidt (46). 
Dettweiler, P. f 18. 
Derjushinski (2), (47). 
Deutsch, S. (53). 


19 1*,| Deutsch, W. v. f 557. 
Dewitzki (57). 
Diamandt (41). 
Dibailow, J. (54) 
Dibailow, S. (6), (20), 
(42). 

Didrichson (36). 

Diesler (62). 

Dittmann, W. v. f 349, 
Diwawin (59). 
Djatschkow (35), (53). 
Djedow, G. (34), (60). 
Djedow, W. (23). 
Dmitrijew, W. f 98. 
Dobbert 261,279*, 424. 
Dobkiewicz f 284. 

Dobrochotow (10), 
Dobronrarow (27). 
Dobrotworski (46). 
Dobrowolski, L.+ 671. 
Dobrowolski, N. (42). 
Dobrowolski, W. f 149. 
Dobrowolski (10). 
Dogiel (29). 
Dokuschewskaja (37). 
Dolgopolow (26). 
Dombrowski (8), (50), 
(63). 

Dranizin (60). 

Dräsche, R. v. f 371. 
Drshewezki (24). 

Dsirne (19), (26). 
Duclaux, E. f 207. 
Dudkinski f 450. 

Dulf, J. t 294. 
Dukelski (6). 

Dünn, J. t 316. 
Dwushilni (26), (36). 


Eberhardt, J. (6). 
Eberhardt f 360. 
Ebstein 326. 

Edebohls 527. 

Edinger 345, 436. 
Ehrlich 389. 

Eini8 (7). 

Ekgreen (97). 

Elias 338. • 

Eliasberg 134, 378. 
Emmerich, 0. f 184. 
Emmert, C. f 18- 
Emminghaus, H. f 71. 
EngelBey 17. 
Engelhardt 563*. 
Engelmann 466. 

Erb, jun. 357. 

Erdberg 347. 

Erikson (34), (42), (60). 
Ernroth (32). 

Ernst (42). 

Ewetzki (55). 

Faber 680. 

Fahrenholz, W. f 47. 
Falck, E. + 125. 

Falk, M. (69). 

Falk 376. 

Famillier, M. •}• 245. 
Fawitzki (27). 

Faworski (7). 

Fedorow, A. f 161. 
Fedorow, A. + 252. 


Fedorow, J. (28), (29). 
Fedorow, P. (17). 
Fedorow, P. f 207. 
Fedorow, S. (21). 
Fedorow, W. (40). 
Fedorow (36). 
Fenomenow (4). 
Fenster (6). 

Fick 293, 413, 423, 
478. 

Fidrowski, A. f 631. 
Filippowitsch, J. t24ö. 
Finkeistein, B. (14), 
( 21 ). 

Finkeistein, J. (43). 
Finsen, N. f 416. 
Fiori, G. f 307. 

Fisch (56). 

Fischer 16 . 

Flaczynski 343*. 
Flerow, K. (9). 

Flerow, L. (46). 

Flügge 64. 

Kraenkel, A. 358. 
Fraenkel, R. (19). 
Fraenkel 601. 
Frangopulo (7). 
Frankenhäuser 194. 
Fremmert, H. + 261, 
282. 

Frenkel, (21). 
Freymann, 0. f 505. 
Friedberg, 425. 
Friedenstein 406. 
Frisch u. Zuckerkandl 
458. 

Frolow, W. (43). 
Frolow (35), (36). 
Fürstenheim, E.f 307. 


Gabizo, J. f 307. 
Gagarin, (32), (55). 
Gagitidse (18), (44). 
Gailleton f 482. 
Gajewski, J. + 671. 
Gallez 108. 

Gary 107. 

Ganshinski, W. (24). 
Gauschinski (8). 

Gay, E. | 469. 

Gayet, Ch. t 339. 
Gefter (26). 

Geier (33). 

Geisböck 357. 

Geissler (14). 
Generopitomzew (43). 
Georgiewski (21). 
Gerwer (5). 

Gilbes de la Tourette 
t 252. 

Gindes (13). 
Girgensohn, W. f 173. 
Glasstein (1), (48). 
Glawtsche (35). 
Glückmann (43). 

Gnus, E. f 383. 

Goetz, B. t 407. 
Gogozki, W. f 407. 
Goldberg, 0. (28). 
Goldberg (17). 
Goldberg 424. 


I Goldberg-Sl atogoro W 
(15). 

Goldscheider 67. 
|Golossow (6). 
Golowin(30), (31), (36). 
Golubinin (20). 
Golubinzew, N. (48). 
Golubinzew, P. (42). 
Golubow (19). 

Golynez (24). 
Gorochow,D. (44X (45). 
Gorochow, J. f 197. 
Gottschalk 269. 
Grabowski (82). 
(Graebner, F. f 339. 
Grasnick, P. | 47. 
Grassmann 448. 

Greef 388. 

Greidenberg (12), (22). 
Greife (87). 
Greiffenhagen 404,406. 
Gremjazki, T. f 582 
Gretschichin, A. f 395. 
Grigorjew, L. f 494. 
Grinew (55). 

Griwzow, G. f 197. 
Grjasnow, P. f 428. 
Groedel, 357. 

Groenouw 325. 

Gross, A. f 90. 

Grot 135, 346. 
Grünspert, A. f 80. 
Gmsdew (22), (23). 
Gubarew (42). 
Gubermann (33). 
Gubert (25). 

Guinard 376. 

Gukowski, V. t 440. 
Gurecki, A. f 58. 
Gurgenow (49), (60). 
Gurwitsch (31). 
Guttmann 25. 
Gutzmann 439. 

■Hagmaun (2). 
iHaller 404. 

Hatpern (9). 

Hamonie 338. 
Hampeln, 136, 240. 
Hanzel 45. 

Hardon + 138. 
Harmsen 403. 

Hartje (3), (4). 
Heidemann 426. 

Heim 490. 

Heimann (8). 

Heinaz (29). 

Heindl 122. 

Heine 88. 

Heineke 346. 

Heisrath, F. f 307. 
Hellat 237*, 249*423, 
652. 

Hellmer (38). 

Henschen 581. 
Herbsmann (29). 
Herhold 16 . 

Hermann 171. 

Herrero, A. f 582. 
Herzen, P. (38). 
Herzen (68). 

Heobner 121. 


Heuking 26,109, (52). 
Hiller 240. 

Himmel (35). 
Himmelfarb (49). 
Hippius (17). 

Hirsch, A. (42). 

Hirsch 405. 

Hirschberg 116*, 230, 

639. 

Hirschhausen, L. f 71. 
His, W. t 197. 

Hitzig 89. 

Hochhaus 358. 
Hoegerstedt 51*, (22), 
213*. 

Hoen 229. 

HoerschelmaBn, E. 97, 

640. 

Hoerscbelmann, (Rap¬ 
pin) 33*, 269, 404. 
Hoffmann, H. 406. 
Hoffmann, K. + 6. 
Hofrichter, A. t 360. 
Hohlbeck 36, 805, 314, 
368, 489, 479. 
Holcombe, W. f 208. 
Hollmann 390. 
Holowko (41). 

Holst, R. v. 476*, 487*. 
Holst, V. v. t 294. 
Holst, W.v. 86*. 159, 
346, 377, 414,499*. 
Hoppe-Seyler 368. 
Hubert (29). 

Httbl 16. 

Hunnius 415. 

Huppert, H. f 461- 

lljin, P. f 428. 

Iljin (12). 

Ischreyt 426, 466*. 
Istomin (61), (68). 
Istomina, L. t 316. 
Ivensenn, K. + 517. 
Iwanow, A. (1). 
Iwanow, C. (36). 
Iwanow, E. (6), (17), 
(24). 

Iwanow, N. (16), (37), 
(41), (49). 

Iwanow, (11), (12). 

Jablokow, f 667, 
Jacobaeus 581. 
Jakobsohn, L. (48), (68), 
Jakobson, W.(37), (40), 
Jakowlew (25), (66). 
Jaksch 358. 
Janischewski, F. f 173. 
Janowski, T. (36). 
Jauowski, W. (14). 
Januschkewitsch (19). 
Jaroschewitsch, C. f 
506. 

Jaroschewski, (3), (12), 
(59). 

Jassni (62). 

Jastrebow (50). 
Jastschin8ki (13). 
Jegorow (28). 

Jentter, J. f 349. 
Jermolinski (6). 


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XVI 


Jerussalitnski, J (öti). Koltschin (47). Lang Soi. 

Jerussalimski, M. (42). Koltuu, L. f 494. Lange' 214*, 282. 

Jerzabeck 97. ‘ Komarowitsch (3t). Langerhans, R. t 518. 

Jessipow, (31). Kondratjew (31). Lapin (18). 

Jolly, F. ,f 6. Konkolewski, S. f 461. Lapiner (40). 

Jonon, F.’t ,197. Konstantinowski f 184. Lasarew, A. (14). 

Jordau (55), (57). Koppe 170. Lasarew, E. (45). 

Jackeisohn (47). - Koppel 172, 229. Lau 131*, 143*. 

Jürgens, E. 35. Korablew (30). Lazarus 551. 

Jurmann (14). Kornfeld 501. Lehmann 88. 

Jnwatschew (43). Korolkow (23). Leimer, F. t 328. 

Koropowski (54). Leo 438. 

Kablukow (1), (2), (46), Korowin (7); Lescbko-Papel, J. f 6. 

.«' (58)1 Korowitzki (27>), (50). Lesin (48). 

Kabschel, Velich, Hra- Korschuji, Nedrigailöw Lessowoi (49). 

ba 122. ‘ u. Ostrjauin (12). Lewaschow (27), (48). 

Kadygrobow *(61). Kortschak - Tschepur-Leyden 229. 

Kahldeo 638. , . kowski (27), Lezius 579. 

•Ratäan, F. f 71. Koschew (67). Lianz (23). 

Kakusbhkin (20). , Koslowski, B. (23), Liebe 25. 

Kalinin, A- T 506 (47). Liebeault, A. t 80. 

Kalinowski (41). . Koslowski, M. (8). Liebig, G. f 58. ’ 

Kalk (24). ’ • Kosteljanez (19). Liersch, L. f 232. 

Karaenski (11). Kostezki, J. t 305h* Liese, T. f 274. 

Kamnew (30). Kostin (13). Lieven 206. 

Kamocki, R :, f 138. Kostromitinow,J.fl6l. Lifschütz, J. (8). 
KantoroWitsch, "S. fKo^k (69). 1 Lifschütz, M. (27). 

328. ' Kowalewski (19), (35). Lifschütz, S. (31). 

Karamitsas, G. f 219. Kowarski (54). Likernick (31). 

Kamitzki (7), (23). Kozowski, (3), (12), Lingen 511*. 

Kasarinow (14)., (59). ’ Lintwarewa (29). 

Kasas (8),, (62). Kraindel (19).-i Lipski (27). 

Kast&najan (4). Krajewitsch, D. t 328. Lissewitsch (24). 

Katterfeld, II. f 482. Kramer 44*. Lissjanski (4), (21), 

Katz (56). Krannhals 492. (45). 

Kaufmann" (40).' Krassilnikow, M. f 450. Ljubimow (43). 

Kehf^389. ? ' Krasnobajew (39). Ljubomndrow (24). 

Keilmann .5, 259, 270, Krasnow (33). Ljubuschkin (62). 

299*, Wi 811*. Krassinzew (46). Lobanow (32), (66). 

Kernig, 326, Krause, P. 438. Lobasa (28). 

Kersnowsfei (30). Krause, S. (56). Loewenfeld 448. 

Kieseritzky 449. Krawkow (13), (36). London (36), (48). 

Kijauizyn (5). Kreps 553, (13). LordkipanidsL- (7). 

Kikuth 549*. Kressin (6). Lorenz 25. 

Kirikow 477*, (21), Kriwski (Gl) Loschtschilow (16). 

(36). Krjukow (36). Loshetschnikow (33), 

Kissel (36), (49), (51).Kroeger 313. (62). 

Kitajew (21). Krooyker f 407. Lotiu (8), (15), (32), 

Kittel 240. Kfnedener 271. (36). 

Klein, K. f 469.' Krupp 376*, 387*. Lov6n, 0. t 294. 

Klemm 502,517. Krylow (33). Lundborg 35. 

Klemperer 358.. Krymow (1), (16). Lunin 540, 552. 

Kletschetow» J- (6), Ksido (53). Lunz (33). 

(42), Kobli 16, 27, (8), (31).Lurje (27). 

Klikow (62); (32), (8). Lwow, J. (29), (52), 

Kljukowski, V. f 58 - Kudisch (2), (26) 35).), t 571. 

Klopfer (6). Kuestner 501. Lwow (40). 

Klopotowski (36). Kulbiu (12). 

Knorre 3, 79. Kuljabko u. Alexandro-Magawly, J. Graf f 

Kobert 515. I witsch (48), 382. 

Koch, C. t 80. ' Kupffer 179*, 379, 415. Makarejew (13). 

Koch, R. 108. ' Kupp (43). Maklakow (30), (38). 

Koebner, H. f 895. Kurilow, W. f 126. Maklowski (50). 

Koeppe 394. Knrotschkin (43). Malzew (3). 

Koeppen 89. Kuschew(7), (20), (33). Mandelberg (30). 

Koester, K. f 531. Kusrain (2). Mandelstamm, L. 1416. 

Kofmann (47). iKnsmitzki (32). Mandelstamm 448. 

Kohan (6), (31). Knsnetzki (2). Manewski (24). 

Kolessow, S. "j* 294. iKuttner 345. Manuilow (52). 

Kolli (51). ' , iMaosurow (53). 

Kolotinski (21). Laignel-Levastine 579.jMarchand 260. , 

Koltschewski (23). Länderer, A. f 384. iMarey, E. t 219. 


Margulies (35), (46). 
Mark (13). - ’ 

Markowitin (46). 
Marolin (31). 

Martini 490. 

Martino f 125. 
Martinsen (8). 
Marykowski (39). 
Marynowski, S. f 461. 
Marzinowski (10). 
Marzinowski u. Bogrow 
(57). 

Maschner, (7). 

Masing, E. jun. 1* 123, 
137, 160, 183, 196, 
218, 426, 468, 629. 
Masing, E. sen. 321*, 
333*, 542. 

Maslennikow (38), (62). 
Maslowski, J. •}• 284. 
Massen, W. f 416. 
Matawkin (32). 
Matwejew (41). 
Maurach, F. t 469. 
Maydel 403. 

Mayer 551. 
Mejerowitsch (27). 
Mendes da Costa 338. 
Menschikow (48), (49). 
Menzer 395, 448. 
Mercklin, K. f 546. 
Mering 17. 

Meyer, G. 269. 

Meyer, I. 529, 580. 
Michailow (18), (39). 
Michalkin (46). 
Michalski ( 16 ). 
Michelson, E. 412. 
Michelson 424. 
Michuow (22). 
Michnowski (29). 
Middendorff 404. 
Milostanow, M. t 428. 
Minkewitsch (37). 
Minor (58). 

Minz (36), (48). 
Mironow (ö). 

Mirowslti (48). 
Mischewitsch, A.flll. 
Mitrofanow (4). 
Moebius 88. 

Moeller 17. 

Möller u. Müller 16. 
Moigis, T. f 252. 
Moldawski (19), (54). 
Moltrecht 544. 
Momburg 108. 
Monkiewicz, J. f 482. 
Moritz, E. 115*. 
Moritz, 0. 27. 
Morkotun (11). 
Morosow (40). 
Morosawski, J. f 80. 
Mraiski, S. f 440. 
Mnehlen, v. z. 3, 569. 
Mueller und Triljesski 
( 20 ). 

Muellern 325, 490. 
Muratow, A. (27). 
Muratow, W. (9). 
Mursa (28). 


Mursin (5). 

Mussiii (43). 

Nalbandow (14). 
Nandelstedt (30). 
Natanson, A. (30),(31), 
(38). 

Natanson, L. (31). 
Naumann, A. (60). 
Naumann, 0. f 531. 
Nedatz f 383. 

Nefedow (ö). 

Negodajew (24). 

Neidling, J. f 416. 
Neisser 394. 
Nenadowitsch, (37), 
(40). 

Neporoshny (42). 
Netschajew (24). 
Neuburger, Pagel 17. 
Newjadoraski (34). 
Newolina (62). 
Niemilowicz, L. f 285. 
Niessl v. Mayendorf 
439. 

Nikitin, M. (11), (34). 
Nikitin, W. 489*. 
Nikoljukin (8). 

Nikolski, N. (46). 
Nikolski, W. (41). 
Nikonow, S. (21). 
Nikonow (49). 
Naischewski (31), (32), 
(56). 

Noorden 358. 

Norkin, K. f 557. 
Nowikow, A. (29). 
Nowikow, N. (5). 

Obakewitsch, M. f 360. 
Obraszow (16). 

Odinzow (47). 

Ognew (55). 
Ogranowitsch, M f 252. 
Okrajanski (42). 
Olderogge (49). 
Oppenheim, A. f 261. 
Oppenheim, H. 182. 
Oppenheimer, Z. f 284. 
Orbant (30), (44). 

Orlow, K. (62). 

Orlow, W. (13), (15), 
(22), (26), (45). 
Orlowski, A. ( 1 ). 
Orlowski, S. (36), (48)* 
Orlowski, W. (13), (15), 
Orschanski (12). 
Ortenberg (41). 
Oscherowski (42). 
Ossipow, J. f 173. 
Ossipow (4), (35). 
Ossipowski (6). 

Ostankow (4), (35), 

( 61 ). 

Ostaptschuk (22). 
Ototskaja (30). 

Pagenstecher f 307. 
Paldrock 527. 

Panjntin, N. f 416. 
Parischew (22). 

Passek (60). 


Digitized b v V 


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V 


Cervix, Erweiter. d. — n. Bossi 
347. 

—, Er weit. d. - at. m. d. Bossi- 
schen Dilat. (4). 

—, Behandl. gonorrh. — katarrhe in. 
Protargol (15). 

Cbaulmoograoel, Behandl. d. Lepra 
ra. — 179*, 415. 

Chir.opyrin, üb. — b. Malaria (20). 

Chirurgie, üb. Hydrotherapie i. d.— 
170. 

—, üb. Elektrizität i. d. — (27). 

—, Stellung d. heut. (46). 

—, Bef. d. Poliklinik f. — i. Odessa 
(47). 

Cholecystitis, — im Wochenbett 425, 
455*. 

Cholelithiasis, Cardio-pulmon. Stör, 
b. - (21). 

Chorea, F. v. Huntington’scber — 
4, 55. 

—, z. Aetiol. d. — (33). 

—, Beh. d. — minor (39). 

—, Kakodyl b. — (52). 

Chorioiditis, F. v. Sklero— poster. 
u. F. v. — dissem. areol. (62). 

Coeliotomie, d. vagin. — (40). 

Culpopexia, — ant. et post. (37). 

Coxa vara et valga (26). 

Cuprum citricnm, üb. — b. Trachom 
(10), (24), (ob). 

Cyste, — d. Proc. vermif. 377. 

—, — d. Ovariums (15), (48). 

—, F. v. — d. Netzhaut (32). 

—, F. v. —d. Traeneudrüse (31). 

—. lib. Pankreas - (36), (45). 

—, Kolpotomie b. intraligam. —n 
(41). 

—, Vereiter. d. Ovarial — n (61). 

Cysticercus, F. v. — i. Muscul. pect, 
major. (6). 

Cystitis, — membran. gangr. (46). 


D. 


Dampfheizung, üb. d. — i. Kronstadt. 
Marinehospital (11). 

Darm, z. Kas. d. —okklusion 257*. 

—, F. v. —okklus. 302. 

—, üb. Dick—geschwülste (2). 

—, 2 F. v. Laparotomie b. U»durch 
gang. d. —s (6). 

—, üb. e. fettspalt. Ferment i. — 
safte (14). 

—, seit. F. v. —okklus. b. e. Kinde 
(18). 

—, üb. akut. Undurchgäng. d. —es 
(.22). 

—, F. v. Anthrax d. —s (24). 

—, F. v. Verletz, d. Bauchhöhle u. 
d. -s (30). 

—, F. v. chron. —invagination (36). 

—, üb. Unwegsamkeit d. —es (37). 

—, F. v. ak. —Stenose (42). 

—, z. Kas. d. —ausschalt. (45). 
z. Kas. d. hoh. —atrophie (47). 

—, Melanosarkom d. Mast—s (i8). 

—, z. Kas. d. Fremdkörper im — 
(49). 


Darm, z. Kas. d. —wandbrnche (53). ' 
—, Beb. d. —okklus. m. Atropin ■ 
(53). . i 

Decoct Zittmanni, — b. Lues 415. 
Degeneration, üb. körn. — d. quer¬ 
gestreift. Muskelfasern (12). 
Dentition, üb. nnregelm. — i. Kiq- , 
dcsalter (s), (17). 

Dermatologie, z. Psychother. i. d. — j 
(26). 

—, Morphol. etc. i. d. — (35). 
Dermoid, — d. gross. Flügels a. J 
Keilbein (31). 

Desinfektion, üb. — nrolog. Instru- j 
mente (6). j 

—, Vorricht, z. — m. Formalin i 
(48). 

Dezidua, —zellen b. Endometr. (23). ; 
Diabetes, — infolge v. Nebennieren- | 
erkr. 389. i 

—, Urspr. d. Inseltheorie d. —mell. 

• 575*. ' 

—, Essentia antimell. comp. b. — . 

(15). ! 

—, üb. — insibid. b. Kind. (18). 

(21). I 

—, üb. Presshefe b. — mellitus (3c). 
—, — mell. b. Kind. (40). 

—, Haferdiät b. — mell. (49). , 

—, Kakodyl b. — (52). j 

Diarrhoe, Flagillateu b. — 357. 

—, Beh. d. — n m. Pomeranzen- • 
tinktur (43). ! 

—, Tannalbin b. Kinder—n (44). 
Diaetetik, Handb. d. Ernährunes- 
therap. u. — 229. 

Diazoreaktion, z. — b. Abdominal¬ 
typhus (23). 

Dilatation, forcierte —sinethoden (37). 
Dionin, Wirk. d. Heroin u. — (20). 
Diphtherie, bakteriol. Befund b. d. 

—diagnose (21). j 

—, — d. pnerp. Uterus (30). 

—, plötz. Tod b. — (33). 

—, z. Kas. d. Lähmung n. — (53). 
—, Einf. d. —toxins a. d. Stoff¬ 
wechsel b. Tier. (58). 

—, s a. Serotherapie, Serum. 
Diphtheriebazillen, — i. e. F. v. 

chron. Vulvo-vaginitis (6). 

—, Färb. d. — (40). 

Distichiasis, F. v. — vera congen. 
(38). 

Drüsenfieber, üb. — (36). 
Duodenalgeschwüre, z. Kas. d. — (5). 
Dysbasia, — s. Hinken. 

Dysenterie, üb. Unters, d. —bazillen 
251. 

—, Aetiol. d. einheim. — 449. 

—, Aetiol. Diagn. n. Serother. d. 
ak. — (42). 


E 


Echinokokkus üb. seit. Lokalis. d. — 
( 1 ). 

—, — d. Uterus (2). 


Echinokokkus, — d. snbkut. Zellge¬ 
webes (10). 
j? v . _ d. Milz (19). 

—, z. Ka9. d. — d. Gehirns (28). 

—, z. Kas. d. — (46). 

-, 78 F. v. — (53). 

—, d. —krankh. i. d. Krim (58). 

Egypten, —s Winterklima 17. 

Ehe, Krankh. n. — 436. 

—, Gonorrhoe o. — 601. 

— f — Tuberkulose und Schwanger¬ 
schaft 549*. 

Einberufene, pbys. Entwick. d. —n 
(43). 

Eiter, —bildung b. Typh. abd. (36). 

Eiweissbestimmung, z. Technik d. 
— i. Harn 51*, (22). 

Eklampsie, z. Beh. d. — (53). 

Ektopie, Bild. e. künstl. Harnre- 
cipient. b. — (1). 

Ekzem, Beh. v. — m. Perubalsam- 
Bor (52). 

Elektrizität, üb. — i. d. Chirurgie 


(27). 

Elektrolyse, — b. Erkr. d. Tränen¬ 
wege (36). 

Elektrotherapie, — b. d. Erkr. d. 

weibl. Gen. (37), (41). 
Elephantiasis, Beh. d. — arab. m. 

Hydrarg. salicyl. (54). 

Embolie, 4 F. v. Tod n. — d. Lun¬ 
genarterien 251. 

—, F. v. — d. art. centr. retinae 


(»), ^ o n , 

Empyem, - d. Siebbeinzelleu (4oX 
(62). 

Endokarditis, z. Aetiol. d. akut. — 
( 10 ). 

Endometritis, Deziduazellen b. — 
(23). 

Enteritis membranacea (8 . 
Knteroiithen, z. Kas. d. — (41). 
Entropium, d. Oper. d. —s d. Lider 


( 81 ). 

Enuresis, üb. — nokturna (43). 
Epidemie, üb. —n i. Riga 216, 242. 
—, üb. Einschlepp, v. —n a. d. 

Mongolei n. Russland (6). 

—, Kriege u. —n (27). 
Epidemiologie, z. — d. Streptomy- 
kosis (16). 

—, z. — d. Febris intermittens (8). 
Epididymitis, z. Aetiol. d. eitr. — (33). 
—, z. Statist, d. gonurrh. — (55). 
Epitheliom, üb. Chorio— 5, 16. 


—, üb. maligne Chorio—e 25, (5). 
—, Behandl. d. —s m.X-Strahlen 338. 
—, Chorio —a (41). 

—, Chorio — d. Harnblase (57). 
Erbrechen, snbkut. Kokaininjekt. b. 

unstillb. — Schwangerer (54). 
Erwerbsfähigkeit, Abnahme d. — b. 
Verl. d. Auges (30). 


Erysipel, üb. — d. Schleimhäute 
(5). 

-, F. v. - (6). 

—, z. Behandl. d. —s (19). 

—, Jodtinktur b. — (24). 

—, Beh. d. —8 (43). 

Erziehung, üb. — d. Kinder z. Mut. 
(14). 


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VI 

Essentta Antlmellini composita, — b. ' 
Diabetes (15). 

Euchinin, Wirk. d. —s b. Malaria ( 
53*. 

Expedition, Eismeer— 1901-1902 

(34). 

Extrauteringravidität, oper. geheilt. 1 
F. v. ausgetr. — 511*. 

—, üb. — (40). 

—, oper. Beh. d. — (49). 


F. 


Fadenfrage, Bemerk, z. — 517. 

Faserfärbung, z. Meth. d. — i. Zen¬ 
tralnervensystem (3). 

Favu9, Beeinfl. d. — d. Formalm 
(34). 

—, — derraatomykosis favosa (35). 

—, Heilbark. d. — (41). 

—, — i. d. Armee (42). 

—, seit. Lokal, d. — (42). j 

Febris biliosa haemoglobinurica, 2 
F. v. - (7). 

Feldlazaret, im — währ. d. chines. i 
Krieg. (43). 

Fett, üb. e. —spaltendes Ferment i. • 
Darmsaft (14). 

—, üb. Einfl. d. —e a. d. Magen- j 
Sekretion (11). 

Fettembolien, üb. — nach Knochen | 
träumen (2). 

Fettresorption, d. Problem d. — d. 
Zelle etc. 553. 

Fibroid, vollst. Uterusinversion we¬ 
gen — (21). 

—, ob. rekurr. —o d. Uter. (23). 

Fibrom, — d. Ovariums (2). 

—, —a molluscum a. Lide (38). 

—, konserv. vag. Oper. d. Uterus- 
—e (68) 

Fieber, — u. —behandl. 501. 

Flagillaten, — i. diarrh. Stahl 357. 

Fleisch, —versorg, d. Flotte (34). 

Fliegenlarve, — i. d. vord. Augen¬ 
kammer (55). 

Folie k deox, üb. — u. p9ych. In¬ 
fekt. (11). 

Follikulitis, üb. — d. Haut (35). 

Formalin, —behandl. b. puerp. Sepsis 
33*, 404. 

—, Desinfekt, m. — (48). 

Fraktur, — en d. Humerus 491. 

Frauenkrankheiten, Blutung b. — 
459. 

—, Behandl. d. — a. Kurorten (28). 

—, Beh. v. — m. hochgesp. Strö¬ 
men (49). 

—, s. a. Gynaekologie. 

Fremdkörper, — i. d. ob. Luftwegen 
45, (8). 

—, F. v. durch d. Damm eingedr. 
-(2). 

—, — i. d. Augenhöhle (6), (8), 
(62). 

—, F. v. — i, d. Vagina (26). 


Fremdkörper, üb. Oesophagot. z. Entf. 

v. —n (26). 

—, — i. d. Nase (28). 

—, z. Kas. d. — im Darm (49). 

—, z. Kas. d. — i. d. Scheide (50). 
Friedhof, Sanit. Erford. f. —skir- 
chen (27). 

Furunkulose, Ursache d. — i. d. 
Armee (41). 

Fuss, —bekl. d. Soldaten. (24). 


Q-. 


Gallenstein, 500 —laparot. 389. 

—, F. v. - - 529. 

Gallenwege, subkut. Ruptur d. — 
413, 478. 

—, Cardio-pulmon. Stör. b. Erkr. 
d. - (21). 

—, z. Chirurgie d. — (21). 

Gangraen, — d. Haut n. Kochsalz- 1 
infus. (40). 

—, Operat. b. Lungen— (47). 
Gastroenterostomie, Circul. vitios. 
b. — (44). 

—, d. — b. gutart. Magenerkr. | 
(46). ! 

Gaumen, Nekrns. d. Knoch. d. hart. I 
-s (24). | 

Gebärasyl, Ber. d. —s in Kursk (28). 
Geburt, d. künstl. Früh— 63‘». 

—, F. v. Zerreissung d. rekto-vagin. j 
Scheidewand b. d. — (7). ! 

—, Perineoplastik i. d. Nach—spe- j 
riode (44). 

—, konserv. Beh. d. —en b. eng. ; 
Becken (50). 

Geburtshülfe, Lehrb d. — (54). 

—, Handb. d. - 67. 

, Gummihandschuhe i. d. — (5). : 
—, Aufgab. d. oper. — (23). 

-, - i. Ptsbg. (36), (48). j 

—, — b. d. slavischrn Völkern j 
(37). 

Gedankenlesen, — u. N-Strahlen 
(59). 

—, — od. Gaukelei (60). 

Gehirn, üb. Lumbalpunkt, b.—tumor 
1*. 

—, F. v. otit. —abszess 2. i 

—, Physiol. u. klin. Untersuch. Uh. 
d. — 89. 

— , üb. —tumor u. Otitis med. 242. 
—, z. Kas. d. —Chirurg. 293, 423. 
—, F. v. —tumor 377. 

—, üb. —zentra d. Di- u. Konver¬ 
genz (3). 

—, kompens. Beweg, b. —laesion 
(11). 

—, Einfl. d. —s a. d. Herztätigk. 

d. neugeb. Hundes (4). 

—, Echinokokkus d. —s (28). 

—, F. v. —abszess (47). 

Gehoer, —prüf. m. Stimmgabeln (42). 
Geisteskranke, Unterbr. —r in Irren- j 
anst. 159. I 


Geisteskranke, — i. russ. Klöstern 
i. XVII u. XVIII Jahrh. (3). 

—, Kochsalziojekt. b. —n (12). 

—, Kochsalzeingiess. b. — n (22), 
(35). 

—, sozial. Stell, d. —n in Traus- 
kaukas. (34). 

—, z. Bettbeh. —r (35). 

—, Veronal b. —n (52). 

—, 8. a. Irrenanstalt, Psychiatrie, 
Psychose etc. 

Gelenk, z. Kas. d. falsch. —e (23), 
—, z. Affekt, d. —e b. Syphilis (66). 
Gelenkrheumatismus, Serother. d. — 
448. 

—, Salizyl. b. &k. — (34). 

—, chron. — (44). 

Genitalien, Sarkom d. ftuss. — (40). 
—, Elektrother. d. weibl. — (37), 
(41). 

Genua valga, Behandl. d. — m. 

Etappenverbftnden (13). 

Geophagie, F. v. — (57). 
Geschlechtskrankheiten, Lehrb. d. — 
501. 

—, Bekämpf, d. — 566. 

—, Prophylaxe d. — (43). 
Geschlechtsleben, üb. d. — d. Kir¬ 
gisinnen (29). 

Geschmack, Bed. d. —snervenerre- 
gung a. d. Verdauung (14). 

—, Wecli8elbez. zw. — u. Bedürfniss 
(14). 

Geschwner, F. v. Pendje—(35), (57). 
—, Beh. d. Sartschen— (41). 

—, Resekt. d. Hautvenen b. Unter¬ 
schenkel—(47). 

Gesondheit, Einfl. d. prof. Arb. a. 
d. —8zostand d. Wolga-Arbeiter 

(16). 

Gicht, üb. schleichend. — 240. 

—, — u. Psychose 412. 

—, s. a. Arthritis. 

Gift, Wirk. d. —e a. d. Gaswechsel 
d. Tiere (13). 

—, Wirk. d. —o b. isol. Nieren 
(27). 

Glas, flüss. •— als Injektionsmasse b. 
Präparateu (13). 

Glaukom, Exstirp. d. Ganglion supr. 
b. - (31). 

—, —kompl. d. Retinit. prolif. 
(38). 

—, Tagesschwank, d. Augendrnok. b. 
- (62). 

Goethe, Teil I u. II 88. 

Gonorrhoe, akute fiebr. -- 95*, 491. 
—, F. v. Abortivbeh. d. — 376*. 

- , Beh. d. chron. — 376. 

—. — n. Ehe 501 
—, d. — b. Weibe (4). 

—, F. v. — b. Kind. (25), (57). 
Gravidität, üb. gleichzeit. intra- u. 

extrauter. — 269, (28). 

—, — b. unverl. Hymen (8). 

—, — b. progr. Paralyse (34). 

—, mehreiige — (50). 

—, — u. Fibromyorae (61). 

—, s. a. Extrauteringravidität. 
Gummi, Aufbew. v. —gegenst. i. 
Terpentindämpfen (5). 


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Gummihandschuhe, — 1. d. Ge- 
burtsh. (5). 

—, — i. d. Kriegschirurgie (26). 

Gatachten, gericbtl. — a. d. psycli. 
Kliu. d. Charit6 za Berlin 89. 

—, gerichtsfirztl. — a. geburtsb. Ge¬ 
biet (27). 

Gynaekologie, — helvet. 17. 

—, Lelirb. d. — 601. 

—, üb. Adrenalin i. d. — (4). 

—, e. Photospekulum z. Lichtiher. 
i. d. — (13). 

—, Rückbl. a. d. Entwiek). d. — 
(37). 

—, s. a. Frauenkrankheiten. 




Haar, üb. —Schwund. 123, 155*, } 

167*. 

Haematom, F. v. tuberös, subchor. 1 
—s d. Dezidua 269. 

Haematosalpinx, F. v. — 580. 
Haemoglobinurie. paroxysm. — 424. t 
Haeraolysine, d. Lehre v. d. —n 
(50). 

Haeraophilie, üb. — (33), (39), (58). ; 
Haemorrbagie, — d. Netzhaut b. ■ 
Krebs d. Lung. u. d. Kleinhirns 
( 31 ). . | 

Haemorrhoiden, Operat. d. — (46). 
Hafer, —diät b. Diab. mell. (49). 
Haiundao, Beschreib, d. Insel— (34). j 
Halluzination, üb. —en 271, 304. 
Hals, üb. —rippen. (17). 

Harn, Verhüt, d. — infekt. 17. 

—, pr. Leitf. d. —analyse 601. 

—, path.—elemente b. Nierenentzünd. j 

(43). I 

—, angebor. -- fistel d. Nabels (46). | 
—, d. Urf bilinhefund im — (68). 
Harnblase, 8. Blase. 

Haut, tib. kosmet. Fehl. d. —gebilde 
116*, 230. 

—, F. v. anat. —entzünd. (17). 

—, üb. sarkuid. Neubild. d. — (25). 
—, Follikulit. d. — (35). 
Hautkrankheiten, über Röntgenstr. 
b. — 502. 

Hebamme, Organis. d. - nunterrichts. 
259, 269, 311*. 

—, Einweih. d. kaiserl. —ninstituts 
(40). 

Hedonal, — als Hypnotikum (14). 
Heilgymnastik, üb. — i. Bade (11). 
Heilkraft, üb. d. — d. Natur (22). 
Heissluft Apparat, Demonstr. e. —es 
78. 

Helminthen, perniziös. Anaemie (13). 
Hemeralopie, <L — u. ihre Begleit¬ 
erscheinungen (8). 

— , Blutentzieh, b. — (66). 

Hepatitis, z. Diagn. d. gummös. — 
(24). 

Hermaphroditismus, F. v. — (15). 
Hermophenyl, — injektionen b. Syphi¬ 
lis (9). 


Vll 


Hernie, Resultate d. Operat d. —n 
nach Bassini 103*, 467. 

—, neue Methode d. Radikalop. d.—n 
0 ). | 
—, F. v. inkatz. —kompl. d. Volvu- ! 
lus (19). 

—, F. v. angeerbt. — (20). 

—, seltene F. v. —n (21), (27). \ 

—, künst. Inguinal- n (42). 

—, z. Chir. d. eingekl —n (45), (4C). | 
—, F. v. Leisten— (4b). 

—, träum. Zwerchfell — (48). 

—, —n d. Wurmlorts. (52). 

—, z. Kas. inkarzer. Schenkel—n(54). 
Herniotomie, 65 —n (49). 

Heroin, üb. Wirk. d. — (20). 

Herpes, F. v. —zoster i. Geb. d. 

Trigeminusastes 271. 

Herz, —veräuder. u. Angina pect. 
326. 

—, d. Mündungssklerose u. d. chron. 
Verschl. d. Kranzgefässe d. —ens 
399*. 

—, angeb. Pulmonalstenose d. —ens 
406. 

—, Morphium b. —krank. 448. 

—, Mündungssklerose d. Art. coron. 

d. —ens 449. 

—, z. Cbir. d. —ens 459. 

—, Ther. d. —krankb. 538. 

—, d. Hemmungsapparat, d. —ens b. 

neugeb. Hund. (3). 

—, z. Kas. d. —Syphilis (9). 

—, üb. Trikuspidalinsuff. d. — ens 
(10). 

—, üb. gespalt. u. access. - töne (16) 
—, tib. Schusswunden d. —ens (24). 
—, —krankh. b. Rekruten (24). 

—, exper. postmort. Erregbark. d. 
—nerven (44). 

—, d. —ein musk. Organ etc. (48). 

—, noira. u. path. —tatigkeit (50). 

—, üb. —arythn.ien (57). 

—, z. Kas. d. —wunden (58). 
Heufieber, Therap. d. — s 33b. 
Hinken, Stenokaidie u. inteimitt.— 
282. 

—, intermitt. angioskJerot. — 37fc, 
414. 

Hornhaut, Einfl. d. Kokaiü’s u. Ho- 
lokaiD’s a. d. — (3z). 

—, Eilerung. i. —leukomen (38). 
Hitzschlag, d. — a. Märschen 240. 
Hoden, üb. phys. mech. Behänd!. 

b. Erkr. d. —s (i5). 

—, F. v. Resekt. d. Neben—8 (42). 
—, Anomalie d. — (44). 

HülfeleistODg, — b. plötzl. Eikrankg. 
269. 

Hunger, Einfl. —s auf d. Naelikom- 
mensch. (21). 

Hydrargyrum, üb. gross. Dos. grauer 
—Salbe (20). 

—, s. a. Stomatitis. 

Hydrarg. aniliDicnm, — b. Syphilis. 
(27). 

Hydrargyrum salicylicum, Behandl. d. 

Syphilis m. — (i>). 

—, Beh. d. Elephantiasis m. — (54). 
Hydrocele, Operat. d. — (48). 


Hydrotherapie, Handbuch d. — 68. 
—, üb. — i. d. Chirurgie. 170. 

—, Rückblicke a. — 171. 
Hydrothorax, F. v. pseudockyl. Pleu¬ 
ritis, — u. Aszites (9). 

Hygiene, d. — b. überseeisch. Exped. 
16 . 

—, Lehrb. d. — 490. 

—, z. — d. Strassen (27). 

Hymen, üb. Schwangerschaft b. unverl. 
-( 8 ). 

Hyperämie, — als Heilmittel i. d. 
Gynäk. 270, 299*. 

Hypnose, Behandl. d. Alkoholiker 
m. — (6). 

—, üb. — b. unheilb. Laesionen (14). 
—, Somnoform b. —n (61). 

Hysterie, Fieber b. — 36, 45. 

—, z. Kas. d. — b. Soldaten (6). 

—, üb. 2 F. schwer. — i. Marine¬ 
hospitale (11). 

llysterotomia, üb. — vaginalis (15). 


1 . 


Iclithaigen, üb. — b. Trachom (6). 
Ichthyol, — b. Trachom (6). 

—, — b. Lepra (42). 

Ichtyosis, F. v. lokaler — (14). 
Idiosynkrasie, — geg. Fleisch (41). 
Ikterus, — als Kumplikat. b. Schar¬ 
lach (7). 

—, F. v. — (14). 

Ileus, üb. —hy^tericus 172, 225*, 
240. 

F. v. — 406. 

—, mod. KJassifik. d. — (45). 
Immunisierung, —sveisuche b. Tier. 
(28). 

Immunität, Beteil. d. inner. Organe 
b. d. — (15). 

—, üb. d. Fixator b. d. — (49). 
Infektion, üb. — d. Hant 229. 

—, üb. psych. — (11). 

—, d. Rolle d. — b. Entsteh, akut. 

Nerven krankh. (12). 

—, Allgemein— m. Pneumokokken 
(20). 

—, —skrankh.. a. d. Kriege in Nord- 
China 1900 (24). 

—, endogene — d. Aug. (32). 
Influenza, F. v. chron. Nephritiß 

n. ~ (8). 

—, üb. akute Geistesstör. n. — (30). 
—, Cerebr. mening. u. —bazill. (40). 
—, 2 F. v. — (61}. 

Intubation, — b. Croup. (19). 

—, üb. —sgescbwüre (21). 

—, nb. — d. TracheaJä6te (23). 
Iritis, z. Behandl. d. ak. — (32). 
Irrenanstalt, üb. Unterbr. Geistes¬ 
krank. i. —en 159. 

—, Tuberkulose i. —en (4), (86). 
Irrengesetze, üb. — 27. 

Ischias, F. beiders. — Baum. (2-1 'i ■■ 


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VIII 


Jod, —tinktur b. Erysip. (24). 
Jochimbin, — b. Impotenz (33). 




Kakodyl, d —ther. b. Chorea, Para). 

agit., Neurast. u. Diabetes (52). 
Kali hypermanganicum, — als Mor 
phiumantidot 44*. 

Karat6, tib. — (55). 

Karzinom, d. 1 hirurgie d. Magen—s 
63*. 

—, z. Patb. d. Oesophagus—s 136. 

—, prim. Lungen— 356. 

—, Bekämpf, d. Uterus—s 458. 

—, Uterusexstirp. weg. — 529. 

—, d. Uterus — (1), (22). 

—, Blasenwaudresect. weg. — (2). 

—, 2 F. v. Magen— (27). 

— f — u. Tuberkulose (33). 

— | — d. ampulla VaL (33). 

—, z. Diagn. d. Magen —8 (36), (48), 
(58). 

—, prim. Tuben— (49). 

—, Oper. d. prim. Scheiden—s (49). 
—, inoper. Uterus—e (49). 

—, Beb. d. Uterus —e (50). 

—’ oper. Beb. d. Fibrorayome u. —e 
(50). 

Kasernen, Beheiz, d. — (42). 

—, Einfl. d. — iebens a. d. Gesuudh. 
d. Rekrut. (43). 

Katarakt, z. Behandl. d. bint. Kap¬ 
sel— (8). 

—, üb. spont, Resorpt. d. — (38). 
Katatonie, üb. — (12), (35), (59). 
Kaukasus, Schlaminbeh. i. d. Bäd. 
d. - (22). 

Kantboplastik, z. Techn. d. — (56). 
Kavernitis, z. Kas. d. — diff. gonorrh. 
(55). 

Kehlkopf, F. v. Iktus d. — 579. 

—, z. Ther. d. —tuberkul. 489*, 

—’ z. Techn. d. —exstirpat. (23). 

—, Totalexstirp. d. - s u. Resekt. 

d. Speiseröhre (46). 

Kemmern, — n. s. Entwasser. u. s. 

Heilfakt. 475*, 487*. 

Keratitis, z. Aet. d. ringf. — (48). 
—, — solar, exfol. (62). 
Kieferankylose, oper. Behandl. d. — 

(2). 

Kinder, d. Gew. d. — b. eng. Becken 
(23). 

—, üb. —Sterblichkeit (29). 
Kinderheilkunde, Lehrb. d. — 121. 
Kleinhirn, z. Kas. d. latent veri. 

Form. d. —erweich. (10). 
Klumpfuss, z. Behaudl. d. —es b. 
Erwachsenen (2). 

Kloester, üb. d. Fürsorge Geisteskrank, 
i. d. ru9s. —n i. XVil. u. XVIII. 
Jahrh. (3). 

Knochen, 11b. transplaut. — (1). 


Knochen, üb. Fettembol. n.—träumen 

(2)- 

—, Heil. d. Patellarfrakt. d. —naht 

(3). 

—, —bildung a. d. Herzklappen (33). 

Kochsalz, —infusionen b. akut. Ma- 
gendarmkat. (10). 

—, —injekt. b. Geisteskrank. (12). 

—, —infus, i. d. Therap. d. Geis¬ 
teskrank. 22, (35). 

Koerper, d. — d. Kindes 88. 

—, —übungeu i. KranKli. 107. 

Kokain, üb. LokaJanaesthes. m. — 
(16). 

üb. Adrenaliu- — Anaesthesie 
(29). 

- , Einfl. d. —s a. d. Hornhaut (32). 

—, subkut. —injekt. b. unstillb. Er¬ 
brech. Schwangerer (54). 

Kolobom, F. v. — d. Macula lutea 
(56). 

Koma, üb. d. Verl. d. — diabet. 
(15). 

Kondylom, Entfern, gross. —e (49). 

Kongress, IX — d. Ges. Russ. Aerzte 
z. And. a. Pirogow 37. 

—, XXI. ;— f. iuuer. Med. i. Leip¬ 
zig 260, 357, 394, 438. 

—, X. internat. Ophthalraol. — zu 
Luzern 492, 503. 

—, V nordischer — f. innere Mediz. 
580. 

ophthalinol. Sekt. d. IX. Piro¬ 
gow —es (31). 

—, I. russ. Gynäkologen—(37), (40), 
(49). 

Konjunktiva, üb. ainyl. Geschwülste 
d. - (10). 

—, syphil. Papeln a. d. —- (31). 

—, Lupus d. — (31). 

—, Tuberkul. d. — (31). 

—, Amyloide Degenerat. d. — (31). 

Kontraktion, üb. idiomuskul. —en b. 
Geisteskr. (3). 

—, klin. Bedent. d. idioin. — (12). 

Kontrast, üb. psycb. —zwaugszustande 
b. Melanchul. (28). 

Koprostasis, F. v. — b. 2-jäbr. Kinde 
(7). 

Krämpfe, F. v. idiopath. — n d. ob. 

Extrem. (19). 

—, tetan. — b. Magenerweiter. (54). 

Krankenpflege, üb. — 389. 

Krieg, chirurgische Beobacht, i. —e 
411*. 

.—, —e u. Epidemien (27). 

—, üb. d. — m. Japan (43). 

—, Verhüt, v. Krkhln. im —e (49). 

Krueteu, Sekret d. Hautdrüsen d.— 
(36). 

Kroup, Behandl. v. — mitt. Intuba- 
bation (19). 

—, üb. prim. — (58). 

Kryoskopie, d. — b. Kindern (13). 

—, d. — d. Milch (z2). 

Kiyptorchismus, F. v. — (7). 

—, F. v. — (50). 

Kurort, üb. Schlammbehandl. i. d. 
Kaukas. —en (2z) 

-, d. Strand b. Riga a. — (29). 

—, Lipezk als — (44). 

Kystoskopie, — Bilder 553, 


Xj 


Laudschaftspraxis, a. d. chir. — (20). 

Laparotomie, 2 F. v. — n. Bauch¬ 
schuss 448. 

Ber. üb. 1000 —n (4). 

—, 2. F. v. — bei Undurchgäns. 
d. Darmes (6). 

—, üb. Zerreiss. d. Bauchnarben. —n 
(13). 

—, z. Kas. d. — n i. d. mil.-med. Praxis 
(24). 

—, üb. Vernäliung d. Bauchwnnde 
n. - (28). • 

Lathyrismus, üb. Veränd. i. Rücken¬ 
mark b. — (11). 

Leber, exper. interstit. infekt. Ent¬ 
zünd. d. — inf. allgem. Infekt. 
477*. 

—, üb. d. akute gelbe —atrophie 

(4), (7), (43). 

—, üb. chir. Eingr. b. traom. —er¬ 
krank. (9). 

—, üb. sog. hypertr. biliäre —cir- 
rliose (21). 

—, üb. Zuckerbild. i. d. isol. — (36). 

—, üb. —erkrankungen (36). 

—, Angiom d. — (39). 

—, Tropenabscess d. — (46). 

_ —veränder. b. flbr. Pneumonie 

iö°). 

—, part. Resekt. d. — (64). 

—, üb. Operat. d. Wander— (He- 
patopexia) (57). 

—, nicht parasil. —cysten (59). 

Leibweh, d. arteriosklerot. — 289*. 

Lepra, Behandl. d. — m. Chaulinoo- 
araöl 179*, 4i5. 

—, F. v. — 424, 425. 

—, F, v. trophoüeorot. — (6). 

—, z. Bakter. d. — (25). 

—, üb. Kontagiosität d. — (29). 

—, Untersuchung, üb. — (36). 

, Heil. d. — d. Ichthyol (42). 

—, F. v. —tuber. (53). 

—, Beteil. d. ober. Luftwege b. — 
(55). 

Leprosorien, die Beschäft. d. Leprö¬ 
sen l. — 172, 229. 

Leukaemie, z. Kas. d. akut. — (19). 

Leukolyse, üb. Phagooytose n. — b. 
Einspr. vir. Streptok. i. d. Bauch¬ 
höhle (22). 

Lichen ruber, F. v. — 25, 466. 

Lichen scrophulosorum, (5). 

Licht, üb. —behandl. d. Torticollis 
rheum. (4). 

—, e. Photospekul. z. —therap. L d. 
Gynaekol. (13). 

—, Einfl. d. elektr. —s a. d. Erkr. 
d. Mittelohres (27). 

Lid, K. v. —plastik 378. 

—, Verhalt, d. —musk. b. Fazialis- 
lähm. (4). 

—, Melano - Sarkoma d. unt. —es 
( 8 ), ( 15 ). 

—. Fibroma mol. a. — e (38). 

Limane, Behaudl. tuberkul. Erkrank, 
i. d. -n v. Hadjibei (1). 




XXIX. JAHRGANG. 




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MAY 4 1904 


Neue Folge XXi. Jakrg. 


I1OI0I1I8BB1T00I1I80BUR 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend. —Der Abonnementsprels ist in Bauland 8Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzuste!lung;in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlneerttonmreii 
für die 3mal gespaltene Zeilen inPetitist !6Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Origmalartikelzugesandt. 
—Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl, pro Bogen honorirt. 


WfW Abonnemente-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von E. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect .Ns 14, zu richten. — Hanne* 
oripte sowie alleauf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden RedacteurDr.BndolfWa* 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von 2—3 Uhr. 


M 1 


St. Petersburg, den 3. (16.) Januar. 


1904. 


Inhalt: Ernst Masing: Zur Anwendung der Lnmbalpnnktion bei Hirntumoren. — Mitthellungen aus der Ge* 
Seilschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Vermischtes. —* Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — An¬ 
zeigen. 


Zur Anwendung der Lumbalpunktion bei Hirn¬ 
tumoren. 

(Aus der medizinischen Klinik des Prof. Karl Dehio in Dorpat). 

Von 

Ernst Masing. 

Assistent der Klinik. 

Die Frage, ob die Quincke’sche Punktion des Wir¬ 
belkanals bei bestehendem Hirntumor einen berechtigten 
therapeutischen Eingriff vorstellt, ist in neuerer Zeit 
mehrfach berührt worden. Theoretisch gedacht, ist es 
ja sehr verlockend den durch das Wachstum des Tu¬ 
mors erhöhten Hirndruck — die Hauptursache der meist 
sö quälenden Beschwerden — durch die au sich un¬ 
gefährliche Lumbalpunktion herabzusetzen. Die Praxis 
hat jedoch den Erwartungen keineswegs entsprochen; 
vielmehr sind durch die Lumbalpunktion — soweit ich 
aus der mir zugänglichen Literatur ersehe — nur we¬ 
nige vorübergehende Besserungen erzielt worden, meist 
blieb der Zustand der Patienten ganz unverändert, und 
nicht ganz selten sind deutliche Verschlechterung und 
sogar plötzliche Todesfälle vorgekommen. 

Ueber 15 bis zum Jahre 1900 in der Literatur be¬ 
kannt gewordene plötzliche Todesfälle nach Lumbalpunk¬ 
tion von Hirnturaorpatienien berichtet Gumprecht 1 ) 
in einem Sammelreferat. Beim grösseren Theil dieser 
Fälle ist an der ursächlichen Bedeutung der Punktion 
nicht zu zweifeln, da die Verschlechterung des Zustan¬ 
des theils schon während der Punktion begann, theils nur 
wenige Stunden später eintrat. 

Nach Fürbringer 2 ), Gumprecht 8 ) u. a. hat 
man sich den causaien Zusammenhang in manchen Fäl¬ 
len folgendermassen za denken. Der wachsende Tumor 
ist, namentlich wenn er in der hiuteren Schädelgrube 
sitzt, im Stande die Kommunikation zwischen deü Hirn- 

J ) «Gefahren der Lumbalpunktion, plötzliche Todesfälle da¬ 
nach*. Dtsche med. Wochenschr. 1900, pag. 386. 

*) «Plötzliche Todesfälle nach Lumbalpunktion». Central- 
blatt für innere Medicin 1896, pag. 6 

*) l o. u. Technik d. spez. Therapie 1903, pag. 273. 


höhlen einerseits und andrerseits dem Subarachnoidal¬ 
raum und dem Zentralkanal des Rückenmarks • zu un¬ 
terbrechen, sei es durch direkte Kompression des aquae- 
dnctus Sylvii, sei es durch mittelbare (Verdrängung des 
Kleinhirns etc.) Verstopfung der Kommunikationsöffnun¬ 
gen des Liquor cerebrospinalis, nämlich des Foramen Ma- 
gendii und derAperturae laterales ventriculi IV. Punk¬ 
tiert man unter diesen Umständen den Subarachnoidal- 
raum des Rückenmarks, so ist es klar, dass ein Druck¬ 
ausgleich zwischen Hirn- und Rückenmarkshöhlen nicht 
8tattflnden kann, der Hirndrnck also nicht abniramt, 
sondern des fehlenden Gegendrucks wegen deletär auf den 
Hirnstamm, besonders die Mednllaoblongota wirken kann. 

Diese Auffassung wird durch folgende Beobachtungen 
gestutzt. Bei der Punktion fliessen häufig nur wenige 
ccm. Flüssigkeit unter rasch absinkendem Druck ab, 
während die Hirndrucksymptome auf viel bedeutendere 
Mengen schliessen Hessen und noch fortbestehen. Auf 
dem Sektionstisch stellte es sich dann auch heraus, dass 
die Hirnhöhlen mit Flüssigkeit prall gefüllt, der Dural¬ 
sack des Rückenmarks aber fast leer war. — Der Aus¬ 
gleich hatte also nicht stattfioden können. 

Eioinal ist sogar in der Quinckeschen Klinik 4 ) — al¬ 
lerdings nicht bei Tumor, sondern bei Hydrocephalus — 
eine deutliche zapfenartige Einpressung des Kleinhirns 
in das Hinterhanptloch gefunden worden. Der Tod war 
am Tage nach der Lumbalpunktion eingetreten. 

Ein von Krönig 6 ) beobachteter Patient ging 2 Stun¬ 
den nach der Punktion infolge eines geplatzten Aneu¬ 
rysmas der Art. fossae Sylvii zu Gründe. Die bedroh¬ 
lichen Erscheinungen hatten sich unmittelbar nach der 
Punktion eingestellt. 

Auf Grund dieser und noch anderer Beobachtungen, 
warnen S t ad e l ma n n 8 ), Gumprecht 1 ) u. a. da¬ 
vor, an Hirutumorkranken die Punktion vorzunehmen. 

4 ) N ö 1 k e. Dtsche roed. Wochenschrift 1897, Jft 39. 

5 ) Verhandlungen des XIV Congresses für innere Medicin 
1896, pag. 281. 

6 ) «Klinische Erfahrungen mit der Lambalpunkt.». Dtsche 
raed. Woob. 1897, Nr. 47. 


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Anders dagegen urteilt Moritz 8 ), der zwar auch zur 
Vorsicht räth, aber doch — als Nothbehelf den Versueh 
zu machen empfiehlt. 

Da somit, wie es scheint, die Ansichten Uber die 
Brauchbarkeit der Lumbalpunktion bei Hirntumoren noch 
auseinandergehen, beansprucht vielleicht ein einschlä¬ 
giger Fall aus der Dorpater medizinischen Klinik ein 
gewisses Interesse. 

Die 22-jfthrige Bäaerin Julie K. tritt am 9. April 1903 mit 
Klagen über heftige Kopfschmerzen und Selistörungen in 
die Klinik ein. 

Anamnese: Die früher stets gesunde Patientin 
fiel im Frühling 1902 von einer Schaukel, worauf sie 1 
Stunde lang bewusstlos war, sich später jedoch voll¬ 
ständig erholte. Im Herbst stellten sich Leibschmerzen 
mit zeitweiligem Erbrechen ein, die nach etwa 2 Mo¬ 
naten vergingen. Im Decerober 1902 traten Kopfschmer¬ 
zen auf, die allmählich an Intensität Zunahmen- Zuwei¬ 
len schloss sich Erbrechen ohne vorhergehende Uebel- 
keit an. InteUigenzstörungen sind weder von der Kran¬ 
ken selbst, noch von der Umgebung bemerkt worden- 
Krämpfe werden in Abrede gestellt; von Zeit zu Zeit 
Schwindelanfälle. 

Seit 6 Wochen besteht Herabsetzung des Sehvermö¬ 
gens. Ende März 1903 trat plötzlich fast völlige Er¬ 
blindung ein. 

Beide Eltern und die Geschwister sind gesund. 

Status praesens. 

Die kräftige, gat gebaute Kranke liegt ziemlich apathisch 
mit halbgeschlossenen Angen im Bett, giebt langsame Ant¬ 
worten, ist aber ganz bei Bewusstsein. Zuweilen stöhnt sie 
und klagt über Kopfschmerzen, die besonders in der rechten 
Stirnhälfte empfunden werden. Gedächnis und Intelligenz 
scheinen unverändert zu sein. Gehör normal, rechts Ohren¬ 
sausen. Geruch u. Geschmack ebenfalls normal. Bei der er¬ 
sten Untersuchung ist noch etwas Lichtempfindung vorhanden, 
und zwar wird mit dem rechten Auge eine rechtsstehende 
Kerzenflamme bemerkt. Später verliert sich auch dies. Dop¬ 
pelseitige ausgesprochene Stauungspapille. Die Pupillen sind 
weit, starr, nicht auf Lichteinfall reagierend; jedoch verengern 
sie sich bei Akkomodationsversuchen. 

Die ganze linke Körperhälfte; besonders die linke Gesichts¬ 
hälfte ist leicht paretisch, Störungen der Ernährung, der Sen¬ 
sibilität der Koordination und der Sprache sind nicht verban¬ 
den. Hautreflexe normal, ebenso die Sehuenreflexe der oberen 
Extremitäten. Der Patellarreilex fehlt. 

Alle inneren Organe zeigen nichts abnormes. Puls 78 p. m., 
regelmässig Im Ürio weder Eiweiss uoch Zucker. 

D i a g u o 8 e : Tumur cerebri; wegen der Lokalisation der 
Scbmerzeu wird als Sitz der rechte Stirnlappen vermnthet. 

Verlauf. 

10- April. Aderlass von 300 ccm. Blut. Danach we¬ 
sentliche Erleichterung. Innerlich Jodkali. 

14. April. Status idem. Nach 0,002 Pilokarpin pro¬ 
fuser Schweiss. 

17. April. Um 11 Uhr Morgens Lnmbalpnnktion. Es 
werden ohne Aspiration 30 ccm. eiuer klaren, fast 
farblosen, schwach opalescieienden Flüssigkeit von 
2,25°/ 0 Eiweissgehalt entleert: Sediment ist nicht vorhan¬ 
den. Der Anfangsdruck betragt etwa 10—15 ccm. Was¬ 
ser, zum Schluss ist garkeiu Druck vorhanden, die 
Flüssiykeit tropft laogsam aus dem herabhängenden 
Schlauch. 

Schou während der etwa 7* Stunde dauernden Punk¬ 
tion treten Uebelkeit und starke Kopfschmerzen anf, 
so dass die Kranke vor Schmerz laut schreit. In den 
nächsten Stunden mehrfaches Erbrechen, grosse Unruhe, 
mehrere Anfälle von allgemeinen Krämpfen, kleiner 
fadenförmiger Puls von 56 p. m. Nach eiuiger Zeit tritt 
ein somoolenter Zustand ein, in dem die Kranke 15 
Stunden nach der Punktion stirbt. 

Die am 18. April vorgenommene Sektion (Dr. Schiroko- 
g o r o w) ergab folgendes. 

Der rechte Temporallappen ist von einem über hühnerei¬ 
grossen haemorrhagi8chen Herd erfüllt, der nach innen bis an 
das Corpus Striatum reicht und mit eiuer grossen Oeffnung 
iu8 rechte Unterhorn durchgebrochen ist. Der Inhalt dieses 
Herdes besteht aus schwarzrothen, anscheinend noch ziemlich 
frischen ülutgeriuseln. Die Wandungen des Herdes sind 
fetzig zerrissen uud bräunlich tingiert; von einer beginnenden 
Abkapselung ist nichts zu bemerken. 

Die Subaiachnoidairäume und die nicht dilatierten Hirn¬ 
ventrikel enthalten eine geringe Menge blutig gefärbter, aber 
noch durchsichtiger Cerebrospinalflüssigkeit. Die Subarachnoi- 


7 1c. 

8 ) Lehrbuch der inneren Medizin von Me ring. Jena 
1903, pag. 864. 


dalräurae der Basis, besonders an der Mednlia oblongata Und 
der Brücke sind mit rothem, anscheinend frischem Blut ge- 
ge füllt. Diese Blutung erstreckt sich das Rückenmark vorn 
uud hinten umhüllend und allmählich schwächer werdend bis 
zum Beginn der Lendenauschwellung. lu der Gegend der 
Canda equina finden sich keine Blutergüsse; der Stichkanal 
ist reaktiouslos. 

Makroskopisch ist vou einem Tumor nichts zu sehen- Die 
mikroskopische Untersuchung der Wandungen des apoplekti- 
schen Herdes ergiebt ein rundzeliiges, ziemlich stark pigmen¬ 
tiertes Sarkom, das wahrscheinlich aus Gliazelleu hervorge¬ 
gangen ist. Der Tod ist also iufolge einer Apoplexie einge¬ 
treten, die ihrerseits — was wohl kaum bezweifelt werden 
kann — durch die Lumbalpuuktioa herbeigeführt worden ist. 
Ob schon früher Blutungen in die Geschwulstmasse stattgefau- 
den haben oder nicht, geht aus dem Ergebniss der Sektion 
nicht sicher hervor. Jedenfalls ist wohl die durch die Pank- 
tion gegebene rasche Hirndruckverminderung die Ursache der 
frischen Blutung aus einem von dem Tumor arrodierten Ge- 
fäss gewesen. 

Der vorliegende Fall schliesst sich, was die anmittel¬ 
bare Todesursache betrifft aa den obenerwähnten, von 
K rö nig veröffentlichten (geplatztes Aneurysma)an. Von 
einem Abschluss der Gehirnhöhlen vom Subarachnoidal- 
raum des Rückenmarks kann hier natürlich nicht die 
Rede sein; die Sektion gab keinerlei Anhaltspunkte dafür. 

Es ist ja einzuränmen, dass bei noch grösserer Vor¬ 
sicht möglicherweise das Resultat ein anderes gewesen 
wäre; so hätte z. B. die Punktion früher unterbrochen 
werden müssen, bevor der Druck auf 0 gesunken war. 
Immerhin scheint mir der vorliegende Fall im Verein 
mit den schon früher veröffentlichten für die therapeu¬ 
tische Werthlosigkeit uud die Gefährlichkeit der Lumbal¬ 
punktion bei bestehendem Hirntumor zu sprechen. 


Mittheilangen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 18. December 1902. 
l. Dr. W o 1 f e r z jun. demonstriert einen von ihm operierten 
Fall von otitischem Grosshirnabscess: 3-jähriger Knabe er¬ 
krankt an Schm lach, in deu ersten Tagen links Mittelohr¬ 
eiterung. In der 4. Woche wird die Eiterung profus, Tempe¬ 
raturanstieg. Eröffnang der Mittelolm äume. Aus einer Fistel 
am Dach des Felseubeius links fiiesst Eiter; Freilegung und 
Entleerung oines fast huhnereigrossen Abscesses im linken 
Schläfeulappen. Abscesshöble am 9-Tage geschlossen, Temp. vom 
12. Tage an normal. Retroanriculäre Plastik 5 Wochen nach 
Operation. Heilung 7 Wocheu uach Operation. Ausser Ver¬ 
änderungen am Augenhintergruade keinerlei Symptome auf¬ 
getreten. (Antoreferat) 

Dr. A. v. Z n r - M ü h 1 e n. Es kommt in der That gelegent¬ 
lich vor, dass Geliirnabscesse ganz unerwartet bei eiuer Ope¬ 
ration gefunden weiden, da sie sich durch gar kein daraufhin 
zu beziehendes Sympton verratheu haben 
Vor einigen Monaten wurde ein etwa 12-jähriger Knabe zu 
ihm gebracht mit der Angabe, dass einige Monate zurück auf 
der rechten Seite eine nur kurz dauernde Eiternng bestanden 
hätte; die hätte dann aufgehört and der Knabe wäre voll¬ 
kommen gesund gewesen, bis plötzlich ganz unerwartet hin¬ 
ter dem Ohre sich Röthang und Schwellung gezeigt hätten. 
Der Knabe war vollkommen wohl und mnuter, hatte keine 
Kopfschmerzen, keine Schwindelerscheinungen, kein Fieber, 
keine Lähmungen, überhaupt nichts was auf eine Eiteran- 
sammluug im Gehirn härte hinweisen köuneu. Der Gehörgang 
war aber vollkommen zugeschwolleu, sodass ein otoskopischer 
Befund nicht aufgenommen werden kounte. Aus den •'Schilde¬ 
rungen und dem vorliegenden Befunde zog Redner den Schloss, 
dass, wie es nicht selten bei der weniger intelligenten Bevölke¬ 
rung geschieht, der Ohrenfluss, wenn auch in vermindertem 
Grade fortbestauden halte, aber übersehen worden war, und 
dass die Schwellung der Weichtheile des Gehörganges 
zu einer Retention und Empyem des Warzenfortsatzes ge¬ 
führt hatte. Er dachte aber so wenig au ein tiefer gehendes 
Leiden, dass er die Operation nur mit Assistenz einer 
Schwester vornahm, welche die Narkose leitete. Gleich 
nach Spaltung und Zurücksohieben der Weichtheile nach 
hinten uud obeu wurde er eines besseren belehrt, indem 
aus zwei etwa Notizbuchbleitederdicken, zackigen Oeftnungen 
der Knochcutafeln der mittleren Scüädelgrube der Eiter 
io bedeutender Menge pulsatorisch vorgetrieben wurde. Nach 
ausgiebiger Entfernung der Koocheu mit der L ü h r’schen 
Zange lag ein Hirnabscess von bedeutender Ausdehnung vor. 
Die angrenzenden Hirnpartien waren schwärzlich missfarben 


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8 


and zerfressen. Die Operation konnte glücklich zn Ende ge¬ 
führt werden, die AbseeBshöhie wurde mit .Todoformgaze tam¬ 
poniert und die Weichtheile durch Nähte verkleinert.. Die Hei¬ 
lung ging ohne Zwischenfälle glatt von statten and nach we¬ 
nigen Wochen konnte der Knabe entlassen werden. Er hat 
sieh noch vielfach zur Kontrolle vorgestellt, and Redner konnte 
sich von seinem guten Wohlergehen noch kürzlich überzeugen. 

(Antoreferat.) 

9. Dr. A. von Zur-Mühlen. Meine Herren ! Ich erlaube 
mir Ihnen folgenden interessanten Fall vorznstellen. Es 
handelt sich bei der Frau A. H. 56 a. tun ein Aneurysma 
der rechten Arteria carotis interna. Patientin 
kam am 9- October 1902 in meine Sprechstunde mit Klagen 
über continnirliches Sausen im rechten Ohre. Die Anamnese 
ergab, dass sie im Januar 1902 heftig anf den rechten Hinter¬ 
kopf gefallen war, eine Stande etwa bewusstlos gelegen hatte, 
worauf sich heftiges, den ganzen Tag anhaltendes Erbrechen 
einstellte. Darauf fühlte sie sich vollkommen wohl bis znra- 
Soramer. ~Ohne Vorboten trat plötzlich im rechten Ohr ein 
Saasen auf, welches ununterbrochen anhält and die Kranke 
belästigt. Weitere Erkundigungen ergaben, dass Pat- seit 
1863 verheiratet ist, viele Male abortiert hat, und dass ihre 
zwei noch lebenden Töchter an hereditär luetischen Affek¬ 
tionen leiden. Diese Anamnese liess an die Möglichkeit einer 
eerebralen Ursache des Ohrensausens denken, vielleicht im 
Sinne von Anenrysmenbildnng, nnd als ich mit dem Stetoscop 
den Kopf anskoltierte, konnte Ich in der Tbat überall gleich 
stark ein deutliches systolisches Blasen vernehmen. Wurde die 
Carotis communis mit dem Finger komprimiert, so verschwand 
die subjektive Empündnng des Olnensansens vollkommen, 
während objektiv über dem Kopf das Sausen, wenn auch be¬ 
deutend schwächer, nocli gehört wurde. Zaweilen scheint es 
auch vollständig zn verschwinden. Das Gehör ist vollkommen 
normal, ebenso ergiebt die Slimmgabelprüfnng normale Ver¬ 
hältnisse. 

Was die AnenryRmen der basalen Hirngefäste anbelangt* 
so dürften sie im Allgemeinen vielleicht nicht so gar selten 
sein. H off mann in Wien hat bei seinen gerichtsärztlichen 
Sektionen im Laufe von 20 Jahren 70 Fälle beobachtet. Der 
Grund der seltenen Diagnosenstellnng liegt wohl darin, dass 
sie zum Theil gar keine Symptome, macbeu, und dass der 
Träger sich seines gefährlichen Zustandes selbst gar nicht 
bewusst ist. Platzt ein Aneurysma und stirbt der Kranke 
mehr oder weniger schnell, so lautet die Diagnose «Apoplexie» 
and über das ursächliche Moment wird selten weiter nachge¬ 
dacht. In anderen Fällen sind Beschwerden vorhanden, doch 
oft scheinbar so wenig mit einem Aneurysma in Zusammen¬ 
hang zu bringen, dass diese Möglichkeit weiter garnicht in 
Betracht gezogen wird. In noch anderen Fällen verbirgt sich 
das Aneurysma unter den Erschelnnngen eines Gehirntumors; 
diese Diagnose wird gestellt und Arzt und Patient bernhigen 
sich damit. 

Eine Form der Aneurysmenbildung jedoch geht mit so 

P rägnanten Symptomen einher, dass es kaum übersehen wer- 
en kann, und zwar ist dieses das Aneurysma arterioso-ve- 
nosum der Caroti6 cerehralis, während ihres Verlaufes im Si¬ 
nns cavernosus. Herr College 9 I e g m u n d ist in der Lage, 
soeben einen derartigen Fall ans seiner Praxis vorstellen za 
können nnd will ich daher in der Schilderung nicht vorgreifen. 

Die Aneurysmen kommen in allen Lebensaltern vor, als 
ätiologisches Moment wird meist ein Trauma angegeben. Die 
Therapie ist im Allgemeinen auf Fernhalten aller Schädlich¬ 
keiten, welche die Ruptur des Aneurysma hervorrufen oder 
beschleunigen könnten, gerichtet. Bei den rupturirten Aneu¬ 
rysmen der Carotis im Sinus cavernosus wird mit Erfolg 
die Ligatur der Carotis common 19 gemacht nnd 
will ich dieselbe iu dem von Dr. Siegmnnd vorgestellten 
Falle anch vornehmen. Ueber den Erfolg werde ich in Zu¬ 
kunft berichten. 

(Antoreferst). 

3. Dr. Sieg round demonstrirt einen Fall von Aneurysma 
arterio-venosum im Sinus cavernosus: 

Meine Herren! Die Patientin, die ich hier Ihnen eben vor- 
steile, ist 24 Jahre alt nud leidet an ihren Beschwerden seit 
14 Jahren. Dieselben bestehen in änssorst heftigen Kopf¬ 
schmerzen, anf der rechten Seite, die einen sehr quälenden 
Charakter annahmen und welche vom Beginn ihrer Entstehung 
an bis jetzt erfolglos behandelt worden sind. Anamnestisch 
weiss Pat. anzngeben, dass sie nach einem Seebade in Dieppe 
bei starkem Wellenschläge sehr heftiges Kopfweh bekommen 
habe and seit jener Zeit sei dasselbe in Uberaas heftigen At¬ 
taquen, «die ihren Kopf oft ganz uach rechts fiir viele Stun¬ 
den gezogen hätten» stets wiedergekehrt. Ausserdem höre sie 
beständig nnd vorzugsweise rechts ein Rauschen and Bransen 
im Kopf. Die Intervalle zwischen den einzelnen Attaqnen seien 
gewöhnlich ziemlich beschwerdefrei. Das sind also die subjek¬ 
tiven Empfindungen der Patientin. 

Bei objektiver Betrachtung fällt Ihnen sofort der beider¬ 
seitige Exophthalmus auf, der lebhaft an einen Basedow er¬ 


innert; die venösen Blutgefässe der die Lider amgebenden 
Theile sehen Sie beträchtlich erweitert. Beim Anlegen der 
Hand anf die Augäpfel fühlen Sie, besonders anf der rechten 
Seite eine geringe Pulsation, die am deutlichsten and stärk¬ 
sten an den Gefässen hinter dem rechten Ohr wahrnehmbar 
ist: der aufgelegte Finger fühlt dort einen dicken schwirren¬ 
den Strang. Auch das rechte Ohrläppchen macht jede Pulsa- 
tionswelle mit and wird mit einem deutlich sichtbaren Stoss 
emporgehoben. Beim Anlegen des Ohres oder des Stetoskops 
hört man überall am ganzen Kopfe (rechts aber immer stärker 
wie links) und anch über dem geschlossenen Auge ein conti- 
uuierliches Schwirren und Bransen. 

Diesem Syptomencomplex dient als häufigste Ursache ei 
Aneurysma arterio-venosum, das gewöhnlich durch Zerreis 
snng der Carotis innerhalb der Sinns cavernosus entsteht * 
Das Blnt der Carotis ergiesst sich nnter hohem Drucke in den 
Sinns cav., irr Folge wessen die in denselben einmündenden 
Venen der Orbita sehr stark erweitert resp zur Pnlsaiion ge¬ 
bracht werden können. 

Herr Dr. v. Krüdner hatte auf meine Bitte hin die Lie¬ 
benswürdigkeit den Augenbefuud anfzunehmen. über dessen 
interessante Resultate, die den Ort des cerebralen Aneurysma’« 
genau localisieren Hessen, er Ihnen sofort referieren wird. 

(Autoreferat). 

Dr. H. Baron Krüdener. Aensserlich haben wir es 
hier mit einem Krankheitsbilde zu thnn, welches den Ophtal- 
rnologen nnter dem Namen pulsierender Exophtalmtis bekannt 
ist. Der ßnlbus prominiert nnd lässt sich durch langsamen 
Druck reponieren, die Venen der Lider sind kolossal gefüllt 
und geschlängelt, die aufgelegte Hand fühlt ein Schwirren, 
nnd mit dem Stetoskop nimmt man Über dem Auge ein kon¬ 
tinuierliches Brausen wahr, nahezu ebenso stark wie an den 
Koptknochen. Die häufigste Ursache dieses Symptomenkom- 
plexes ist nachgewiesenermassen ein Aneurysma der Carotis, 
infolge einer Ruptur derselben im Sinns cavernosus. Wir ha¬ 
ben aber noch mehrere Anhaltspunkte, welche uns gestatten 
den Sitz der Affektion za lokalisieren: es besteht eine links¬ 
seitige homonyme Hemiopsie und hemiopische Paplllenreaktion. 
Homonyme Gesichtsfelddefekte beruhen stets auf einer Störung 
oberhalb des Chiasma, zudem besteht wie gesagt hemiopische 
Pupillenreaktion. Somit liegt, die Leitungsnnterbrechnng dies¬ 
seits der Stelle, wo die Okulomotorinsfasern zn ihrem Kerne 
abgehen, also im Traktns. Wäre der Lichtreflex ei halten, so 
müsste die Läsion weiter nach oben verlegt werden. Da die 
Traktns Über dem Sinus cavernosus verlaufen, so ist der Sitz 
des Aneurysmas im Sinus cavernosus noch sicherer präcisiert. 
Die Venen, welche ihr Blut direkt durch die Venae ophtalmic&e 
iu den Sinus führen, sind hier mächtig gestaut, wahrend eine 
Störnng des venösen Abflusses ans der Iris nicht besteht, da 
dieser durch die Venae faciales fortgeleitet wird. Ophtaimosko- 
pisch ist beiderseits die Abblassung der rechten Pnpillen- 
seiten vorhanden und das Fehlen des Venen-Pulses bemerkbar. 

Im übrigen Arterien and Venen stark gefüllt, die Venen 
um ein Geringeres dunkler, als dieses normaler Weise der 
Fall ist 

(Antoreferat.) 

Dr. Stavenhagen stellt an Dr. 9 i e g m it n d die Frage 
ob bei dem von ihm vorgestellten Falle über die Entstehungs- 
Ursache Etwas bekannt sei? Ferner ob der Exophtalmtis 
plötzlich oder allmählich entstanden sei? (Auf beide Fragen 
antwortet Dr. S i e g m u n d, dass darüber Nichts bekannt sei). 
Redner weist darauf nun bin, dass für die Entstehung einer 
Hemianopsie immer ein langsamer Verlauf Bedingung sei, 
Solche Fälle seien überhaupt sehr selten. Vor Jahren wurde 
ein ihm bekannter Fall mit pulsierendem Exophtaiinus durch 
Operation geheilt. Kann in diesem Falle das Geräusch durch 
Kompression der Carotiden zutn Schwinden gebracht werden? 

Dr. S i e g m n n d : Das Geräusch schwindet durch Kompression 
nicht. Was die Unterbindung der Carotis betrifft, so ist die¬ 
selbe in England schon im Jahre 180> von Travers gemacht 
worden — es trat jedoch in diesem Falle bald ein Recidiv ein. 
Der erste Sektionsbericht stammt von Nelaton. Es scheint, 
dass F'ranen, and zwar besonders gravide hänfiger erkranken, 
als Männer. Die häütigste Ursache ist wohl in einem erhöhten 
lokalen Blutdrücke, durch körperliche Anstrengung veranlasst, 
zn suchen. 

Heilung ist bisher wohl nnr durch Operation erzielt worden; 
die Versuche, eine solche durch Kompression der znführenden 
Gefässe zn Stande zn bringen, sind ohne Erfolg geblieben. 

Dr- Handelst» mm I. möchte dem Exophtalmus in diesem 
Falle wenig Bedeutung beimessen, da er doppelseitig ist. Sei¬ 
ner Ansicht nach, handelt es sich hier nnr um vorstehende 
ßulbi. 

4. Dr. v. Knerre hält seinen an gekündigten Vortrag: 
«Ueber vaginalen Kaiserschnitt». 

Vortragender verfügt über zwei Fälle von vag. Kaiser¬ 
schnitt. die er im Verlauf des letzten Jahres bei Karzinom mit 
Schwangerschaft ausznlüliren Gelegenheit hatte. Es handelte 


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4 


sich am Graviditäten im VIII. bez. IX. Monat der Schwan¬ 
gerschaft nnd wog das eine Rind 1100, das 2-te 2238. Beide 
Rinder worden lebend extrahiert, jedoch Hess sich das eine 
wegen Lebensschwäche (1100 gram.) nicht erhalten, das andere 
gedieh gnt nnd wnrde 3 Wochen nach stattgefandener Ent¬ 
bindung mit der Matter gesund entlassen. Was das Karzinom 
anlangt, so handelte es sich im 1. Falle am ein Portiokarzi¬ 
nom von Wallnussgrösse — die Parametrien vollkommen 
frei — im 2. Fall nm ein sehr vorgeschrittenes Cervix- 
höhlenkarzlnom, welches den ganzen Cervixkanal absolut ver¬ 
schloss, und bis an den inneren Muttermnnd hinaufreichte. 
Pie Parametrien waren hier besonders rechts schon stark in¬ 
filtriert. 

Bezüglich der Technik der Ausführung folgte Vortragender 
ganz den Vorschriften D ü h r s s e n’s, und konnte die der Ope¬ 
ration nachgerühmte elegante Ausführbarkeit bestätigen. Blu¬ 
tungen wurden nicht beobachtet, vielleicht daher, weil die Li¬ 
gamente provisorisch durch Umstechungen versorgt worden 
waren. Ä 

Die Extraktion der Kinder wurde in beiden Fällen am vor¬ 
liegenden Rindsteile — ein Mal an den Füssen, int 2. Fall 
mittelst Forceps am vorliegenden Schädel vorgenommen; im 
letzteren Falle stellten sich dem Forceps keinerlei Schwierig¬ 
keiten in den Weg, weil die vordere Uteruswand bis hoch in’s 
Corpus hinauf gespalten worden war. 

Nach Entfernnng des karzinomatösen Uterus sammt Ad¬ 
nexen erfolgte in beiden Fällen eine exakte Peritonealnaht. 
Die Rekonvelescenz war in beiden Fällen eine tadellose — die 
zweite Pat. z. B. konnte am 18. Tage nach der Entbindung 
im ärztl. Verein vorgestellt werden. Der erste Fall stellte 
sich 9 Monate post. Op. vor und war noch rezidivfrei. — (Der 
Vortrag erscheint in einer Fachzeitschrift in extenso). 

(Autoreferat). 

Dr. Keil mann weist darauf hin, dass man noch eine Be¬ 
handlungsart erwähnen kann, die bei Gravidität, die mit Kar¬ 
zinom der Cervix kompiliert ist, in Anwendung kommen 
könnte, d i. die Einleitung der Gebart und nach An&Btossung 
des Foetus die sofortige Exstirpation des puerperalen Uterus. 
Er habe dieses Verfahren in einem Falle angewandt zu einer Zeit, 
als Dührssens Publikation eben erschienen war und noch 
keiue weiteren Fälle bekannt waren. Etwa 10 Stunden nach 
Einleitung der Hystereuryse konnte das Kind extrahiert wer¬ 
den, und ca. 3 Stunden danach exstirpierte er den Uterus. Die 
Gravidität hatte den IX-X Monat erreicht. Das Kind blieb 
leben, die Mutter starb ca. 4—5 Wochen nach der Operation 
infolge einer Darmblutung, als deren Ursache die Sektion ein 
embolisches Dflnndarmulcus ergab. In einem zweiten Falle 
lag ein weit vorgeschrittenes Karzinom vor, bei dem die Ge¬ 
burt bereits im Gang war und spontan vor sich ging. Das 
Kind war klein und starb bald an Lebensschwäche. Das Kar¬ 
zinom war inoperabel. 

In einem dritten Falle endlich hat K. im VII. Monat der 
Gravidität den D ü h r s s e n’schen Kaiserschnitt ge¬ 
macht und die sofortige Exstirpation des Uterus angeschlossen. 
Obgleich die Frau mit starker Blutung ankam und hochgra¬ 
dig anämisch war, eutschioss er sich zur Operation, weil die 
Tastung freie Parametrien ergab. Die Frau starb jedoch am 
Tage nach der Operation. 

K. hat. im Ganzen nur in de;i vorbeschriebenen 3 Fällen 
Komplikationen von Gravidität mit Karzinom gegenüber ge¬ 
standen und im ersten und dritten Falle sich überzeugt, wie 
überraschend leicht die Exstirpation des eben entleerten Ute¬ 
rus ist- Es sclieine ihm nach den bisher vorliegenden und 
seinen eigenen Erfahrungen nicht mehr zweifelhaft, dass die 
Indikationsstellung nnd Therapie, die Herr von Knorre in 
den mitgetheilten Fällen zur Anwendung gebracht, heutzutage 
bei Uteruskarzinom intra Graviditatern die einzig richtige sei, 
nnd die guten Erfolge fordern unbedingt zur Nachahmung 
aut. 

Dr. Hach: Der klassische Kaiserschnitt müsste doch zum 
selben Ziel führen. Was die Bezeichnung «Kaiserschnitt» 
im ersten von Dr. Knorre referirten Falle anbetrifft, so 
sei dieselbe in Anbetracht der Kleinheit des Foetus (1100 Grm.) 
vielleicht nicht ganz richtig gewählt. 

Dr. Po orten: Nach don Ansichten vieler Autoren sind 
die mit Gravidität combinierten Karzinome noch mehr zu Re¬ 
zidiven geneigt, als 6onst. Er selbst bat Prof. Winter in 
Könicsberg bei einer Dührssen’schen Operation assistiert. 
Alles ging scheinbar sehr gut vod Statten, bald jedoch schon 
trat Rezidiv ein. 

ln Rücksicht auf das Leben des Kindes empfiehlt es sich, 
die Ligatnren im Parametrlnm erst nach Extraktion desselben 
anznlegen — weil ßonst leicht zuviel Zeit darauf gehe. 

Dr. Keitmann verweist noch zum Schloss auf die Anam¬ 
nese der beiden Fälle des Herrn v. Knorre; in beiden Fäl¬ 
len hat ärztliche Beobachtung stattgefunden und der Rath 
zur Operation ist spät ertheilt worden. Winter habe neuer¬ 
dings (Verb. d. Deutsch. Ges. für Gynäcologie) wiederum be¬ 
tont: nicht in der Erweiterung der Operationstecbnik, son¬ 


dern in der möglichst frühzeitigen Operation liege die Mög¬ 
lichkeit der Krebsheilung; dieses müsste auch bei nns immer 
wieder betont werden. Von mehr, als 60 Karzinomfällen, die 
er beobachtet, hätten kaum 30 überhaupt noch operativ in 
Angriff genommen Werden können, nnd von diesen sei kaum 
einer, der sicher rechtzeitig operiert sei. Alle sind zn spät 
gekommen nnd viele sind lange behandelt worden, ohne dass 
die Operation gerathen wäre. Diese traurige Thalsache als 
Mahuung zn erwähnen erlaube er sich, trotzdem sie nicht 
znm vorliegenden Thema gehöre. 

Dr. v. Knorre empfiehlt den vaginalen Kaiserschnitt, ge¬ 
rade, weil derselbe nach erfolgter Tliat, wieder ganz nor¬ 
male Verhältnisse ergiebt nnd daher für den Fall, dass 
sich eine nicht zn beherrschende Nachblntnng einstellen sollte, 
in der leicht ausführbaren Totalexstirpation das sicherste Mit¬ 
tel bildet, das Leben der Frau zu retten — hier Ist die Total¬ 
exstirpation entschieden bedeutend ungefährlicher, als die 
früher geübte Abtragung des Corpus Uteri nach Porro. 

Die Anwendung des vaginalen Kaiserschnittes bei Eklamp¬ 
sie hält er gelegentlich, besonders als Konkurrenzoperation 
dem klassischen Kaiserschnitt gegenüber für geboten, da er 
letzterem gegenüber die bedeutend geringere Gefährlichkeit 
voraus hat, vom Fehlen von B.iuckbrüchen etc. etc. ganz ab¬ 
gesehen. Er findet seine Ansicht unterstützt durch Dumm, 
der iin letzten Hefte des Ceutralblatte9 5 einschlägige Fälle 
berichtet. Ob das Bossische Dilatatorium den vaginalen 
Kaiserschnitt bei Behandlung der Eklampsie in allen Fällen 
wird ersetzen können, ist zunächst noch nicht zu entscheiden, 
da zu wenig Beobachtungen vorliegen. 

Herrn Dr. Hach gegenüber möchte er anführen, dass die 
Bezeichnung «vaginaler Kaiserschnitt» bei anderen Autoren 
für noch frühere Schwangerschaftsinonate gewählt worden 
ist. Bnm m führt unter seinen Fällen einen solchen an, wo 
das Kind nur 850 grm. wog. Was die Blutung bei Ablösung 
der Blase anlangt, so wAr eine solche gering oder jedenfalls 
durch provisorisch angelegte Koche r’scbe Klemmen leicht zu 
beherrschen. 

Herrn Dr. P o o r t e n gegenüber möchte er auf die schlechte 
Prognose des Karzinoms überhaupt, besonders aber des Karzi¬ 
noms in der Schwangerschaft hinweisen. Dass in seinem 
2. Fall das Rezidiv bald zu erwarten ist, glaubt er bestimmt 
ohne vag. Kaisei schnitt wäre aber die Frau intra partum ge¬ 
storben; sein 2. Fall ist bis dato 9 Monate ohne Rezidiv ge¬ 
blieben, wie lange aber auch hier letzteres auf sich warten 
lassen wird, ist zur Zeit nicht bestimmbar. 

Die Ligiarung der Ligamente hat aut’s Leben des Kindes 
keinen Einfluss gehabt, beide wurden lebend geboren; das 
erste starb, wie angeführt an «Lebensschwäche», es wog nur 
1000 gramm. Auch die meisten übrigen Autoren habju keiue 
Schädigung der Kinder beobachtet. 

(Autoreferat). 

5. Dr. ßurchard stellt einen 32-jährigen Kranken mit 
Huntington 'scher Chorea vor, bei dem die charakteri¬ 
stischen -Symptome deutlich ausgeprägt sind. Die Krankheit 
begann vor c. 6 Jahren mit geringen charakteristischen Be¬ 
wegungen, die sich allmählich verstärkend, schliesslich fast 
den ganzen Köiper ergriffen haben; die Bulbusmuskeln sind, 
wie gewöhnlich bei der degenerativeu Chorea, verschont. In¬ 
tendierte Bewegungen können gut ausgetührt werden, der 
Einfluss des Willens unterdrückt deutlich die choreatischen 
Zuckungen; früher galt dieser Umstand als typisch für die 
degenerative Chorea, doch hat schon Charcot darauf hin¬ 
gewiesen, dass man genau dasselbe auch bei den chronischen 
Formen der gewöhnlichen Chorea findet. Die Patellarreflexe 
sind von seltener Intensität, die motorische Kraft der Mus¬ 
keln etwas herabgesetzt- Ain Beginn der Erkrankung traten 
Charakterveränderungen auf, der Patient wurde bö>e und 
streitsüchtig; allmählich litt die Intelligenz und augenblicklich 
besteht deutlicher Schwachsinn und vermindertes Gedächtniss. 

Der Vater des Patienten starb 45 a- n., und hatte in den 
letzten Lebensjahren an Chorea gelitten, die Mntter ist an 
Diabetes gestorben: eine Schwester des Patienten ist geistes¬ 
krank, eine 2. Schwester ist, 29 a. n„ gestorben, nachdem 
sie im 19. Lebensjahr an Chorea erkrankt und in Anschluss 
daran eine sich ganz allmählich entwickelnde, immer zuneh¬ 
mende Geistesschwäche aufgetreten war; der Sohn des Patien¬ 
ten leidet seit einem halben Jahr an choreatischen Zuckungen. 
Nachdem B u r c h a r d verschiedene differenziaidiagnostische 
Momente hervorgehoben, betont er in Folgendem die Gründe, 
die datür sprechen, dass wir es hier nickt mit eiuer chroni¬ 
schen Form der gewöhnlichen Chorea zu thun haben: In er¬ 
ster Linie kommt, der familiäre Charakter der Erkrankung in 
Betracht; dann das Alter, iu dem die Erkrankung auftrat; 
ferner der Beginn der Erkrankung, die nicht akut oder sub- 
aknt anftrat nnd erst späterhin schleppend wurde, sondern 
die von Anfang an einen langsamen und schloppeuden Ver¬ 
lauf batte; schliesslich ein weiteres entscheidendes Moment: 
der unaufhaltsame progressive Verlauf der Erkrankung und 
die Abnahme der geistigen Fälligkeiten. 


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5 


Bnrchard schliesst sich den Antoren an, die H n n tt n g- 
ton’sche Chorea eis selbstständige Krankheit ansehen, die 
mit der gewöhnlichen S y d e n h a m 'sehe Chorea nichts, als 
nur die choreatischen Bewegungen gemein hat und betont, 
dass jetzt nur wenige Antoren der Ch arcot’schen Anffas- 
suug huldigen, dass die R u n t i n g t o n’sche Chorea nnr i 
eine Abart der gewöhnlichen chronischen Chorea sei. Die 
pathologisch-anatomischen Befunde, die in letzter Zeit von 
Oppenheim nnd Hoppe, Kronthal nnd K a 1 i s c h e r, 
Facklam, Gravitz etc. geschildert worden, haben nicht 
wenig dazn beigetragen, die Huntington 'sehe Chorea als 
selbstständige Krankheit anzuerkennen und zwar als eine 
Gehirnkrankheit, bei der chronisch-nenropatische Processe 
zur Atrophie der Rinde führen. — Die post- und praehe- 
miplegische Chorea, die angeborene Chorea bei den ver- i 
schiedensten Gehirnerkrankungen, die Chorea bei der pro- I 
gresaiven Paralyse, die hysterische und die infektiöse Cho- j 
rea. sie sird alle durch die verschiedensten Ursachen I 
bedingt, die nur das Gemeinsame haben, dass sie einen j 
speziellen Beiz, sagen wir anf eine choreogene Zone des j 
Gehirns, ausöben nnd deutlich ein gleiches Symptom, die 
choreatische Bewegung erzeugen. Denn diese ist nnr 
ein Symptom und daher ist es mit Genugthunng zu 
begrössen, dass aus der grossen Gruppe der Krankheitsfälle, 
die unter der Diagnose «Chorea» segeln, wieder ein Theil 
ftiisgeschiedcn ist, der eine spezielle Krankheit repräsentiert, 
die H n n t i n g t on ’sche oder die degenerative Chorea. 

(Autoreferat). 

Dr. Behr. Im Gegensätze zn der Wo 11 e nber gschen Dar^ 
Stellung der Huntington sehen Chorea, wie dieselbe hier in 
der Gesellschaft von Herrn Kollegen Bnrchard vertreten wurde, 
empfehle es sich daran zu erinnern, dass auch gegenteilige 
Anschauungen in'der Literatur laut wurden, welche in der 
H’schen Chorea keine selbständige Krankheltgspecies erblicken, 
so.vor Allem Charcot und neuerdings J olly in der Darstel¬ 
lung dieses Gegenstandes in dem Handbnche von Ebstein und 
Schwalbe. 

Die für die H’sclie Chorea geltenden Charakteristika sind 
bei ihr einerseits nicht konstant, andererseits kommeu sie 
aucli bei der Sydenbnraschen Chorea vor. So ist vor Allem 
die Heredität, für die H.’ache Krankheit keineswegs charak¬ 
teristisch. Ebenso ist nicht erwiesen, dass infektiöse Ur¬ 
sachen bei ihr nicht mitspielen. 

Schliesslich hat auch die bei der H’schen Chorea au tre¬ 
tende Verblödung weder klinisch, noch pathol.-anatomisch et¬ 
was Spezifisches an sich. Sie kommt bei der anderen Form 
ebenso vor. 

Die pathol. Anatomie vor Allem ist noch nicht exakt genug, 
um von sich ans eine Krankheit sni generis zu creiren. Die 
Franzosen gehen darin entschieden viel zu weit. 

Nach allen diesen Ueberlegungen müsste man die Krank¬ 
heit nur als besondere Vertanfsart der alten Chorea auf¬ 
fassen. 

Wegen drängender Zeit, wird die weitere Diskussion ver¬ 
schoben. 

6) Dr. Keilmann hält seioen angekündigten Vortrag 
über «Chorioepitheliom». 

Vortrag, demonstriert Präparate von einem Falle von Cho- 
rioepithelioina nnd zwar den Uterus mit einem wallnussgros¬ 
sen Tumor, Scbeidenmetastaseu und die eine von erbsen — 
bis bolmengrossen Metastasen durchsetzte Lunge- 

Die Kranke wurde am 96. Mai 1909 in seine Abth. aufge- 
noinmen. Pat. war 48 Jahre alt, hat 5 Mal geboren nnd war 
95 Jahre verheirathet. Im IX. 01 hat Pat. sich für gravid ge¬ 
halten nnd gianbt abortiert zn haben, wonach 2 Monate Blu¬ 
tung bestand. Nach einer Operation (Abrasio?) hatte die Blu¬ 
tung sisliert, um nach 2 Monaten wieder am zn erscheinen nnd 
2 Wochen zu dauern, danach trat wiederum eine Panse von 
Monaten ein, dann aber blntete Pat. bis znr Aufnahme durch 
etwa 4 Wochen. 

Status: hochgradige Anämie (Hämoglobingeh. = 45 h) Uterus 
vergrössert tCavnm 12 Cm.) Cervix offen. • Von der vorderen 
Wand ansgehend ein wallnussgrosser Tumor mit zerklüfteter 
Oberfläche; neben der Blutung besteht reichlicher übelriechen¬ 
der A U8flll88. 

Das Alter der Frau und einige Nebenumstände veranlassten 
die Annahme eines Abortes abznlehnen und ein verjauchtes 
Myom anzunehmeu, welches die reichlichen and unregelmäs¬ 
sigen Blutungen zn erklären sehr wohl im Stande war. Da 
Temperatursteigerungen bestanden, wurden zunächst Uterus¬ 
spülungen vorgenommen und als nach Ablauf von 2 Wochen 
der Ausfln8s nachgelassen hatte und die Temp. normal war, 
wurde nach sorgfältigem Verschluss des os ext. der Ute¬ 
rus total exstirpiert. Die Wuudheilung erfolgte ohne Störung, 
(höchste Temp. 37.4 am 8. Tage). 

Der exstirpierte Uterus wog 240 gr.; an der vorderen Wand 
fand sich der getastete, vollständig nekrotische Tumor, nnd 
in der stark verdickten Wand eine Anzahl intramuraler, I 


kleiner Knötchen, die Mynmstrnktnr zeigten nnd keine Nekrose 
aufwlesen. Das mikroahop. Präparat ans der centralen nekro¬ 
tischen Partie des Tumors ergab; einzelne kernlose Mnskel- 
fasern, sonst nnr Blut, Leuhocyten nnd einige hyaline dege¬ 
nerierte Zellen. Die Pat. wurde wesentlich erholt, (spec. Gew. 
d. Blutes 1051"; Hämoglobin geh. nach Fidschi. 65 h) entlas¬ 
sen. 

Am 20. Jnnl 1902 wnrde die Frau wiederum, im hohen 
Grade anämisch nnd ans der Scheide blntend, anfgenommen. 
Es fand sich in dev Schelde ein höhnen grosser, scheinbar ans 
Grannlationsaewebe bestehender Tnmor. der exatirpiert wird ; 
die mikroskop. Untersuchung ergiebt ein typische« Chorloepi- 
theliom. Obgleich die Pat. über Schmerzen im Becken klagt, 
konnte eine weitere Metastase nicht nachgewiesen werden. 

Est am 5. October stellte sich Pat. wiederum vor nnd zwar 
wegen heftiger Schmerzen im linken Bein nnd leichter Bln- 
tnng ans der Scheide. Unmittelbar über dem Tntroitns finden 
sieb wallnnssgrosse. blau rot he Tumoren z. Th. mit zerfalle¬ 
ner Oberfläche nnd eine Anzahl ln der Tiefe sitzender harter 
Knoten. Statt näherer Beschrelbnng sei anf die getrene Dar¬ 
stellung solcher Scheidentnmoren in Hflbl’s Monographie ver¬ 
wiesen. Trotzdem die Operation nnn keine Anssicht anf Hei¬ 
lung bot, worden diese Tnmoren doch exstirpiert. Die Schmer¬ 
zen Im Verlauf des IschMicns blieben bestellen, 10 Tage 
nach Entfernung aller in der Scheide nachweisbarer Knoten 
bildeten sich an der Harniöhranmfindnng neue, die dann zu¬ 
sehends wachsen nnd bald zerfielen; die Schmerzen fm Bein 
worden immer heftiger nnd der Allgemeinznstand verschlech¬ 
terte sich rapid. Am 20. October 1902 trat der Exitus ein, 
nachdem sich knrz vorher gering blntiggefärbtes Spntnm ge¬ 
zeigt hatte, ohne dass sonst etwas an der Lnnge hätte nach- 
gewiesen werden können. Die Autopsie ergab als Erklärung 
der heftigen Ischiasschmerzen die Thatsache, dass der N. 
Ischiadicns an der Anstrittsstelle ans dem Becken von einem 
metastatischen Tnmor umwachsen war. Die l.nneen waren 
von erbsen- bis bohnengrossen Knötchen total durchsetzt. 
(Mikroskopische Präparate werden ans verchiedenen Tumoren 
in der Versammlung demonstriert.) 

Aus der Literatur referiert Vortragender genauer über die 
Publikationen von Schlagen hanfer(Wiener Klin. Wochen¬ 
schrift 1902) nnd Hübl. (Ueber das Chorioepitheliom etc. Wien. 
Sept. 1903). 

(Antoreferet). 


Wegen vorgerückter Zeit wird die Diskussion verschoben. 

D. z. Secretär: 8. K r ö g e r Jun. 


Vermischtes. 


— Der berühmte Berliner Anatom Prof. Dr. Walde y er 
ist von der Universität Jnijew (Dorpat) znm Eh renmit- 
gl ied e ernannt worden. Ausserdem hat ihn die Pariser 
«Soci6t6 de Biologie» an Stelle des vor Knrzem verstorbenen 
Heidelberger Professor C. Gegenbaur znm auswärti¬ 
gen Mitgliede gewählt. 

— Prof. Dr. Eulenbnrg (Berlin) ist von der Freien 
Vereinigung der deutschen medizinischen 
Fachpresse «in dankbarer Würdigung der hohen Ver¬ 
dienste.. die er sich nra die gesammte medizinische Publizi¬ 
stik, insbesondere aber um die Begründung und Förderung 
der Vereinigung erworben hat», zu deren Ehrenmit¬ 
glied e ernannt worden. Prof. Eulenbnrg ist bekannt¬ 
lich mit dem Beginn dieses Jahres von der Redaktion der 
«Deutschen med. Wochenschrift» zurückgotreten. 

— Am 29. December a. pr. vollendeten sich 35 Jahre 
derLehrthätigkeit des Professors der Dermatologie 
nnd Syphilidologie Dr. Alexander Gay in Kasan. 

— Prof. Dr. Orth, Director des pathologischen Iustituts 
der Berliner Universität, ist znm Ehrenmitgliede der 
pathologischen Gesellschaft in London er¬ 
wählt worden. 

— Unserem Landsmann, dem Director der medizinischen 
Klinik in Breslau Dr. A d o 1 p h S t r ü m p e 1 I , ist die 
Würde ein es Geheimen Medizinalraths ver¬ 
liehen worden. Prof. Strümpell, ein Sohn des verstor¬ 
benen Professors der Philosophie au der Dorpater Univer¬ 
sität, ist auf dem Gute Neu-Antz in Kurland geboren und 
hat seine medizinischen Studien an der Dorpater Universität 
begonnen. 

— Znm Direktorder Alexejew sehen Angen¬ 
heilanstalt in Moskau ist der bisherige Ordinator 
an derselben Dr. M. Awerbach ernannt worden. 

— Das Allerhöchste Wohl wolle n wnrde eröffnet 
den Mitgliedern der Kommission zur Feststellung der Mängel 
in der Organisation der Fabrik für Militär-Medizinalpräparate 
und Ergieifung von Massnahmen zu ihrer Beseitigung: Ge- 


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« 


heimrath Dr. Stefanowitsch, Öehfllfen des Chefe der 
Ober - Militär - Medizinalverwaltung; wirkt. Staatsrath Dr. 
P r z i b y t e k nnd Staatsrath Dr. Turner, Professor der 
mllitär-med. Aeaderoie; St»at«rath Dr. Zeidler, älterem 
Amt der chirurgischen Abthellnng des weiblichen Obuchow- 
hoapitals: Staatavath Dr. W j er u s li s k i . Konsultanten des 
St. Pet. Nikolai-Militftihospitals : Dr. Wreden, Beamten 
für besondere Aufträge der Ober-Militär-Medicinalverwaltung; 
Dr. Hfibbenet, älterem Ordinator des St. Pet. Nikolai 
Militärbngpitals — für ihre hervorragende und 
nützliche Thätigkeit in der genannten Kom¬ 
mission. 

— Als De kan der medicinischen Facullät d er 
U niversität Jnrjew (Dorpat) ist, wie die «Rish. W.» 
erfahren, an Stelle des Professors K n r t. gc li i n s k i der 
Professor der Augenheilkunde Dr. Jewezki designiert. 

— Dem Geholfen des Ministers der Volksanfklärung wirkl. 
Staatsrath Dr. med. Sergius Lu kjaoow ist der St. 
Stanislaus-Orden I. Clasae verliehen worden. 

— Der Oknliat der 8ehwarzmeerflotte und ältere Arzt der 
29 Flottenequipage, Staatsrath Dr Schmidt ist zum 
Ehrenmitglieds des Sewastopoler städti¬ 
schen Cnratorlitms der Kinderasyle ernannt 
worden, nnter Belassnng in den bisherigen Stellungen. 

— Der ansseretatmässige Ordinator des hiesigen St. Peter- 
PaulhospUals. Colleelenrath Dr. v. Dingen ist zum Di¬ 
rektor de« Alexander-Newski- und des Bje- 
losselskf-Bjeloserskisehen Kinderhospitals 
in Sf. Peteishurg ernannt worden, unter Belassnng beim 
Peter- Panlhospital. 

— Befördert: Zu wirklichen Staatsräthen — Dr. R. 
K o c h , ord. Professor der Chirurgie an der Univ. Jnrjew 
(Dorpat). Dr. Frankenhäuser, Arzt am Institut der 
Kaiserin M a r i a nnd Dr. S t a n g e , Mitglied des Conseils 
deR klinischen Hebammeninftituts. 

Verstorben: 1) ln Riga Dr. William Wolfram, 
dessen am 17. December a. pr. erfolzte Tod wir in der vo¬ 
rigen Nr. d. Wochenschr. bereits in Kürze meldeten, im Alter 
von 43 Jahren an Apoplexie. Der Hingeschiedene war in 
Gnmblnnen geboren, erhielt seine Schulbildung aber im Mi¬ 
tansehen Gymnasium und widmete sich dann dem Studium 
der Medizin an der Dorparer Universität, an welcher er von 
1871—78 stndlrte. Nach Absolvirung des Arztexamens war 
Dr. W. kurze Zelt Arzt in Königsberg und Hess sieb dann 
danernd in Riga nieder, wo er vor ca. 3 Jahren eine allen 
Anforderungen der Wissenschaft entsprechende Privatklinik 
für rhirnrgische und Frauenkrankheiten gründete, welche er 
mit grosser Energie und Arbeitskraft hi9 zu seinem Lebens¬ 
ende leitete. Neben «einer ärztlichen Thätigkeit hat W. auch 
vielfach am Vereinsleben Rigas theilgenommen: So gehörte 
er eine Zeit laue dem Vorstande des «Vereins der Angehö¬ 
rigen des deutschen Reiches» an, war langjähriger Präses 
des «Athletikklubs», Vorstandsmitglied des «Livländischen 
Yachtklubs» und Mitglied zweier Gesangvereine. Als Arzt 
wnrde er nicht nnr in Riga, sondern auch darüber hinaus 
wegen seiner Tüchtigkeit geschätzt. 2) Am 17. Dezember 
In St. Petersburg der frühere Privatdocent für patholo¬ 
gische Anatomie an der militär - medizinischen Acade- 
mie Dr. W. J. Afanassjew im 55. Lebensjahre an 
Diabetes. Der Verstorbene war ein Schüler der ehemaligen 
medico-chirurgischen Academie. welche er i. J. 1873 absolvirte, 
woranf er zur weiteren Vervollkommnung in’s Ausland ge¬ 
schickt wnrde. Nach seiner Rückkehr wurde er Prosector am 
Nikolai Militärhospital, wo er anch Vorlesungen über Anato¬ 
mie in den damaligen weiblichen medizinischen Cursen hielt. 
Er gehörte zu den Organisatoren des St. Petersb. Aerzleklubs 
sowie des ärztlichen Vereins zur gegenseitigen Hilfe und wat - 
Gründer der ersten Wasserheilanstalt in St. Petersburg. 3) 
In Jekaterinoslaw der frühere Militärarzt Johann Leschko- 
Popel im Alter von 43 Jahren am Typhus. Trotz 17-jähri¬ 
ger praktischer Thätigkeit hat er seine Frau mit 4 Kindern 
fast mittellos hinterlassen. 4) ln Lowisa (Finnland) der Nestor 
der finnischen Provinzialärzte Dr. K. 0. Hoffmann, wel¬ 
cher sich wie von dort berichtet wird, dem an ihn ergange¬ 
nen Befehl, bei den bevorstehenden Rekrurenausbebungen als 
Besichtignngsarzt zu fnngiren, durch Selbstmord entzogen 
hat. 5) In Bprlin am 4 Januar n. St. der hervorragende Psy¬ 
chiater n. Nenrologe, Geh Medicinalratli Prot, Dr. Friedrich 
J o 11 y, Director der Nerven* u. Irrenklinik an der Charite, 
im 60. Lebensjahre am Herzschläge. Der Hingeschiedene hat 
als akademischer Lehrer über 32 Jahre erfolgreich gewirkt 
und zwar von 1871—73 als Privatdocent in Würzburg, dann 
als Professor ord. nnd Director der Irrenklinik in Strassburg, 
von wo er 1890 als Nachfolger Prof. Westphal’s nach 
Berlin berufen wurde. Mit ihm verliert die medizinische Wis¬ 
senschaft einen ihrer ersten Vertreter. Unter seinen zahlrei¬ 
chen wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Nerven¬ 
krankheiten nnd Psychiatrie sind die bedeutendsten die über 
4en Hirndrnck nnd den elektrischen Leitungswiderstand des 


menschlichen Körpers. Für Zlemssens Handbuch der 
speziellen Pathologie und Therapie bearbeitete er den Ab¬ 
schnitt über Hysterie und Hypochondrie. 

— Am 28. December a. pr. wnrde hierselbst Im Pirogow- 
Mnseum der IV. Co n gross russischer Chirnrgen 
durch den Präses des Organisat]onscomit4s Dr. Kadjan er¬ 
öffnet. Zum Präsidenten des Congresses wurde so¬ 
dann rof. Dr Zoege von Manteuffel aus Jnrjew (Dorpat) 
und zum Vicepräsidenten der Landschäftsarzt Dr. 
A. Knsnezki gewählt. An dem Congre.sg bethelligten sich 
gegen 200 Aerzte. Prof. Zoege v. Mantenffel hielt 
anf dem Congress einen Vortrag über die von ihm mit Erfolg 
ansgeffihrte Extrahirung einer Kugel ans dem Herzen einer 
Patientin, die er als jetzt vollkommen gesund der Versamm¬ 
lung vorstellte. 

Die nächste (V.' Chirnrgencongress wird im December 1904 
in Moskau abgehalten werden. Am selben Tage erfolgte liier 
in dem neuen Hebarameninatitnt auch die Eröffnung des 
T. allrussischen Gynäkologen-Congresses. 
Nach der Beerüssnng*rede des Prässes der Organisations- 
Kommigsion, Professors Dr Ott, wnrde der Moskaner Gynä¬ 
kologe Prof. Dr. Ssnegirew zum Ehrenpräsidenten 
und die Aerztin Archangelsk] znm Ehrensecretair ge¬ 
wählt. Am 30. December fand eine combinirte Sitzung der 
Mitglieder beider Congresse statt. 

— Dem bekannten Entdecker der Tnflltrationsanästbesie 
Prof. Dr. Carl Schleich in Berlin Ist von der medizini¬ 
schen Facnltät der Universität Würzbure der in einer silber¬ 
nen Medaille und 1000 Mark bestehende Preis der Franz 
v. Rineckerschen Stiftung zu erkannt worden. 

— Für die durch den Rücktritt Prof. J. N e u m a n s er¬ 
ledigten Professur der Syphilidologiq. an der 
Wiener Universität sind neuerdings, nachdem Prof. 
N e i s s e r abgelehnt hat, prirao loco Prof. Rille (Leipzig), 
seenndo loco Prof. A. Mracek (Wien) und tertio loco Prof. 
Max. v. Zeis al (Wien) vom Professorencolleginm in Vor¬ 
schlag gebracht worden. 

— An der Würzburger Universität sind der Pri- 
vatdocent der Hygiene Dr. Diendonnä nnd der Leiter des 
zahnärtlichen Tnstitat der Universität Dr. Michel zu Pro¬ 
fessoren ernannt worden. 

— Dem Privatdocenten der Berliner Universität Dr. Hein¬ 
rich Graff (Chirurg) ist der Professortitel verliehen wor¬ 
den. 

— Unter den 162 Stadtverordneten der neuen 
St Petersburger Duma sind nur 4 Aerzte. 

— Seltene Arztaspiranten. In Blagoweschtschensk 
hat der Inspektor des doi Ligen geistlichen 8eminars cand. 
t.heol. nnd Prior Wenjamin, dem «Am. Kr.» zufolge, seine 
geistliche Würde niedergelegt nnd sich nnter dem 
Namen Wladimir Selesnew in die Zahl der Studenten 
des I. Cursns der medicinischen Facnltät in Tomsk aufnehmen 
lassen. — Ein ähnlicher Fall wird aus Kasan gemeldet, wo 
der Kreisadels in arschall von Ziwilsk. Sokolski, 
im Alter von 50 Jahren die medizinische Facultät der dorti¬ 
gen Universität bezogen hat. In seiner Jugeud hat er die 
juristische Facultät absolviert. 

— Von der Universität Jnrjew (Dorpat) sind im 
Laufe des verflossenen Jahres (1903) im Ganzen 584 Personeu 
akademische Würden nnd Grade znerkannt wor¬ 
den, davon in der medizinischen Facultät 443 Perso¬ 
nen, und zwar: die Würde eines Kreisarztes 6 Personen, 
eines Dr. med. 13, eines Arztes 125, der Grad eines Mag. 
pharm. 4, eines Provisors 42, eines Zahnarztes 4L eines Den¬ 
tisten 56. eines Apothekergehülfeu 115 nnd einer Hebamme 
41 Personen. 

— In dem hiesigen weiblichen medizinischen In¬ 
stitut haben zu Ende des vorigen Jahres von den 1200 Zu¬ 
hörerinnen 126 den Cnrsus absolvirt nnd die Venia practicandi 
erlangt. Die Zahl der Professoren und Docenten am Institut 
betrag 35. 

— Intoxikationserschein tingen nach Sali- 

pyrin. Dr. D u m s t r e y mahnt in der «D. med. W» zur 
Vorsicht bei der Verordnung desSalipyrins, 
da er in drei Fällen nach Verabrechntmg von nur 1 Gramm 
dieses Mittels schwere Vergiftungserscheinungen in Form von 
Angina pectoiis mit starkem Schweissausbruch nnd Pupillen- 
erwqlierung beobachtet hat. Bei allen drei Patienten war 
das Herzklopfen, das Erstickungsgefühl, die Todesangst charak¬ 
teristisch. BL 

— Die Gesammtzahl der Kranken in deuCivil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 20. Dec. 
d. h. 9116 (176 wen. als in d. Vorw.), darunter 467 Typhus — 
(6 mehr). 953 Syphilis — (49 wen.), 196 Scharlach — (14 wen.), 
117 Diphtherie — (7 wen.), 121 Masern — (6 wen.") nnd 30 
Pockenkranke — (5 mehr als in der Vorw.). 


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t 


Mortalit&tz-Öulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 14. bis zum 20. December 190H. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


M. W. Sa. 




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I I I I I 


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b ^ ^ h a 3 

S $ g 8 ’S I 

I I I *3 ’S 


Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyämie und Septlcaemie 9, 
Tuberculose der Lnngen 104, Tubercnlose anderer Organe 16. 
Alkoholismus und Delirium tremens 1. Lebetiaschwäche und 
Atrophla Infantum 46, Marasmus senilis 80, Krankheiten des 
Verdauungscanalt 78; Todtgeborene 52. 


Näoh9te Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 20. Jan. 1904. 

Tagesordnung: 1)H. Westphalen: Einiges Über 
Sttnokardie nnd Clandication inter* 
mittente. 

2) W. Lange: Ein Fall von klinischer 
Syringomyelie. 

Empfang der Mitgliedsbeiträge für das nlehato Jahr. 

NäohsteSitzung des Deutsollen ärztlichen 
Vereins: Montag den 12. Januar 1904. 



394 342 736 153 51 138 11 11 20 43 81 71 54 46 43 14 0 Syringomyelie. 

9) nach den Todesursachen: Empfang der Mitgliedsbeiträge fUr das nächste 

— T) ph. exanth. 0, Typh. abd. 13, Febris recurrens 1, Typhus ^ _ _»... 

ohneBeetimmungder Form0, Pocken 0. Maseru 18, Scharlach 8, NäOhsteSitznng des Deutschen ä] 

Diphtherie 16, Croup 2. Keuchhusten 9, Cronpöse Lnngen- Vereins: Montag den 12. Januar 190< 
entzünd ung 23, Ery sipelas 2, Grippe 5, Cholera asiatica 0, 

Bahr 0, Epidemische Meningitis 1. Acuter Gelenkrheuiua- - 

tismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 


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Ao8B.geHB.Cn6., 9 Hunapa 1904 r. Herausgeber Dr. Rudolf VVanach. Buchdruckereiv. A. Wienecke, Katharinenhofer Pr. 16. 


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MAY 4 1904 


xxix. Jahrgang, st PETER SBUR GEB Nene polge XX| - Jahrg - 

KEBICIII8CSE WODHENSGHEIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. _____ _ 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend. —Der Abonnemsntipreli ist in Bauland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich: Derlniertionsprei* 
für die 3 mal gespaltene Zeilen in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. 
— Referate wferden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


WtT Abonnement«-Aufträge eowie alle Inierate 'W 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von JE. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect Ns 14, zu richten. — Manul - 
cripte sowie alle auf die Redaction bezüglichenMittheilungenbit-r 
tet man an den geschäftsführende n Redacteur Dr. Rudolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


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St. Petersburg, den 10. (23.) Januar. 


1904 . 


Inhalt: E. Rippe: Ein Fall von Massenblitzschlag. — Bücheranzeigen and BesprechangeniKapMaaBne mpiidiTu 
jm HBca^AOBaHifl apimia. CocraBiurs tfpi, KyÖan. — A Ifred Fischer: Vorlesungen «her Bakierien. — lieber das Chorio- 
Epithellom in der Vagina bei sonst gesondem Genitale- Von Dr. Hugo Htibl. — J. Möller und P.-Müller: Kompendium 
der Anatomie des Menschen. — Herhold: Die Hygiene bei überseeischen Expeditionen nach den während der Expedition 
nach Ostasien gemachten Erfahrungen. — Atmokausis and Zestokausis. Als typische Heilmethode monographisch-klinisch 
dargestellt von Dr. Ludwig Pincns. — Moeller: Die Medicin im Herodot. — Dr. Fr. Engel Bey: Das Winterklima 
Egypten. — Neuburger und Pagel: Handbuch der Geschichte der MediciD. — Goldberg: Die Verhütung der Harninfec- 
tion. — K. Abel: Vaginale nnd abdominale Operation. — Gyuaecologica Helvetica, heransgegeben von O. Benthner. — 
Sobotta: Atlas nnd Grundriss der descriptiven Anatomie des Menschen. — Lehrbuch der inneren Medicin. Heransgegeben 
von Dr. J. Frhr. von Mering. — Vermischtes. — Mojrtalitäts-Bnlletln St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ein Fall von Massenblitzschlag. 

Von 

E. Rippe. 

Dwinsk. 

(Vortrag, gehalten im Aerzteverein Ost-Kurlands am 1. Fe¬ 
bruar 1903). 


Blitzschläge gelangen verhältnissmässig selten io die 
Behandlung eines Arztes, in den Städten bilden sie so¬ 
gar Ausnahmefälle; noch seltener sind natürlich diejeni¬ 
gen Fälle, bei denen der Blitz mehrere Menschen auf 
einmal trifft. Dieses giebt mir die Veranlassung Ihnen, 
meine Herren, über einen Fall von Massenblitzschlag zu 
berichten, der am 22. April 1900 im Flecken Nowobo- 
rissow, Gouvernement Minsk, stattfand and bei welchem 
22 Mann vom 49. Dragonerregiment mehr oder minder 
verletzt, einer sogar getödtet wurde. Der Fall verlief 
folgendermassen. 

Die in Nowoborissow am 22. April nachmittags 
aufziehende Gewitterwolke entlad sich um 4 Uhr, von 
starken Regengüssen begleitet, über dem Stallgebäude 
der 3. Schwadron des Dragouerregimentes, wobei der 
Blitz in einen auf dem Dache angebrachten Stock, von 
welchem zufällig ein Stahldraht in den Stallraum führte, 
einschlog. Dabei wnrden das am nächsten sich befin¬ 
dende Pferd und der dabei stehende Mann getödtet. Die 
meisten von der in diesem Teil des Stalles gerade mit 
dem Putzen nnd Füttern der Pferde beschäftigten Mann¬ 
schaft verloren die Besinnung und meinten nachher we¬ 
der den Blitz geselin, noch den Donner gehört zn haben. 
Bei unserm Erscheinen, etwa 15 Minuten nach dem 
Schlage, war der grösste Teil der vom Blitz getroffenen 
schon zur Besinnung znrückgekehrt. 

15 Mann konnten die Arbeit wieder aufnehmen, 
7 mussten, da sie schwerere Verletzungen er¬ 
halten hatten, in’s Brigadelazaret gebracht werden. — 
Hier kann ich noch bemerken, dass beim Blitzschlag 
auch von den Pferden, 10 der näherstehenden, getroffen 
waren. Sie fielen hin, nahmen im Verlaufe einiger Stun¬ 


den nachher kein Fntter and wiesen beim Gehen einige 
Schwäche in den Beinen anf. Doch waren alle diese 
Erscheinungen bis zum Abend gewichen. 

Was die Schilderung der Verletzten aus der Mann¬ 
schaft anbetrifft, so kann ich mich hier nur, um mög¬ 
lichst kurz zu sein, auf das Hauptsächlichste beschrän¬ 
ken. ' 

Fall 1. verlor beim Schlage das Bewusstsein, klagt 
über Schmerzen in der Brust links. Husten. Blntsputum. 
Terap. — 37,5. Puls — 100 in 1'. Links Lungenton 
gedämpft, Atemgeräusche verschärft. Krepitieren links 
vorne oben uud am inneru Rande der Scapnla. Leichte 
Kopfschmerzen, sonst keiae abnormen Erscheinungen. — 
In den nachfolgenden Tagen schwanden der Husten, die 
Dämpfung und das Krepitieren in der Lange nnd Pa¬ 
tient wurde am 2. Mai (nach 10 Tagen) vollständig ge¬ 
sund entlassen. 

Diagnose: Hyperaemia pulmonum. (Comraotio ce- 
rebri). 

Fall II.. Starke Kopfschmerzen. Breongefühl rechts 
an der Brust und am rechten Beine. Klonische Konvul¬ 
sionen der Arme nnd Halsmuskeln. Temp. — 37,8. 
Puls — 76 in 1', schwach gefüllt. Angestrengtes, dyspno- 
tisches Atmen. Die Pupillen erweitert, das Gesicht ge¬ 
rötet. Rechts nnd links am Halse, rechts quer über 
die Brost bis zum Nabel eine streifenförmige sich ver¬ 
zweigende Blitzfigur. Desgleichen am rechten Bein, wo 
sie in der Trochantergegend beginnt und auf der hintern 
Seite des Beines bis zum Hacken hinunterläuft. Sensi¬ 
bilität der Haut auf deo Blitzfiguren und um sie herum 
verstärkt. — Kamphereinspritzungen (4 Gramm); 3 Senf¬ 
pflaster auf den Hinterkopf. Morphium 'innerlich. Die 
Kouvulsionen legten sich, der Puls wurde kräftiger. 
Nach 2 Tagen waren die Blitzfiguren verschwunden, 
eine leichte Pigmentierung der Haut hinterlassend. Die 
Kopfschmerzen dauerten 3-4 Tage au, sowie die Haut- 
hyperaestesie an Stellen der Blitzfiguren. In den inne¬ 
ren Organen der Brust- und Bauchhöhle waren, keine. 
Abnormitäten anfzuweisen. Am 12. Mai verliess Patient 
gesund das Lazaret. 


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t)i agnose: Starke Commotio cerebri. 

Fall III. Klagt über Kopfschmerzen, Schmerzen und 
Schwäche in Armen und Beinen. Temp. — 87'4. Puls — 
69 in Motilität der Arm- nnd Beinmuskeln stark 
herabgesetzt. Blitzfiguren,*- eine beginnt in der rechten 
Axillargegend, von wo aus sie, dentritisch verzweigt, 
einen Streifen auf den rechten Arm sendet, selbst nach 
unten sich erstreckt, bei der crista ilei 2 Blutunterläufe 
in der Haut von der Grösse je eines 50*Kopekenstückes 
aufweist, dann, allmälich sich verlierend, auf der hintern 
Seite des Beines bis zur Achillessehne verläuft. Eine 
zweite nimmt in der Gegend des linken Trochanter ma- 
jor ihren Ausgang, von wo sie sich, gleich der ersten, 
nach hinten und über die fossa poplitea auf den Unter¬ 
schenkel bis zum Hacken erstreckt. Starke (sowohl tak¬ 
tile, als termische) Hyperaestesie der Haut an Stellen 
der Figuren. — Im Verlauf von 6 Tagen war die Hy¬ 
peraestesie gewichen und machte nachher stellweis einer 
herabgesetzten Sensibilität der Haut Platz. Gleichzeitig 
stellte sich auch die normale Motilität der Arme und 
Beine ein und Patient konnte nach 14 Tagen wieder 
den Dienst antreten. 

Diagnose: Paresis manum et pedum. 

Fall IV. Temp. — 37,9. Puls — 90 in 1'. Als 
das Bewusstsein beim Patienten wiedergekehrt war, 
konnto man bei ihm starke Aufregung, Unruhe, Hin- 
und Herwerfen und -rennen bemerken (Jactatio). Starke 
Kopfschmerzen. Häufige Blasenentleerung. Starke Blitz¬ 
figuren vom Hinterkopf sich verästelnd Uber den Rücken 
nach unten ziehend und auf beiden Beinen, ähnlich den 
im Fall III beschriebenen verlaufend, mit dem Unter¬ 
schiede, dass rechts der Streifen mit einer keulenartigen 
Figur unter dem Ligamentum Poupartii begann. An 
dieser Stelle starke Hyperaestesie der Haut. Die Auf¬ 
regung des Patienten dauerte circa 2 Tage, wie auch 
das häufige Urinieren. Doch erholte sich Patient recht 
bald vollständig und konnte am 12. Mai das Lazaret 
verlassen. 

Diagnose: Starke Commotio cerebri. Irritatio rae- 
dullae spinalis. 

Fall V. Klagt über Gefühllosigkeit der Beine, die er 
auch nicht im Stande ist zu bewegen. Temp. — 38,3. 
Puls — 90 in 1\ etwas schwach. In den inneren Or¬ 
ganen keine Störungen. Patellarreflexe herabgesetzt. 
An Stelle der streifenartigen Blitzfiguren, die auf der 
hintern Seite beider Beine hinunterlaufen, Hyperaestesie. 
Vom Hinterkopf geht längs der Wirbelsäule eine zick- 
zackförraige sich reich verästelnde Blitzfigur. — In 10 
Tagen waren alle Störungen gewichen und Patient trat 
wieder den Dienst an. 

Diagnose: Paresis pedum. 

Fall VI. Schwächegefühl im linken Bein, welches 
Patient nicht recht bewegen kann. Eine sternförmige 
Blitzfigur 2 Handbreit unterm linken Trochanter major. 
Temp. — 3(3,3. Puls — 64 in 1'. — Nach 4 Tagen 
vollständig gesund. 

Diagnose: Paresis pedis sinistri. 

Fall VII. Klagt über Abgetaubtseiu des linken Bei¬ 
nes. Temp. — 36,5. Puls — 75 in 1'. Die inneren 
Organe normal. Patellarrefiex links herabgesetzt. Ein¬ 
zelne Blitzfiguren in der Magengegend, an der rechten 
Hand, am linken Oberschenkel. Auf den Blitzfignren 
Hyperaestesie, nach deren Schwinden in 2 Tagen eine 
Anaestesie derselben Stellen zu bemerken war. In 2 fer¬ 
neren Tagen war auch diese geschwunden, sowie das 
Schwächegefühl im Bein und Patient konnte am 1. Mai 
das Lazaret verlassen. 

Diagnose: Paresis pedis sinistri. 

Ara folgenden Tage nach dem Schlage wurden alle 
befragt, die sich während des Gewitters im Stalle befan¬ 
den. Diese leichteren Fälle boten folgendes: 


Fall VIII. Verlor beim Schlage das Bewusstsein, 
nachdem er einen Stoss in den rechten Arm und das 
Bein gefühlt. Zur Besinnung zurückgekehrt, war er 
nicht im Stande das rechte Bein zu bewegen und fühlte 
Kontrakturen im rechten Arm. Auf letzterem ist eine 
20 ctm. lange Blitzfigur zu bemerkeu. 

Diagnose: Paresis pedis dextri et Contractura 
manus dextr. 

Fall IX. Hatte beim Schlag ein Brennsefühl in der 
Magengegend. Konnte nach wiedergekehrtem Bewusst¬ 
sein, das ihjn auf kurze Zeit verdunkelt war, nicht recht 
auf den Füssen stehn. In der Epigastriumgegend und 
bis zum Hypochondrium sinistrum sich erstreckend eine 
verzweigte Blitzfignr. Klagt über dumpfe Kopfschmer¬ 
zen. 

Diagnose: Commotio cerebri levis et paraparesis 
pedum. 

Fall X. Fühlte während des Schlages Ohrenklingen 
und Zuckungen im linken Arm. Leichte Kopfschmerzen. 
Am linken Unterarm eine halbsternförmige Blitzfigur. 
Ohren normal. 

Diagnose: Commotio cerebri. 

Fall XI. Klagt Uber Brenngefühl im rechten Hypo¬ 
chondrium, Schwerhörigkeit und Abtauben der Füsse, 
wie nach langem Gehen. Im rechten Hypochondrium 
eine sternförmige Blitzfigur. Das rechte Trommelfell 
ist etwas eingezogen, sonst normal. Patellarreflexe leicht 
verstärkt. Sensibilität der Haut auf den Beinen nor¬ 
mal, an Stelle der Blitzfigur und ringsherum etwas er¬ 
höht. 

Diagnose: Commotio cerebri. Paraparesis pedum. 

Fall XII. Erhielt einen Schlag in die Magengegend, 
wo links eine strahlenförmige Blitzfigur zu sehn ist. 
Stand weiter, als die Andern, verlor die Besinnung 
nicht. 

Fall XIII. Nach wiedergekehrtem Bewusstsein fühlte 
Patient 2 Tage lang dumpfe Kopfschmerzen. Sonst alles 
normal. 

Diagnose: Leichte Hirnhyperaemie. 

Fall XIV. Erhielt einen Schlag an die Brust, sah 
den Blitz, verlor die Besinnung nicht. Zwischen der 
rechten Mamilla und dem Processus ensiformis eine 
schwachgezeichnete Figur mit tannenzweigartigen Aus¬ 
läufern. Stand abseits. 

Fall XV. Fühlte einen Schlag an den Kopf «wie 
mit einem Stein*. Verlor darauf die Besinnung. Fühlte 
nachher bis zum Abend dumpfe Kopfschmerzen. 

Fall XVI. Erinnert sich nicht, wo er den Schlag er¬ 
halten. Sah nicht den Blitz und hörte den Donner nicht. 
Nach wiedergekehrtem Bewusstsein fühlte er dumpfe 
Schmerzen und Sausen im Kopfe, lief halb bewusstlos 
eine Zeitlang im Stalle herum. Rechte Pupille etwas 
erweitert. Sehvermögen normal. 

Diagnose. Commotio cerebri mittelstark. 

Fall XVII. Fühlte einen Schlag an den Kopf, der 
ihn die Besinnung verlieren Hess. Nachher Schwäche in 
den Füssen. Klagt über Kopfschmerzen und Ohrensau¬ 
sen. 

Diagnose: Commotio cerebri und paresis pedum. 

Fall XVIIL Wies leichte Symptome von Gehirn- 
hyperaemie auf. Erinnerung an den Schlag geschwun¬ 
den. 

Fälle XIX b i s XXII. Verloren das Bewusstsein 
nicht ganz. Fühlten nur eine Betäubung, klagten nach¬ 
her über dumpfe Kopfschmerzen nnd Ohrensausen, die 
am folgenden Tage geschwunden waren. 


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13 


Der Obduktionsbefund beim erschlagenen Manne bietet 
uns ein klares pathologisch-anatomisches Bild der Störun¬ 
gen, welche der Blitzschlag in den Organen verursacht. 

Beim Erschlagenen waren gleich nach dem Tode rechts 
auf dem Rücken und am rechten Bein hinten Blitzfigu¬ 
ren in Form von Sternen und verzweigten Streifen zu 
bemerken, die am nächsten Tage schon, als die Obduktion 
vollzogen wurde, von den rothen Verwesungsflecken ver- 
dräugt waren. Muskelstarre stark ausgeprügt. Augen 
geschlossen. Abdomen aufgetrieben. 

I Schädelraum. Gefässe der galea aponeurotica 
blutgefüllt, besonders in der Hinterkopfgegend und an 
den Stellen der Santorinischen Emissarien. Venae di- 
ploeticae frontales und temporales stark gefüllt, so dass sie, 
durch die Schädeldeckc gegen das Licht gesehen, als schwarze 
Streifen erscheinen. Die Venen der dura mater blut¬ 
reich. In der Stirn- und Scheitelgegend längs dem Si¬ 
nus sagittalis, wie auch in der rechten Schläfengegend 
eine Menge kleiner Extravasate auf der dura mater. 
Arachnoidea und pia gleichfalls stark hyperaemiert, 
stellweis längs den Gefässen undurchsichtig, matt; leicht 
zerreissbar. Das Quantum der Cerebrospinalflüssigkeit 
in den Hirnventrikeln ist etwas vergrössert. Plexus- 
chorioideus sehr blutreich (rechts mehr). Hirnsubstanz 
der Haemisphären sowohl, als auch der Hirncentren 
gleichfalls hyperäraisch, doch nicht ödematös. Pons, 
crura cerebri, verlängertes Mark weisen nichts Abnormes 
auf. Die Substanz und die Häute des Kleinhirns auch 
blutreich. 

II. Brus thöhl e. Im Perikardialraum 60,0 klarer 
Flüssigkeit. Herz: Länge 11 ctm., Breite IO 1 /* ctm., 
Dicke 4’/a ctm. Herzmuskel etwas schlaff, von normaler 
Dicke und Färbung. Ventrikelräume,leer. Endocardiura 
und Herzklappen normal. Die linke Lunge ist hinten 
mit der Kostalpleura verwachsen. Die untern Lungen- 
Jappen sind hyperaemiert, doch für die Luft durchgängig. 

III. Bauchhöhle. Leber von normaler Grösse, ihre 
Substanz blutreich. Gallenblase leer. Milzlänge 13 ctm., 
Breite 9 ctm., Dicke 4 ctm. Substanz schlaff, weniger 
hyperaemiert als die der Leber. Niereulänge 12 ctm., 
Breite 8 ctm., Dicke 3 ctm. Kapsel normal. Kortikal¬ 
substanz von normaler Färbung. Medullarsubstanz hy¬ 
peraemiert. Der Magen gefüllt mit sauerreagierendem 
Speisebrei.' Dünndarm durch Gase aufgetrieben. Mesen- 
terialgefässe blutgefüllt. Nase leer. Das Blut in allen 
Gefässen flüssig. 

Einiges Interesse bietet der Vergleich des obengeschil¬ 
derten patologisch-anatomischen Bildes mit dem Sektions¬ 
befund beim vom Blitz erschlagenen Pferde. Bei letzte¬ 
rem waren die Fellhaare am linken Ohr, an der Schul¬ 
ter und dem linken Bein angesengt. Blutunterläufe im 
P&nniculus adiposus stellweis auf dem Rücken. Die linke 
Lunge stark blutreich, doch lufthaltig. Pleura und 
rechte Lunge normal. Rechter Herz Ventrikel blutleer, 
im linken etwas Blut. Gefässe der Leber blutgefüllt, 
gleichfalls auch der Nieren, Milz weniger. Starke Hy- 
peraemie der Hirnhäute. Cerebrospinalflüssigkeit mehr 
als gewöhnlich vorhanden. Zahlreiche Haemorrbagien 
in der Hirnsubstanz. 

Beim Vergleichen beider Obductionsbefunde finden wir 
eine auffallende Uebereinstimmung in beiden Fällen. 

1) Sowohl beim vom Blitz getöteten Mann, wie auch 
beim Pferdo bietet das Gehirn nnd dessen Häute die 
wichtigsten Störungen, welche in Hyperaemie der Hirn- 
substanz und Hirnhäute mit der damit verbundenen An¬ 
sammlung von Flüssigkeit (Transsudat) im Cerebrospinal¬ 
raum und den Hirnventrikeln einerseits und in massen¬ 
weisen Haemorrhagien auf den Hirnhäuten (beim Manne) 
und der Hirnsubstanz (beim Pferde) bestehen. 2) Fer¬ 
ner finden wir in beiden Fällen eine Blutansammlung in 
den inneren Organen, besonders den Lungen, der Leber 


und den Nieren. Wogegen 3) Das Herz recht blutleer 
erscheint und die Milz auch weniger an der Reaktion 
teilnimmt. 

Wenn wir die in Kürze oben wiedergegebenen Symp¬ 
tome der einzelnen Fälle mit einander vergleichen, so 
erhalten wir, je nach der Intensität der Erscheinungen 
resp. der Stärke des Blitzschlages geordnet, eine stufen- 
artige Reihe —• von den leichtesten bis zu den schwer¬ 
sten Fällen. 

Am häufigsten und schwersten war in den beobachte¬ 
ten Fällen das Nervensystem berührt, und zwar einer¬ 
seits das Zentralnervensystem, vorwiegend das Grosshirn, 
anderseits verschiedene Nervengruppen. So sagt auch 
Hoffmann ’): «In nicht letalen Fällen bestehn die 
Folgen meist in auf Hirnerschütterung zurtickzufiihrenden 
Bewusstseinsstörungen, welche ebenso wie die übrigen 
Erscheinungen der Commotio cerebri kürzere oder län¬ 
gere Zeit andauern können*. «Für diese Zeit besteht 
vollständige Amnesie und es ist eigentümlich, dass selbst 
in leichteren Fällen die betäubt gewesenen weder den 
Blitz gesehn, noch den Donner gehört zu hab9n sich 
erinnern (Schewcik)*. Bei Heusner*) hatten mehrere 
die Erinnerung an den Blitzschlag behalten, schilderten 
aber das dabei gehabte Gefühl verschieden. So konnten 
wir es auch in einigen unsrer Fälle beobachten (XIX, 
XX, XXI, XXII, XII, XIV), in welchen das Be¬ 
wusstsein nicht völlig geschwunden war, in den andern 
waren die Getroffenen gleich nach dem Schlage bewusst¬ 
los hingesunken. Die Symptome des erhaltenen Blitz¬ 
schlages von Seiten des Gehirns waren folgende: 

1) in den meisten Fällen dumpfe Kopfschmerzen, 
manchmal Ohrensauseo, Ohrenklingen, 

2) in einem Falle (II) Konvulsionen, 

3) im zweiten (IV) ein Delirienzustand, der etwa 2 
Tage andauerte. Aehnliche Zustände heftiger Aufregung, 
die sogar den Charakter eines maniakalischen Anfalles 
annehinen können, wurden auch von Pucinotti, 
Taylor und Sarta beobachtet. 

Alle diese Symptome sind auf eine Gehirnerschütte¬ 
rung und Gehirnhyperaomie zurückzuführen. Letztere 
konnten wir auch in beiden tötlich verlaufenen Fällen 
post mortem konstatieren. 

Dass auch das Rückenmark in Mitleidenschaft 
gezogen werden kann, zeigt Fall IV, in welchem wir 
Störungen in der Blase bei der Urinentleerung beobach¬ 
ten konnten. 

Die Einwirkung des Blitzes auf das peripheri¬ 
sche Nervensystem äusserte sich am meisten in 
paretischen Zuständen eines oder mehrerer Glieder, am 
häufigsten der unteren Extremitäten. Muskelkontrakturen 
waren nur in einem Falle (VIII) in der Anamnese vor¬ 
handen. In einzelneu Fällen war stellweis Anaestesie 
oder Hyperaestesie der Haut zu bemerken. Alle diese 
Störungen hatten einen günstigen Verlauf und waren 
nach einigen Tagen vollständig geschwunden. 

Ein Fall von den oben beschriebenen nimmt eine 
etwas gesonderte Stellung ein, nämlich Fall I. Neben 
Symptomen gewesener Hirnerschütterung traten, und 
nachher in den Vordergrund, Erscheinungen von Seiten 
der Lungen, welche sich in Lungenhyperaemie und 
Lungenhaemorrhagien äusserten (Blutsputum, Dämpfung 
des Lungentones, Krepitieren). Da diese Störungen nach 
dem Blitzschläge eingetreten waren, können wir sie, 
post hoc, ergo propter hoc, damit in Verbindung setzen, 
zumal auch der Sektionsbefund uns das Bild von Lun¬ 
genhyperaemie in beiden letalen Fällen bietet. Auch 
diese Störungen wiohen bald. 

U Eulenbnrg’s Real-Encyclopädie. Band III. S. 525. 

2 ) Ueber d. Wirkung d. Blitzes auf d. Menschen. Wiener 
medicinische Blätter. 1884, Nr. 40. 


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Fall IV. 


Eine etwas eingehendere Schilderung möchte ich hier 
noch den Erscheinnngen auf der Haut, den sogenann¬ 
ten ßlitzfiguren widmen, über deren Wpsen noch in 
letzter Zeit einige Meinungsverschiedenheit herrscht. 
Zuerst einige Worte über: 1) die Form und 2) die 
Lage der Blitzfiguren. An jeder von ihnen können wir 
breitere Aeste unterscheiden,- von welchen seitwärts 
dünnere Ausläufer abgehn, indem das Ganze einem 
Tannenzweige nicht unähnlich aussieht. Während des 
ersten Tages sind diese rosa oder rosaroth gefärbten, 
etwas erhabenen Figuren mit allen Einzelheiten sichtbar. 
Nach der äusseren Form urteilend, können wir 2 Ar¬ 
ten von Blitzfiguren unterscheiden: sternförmige uud 
streifenförmige. Erstere treten häufiger am Körper auf 
(Brust. Abdomen, Rücken) und seltener auf den Extre¬ 
mitäten, den oberen (Fälle IV und VIII) und untern 
(Fall VI). In einigen Fällen konnten wir eine Ueber- 
gangsform von Stern zu Streifen beobachten (Fall VII). 
Was die zweite Art Blitzfiguren anbetrifft, so wurde sie 
ebenso häufig am Leibe, wie an deu Extremitäten ge- 
sehn. Die Richtung der Streifen war stets eine verti¬ 
kale und zwar zeigte sich der obere Theil derselben 
stets breiter, als der untere. Unter den streifenförmi¬ 
gen Figuren sahen wir: 1) geradelinige mit Seitenzwei¬ 


gen und Ausläufern daran. So in den Fällen II, III, 
IV, V,. wo sie häufiger am Leibe vorkamen. Auf den 
Extremitäten erhalten diese Figuren eine 2) spirale 
Richtung (Fälle III, IV, V). Diese Streifen erinnern an 
die Spuren, welche der Blitz beim Einschlagen in Bäume 
auf der Rinde hinterlässt. Ferner haben einige Figuren 
die Form eines Zickzacks, z. B. im Falle V. Manch¬ 
mal ist das obere Ende kugelartig erweitert und weist 
Spuren einer intensiveren Beschädigung auf (Fall IV). 

Wenn wir jetzt hier einiges über die Lage der Blitz¬ 
figuren am Körper des Menschen sagen wollen, so müs¬ 
sen wir bemerken, dass keine Stelle am Leibe vor die¬ 
ser Einwirkung des Blitzes gesichert ist. Dessen unge¬ 
achtet konnten wir in mehreren Fällen sozusagen Lieb- 
lingsstellen bemerken. So nahmen die Blitzfiguren in 3 
Fällen (II, IV, V) ihren Ausgang am Kopfe, von wo 
sie streifenartig über Brust und Rücken zogen, entwe¬ 
der am Körper selbst endend, oder auf die untern Ex¬ 
tremitäten übergehend, wo sie sich geradelinig oder 
spiralförmig bis zur Sohle erstreckten. Im Falle III ging 
die Blitzfigur vom untern Rande des rechten m. pecto- 
ralis major aus, von wo einzelne Stränge, sich verästelnd, 
auf den rechten Arm und auf das rechte Bein zogen. 
Mehrmals (in d. Fällen II, III, IV, V) nahm die strei- 


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Fall V. 


fenförmige Figur ihren Anfang auf dem Oberschenkel, 
und erstreckte sich von dort nach unten. Was die stern¬ 
förmigen Figuren anbetrifft, so wurde schon oben er¬ 
wähnt, dass sie vorwiegend am Leibe selbst, selten auf 
anf den Extremitäten vorkamen. In unsern Fällen waren 
diese Figuren meistens in der Epigastri umgegend, beim 
vom Blitz Getöteten in der Lumbalgegend zu finden. 

Die BJitzfiguren waren nur im Zeitraum von 24 Stun¬ 
den nach ihrem Erscheinen resp. nach dem Blitzschläge 
deutlich sichtbar. Am 2. und 3. Tage verloren sich ihre 
feinsten Ausläufer, und es blieben nur die breiten Strei¬ 
fen nach. Die Verzweigungen schwanden spurlos, auf 
den breiten Strängen zeigte sich nach circa 3 Tagen, 
nach dem Schwinden der Hyperaestesie, Schorfbildnng, 
welche eine schwache Pigmentierung der Haut hinter- 
Jicss. Die Sensibilität war auf den Figuren meistens 
verändert. Am Anfang mehr oder minder deutliche Hy¬ 
peraestesie, je nach der Stärke der Blitzwirkung. Diese 
Hyperaestesie hielt einige Tage an und schwand danach 
auf den schmäleren Streifen schneller, als auf den brei¬ 
ten, wo sie manchmal bis 15 Tage dauerte. In 3 Fällen 
(III, IV, VII) trat an ihrer Stelle Anaestesie ein, die 
dann allmälig in die normale Sensibilität überging. 


Was sind nun Blitzfiguren? In früherer Zelt hielt 
man sie bald für Abbildungen der in der Nähe des vom 
Blitz getroffenen befindlichen Bäume und anderer Gegen¬ 
stände, bald für in den Hautgefflssen befindliche, durch 
die Epidermis schimmernde, Blutgerinsel (Billroth 
1875). Doch sind diese beiden Ansichten nicht stichhal¬ 
tig, da erstens die Figuren, wie wir gesehn, nicht im¬ 
mer die Form vou Bäumen haben und auch in Fällen 
Vorkommen, bei denen zur Zeit des Blitzschlages in der 
Nähe keine Bäume sich befanden, wie z. B. in unserm 
Falle. Zweitens können die Blitzöguron auch keine in 
den Hautgefässen sich befindende Blutgerinsel sein, da 
der Verlauf der Figuren meistens nicht dem der Haut- 
geffisse entspricht. Baberda erklärt die Erscheinung 
der Blitzfiguren durch eine paralytische Wirkung der 
Gewitterelektricität auf die Hautgefässe. Länderer 
hält sie für Kombustionen ersten und zweiten Grades. 
Lim an zählt sie zu den Verwesungserscheinungen, wo¬ 
mit wir natürlich auf Grund des in unseren Fällen beo¬ 
bachteten nicht Ubereinstimmen können. Nach Hoff¬ 
man n’s Meinung sind die Blitzfiguren eine Wirkung 
des elektrischen Funkens, der eine Kombustion der Haut 
hervorrnft. Mit dieser Ansicht stimmt auch das in un¬ 
sern Fällen Gesehene überein. Einige bezweifeln, ob das 


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Iß 


Vorhandensein dieser Figuren ein für den Blitzschlag 
patognomonisches Symptom ist. Nach allem oben 
darüber Gesagten kann auch in dieser Beziehung kein 
Zweifel bleiben, denn nur der elektrische Funke des 
Blitzes vermag solche phantastische Gebilde zu erzeugen. 


BQcheranzeigen und Besprechungen. 

KapManHue mpa^Tu jvm H3GjrfcÄ0BaeiH 3ptHia. Cocta- 

bb«. ,3,-pi KyÖlH. C.-13eTep6ypn> HSxaHie onriiKa 
YpjiayGa. 

Wenn der Augenarzt unvorbereitet zu einem Kranken ge¬ 
rufen worden ist kommt er Läufig in die Lage, an Ort und 
Stelle eine annähernde Sehschärfenbestimmung vornehmen zu 
müssen, obschon er natürlich die üblichen, diesem Zwecke die¬ 
nenden grossen Tafeln nicht mit sich genomraon hat. Von 
diesem Gesichtspunkte ausgehend hat K u b 1 y eine kleine 
Mappe konstruiert, die der Arzt stets in der Tasche mit sich 
führen kann. Sie enthält erstens Schriftproben in russischer, 
französischer und deutscher Sprache, sowie 2 Zahlentafeln. 
K. betont, dass die Schriftproben nur dazu dienen, für’s 
Erste annähernd die Sehschärfe zu bestimmen; deshalb ist auch 
bei der Wahl der Buchstaben vom Sehwinkel abgesehen, und 
sind die Entfernungen, in denen die einzelnen Schriftproben 
gelesen werden sollen, empirisch gemessen worden. Zugleich 
hat K. weniger bekannte Texte gewählt, um einem Auswen- 
dighersagen von bekannten Citaten vorzubeugen. Ferner finden 
wir in der Mappe einen Massstab, dessen eine Seite in Cen- 
timetcr, dessen andere in russische, resp. englische Zolle oin- 
getheilt ist. Anf der Zollseite Bind ausserdem die den Zollen 
entsprechenden Dioptrien nach der Formel MZ=40 genau be¬ 
rechnet, angegeben. An einem Ende des Massstabes ist 
zweckmässiger Weise eine undrehbare Scheibe angebracht, 
welche als Stützpunkt dienen soll. Schliesslich finden wir in 
der Mappe noch eine Convexbrille 3,0 zur Reduktion des Fern¬ 
punktes. 

Obschou sich im Interesse der Genauigkeit einer Sehpriifung 
gegen diese Schriftproben manches einwenden lässt, muss 
man doch andererseits zugeben, dass das leitende Prinzip ein 
richtiges ist, muss aber stets eingedenk sein, dass das 
erhaltene Resultat ein annäherndes, nur praktischen Zwecken 
dienendes ist, was auch von Dr. K u b 1 y besonders hervor¬ 
gehoben wird. 

L e z e n i u 8. 

Alfred Fischer. Vorlesungen über Bakterien. Zweite 
vermehrte Auflage. Mit 69 Abbildungen. (Jena. Ver¬ 
lag von Gustav Fischer. 1903. Mk. 8). 

An der Bereicherung unserer Kenntnisse über die Bakterien 
haben Forscher aus den verschiedensten Gebieten der Natur¬ 
wissenschaften nnd Technik teilgenommen lind es war nicht 
wunderbar, dass sieb dabei vielfach einseitige Auffassungen 
nnd Deutungen geltend machten. 

Die oft widersprechenden Ansichten und Irrungen auf rich¬ 
tige der Kritik standhaltende Grnndanschauungeu über diese 
kleinsten Lebewesen zurtickzufiüiren war das leitende Prinzip 
bei der Herausgabe der ersten Auflage des vorliegenden Wer¬ 
kes von Alfred Fischer. 

Seitdem hat in 6 Jahren das Gebiet an Umfang zngenommen, 
neue Fragen sind aufgetancht, neue Blicke eröffnet. Da hat 
der Verf. sein Werk nmgearbeitet, stets mit demselben Zweck, 
den Arbeitern aus verschieden Spezialitäten der Bakteriologie 
eine einheitliche Darstellung von dem Wesen der Bakterien 
za geben. Das Werk ist um das Doppelte angewachsen, weil 
auch des allgemein Interessanten auf dem Gebiet ungeheuer 
viel zugenommen hat. Stellenweise hat aach der Verf. seine 
Ansichten modifiziert. Jedenfalls ist jedem, der auf diesem 
Felde arbeiten will oder auch nur sich ein richtiges Verständ¬ 
nis» von den bakteriellen Geschehnissen verschaffen will, das 
Studium des Buches vor allen Spezralwerken und Schriften 
za empfehlen. 

Uckjj. 

Uebßr das Chorio-Epitheliom in der Vagina bei 
sonst gesundem Genitale. Von Dr. Hugo 
Hü bl. Mit 3 Figuren im Texte und 4 Farben 
drucktafeln. (Wien. Verlag von Josef Safär 1903. (Aus 
der K. K. Hebammen Lehranstalt in Wien. Prof. Dr. 
Ludwig Piskacek). Preis 4 M. 20. 

Nach ausführlicher Besprechung der einschlägigen Litera¬ 
tur berichtet der Verfasser übereinen Fall von Chorioepithe- 
liom, eine 36-jährige Frau betreffend. Aus der Anamnese ist 
hervorzuheben, dass die 6. Gravidität der Patientin eine Bla¬ 
senmolenschwangerschaft war, — die anderen Geburten ver¬ 
liefen normal. Die Blasenmole wurde nach ungefähr 4 Mona¬ 


ten ausgeräumt. Darauf kam die Frau nach ca. I 1 /* Jahren 
mit einem mazerierten Foetas nieder. 2 Monate nach dieser 
Geburt trat die Patientin, hochgradig anämisch, wieder in das 
Hospital ein und die Untersuchung ergab, dass im linken 
hinteren unteren Drittel der Vagiualwand ein wallnussgrosser 
Tnmor sass. Derselbe wurde erst nach dem Hervorziehen mit 
den Fingern deutlich sichtbar. Die Geschwulst war elastisch, 
gegen die Unterlage verschieblich und zeigte einen Schleim¬ 
hautdefekt von Guldengrösse, an welcher Stelle dunkle Blut- 
koagula durchschimmerfen und durch eine kleine Oeffnung so¬ 
gar hellrotes Blut hervorkam.* 

Uterus, Adnexe und die durch die Kürette gewonnene Ute- 
russchleimhant waren vollständig normal. Die üistiologische 
Untersuchung ergab das typische Bild eines Chorioepithelioms; 
dasselbe war ans beiden Zelltormen, Syncytium und Lant¬ 
hans 'sehen Zellen anfgebaut. Zottenstämmchea waren im 
Präparat nicht zu finden. Schon nach kurzer Zeit traten lo¬ 
kal« Rezidive auf und machten sich Allgemeinerscheinungen 
bemerkbar, die auf Metastasen in den innern Organen schlies- 
sen Hessen. Ungefähr 27» Monate nach dem nachweislichen 
Beginn der Krankheit starb die Patientin, und die Sektion 
bestätigte den intra vitam erhobenen Befund. 

Der 2. kurz raitgeteilte Fall betrifft eine 23-jährige Patien¬ 
tin, bei welcher ebenfalls die Sektion ansgeführt wurde, wel¬ 
che ein über mannsfaustgrosses Ohoiioepilheliom der hintern 
Uteruswand mit regionärer, wallnussgrosser Metastase in der 
vorderen Wand ergab. Die Flexura sigmoidea und das Rek¬ 
tum waren mit der hintern Wand des Tumors verwachsen. 
In beiden Lungen waren zahlreiche, Überhasel nussgrosse Me- 
tastaseD. — Bei dieser Patieutin war gleich die erste Gravi¬ 
dität eine Blasenmollenschwangersohaft gewesen. Dieselbe 
wurde durch Ausräumung unterbrochen. Trotzdem traten 
stärkere Blutuugen ein, die auch noch nach einer zweiten 
Auskratzung auhielten. uni eine hochgradige Anämie uni 
Kachexie hervorriefen. In diesem Krankheitsverlaufe sind be¬ 
sonders das hohe Fieber (bis 40'*) und Schüttelfröste hervor¬ 
zuheben, weil dieselben aller Wahrscheinlichkeit nach auch 
auf die embolische Verschleppung der Geschwulstkeime zu- 
rückzufiihren sind, denn da die Scheide und das Endometrium 
gesund warou, kann man dieselben nicht leicht aus Zer¬ 
setzungsvorgängen erklären. — Der Tod erfolgte hier eben¬ 
falls in ungefähr 2 1 /» Monaten. Fr. Mühlen. 

J. Möller und P. Müller. Kompendium der Anato¬ 
mie des Menschen für Studium und Praxis. Mit 
zahlreichen Figuren im Text und zwei Regionenta¬ 
feln. (Leipzig. Verlag von Veit und Comp. 1903.7 Mk. 50)* 

Ein handliches Buch, das in Kürze nach Möglichkeit voll¬ 
ständig unsere anatomischen Begriffe and Bezeichnungen für 
den menschlichen Körper zusammenfasst und sowohl zum 
Studium als zum Nachschlagen manchem Studierenden und 
Arzt erwünscht sein wild. U c k e. 

Herhold. Die Hygiene bei überseeischen Expeditionen 
nach den während der Expedition nach Ostasien ge¬ 
machten Erfahrungen. (Berlin 1903. E. S. Mittler und 
Sohn. Mk. 1.20). 

Eine kleine mit Abbildungen versehene Schrift die beson¬ 
deres Interesse für Marine- nnd Militärärzte haben dürfte. 

U c k e. 

Atmokansis nnd Zestokansis. Die Behandlung mit hoch¬ 
gespanntem Wasserdampf in der Gynäkologie. Nebst 
einem Anhang: Atmokausis und Zestokausis in 
der Chirurgie und Rhinologie. Als typische Heil¬ 
methode monographisch - klinisch dargestellt von 
Dr. Ludwig Pincus, Frauenarzt in Danzig. 
Mit 35 Abbildungen, Tafeln und Curven. Wiesbaden 
von J. F. Bergmann. 1903. 

Im Jahre 1886 wurde zum ersten mal von Prof. Snegi- 
rew in Moskau der siedende Wasserdarapf zur Blutstillung 
und Aetznng innerhalb der Gebärmutter angewandt; 1894 
erschien die erste Publikation S negirews darüber. Pin* 
ciis verfolgte den Gedanken weiter und das Ergebniss seiner 
Arbeit und Forschungen hat er in monographisch-klinischer 
Form in diesem Bnch niedergelegt. Er sacht hier die Atmo¬ 
kausis und Zestokausis als eine typische Heilmethode darzu¬ 
stellen. 

Das Buch zerfällt in einen allgemeinen und einen speziellen 
Teil. 

Im ersteren wird nach dem historisch-kritischen das Instru¬ 
mentarium, die instrumeutelle Technik, Experimentelles und 
die Anatomie der Atmokausis und Zestokausis behandelt. 

Der spezielle Teil enthält die Klinik der Atmokausis nnd 
Zestokausis nnd eine Besprechung der Indikationen und Kon¬ 
traindikationen. 

Das Buch ist lehrreich nnd lesenswert, wenngleich die z« 
grosse Ausführlichkeit da/.wischen etwas ermüdend wirkt. 

Fr. Mühlen. 


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17 


Mo eil er. Die Medicin im Herodot. 1903. Karger, 

Medicinern nnd Philologen sei vorliegende interessante 
kleine Schrift zur Letküre empfohlen — sie enthält viele 
Kuriosa. Wiehert 

Dr. Fr. Engel Bey. Das Winterklima Egyptens. 

1903. Hirschwald. 

Kairo, Oberegypten sind diejenigen Gegenden, die am hän- 
figsten von Patienten besucht werden, noch häufiger hält aber 
Mangel an genügender Kenntniss der einschlägigen klima¬ 
tischen und Verkebrsverhältnisse die Pat. ab, sich dorthin zu 
begeben. Diesem Letzteren abznhelfen ist der Zweck der 
vorliegenden Broschüre, die mit genunen Tabellen versehen 
eine grosse Reihe schätzenswerther Winke für Kranke and 
Gesunde giebt. Dem Bächlein sind lOsehr gute Abbildungen 
der interessireDden Gegenden beigegeben. Wiehert 

Neuburger und P&gel. Handbuch der Geschichte d. 
Medicin. X Lief. Fischer. 

Es finden in der vorliegenden Lief, die Infektionskrank¬ 
heiten von F o 8 s e 1, sowie der Beginn der Geschichte der 
Chirurgie, bearbeitet von H e 1 f r e i c h , Besprechung. Ref. 
hat schon wiederholt an dieser Stelle Gelegenheit gehabt auf 
die Vorzüge dieses interessanten und für jeden Arzt änsserst 
werthvollen Werkes, hinzu weisen und kann nach Lektüre der 
X Lief, des Handbuches sein Urtheil nur noch wiederholen. 

✓ Wicher t. 

Goldberg. Die Verhütung der Harninfektion. Hand¬ 
habung der Asepsis und Antisepsis beider Behand¬ 
lung von Harnleiden. Bergmann. 

Das vielverstreute wissenschaftliche Material anf diesem 
Gebiete hat G sehr zweckmässig zusammengestellt und da¬ 
durch ein Buch geschaffen, dessen Lektüre in vieler Hinsicht 
namentlich für den prakt. Arzt von Werth ist. Neues bringt 
Verf. ja eigentlich nicht — aber einen grossen Nutzen wird 
seine Znsammenstollnng freilich haben,' schon durch blosse 
Wiederholung der anerkannten nnd unerlässlichen Gebote 
dev Anti- und Asepsis, gegen die so oft noch gesündigt wird. 

W i c h e r t. 

K. Abel. Vaginale und abdominale Operationen. (Ver¬ 
lag v. A. Hirschwald. Berlin 1903). 

Die vaginale Coelotomie, d. h. Eröffnung der Bauchhöhle 
von der Vagina aus ist trotz der warmen Empfehlung melu 
lerer Operateure, besonders Düh rsseu’s, und der zahl¬ 
reichen veröffentlichten Fälle nur sehr langsam im «Stande 
gewesen sich Anhänger zu verschaffen, weil eiue Reihe be¬ 
deutender Kliniker Bich diesem Verfahren gegenüber negativ 
oder feindlich verhalten. Unter den jüngeren Gynaekologen 
scheint die vaginale Coelotomie mehr Anhänger and Gönner 
gefunden zu haben. 

Der Antor des vorliegenden Werkes hat in mehr als 150 
Fällen die Vorzüge dieser Methode kennen gelernt. Anf 
die Technik der Operation mit ihren verschiedenen Modifika¬ 
tionen kann hier selbstverständlich nicht eingegangen wer¬ 
den, es sei nur bemerkt, dass A. das Peritoneum zwischen 
Uterus und vorher heraufpraeparirter Blase eröffnet und sich 
anf diese Weise den Weg in die Bauchhöhle bahnt, sei es 
zur Entfernung von Adnextumoren, Myomen oder anderen 
Geschwülsten bis zu einer gewissen Grösse nnd unter be¬ 
stimmten Bedingungen. 42 mal hat A. vaginofixirt, 10 Ova- 
rialcysten nach erfolgter Punktion per vaginam entfernt. 64 
mal die erkrankten Adnexa mit oder ohne Uterus entfernt 
(2 Todesfälle). Abel betritt nicht ausschliesslich diesen 
W eg, wie eine Reihe der angeführten Laparotomien z. B. 65 
wegen entzündlicher Erkrankung der Adnexa beweist, will 
aber diese Methode zur grösseren Geltang bringen. Er stellt 
einer Serie von 121 vaginalen Coeliotomien mit 2 Todesfällen 
eine gleich grosse Serie abdominaler Operationen mit 8 To¬ 
desfällen gegenüber. Daher steht Verf. anf dem Standpunkt, 
dass «principiell von der Vagina aus operirt werden soll». 

hingen. 

Gynaecologica Helvetica, herausgegeben von O. B e u th- 

n e r. (Genf. Verlag von H. Kündig. 1903). 

Ueber die beiden ersten Jahrgänge ist an dieser Stelle be¬ 
richtet worden. Der dritte Jahrgang, der von den im Jahr 
1902 in der Schweiz erschienenen Arbeiten Bericht erstattet, 
enthält eine Reihe von meist anderweitig schon publicirten 
Arbeiten, Referaten, Miltheilungen und Dissertationen. 

Lin ge n. 

S o b o 11 a. Atlas und Grundriss der descriptiven Ana¬ 
tomie des Menschen. I. Abth. Knochen, Bänder, 
Gelenke und Muskeln. (Lehmann. 1904). 

Die Verlagshandlang bezeichnet die vorliegende I Abth. deB 
anatomischen Alias als «eine Mnsterleistnng deutscher gra¬ 
phischer Kunst» and sagt damit nicht zu viel. Die einzelnen 
Abbildungen sind geradezu von hervorragender Schönheit 
und Übertreffen wirklich Alles, was in dieser Beziehung ge¬ 
leistet worden ist. Jede einzelne, sowohl der viel- als auch 


der einfarbigen Abbildungen ist als ein Kunstwerk zn be¬ 
zeichnen und dabei von einer gross&riigen klaren Uebersicht- 
lichkeit. Für die Beontznng des Atlas sehr bequem ist der 
Umstand, dass den Tafeln gegenüber tortlanfend aer Text ge¬ 
druckt ist. 

Der «Grundriss der descr. Anat. d. Menschen» ist in einem 
besonderen Bande herausgegeben nnd in erster Linie als ein 
ausführlicher fortlanfender Text zn dem «Atlas» zn betrachten, 
anf den sich die am Rande der Seiten befindlichen Ziffern 
beziehen. Natürlich kann er auch für jeden beliebigen an¬ 
deren Atlas benutzt werden. 

Bei Beurtheilung der äusseren Ausstattung des Werkes 
Lobendes noch sagen zu wollen, ist bei Werken ans dem 
L e h m a n n'schen Verlage überflüssig — sie ist eben bei Allen 
mustergültig; dennoch hat man bei vorliegendem Atlas den 
Eindrnck als ob hier der eigene Rekord noch übertroffen wird. 

In Summa: ein brillant ansgestatteter vorzüglicher Atlas, 
dem wir unter Studenten und Aerzte die grösste Verbreitung 
wünschen. Wiehert. 

Lehrbuch der inneren Medicin. Herausgegeben von Dr. 

J. Frbr. von Me ring. (Jena. Gustav Fischer. 1903k 

Wenn ein Lehrbuch der inneren Medicin, trotzdem es ja 
eine stattliche Reihe solcher Lehrbücher schon giebt, in der 
kurzen Zeit von 2 Jahren eine zweite Auflage benöthigt, so 
heisst das nicht allein, dass innerhalb dieser Zeit die Medicin 
so bedeutende Fortschritte gemacht hat, dass Ergänzungen 
zur 1. Auflage erforderlich sind, sondern es beweist anch, 
das8 solch’ ein Buch den Beifall seiner Leser errungen hat. 
Mit Recht verdient das Mering’sche Lehrbuch der idnerea 
Medicin Lob: von bewährten Fachmännern bearbeitet, bietet 
jeder Abschnitt kurz gedrängt, frei von nnsicheren Theorien, 
in ansprechender Form alles Wissenswerthe, so dass man bei 
der Lektüre unwillkürlich das Gefühl erhält, man könne sich 
anf das Gelesene verlassen. Dabei ist allen Neuerungen der 
Medicin, wie der Bakteriologie, der Serumtherapie und den 
neuesten Untersochungsmethoden gewissenhaft Rechnung 
getragen; ebenso sind ans der Flnt aer uenereo nnd neuesten 
Arzneimittel diejenigen empfohlen, die Anwarthschaft auf 
dauernden Werth haben. Kurz, das Buch steht anf der Höbe 
der Zeit. Sehr dankenswert!» ist es, dass einem jeden Ab¬ 
schnitte zum Schluss ein Literatnrverzeichniss beigegeben ist, 
so dass ein Leser, der sich vielleicht noch intensiver in irgend 
eine Frage vertiefen will, sich schnell zu orientieren vermag. 
— Wir köuuen es daher mit voller Ueberzeugnng aus- 
sprechen, dass M e r i n g’s Lehrbuch der inneren Medicin jedem 
Arzt willkommen sein wird, nnd wünschen ihm die weiteste 
Verbreitung! Lezenins. 


Vermischtes. 

— Unser Landsmann, der bekannte Physiologe Professor 
Dr. G u 8 ta v v. Bunge in Basel, beging am 7./20. Januar 
seinen 60. Geburtstag. — In Dorpat als Sohn des dama¬ 
ligen dortigen Professors der Botanik gleichen Namens gebo¬ 
ren, studirte er daselbst mit Unterbrechung von 1863—71 
nnd erlangte i. J. 1874 den Grad eines Dr. ehern., darauf 1882 
in Leipzig die medicinische Doctorwürde. An der Dorpater 
Universität war er von 1872 au als Assistent des chemischen 
Laboratoriums und vou 1874 an als Docent für physiologische 
Chemie tbäilg, bis er 1885 als Professor der medicinischeu 
Chemie an die Universität Basel berufen wurde. Von seiuen 
zahlreichen Publikationen nennen wir hier sein «Lehrbuch der 
pathologischen nnd physiolog. Chemie», welches ins Englische, 
Französische, Italienische, Polnische nnd Russische übersetzt 
worden ist, sowie sein «Lehrbuch der Physiologie des Men¬ 
schen». 

— Die medicinische Facnltät der Universität Kasan hat be : 
schlossen, in der ophthalmologischen Klinik die Büste des 
früheren Professors der Augenheilkunde und 
Ehrenmitgliedes der Universität Dr. Adamiilt 
aufznstellen. 

— Die Jekaterinoslawsche Duma hat, wie die «Now. Wre- 
tnja» mittheilt, einstimmig beschlossen, das Andenken des ver¬ 
storbenen Arztes and Humanisten Dr. J. L e 8 c h k o - P o p e 1, 
dessen Ableben wir in der vorigen Nr. meldeten, dttrek die 
Errichtung einer unentgeltlichen Heilanstalt anf 
den Namen des Hingeschiedenen zu ehren■ 

— In der Jahresversammlung der geburtshülfUch- 
gynäkologischen Gesellschaftbeider Kiew er 
Universität sind Professor A. Muratow — znm Prä¬ 
sidenten und die DDr. W. Losin ski nnd N Schn- 
warski — zn Sekretären gewählt worden. Der Vice- 
präsident Prof. Malinowski und der Kassirer Dr- N- 
rodresan wnrden wiedergewäblt. 

— Die Berliner medicinische Gesellschaft 
hat io der Generalversammlung zum Vorsitzenden Prof. E. 
v. Bergmann und zn seinen Stellvertretern die Professo¬ 
ren Senator und Orth, sowie den Geh. Medicinalrath Dr. 


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Abraham gewählt. Das Vermögen der Gesellschaft, welche 
am Schlosse des Jahres 1364 Mitglieder zählte, beträgt mehr 
als 173.000 Mark. 

— Ordensverleihungen. Der St. Wladimir-Or¬ 
den IV. dasse mit der Schleife ist für 25- jähri¬ 
gen tadellosen Dienst im Classenrange verliegen 
worden: dem Corpsarzt des 5 Armeecorps, wirkl. Staatsrath 
Dr. Johann Uaximo witscli; dem Abiheilungschef der 
Obermilitännedicinalverwaltung, wirkl. Staatsruth Dr. N. M a - 
karow; dem Corpsarzt des 15. Armeecorps Staatsrath Dr. 
Kolodesnikow; dem Divisionsarzt der 36. Inf.-DiVision 
Staatsrath Dr. Joseph Bötticher; dem Brigadearzt 
Staatsrath Dr. Paul Rosenstein nnd dem älteren Arzt 
des Minsker örtlichen Lazarets Staalsralh Dr. Theodor 
Schmidt — Der St. Annen-Orden II. Classe: dem 
Professor der Universität Jurjew (Dorpat), Staatsrath Dr. 
Dehio und dem Privatdocenten der militär-med. Academie, 
Staatsrath Dr. R. P e t e r s. 

— Das Allerhöchste Wohlwollen eröffnet 
für ausgezeichnet eifrigen Dienst: den Staatsräthen Dr. v- 
Stein, Oberarzt des St. Pet. Kadettencorps und Dr. Skli- 
f a 8 8 o w s k i, Consultanten des hiesigen Nicolai-Militärbospi- 
tals; den Collegienräthen — Dr. I d e 1 s o li n, ftlt. Arzt des 
Wettngaschen Reservebataillons und Dr. H U b b e u e t, älte¬ 
rem Ordinator des hiesigen Nicolai-Militärhospitals. 

— IV. wissenschaftlicher Kongress des Zen- 
tralverbandesderBalneologen Oesterreichs. 
Oktober 1904 — in Abbazi a. Der Zentral verband der Bal- 
neologen Oesterreichs hat in seiner letzten Plenarversammlung 
beschlossen, der Einladung des Kurorts Abbazia Folge zn 
leisten und seinen IV. wissenschaftlichen Kongress in Abba¬ 
zia Mitte Oktober 1. J. abzuhalten. An den Kongress wird 
sich ein mehrtägiger Schiffsausflug zur Besichtigung der 
wichtigsten kflstenländischen Kurorte nnd Ausflugsstationen 
anschliessen, wie Buccuri, Portore, Clrkvenica, Lussin, Brio¬ 
nische Inseln, Pola, Sau Pelagio, ferner (über Triest) nach 
Grado, Sistiana, Monfalcone. Das ausführliche Programm sowie 
die Begünstigungen für die Kongressteilnehmer werden im 
geeigneten Zeitpunkte veröffentlicht werden. Anmeldungen 
von Mitgliedern des Zentralverbandes sowie von anderen 
Theilnehmern (Herren und Damen), ferner Nominierung von 
wissenschaftlichen Vorträgen für den Kongress 
sind zn richten an die Vereinsleitung des Zentralverbandes 
der Balneologen Oesterreichs, Wien, I., Wipplingerstrasse 28. 

— Der 21. Kongress für innere Medicin findet 
vom 18.—21. April 1904 in Leipzig statt unter dem Vor¬ 
sitze des Herrn Merkel (Nürnberg). 

Am ersten Sitzungstage, Montag, den 18. April 1904, 
werden die Herren Marchand (Leipzig) und R o m b e r g 
(Marburg): Ueber die Arteriosclerose referieren. Die 
ganze übrige Zeit ist den Einzelvorträgen und Demonstra¬ 
tionen gewidmet. 

Anmeldungen von Vorträgen und Demonstrationen nimmt 
der ständige Sekretär des Congresses, Herr Geheimrath Dr. 
Emil Pfeiffer. Wiesbaden, Parkstrasse 13, entgegen. 

— Verstorben: 1) In Mitau am 24. December 1903 
Dr. Leopold Cohn im Alter von 78 Jahron. Der Verstor¬ 
bene stammte aus Livland und hatte seine medicinische Aus¬ 
bildung in Dorpat erhalten, wo er von 1849-53 studirte. Nach 
Erlanguug des Arztgrades war C. kurze Zeit Aizt in Riga, 
dann Kreisarzt in Schaulen (Gouv. Kowno), bis er 1864 sich 
dauernd in Mitau niederliesa, wo er anfangs als Arzt der 
Gonvernements-Regierong, dann des Postcomptoirs nnd zu¬ 
letzt als Gefängnissarzt fungirte. 2) Am 30. December in 
Moskau der langjährige hochverdiente Arzt des dortigen 
evangelischen Armenhauses, wirkl. Staatsrath Dr. Eduard 
S e 1 i g s o h n, nach mehr als 40-jähriger ärztlicher - Thätig- 
keit Abgesehen von seiner Thätigkeit als Arzt, hat S. Jahr¬ 
zehnte lang an verschiedenen Wohlthätigkeits- und anderen 
•öffentlichen Institutionen mit Hingebung und Treue gewirkt 
und sich den Dank unzähliger Armen der deutschen Kolonie 
erworben. Der Hingeschiedene nahm eine hervorragende 
Stellung in den deutschen Kreisen Moskaus ein als weltlicher 
Beisitzer des evangelischen Konsistoriums als Glied des Kir¬ 
chenraths der leformtrten Gemeinde, als Mitglied geselliger 
Vereine, wie der Liedertafel, des Turnvereins o a m. 3) Am 
3. Januar der Director des Badeortes Kemiuern, wirkl. 
Staatsrath Dr. Alexander Ssotin nach kurzer Krank¬ 
heit. Nach Absolvierung seiner raedicinischen Studien an der 
Moskauer Uuiversiiät i. J. 1876 war der Verstorbene viele 
Jahre Landschaftsarzt im Nowgorodseben Gouvernement. Im 
Jahre 1894 trat er ln den Staatsdienst als Gouvernements- 
Medicinalinspector von Nowgorod, wurde aber bereits im 
folgenden Jahre zum Director des Schwefelbades Kemineru 
bei Riga ernannt. Obgleich Dr. Ssotin damit in einem ihm 
bis dahin fast ganz unbekannten Wirkungskreis versetzt 
wurde, so bat er sich in demselben doch bald zc.recht gefunden 
nnd während seiner 9-jährigen Leitung nicht wenig zur 
Verbesserung und Hebung dieses Badeortes beigetrageu. 
4) In Bern im December a. pr. der Nestor der Docenten in 


der Schweiz nnd in Deutschland, Prof. Dr. C a r 1 ß m ra e r U 
im Alter von 92 Jahren. Der Verewigte erfreute sich einer 
seltenen körperlichen und geistigen Rüstigkeit: Seit nahezu 
70 Jahren war er Arzt und seit 52 Jahren Professor der 
gerichtlichen Medicin in Bern; im Alter von nahezu 80 Jah¬ 
ren gab er noch ein Werk über gerichtliche Medicia heraus. 
6) Ara 12. Januar n. St. in Kronberg (i. Taunus) der weit 
über die Grenzen Deutschland rühralicbst bekannte Begrün¬ 
der der Langenheilauetalt Falkenstein im Taunus, Geh. Sa¬ 
nitätsrath Dr. Peter Dettweiler, im 67. Lebensjahre 
am Herzschlage. Nächst dem früher verst. Dr. Brehiner 
verdanken wir Dr. Dettweiler die Einführung einer 
neuen Behandlungsweise Schwindsüchtiger—der Freiluftbe¬ 
handlung. Dettweiler gebührt aber noch das Verdienst, 
vor ca. 12 Jahren die erste deutsche Volksheilstätte für 
Lungenkranke mit Unterstützung des Reconvalescentenver- 
eins von Frankfurt a. M. in’s Leben gerufen zu haben. 
Seine ziemlich zahlreichen Pubiicationen beziehen sich vor¬ 
zugsweise auf die Behandlung der Lungenschwindsucht. 

— Prof. Dr. J o 11 y , dessen Nekrolog wir in der vorigen 
Nr. brachten, ist der Ruptur eines Aneurysma, das sich in 
den Herzbeutel verblutete, erlegen. 

— Ein neuer Fall von Laboratoriumspest. 
Wie Dr. Müller in Wien and Dr. Sachs in Berlin, so ist 
jetzt auch hier der Leiter des Laboratoriams zur Herstellung 
von Antipestpräparaten, welches sich Im gänzlich isolirten 
Alexanderfort in Kronstadt befiudet, ein Opfer der PeBtfor- 
schung geworden. Es ist der Veterinärarzt W. Ttirtschi- 
nowitsch-W yznekewicz, welcher am 7. Januar trotz 
wiederholter Iujektion von Antipestserum nach kaum vier¬ 
tägigem Krankenlager an der (auch bakteriologisch konsta¬ 
nten) Lungenpest gestorben ist. Mit ihm sind auch zwei 
Feldscher, die ihm bei seinen Arbeiten halfen, erkrankt. Es 
sind bei dem gesamten Uaboratoriumspersonal Sehutzimpfun- 

? en vergenommen und Massregeln zur völligen Isolirung des 
’ersonals ergriffen worden. 

— In dem Libauer Stadtkrankenbause haben die bisherigen 
Aerzte ihre Thätigkeit am 31. December a. pr. eingestellt und 
sind ihre Obliegenheiten provisorisch den Aerzten Dr. Kel¬ 
terborn, Dr. v. Holst und Dr. Eckstein übertragen 
worden. (Lib. Ztg.). 

— Ans Wien kommt die Überraschende Nachricht, dass 
Prof. Dr. Hohenegg (Wien) die Leitung der chirurgischen 
Klinik des verst. Gussenbaner übernehmen wird, nach¬ 
dem sich die Verhandlungen mit Prof. Gar re (Königsberg) 
in letzter Stande zerschlagen haben. (A. m. C.-Ztg). 

— Immunisirnng gegen Tuberkulose. Prof, 
v. Behling hat vor Kurzem im «Berliner Verein für innere 
Medicin» einen Vortrag über Tuberkulose gehalten, 
als deren Haoptquelle er die Säuglingsmilch ansieht. Der 
Krankheitskeira dringt mit der Kuhmilch vom Darm des 
Säuglings aus in den Körper, zunächst in die Luftbahnen 
dann in das Blut und in die Athmungsorgane ein. Eine 
Ansteckung durch Einathmang hält B. für ausgeschlossen, 
ebenso auch durch den Gebrauch von Büchern aus Leihbi¬ 
bliotheken, Akten etc. für unerwieseo. Eine Disposition für 
Lungenschwindsucht komme nur im Säugliugsalter vor und 
werde durch den Gonuss von Milch erworben. Die Bekäm¬ 
pfung der Tuberkulose muss daher schon beim Kinde er¬ 
setzen. Das einfache Abkochen der Milch hält Prof. Beh¬ 
ring nicht für genügend, ja sogar für schädlich; dagegen 
empfiehl er die Milch unmittelbar nach ihrer Gewinnung mit 
einem geringen Formalinzusatz zu versehen, welcher alle Bak¬ 
terien iu ihrer Entwickelung hemmt, ohne die wirksamen 
Milchbestandtheile zu zerstören. Die Professoren Fränkel 
nnd Baginski äusserten ihr Bedenken gegen die von 
Behring aufgestellte Theorie der Schwindsuchts-Entste¬ 
hung nnd halten au der Einathmung von Tuberkulosekeimen 
als der häuügsteu Entstehungsart fest. 

Berichtigung. Die von uns in Nr. 52, S. 551 des vori- 
en Jahrganges der Wochenschrift gebrachte Notiz über die 
ensionirung des Walkschen Stadtarztes Dr. Koch ist da¬ 
hin zn berichtigen, dass Dr. Koch noch wie vor den Posten 
des Walkschen Stadtarztes bekleidet, jedoch bereits seit Voll¬ 
endung seiner 20-jährigen Dienstzeit neben seiner Gage die 
halbe festgesetzte Pension im Betrage von 114 R. 36 Kop. 
bezogen hat und ihm jetzt nach Ausdienung der gesetzlichen 
Dienstjahre die volle Pension neben der Gage bewilligt wor¬ 
den ist, bei gleichzeitiger Belassung im Dienst. Au die Walk- 
sche Stadtverordneten-Versammlung hat sich Dr. Koch nie 
mit Pensionsansprüchen gewandt, da er nach erfolgter Auf¬ 
hebung der städtischen Peusiouscasse die geleisteten Beiträge 
zurückerhalten hat. Bf. 

— Die Gesammtzahl der Kranken ln denOtvil- 
liosDitälern St. Petersburgs betrug am 27. Dec. 
d. h. 8631 (485 wen. als in d. Vorw.), darunter 433 Typhus — 
(34 wen.),827 Syphilis — (126 wen.), 195 Scharlach — (1 wen ), 
107 Diphtherie — (10 wen.), 117 Masern — (4 wen.") und 25 
Pockenkranke — (5 wen. als in der Vorw.). 


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Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 21. bis zara 27. December 1903. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


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ImGanzen: £ 5 ^ ^ ^ ^ ^ -g § 

MW Sa !C 2‘“228SSS8?S^ 
m. w. sa. j| | | | | | | llli s *’S 

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r-l CM OQ •«* kß , CO r*. 00 ^ 

m 318 667 135 65 93 12 6 21 71 57 63 38 52 45 8 1 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 11, Febris recurrens 1, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken l, Masern 16, Scharlach 7, 
Diphtherie 10, Croup 2, Keuchhusten 11, Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 29, Erysipelas 4, Grippe 6, Cholera asiatica 0, 
Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 


Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyttmie und Septicaemie 10, 
Tuberculose der Lungen 108, Tuberculose anderer Organe 23, 
▲lkoholismus und Delirium tremens 7, Lebensschwäche and 
Atrophia infantum 51, Marasmus senilis 27, Krankheiten des 
Verdauungscanals 73, Todtgeborene 42. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 20. Jan. 1904. 

Tagesordnung: 1) H. Westphalen: Einiges über 
Stenokardie nnd Claudication inter- 
■ mittente. 

2) W. Lange: Ein Fall von klinisoher 
Syringomyelie. 

Empfang der Mitgliedsbeitrfige für das nächste Jahr. 

NäohsteSitzung des Deutschen ärztliche!* 
Vereins: Montag den 12. Januar 1904. 


»ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von K. L. RICKERln 

St. Petersbnrg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-und ausländ. Annoncen-Coraptoiren angenommen. 


Ein sehr nützliches Product aus Caseara-Sagrada 


fl 


rÄtS 






Mediciniscbe Akademie 
12. Juli 1892. 

Akademie der Wissenschaften 
1. April 1893 und 3. Juli 1899. 


C 13 H 10 0 a 


Erprobt: bei gewöhnlicher Verstopfung, Leberleiden, als 
antiseptisches Mittel für die Verdauungsorgane; bei Atonie des 
Verdauungskanals, Verstopfung bei Schwangeren und mit der 
Brust Stillenden, und gegen Gallenstein. 

Gewöhnliche Dosis in Pillen: 2 Pillen nach dem Essen 
oder zur Nacht vor dem Schlafengehen. 

Haupt Depot: 62, rue de la Tour, (16) Paris. 

Depot in allen Apotheken und Droguenhandlungen . 


Rationelle Heilung durch Phosphor 

RHOMNOL s“ 


dessen Hauptbestandteil reine Nucleinsäure ist, von Dr. Leprince hergestellt. 

C 40 , H 54 , Az i4 0 27 . P 4 

Erprobt: bei Phosphaturie, Neurasthenie, Rachitis, Blutarmuth und Alterschwäche. 
Gebrauchsanweisung: 4—10 Pillen während der Mahlzeit. 

Dr. Leprince, 12, rue de la Tour, Paris. 

Erhältlich in allen besseren Apotheken. 

(29) 40-6 


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20 


Thioool 

„Roche“ 


beatea Guajacol- 

I irttparat, wasser- 
Oauoh, geruchlos, 
ungiftig:. 
Vorsügl. Anti* 
tubercul. nndAntl* 
Dlarrholcum. 


Sirolin 

„Rooho“ 


wohlriechender, 
angenehm 
achmbckender 
ßyrup, Idealste 
Form der Kreo- 
sot-Therspte, - 


Sulfosot- 
syrup 
„ Rooho“ 

entgifte tea 
Kreosot ln 8ymj>- 
form, eignet sieh 
apeslell fOr Armen- 
and Kaaaeapula. 


<c 


Proftflin„JRoehe 


ein unbegrenzt haltbares, vollkommen ungif¬ 
tiges Phosphoreiweiss mit 2,6°| 0 Phosphor. 

-yt - wurde mit bestem Erfolg geprüft an der Chir. 

ff Klinik in Bern, Direktor Prof. Dr. Th. 
M / (/ 1 &f §|/f Kocher, und an der I. Med. Univeraitüta- 
_ klinik in Berlin. Director fleh. Medizi* 


-yt - wurde mit bestem Erfolg gepröft an der Chir. 

ragja ff Klinik in Bern, Direktor Prof. Dr. Th. 
M / U I iä § |/f Kocher, und an der I. Med. Univeraitüta - 

** klinik in Berlin, Director Geh. Medizi - 

nalrath Prof. Dr. von Leyden. 

Seine therapeutische und tonische Wirkung wurde erl^annt bei 

Bhachiti », Scrophuloae , Cariea, Neuroaen, Hyaterie, And - 
mie, Cache'joie und Baaetlow f acher Krankheit. 

Im Allgemeinen ist Protylin für den m enschlichen Organismus ebenso 
werthvoll wie die Superphosphate für die Pflanzen. ’ 


Ausser Protylin stellen wir zur Zeit noch' 

Eiaenprotylin (Eisengehalt 2,3 pCt. und 
Bromprotylin (Bromgehalt 4 pCt. organisch gebunden) dar. 

Von Protylin u. Eisenprotylin ersochen wir nicht einzelne Pulver, sondern 
stets nur die Originalpackungen von 25, öfyTÖCToder 550 gr. zu verordnen. 

Muster und Literatur stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoff mann-LaRocho & Co., Fabrik chem.-pharm, producte 

ftaael (Schweiz) Grenzach (Baden). 

■ . (16) 10-4. 


j&irol 

„Ho oha“ 


bester, gerueh- 
loser Jodo- 
formersat*. 


j&sferol 

„Rooho“ 


wasserlösliches 
Hg.-Pr Sparat, 
fällt sieht 
Eiwelsa, reist 
sicht, greift 
Inatrumesta 
sieht ss. 


Thigenoi 

„Rooho“ 


synthetisches 
Schwefel prt parat 
mit 10“/. org. 
ge band. Schwefel. 
Geruchloser 
Iehthjolerssts. 


Wiesbadener Kuranstalten 


Dr. Abend, für Magen- and Darmkrmke, Parkstrasse 30. 


nioionmiihlo fQr Nerven- nnd Innere Kranke. Dlrig. Arat 
Uieienmunie. SanitAts-Rat Dr. Waetzoldt. 


nn ßiopliph’o Kurhaus für Nerven- und Innere Kranke. 

— L* llwl* 8 Dr. Bohmlelan und Dr. Oierlloh. 


Dr. Hecker, für Nervenkranke, Gartenstrasse 4. 


linrlf^nhof fnr Nerven- nnd lnndre Kranke. DT. tu Meenes, 
UinuenilOT, Walkmühlstraase 43. ^ 


Nerothal, für Nerven- ond Innere Kranke. Dr. Bohnbort. 


Hp PInccnnp tor Nerven- nnd innere Kranke, ßonnen- 
uuric»»lier. berger Strasse 30. 


Hp SrhiitT Villa Panorama, fttr Innerlich (spei. Verdauunan- 
. OGIIUIZ, nnd Stoffwechsel-) Kranke-nnd Nervöse. 


•»»» Prospekt« und Anskonft daroh dlo Anstalta&rgto. n« 


Producte aus dem natürlichen dem Wasser entzogenen Salze 


VI 


(3) 18-16. 


Die Quellen gehören der Französischen Regierung. 

PASTILLES VICHY-ETAT ““ 


COMPRIMES VICHV-ETAT 


Verdauung, 
zur Selbst-Bereitung 
des alkalisch moussi- 
renden Wassers. 


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wird nach dem Urteil ärztlicher Autoritäten am besten 
erzielt durch 

Dr. ROOS’ FLATULIN-PILLEN, 


welche sich bei Blähungen, Säurebildungen, Sodbrennen 
gleichfalls vorzüglich bewähren. 

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Näheres eventl. durch R. OTTO jun., Moskau. 



SCHLOSS MARBACH b „ 


densee 


eine vornehme Anstalt., iu der durch hier ausgebil- 
dele, nur hier ausgeiibte, viel bewährte Behandlung 

Herz- und Nervenleiden 

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MaTßteBCKaa ya., *. 9, kb. 20. 

Frau Elvine Juckam, Bac .ocTp., Cp. np. 
fl. JlHxaqeBa Jf* 29, 5 -hö KoppHflopt, 
KOMuaTa JÄ 229. 

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7, kb. 5. 

Oabra CBiTjioBa, CeprieBCK., fl. 17, kb. 19. 
Frau L. A. Bogoslawskaja, Erteleff 
Pereulok Jft 16, Qu. 6. 

Marie Winkler, yr.CoiHBOBa nep. h llaH- 
T«ielMOBCKO» y a. n. 4. kb. 11. ., 
Frau Gülzen,W.0.,17 Linie, Hans JA 16, 
Qu. 10. 


“ Adrenalin (Takamine), ^;»r e r e e re „ B t a t 5ec'/i\ x ^ 

im Jahre 1900 durch Dr. J. Takamine, unter dessen persönlicher! N. 

Leitung es jetzt ausschliesslich durch unsere Firma PARKE, DAVIS \ 

& Co in Detroit (Ver. St. von N.-Amerika) hergestellt, wird. Adre- ■— 

nalin (Takamine) Ist nicht giftig, reizt die Gewebe nicht, ist be¬ 
ständig und hat keine cumulative Wirkung. Therapeutisch findet 
Adrenaiin Verwendung zur Blutstillung, localen Anaemisierung und zur Hebung 
der Herztätigkeit. Bei kleinen chirurgischen Eingriffen verhindert es die Blutung. 
Der nie dagewesene Erfolg des Adrenalin in der Medicin hat zu Nachahmungen 
und Fälschungen unseres Präparats Veranlassung gegeben; dieselben tragen 
ähnliche Bezeichnungen, doch beziehen sich alle günstigen, bisher veröffentlichten 
Gutachten auf unser Original-Adrenalin (Takamine). 


PARKE, DAVIS & C s 

Comptoire: 

New-York, London. 

St. Petersburg, 3aMHTHH-b nep., 4. 

Briefadresse: 

riOMTOBfalA fliUMKii r* 24 . 

Telegramm-Adresse; 

Cascara St. Petersburg. 


Taka Diastase, ein neues Mittel gegen chronische 

_1 Verdauungsstörungen. Verwandelt 

im Laufe von 10 Minuten das 100-fache seines eigenen Gewichts 
Stärke in Zucker, während die besten Malzextracte nicht das 
20-fache ihres eigenen Gewichts in Zucker umzusetzen vermögen. 


Cascara-Evacuant, Abführmittel, be- 

- reitet aus dem 

nicht bitteren Glykosid der Rhamnus Purshiana. Be¬ 
sitzt alle Heilwirkungen unseres berühmten Cascara Sagrada 
Extracts, mit Ausnahme des bitteren Geschmacks. 


Acetozon, neues antibacterielles Mittel, 

-1 obwohl ungiftig, das stärkste 

Antisepticum, sogar stärker als Sublimat. Glän¬ 
zende Resultate bei Behandlung des Typhus 
abdominalis. Mit hervor ragendem Erfolge 
angewandt bei Behandlung 
der Gonorrhoe, Cholera, 

Dysenterie, septischen Pro¬ 
cessen nach der Geburt ***' 


Chloreton, neues locales und allgemeines An- 

_L aestheticum und Hypnoticum, wirkt be¬ 
ruhigend bei Magenkrankheiten, Uebelkeit, Seekrankheit, 
Asthma, Epilepsie etc. Ein wichtiger Vorzug vor dem Cocain 
ist dem Chloreton eigen, es ist völlig ungifti 



v 

e 



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22 



Bewährtes 

und klinisoh erprobtes Mittel 

ase eesfeg* ffegen 

Fieber 4 Inflnenza *Rheumatismus j. Gicht 
Neuralgie & Ischias jfc Kopfschmerz 

nnd verschiedene Nervenkrankheiten 
— ohne jede schädliche Nebenwirkung. - 


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X för Erwachsene 3 mal täglich 1 gr. 

* Kinder 3 » » >/, » <+ 

+is 


3 


(30j 6-3. 

CITROPHEN 

wirkt: schmerzstillend, nervenbernhigend, appetitanregend nnd 
schlafbringend. 

Citrophen setzt bei Keuchhusten die Heftigkeit und An¬ 
zahl der Anfalle wesentlich herab. 

Erhältlich in allen Apotheken aller Länder 
Literatur und Proben etehen den Herren Aerzten gratie zur Verfügung. 
Alleiniger Fabrikant: 

Chem.'techn. Laboratorium v. Dr. Israel Roos, Frankfurt a. M. 


^fggsäsalgsäsa sasgsasasasagEgasHBasgsasEsgsm gmm 


PERTUSSIN 


ges. 


Extract. Thymi 
saccharat. Taeschner. 
geach. Einfuhr von der russ. Behörde gestattet. 
Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in hervorrag. Blättern Deutachlands n. Oesterreich-Ungarns. 

A erztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertnssln“ war eine überraschende; wenngleich ich 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blanwerden and die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertnssln war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als atbtoete ich die freie herrliche Luft auf einem Alpen-Gipfel. Diese Leicht- 
athmigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkutarrbe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Neuhausen): 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertnssln ein Mittel ist, daB in ktir- 
zester Zelt den mit Recht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
and fast unmerkbaren Broncbialkatarrh Überzufuhren vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 
Dr. Erich R. von Matzner (Birkfeld , Steierm.): 

Die drei mit Pertnssln behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereits 
ab und die Secretion begann sich bald zn verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie durch folgende Engros-Depöts: 

H. BI erst ümpfel, Apotheker, Warschau, Marszalkowska 136. Ad. Marcin- 

caik, Apotheker, Kiew. Pani Seebode, Apotheker, Riga, Kalkstr 26 
B. Schaskolsky, Petersburg, Carl Ferrein, Moskau. 

Hergestellt in der Kommandanten-Apotheke E. Taeschner, Berlin 
Seydelstrasse 16. - (8) 




Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger nnd Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 

Adressen von Krankenpflegerinnen; 

Frau Marie Kabern, Qr. Stalihofctr. 

Haas d. Finnischen Kirche 6—8,Q. 19. 
Luitg&rt Heimberger, Bac. OcTp., 6 
xhh., *. 29, kb. 13. 

JSlise Blau, JlaroBCKaa 58, kb. 15. 
Alexandra Xasarinow, üiKoxaeBCKaa 
yx. x. 61, kb. 32. 

Frau Hasenfass, Max. Ilo*i>*secK. g. 14 
«a. 16. 

Frao Minna Bieser geb. Franke Cra- 
ptifl HeTepnxbcKift npocn. x. JA 16. 
kB. 28, y Hobo KaxBBKHBa moctb. 
Frau Tursan, CnaccKaa 21, kb. 6. 

Frau Catharine Michelaon, rarapva- 
cKAfl yjinna x. 30, kb. 17. 

Frau Adelheid von Fersen, Catbä- 
rinencanal 81, Q. 20. 


Aom. Heia. Cn6., 16 HaBapa 1904 r. fleransgeber Dr. Rudolf Wanach. Buchdruckoreiv. A. Wienecke, Katharinenhofer Pr. J« 15. 


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LfrtfAri 

UNIV. OF MiCh 

MAY 4 1904 


XXIX. JAttMANG. 


ST. PETERSBÜR&ER 


Nene Folge XXI. Jahrg. 



unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). .* Riga. 

Dr.-Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


ÜMenSt. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 

Sonnabend.—Der Abonneawtapreli ist in Bus*Und.8Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerZnsertlonspreis 
fürdie Sinai gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt. 
—Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl: pro Bogen honorirt. 


SV* Abonnement«-Aufträge lowl« alle Inserate ~VS 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Sieker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect >6 14, zu richten. — Manut- 
cripte sowie alleaufdieRedactionbezüglichenMittheilungenbit- 
tet man an den geschäftsführenden RedacteurDr. Budolf Wo¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


M 3 


St. Petersburg, den 17. (30.) Januar. 


1904. 


Inhalt: Dr. S. Unterberger: Tuberkulose. — Schwindsucht. — Sanatorien. — Bücheranzeigen und Bespre¬ 
chungen: Werde gesnnd! Zeitschrift für Volksgesundheitspflpge und Krankheitsverhfituug. Von Dr. Georg Liebe. — 
Boebin: Lehrbuch d. alle. u. spez. Arzneiverordnungslehre. — Paul Guttmann’s Lehrbuch d. klinischen Untersuchnngs- 
methoden f. d. Brust- und Untejleibsorgane, herausgegeben von Klemperer. — Praktischer Führer durch die gesammte 
Medizin, herausgegeben von Knappschaftsarzt Lorenz. — W. Bisei: Üeber das maligne Chorionepitheliom und die analogen 
Wucherungen in Hodenterätomen. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Vermischtes. — Mor¬ 
talitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Tuberkulose. — Schwindsucht — Sanatorien. 

Von 

Dr. S. Unt erb e rger. 


Mit einer bewunderungswürdigen Energie Ist die Heil- 
•stfttteufrage in Deutschland gefördert und es kann jetzt 
mit Stolz sich brüsten circa 10,000 Tuberkulöse und 
Schwindsüchtige in woblorganisierte Sanatorien nnter- 
bringen zn können. Auf dem ersten Tuberkulose-Kon¬ 
gress in Berlin zielten alle Reden dahin, man möge so 
viel als möglich Volk9heilstätten bauen, denn das sei das 
«souveräne Mittel» im erfolgreichen Kampfe mit 
der Tuberkulose als Volkskrankheit. Wie man mit den 
Pocken fertig geworden, so wurde man es auch mit der 
Tuberkulose! Das packte. In der ganzen Presse worde 
orbi et urbi dieser Satz jedem warm ans Herz gelegt 
and Geld floss von allen Seiten. Jetzt hat Deutschland 
57 Volksheilstätten, darunter palastähnliche Gebäude. 
Ein Jahr später auf dem Londoner Kongress war die 
Stimmung weniger entusiastisch, man hörte schon we¬ 
niger von der Notwendigkeit des Baues von Sanatorien, 
man sprach jetzt vorherrschend von sanitären prophy¬ 
laktischen Massregeln. In diesem Herbst fand nun auf 
dem hygienischen Kongress in Brüssel 1 ) eine Debatte 
statt, in der schon heftig agitiert wurde gegen die Pro¬ 
paganda des Baues von Volkssanatorien als «souve¬ 
ränes Mittel» im erfolgreichen Kampfe mit der 
Schwindsucht. Während in Berlin Brouardel, Le- 
tulle, Petit u. A. sich für die Heilstätten begei¬ 
sterten, sehen wir jetzt in. Frankreich unter Gran- 
cher’s Leitung, Armainga ud, Robin, Savoire*) 
u. A. einen grossen Kampf kämpfen gegen dieselben als sou¬ 
veränes Mittel. Die Frage wurde jetzt aufgeworfen, welche 
.Resultate haben denn eigentlich in Deutschland die Volks- 

*) Tubercalosis. Vol. 2. Nr. 10. — 1903. 

*)Grancher. Tubercalose pulmonaire et Sanatorium. 
1908. — Bo bin. La lutte contre la tuberculose. 1903. — 
Savoire. La lutte antitubercaleuae en Allemagne --1908. 


heilstätten erzielt, wo jährlich bei einem viermaligen 
Wechsel pro Jahr circa 80,000 Schwindsüchtige Unter- 
knnft finden können. Aus den offiziellen Berichten sieht 
man, dass die im Anfangsstadium Angenommenen nach 
dreimonatlichem Aufenthalte durchschnittlich in ca. 
73 pCt. (21,600) Heilerfolge d. h. Arbeitsfähigkeit auf¬ 
zuweisen haben. Nach Ablauf von zwei Jahren aber 
sinkt diese Zahl auf 40 pCt. (12000), nach drei Jahren auf 
29 pCt. (8700) und nach vier Jahren auf 28 pCt. (8400). 
Von 80000 Schwindsüchtigen werden nach Prof. Ja¬ 
cob jährlich als geheilt entlassen circa 700u Kranke. 
Nun wissen wir aber, dass in Sanatorien circa 25 pCt. 
Kranke ohne Tuberkelbazillen aufgenomin.Mi worden, 
das repräsentiert von 80000 die Zahl v«*n cwoa 7000! 
Die Frage muss jetzt noch entschieden werden, ob die 
erwähnten 7000 Heilungen dieselben Kranken vorstellen, 
die ohne T.-bazillen in die Sanatorien anfgenommen 
worden I Weiter heisst es, dass durch die 7000 Ge¬ 
heilten jährlich das soziale Vermögen nm 2') Millionen 
Mark vermehrt werde. Diese Summe ist enorm gross, 
die Zuhörer haben aber nicht überzeugende Belege für diese 
Behauptung erfahren. Ferner heisst es, 7000 InfektioDS* 
herde werden jährlich dorch die Sanatorien vernichtet. 
Wiederum muss die Frage aufgeworfen werden, welche 
Kranke stellen denn die 7000 Infektionsherde vor, viel¬ 
leicht sind es dieselben Kranken, die ohne Bazillen auf¬ 
genommen worden. Nehmen wir aber an, es werden 
wirklich jährlich 7000 Infektionsherde in Deutschland 
vernichtet, so fragt es sich, was für einen grossen 
Nutzen kann diese geringe Zahl bei der erschreckend 
grossen Verbreitung der T.-bazillen haben. Die geringe 
Abnahme an Tnberknlose in Dentschland wird wohl 
jetzt Jeder dem Umstande zuschreiben, dass die sani¬ 
tären Verhältnisse sich in grossem Umfange gebessert 
haben, aber keineswegs der Einführung der Spucknäpfe. 
Jeder poliklinisch tätige Arzt weiss, dass in den Woh¬ 
nungen der tuberkulösen Arbeitenamilien, trotz aller 
Versnobe durch Polizeivprscbriften, Verbreitung von 
Flugblättern, populäien Gesundheitsschriften, vor Koch 
wie nach Koch, «herumg-espuckt» wird; von 


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Tanzböden, Kellern, Kneipen etc. nicht za reden. Die 
Gewerbeinspektoren klagen stets über die Arbeiter, dass 
sie in Gewerben, wo Spacknäpfe obligatorisch sind, die¬ 
selben nicht benutzen. 

Die Ubigenität der T.-bazillen kann docli jetzt Nie¬ 
mand mehr leugnen. Weist doch N a e g e 1 i nach, dass 
nach dem 30. Lebensjahre jeder Mensch ein mal tu¬ 
berkulös infiziert gewesen ! Dr. Franz in Oesterreich 
hat zwei Regimenter auf Tuberkulose mit Alttuberku- 
lininjektionen geprüft und gefunden, dass im ersten 
Dienstjahr 61 pCt. und im zweiten Dienstjahr 68 pCt. 
Tuberkulose Vorlagen. Und es handelt sich hier um die 
gesundesten Individuen der Bevölkerung! Das unge¬ 
ahnt grosse tatsächliche Befallenwerden des Menschen¬ 
geschlechts von der tuberkulösen Infektion ist geeignet 
nech mehr als bisher die Heilbarkeit vieler tuberkulöser 
Erkrankungen zu beweisen und zwar die spontane 
Heilbarkeit; denn von der Heilkraft der bisher 
angewendeten antituberkulösen Behandlungsmetoden, 
wie sie sich auch nennen mögen, kann Behring 3 ) 
nicht viel halten. Auch hier gilt nach diesem Autor 
der Satz, den er früher in Bezug auf die Diphtheritis 
angewendet; die leichten Infektionen gehen 
in Heilung über, die schweren Infektionen 
führen zum Tode. Ferner legt sich dieser Autor 
die wichtige Frage vor, ob es überhaupt Mittel und 
Wege giebt, die schweren Infektionen mit schlechter 
Prognose zu verhüten oder, wenn sie schon erfolgt sind, 
in leicht verlaufende Fälle mit günstigerem Ausgange 
umzuwandeln? Inseiner Iramuumilch will Beh¬ 
ring ein souveränes Mittel gegen die Tuberkulose ge¬ 
funden haben, weil nach ihm die Tuberkulose meist im 
Kindesalter durch die Milch erzeugt wird. Die Gele¬ 
genheit zur Infektion mit T.-bacillen kann für erwachsene 
Menschen allein für die Entstehung der Lungenschwind¬ 
sucht einen entscheidenden Kaktor nicht repräsentieren. 
Der berühmte Laryngologe Moritz Schmidt in 
Frankfurt hat in 40 Jahren unzählige tuberkulöse 
Kehlköpfe untersucht und ist nicht schwindsüchtig ge¬ 
worden. Der Leichendiener, Schlächter, Laboratoriums¬ 
diener, nicht zu vergessen unseren französischen Kollegen 
G a r r a u 11, mit T.-bacillen vom subkutanen Gewebe 
aus reichlich infiziert — wie im Experiment — bleiben 
frei von Lungenschwindsucht. Würde man eine gleich 
grosse Bazillenmenge, wie die in Schwindsuchtslungen 
zu findende, einem nicht immunisierten Menschen in die 
Gewebssäfte einbringen, dann würde er eine akute zum 
Tode führende Miliartuberkulose, aber nie im Leben 
eine Lungenschwindsucht bekommen! Bei der grossen 
Verbreitung der T.bazillen dürfte die Tröpfchen-Teorie 
und die Teorie von den eingeatmeten Tuberkelbazillen 
kaum eine wesentliche Rolle spielen bei der Ent¬ 
stehung der Lungenschwindsucht (Behri n g). D i e tuber¬ 
kulöse Infektion bedeutet noch lange nicht 
tuberkulöse Schwindsucht! Dass solche Infektio¬ 
nen zur Höhlenbildungin den Lungen führen, hält Beh¬ 
ring für ebensowenig einwandsfrei bewiesen, wie 
Koch mit Recht den ganz einwandsfreien Beweis dafür 
vermisst, dass Rindertuberkulosevirus die Ursache 
menschlicher Lungen-Schwindsucht in einem konkreten 
Fall geworden ist. 

Das Auftreten von Epidemien durch einen Scharlach¬ 
oder Masernkranken ist eine gewöhnliche Beobachtung, 
dass aber ein Tuberkulöser eine Tuberkulose-Epidemie 
hervorgeiufen, hat Niemand beobachtet. Nach Behring 
sind alle Versuche durch Absperrungsmassnahmen die 
Tuberkulose heutzutage in dicht bevölkerten Gegenden 
zu verringern, nutzlos, dazu bedarf es anderer Mittel und 
da stehe in erster Linie die Verbesserung der sanitären 
Verhältnisse, wodurch in England in 50 Jahren die 

3 ) Behring. — Tuberkulosebekämpfung. — 1903. 


Sterblichkeit an Tuberkulose um 40 pCt. herabgesetzt 
worden. Indem der grosse englische Hy'gienist T h. o r n e - 
Thorne dieses glänzende Resultat mitteilt, erklärt er, 
dasselbe erreicht zu haben durch Abschaffung der en¬ 
gen Pfade, Sackgassen, durch Beseitigung von feuchten 
Wohnungen, Drainage der Kellerräume, Ventilierung der 
Arbeitssäle und Verbesserung der materiellen Seite der 
Arbeiter durch Bildung von Genossenschaften. «Man hat 
noch wenig gemacht, fügt er bescheiden hinzu, für die 
Desinfektion des Auswurfs ausserhalb der Hospitäler; 
unsere Arbeit beschränkte sich nur auf die Verwendung 
der täglichen hygienischen Massregeln». 

In zweiter Linie sind die Mittel, die zur Verminde¬ 
rung der Schwindsucht dienen, anzuführen: 1) die Sa¬ 
natorien, die ausser einigen Heilungen hauptsächlich 
dazu dienen, Begriffe von hygienischer Lebensweise in 
weite Kreise zu bringen und die Arbeitsfähigkeit der 
Kranken zu verlängern. 2) Haus-Sanatorien 
oder wie L a n d o u z y sie bezeichnet h o ra e-S a n a t o - 
riura, die sich leicht uud billig in jedem Hospital, in 
jedem Hause einrichten lassen und in hohem Grade die 
grossen Sanatorien ergänzen können. 3) Kind er-Sa¬ 
natorien an der Seeküste und namentlich 4) 
die Dispensaires antituberculeux die von 
Frankreich ausgehen. Diese stellen Einrichtungen dar, 
welche von Stadtbehörden und privaten Gesellschaften 
unterhalten werden und den Zweck haben durch den Kranken 
geleisteten ärztlichen und materiellen Beistand vorbeugend 
gegen die Tuberkulose zu wirken. Auf einer der letzten 
Sitzungen der Tuberkulose-Aerzte in Berlin haben diese 
Einrichtungen eine sehr günstige Beurteilung gefunden. 

Bei jeder Behandlungsmetode hat der Fall am mei¬ 
sten Erfolg der im Initialstadium erscheint. Allein es 
ist schwer in jedem Fall das Initialstadium festzusetzen. 
Das Initium kann bei einem Tuberkulösen, bei dem die 
Lungen nur geringe physikalische Veränderungen dar¬ 
bieten und der Kranke selbst den Anfang des Leidens 
anf kurze Zeit zurück datiert, tatsächlich recht weit 
zurück liegen, so dass der tuberkulöse Prozess patolo- 
gisch-anatomisch keineswegs als initial zu bezeichnen 
wäre. Die Diagnose initial, bemerkt Weicker 4 ) 
mit Recht, ist nicht identisch mit guter Prog¬ 
nose, weil die sichere klinische Voraussage eines 
frisch an Tuberkulose Erkrankten ein noch nicht ge¬ 
löstes Problem ist. Die Prognose hängt voll und ganz 
davon ab, wie viel Heilpotenzen im Organismus 
vorhanden sind. Immerhin sind die Mittel zur Eruirnng 
der tuberkulösen Infektion recht bedeutend. Ausser den 
physikalischen und mikroskopischen Untersnchungsme- 
toden benutzen wir zur Feststellung der Frühdiagnose 
das Alt - Tuberkulin , das bei verständiger Anwen¬ 
dung vollkommen gefahrlos ist. Prof. Fränkel hat 
3000 Fälle zu verzeichnen, wo er das Mittel angewandt 
und keinen Misserfolg gesehen, für die Diagnose aber 
wertvolle Daten erzielt hat. Die Arloiifg und 
Courmon t’sclie Serodiagnostik erweist sich in vielen 
Fällen als sehr erfolgreich. Für die Feststellung von 
T.-bazillen in serösen Flüssigkeiten haben wir in der 
Inoskopie von Andrö Jousset ein wertvolles 
Mittel. Diese Metode gestattet auch sehr wenige 
T.-bazillen in gerinnungsfähigen entzündlichen Exsudaten 
uud im Blute zu konstatieren. Es wird durch eine ge¬ 
eignete Verdauungsflüssigkeit das Fibrin, das die Ba¬ 
zillen fixiert, aufgelöst, wodurch die T.-bazillen wieder 
freigemacht werden. Robin findet in der döminö- 
ralisation organique und Herabsetzung des 
Respirationskoeffizienten Mittel um die Früh¬ 
diagnose stellen zu können. 


4 ) Weicker. *— Tuberkulose Heilstätten-Dauererfolge. - 
1903. 


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25 


Znm Zustandekommen der Lungenschwindsucht ist 
nicht blos eine Infektion nötig, wie wir gesehen, son¬ 
dern der Boden, in welchem dieselbe das Krankheits¬ 
bild erzeugt, ist das wesentliche bei diesem Vorgänge. 
Dieser Boden kann nnn erworben sein, ist aber meist 
ererbt. Bei der Frage der Vererbung der Tuberkulose 
muss man aber immer noch hören, dass die Forscher 
echte Vererbung und intrauterine Infek- 
t i o n nicht von einander scheiden, dass sie hingegen 
stets darauf hlnweisen, wie selten es gelungen, 
die direkte Uebertragung der T.-bazillen 
von den Eltern auf das Kind nachznweisen. Gesetzt, 
dass die Mikroorganismen den Eizellen anhaften, so ist 
das eine Zufälligkeit und hat nichts mit der 
Vererbung zu tnn. Uebertragung von frem¬ 
den Organismen durch die Keimzelle und Ueber- 
liefernng von Keimplasma, sammt den in 
seinem Ban begründeten Eigenschaften, muss scharf unter¬ 
schieden werden. Nur das letztere ist Verer¬ 
bung in wissenschaftlichem Sinne, das 
erstere ist Keiminfektion. (Weisman). Der 
phthisische Habitus ist nicht das Produkt 
einer fortschreitenden Tuberkulose-Invasion des Indivi¬ 
duums, sondern das Produkt der Tuberkulose, welche 
erst in der zweiten oder späteren Generation zur cha¬ 
rakteristischen Reife kommt. Ein Individuum dem von 
Hause aus ein wohlproportionierter Körper eigen ist, 
wird bei einer T.-Infektion wohl bis zum Skelet abma¬ 
gern, niemals aber den habitns phthisicns 
aufweisen. Die gesammte Erbmasse des Einzelindivi¬ 
duums kommt ganz und voll zum Ausdruck in Ahnen¬ 
tafeln, wie sie von Dr. Schlüter, Schüler des 
Prof. Marti us, dargostellt sind nach der mühevollen 
und sehr wertvollen Riffe 1'sehen Arbeit. Der kon¬ 
stitutionelle Faktor bei der Lungenschwindsucht kommt 
also wieder zur Geltung. 

St. Petersburg, November 1903. 


BOcheranzeigen und Besprechungen. 

Werde gesund! Zeitschrift für Volksgesundheits¬ 
pflege und Krankheitsverhütung. Von Dr. Georg 
Liebe, Herausgeber. Verlag Th. Kriscbe. Erlangen. 

Der Heilstättenbote erscheint im neuen Jahr mit verän¬ 
dertem Namen and Programm unter der Leitang des hervor¬ 
ragenden Vorstehers der Heilanstalt Waldhof Elgers- 
hausen, dessen Stellung zur Alkoholfrage röhmlichst be¬ 
kannt ist. Der Inhalt des ersten Heftes enthält nntcr anderen 
Aufsätzen folgende höchst interessante: Volksbäder einst und 
jetzt. — Die Furcht vor der Kälte. — Wohnungsfttrsorge. 
— Gegen den Alkohol. — Jedem Arzt, der sich für diese 
Fragen interessiert — und welcher Arzt tut es nicht — ist 
diese Zeitung aufs Wärmste empfohlen. Preis per Jahr 
drei Mark. S. U. 

Boehm. Lehrbuch d. allg. u. spez. Arzneiverord- 
' nungslehref. Aerzte u. Studirende. m. Äufl. 1903. 
Fischer. 

Das Buch hat in seiner nenen Gestalt einen Puriflkations- 
procesB durch gern acht. — viele alte galenische Präparate und 
obsolete Droguen sind weggelassen. Ferner hat Verf. sich 
nur auf die neue deutsche, die österreichische und die schwei¬ 
zer Pharmakopöe beschränkt, und dieser Umstand ist, da das 
Werk in erster Linie für Studierende bestimmt ist, von grossem 
Wert und erhöht die Ueberslchtlichkeit. Trotz, oder gerade 
wegen der Verkürzung und in Anbetracht des unveränderten 
Grundplans des Stoffes wird der Wert des Werkes für den 
Studierenden und als Nachschlagebuch für den Arzt unver¬ 
ändert sein. Wiehert. 

Paul Guttmann’s Lehrbuch d. klinischen Unter- 
suchungsmetoden f. d. Brust- und Unterleibsor¬ 
gane, herausgegeben von Klemperer. ix Aufl. 
1904. Hirschwald. 

Die Neubearbeitung dieses brauchbaren und namentlich in 
den Kreisen der Studierenden seinerzeit angesehenen und be¬ 
liebten Werkes ist von K. mit viel Takt und Pietät vorge¬ 


nommen worden. Vieles hat freilich seit der letzten Anflage 
(1892) verändert und verbessert werden müssen, im Allge¬ 
meinen ist aber durchaus die Eigenart des Baches, wie sie 
vom vent. Verf. gewählt war. beibehalten worden. Möge 
das Buch in seiner neuen Gestalt ebenso viel Frennde finden, 
wie in der alten! 

Wiehert. 

Praktischer Führer durch die gesammte Medizin mit 
besonderer Berücksichtigung der Diagnose und The¬ 
rapie. N&chsohlagebuch in allen Fragen für den 
praktischen Arzt, insbesondere den vielbeschäftigten 
Landarzt und für Studierende. Herausgegebeu von 
Knappschaftsarzt Lorenz in Scharley O/S, Be¬ 
gründer von Lorenz’ Taschenkalender für Aerzte. 
Lieferung 9—13. Leipzig. Benno Konegen Verlag. 1903. 
Vollständig in 13 Liefernngen zu je 2,00 Mark. 

Die letzten 5 Nummern des «praktischen Führers dnreh 
die gesammte Medizin» sind nnnmehr erschienen und das 
Werk ist somit beendet. Dasselbe umfasst die stattliche An¬ 
zahl von 1040 Seiten. Bei der grossen Fülle des Stoffes ist 
es bewunderungswürdig, mit welcher Gründlichkeit and Ge¬ 
nauigkeit der Verfasser jeden einzelnen Abschnitt bearbeitet 
hat. Die wichtigsten Krankheiten, mit denen gerade der 
praktische Arzt am meisten za tau hat, sind in ätiologischer, 
symptomatischer, diagnostischer and therapeutischer Hinsicht 
nach Möglichkeit ausführlich beschrieben worden- Da das 
Werk lediglich als Nachschlagebuch dienen soll, so ist es 
selbstverständlich, dass der Verfasser nur allgemein aner¬ 
kannte Ansichten and Behandlaogsmetoden aufnehmen and 
strittige Fragen nicht genauer berücksichtigen konnte. Das 
Nachlesen in Spezialwerken erleichtert der Verfasser dnreh 
Antühren der Namen der einzelnen Autoren and deren Werke. 
Hoffen wir, dass das Buch in den Kreisen der praktischen 
Aerzte, für die es hauptsächlich geschrieben ist, eine weite 
Verbreitung finden wird, da dasselbe als zweckmässig und 
zuverlässig durchaus zu empfehlen ist. 

Der Preis — lür jede Lieferung nur 2 M., - ist entschieden 
ein niedriger, da Druck und Ausstattung nichts zn wünschen 
übrig lassen. 

Fr. Mühlen. 

W. R i s e 1. Ueber das maligne Chorionepitheliom und 
die analogen Wucherungen in Hodenteratomen. 
Leipzig. Verlag von Hirzel. 1903. 

Die vorliegende Schrift bearbeitet ein in der Gyn&ekologie 
hochmodernes Thema, vorwiegend von der patologisch ana¬ 
tomischen Seite and berücksichtigt Alles, was bisher über¬ 
haupt auf das maligne Chorionepitheliom (Decidnoma malig- 
nnm) Bezug hat. Dieses stellt einen bösartigen Tumor dar, 
welcher im Anschluss an Blasenmole, Abort, aber aüch eioe 
normale Geburt zunächst in der Uternsschleirahant Bich ent¬ 
wickelt, ausgehend von den znrückgebliebenen Resten des 
Chorionepithels and Metastasen macht. Man unterscheidet 
zwei Formen (March and): eine typische, bei der der Cha¬ 
rakter des Chorionepithels, wie er sich in der ersten Periode 
der Gravidität darstellt, wenig verändert und eine atypische 
Form, wo das Chorionepithel regellos wuchert- Am häu¬ 
figsten ist die Entwickelung dieser Neubildung an die Bla¬ 
senmole gebunden. Diese ist auf eiue enorme Proliferation 
des Chorionepithels zurückzuführen und kommt in alldn 
Uebergängen bis znm malignen Chorionepitheliom vor. Verf. 
theilt 8 Fälle mit, von denen 6 malign waren, zwei ohne Ent- 
wickelnng einer malignen Neubildung. Anhangsweise be¬ 
spricht der Autor die Teratome der Hoden, in denen gelegent¬ 
lich Zellenwucherungen Vorkommen, welche iu Bezug auf das 
mikroskopische Bild mit dem Chorionepitheliom grosse Aehn- 
lichkeit besitzen. L i n g e a. 


Protokolle desVereins St. Petersburger Aerzte. 

745. Sitzung vom 30. September 1903. 

Vorsitzender: Schmitz. Sekretär: Voss. 

1. Strauch demonstriert eine Patientin mit Lichen ruber. 

2. Ed. Heuking: Ueber die Behandlung eitriger Herz¬ 
beutelergüsse mittelst Herzbentelschnitt. 

Dem Vortrage liegt folgende Beobachtung des Referenten zu 
Gründe. Ein 28 jähr- sehr kräftiger und bis dazu vollständig 
gesunder Tagiöhner erhielt von einem Balken, der von be¬ 
trächtlicher Höhe herabstürzte, einen heftigen Stoss gegen 
die vordere Brnstoberfläche, in der Gegend der linken II.—IV. 
Rippen. An dieser Stelle bildete sich ein diffuses subkutanes 
Hämatom. Sofort stellten sich heftige Schmerzen an der ver¬ 
letzten Stelle ein, besonders bei tiefen Einatmungsbewegun- 
gen. Pat. musste die Arbeit einstellen. Am 7. Tage nach der 
Verletzung traten leichte Schüttelfröste ein. Die Atmnngs- 


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Beschwerden wurden mittlerweile so beträchtlich, dass sie 
sieb an einer vollständigen Orthnpnog steigerten. Pat. ver¬ 
brachte die Nächte schlaflos anf dem Bene sitzend. 

Ara 10. Tage nach der Verletzung erfolgte die Aufnahme 
in’s Hospital. Die ganze linke Seite der vorderen Brnstfläche 
ist von einer mäehiigen phlegmonösen Geschwulst eingenom¬ 
men, die besonders hochgradig in der Gegend über dem 2. 
bis 4. Bippenknorpel entwickelt ist; an dieser Stelle ist auch 
Fluktnation vorhanden. Pat. kann weder liegen noch stehen, 
leidet an der höchsten Atemnot; 4ö oberd Atemzüge in 
der Minute; das Gesicht ist cyanotisch, Nasendligel werden 
bei jeder Inspiration gebläht, Undnlation der grossen Hals¬ 
venen. Puls 130—140 klein, mit den Anzeichen eines polsus 
parado?ns. Seit 2 Tagen hat Pat. äussserst wenig Harn ge¬ 
lassen. 

Die rechte Lunge ist vollständig gesund; an der linkeu 
ist, soweit sie der Untersuchung zugänglich ist, d. h. an ihrer 
hinteren und seitlichen Partie, auch nichts anormales zu kon¬ 
statieren-dagegen ist die Untersuchung der linken Lunge von 
vorne her wegen der die ganze linke Hälfte der vorderen 
Brustwand einnehmenden Phlegmone ganz unmöglich, so dass 
sich hinsichtlich des Spitzenatosses, der Herztöne, des Um¬ 
fanges der Herzdämpfung u. s. w. gar nichts bestimmen liess. 
Mittelst Katheter werden 150 Ccm. dunklen eiweissfreien 
Barnes entleert. 

Offenbar lagen hier 2 Reiben von Erscheinnngen vor. Er¬ 
stens die Erscheinungen einer allgemeinen Sepsis, die sich 
ans der Vereiternng des grossen snbkutanen Hämatoms er¬ 
klären Kessen. Sodann aber gab es eine Serie anderer Symp¬ 
tome (höchstgradige Dyspnoe, Undnlation der Halsvenen 
Uvide Verfärbung des Gesichts, pulsus paradoxes. Herab¬ 
setzung des intraarteriellen Blntdruckes), die mit Notwen¬ 
digkeit auf eine tiefe Störung innerhalb der Kreislaufs¬ 
organe, resp. der linken Lunge hinwiesen. Hinter dem durch 
die Phlegmone einer genauen Untersuchung unzugänglich 
gewordenen Brostrandabschnitte konnten sich folg, entzünd¬ 
liche Prozesse verbergen: ein peripleuritischer Abszess, ein 
abgesacktes Pleuraexsudat, nnd schliesslich, ein (eitriger) Er¬ 
guss ins Perikard. — Nach einigem Ueberlegen glaubte Re¬ 
ferent sich für die Annahme des letzteren entscheiden zu 
müssen. 

Ara folgenden Tage (11. Krankheitstag) Operation, am leicht 
chloroformierten Pat. Schnitt parallel nnd in der Höhe des 
linken III. Rippenknorpels dringt durch die Haut und den 
von Eiter imbibierten M. pectoralis maj. auf den III. Rippen¬ 
knorpel, der sich in seiner ganzen Ausdehnung nekrotisch 
erweist. Er wurde entfernt, worauf die tiefer liegenden Teile 
sich in die Lücke drängen. Unter ihnen war offenbar Eiter 
vorhanden. Mit der Messerspritze wurde ein kleiner Einstich 
gemacht, der darauf zu einem Schnitte von 5—6 Cent, ver¬ 
längert wurde. Aus der Inzisionsöffnung quoll sofort eine 
Menge Eiter; es erwies sich, dass der immens ausgedehnte 
Herzbeutel eröffnet war. Die Kontraktionen des Herzmuskels 
erfolgten anfangs ganz unregelmässig und erinnerten an pe- 
ristaltiscbe Bewegungen, gewannen aber sehr bald den nor¬ 
malen Typus wieder. Die Hauptmasse des Eiters (wohl etwa 
1 Liter) befand sich hinter dem Herzen, zwischen letzte¬ 
rem und der hinteren Hcrzbeutelwand; das Herz war also 
nicht in die Tiefe des Exsudates herabgesunken, sondern lag 
seiner Oberfläche auf und hatte den Kontakt mit der vorde¬ 
ren Herzbeutelwand nicht aufgegeben. — In den geöffneten 
Herzbeutel wurden 2 weiche Gummidrainröhren hineingeucho- 
ben. Mit der Anlegung eines vielschichtigen aseptischen Ver¬ 
bandes war die Operation, die kaum 10 Minuten gedauert 
hatte, beendet 

Auffallend rasch stellten sich nach der Operation normale 
Zirkulation*- and Respirationsverhältuisse her. Abends batte 
Pat. bereits einen Puls von 98, die Temperatur war 38,3; er 
liess spontan gegen 1900 Cnbcm. Harn. — Die anfangs sehr 
reichliche Eitersekretion verringeite sich rasch; die Drain¬ 
röhren wurden am 12. Tage nach der Operation entfernt; Pat. 
verliess das Bett am 15 Tage und das Hospital bereits am 21. 
Tage. Bei der Untersuchung erwies sich, dass die Grenzen, 
der absoluten Herzdämpfung folgendermassen waren: die obere’ 
entsprach dem 2. Interkostalranm; die rechte >eichte bis zum 
rechten Brustrande; die linke überschritt nm l 1 /* Cm- die Ma- 
millarlinie nach links. Pulsfrequenz betrag bei Absoluter Ruhe 
80; bei der geringsten vom Pat. ausgeführten Bewegung stieg 
sie jedoch bis 110. 

Nach 3 Monaten nahm Pat. seine schwere Arbeit wieder 
auf. Jetzt hatte die Herzdämpfung annähernd normale Gren¬ 
zen aufznweiseD. Die Herztöne waren noch etwas dumpf, im 
Uebrigen aber normal- Puls 72—75; wird jedoch frequenter 
(bis 100), sobald Pat. Bewegungen ausführt Anzeichen einer 
Atemnot stellen sich jedoch nicht einmal bei anhaltender 
Arbeit ein. — Referent hatte noch 2 Jahre lang Gelegenheit, 
den Pat. zu beobachten. Er tat seine Arbeit in der früheren 
gewohnten Weise und fühlte sieb durchaus gesund und 
leistungsfähig. 


Referent macht anf einige Eigentümlichkeiten des ipitge- 
teilten Krankheitsfalles aufmerksam. 

Beachtung verdient dleLagedesHerzensinnerhalb 
des geöffneten Herzbeutels. Sie entsprach vollstän¬ 
dig jener Beschreibung die S c h a p o s c h n i k o f f (ira Jahre 
1896) auf Grund seiner klinischen und experimentellen Stu¬ 
dien von den Beziehungen des Herzens sowohl zam perikar¬ 
dialen Exsudat wie zur vorderen Herzbeutehvand entworfen 
hat Dieser Forscher wies nämlich nach, dass das Herz kei¬ 
neswegs in die Tiefe des im Herzbeutel an gesammelten Er¬ 
gusses zu versinken pflege, sondern meist auf der Oberfläche 
desselben «schwimmend» anzutreffen sei und mit der vordereu 
Herzbeutelwand in fast unmittelbarer Berührung verbleibe. 
Mit diesen Untersuckungsergebnissen trat Schaposch ni- 
k o f f freilich in einen entschiedenen Gegensatz zu den bis 
dahin fast allgemein geltenden Anschauungen; doch haben 
neuerdings von verschiedenen Autoren unternommene Kontroll- 
ver-nche die Richtigkeit der von Schaposchnikoff ver¬ 
tretenen Ansicht bestätigt. Zudem sind sie sehr geeignet, 
einzelne längst konstatierte, bis dazu jedoch jeder plausiblen Er¬ 
klärung sich entziehende Fakta aus dem Gebiete der Pa¬ 
thologie der Perikarditis zu erklären. Erstens erklärt sich 
hieraus die garnicht seltene beobachtete Tatsache, dass 
trotz eines nachweislich existierenden beträchtlichen Perikar¬ 
dialexsudates, die Probepunktion ein negatives Resultat ge¬ 
geben hat; sodann werden nun auch jene Fälle verständlich, 
in deneD, trotz bestehenden Exsudates, Verletzungen des 
BerzenB bei der Probepunktion passierten und statt des erwar¬ 
teten entzündlichen Exsudates, reines Blut (ans dem rechten 
Herz Ventrikel) aus der TroicartcAnule herausfloss. 

In Hinsicht auf seine A e t i o 1 o g i e ist der referierte Fall 
insofern bemerkenswert, als er in einem ausgesprochenen 
Gegensätze zn der Genese der allermeisten Perikarditisfälle 
steht. Geht doch in der Regel dem eitrig-exsudativen Pro¬ 
zess im Perikard ein allgemein-infektiöses Grund- und All- 
gemeinleiden voraus; oder aber es bestand ein primärer ei¬ 
triger Prozess an einem der dem Perikardium benachbarten 
Organe (Lunge, Pleura, Mediastinum u. drgl.), zu welchem 
dann die Perikarditis als konsekutives Leiden hinzu kam. Im 
referierten Falle gab es jedoch gar keine ernsten Komplika¬ 
tionen seitens anderer Organe. 

Diesem Umstande ist es auch hauptsächlich zu verdanken, 
dass der Krankheitsverlauf des raitgeteilten Falles durch 
die Operation so günstig beeinflusst wurde. Aber noch ein 
anderes Moment kommt hierbei in Betracht: der Kranke 
wurde rechtzeitig operiert, d. h. zu einer Zeit, wo 
die Kräfte des Herzmuskels noch nicht im langen nnd ans¬ 
sichtslosen Kampf mit Fieber und im Organismus kreisenden 
Toxinen sich erschöpft hatten. Referent betont, dass es im 
Interesse der Kranken durchaus wünschenswert sei, dass 
die Operation sofort ausgeführt wird, sobald der 
den Krankheitsfall beobachtende Arzt (wol 
meist ein Therapeut) die Ueberzeugung oder 
auch nur den begründeten Verdacht ge¬ 
schöpft hat, dass es sich um einen Fall von 
eitriger oder fibrinös - eitriger Perikarditis 
handelt. Unter 41 Fällen von eitriger Perikarditis, die 
mittelst Herzbeutel8cbnitles behandelt wurden, trat Heilung 
In 19, Exitus letatis in 22 Fällen ein. Es unterliegt aber gar 
keinem Zweifel, dass die Genesnngsziffer eine ganz beträcht¬ 
lich bessere gewesen wäre, wenn viele aus der Zahl der le¬ 
tal verlanfenen Fälle rechtzeitiger, d. h. vor Eintritt des 
endgültigen Kräftezusammenbruches der Chirurg. Behandlung 
überwiesen worden wären. 

Zur Besprechung der Chirurg. Behandlungsmethoden über¬ 
gebend, besteht Referent darauf, dass die Parazentese 
des Herzbeutels, im Sinne eines Hülfsmittels 
znr Entfernung des Exsudates, vollständig 
aufgege'ben werde. In ihrer Anwendung ist sie ebenso 
unzuverlässig und unvollkommen, wie andrerseits auch gera¬ 
dezu gefährlich. Die Gefahren bestehen erstens in der Mög¬ 
lichkeit einer Verletzung und Eiterinfektion der gesunden 
Pleura; sodann läuft aber das Herz selbst Gefahr in der 
ernstesten Weise verletzt zu werden. Referent führt eine 
Reihe von Beispielen aus der Literatur zum Belege dieser 
Behauptungen an. 

Einzig und allein der Herzbeutelschnitt soll 
ausgeführt werden. Die Technik dieser Operation hat 
durch eine ganze Reihe sehr wertvoller topographisch-ana¬ 
tomischer, zum Teil auch experimeuteller Arbeiten, eine 
sehr detaillirte Bearbeitung erfahren; sie kann ohne jedes 
Risiko für die Kranken ausgeiiibrt werden. Faktum ist auch, 
dass in keinem der 41 Fälle von Perikardiotomie durch die 
Operation selbst den Kranken irgend ein Schaden zugefügt 
worden ist. 

Zum Schluss seines Vortrags giebt Referent eine kurze 
Schilderung der Operationsverfahren. Von den beiden bisher 
geübten Methoden der Perikardiotomie: Eröffnung des Herz¬ 
beutels durch einen Schnitt durch einen Zwischen!ippen- 


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2 ? 


raum hindurch und Eröffnung desselben nach Resektion ei' 
ne« Rippeuknorpels — ist unbedingt der letzteren der Vor¬ 
zug zu geben. — An» zweckmässigsten ist es, den VI. Rip¬ 
penknorpel zu resezieren, 'denn dann hat man die meisten 
Chancen den Herzbeutel im Bereiche ienea Abschnitte« zn 
erreichen, der in der Regel von den rleurarändern unbe¬ 
deckt bleibt. 

(Autoreferat). 

Diskussion: 

vVanacb: Als Heilmittel taugt die Punktion allerdings 
nicht, doch muss sie als diagnostisches Hülfsmittel bestehen 
bleiben. Ein seröses Exsudat wird man nicht operativ an- 
greifen, da es leicht resorbiert wild. Punktionen mit dünner 
aseptischer Nadel sind doch gewiss unschädlich. Die hänfig 
vorhandenen Adhäsionen brauchen nicht durch Punktion ent¬ 
standen zu sein, viel eher ist die Art des Exsudats dafür 
verantwortlich zu machen. Das günstige Resultat Ihrer Sta¬ 
tistik dürfte doch sehr trügerisch sein, da bekanntlich meist 
günstig verlaufene Fälle pnbliziert werden. Noch eine Schwie¬ 
rigkeit der Operation bildet die Nachbehandlnng; Tampons 
sind nicht anwendbar, Glas- und Gnmmirühren rufen leicht 
Dekubitus hervor, wobei durch ArroBion grosser Gefässe 
schwerste Blutungen entstehen können. Nur in den wenig¬ 
sten Fällen wird die Heilung eo schnell und glatt verlauten 
wie bei Ihnen. 

Heuking: Der Statistik habe ich keinen besonderen 
Wert beigelegt, doch glaube ich nicht, dass allzuviel Fälle 
verschwiegen werden. Nur gegen die terapeutische Punk¬ 
tion habe ich mich ausgesprochen. Die Probepunklion wün¬ 
sche ich nicht zu verwerfen. Ich sprach nur von der Te- 
rapie der eitrigen Perikarditis; doch habe M o s s e aus der 
König sehen Klinik auch bei serösem Exsudat inzidiert, da 
langdauernde Flüssigkeitsansammlungen durch die darin ent¬ 
haltenen Toxine zu Laesion des Herzens führen können. Die 
Heilnngsdauer ist allerdings gewöhnlich länger, doch muss 
trotzdem drainiert werden, Tampons führen sehr leicht zu 
Adhaesionen. 

Es ist allgemeine Annahme, dass Punktionen die Adhae- 
sionsbildung befördern; die Verhältnisse an der Pleura schei¬ 
nen in dieser Beziehung anders zu sein. 

Schmitz: Fanden Sie die grossen Venen am Herzen 
so staik erweitert wie das von andern Autoren beschrieben ist? 

H e u k in g kann darüber keine Angaben machen, da der 
Zustand des Pat. so bedenklich war, dass in grösster Eile 
vorgegangen werden musste. 

746. Sitzung vom 14. Oktober 1903. 

Präses : Schmitz. Sekretär: Voss. 

1. Bary: Einiges über Irrengesetze. (Wird im Druck er¬ 
scheinen). 

2. Moritz: Einige Ergebnisse von Blutuntersuchungen. 
(Wird im Druck erscheinen). 

Diskussion: 

WeBtphalen stimmt mit der vom Vortragenden ge- 
äusserten Ansicht, dass die pernieiöse Anaemie keine essen¬ 
tielle Krankheit sei, völlig überein; sie werde in letzter Zeit 
mit Recht auch auf Darmaffektionen zurückgefübrt. Die kern¬ 
haltigen roten Blutkörperchen scheinen allerdings von gün¬ 
stiger prognostischer Bedeutung zu sein; wo sie auftreten, ist 
die Regenerationsfähigkeit des Organismus nicht erschöpft. 
Die F a 1 q u i s t sehen Tafeln sind sehr gut zu brauchen, 
besonders in der SprechstundeDpraxis, um die zahlreichen Ner¬ 
vösen von der Bedeutungslosigkeit ihrer scheinbaren Anaemie 
zu überzeugen. 

Moritz: Die Fälle von pernieiöser Anaemie, wo die kern¬ 
haltigen, roten Blutkörperchen verschwinden, werden als 
schlimm angesehen. Fernandez hat im Experiment (bei 
Tieren) das Auftreten derselben bei einem Blutverlust, der 
einem '/m des Körpergewichts entsprach, nachgewiesen. 

U c k e hat in einer Arbeit von uaksimow die Angabe 
gefunden, dass die Lymphocyten als Urform anzusehen seien, 
er unterscheidet polynukleäre und Polyblnsten, zu denen 
auch die Wandei zellen etc. gehören. Die Kömelung und 
Färbbarkeit der Blutkörperchen scheint von den aufgeuom- 
menen und verdauten Stoffen abznhängen. 

Voss macht darauf aufmerksam, dass gerade bei Neura¬ 
sthenikern geringe Grade von Anaemie mit Herabsetzung des 
Haemoglobingehalt8 bis anf 70 und 80 pCt. der Norm, nach 
Angabe besonders amerikanischer Autoren nicht selten sei. 

Westphalen hält es für möglieh, dass manche Neura¬ 
stheniker blutarm sind, die meisten Nervösen aber von dem 
bekannten Typus mit Splanchnoptose, kalten Händen etc. 
zeigen durchaus keine haematologischen Abweichungen und 
sowohl Eisen und Arsen sind bei ihnen erfolglos. 

Fick: Klinisch sind doch bedeutende Unterschiede zwischen 
der lymphatischen nnd der Psendolenkämie, die Anklänge 
zum malignen Lymphom und Lymphosarkom Billroths hat, 
vorhanden. Bringt man sie einander nabe, so wäre die Pseu- 


doleukäroie als eine lokale, die lymphatische als eilte allge¬ 
meine Erkrankung, aufzufassen. Die Frage der Perityphlitis 
und der diagnostischen Veiwertung der Leukocytose ist aof 
einem der letzten Chirurgenkongresse in Berlin besprochen 
worden; das teoretische Interesse scheint das praktische zu 
überwiegen. Die Verfechter der Frühoperation sprechen sich 
dagegen ans, da der richtige Moment zum Eingriff versäumt 
werden könne, wenn mehrere Untersuchungen gemacht wür¬ 
den. Gerade die bösartigsten Fälle, wo keine Abszedierung 
stattflndet, erfordern ein schnelles Eingreifen. 

Dobbert: Auch für die Gynaekologie haben die Unter¬ 
suchungen anf Leukocytose Bedeutung gewonnen • einmalige 
Zählung hat wenig Werth, eine fortschreitende Vermehrung 
bei wiederholter Zählnng scheint einen progredienten Ver¬ 
lauf zu beweisen. Auch für die Differentialdiagnose zwischen 
Haematocelen und Eiteransammlnngen sind die bezüglichen 
Untersuchungen von Wert. 

Westphalen: Die Psendolenkämie lässt sich meistens 
sehr deutlich von der-Leukäinie scheiden, doch giebt es Fälle 
ohne Drüsentumoren wo lenkämische Bin (Veränderungen sich 
nackweisen lassen. Ein diesbezüglicher Fall wurde vor 
einiger Zeit im Alexander-Hospital beobachtet. 

Moritz: Bezüglich der Leukocytose bei Perityphlitis 
möchte ich mich dahin aassprechen, dass sie auftritr, wenn 
abgesackte Eiterungen vorliegen, ln Betreff Dr. F i c k s 
Ausführung zur Leukämiefrage bin ich der Ansicht, dass die 
Pseudoleukämie der lymphatischen Leukämie jedenfalls nahe 
verwandt ist. Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass 
bei beiden Krankheiten Wucherungen des lymphatischen Ge¬ 
webes stattfinden. Ist nnn das Knochenmark bei dieser 
Wucherung stark mitbeteiligt, so kann ein leukämisches 
Blutbild auftreten. Es sind somit beide Leukämieformen, die 
häufige sogen, «myelogene» sowie die lymphatische auf das 
Knochenmark zu beziehen. 


Zuschrift an die Fedaction. 


Da mein Vortrag auf dem IX P i r o g o w’schen Kongress 
in der Abteilung für Augenkrankheiten «Ueber die wün¬ 
schenswerte grössere Einschränkung des Gebrauchs von 
Atropin und mydriatischen Mitteln überhaupt» zu Missver¬ 
ständnissen unter den Kollegen Veranlassung gegeben hat, 
so ersuche ich alle Interessenten sich in die Ambulanz des 
Kreuzerhöhung8stifte8, Fontanka 154 bei der Kalinkin-Brücke, 
Dienst, nnd Freit. 10—11 Ü. M., bemühen zu wollen, wo ich 
die Anwednang meiner Thesen in der Praxis ad oculos de¬ 
monstrieren werde 
15. I./04 St. P., Ssadowaja, 60. 

Dr. K u b 1 i. 


Vermischtes. 


— Am 14. Januar vollendeten sich 25 Jahre des Be¬ 
stehens der Rassischen Gesellschaft ior 
Wahrung der Volksgesnndheit, welche sich 
grosse Veidienste auf dem Gebiete der Volkshygiene erworben 
bat. Die Gesellschaft verdankt ihre Gründang hanptaächlich 
dreien Männern, dem Leibmedicns Prot. Dr. Zdekaner, 
dem Professor der medico-chirurgischen Akademie Dr. Du¬ 
bios 1 a w i n und dem Sekretär der St. Pet. städtischen 
Medizinalverwaltnng Dr. J. Hübner, welche alle drei nicht 
mehr unter den Lebenden weilen. Ans Anlass des Jubiläums 
fand am Abend eine feierliche Sitzung der Gesellschaft statt, 
die von dem Präsidenten, Ehrenleibchirurgen Dr. Kudrin 
mit einer Ansprache eröffnet wurde, in welcher er einen 
Rückblick anf die Gründung and die Entwickelung der Ge¬ 
sellschaft warf. Sodann verlas der Secretär der Gesellschaft, 
Privatdocent Dr. Hubert, einen Bericht über die 25jährige 
Tätigkeit derselben. Die Gesellschaft bat unter anderem 

f egen 700 motivierte Antworten auf Aufragen verschiedener 
nstiiutiouen Über hygienische und sanitäre Angelegenheiten 
erteilt nnd in ihren zahlreichen Kommissionen mehr als 
3000 Sitzungen abgehalten. Um das Andenken ihres Begrün¬ 
ders and verdienstvollen ersten Präsidenten Dr. N. Z d e k a n - 
ers zn ehren, hat die Gesellschaft eine Prämie von 
100 Rbl. auf seinen Namen gestiftet, welche alljährlich der 
besten Arbeit hus dem Gebiete des Sauitätswesen zuerkannt 
werden soll. 

— Zwei Jubilare der Wiener medizinischen 
Facultät. Am 1. März n.St. begeht Prof. Dr. Winter- 
n i t z seinen 70. Gebartstag und zwei Tage später 
Prof. Dr. W ei n 1 echner seinen 75. Gebortstag. Kr» 
sterer bat sich qm die Hydrotherapie, als deren wiasen- 


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schafllicher BegrAnder er angesehen werden kann, grosse 
Verdienste erworbeu, der Zweite, welcher in diesem Jahre 
auoh sein öOjähriges Doktorjobiläum feiert, ist eine Reihe von 
Jahren an der Wiener Universität als Professor der Chirurgie 
tätig gewesen nnd hat anch eine grosse Anzahl wissen* 
schaftiicher Arbeiten veröffentlicht. 

— Zmn Dekan der Berliner medizinischen Fakultät ist an 
Stelle des verst. Professors J o 11 y der Professor der Augen¬ 
heilkunde Dr. Michel gewählt worden. 

— Der Gebülfe des Oberarztes des St. Petersburger Obu- 
cbowhospitals, wirkl. Staatsrat Dr. Troja now, Ehren¬ 
mitglied der militär-medicinischen Akademie und beratendes 
Mitglied des Medizinalrats, ist zum Mitglieds des 
Konseils der Kais. Philantropischen Gesell¬ 
schaft ernannt worden unter Beförderung zum 
Geheimrat und Belassung in den übrigen von ihm be¬ 
kleideten Aemtern und Würden. 

—Befördert: Zu wirklichen Staatsräten 
— die Professoren Malinowski (Chirurg) in Kiew, Knr- 
1 o w (Therapeut) in Tomsk und Tschirikow (Pharmacie 
und Pharmakognosie) in Charkow. Zu Staatsräten — 
der Konsultant des Wilnaschen Militärhospitals Dr. Gru - 
bert und der Brigadearzt der Ussuri-Eisenbahnbrigade Dr. 
Lankowski. 

— Der Assistent der Nervenklinik der Odessaer Univer¬ 
sität Dr. J a n i s c h e w s k i hat sich als P r i v a t d o z e n t 
für Nervenkrankheiten daselbst habilitiert. 

— Zum Generalinspektor des französischen 
Sanitätswesens ist an Stelle des vor Kurzem verstor¬ 
benen Prof. Pronst der bekannte Hygieniker Prof. Ciian- 
t e m e 8 s e ernannt worden. 

Verstorben: 1) Am 12. Januar in St. Petersburg der 
wirkliche Staatsrat Dr. N i k o I a i Winter im Alter von 
65 Jahren. In St. Petersburg geboren und erzogen, wid¬ 
mete er sich dem Studium der Medizin an der damaligen 
medico-chirurgischen Akademie, welche er 1865 mit dem Arzt¬ 
grade absolvierte. Seine praktische Tätigkeit begann er als 
Arzt des hiesigen Marienhospitals für Arme, musste jedoch 
1883 diese Stellung wegen Krankheit aufgebeu. Nach zwei¬ 
jährigem Aufenthalt in der Schweiz kehrte er nach Peters¬ 
burg zurück und wurde Consultant für Nervenkrankheiten an 
der Heilanstalt des Bettlercomit6s, an welcher er später als 
Direktor fungierte. Seit dem Jahre 1897 beschäftigte sich 
Dr. Winter ausschliesslich mit Privatpraxis, vorzugsweise 
mit Nervenkrankheiten nnd Elektrotherapie. 2) In St. Pe¬ 
tersburg der frühere Militärarzt Victor Semenow im 
68. Lebensjahre. Als Arzt ist S. seit 1867 tätig gewesen. 
3) In Samara der ältere Arzt der 3. Reserve-Artilleriebrigade 
Dr. Romuold Castelli an Apoplexie im Alter von 56 
Jahren nach fast 30-jährigen Dienst als Militärarzt. 4) ln 
Breslau der Geheime Medizinalrat Dr. Ewald Wolff im 
Alter von 88 Jahren. Er war einer der ersten, der die 
Schieioperation unternahm. Seine Schrift «Die sichere Hei¬ 
lung des Schielens nach den neuesten Erfahrungen» (1841) 
erregte ihrer Zeit Aufsehen. 5) Am 14. Januar n. St. der 
emeritierte Professor der Balneologie an der Wiener Univer¬ 
sität Dr. Joseph Seegen in nahezu vollendetem 82. Le¬ 
bensjahre an den Folgen einer Lungenentzündung. Der Hin¬ 
geschiedene war von 1853 bis 1884 Badearzt in Karlsbad und 
erfreute sich als Baineotherapeut eines Weltrufs. Von seinen 
grösseren Publicationen nennen wir: «Die Zuckerkrankheit», 
«Heilquelletilehre», «Das Karlsbader Mineralwasaer», «Aus¬ 
scheidung des Stickstoffes». 

— Die Woronesh’sche Gouvernements-Landschaftsversamm- 
lung hat beschlossen, für jeden der sieben Kreise 
einen Sanitätsarzt anzustellen und für diesen 
Zweck 18,200 Rbl. jährlich angewiesen. 

— Von derKiewer medizinischen Facultätist 
ein Concurs zur Besetzung der vacanten Lehr¬ 
stühle der speziellen Pathologie und Therapie, 
sowie der Diagnostik der inneren Krankheiten 
ausgeschrieben. Die Gesuche sind bis zum 15. März c. ein- 
zureicben. 

— Auf Initiative des in Jalta besitzlichen Moskauer Arztes 
Dr. P. A. S c h i r j a j e w ist von einer Gruppe Jaltaer Aerzte 
die Errichtung eines Sanatoriums für Aerzte am 
Südufer der Krim projektiert und sind zu diesem Zweck von 
den Jaltaer Aerzten bereits 12,525 Rbl. aufgebracht 
worden, darunter 5000 Rbl. von Dr. Schirjajew und 
2000 Rbl. von Prof. B o b r o w (Moskau). Nach dem Projekt 
sollen in dem Sanatorium Aerzte Aufnahme finden, die eine 
Kur in der Krim gebrauchen müssen. Nach Massgabe des 
Raumes sollen auch Studenten und Studentinnen der Medi¬ 
zin, die vier Kurse absolviert haben, aufgenommen werden. 

— Am 10. Januar gelangte vor dem Petersburger Bezirks¬ 
gericht die von dem vielgenannten Burjäten Badmajew, 
der sich hier als «tibetanischer Arzt» ungehindert mit der 
Behandlung der verschiedensten Krankheiten beschäftigt, 
gegen den Militärarzt Dr. K r a i n d e 1 angestrengte V e r - 


leuradungsklage zur Verhandlung. Letzterer batte 
in der Zeitung «Nowosti» einen Artikel veröffentlicht, in 
welchem er eine Charakteristik der ärztlichen Tätigkeit 
Badmajews gab und ihre traurigen Folgen Bebilderte. 
Unter Anderem hatte Badmajew den am Krebs verstorbe¬ 
nen Musikprofessor van Ark mehrere Jahre behandelt uud 
sich nicht nur höchst indifferent gegen das Leiden, son¬ 
dern auch hartherzig gegen deu Kranken benommen, 
indem er ihm keine Hülfe erwies und anderen Aerzten 
den Zutritt zu ihm verwehrte. Der Verteidiger Dr. Krain- 
dels, Rechtsanwalt 0. Grusen borg betonte in seiner 
Rede, wie wir einem ausführlichen Referat des «Heroli» ent¬ 
nehmen, dass solche Pfuscher, wie Herr Badmajew, sich 
in allen Gebieten unseres Lebens eingenistet haben und dass 
Dr. Kraindel sich ein grosses Verdienst dadurch erwor¬ 
ben habe, dass er diesen Pfuscher an den Pranger gestellt 
hat, was schon längst hätte geschehen sollen. Das Gerieht 
fällte nach 12-stündiger Verhandlung der Sache ein frei- 
sprechendes Urteil bezüglich Dr. Kraindels. 

— Der Verwaltung der Moskauer Universität veröffentlicht 
ihren Dank und zugleich das namentliche Verzeichnis der¬ 
jenigen Personen, welche die Miitel znm Bau der Klinik 
für Krebskranke gespendet haben. Die Spenden ergaben 
über 400,000 Rbl. 

— Im Alter v o n 110 J a h r e n ist in Brighton der 
Landmann Charles Green gestorben. Er hat bis zu sei¬ 
nem 92. Jahre auf dem Felde gearbeitet. Obgleich er in der 
letzten Zeit halb blind und halb taub war, so hat er sich bis 
vor 6 Monaten noch selbst an- und auskleiden können. 

— Prof. Dr. L a 8 8 a r hat in. der Berliner medizinischen 
Gesellschaft einen Schimpansen gezeigt, der nach Einimpfung 
von menschlichem Sypbilisvirus unzweideutige Zeichen dieser 
Krankheit aufweist. Hierdurch werden die gleichlautenden 
Mitteilungen aus dem Institut Pasteur zu Paris bestätigt. 

Bf. 

— Die'G esammtzahl der Kranken in denCivil- 
bospitälern St. Petersburgs betrug am 3. Jan. 
d. h. 8867 (236 mehr als in d. Vorw.), daranter 427 Typhös — 
(6 wen.), 837 Syphilis — (10 mehr), 204 Scharlach — (9 mehr), 
102 Diphtherie — (5 wen.), 104 Masern — (13 wen/) und 34 
Pockenkranke — (9 mehr als (in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 28. Dec. 1903 bis 3. Januar 1904. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 






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14 21 

59 

67 

69 58 58 

40 15 

1 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 15, Febris recurrens 2, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 3, Masern 16, Scharlach 10, 
Diphtherie 11, Croup 0, Keuchhusten 6, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 25, Erysipelas 3, Grippe 3, Cholera asiatlca 0, 
Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheuma¬ 
tismus 1, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und Septlcaemie 10, 
Tuberculose der Lungen 97, Tubercnlose anderer Organe 27, 
Alkoholismus und Delirium tremens 10, Lebensschwäche und 
Atropbia infantum 56. Marasmus senilis 27, Krankheiten des 
Verdauungscanais 65, Todtgeborene 31. 


Näohste Sitzung des Vereins St Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 20. Jan. 1904. 

Tagesordnung: 1)H. Westphalen: Einiges über 
Stenokardie nnd Claudication inter- 
mittente. , , 

2) W. Lange: Ein Fall von klinischer 
Syringomyelie. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 

Vereins: Montag den 9. Februar 1904. 


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seus und der Infiltration); Pruritus und Urticaria (sofortige juckstil- 
lende Wirkung); parasitäre Darmatosen wie: Scabies (Einreibung mit 
grüner Seife, nach 1 Stunde Bad, vollsiftndige'Einreibung mit Thigenolum 
purum, abends 2. Tbigenoleinreibung. In 2 Tagen Heilung); Favus etc.: 
Akne; gynäkologischen Affektionen wie: Endo-, Para- und Perime¬ 
tritis, Beckenexsudate, als 10-20 °/o Thigenolvaginaltampons oder 
Soppositorien ä 0,30 Rheumatismus (Einreibungen mit Thigenol, Chloro¬ 
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gesetzlich geschützt sind, stehen den Herren Aerzten auf Wunsch gern zur Verfügung. 





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der Nebennieren. Entdeckt 1 
im Jahre 1900 durch Dr. J. Takamine, unter dessen persönlicher 
Leitung es jetzt ausschliesslich durch unsere Firma PARKE, DAVIS 
ic Co in Detroit (Ver. St. von N.-Amerika) hergestellt wird. Adre¬ 
nalin (Takamine) ist nicht gütig, reizt die Gewebe nicht, ist be¬ 
ständig und hat keine cumulative Wirkung. Therapeutisch findet 
Adrenalin Verwendung zur Blutstillung, localen Anaemisierung und zur Hebung 
der Herztätigkeit. Bei kleinen chirurgische^ Eingriffen verhindert es die Blutung. 
Der nie dagewesene Erfolg des Adrenalin in der Medicin hat zu Nachahmungen 
und Fälschungen unseres Präparats Veranlassung gegeben; dieselben tragen 
ähnliche Bezeichnungen, doch beziehen sich alle günstigen, bisher veröffentlichten 
Gutachten auf unser Original-Adrenalin (Takamine). 


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Asthma, Epilepsie etc. Ein wichtiger Vorzug vor dem Cocain 
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Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt Aber zur Zeit dienst« 
freie Pfleger und Pflegerinnen fBr die 
private Krankenpflege (gegen Zahlnig 
von 50 Cop.). 


Adressen von Krankenpflegerinnen; 

Pran Marie Kubern, Qr. Stallhofstr. 
Haas d. Finnischen Kirche 6 — 8 ,Q. 19 . 

Luitgart Heimberger, Bac. Ocrp., 6 
abh., x- 29 , kb. 13 . 

Blise Blau, JlaroBCKaa 58 , kb. 15 . 

Alexandra Xasarinow, HiKoxaeBcsaa 
yx. x. 61 , kb. 32 . 

Fran H&senfues, Mas. iloiiiqacB. x- 14 
SB. 15. 

Frau Minna Bieser geb. Franke .Ora- 
pufi neTeprotpcKifl npoen. x. JÄ 16 - 
kb- 28 , y Hobo KaxBHKBBa moctb. 

Fran Tursan, CnaccKaa 31 , kb. 6 . 

Fraa Oatharine Miohelson, Farap>B- 
cKaa yxHua x. 30 , kb. 17 . 

Fran Adelheid von Fersen, Catba- 
rinencanal 81 , Q. 20 . 

Schwester Oonat. Schmidt, IleTQpß. er 
MaTBfeeBCKaa ya.,x- 9 , kb. 20 . 

Frau Elvine Juokam, Bac ocrp., Cp. np. 
X- JlHxaqeßa Xi 29 , 5 -hB Koppixopi. 
KOMHaTa X) 229 . 

Sophie Hafthai. Bac. ocTp. TyqKOBi nep. 
7 , kb. 5 . 

Oxsra CBiTxoBa, CeprieBCK., x- 17 , kb. 19 


Dieser .Nit liegt ein Prospect Uber «Frotylin „Roche“* bei. 



.APBB.neaB.Cn6., 20 HaBapa 1904 r. Herausgeber Dr. Rudolf VVanar.h. Bucbdrnckereiv. A. Wienecke. Katharinenliofer Pr.XIJ6. 


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UtNERAL LI8RAH», 
UNIV. OF Micn. 
MAY 4 1904 


XXiX. JAHRGANG. 



Nene Folge XXI. Jairfg. 


HEDIGINISGEE WOCEENSGIEIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.— Der Abonnamentapreis ist in Bussland8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
fürdie 3inal gespaltene Zeilen inPetitist !6Kop. oder 35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikelzugesahdt. 
— Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


W&~ Abonnements «Aufträge sowie alle Inserate 'W 

bittet man ausschliesslich ah die Buchhandlung von JLL. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky Prospect .Ns 14, zu richten. — Jf anus- 
oripte sowie alleaufdie Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden RedacteurDr.Budolf Wa- 
naoh in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag.Mittwoch u.Freitag yon2—3Uhr. 


n 4 


St. Petersburg, den 24. Januar (6. Februar). 


1904 . 


Inhalt: Dr. Ernst Hoerschelmann: Ueber die Formaltabebandlnng der puerperalen Sepsis. — Dr. ined. E. Jür¬ 
gens: Ein Fall von Ozaena mit tötlichem Ansgange. — Referate: Lundborg: Die progressive Myoklonns-Epilepsie. — 
AIbers-Schönberg: Ueber eine bisher unbekannte Wirkung der Röntgenstrahlen anf den Organisrans der Tiere. — 
Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. —- Der IX. Kongress der Gesellschaft Russischer Aerzte 
zum Andenken an N. J. Pirogow in St. Petersburg. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Peters¬ 
burgs. — Anzeigen. 


Ueber die Formalinbehandlunfl der puerperalen 
Sepsis. 

!- Von 

Dr. Ernst Hoerschelmann. 

Rappin (Livland). 


Vor einigen Monaten ging durch die Tagespresse die 
sensationelle Nachricht Dr. B a r r o w s in New-York hätte 
durch Einspritzung von Formalinlösung in die Armvene 
einen Fall von schwerer puerperaler Sepsis geheilt. Die 
Arbeit B a r ro w s war mir in don «therapeutischen 
Monatsheften» vom März nnd April dieses Jahres im 
Referat zugänglich. Dr. Charles Barrows wandte 
das Verfahren zuerst im Dezember vorigen Jahres im 
Bellevne-Hospital in New-York bei eiuer Negerin an. 
Bei der Aufnahme der Patientin am 25. Dezember, hatte 
sie eine Temperatur von 40,0®, innerhalb der nächsten 
24 Stnndeu stieg sie weiter auf 41,7. Nun machte 
Barrows am rechten Arm eine intravenöse Einsprit¬ 
zung von 600 Kubikcentimeter einer Formalinlösuug von 
1 zq 6000 physiologischer Kochsalzlösung. Bald nach 
der Injektion fiel die Körpertemperatur; am nächsten 
Tage war sie 38,3. Am 2. nnd 3. Tage stieg die Tem¬ 
peratur wieder an und im Blute konnten Streptokokken 
oacbgewiesen werden. Es wurden jetzt 760 Kubikoen- 
timeter der gleichen Formalinlösung in die linke Arm* 
vene injiciert, darauf gingen Körpertemperatur nnd Puls 
innerhalb weniger Stunden zur Norm zurück uud die 
Patientin genas. Ebenso günstig war das Resultat bei 
einer weissen Frau, die der gleichen Behandlung unter¬ 
worfen wurde. Die Behandlungsmethode ist, soweit mir 
bekannt, bisher in Europa nicht nachgeprüft worden. 

Im Juli dieses Jahres hatte ich Gelegenheit ebenfalls 
einen Fall von puerperaler Sepsis mit Formalin zn be¬ 
handeln. 

Am & Juli trat in Hospitalbebandlung die 24jährlge Estin 
Rosaiie P. Patientin ist verheiratet, Primigravida ira 7. Monat- 
Aus der Anamnese ist hervorzulieben, dass sie bereits Kinds¬ 


bewegungen verspürt hatte, in letzter Zeit hätten dieslben 
aber anfgebört und fühlte sie sieb seitdem nicht vollkommen 
wohl; sie klagt über allgemeines Unbehagen nnd glanbt, 
sich bei der Henarbelt za viel getan zn haben. Früher ist 
sie immer gesund gewesen. Tags vor der Aufnahme begannen 
Schmerzen and entleerte sich missfarbenes Frnchtwasser. Pa¬ 
tientin ist von kräftigem Körperbau, Zeichen von Lues sind 
nicht vorhanden. Alle 5 Minuten treten deutliche Wehen 
auf. Der Uterus entspricht dem 7. Lnnarmonat, Kindsteile 
sind nicht deutlich palpabel, Bewegungen nnd Herztöne fehlen. 
Nach Aufnahme der Anamnese nnd stattgehabter äusserer 
Untersuchung wurde Patientin ein einziges Mal unter allen 
erforderlichen Kautelen der Anti- nnd Asepsis von mir inner¬ 
lich untenacht. Cervix verstrichen, Muttermund für zwei 
Finger durchgängig, Kopf tief im Becken, grosse Fontanelle 
rechts vorne, Blase gesprungen. Um 7*4 Ohr nachmittags 
erfolgt spontan die Gebart eines Foetas sangainolentds weib¬ 
lichen Geschlechts and entleert sich dabei übelriechendes 
Fruchtwasser. Der Damm bleibt intakt Die Nachgeburt 
zögert, sie wird nach zwei Standen durch den Cre- 
d ersehen Handgriff exprimiert and stinkt ebenfalls. Tem¬ 
peratur gleich nach der Geburt 37,0. 

Am Nachmittag des folgenden Tages, am 9. Juli, steigt 
die Teioper&inr unter Schüttelfrost anf 40,2, der Puls auf 
148 Schläge. Es wird eine Uterasspülnng mit Borsäure mit 
vorangehender Lysolspülnag der Vagina unter allen Kaatelen 
vorgenommen; innerlich wird Secale verabfolgt, anf den 
Leib ein Eisbeatei ordiniert. Danach tritt eine vorüberge¬ 
hende Temperatnrsenknng anf 38,1 eiu. Ara zweiten Tage 
des Wochenbettes bobe Temperaturen and 3 heftige Schüt¬ 
telfröste. Wegen des stinkenden Ausflusses werden noch 
einige vorsichtige Lysolspülangeo der Vagina gemacht- Am 
12. Juli mehrfaches Erbrechen und Auftreteu heftiger Diar- 
rhoeen. Leib sehr druckempfindlich, Z mge trocken, der Pnls 
dikrot, es werden 120 und mehr Schläge in der Minute ge¬ 
zählt. Patientin ist nnrnhig and macht einen schwer septi- 
schon Eindruck. Am 13. Juli, also am 5. Tage des Wochen¬ 
betts, wird Nachmittags nach eingehender Beratung mit Herrn 
Kollegen Dr. H a m m e r beschlossen, bei der Patientin die 
Formalinbehandlcng nach Barrows zu versuchen. Ans 
änsSeren Gründen entschieden wir ans aber für eine rektale 
Eingiessnog- Kurz vorher erhielt Patientin per us 9 Tropfen 
Opinmtioktnr. Dann wurde dar Irrigator mit 600 Kublkcen- 
timeter einer circa lprozentigen Kochsalzlösung gefüllt nnd 
derselben 8 Tropfen Formalin-Schertng zngesefzt. (Formalin- 
Scberiog ist eine 4prozentige wässrige Formnldehydlösung;. 

Die Dosis wählten wir stärker als Barrows, welcher 
0,1 Fonnalin auf 500 Wasser injiziertet da wir bei der rek- 


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tRlen Applikation auf eine weniger energische Wirkung rech* 
neten uud aosserdem auf Verloste durch Stnhldrang gefasst 
sein mussten. Um 8 Uhr Abends erhielt Patientin das 
Klysma sehr langsam — innerhalb eiuer halben Stande — 
nnter minimalem Druck appliziert and nahm zunächst das 
ganze Quantum in sich anf. Erst 10 Minuten nachher er* 
folgte etwas Stahl, wobei etwa ein Vierteil, höchstens ein 
Drittteil der eingefübrten Formalinlösnng retournierte. Un¬ 
mittelbar nach der Etngiessnng wurde eine Temperatur von 
89,7 gemessen- Um 10 Ubr Abends, also nach 2 Stunden, 
ist die Temperatur 40,0, der Puls 123, doch will Patientin 
sich subjektiv besser befinden, besonders sollen die Schmerzen 
im Leibe nachgelassen haben. Nachts anfangs starkes Hitze* 
get'Uhl, daun Ansbrncb eines kolossalen Scbweisses, so dass 
Wäsche und Bettlaken gewechselt werden mussten- Um 
8 Uhr Morgens ist die Temperatur 97.1, der Puls 103. Es 
besteht subjektives Wohlbefinden, nur bat der heftige Schweiss 
ein Gefühl von Mattigkeit hervorgerufen. Schmerzhaftigkeit 
des Leibes fast ganz geschwunden, nur noch einmaliges Er¬ 
brechen. Von da ab ist Patientin fünf Tage lang entflebert 
Die weitere Therapie ist ganz indifferent: es wird etwas 
Wein gegen die anfänglich noch bestehende Schwäche nnd 
Tannalbin gegen die noch einige Tage anhaltenden Diar* 
rhoeen verabfolgt. 

Vom 11. WocbenbettBtage an bestehen wieder mftssige Tem¬ 
peratursteigerungen. Am 12. Tage wird Patientin auf ihren 
diiugenden Wunsch nach Hause entlassen. Ich habe sie 
dann noch zwei Mal zu Hanse besucht. Am 15- Tage mass 
ich Abends 38,8 bei subjektivem Wohlbefinden aber noch be¬ 
stehender massiger Diarrhoe. Am 21 Tage ist die Tempe- 
latur Abends 36,8 und Patientin völlig genesen. 

M. H., ich verschliesse mich der Thatsache nicht, 
dass es ein missliches Ding wäre ans der Behandlung 
eines einzigen Falles weitgehende therapeutische Schlüsse 
za ziehen. Immerhin erscheint mir das zeitliche Zu¬ 
sammentreffen elnps vollständigen Umschwunges im 
Krank hei tsYerJanf mit der eingeleiteten Formalintherapie , 


beachtenswert und halte ich mich nach der gemachten 
Beobachtung für berechtigt, die Behandlungsmethode 
den Kollegen zur Nachprüfung zu empfehlen, i Dass das 
Formalin kein indifferentes Mittel ist und ihm eine be¬ 
deutende baktericide Kraft innewohnt, ist hinlänglich be¬ 
kannt. Ueber die Wirkung intravenöser Formalininjek* 
tionen bei Gesunden liegen Selbstversuche von Dr. 
Maguire aus Londoo vor, über welche letzterer im 
Dezember 1900 in der Zeitschrift «Lancet» berichtet 
hat. Bei Injektion von 100 Kubikcentimeter einer Lö¬ 
sung 1 Formalin auf 800 Wasser trat eine Stunde 
später vorübergehend Eiweiss im Urin auf. Bei 263 
Kubikcentimeter der gleichen Lösung traten krampfartige 
Schmerzen und nervöses Unbehagen in der Brust und 
Herzgegend auf; der Urin war vorübergebend blutbaltig. 
Bei einer Lösung von 1 Formalin anf 4ü0 Wasser wa¬ 
ren die Schmerzen und das Scbwflcbegefühl so stark, 
dass nicht mehr als 63 Kubikcentimeter eingespriut 
werden konnten. 

In dem von mir beobachteten Fall handelte es sieb 
um ein kräftiges Individuum und kam es, wie erwähnt, 
durch Stuhldrang zu einem tellweiseu Verlust der ein' 
gespritzten Lösung. Trotzdem war die Reaktion über 
Erwarten heftig. Zur Nachprüfung möchte ich daher 
eine etwas schwächere Dosis empfehlen und zwar fol¬ 
gende Zusammensetzung: Klysma von 600 Kübikcenti* 
meter gekochten Wassers mit einem halben Theelö“ 61 
Salz und 5 Tropfen Formalia-Schering. 


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H~h 









































































































































































































































































































88 


Ein Fall von Ozaena mit tätlichem Ausgange. 

Von 

Dr. raed. E. Jürgens. 

Warschau. 

Die grosse Seltenheit* der Fälle, wo Ozaena zur di¬ 
rekten Todesursache wurde, bestimmt mich nachstehen¬ 
den Fall der Oeffentlicbkeit zu übergeben. 

In klinischer Beziehung kann ich über den Fall nnr 
wenig bringen. Der Kranke wurde am 15. Oktober 1899 
Morgens in besinnungslosem Zustande eingeliefert. Der 
Kranke war sehr unruhig, phantasierte und delirierte. 
Die Pupillen waren erweitert; Atmung 80, Puls 120 
pro Minute, sehr gespannt, Temperatur 30,5. Am Abend 
des Tages trat der Tod ein. 

Vermutet wurde, der Tod sei in Folge von Meningitis 
nach schwerem Typhus eingetreten, denn die Begleitungs¬ 
mannschaft des Kranken, die ihn ablieferte, hatte dies« 
bezüglich freilich sehr ungenaue Angaben gemacht. 

Die Sektion am folgenden Tage ergab Folgendes : der Leich¬ 
nam ist von grossem Wüchse, gnt entwickeltem Knochen- und 
Mnskelsystem. Haut nnd Schleimhäute sind blass, leicht bläu¬ 
lich verfärbt. Totenflecke sind an den tieferliegenden Körper¬ 
teilen au bemerken. Die Augenlider sind geschlossen, die Pu¬ 
pillen beider Angen gleichförmig nni ein wenig erweitert. 
Zwischen den Schulterblättern and unterhalb derselben, auch 
am Baneb zeigte die H&nt dnrchgelegene Stellen, die mit ei¬ 
nem Schorfe bedeckt sind nnd ziemlich oberflächlich liegen. 
Der Sebädel ist brach ycephalisch, die Dicke der Schädelkno¬ 
chen 3—6 mm. Die Befasse der harten Hirnhaut sind blut- 
überfüllr, die Hirnhaut ist leicht gelb verfärbt. 

Im grossen venösen Blntleiter der hatten Hirnhaut fand 
sich dnnkel-kirschfarbeues Blnt, fibrinöse Massen nnd ßlutge- 
riusel. ln den Blutleitern der Schädelbasis fand sich Blnt der¬ 
selben Art Die Oefässe der harten Hirnhaut der Schädelba¬ 
sis sind biutiiberfiillt Die Gefässe der weichen Hirnhaut sind 
massig bluterfüllt. Die Hirnhaut ist trübe, namentlich im Ver¬ 
laufe der Oefässe. Die Hirnhant lässt sich von der Hirnsub¬ 
stanz ohne Schwierigkeit abzieheo, sie ist d a r c h fc rä n k t 
von Eiter. 

Die Eiterdnrchtränknng betrifft namentlich das Gebiet des 
Srirnbirns nnd der Hirnbasis- Die Hirnsubstanz ist von mitt¬ 
lerer Konsistenz, die Schnittfläche ist blassrosa Tivid, etwas 
feucht. Aus den Schnittflächen der Oefässe treten Blntpnnkt- 
chen in geringer Menge. Der Boden des 4. Ventrikels ist in 
geringem Grade oedematös, die Striae acnstlcae sind deutlich 
aasgeprägt. Die Schnitte des Kleinhirns zeigen dieselben Er¬ 
scheinungen wie das Oro8sbirn. Die Zange ist trocken, hat 
einen dünnen granen Belag. Die Tonsillen sind vergrössert, 
fest, enthalten etwas Eiter. Die hintere Rachenwand ist livid, 
zeigt eine Menge fester blasser Granulationen. Der Eingang 
in den Kehlkopf ist etwas oedematös. Die Wände des Kehl¬ 
kopfes sind bedeckt von dickem grünem Eiter. Die Schleim - 
hant der Trachea nnd der Bronchen ist hyperämlscb, bedeckt 
von einer geringen Menge schleimig-eitriger Flüssigkeit. Die 
rechte Lange ist in ihrer ganzen Ansdehnung mit der Plenra 
costalis durch fibröse Stränge verwachsen. Das Gewebe bei¬ 
der Longen ist für Lnft durchgängig, blutreich, namentlich 
in den hinteren Teilen etwas oedematös. Im Herzbeutel finden 
sich etwa 20 Ccm. belier seröser Flüssigkeit. Die Oberfläche 
des Herzens ist trübe, die Fettschicht genügeud entwickelt. 
Auf der Rückfläche finden sich eine Menge punktförmiger 
Blntaustritte. Die Länge des Herzens beträgt 11,0 Cm., die 
Breite 13,0 Cm. Der rechte Ventrikel ist erschlafft, in ihm fin¬ 
den sieh fibrinöse Massen nnd Blutgerinsel vor. Die Dicke 
seiner Wandung beträgt 3 mm. Der linke Ventrikel ist blass 
und leer, seine Wandstärke beträgt etwa 1 mm. An der In¬ 
nenfläche der Aorten wand fanden sich einzelne sklerotischo 
Flecken. Der Herzmuskel ist welk, pastös, die Schnittfläche 
trübe, mit Speckglanz und gelblicher Verfärbnng. Die Milz 
ist vergrössert, ihre Kapsel gespannt, das Gewebe rötlich- 
violett, weich, »teilweise dunkel-kirschfarben, anfgelockert. 
Die linke Niere ist von mittlerer Grösse, ihre Kapsel lässt 
sieb leicht abzieheu. Die Rindenscliicht lässt sich von der 
Markschiebt auf der Schnittfläche leicht ablöscn, sie ist meist 
grangelb. Auf der Innenfläche des Nierenbeckens finden sich 
Blntaustritte in grosser Menge. Auf der Schnittfläche sieht 
man deutliche Anzeichen von Stauung. Aus den Papillen 
lässt sich eine trübe blassgelbe Flüssigkeit attsdrücken. In 
der rechten Niere finden sich dieselben Erscheinungen, wobei 
die Stannngsanzeichon hiev noch deutlicher ausgeprägt sind. 
Die Kapsel lässt sich nur mit Teilen der Rindensnbstanz zu¬ 
gleich abziehen. 

Die Bauchspeicheldrüse ist schlaff, die Schnittfläche zeigt 
Siaunngsersclieiiiungen, die Driisenläppchen sind etwas atro¬ 


phisch. Die Leber Ist vergrössert, (n der Gallenblase flnde- 
sfeh dnnkelgrane flüssige Galle. Das Lebergewebe ist blut¬ 
reich, schlaff, anf der Schnittfläche glatt, mit gelblicher Fär¬ 
bung, die mehr an der Leberoberfläche liegen. Die Leberläpp¬ 
chen sind blassrot, an der Oberfläche etwas eingedrückt. Die 
Blase ist gedehnt mit Harn gefüllt. Die Mesenterialdrüsen 
sind etwas vergrössert, anf der Schnittfläche blassrot, blnt- 
reich. Die MagenschleimhaÄ zeigt punktförmige Bin taostritte, 
Ihre Falten haben sich anf einer beträchtlichen Strecke ge¬ 
glättet; die Schleimhaut ist stellweise atrophiert Die Schleim¬ 
haut des Zwölffingerdarmes ist verdickt und aufgelockert. Die 
Darmschleimhant ist Im Debrigen hyperämisch, besonders im 
Dickdarm, wo die solitären Follikel angeschwollen sind. Auch 
die Peyerschen Plaques sind augeschwollen. Der Warzen¬ 
fortsatz hat cellnlären Ban. Die Schleimhaut der Nase nnd 
des Nasenrachenraumes ist stellweise atrophisch, stellweise 
anfgelockert, bedeckt von stinkenden Borken und schmieri¬ 
gem klebrigem Eiter, unter welchem sich zahlreiche Geschwüre 
der Schleimhaut finden. In den Zellen des Siebbeins findet sioh 
dicker grüngelber Eiter, namentlich auf der linken Seite. Das 
Siebbein ist von der Schädelkapselseite her bedeckt von Elter. 

Die pathologisch-anatomische Diagnose lautet: Leptomenin- 
gitfs purnl. ac. sinnsitis pttrnl. ossis. frontal. Ozaena chronica 
ulcerosa. Pharyngitis chronica granulosa. Bronchitis catarrhal. 
ac. hyperaemia pulmonum. Pleuritis adhaesiva chronic, dextr. 
Myocarditia parenchymatosa acuta. Hyperplasia lienis. Nephri¬ 
tis parenchymat. dnpl. c. hyperaemia renum venös. Hepatitis 
interstit. Degenerat. hepat. adipös, incip. hypertrophic. Hyper¬ 
aemia roucos. intest. Hyperplas. glandolar. mucos. intest 
grad. parv. Hyperplas. glandalar. mesenter. grad. parv. 

Die Todesursache wird aas dem Sektioasprotokolle 
ersichtlich; es ist die eitrige Basalmeniagitis, die 
durch Fortpflanzung des Eiters au9 den Siebbeinzeilen 
entstanden ist. Der Eiter hier hat seinen Ursprung von 
den Eiterraassen auf der geschwürig zerfressenen Nasen¬ 
schleimhaut genommen. Der Fall zeigt, wie notwendig, 
trotz der geringen Aussicht auf völlige Heilung, doch 
eine sorgfältige Behandlnng von Ozaena ist, da eine 
direkte Fortpflanzung anf das Gehirn den Tod herbei- 
führen kann, ganz abgesehen von den Unbequemlichkei¬ 
ten, die der Krankheitsprozess dem Kranken an nnd für 
sich verursacht. 


Referate. 


Lundborg. Die progressive Myoklonus-Epilepsie (Un- 
verricht’s Myoklonie). 

Vor etwa V/t Jahren habeich in dieser Wochenschrift eine 
Arbeit desselben Verfasser*s besprochen, die sich mit der fa¬ 
miliären Myoklonie befasste. Die nene ausführliche 
Darstellung verdient in vieler Reziehnng Beachtung, da sie 
QQ8 die Myoklonie in neuem Lichte, im Lichte der nahen Ver¬ 
wandtschaft mit der Epilepsie zeigt. In der ersten Veröffent- 
lichnng war die genetische Einheit der Myoklonie mit 
Tetanie, Basedow, Paralysis agitans, Katatonie kurz 
allen Krankheiten, die Beziehungen znr Struma zeigen, be- 
banptet worden. Hier entwickelt L. die Anschauung, dass es 
sich bei Un verricht ’s Myoklonie um eine enge Vermi¬ 
schung ans gleichen Bedingungen hervorgehender Epilepsie 
mit Myoklonus handle. Die Krankheit ist familiär, entwickelt 
sich typisch, indem Anfangs nächtliche epilepti-tetanieforme 
Anfälle anftreten, zu denen sich allmälig blitzartige Muskel- 
zuckungen gesellen, die unregelmässig anftreten, durch Bewe¬ 
gungen verschlimmert werden, im Schlafe abnehmen oder ver¬ 
schwinden. Nach Jahren ansser nutrititiveu Störungen 
(Schweiss, Salivation) zunehmende Verblödung, Halluzinatio¬ 
nen, Verwirrtheitszustände, Marasmus und Tod. Pathologisch¬ 
anatomisch ist die Krankheit noch recht dunkel. Aetioiogisch 
will Verf. eine endogene Intoxikation verantwortlich machen, 
die in engeu Beziehungen zur Gl. Thyreoidea zu stehen scheint. 
Ansser vielen anderen ähnlichen Krankheiten, verweist L. 
auf dio Verwandtschaft der Myoklonie mit der Myotonie, wo¬ 
mit beim Zusammenhang der Tetanie and der Myotonie, eine 
ganz interessante Gruppierung entsteht, da zweifelsohne auch 
Tetanie nnd Epilepsie oft nicht nur zufällig bei einander ge¬ 
troffen werden. Voss. 

Albers-Schönberg. Ueber eine bisher allbekannte 
Wirkung der Röntgenstrablen anf den Organismus 
der Tiere. (Münchener med. Wochenschrift Nr. 43). 

Wenn man männliche Kaninchen oder Meerschweinchen 
längere Zeit einer inteusiven Einwirkung von Röntgenstrah¬ 
len aossetzt, verlieren dieselben die Fähigkeit sich fortzn- 
pflanzen. Das körperliche Wohlbefinden leider dabei ebenso- 


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86 


wenig, wie der Geschlechtetrieb nnd die Kopnlationsfähigkeit. 
Diese infolge der Bestrahlung suftretende Sterilität ist dnrch 
Nekrospermie, welche nach einiger Zeit in absolute Azoosper¬ 
mie übergeht, bedingt. 

Es wurden mit 11 bestrahlten männlichen Tieren 14 Paa¬ 
rungen mit rinbestrahlten WeibcheD vorgenommen. Die Tiere 
blieben bis zu 5 Monaten zusaminfeu, ohne dass ein einziges 
Junge geworfen wurde. Hierbei mnss erwähnt werden, dass 
einzelne der weiblichen Meerschweinchen vor der Versnchs- 
zeit von anbestrahlten Männchen belegt, bereits geworfen 
hatten. Von den 11 Männchen wurden 8 seziert, wobei sich 
ergab, dass 1P5 Minuten Bestrahlung noch nicht zur abso¬ 
luten Azoospermie führte, während eine Einwirkung der 
Röntgenstrahlen von 377 Minuten an aufwärts völlig genügte. 
Die Kiste in der sich die Versuchstiere befanden, wurde auf 
ein Stativ befestigt und unter dem Segeltucbboden eine 
Gundelach ’sche Danerröhre derart angeordnet, dass der 
Abstand der Röbrenwaud von der Bauchhaut der Tiere 17 
cm. betrug. Weyert. 


Protokolle desVereins St. Petersburger Aerzte. 

747. Sitzung vom 28 Oktober 1903. 

Vorsitzender: Schmitz. Sekretär Voss. 

1. Hohlbeck demonstriert einen Kranken mit Litt 1 e - 
scher Krankheit, an dein verschiedene Operationen zu 
einer bedeutenden Besserung der Gebfähigkeit geführt (Wird 
im Druck ei scheinen). 

2. V 08 8 : Ueber hysterisches Fieber. (Wird im Druck er¬ 
scheinen). 

Diskussion: 

Dr. Peters fragt ob Vortragender die Temperaturen per 
rectum gemessen hat? 

Voss: Nein. 

Peters glaubt nicht genug zur Vorsicht mahnen zu 
müssen bei Beurteilung solcher Temperaturkurven wie Vor¬ 
tragender sie vorgelegt hat. Weise er es doch ans eigener 
Erfahrung, wie leicht hysterische Personen zu Betrug greifen 
und gefälschte Temperatnrziffern geben, und wie leicht solche 
zn beschaffen sind, selbst wenn die Messungen in Gegenwart 
des Arztes, aber nicht von ihm selber ausgeführt werden. 
Dazu geuügt einige Male auf das obere Ende des Thermo¬ 
meters zn klopfen, oder dasselbe in der Achselhöhle zu 
reiben, dnrch drückende nnd reibende Bewegungen des Ober¬ 
armes gegen den Thorax oder denselben beim Abwendeu des 
Gesichts des Beobachtenden durch ein Licht zn ziehen oder 
in ein nahestehendes Gefäss mit heissem Wasser zu stecken 
und sofort wieder in die Achselhöhle zu praktizieren und die 
Quecksilbersäule hat sich um einige Zehntel oder gar um 
einige Grade auf eiumal gehoben. 

ln zwei Fällen solchen rätbselhaften Fiebers bei hysteri¬ 
schen Knaben von 15 resp. 18 Jahren, welches das eine mal 
3 Monate dauerte, beim anderen 10 Tage ist es Peters ge¬ 
lungen dasselbe sofort dadurch zum Schwinden zu bringen, 
dass er dieTemperatui messnngen erst durch die Patienten selber 
in seiner Gegenwart ausführen liess, und als dieselben bei 
dem einen 38,5, beim andern 42,8 ergab, sofort darnach eine 
Koutrolmessnng p e r r ec t u in ansführte. Es erwies sich 
36,9 und 37,3! Von solchen Patienten hat Peters anch 
die Geständnisse wie solche «Fieberzustände» beschafft werden. 

A 1 b a n u s: In den von Voss beobachteten Fällen han¬ 
delt es sich erstens nm eine Person, die an Metritis nnd 
Flnor albus litt, wo also eine organische Ursache vorbanden 
war, zweitens aber um eine Kranke deren Oedeme mit Herz¬ 
klopfen nnd Atemnot sehr an Nierenaffektionen denken 
lassen. Noch kürzlich beobachtete ich einen solchen Fall, 
wo ich fast das Opfer eines groben Betrugs geworden wäre, 
die Kranke sieckte das Thermometer in eine unter ihrem 
Arm befindliche Tasse mit heissem Wasser. 

Kallmeyer erinnert daran, dass er in seinem Vortrage 
vom 28. April d. J. zn gegenteiligen Schlüssen gekommen 
ist. Die Existenz eines genuinen hysterischen Fiebers will 
er nicht anerkennen, das Fieber hat immer eine organische 
Ursache. Die bei Hysterischen in einigen Fällen beschrie¬ 
benen Hypertermien coincidierten mit organischen Erkran¬ 
kungen uud sprechen, falls Täuschungen ausgeschlossen sind, 
höchstens dafür, dass Hysterische auf Krankheitsursachen 
anders reagieren als nicht Hysterische. 

Auf den Vortrag von Voss eingehend betont Kall¬ 
meyer, er selbst hätte s. Z. nur der wichtigeren Fälle aus 
deu letzten 10 Jahren Erwähnung getan. Dass Deutsch¬ 
land zn wenig Hysterische hat, um in dieser Frage entschei¬ 
dend mitzureden, halte er für unwahrscheinlich. Der vom 
Vortragenden citierte Fall Hitzigs bestätigt die Behaup¬ 
tung Kallmeyers, dass in keinem Falle, wo ein sog. 
hysterisches Fieber beobachtet worden sein soll, eine ander¬ 
weitige organische'Erkrankung fehlte. Aach in den 2 eige¬ 
nen Beobachtungen des Vortragenden konnte im ersten Falle 


die Metritis oder ein versteckter Abszess das kai-zdancufc 
Fieher erzengen, im 2. Falle lag offenbar eine Erkranktes 
des Nierenbeckens oder der Niere vor. 

Die 2 Fälle eigener Beobachtung von S arbo (in der Arl^it 
Kallineyers sind fehlerhaft erweise 5 genannt) »in4\i 
keiner Art überzeugend. Was dea Mierze|ewski'icVi 
Fall betrifft, so lag dort doch eine ' Hystero-Epilepiie nack 
dessen eigener Bezeichnung vor. Dass bei epileptischen Ai- 
fällen Tempera»nrsteigerungen verkommen steht fegt pj, 
Hystero-Epilepsie ist kein veralteter oder unzulässiger Re, 
griff; die Form an sich ist in der Hospitalpraxis keine $;!•! 
tenheit. Krafft-Ehing, Kräpelin. Jolly n. Aj 
erwähnen die Hystero-Epilepsie in ihren Werken. Letzt»*** 
schreibt in «Krankheiten des Nervensystems» 1900 (Ek-I 
steins Handbuch der prakt. Med.): «Es eiebt Fälle in denn 
zweifellos Miscliformen beider Arten (sc. Hysterie und Ew- 
lepsie) von Anfällen Vorkommen! Charcot hat sich n» 
direkt für die Existenz eines sog. hysterischen Fiebers aas- 
gesprochen, sein Schüler P i n a r d jedoch absolut dageea 

v. Leyden, Erb, Strümpell. Schulze, Mei¬ 
de 1, Enlenbnrg erwähnen es überhaupt nicht, od« 
sprechen sich gegen das Bestehen eines solchen ans. Ick 
bin ln der Lage folgenden Brief als Ansdruck der Ansicht 
Prof. Eulenburgs mitteilen zu können: «Ich teile 
ganz Ihre Ansicht, dass es ein genuines hysterisches Fieber 
nicht giebt, und geben kann. Ich halte es aber anch nickt 
für unbedenklich, der Annahme zuzustimmen, dass das aif 
organischer Ursache beruhende Fieber durch die Hysteris 
eine Steigerung oder «Potenzierung» erfahren könne. Den» 
wenn man das Zustandekommen einer Hypertermie in dr 
artigen Fällen auf Grund hysterischer Beeinflussung zn:e 
stehen will, so ist nicht abzusehen, warum nicht conseqoei 
terwelse durch hysterische Beeinflussung ans einer snbnor 
malen Temperatur eine normale, aus einer normalen aber ein 
hypertermische sollte hervorgehen können. Ans der Mehr¬ 
zahl der mitgeteilten Einzelfälle lässt sich wohl gar nicht» ■ 
schliessen. Die hohe Temperatur in dem ersten Kobler 
sehen Falle dürfte wohl mit den heftigen Krampfanfällen der 
grande Hysterie in Zusammenhang stehen. Es heisst liier: 
«principiis obsta», damit die Irrlehre vom hysterischen Fieber 
nicht weiter einwurzle». 

Die anderen vom Vortragenden angeführten Gesichtspunkt 
bedürfen einer Einschränkung. Sollte eine nervöse Irrittb« 
bei Hysterischen schon Fieber erzeugen können, so mnsiie 
letzteres dnrch Brompräparate zn beeinflussen sein, w*i bis¬ 
her noch nicht erwiesen ist. Dass bei dem sogen, bviicn 
sehen Fieber Körpergewichtsverluste fehlen sollen, wie »tat 
anderen Fieberarten die Regel sind, wird wohl von eis«« 
Beobachtern behauptet. Das würde nur noch beweisen, 
wir es mit dem hysterischen Fieber nicht ernst zu nehmea 
brauchen. Spielt da nicht der bekannte Egoismus der Hystc- 
rischen eine Rolle mit? . 

Andererseits wissen wir, dass der Abmagerung Fiebern« 
durch die moderne Ernährungstherapie etc. bedeuten« 
Schranken gesetzt werden können, und dass gewisse Kran« 
trotz danernder Fieberbewegnngen nicht unbedeutend an w 
wicht zunehmen können. — Die PAthogenese der KrankH» 
kommt erst dann in Betracht wenn letztere Bürgerrecht er 
worben hat. Wie schwierig und selbst für deu geübtest» 
Untei sueber unmöglich es sein kann in gewissen Fällen ew 
Erklärung für ein bestehendes Fieber zu finden beweis« 
n. A. die Fälle, die Prof. H e u b n er 1899 im 64 BaDde de» 
deutschen Archivs für klin. Medicin, beschrieben bat. 

Man kann nach alledem den Satz anfstellen: Hystenscn 
gehören nur so lange ins Gebiet der Neuropathologie als 8 
fieberfrei sind. Mit Beginn eines Fiebers muss der fall »■ 
Weiterbehandlung dem in Betracht kommenden Speziaiar 
übergeben werden. .... 

Prof. Peterseu: Die Prüfung der Hauttempera 
könnte man doch als ins Gebiet der Dermatologie g®“° 
betrachten. Anch ich habe vor längerer Zeit im E* aD y ,| 
sehen Hospital einen znm hysterischen Fieber gehörigen r 
beobachtet, wo Sioffwechseluntersnchnngen sogar eine 
minderte Harnstoffansscbeidung erwieseu. Es bestehen * 
fellos enge Beziehungen zwischen Haut- nnd Nervensyswi- 
demnächst werde ich einen Fall von Pemphigus vulgwia 
monstrieren, bei dem Temperatursteigeruugen beobaci 
wurden. jj e 

Kernig weist aut die grossen Schwierigkeiten h 1D > ob 
sich finden in der Beurteilung der vorliegenden Drage¬ 
es ein hysterisches Fieber giebt. Sie liegen zum Teil a ' 
dass immer wieder dem einzelnen behaupteten Fall von 
sterischem Fieber gegenüber die Frage aufgeworfen we 
kann, ob anch alle heute zu Gebote stehenden diagnosttsc^ 
Methoden und Mittel in umfassender und erschöpfender »> .j 
znr Anwendung gekommen sind, und zum anderco 
darin, dass hier die Diskussion in das Gebiet der ärz“ 
Fehldiagnose streift, also nur allzuleicht persönliche u ”, 
berührt werden können. Kernig selbst verhält 8 , vgte , 
schieden ablehnend gegenüber der Aufstellung eines 


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3T 


rischen Fiebers. Trotzdem er nnn seit 39 Jahren, wie einem 
(Trossen Teil der Anwesenden wohlbekannt ist, Immer and 
immer wieder. Tag für Tag sich hat mit der Aufgabe be¬ 
fassen müssen, an fiebernden Kranken der Ursache des Fie¬ 
bers im klinischen Sinne nachzngehen, trotzdem Tausende 
und aber Tausende von Fieberkranken jeglicher Art durch 
seine Hände gegangen sind, sieht er sich heute in der Lage 
erklären zu müssen, dass er noch keinen einzigen Fall von 
hysterischem Fieber gesehen hat. 

Alle Schwierigkeiten, die sich in einzelnen verwickelten 
Fällen einer speziellen Diagnose entgegenstellen, kommen hier 
in Betracht und es hiesse die gesammte Pathologie durch¬ 
gehen, um ans den Einzelheiten nachzuweisen, wo Alles 
etwaige Fieberursachen stecken können. Als eine solche Ra¬ 
rität citire ich folgenden Fall, den ich mit Herrn Dr. Pendln 
noch in der Vortuberkultn-Zeit beobachtet habe. Es tritt 
eine Frau mit hohem Fieber in das Hospital und stirbt naeb 
etwa 8 -10 schweren Fiebertagen, ohne dass wir zu einer 
Diagnose kommen können. Bei der Sektion erweist sich ein 
alter Käseherd in der einen Niere, eine frische miliare Tn- 
berknlose der ßlasenscltleimhaut in der Gegend des Trigonnm 
und eine akute miliare Tuberkulose der Leber. 

(Schluss folgt). 

Der IX. Kongress der Gesellschaft Russischer Aerzte zum 
Andenken an N. J. Pirogow in St. Petersburg. 

Die Pirogowkongresse erfreuen sich einer immer zunehmen¬ 
den Beteiligung der russischen Aerzte ans allen Teilen des 
Reiches. Das konnte man schon am Vorabend des diesjähri¬ 
gen IX. Kongresses bei der gegenseitigen Begrtissung der 
Mitglieder in der militär-medizinischen Akademie bemerken, 
wo die Anla nnd die anstossenden Räume kaum die Zahl der 
Erschienenen fassen konnten and das Gedränge sowie die 
Lufttemperatur in den Ränmen einen bedenklichen Grad er¬ 
reichten. 

Vorbereitet war der Kongress in diesem Jahre von dem 
Organisationskomitä, welchem der Gehülfe des Ministers des 
Innern Dr. Lukjanow (als Präsident), der Sanitätsarzt der 
St. Petersbnrger Landschaft Dr. E. Dmitriew (als Sekre¬ 
tär), Dr. A. Trojanow (als Kassirer), Dr. P. B u 1 a t o w 
(als Redakteur der Druckschriften des Kongresses), sowie die 
Professoren der militär-medizinischen Akademie Dr. Ssiro- 
t i n i n und Dr. S c li i d 1 o w s k i angehörten. recht sorgfäl¬ 
tig. Namentlich war in dankenswerter Weise das ausführliche 
Verzeichnis der angemeldeten Vorträge mit Autoreferateu 
und Thesen derselben, sowie die motivierten Beschlüsse der 
von früheren Kongressen zur Untersuchung verschiedener 
Fragen niedergesetzten Kommissionen in Heften zusammen- 
gesteilt, die jedem Mitgliede beim Empfange der Mit¬ 
gliedskarte eingehändigt wurden. Nur das Tageblatt entsprach 
nicht ganz den Anforderungen. 

Die feierliche Eröffnung des Kongresses erfolgte am 4. Ja- 
nnar im grossen Adelssaale durch den Präsidenten des Orga- 
nisationskomitäs. Ministergehiilfen Dr. S. Lukjanow, mit 
einer Ansprache, in welcher er darauf hinwies, dass nun 
schon zum neunten Mal die russischen Aerzte von allen En¬ 
den des Reiches zu einem allrussischen medizinischen Kon¬ 
gress zusammengeströmt seien nnd wiederum das Andenken 
des unvergesslichen Lehrers, des ausgezeichneten Gelehrten 
und allgemein anerkannten Humanisten Pirogow gefeiert 
werde. Die Eröftnnng des IX. Pirogowkongresses falle zeit¬ 
lich mit einer ganzen Reihe von Spezialkongressen, darunter 
auch zweien medizinischen, fast zusammen. Ohne jedoch auf 
diese letzteren eifersüchtig zu sein, hätten die Mitglieder des 
Pirogowkongresses vielmehr allen Grnnd sich zu freuen, dass 
die russischen Aerzte sich im Stande fühlen, eine so grosse 
Arbeitskraft zur Befriedigung der vielgestaltigen medicinisch- 
sanitären Bedürfnisse ihres Heimntslandes zu entfalten. 

Man könne sich hier durch den Augenschein davon über¬ 
zeugen, dass das Wachstam unserer ärztlichen Krätte nicht 
dem Wachstum der anderen Kniturfaktoren nachsteht und 
darin dürfte man die beste Gewähr für die weitere erfolgrei¬ 
che Entwickelung der russischen Medizin sehen. Eine beson¬ 
dere moralische Befriedigung gewähre anch die Tatsache, 
dass der IX. Pirogowkongress neben den Repräsentanten un¬ 
serer medizinischen Hochschalen nnd den zahlt eichen For¬ 
schern auf dem Gebiet der normalen nnd pathologischen Bio¬ 
logie eine grosse Zahl von praktischen Aerzten, namentlich 
aber anch viele Landschaftsärzte und andere beamtete Aerzte 
angelockt habe, denen es viel schwerer falle, als vielen ande¬ 
ren, sich auch nur für verhältnissroässig kurze Zeit von der 
alltäglichen Arbeit loszureissen. Der Präsident schloss seine 
Rede mit dem Wunsche, dass der gegenwärtige Kongress eine 
würdige Fortsetzung der vorhergegangenen und eine wahr¬ 
haft nützlicher Vorläufer für die zukünftigen Kongresse sein 
möge. — Nachdem sodann die Vertreter verschiedener Insti¬ 
tutionen Begrüssungsworte au die Versammlung gerichtet 
hatten, verlas der Sekretär des Organisationskomitös Dr. E. 


Dmitrijew den Rechenschaftsbericht, ans dem unter Ande¬ 
rem hervorging, dass dem Kongress als S n b s i d i e n ange¬ 
wiesen worden waren: vom Ministerium der Finanzen — 5000 
Rbl., vom Ministerium des Innern — 3000 Rbl. nnd vom Mi¬ 
nisterium der Volksaufklflrung — 3000 Kbl. Ausserdem hatten 
die St. Petersburger Duma 1500 Rbl. und die St. Petersbur¬ 
ger Landschaft 300 Rbl. zur Herausgabe der Arbeiten des 
Kongresses bewilligt. Es folgte nun die Verkündigung des 
Resultates der Wahlen des Ehrenvorstandes des Kongresses. 
Gewählt waren znnt Ehrenpräsidenten — Prof. W. Rasu- 
m o w s k i (Kasan): zum Vicepräsidenten — Dr. M. P e t r un¬ 
ke w i t s c h (St. Petersburg!; zu Sekretären — der Privatdo- 
cent. Dr. G. Gabritschewski (Moskan) nnd der städti¬ 
sche Sanitätsarzt Dr. N. W a s s i 1 j e w s k i (Odessa). — Nach¬ 
dem nun Prof Rasnmowski als Ehrenpräsident den Vor¬ 
sitz übernommen, hielten noch die Professoren Djakonow 
(Moskau) und Chlopin (Odessa) Vorträge, ersterer «Ueber 
das Regime' der chirurgischen Kranken» und letzterer über 
das Tema: «Besitzt der Alkohol nährende Eigenschaften?». 
Beide Vorträge worden wegen der angünstigen Akastik des 
Saales und der wenig durchdringenden Stimmorgane der Red¬ 
ner wohl nnr von den Nähersitzenden verstanden. Hiermit 
schloss die erste allgemeine Sitzang. -- Am Abend desselben 
Tages veranstaltete die Stadtverwaltung zo Ehren der Kon¬ 
gressmitglieder einen Rout mit splendider Bewirtung im Du- 
ma8aale. 

Am 5. Januar nahmen die Verhandlungen in den 27 Sektio¬ 
nen des Kongresses, welche in den verschiedenen Auditorien 
der militär-medizinischen Akademie untergebracht waren, ihren 
Anfang. Die Sitzungen dieser Sektionen waren stets stark 
besucht, viele Auditorien geradezu überfüllt, da sich, wie es 
schien, auch nicht znm Kongress gehörige Personen aus Neugier 
zu den Verhandlungen einfanden. In einigen Sektionen, wie 
z. B. in der. für soziale and Landschaftsmedizin, war der An¬ 
drang ein so grosser, dass die Sitzungen derselben in die 
Aula der Akademie verlegt werden mussten. 

Mit dem Kongress war auch eine Ausstellung verbunden, 
die aber insofern nicht ihrem Zweck völlig entsprach, als sie 
nicht iu einem Lokal, sondern in 14, meist Weit von einander 
entfernten Lokalitäten der Akademie, des Plrognw-Museums 
und des Instituts für Experimental-Medizin untergebracht war. 

Am 11. Januar versammelten sich die Mitglieder des Kon¬ 
gresses zur Schlusssitzung im Adelssaale. Der Ehren¬ 
präsident Prof. Rasnmowski eröffnete die Sitzung mit 
einigen dem Andenken des während der Kongresszeit an der 
Pest verstorbenen Veterinärarztes Tnrtschino witsch- 
Wyschnekewitsch gewidmeten warmen Worten, wo¬ 
rauf die Anwesenden das Andenken des Verstorbenen durch 
Erheben von den Sitzen ehrten. Es erhob sich nun Prof. 
Tarclianow (St. Petersburg), um in glänzender, weit ver¬ 
nehmlicher Rede die Bedeutung der radioactiven Strahlen in 
der Biologie nnd Medizin zu schildern. Den zweiten Vortrag 
hielt Prof. S. Lewascbew (Kasan) über «Die sozialen Auf¬ 
gaben der klinischen Medizin in XX. Jahrhundert». 

Redner legte seinem Vorträge die Geissei der Menschheit — 
die Tuberkulose, sowie die schlechte Organisation unserer 
Kurorts nud Mittel zur Bekämpfung dieser Geisstd zu 
Gründe. Die Natur habe Russland in seinem Südwestteile ei- 
nen gesegneten Winkel zur erfolgreichen klimatischen Behand¬ 
lung der Schwindsucht gegeben, dazu komme noch das unver¬ 
gleichliche Heilgetränk — der Kumyss. Aber diese kombi¬ 
nierte Behandlung sei bei uns unglaublich liederlich einge¬ 
richtet. Dort, wo schon längst ein Weltkurort hätte errich¬ 
tet werden müssen, herrschten bei uns noch: Schmutz, Unbe¬ 
quemlichkeit, Verfälschung des Kumyss und andere Wider¬ 
wärtigkeiten. Es wäre daher eine der nächsten Aufgaben 
der Medizin des XX. Jahrhunderts die gründliche Reorga¬ 
nisation unser Kumysstherapie, wozu sich Regierung und Ge¬ 
sellschaft mit den Aerzten zusaramentun müssten. 

Znm nächsten VersammlQDftior tim Jahre 1906 
wurde Moskau gewählt und zu Gliedern der Verwaltung 
die DI)r. G. Gabritschewski, J. W. Popow, P. Kor- 
k i n, Rein und M o 1 k o w in Moskau, sowie Dr. J. A. Dmi¬ 
trijew in St. Petersburg erwählt. 

Dass auf dem Kongress fleissig und eifrig gearbeitet wor¬ 
den ist, dafür spricht auch die Zahl der Sitzungen und wis¬ 
senschaftlichen Mitteilungen: es sind 2 «allgemeine und 177 
Sektionssitzungen abgehalten und in ihnen 368 wissenschaft¬ 
liche Mitteilungen gemacht worden. Die Zahl der Kongress¬ 
teilnehmer belief sich auf 2136 Personen. 

Nachdem nun der Ehrenpräsident allen Institutionen nnd 
Personen, die znm Gelingen des Pirogow-Kongresses beige- 
trageu, gedankt und den Bericht über den Kongress verlesen 
hatte, brach er die Sitzang mit der kurzen Erklärung ab, 
dass aus besonderen Gründen die Beschlüsse der einzelnen 
Sektionen des Kongresses nicht verlesen werden können, was 
bei einem Teil der Anwesenden Zeichen des Unwillens her- 
vorrief. B e r n li o f f. 


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Vermischtes. 


— Am 17.,30 Januar beging der bekannte Pathologe Prof. 
Pr. F». Nenmann In Kftniesberg Reinen 7ft. Geburtstag. 
N.. welcher I. J. 1855 die Doktorwürde erlangte, ist von 1859 
bis 1903 an der Königsberger Universität, anfangs als Pri¬ 
vatdozent, dann als Professor der pathologischen Anatomie 
tätig gewesen. Seine Forschungen über das Blut, die Na¬ 
tur von Geschwülsten, über Fntzfindnngen n. a. m. haben 
ihm einen Namen in der Pathologie gemacht. 

— Der Professor des klinischen Instituts der Orossfnrstin 
Helene Pawlowna und klinische Professor beim Peters- 
bnrger Nikolai-Militärhnsnital», wirkl. Staatsrat Pr. K o - 
«tenitKch. ist zum Direktor und Oberarzt des 
St. Petersburger Angen hogpitals ernannt wor¬ 
den. nnter Belassung in den von ihm eingenommenen Stel¬ 
lungen. 

— Der Ptof. ord. der Syphflidolngie nnd Dermatologie an 
der militär-medizinischen Akademie. Staatsrat Pr. Th. P. 
Pawlow, ist zum beratenden Miteliede des 
militär-medizinischen gelehrten K o mit 6 8 er¬ 
nannt worden, nnter gleichzeitiger Belassung in dem Amte 
eines ordentlichen Professors. 

— Dem Direktor des Institut» für ex nerimen teile Theranie 
in Frankfurt ». M., Prof. Dr. Pan 1 Ehrlich ist von der 
Universität Chicago das Diplomeines Doktor jnris 
honoris cansa übersandt worden. 

— Der bekannte Gynäkologe Prof Dr. Hnfmeier in 
VVfirzbnrg ist von der italienischen Gesellschaft für Gebnrts- 
httlfe nnd Gynäkologie znm Ehrenmitgliede gewählt 
worden. 

— Wie wir dem «Reg.-Anz.» entnehmen, ist an der Univer¬ 
sität Jnrjew (Dorpat) der Prof ord. der Chirnrgte Dr. 
Driishinin auf seine Bitte wegen Krankheit verab¬ 
schiedet und Dr. Rostowzewals ausserordent¬ 
licher Professor der operativen Chirurgie 
angestellt worden. 

— Der seit dem Tode Gassenhauers erledigte Lehr¬ 
stuhl der Chirurgie ander Wiener Univer¬ 
sität ist jetzt definitiv dem Professor Dr. Julius Ho¬ 
henegg überfragen worden. H., welcher erst 44 Jahre 
zählt, ist. ein Schüler B i 11 r n i h s und A 1 b e r t s und er¬ 
hielt schon i. J. 1891 als Ahtheilungsvorstand für Chirurgie 
an der Poliklinik den Titel eines ordentlichen Professors. 

— Der Professor der Psychiatrie Dr. Emil Kraepelin 
in München (fittherbekanntlich in derselben Stellung in Dor¬ 
pat) hat, wie die «A m. C.-Ztg.» berichtet, eine längere For¬ 
schungsreise nach der Siidsee nnd Ostasien angetreten, am 
die dort auftretenden Geisteskrankheiten und ihre Bedingun¬ 
gen, insbesondere auch ihren Zusammenhang mit Alkohol- 
Schädlichkeiten und anderen hygienischen Fragen zn stndiren. 
Die Leitung der psychiatrischen Klinik hat für diese Zeit der 
Piivatdocent Dr. Gudden übernommen. 

— Bisher wurden als mntmassliche Nachfolger des ver¬ 
storbenen Berliner Professors auf dem Lehrstuhl der Psychia¬ 
trie Prof. B i n ? w a n g e r fJena) nnd Prof. Kraepelin 
(München) bezeichnet. Wie jetzt verlautet, hat die medizi¬ 
nische Fakultät den Professor der Univ. Halle, Dr Theo¬ 
dor Ziehen in Vorschlag gebracht. 

Verstorben: 1) In Warschau Dr. Th. R ft h r im 42. 
Lebensjahre. Der Verstorbene, welcher seit 1892 praktizierte, 
war früher Arzt an der Weichselbahn in Twangorod. 2) In 
Rostow am Don Dr. Gustav Sarser im Alter von 73 
Jahren nach mehr als oOjähriger ärz 1 lieber Tätigkeit. 3) 
Am 13. Jan. n. St. in Wien der Professor extraord. der Bal¬ 
neologie und Klimatotherapie au der Wiener Universität. Dr. 
Conrad Clar im 60. Lebensjahre. Im Sommer fnngirte 
er als Kurarzt nnd Leiter der Kuranstalt in Gleichenberg. 
Prof Clar hat sich nm den wissenschaftlichen Ausbau der 
Balneologie und Klimatotherapie erosse Verdienste erworben 
nnd ist auf diesen Gebieten vielfach liteiärisch tätig gewe¬ 
sen. 4) In Amsterdam am 2./15. Januar Dr. Peypers, 
der sich durch die Begründung der Zeitschrift «.Janus» um 
die Pflege der Geschichte der Medizin und medizinischen 
Geographie verdient gemacht hat. Er ist nur 48 Jahre alt 
geworden nnd übte seit 20 Jahren in Amsterdam die Praxis 
aus. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind zn er¬ 
wähnen seine Studien zur Geschichte der Syphilis. 5) In 
London Dr. John T hornton, chirurgischer Konsultant 
am Samaritan Hospital im Alter von 58 Jahren. Er war 
viele Jahre Assistent von Spencer Wells und einer der 
errten Chirurgen, die nach Li sters Prinzipien operirten. 

— Das Projekt der Reorganisation der Zentralorgane des 
Ministeriums des Innern ist vor Kurzem im Reichsrat ge¬ 
prüft nnd, wie verlautet, ohne wesentliche Aenderungen an¬ 
genommen worden. Das zu dem genannten Ministerium ge¬ 
hörige Medizinaldepartement wird nach diesem Pro¬ 
jekt in eine Verwaltung des Obe rmedizina In¬ 


spektors um gewandelt, der In der dritten Rang¬ 
klasse stehen wird. Alle Angelegenheiten örtlichen Charak¬ 
ters werden einer besonderen Abteilung der Hauptverwal¬ 
tung für wirtschaftliche Angelegenheiten übertragen, wäh¬ 
rend alle Sanitätsangelegenheiten von allgemein staatlicher 
Bedeutung nnd die Angelegenheiten des lirspektorats über 
das medizinische Personal der Verwaltung des Obermedizinal¬ 
inspektors überwiesen werden. dem zwei Gehfilfen zur Seite 
stehen Gleichzeitig hiermit ist auch die Reorganisation 
des Medizinalrats angenommen worden, dessen Koin- 

f ietenz erweitert wird. Was das Veterinärwesen anbe- 
angr, so bleibt es fürs erste in bisheriger Weise dem Vete- 
rinärkomit£ unterstellt. 

— Der frühere Moskauer Kliniker, Prof. emer. Dr. A. Os- 
t. roumow schenkte vor Kurzem der Stadt Such nm (im 
Kutaisgebiet' ein vollständig eingerichtetes Krankenhaus 
im Werte von 100.000 Rbl. Neaerdings hat wieder seine 
Gemahlin dieser Stadt ein neu erbaotes Gebärasyl mit 
allem dazu gehörigen Inventar znm Geschenk gemacht. 

— Zu einem Monat Gefängniss ist der Druckerei- 
besitzer Batterwort. hin Manchester verurteilt wor¬ 
den, weil er keinen Arzt zur Behandlung seiner 10-jährigen 
Tochter, die sich das Schlüsselbein gebrochen hatte, hinzuzog, 
sondern nach Amerika an den bekannten Vertreter der «christ¬ 
lichen Wissenschaft» Mr. Do wie kabelte, er möge seine 
Tochter darch telegraphische Gebete heilen. — In Chemnitz 
ist dagegen ein Gesundbeter wegen Betrugs za 2 Jahre n 
6 Monaten Zuchthans verurteilt worden. 

— Epidemiologisches Die Pest wütet in ganz 
Indien mit ungeschwächter Intensität fort: in, der ersten 
Dezemberwoche v. J. sind dort 17295 Personen der Seuche 
erlegen. Auf der Insel Formosa kamen vom 1. Dez. v. 
J. bis 10. Jan. d. J. 13 PesteiKränkungen mit 10 Todesfällen 
vor. Io Alexandria (Egypten) sind nach fünfwöchiger 
Unterbrechung in der ersten Hälfte des Jaunar wieder 2 
Pestfälle gemeldet worden. Bf. 

— DieGesaromtzahl der Kranken in den Civil- 
'•ospitälern St. Petersburgs betrug am 10. Jan. 
d. h. 9056 (189 mehr als in d. Vorw.), darunter 474 Typhös — 
(47 mehr). 939 Syphilis—(102 mehr), 217 Scharlach —(13 mehr). 
90 Diphtherie — (12 wen.), 87 Masern — (17 wen.) nnd 35 
Pockenkranke — (1 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 4. bis zum 10. Januar 1904. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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24 

59 

61 

55 

39 52 

32 

11 


2) nach den Todesursachen: 

— Ty ph. exanth.O. Typh. abd. 14, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 4. Masern 21, Scharlach 4, 
Diphtherie 16, Cronp 0. Keuchhusten 4, Croopöse Lungen¬ 
entzündung 29, Erysipelas 0, Grippe 2, Cholera asiatica 0, 
Ruhr l. Epidemische Meningitis 0, Acnter Gelenkrheuma¬ 
tismus 0, Parotitis epidemica 1, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerpefalfieber 1, Pyämie and Septicaemie 12, 
Tuberculose der Lnngen 85. Tubercnlose anderer Organe 26. 
Alkoholismus und Delirium tremens 8, Lebensschwäche nnd 
Atrophia infantum 44. Marasmus senilis 22, Krankheiten des 
Verdauungscanals 35, Todtgeborene 43. 


Näohste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 3. Feb. 1904. 

Tagesordnung: 1) W. Fick: Kasuistische Mitteilongeu 
aus dem Gebiet der Hii nchirurgie. 

Näohste Sitzung desDeutsohen ärztlioben 
Vereins: Montag den 9. Februar 1904. 


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vatpraxis bei Lungentuberkulose Besserung des Appetits, Hebung der 
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des Hustens, des Auswurfes und der katarrhalischen Erscheinungen. 
Weitere Indikationen: Influenza, Bronchitis, Keuchhusten, Chirurg. Tu¬ 
berkulose. allgemeine Schwiicheznstände, Skrophulose. 

Nach den Erfahrungen an der kgl. med. Universitätsklinik zu Halle a. S. 
(Direktor Prof. v. Me ring) «erfüllt das Sirolln alle Bedingungen eines 
angenehm schmeckenden, tonischen Arzneimittels“. (Ueber die Krankea- 
hausbehandluug der Lungentuberkulose, von Dr. Hugo Winternitz, 
I. Assist der Klinik. Deutsche Aerzte-Ztg., 1. Jan. 1902. 

Man verordnet: Sirolin Lagenam origin. Erwachsenen 3-6 Theelöffel, 
Kindern 2—3 Theelöffel täglich vor oder unmittelbar nach dem Essen, rein 

oder in Wasser. 

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eine vornehme Anstalt, in der durch hier ausgebil* 
dete, nur hier ausgeübte, viel bewährte Behandlung 

Herz- und Nervenleiden 

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Sommer- und Winterkuren. ( 21 ) 52-17. 


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PERTUSSIN 


Extract. Thymi 
saccharat. Taeschner. 


£68. gesch. Einfuhr von der russ. Behörde gestattet. 

Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf-.und Bronchialkatarrh. 

Literatur in bervoirag. Blättern Deutschlands u. Oesterreich-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung de* „Pertussln“ war eine überraschende; wenngleich ich 
nicht gerade sagen kann, dass (fei- Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blauweiden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertussln war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als athiuete ich die freie herrliche Luft auf einem Alpen-Giptel. Diese Leicht- 
athinigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkatarrhe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Möller (Neuhausen): 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertussln ein Mittel ist, das in kür¬ 
zester Zeit den mit Recht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
und fast unmerkbaren Bronchialkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 

Dr. Erich R. von Matzuer (Birkfeld, Steierm.): 

Die drei mit Pertussln behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereits 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. 

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Leitung es jetzt ausschliesslich durch unsere Firma PARKE, DAVIS !- \ 

it Co in Detroit (Ver. St. von N.-Amerika) hergestellt wird. Adre- •« 

nalln (Takamine) Ist nicht giftig, reizt die Gewebe nicht, ist be¬ 
ständig und hat keine cumulative Wirkung. Therapeutisch findet 
Adrenalin Verwendung zur Blutstillung, localen Anaemisierung und zur Hebung 
der Herztätigkeit. Bei kleinen chirurgischen Eingriffen verhindert es die Blutung. 
Der nie dagewesene Erfolg des Adrenalin in der Medicin hat zu Nachahmungen 
und Fälschungen unseres Präparats Veranlassung gegeben; dieselben tragen 
ähnliche Bezeichnungen, doch beziehen sich alle günstigen, bisher veröffentlichten 
Gutachten auf unser Original-Adrenalin (Takamine). 


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Ob 6., 23 ÜHBapa 1904 r. Herausgeber Dr. Rudolf Waiaek. Buokdraekareiv. A. Wieneeke, Katharinenbofer Pr. Ji 15. 


Djgitiz^ed by 
































XXlX. JAHRGANG. 


ST. PETERSBURGER 


Neue Folge XXI. Jahrg. 


HEEIGINISGHE W0GIEN3G1RIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Or. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga- 

Or. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreis ist in EusslandS Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. för das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 

Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 

für die 3inal gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Origmalartikel zugesandt. 
— Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


•T Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 'W 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect Ns 14. zu richten. — Xanus- 
cripte sowie alleaufdie Redaction bezüglichen Mittheilungenbit¬ 
tet man an den geschäftsführenden KedacteurDr.Budolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


N 5 


St. Petersburg, den 81. Januar (13. Februar). 


1904. 


Inhalt: St. PiAtkowski: Lykopodium und Tuberkelbazillen im Spntum. — Dr. Alphons Kramer: Was leistet Kali 
liypermanganicum als Morphiumantidot? — Btt cheranzeigen und Besprechungen: lieber Fremdkörper in den oberen 
Loftwegen. Von Dr. Friedrich Hanszel. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Zuschrift an 
die Redaktion. — Vermischtes. — Morta litäts-Bolletln St. Petersb args. — Anzeigen; 


Aus dem chemisch-bakteriologischen Laboratorium von 
Dr. S. S e r k o w s k i in Lodz. 

Lykopodium und Tuberkelbazillen im Sputum. 

Von 

,$t. Piatkowski. 


Es ist bekannt, dass nicht alles, was auf den behuf9 
Auffindung von Tuberkelbazillen in irgend einem Ma¬ 
terial mit der £iehl-Gabbet’schen oder einer anderen 
Metode gefärbten Präparaten rot gefärbt ist, Koch¬ 
bazillus ist. Rot bleibt überhaupt alles, was der Ein¬ 
färbung mit Säuren oder saurem Alkohol widersteht. 
Schimmelpilz-, Bakteriensporeo sind auf solchen Präpa¬ 
raten rot gefärbt, dennoch lässt sie ihre kugelige Ge¬ 
stalt leicht unterscheiden. Ferner sind einige in jedem 
Auswurf befindliche Mikrokokken rot gefärbt, was be¬ 
weist, dass diese Individuen den Entfärbungsmitteln ge¬ 
genüber einen grösseren Widerstand geleistet haben, als 
die blauen. Ihre Form lässt sie von den Bazillen un¬ 
terscheiden. Endlich haben auch Bruchteile von Haareu, 
verhornten Epidermiszeilen, die zufällige Beimischungen 
darstelleo, die Eigenschaft, dass sie, einmal gefärbt, 
ihre Färbung behalten trotz den Entfärbungsmitteln. 
Kleine Fettnadeln können auch täuschen, da sie auf 
solchen Präparaten immer rot sind. 

Indem ich sehr oft iin Laboratorium den Auswurf 
untersuche, habe ich Gelegenheit gehabt zu beobachten, 
dass nicht nur die oben beschriebenen Elemente säure¬ 
feste Eigenschaften besitzen und dadurch für ein nicht 
sehr eiugeübtes Auge Anlass zum Irrtum werden kön¬ 
nen: in manchen Fällen, in wenig dichten Auswürfeu, 
die das Aussehen eines leinen, flockigen Satzes haben, 
findet man neben normalen Tuberkelbazillen auch ver¬ 
zweigte Formen. Dass die Tuberkelbazilleu solch ein 
Aussehen haben können, ist schon längst bekannt. In 
zwei Fällen habe ich den obeu gcnauuteu sehr ähn- ; 
liehe Gebilde beobachtet, die Anwesenheit kleiner ruter j 
mit feinem Netz bedeckter Schuppen (auf den raitZiehl- | 


Gabbet’scher Metode gefärbten Präparaten) veranlasste 
mich jedoch zu vermuten, dass diese verzweigten Formen 
gar keine Tuberkelbazillen sind. Aof den nicht ge¬ 
färbten Präparaten habe ich in diesem Auswurf tetra- 
edrische Gebilde bemerkt, die ich auf GruiiJ ihres mor¬ 
phologischen Aussehens als Sporen von Lykopodium 
clavatum erkannte. Die letzteren werden bisweilen in 
der Medizin gebraucht und stellen ein sehr feines, hell¬ 
gelbes Pulver dar. Unter anderen Bestandteilen von 
Lykopodium cl. befindet sich in beträchtlicher Quantität 
ein fettes Oel (30 pCt.) 

Unter dem Mikroskop erscheinen die Lykopodium- 
sporen als tetraedrische Zellen mit ziemlich Bachen drei¬ 
seitigen Seitenflächen und einer konvexen Basis. Auf 
jeder der drei Seitenflächen befindet sich ein feines 
erhabenes Netz. Nun können die Lykopodiumsporen 
im Auswurf Vorkommen, weil man sie zum Bestreuen 
der PilleD, um ihr Zusammenkleben zu vermeiden, ge¬ 
braucht. Wenn ein Kranker solche Pillen gebraucht, 
so werden die Lykopodiumsporen selbstverständlich in 
seiner Mundhöhle sich befinden und beim Ausspucken 
des Sputums in das letztere übergehen. Beim Vorbe¬ 
reiten der Präparate aus solch einem Sputum, werden 
die Lykopodiumsporen beim Zerreiben zermalmt, die 
feinen hervorragenden Netze reissen von der Ilülse ab, 
und da sie Fett enthalten, so sind sie säurefest nnd in 
Folge dessen auf den mit Ziehl-Gabbet’scher Metode 
gefärbten Präparaten rot gefärbt. Da sie aber ihrer 
Form nach sich ebenso den normalen und verzweigten 
Tbk.-bazillen als auch den lnvolutionsforraen der letz¬ 
teren nähern, so kann das Vorkommen von Lykopo¬ 
dium im Sputum irre führen. 

Dass es wirklich so ist, davon habe ich mich experi¬ 
mentell überzeugt: einem bazillenlosen Spntum habe ich 
etwas genau im Mörser zerriebene Lykopodiumsporen 
beigemisebt, dieselben mit dem Sputum vollständig 
durchgemisclit und nach Ziehl-Gabbet gefärbte Präpa¬ 
rate gemacht. Ich bekam immer ein die Tuberkulöse 
mehr oder weniger nachahmendes Bild. 


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ii 


fcwar vermag eine aufmerksame Untersuchung der 
gefärbten und nicht gefärbten Präparate den Irrtum zu 
verhüten. Aber falls im Sputum die Tbk.-bazillen und 
des Lykopodium gleichzeitig Vorkommen, ist die Ent¬ 
scheidung viel schwerer, wenn nicht unmöglich. 

Aus diesem Grund ist beim Sammeln des Sputums 
zur Untersuchung eine genaue Ausspülung und Desin¬ 
fektion der Mundhöhle notwendig. 


Was leistet Kali hypermanganicum als Morphium- 

antidot? 

Von 

Dr. Alphons Kramer. 

Dorpat. 


Im Jahre 1893 hatte Wm. Orio Moor die Be¬ 
obachtung gemacht, dass Morphium durch Kaliumper¬ 
manganat in sehr kurzer Zeit zu Pseudomorphin oxy¬ 
diert wird — machte darauf Versuche an sich selbst, die 
bewiesen, dass auch bei leerem Magen toxische Dosen 
von Morphium durch KMnO* vollständig unwirksam 
gemacht werden. An der Hand von Kaninchenver¬ 
suchen kam er zu der Ueberzeugung, dass auch subku¬ 
tane und intravenöse Injektionen von gleicher Wirkung 
sich erwiesen, und sind auf Grundlage seiner Publika¬ 
tionen in der Medical reccrd Februar 1894 und im Bri¬ 
tish Medical Journal Juni 1895 eine Anzahl von Mor¬ 
phium- und Opiumvergiftungen, die nach seinen Prin¬ 
zipien behandelt waren — veröffentlicht worden. 

Auch die — bezüglich der Wirkung der Injektionen 
von Theoretikern erhobenen Zweifel (wegen der leichten 
Zersetzlichkeit d. KMnO*) hat der gleiche Autor in sei¬ 
nem neuesten Artikel (conf. Therapeutisch Monatshefte 
1903 Heft 11) durch sehr subtile und detaillirte Unter¬ 
suchungen und Experimente schlagend widerlegt. 

Von Publikationen Uber die von Moor angeregte 
Frage möchte ich nur folgende nennen. 

1) Im Eschenedelnik 1900 veröffentlichte B. Sch warz 
einen Fall, wo ein Kind, das versehentlich l‘/ a Ess¬ 
löffel T. op. erhalten hatte, durch KMnO* doch gerettet 
wurde. 

2) Im Wojeno medizinski Journal berichtet E.Kark 
über 2 Fälle, in welchem das eine Mal ein Kind 0,3 
Opium, das andere Mal ein Erwachsener 1,2 Morph, 
bekommen hatten — und beide Fälle durch KMnO* 
wieder hergestellt wurden. 

3) In den therapeutischen Monatsheften 1902 berichtet 
Feuerstein von günstigen Resultaten die durch 
KMnO* bei einem 7monatlichen Kinde das 1 Kinder¬ 
löffel T. op. erhallen, erzielt wurden. 

4) Wurden nach B. Körner — Deutsche Medizi¬ 
nische Wochenschr. 1897 — 0,4—0,5 Morph, durch 
Injekt. paralysiert. 

5) berichten Gr egg und Moreland in den Medi¬ 
cal News 1894 über einen Fall, wo 75,0 T. op. durch 
KMuO* unwirksam gemacht wurden. 

6) bringt der Wratsch von 19u3 einen Aufsatz von 
Finkeistein, der über Heilung eines Falls von 
Vergiftung mit 1,0 Morph, berichtet. 

7) hat V u tse t i sch (Wiener Med. Woch.) einen 
Knaben von 2 1 /* Jahren, der c. 25—5o Tropfen T. op. 
eingenommen hatte, mit gutem Erfolg mit KMnO* be¬ 
handelt. 

Diesen Publikationen möchte ich noch einen weiteren 
Fall anreihen. 

Am 20. Nov. 1908 wurde ich zu einem Vet. Stnd. Herrn 
J. B. gerufen, der sich mit Morphium vergiftet haben sollte; 
nach den mir später vom Patienten gemachten Angaben war 
der üergang folgender gewesen: um c. 4 Uhr Nachmittags 
halte Patient, sonst massiger Alkoholiker, der aber in den 


letzten Tagen recht reichlich in Bacho exzediert hatte,infolge 
starker psychischer Depression erst c. 3 /« Theelöffel, nach 
kurzer Zeit nochmals c. 3 /« Theelöffel, (im Ganzen also c. 
1,2—1,5) Morph, mur. eingenommen; c. eine halbe Stunde 
nachher hatte er aber eine starke Beunruhigung verspürt, 
und einem im selben Hause wohnenden Kommilitome Mittei¬ 
lung von der Vergiftung gemacht, worauf ihm mehrere Glas 
Kaffee und Tannin verabfolgt waren ; da der Zustand sich 
aber zusehends verschlimmerte, der Patient apatisch and soux- 
nolent wurde, so wurde nach dem Arzt geschickt; um c. V-8 
Uhr Abends nahm ich folgenden Befund auf: 

Pat. ist stark cyanotisch — die Pupillen ad minimum ver¬ 
engt, Trismus, unregelmässige—flache — sehr verlangsamte 
Stertoröse Atmung — Puls fadenförmig, jäh wechselnd 
zwischen 192 und 106, zuweilen nicht mehr fühlbar, benom¬ 
menes Sensorium— kurz völliger Kollaps; da nach Moor 
eine der Morphiumdosis entsprechende KMnO« menge gegeben 
werden soll — so gab ich sofort c. 1,5 in Lösung per ob; 
nach kurzer Zeit trat zum ersten Mal nach dem Ein nehmen 
heftiges Erbrechen braungefärbter Flüssigkeitsmengen ein, 
worauf ich nochmals c. V» Gram KMnO« eingab; nach kurzer 
Zeit besserte sich das Allgemeinbefinden, die Atmung wurde 
tiefer und regelmässiger, die Cyanose wich einer starken 
Hyperaemie des Kopfes und der Brust (Ordination: Eisbeutel 
auf den Kopf und heisse Flaschen an die Bässe und Waden) 
das Sensorium wurde freier, und Patient sprach einige zu¬ 
sammenhängende Sätze; der Zeit von ’/aö—*/all konnte Pa¬ 
tient sich später nicht mehr entsinnen ; ich Hess '/»stündlich 
zwecks Hebung der Herztätigkeit Cognac verabfolgen, und 
halbstündlich c. 0,1 — KMnO« — (da ja bekanntlich das be¬ 
reits resorbierte Morphinm auf dem Wege der Blntbahn immer 
wieder in den Magen aasgeschieden wird, und es mir daher 
notwendig erschien, immer wieder die successive nachgeschie¬ 
dene Morphiummenge zn neutralisieren). 

Unter allmäligem Zurückgehen der intoxlkationserscliei- 
nungen besserte sich der Zustand, and um 1 Uhr Nachts 
konnte Patient mit Sicherheit als gerettet angesehen werden. 

Kompliziert wnrde der Fall dnrch eine Trikaspidalinsnffi- 
zienz die auf der Höhe der Intoxikationserscheinungen be¬ 
sonders deutlich wahrnehmbar war, später »ich weniger be¬ 
merkbar machte; erwähnen möchte ich noch den Umstand, 
das» Patient, sonst Hypermetrop — noch einige Tage nachher 
an starker Myopie litt — welch letztere »ich aber auch nach 
einigen Tagen vollständig gab (die Pupillen waren schounacb 
12 Stunden wieder normal). Da das Schlncken trotz starker 
Somnolenz und Trismus ziemlich gut von Statten ging, so 
sah ich von Injektionen ab: den nächsten Tag fühlte Pa¬ 
tient »ich noch etwas matt, erholte sich aber Zusehens und 
waren nach 2 Tagen jegliche Spuren einer Intoxikation voll¬ 
ständig geschwunden; auch die in der ersten Nacht beobach¬ 
tete Uiinretention machte schon am nächsten Tage normalen 
Verhältnissen Platz. 

Trotzdem, wie aus der angeführten Literatur, der sich 
wohl noch einige Fälle anreihen lassen, die KMuO*be- 
handlung eigentlich kein Novum mehr ist, fehlt sie den¬ 
noch noch in vielen Lehrbüchern und ist auch in Aerzte- 
kreisen noch lange nicht genügend bekannt. Ich halte 
es daher gleich Moor für meine Pflicht, auf Grund¬ 
lage all dieser immer günstig verlaufenden Fälle es für 
ein dringendes Postutat zu erklären, im gegebenen Fall 
unverzüglich und ohne Zeitverlust sofort zum KMnO* 
zu greifen; wozu nutzlose Zeitverscbwendung durch Be¬ 
kämpfen der Vergiftungssymptome durch Atropin, Brech¬ 
mittel etc. (zumal letztere dank der durch Morphium 
verursachten Anaestesie der Magenschleimhaut kaum 
wirken dürften) — wenn einem die Möglichkeit gegeben 
ist, das im Körper zirkulierende Gift ganz direkt un¬ 
schädlich zu machen; um so schneller muss man zu 
Hypermang. greifen, als bekanntlich durch Morphium 
die Absorptionsfähigkeit der Magendarmschleirahaui be¬ 
deutend geschwächt wird — also je schneller, je besser. 
Diese Methode macht selbstverständlich auch die zeit¬ 
raubende und oft nicht zum Ziel führende Magenaus¬ 
spülung, sowie alle andern Medikationen vollständig 
überflüssig. 

Unser Verhalten bei Einleiten einer Vergiftungsbe* 
handlung soll also folgendes sein: 

1) Sofortiges Eingeben einer der Morphiummenge ge¬ 
nau entsprechenden KMnO«-dosls. 

2) Ist letzteres nicht möglich wegen Trismus, Somno¬ 
lenz etc. so soll eiue c. Iproc. Lösung zu je einer 


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46 


Pravaz’schen Spritze an mehreren Stellen des Körpers 
injiziert werden. 

3) Soll ira ferneren Verlauf alle halbe Stunde c.-0,l 
KMnOs intern verabfolgt werden 

Die Adjuvantien der Behandlung ergeben sich von 
selbst in jedem einzelnen Fall, eventuell künstliche At¬ 
mung, Eisbeutel, heisse Fussbäder, Reizmittel etc. 

Beantworten wir zum Schluss die eingangs gestellte 
Frage bezüglich der Wirksamket der MKtiOs als Morph, 
antidot, so lässt sich als Resumöe folgendes sagen: 
Das einzig wirkliche Morphiumantidot ist 
Kaliumperraangauat. 

Wenigstens bin ich an der Hand vieler früher von 
andern und mir gemachter schlechter Erfahrungen mit an¬ 
dern Mitteln, und gerade angesichts dieses meines 
schwersten Falles zu der Ueberzeuguug gekommen, 
dass keines der sonst bekannten Antidote 
im Stande gewesen wäre, die mehrfache 
t ö t liehe Dosis mit solchem Erfolge un¬ 
wirksam zu machen. 


BQcheranzeigen und Besprechungen. 

Ueber Fremdkörper in den oberen Luftwegen. Von [)r. 
Friedrich Hanszel. Mit 1 Tafel. (Wien. Ver¬ 
lag von Josef Safar. 1903. Preis M. 1.50). 

Vorliegende Broschüre enthält eine sehr instruktive tabel¬ 
larische Zusammenstellung und eine eingehende Besprechung 
von 114 Fremdkörperfällen in Nase, Rachen, Kehlkopf nnd 
Luftröhre, die im Laufe der letzten elf Jahre an der Univer¬ 
sitätsklinik von Prof. 0. Chiari in Wien zur Beobachtung 
kamen. Die interessanteren und seltener vorkomroenden 
Fremdkörper sind aut einer Tafel abgebildet. Bei der Be¬ 
sprechung derselben schildert Verf. die Eindringsarten, die 
Symptome, Diagnose und Behandlung, d. h. die möglichst 
rasche Entfernung des betreffenden Fremdkörpers. Dem prak¬ 
tischen Arzte, für den das Büchlein vorzugsweise bestimmt 
ist, kaun dasselbe nur bestens empfohlen werden. 

A. Sacher. 


Protokolle desVereins St. Petersburger A erste. 

747. Sitznng vom 28. Oktober 1903. 

(Schluss). 

Neben diesen Schwierigkeiten der Diagnose in dem ein¬ 
zelnen Falle, streift diese Frage nach dem hysterischen Fieber 
hart an das Gebiet der Fehldiagnosen. So wurde Kernig 
ein Mal eine Dame zugeführt, die ihres schweren Nervenlei¬ 
dens wegen nnd wegen ihres angeblich hysterischen nnanf- 
klärbaren Fiebers weit in Europa seit einigen Jahren herutn- 
gereist war. Es gelang Kernig sehr bald nachznweisen, 
dass die Dame tuberkulös war. Wie und weshalb dieses 
nicht vor ihm bemerkt und konstatiert worden war, ist ihm 
selbst nicht klar. Ein anderer Fall ist folgender. Vorjahren 
schickte er zusammen mit Herrn Dr. Pendln eine Dame mit 
einer eben erst beginnenden Spitzenaffektiou an einen Kurort 
zn einem hoehaugesehenen, durchaus zuverlässigen Spezial¬ 
arzt. Als dieser die Dame zum ersten Mal untersucht hatte, 
fragte er sie allen Ernstes ob die Herren Pen din und 
Kernig ihn zum Narren halten wollten? Ein Jahr später 
war die Dame ihrem Lungenleiden erlegen. 

Wo also in der Konstatierung und Deutung bereits nach¬ 
weisbarer Veränderungen noch solche individuellen Meinungs¬ 
verschiedenheiten selbst unter ganz kompetenten Kollegen 
möglich sind, da muss man mit der Aufstellung eines hyste¬ 
rischen Fiebers wohl bis aufs Aeusserste vorsichtig sein. 
Alles kommt hier an auf das Eingehen bis in das letzte De¬ 
tail der einzelnen Untersuchungsmetoden und der einzelnen 
möglichen Organerkrankungen 

Es ist selbstverständlich gar nicht möglich in diesem Augen¬ 
blick im Einzelnen auf die Fälle nnd die Arbeiten, die heute 
hier citirt worden sind, einzugehen. Aber Einiges möchte 
Kernig docli hervorhebeu. Ist z. B. in dem ersten von 
Herrn v. Voss heute mitgeteilteu Falle, wo eine über 
5—6 Monate sich erstreckende Temperatur Kurve vorgelegt 
worden ist, eine Tuberkulininjektion gemacht worden? (Ant¬ 
wort von Herrn v. Voss: Nein!) Dann in der Arbeit von 
M e i 8 s e n , die ja aus zuverlässiger Quelle stammt, wo es 
nicht erlaubt scheint, an den einzelueu mitgeteilten Tat¬ 
sachen zu zweifeln, so auffallend sie auch sind, — Tempera¬ 
turen bis 44° und 45° 0. — in dieser Arbeit nun finde ich 


doch einen metodologischen Fehler, der mich sehr frappiert 
hat and den Ich absichtlich besonders hervorhebe, da er sich 
hier in Petersburg auch oft geltend macht. Meissen 
spricht da gelegentlich von Mossnngen in derAchsel- 
höhle, von sogenannten Minntentermometern, mit denen 
in 2—3 Minuten iu der Achselhöhle die Temperatur gemessen 
woiden ist. Dahinter birgt sichjedoch eine Reihe von phy¬ 
sikalischen Missverständnissen, auf die Kernig hier am so 
lieber zn sprechen kommt, weil man auch bei uns von Minn- 
tentermometern sprechen hört. — Minutentermometer in 
dem Sinne, wie er hier gebraucht wird mit denen man an¬ 
geblich in einer, resp. wenigen Minuten die Temperatur der 
Achselhöhle messen kann, giebt es gar nicht. Jedes zu 
ärztlichen Zwecken gearbeitete Termometer, auch das nicht 
maximale, zeigt eine bereits vorhandene Temperatur in einer, 
resp. einigen Minuten an, davon bin ich ganz überzeugt. 
Vielleicht tun das nicht die ganz schwer gearbeiteten Ter¬ 
mometer mit sehr dickem Glase und grossem Quecksilberbe¬ 
hälter, wie sie aussen an den Häusern befestigt sind. Um 
eine bereits vorhandene Temperatur in wenigen Minuten an¬ 
zuzeigen, dazu sind wohl alle unsere ärztlichen Termometer 
fein genug. Aber bei unseren Messungen in der Achselhöhle 
handelt es sieh ja eben dämm, dass wir nicht eine bereits 
voibandene Temperatur messen, wie etwa im Rektnm, sondern 
eine Temperatur die sich erst einstellt, nach¬ 
dem die Achsel 15 Minuten lai rg geschlosseu 
gehalten worden ist. Und Über diese 15'Minuten 
kommen wir bei der Achselhöhle nicht weg. es sei denn anf 
dem Wege, dass der Kranke absichtlich oder unabsichtlich 
vor der Messung anf der einen oder anderen Seite gelegen 
hat,-seine Achsel schon genügend lange geschlossen gehalten 
hat, dann werden wir auch in der Achsel in wenigen Mi¬ 
nuten messen können. 

Nnn, meine Herren, ich wollte dieses Missverständniss. auf 
welches Liebermeister schon vor vielen, vielen Jahren 
aufmerksam gemacht hat, ein Mal hier zur Sprache bringen, 
dass es sinh auch in der von Meissen stammenden Arbeit 
findet, bat mich sehr überrascht. 

Zn allen Zweifeln nnn an dem hysterischen Fieber kommt 
noch die grosse Lügenhaftigkeit der Hysterischen nnd ihre 
grosse Kunst den Arzt in jeder Weise zu betrügen. Sie 
stehen darin nicht im Geringsten den Morphiumsüchtigen 
nach, die sich ja ihr Morphium auch auf dem unglaublichsten 
Wege zn verschaffen verstehen. Nehme ich nnn noch die 
kaum übersehbare Reihe hinzu, wo Kranke aus den versteck¬ 
testen, zuweilen auf chirurgischem Gebiet liegenden Ur¬ 
sachen fiebern, so kann ich nach all’ dem Angeführten nicht 
anders, als den sonst so vortrefflichen, scheinbar über¬ 
zeugenden Ausführungen des Herrn von Voss nicht zn- 
zustimmen. 

Die Frage nach den Hypertermieen, wie sie sonst in der 
inneren Medizin antentisch beobachtet werden, bekanntlich 
am häufigsten noch beim akuten Rheumatismus, trenne ich von 
der Frage nach dem hysterischen Fieber ganz ab. Vor allen 
Dingen sind sie ganz ausserordentlich selten, es vergehen 
Jahre bis wir sie einmal wieder beobachten — nach langen 
Jahren habe ich sie einmal wieder zusammen mit Dr. v. 
Böthling an einem Falle von akntem Rheumatismus vor 
U /2 Jahren gesehen, die Temperatur siieg, glanbe ich, bis 
auf 42,2 — und dann ist der Umstand, dass die Teniperatur 
in einem Falle, wo sie vordem und nachdem in gewöhnlicher 
Weise verläuft, so plötzlich excessiv in die Höhe steigt, ein 
Problem, das für sich studiert werden muss. 

Es ist vorhin hier von Dr. Kallmeyer geäussert wor¬ 
den, dass die Frage nach dem hysterischen Fieber eigentlich 
gar nicht vor das Forum der Nervenärzte, sondern vielmehr 
vor das Forum der inneren Mediziner gehört. Ich stimme 
dieser Aeusserung vollkommen bei. So sehr ich die Tren¬ 
nung der Nervenärzte von den Internisten bedauere, wie sie 
sich im Laufe der letzten Jahrzehnte durch die Arbeitstei¬ 
lung bedingt, entwickelt hat, so 6ehr muss ich darauf be¬ 
stehen, dass die Entscheidung über die Frage, warum im 
Einzelfalle der Kranke fiebert, den inneren Medizinern zu¬ 
steht, die gewohnt sind, diesen Fragen täglich bis in die 
letzten Details nachzngehen. 

(Autoreferat). 

Börling beobachtete kürzlich ein kleines Mädchen, bei 
dem nach Trauma starke Chemose und Schwellung des Auges 
entstanden war. Ein Augenarzt hatte ohne die Entstehnngs- 
ursache zn kennen, starke Beiznng mit Lapis vorgeuoinmen, 
worauf das Kind in der Nacht plötzlich einen heftigen Schüt¬ 
telfrost und Fieber von 41° mit oklaiuptischem Anfall bekam. 
Beim zweiten Anfall wurde ich gerufen; nach einem kühlen 
Bade sank die Temperatur zur Norm, worauf noch einmal eine 
geringere Steigerung vorkam, die ebenso beseitigt wurde, 
Die Entstehung der Erkrankung durch neivösen Choc er¬ 
scheint durchaus wahrscheinlich. 

Voss: Um die Einwände der Herren Vorredner zu wider¬ 
legen, müsste ich in vielen Punkten die Ausführungen meines 


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46 


Vortrags wiederholen. Zunächst bemerke ich Dr. Peters 
gegenüber, dass ich ausdrücklich hervorgehoben, viele der 
beschriebenen Fälle seien diagnostisch aufechtbar, eine grosse 
Anzahl beruhe gewiss auf Betrug, doch bleibt zweifellos eine 
nicht unerhebliche Zahl von Krankengeschichten, die klinisch 
beobachtet und von kompetenter Seite berichtet sind. So 
muss zugegeben werden, dass die Hypertermie im Falle 
Meissen' existiert hat. Giebt man, wie Kallmeyer es 
tut. eine hysterische Beeinflussung der Temperatur bei be. 
stehender organischer Erkrankung zu, so muss konsequenter¬ 
weise, wie auch Eulenburg richtig hervorhebt, die Mög¬ 
lichkeit einer jeden hysterischen Temperatursteigerung zuge¬ 
geben werden. Die Trennung der Fieberfälle in subfebrile, 
febrile, hyperthermische etc. ist eine vielleicht notwendige 
klinische Schematisirung, bedeutet aber keine physiologischen 
Unterschiede. Unsere klinischen Untersuchungsmetodeu be¬ 
dingen stets, genau genommen. Wahrscbeiulichkeitsdiagnosen, 
mit versteckten Eiterherden, präsumptiver Tuberkulose etc. 
zu rechnen, erscheint mir daher unzulässig. Ich kann nicht 
zugeben, dass Fluor albus und eine alte chronische Metritis 
ähnliche Fiebersteigerungen wie in meinem ersten Falle her* 
vorrufeu können. Ich habe die Meinungsäusserung aller 
Gynäkologen unseres Hospitals eingeholt und sehe keine 
Veranlassung ihren dahingehenden Aussage keinen Glauben 
zu schenken. Mein ^weiter Fall ist derart kompiliert, dass 
gewiss Bedenken geänssert werden können. Der Annahme 
von A1 b a n u s resp. Kallmeyer, es habe sich um Nieren¬ 
becken- oder dem ähnliche Affeklionen gehandelt, kann ich 
nicht zustimmen; wann wäre bei diesen Erkrankuugen ein so 
merkwürdiges Auftreten und plötzliches Verschwinden derart 
ausgebreiteter Oedeme beobachtet worden ? Ich überlasse das 
Urteil gerne den Herrn Internisten, wenn sie mir n&ch- 
weisen, dass sie derartige Erscheinungen beobachtet haben ; 
doch betone ich nochmals, dass die Patientin sich nach 3 
Jahren eines blühenden Gesundheitszustandes erfreute, was 
die Annahme von schwerer Tuberkulose oder Nierenerkran- 
kung nicht sehr wahrscheinlich macht. Die Polyurie ist ein 
häutiges Symptom von Hirnerkrankungen; der reine Diabetes 
insipidns scheint iu die Klasse der funktionellen Neurosen 
(D. Gerhardt) zu gehören, jedenfalls sind für dieselben 
keine organischen Hiruveränderungen nachgewiesen worden. 
Auf den Ausspruch Kallmeyers, dass die Diagnose, 
Hysteroepilepsie noch zu Recht bestehe, muss ich bemerken, 
dass er mit dieser Behauptung keinen Beifall bei den Neuro- 
patologen finden wird. Kraepelin und Krafft- 
Ebing, die von K allmeyer citirten Autoren, deuken 
nicht daran in der Hystero-Epilepsie eine Mischform zu er¬ 
blicken, .1 o 11 y scheint allerdings noch bei der alten Auf¬ 
fassungstehen geblieben zu sein. Dr. Kernig bedauert 
mit Recht die allznstrenge Scheidung der »Spezialitäten ; doch 
muss ich betonen, dass iu unserem Hospital eine solche enge 
Einseitigkeit nicht vorhanden ist, dass vielmehr jeder inter¬ 
essante, resp. zweifelhafte Fall gemeinschaftlich untersucht 
und diskutiert wird. 

Endlich bedanere ich, dass meine HH. Opponenten die Kar¬ 
dinalpunkte meiner Ausführungen mit Schweigen übergangen 
haben: ich meine die enge Verwandtschaft des neurogenen 
und hysterischen Fiebers. Warum soll man ein epileptisches 
Fieber annehnnn und eiu durch Hysterie bedingtes leugnen ? 
Beide Krankheiten gehören ins Gebiet der funktionellen Neu¬ 
rosen. uanu eudlich ist nichts gegen das Faktum der sugge¬ 
stiven Erzeugung von Fieber eiugewendct worden und auch 
einzuwenden. Wie kann im Hinblick auf so rein psychogen, 
snggesUv entstandenes Fieber, das hysterische Fieber ge¬ 
leugnet werden? Wir haben nicht das Recht, meine Herren 
wissenschaftlich geprüfte Tatsachen anzuzweiteln, weil sie 
uns nicht in deu alten Kram unserer überlieferten Anschauun¬ 
gen hineinpassen. Auf E n 1 e n b u r g s Ausspruch kann ich 
nur erwidern, dass er sich einer kleinen Incousequenz schul¬ 
dig macht, wenn er das hysterische Fieber leugnet, sein Vor¬ 
kommen bei den Anfällen der «gründe Hysterie» aber zugiebt; 
durch die muskuläre Exalutiou des Insults lässt sich aber 
keine derartige Temperatursteigerung erklären, wie ich vor- 
hiu ausführlich begründet habe. 

Ed flieh hält K allmeyer das seltenere Vorkommen der 
schweren Hysteriefälle in Deutschland für unwahrscheinlich ; 
ich muss daraut hinweisen, dass nicht nur in d*-r Literatur 
diese Tatsache erwähnt wird; ich hatte im Laufe von zwei 
Jahren '«elegenheit an deutschen Nerveukliniken zu arbeiten, 
nachher habe ich französische Kliniken besucht und fast 6 
Jahre am Marienhospital gearbeitet (klinisch und poliklinisch) 
wobei ich mich von der Richtigkeit der obenerwähnten Tat¬ 
sache selbst überzeugt habe: sowohl iiuParis, wie in Peters¬ 
burg ist die grosse H)sterie eiue bedeutend häufigere Erschei¬ 
nung als in Deutschland. 

Peters will richtig verstanden sein, er ist durchaus nicht 
gegen die Anuahme eines neurgenen Fiebers, wie es bei, 
chronischen interstitiellen Encephoalitiden, Idioten, Littlescber 


Krankheit und anderen organischen Nervenleiden beobachtet 
wird; warnm sollte es nicht auch bei Hysterie Vorkommen, 
die möglicherweise auch auf organischen Veränderungen be¬ 
ruht. Es muss aber ein solches Fieber den gleichen Gesetzen 
gehorchen, die für andere Temperatursteigernngen gelten 
also müsste bei excessivem Fieber auch die Pnlsbeschleuni- 
gnng vorhanden sein. Haben wir aber solche Beobachtungen 
vor uns, wie die des Vortragenden, wo bei 40,1’ ein E^uls von 
90 gezählt wurde, so müssen die Messungen durchaus vom 
Arzt selber und per rectum vorgenommen werden. 


Zuschrift an die Redaction. 


In die vom sehr geehrten Kollegen Lezeni ns verfasste 
Rezension meiner «KapMaHHue mpHtJiTu» (cf. «St. P. M. W.» 
Nr. 2, 1904) hat sich eine kleine, aber uiclit unwesentliche 
Ungenauigkeit eingeschlichen. Auf dem nach meinen Anga¬ 
ben vom Optiker Urlaub bergestellten Maasstabe (der in et¬ 
was veränderter Form auf dem IX. Pirogow’schen Kongress 
von mir demonstriert wurde) sind die Dioptrien nicht nach 
der Formel MZ=40 augegeben, da letztere nur annähernd 
richtig ist. Es sind vielmehr die matematisch genauen Fokal¬ 
abstände der Dioptrien vermerkt. Dieses ist ein Vorzug des 
Maassstabes und verleiht ihm einigen Wert für Unterrichts- 
zwecke, in Kliniken, Hospitälern, für Anftlnger, dergl. bei 
der Ueberftihruug vom Zollsystem in’s Metersystem optischer 
Gläser und umgekehrt. 

St. P-, Ssadowaja, 60. 25. I. 1904. 

Dr. K u b 1 i. 


Vermischtes. 


— Dem Direktor des hiesigen deutschen Alexauderhospitals 
für Männer, wirkl. Siaatsrat Dr. E. Moritz, ist der bay¬ 
rische St. Michael -Verdienstorden II. Klasse 
mit dem Stern verliehen worden. 

— Zum Oberarzt des St. Petersburger städ¬ 
tischen Roghdestwenski B arackenl azarets 
und Direktor der ambulatorischen Heilan¬ 
stalt der Gross für stin Marie Alexandrowna, 
Herzogin von Sachsen-Coburg ist der Privatdozent der mili¬ 
tär-medizinischen Akademie und Assisteut beim Lehrstuhl der 
allgemeinen Therapie nnd Diagnostik, Collegienrat Dr. Ja- 
wein , ernannt worden, unter Bela9sung als Privatdozent an 
der Akademie. 

— Der ältere Arzt des Kinderhospitals des Prinzen Peter 
von Oldenburg und Konsultant bei deu Erziehungsanstalten 
der Kaiserin M ar i a , wirkl. Staatsrai Dr. Russow ist 
zum Kousultaoteu für Kinderkrankheiten 
beim klinischen Institut der Grossfürstin Helene 
Pawlo wna ernannt worden, unter Belassung in seinen bis¬ 
herigen Stell nngen. 

-- Dem Präsidenten der Sl. Petersburger städtischen Sani- 
tätscommi88ion. Geheimrat Dr. Oppenheim, ist der bul¬ 
garische Zivilverdienstorden I. Klasse ver¬ 
liehen worden. 

— Zum ausserordentlichen Professor auf 
dem Lehrstuhl der speziellen Pathologie 
und Therapie an der Universität Jnrj ew (Dorpat) ist 
der Piivatdozent der genannten Universität Dr. J aro tz ki 
ernannt worden. 

— Dr. G e o r g i e w s k i hat sich mit Genehmigung des 
Konseils als Privatdozent für Chirurgie ander 
U n i v e r 8 i t ä t J u r j e w (Dorpat) h a b i 1 i t i r t. 

— Ein Gesuch des Stadtverordneten Dr. Alexander 
Paldrock, ihm dievenla legendi als Privat¬ 
dozent zu erteilen, kam, wie der «Rev. Ztg.» milgeteilt 
wird, in der Konseilsitzung der Jnrjewer Universität am 
20. Januar zur Verhandlung. Nachdem darauf hingewiesen 
worden war, dass sich Dr. Paldrock an den Umtrieben 
der Tönnisson, Koppel, Kiwastik u- s. w. lebhaft 
beteiligt habe und noch beteilige, wurde das Gesuch ab¬ 
schlägig besc Mieden. 

— Dem Arzt S. K H. des Grossfürsten Michael Ni ko- 
I a j e w i 1 8 c h , Leibmedikus, Staalsrat Dr. Sander ist das 
Grosn-Comthur kreuz des Mecklenburg- Sch we- 
ringcli en Greifen-Ordens verliehen worden- 

— Dr. N. Tischutkin hat sich mit Genehmigung der 
Konferenz der militär-medizinischen Akademie als Privat- 
dozeutfiir Histologie und Embryologie an der 
Akademie habilitiert. 

— Zum Oberarzt des Libauschen Stadtkrankenbauses (an 
Stelle des Dr. Job a u n s e u) ist der Arzt des Fleckens Durben 


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47 


(Kurland) Dr. Ra phael gewählt, doch Bteht seiue Bestäti¬ 
gung seitens des Gouverneurs noch ans- 

— Dem Arzt EmilSintenis ist die Konzession zur 
Eröffnung etner ch i r u r g i 8 ch • g y u äk ologi s che n 
P r i v a t h eTI ä n s t a 1 1 in Pe niau erteilt worden. 

— Verstorben: 1) Ara 22. Januar in Kischinew der 
frühere Oberarzt des Militärhospitals in Wladikawkas, wirkl. 
Staatsrat Dr. Eduard Schmidt nach kurzer Krankheit 
im 72. Lebensjahre. Als Sphn eines Pastors in Livland ge¬ 
boren, bezog der Verstorbebe i. J. 1851 die Dorpater Univer¬ 
sität, an welcher er bis 1856 Medizin studierte und der Kor- 
poiation «Fraternitas Rigensis* angehörte. Nacli Erlangung 
der Doktorwürde setzte er seine Studien in Berlin fort und 
war dann snccessive praktischer Arzt in Moskau, Landarzt 
in Livland, Militärarzt in Astrachan und während des rus¬ 
sisch-türkischen Krieges 1877/78 Oberarzt eines temporären 
Militärhospitals in der asiatischen Türkei. Nach Beendigung 
des Krieges wurde er znm Oberarzt des 2. Tifliser Militär- 
bo8pitals ernannt und i. J. 1885 znm Oberarzt des Militär¬ 
hospitals in Wladikawkas. ln den letzten Jahren lebte er 
verabschiedet in Kischinew. 2) In Karaenez - Podolsk am 
26. Dezember a. pr. Dr Wilhelm Fahrenholz im Alter 
von 68 Jahien an einer Lungenentzündung. Der Hinge¬ 
schiedene, welcher seit 1862 als Arzt tätig war, nahm eine 
geachtete Stellung in der Stadt und unter den Kollegen ein, 
die ihn zum Präsidenten und Ehrenmitglied der örtlichen 
Gesellschaft Podolischer Aerzte wählten. 3) In Slatoust 
(Gouv. Ufa) der dortige Stadtarzt Nikolai Sarubin im 
37. Lebensjahre. Der Verstorbene, der ca. 10 Jahre in Sla¬ 
toust nnd Umgebung die ärztliche Praxis aasgeübt hat, er¬ 
freute 9ich einer grossen Popularität unter der Bevölkerung. 
4) Am 19. Jannar n. St. in Berlin der Generalarzt a. d. Dr. 
Pani Grasnick im 70. Lebensjahre. G. war zuletzt 
Subdirektor der Kaiser Wilhelms-Akademie für das militär¬ 
ärztliche Bildungswesen. 

— Der ausserordentliche Professor der Dermatologie ander 
Universität Beru Dr. Jadassohn ist zum ordentlichen 
Professor befördert worden. Bisher hatte nur die 
Wiener Universität Ordinariate für dieses Fach. (A. ra. C.-Z ). 

— Prof. Dr. Po n fick in Breslau hat das Amt des ersten 
Geschäftsführers der diesjährigen Versammlung deutscher 
Naturforscher und Aerzte niedergelegt. 

— Die Turiner Akademie der Wissenschaften hat den 
Vallanripreis von 30,000 Lire znr Hälfte dem be¬ 
kannten Malariaforscher Professor G r a 8 s zuerkannt. 

(A. m. C.-Ztg ). 

— Die Leiche des au der Pest verstorbenen Mag. veter. 
W. Turtschinowitsch-Wyschnekewitscn wurde 
in dem beim Kronstädter Laboratorinm für Pestforscbnng er¬ 
richteten Krematorium verbrannt und die Asche in eine Urna 
getan. Da sämtliche Personen im Fort Kaiser Alexanders I. 
(Kronstadt) einen völlig befriedigenden Gesundheitszustand 
aufweisen, so ist nach zweimaliger durchgreifender Desinfek¬ 
tion aller Räume des obengenannten Laboratoriums znr An¬ 
fertigung vou Antipe8tpräparaten dar Verkehr des Forts mit 
dem Ufer wieder freigegeben. 

— Wie die «Now. Wr.» erfährt, werden in nächster Zeit 
sechszig Aerzte, darunter acht aus St. Pe¬ 
tersburg, nach Ostasien geschickt. 

— In Berliner wissenschaftlichen Kreisen erhält sich ßeit 
Monaten das Gerücht, dass Prof. Dr. Robert Koch, der 
verdienstvolle Leiter des Instituts für Infektionskrankheiten 
und Mitglied des deutechen Reichsgesnndheitsamts, beabsich¬ 
tigen soll, seine Stellungen in Berlin anfzn geben 
and zunächst in Südafrika zn bleiben, wo sich die 
englische Regierung bemüht, ihn für die Durchführung der 
von ihm anempfohleneu Schutzimpfungen in den dortigen 
Viehherden zn gewinnen. Zu diesem Entschlüsse K o c li ’s 
sollen noch anderweitige, soziale Momente mitgewirkt haben. 
Als sein Nachfolger wird Prof. Dr. v. Behring (Marburg) 
bezeichnet. 

— Zwei Aerzte des Hamburger Instituts für 
Tropenkrankheiten, Dr. Otto und Dr. N e ti in a n n 
werden in nächster Zeit nach Südamerika gehen, utn 
dort Stadien über das gelbe F i e b e r anzustellen. 
Von den Hamburger Rhederoien und Kaufieuten sind nam¬ 
hafte Mittel zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt. 

— Die Knrländische Gouvernements-Regierung beabsichtigt 
ein bakteriologisches Kabinetin einem der be¬ 
stehenden Lcprosorien zur wissenschaftlichen Erforschung 
der Lepra einzurichteu. Kurland besitzt 3 Leprosorien 
in der Nähe der Städte B a n s k e, Ttickitm nnd T a 1 s e n, 
welche von Privatvereinen unterhalten werden. 

— Mit der diesjährigen landwirtschaftlichen und Üewerbe- 
An88tellnng, welche vom 20.-23. Augnst io Jutjew (Dorpat) 


stittflndet, wird, wie die «Nordl. Ztg.» berichtet eine h y - 
gienische Ausstellung verbunden sein, za def die 
Aerzte ihre Beihttlfte zugesagt haben. Gleichzeitig wird dort 
auch der livländische Aerztetag abgehalten werden. 

*-• Am 22 Jannar fand nnter demVorsitz von Dr. Hag •’ 
mann dieJahresversa mm lung der medlko-pht- 
lantliropisclieii Geselischaft in Moskau statt. 
Aus dem Jahresbericht dieser Gesellschaft pro 1903 ist zu er¬ 
sehen, dass an der von der Gesellschaft unterhaltenen Heil¬ 
anstalt 30 Aerzte als Konsultanten wirken. Die Einnahmen 
der Heilanstalt betragen 5856 Rbl., die Ausgaben 3213 Rbl. 
Witwen nnd Waisen vnn Aerzten wurden Unterstützungen 
im Betrage von 3213 Rbl. gewährt. Das unantastbare Kapi¬ 
tal der Gesellschaft ist auf 46,536 Rbl. ‘ängewachsen. 

— Die C har ko wer U n i v e rs i tät beging am 17. Ja¬ 
nuar ihren 99. 81 i f t u n g s t a g. Nach dem'Jahresbericht für 
das abgelanfene Jahr betrug znm 1. Januar 1904-die Zahl 
der Studierenden 1486 (darnntea 476 Mediziner) nnd die 
Zahl der Professoren, Privatdozent.en nnd 
Lektoren 141, sodass auf jeden Dozenten nnr 10 Studen¬ 
ten entfallen. Der Unterhalt'der Universität kostete im Be¬ 
richtsjahre 497,027 Rbl. 90 Kop. 

— Die Abnahme der Mediziner an den deutschen 
Universitäten Ist in diesem Semester wiederum recht augenfäl¬ 
lig. Während die Gesamtzahl der Medlzinstndierenden an den 
deutschen Universitäten im Wintersemester 1894/95 auf 7796 
sich belief, beträgt sie jetzt nur noch 6072, so dass in diesen 
10 Jahren eine Abnahme von22pCl. eingetreten ist. Am 
stärksten sind an diesem Rückgänge beteiligt Würzburg, wo 
in der angegebenen Frist die Zahl von 753 auf 422 sank, 
Leipzig von 727 auf 415, Greifswald von 381 auf 156. Einige 
medizinische Fakultäten haben etwas zngenommen. so Giessen, 
Heidelberg und Rostock. In der grössten medizinischen ta- 
kultät, der Berliner ist die Zahl der Medlzinstndierenden von 
1220 auf 1193 gesunken. 

Dl« 

— DieGesammtzahl derKranken ln den Civil- 
bospitftlern St. P e t e r s bu r g s betrug -am 17. Jan. 
d. b. 9196 (140 mehr als in d. Vorw.), daran (er 476 Typhus — 
(2 mehr), 990 Syphilis — (51 mehr), 223 Scharlach — (6 mehr). 
100 Diphtherie — (10 mehr), 92 Masern - (5 mehr") nnd 43 
Pockenkranke — (8 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 11. bis zum 17. Januar 1904. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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367 296 

663 

132 78 

96 

10 

9 

17 

56 

56 

58 

56 47 

29 18 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 2, Typh. abd. 15, Febris recurrens 2,Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 3. Masern 13. Scharlach 11, 
Diphtherie 9, Croup 0. Keuchhusten 2 Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 22, Erysipelas 3, Grippe 4. Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 69, Ruhr 0. Epidemische Meningitis 0. Acuter 
Gelenkrheumatismus 0. Parotitis epidemica 1, Rotzkrankheit 0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 0, Pyäraie und 
Septicaemie 8, Tuberculose der Lungen 112. Tuberkulose an¬ 
derer Organe 26, Alkoholismus und Delirium tremens 1, Le* 
bensschwäche und Atrophia infantum 38. Marasmus senilis 40, 
Krankheiten des VerdanungBcanals 36, Todtgeborene 35. 


Nächste Sitzung des Vereins St Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 3. Feb. 1904. 

Tagesordnung: 1) W. Fick: Kasuistische Mitteilungen 
aus dem Gebiet der Hiinchirnrgie. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 9. Februar 1904. 


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Adressen von Krankenpflegerinnen! 
Frau Minna Sieser geb. Franke Ct&~ 
pufl IIeTepro4)CRiI npocn. a. J8 16- 
kb. 28, y Hobo KazaHRBHa xocTa. 


geBB.Cnß., 31 HHBapa 1904 r. Herausgeber Dr. Eudolf W anach. Buchdruekereiv. A. Wienecke, Katharinenhofer Pr. H 16. 


_Digitized by. 


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XXIX. JAHBGANG. 


ST. PETERSBURGER 


Nene Folge XXI. lahrg. 


IBD1CIIIS0EE WOCHENSGEEIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Or. Karl Oehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 

Sonnabend.—Der Abonnementspreia ist in Bussland 8Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerXnsertlonsprels 
für die 3mal gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop. oder 35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikelzuge6andt. 
—Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


VT Abonnements «Aufträge sowie alle Inserate "tp* 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von & L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect Na 14, zu richten. — Manus- 
oripte sowie alleaufdie Redaction bezüglichen Mittbeilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden RedacteurDr.Budolf Wa- 
naoh in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag vort2—3Uhri 


M 6 


St. Petersburg, den 7. (20.) Februar. 


1904. 


Inhalt: Dr. med. Alfred Högerstedt: Zur Technik der klinischen Elwelssbestimmung in Harn und anderen Flüs¬ 
sigkeiten nach Brandberg. — Privatdozent Dr. K. Baron Budberg: Zur Wirkung des Eucbinins bei Malaria.— Referate; 
Die Ubiqnität der Tuberkelbazillen und die Disposition zur Phthise. Vou C. Flügge. — Bttcheranzeigen und Bespre¬ 
chungen: Dr. Stechow: Das Röntgen-Verfahren mit besonderer Berücksichtigung der militärischen Verhältnisse. — Paul 
Zweifel: Lehrbuch der Geburtshttlfe. — Mitteilungen aus der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — 
Zuschrift an die Redaktion. — Vermischtes. — Anzeigen. 


Zur Technik der klinischen Eiweissbestimmung in 
Harn und anderen Flüssigkeiten nach Brandberg. 

Von 

Dr. med. Alfred Högerstedt. 


Für die approximative Abschätzung kleinster, in Flüs¬ 
sigkeiten gelöster Eiweissraengen ist allen anderen Me¬ 
thoden das Ueberschichtungsver fahren vorzuzieben, weil 
eine ganze Reihe von Reagentien bei geeigneter Be¬ 
leuchtung und richtiger Handhabung die Möglichkeit 
bietet aus dem zeitlichen Ablauf ihrer Effekte aus¬ 
reichend genau den fraglichen Eiweissprozentgehalt zu 
bestimmen. 

Wir wissen, dass der Schwellenwert einer deutlichen 
Reaktion d. b. das Auftreten eines sich sofort bil¬ 
denden, eben noch wahrnehmbaren Ringes bei Verwen¬ 
dung des Spieg 1 er’schen Reagens bei einem Eiweiss- 
gehalt von 1:200,000 einsetzt. Das entspricht einer 
Ei weissmenge von 0,0006 pCt. — Bei Ueberschichtung 
auf Ferrocyanwasserstoff, der sich beim Mischen von Es¬ 
sigsäure mit Ferrocyankalium bildet, liegt dieser Schwel¬ 
lenwert bei. 1:50,000 d. h. bei 0,002 pCt. — Die Hel¬ 
le r’sche Probe endlich — Ueberschichtung auf reine 
Salpetersäure — giebt bekanntlich eine in der drit¬ 
ten Minute auftretende, eben noch wahrnehmbare 
ringförmige Trübung bei einem Eiweissgehalt von 
1:30,000, also bei 10 /s mg Eiweiss auf 100 cc Flüssig¬ 
keit d. b. bei 0,0033 pCt. — Dass Eiweissmengen unter 
0,0033 pCt. klinisch durchaus nicht bedeutungslos sind, 
wird jedem mit der Nierendiagnostik näher Vertrauten 
hinlänglich bekannt sein. Es ist also nützlich das ge¬ 
genseitige Verhältnis der Schwellenwerte dieser drei 
am häufigsten verwendeten Reaktionen zu kennen, am 
bei negativem Ausfall der Kochprobe etwa vorhandenen 
feineren pathologischen Veränderungen qualitativ und 
quantitativ nachspüren zu können. Wenn also in der 
dritten Minute die He Ile r’sche Probe noch negativ 
ausgefallen ist, mit Ferrocyanwasserstoff dagegen sofort 


ein positives Ergebniss erzielt wurde, so kann füglich, 
angenommen werden, dass im gegebenen Fall der El- 
weissgehalt zwischen 0,003 und 0,002 pCt. betragen 
muss. Giebt auch Ferrocyanwasserstoff kein positives 
Resultat, erhalten wir dagegen ein solches mit dem 
S-pre-g-leHsehen Reagens, so liegt der Eiwehögehalt- 
innerhalb der Grenzen von 0,002 bis 0,0005 pCt. 

Wir gehen also nicht sehr viel fehl, wenn wir im 
letzteren Fall bei sofort eintretender deutlicher Reaktion 
auf 0,001 pCt. schätzen. —Es ist auch deswegen nicht 
überflüssig bei der Harnuntersuchung mit solchen 
Schätzungen vertraut zu sein, weil die nachfolgende mi¬ 
kroskopische Untersuchung bei richtiger Wttrdigang 
dieser Verhältnisse besser fundirt ist und,. wenn ich so 
sagen darf, gewissenhafterer Kontrolle unterliegt. 

Wenn die klinischen Anforderungen heute über den 
Rahmen der am Krankenbett ausführbaren Harnunter¬ 
suchung hinausgehen, so dürfte es von Wert sein von 
dieser feineren Technik einmal zu reden, die uns in den 
Stand setzt Frühdiagnosen zu stellen und eia getreues 
Spiegelbild von den feineren, ich möchte sagen, intimen 
Veränderungen und Schwankungen zu erhalten, welche 
der Ab- und Verlauf akuter und chronischer Störungen 
des Organismus in der Funktion, resp. im Produkt der 
Nieren darbietet. Und es dürfte von Wert sein hierbei 
festzustellen, dass die im Laboratorium geübte Technik 
sich im Grunde genommen doch nur solcher Methoden 
bedient, die am Krankenbett, resp. in der Klinik sehr 
wol geübt werden könnten. 

Für die Bestimmung über 0,0033 pCt. liegender Ei¬ 
weissmengen, bat man seit jeher nach brauchbaren kli¬ 
nischen Methoden gesucht. Ich selbst habe mich seiner¬ 
zeit als Assistent von Prof. A. Vogel genügend mit 
seiner optischea Eiweissbestimmungsmethode abgequält. 
Jene ira Uebrigen fruchtlosen Bemühungen haben mir 
wenigstens den Vorteil gebracht, dass ich gewisser- 
massen bei der optischen Methode geblieben bin, und 
dass es mir, wie ich hoffe, gelungen ist das von Ro¬ 
be r t s und S t o 1 n i k o f f vorgeschlagene, von Ham- 


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52 


taarsten und Brandberg weiter ansgearbeitete 
Verfahren zn einer für klinische Zwecke tauglichen und 
leicht handzuhabenden Methode auszubilden. Wenn ich 
im Folgenden diese Wanderung auf scheinbar ausge¬ 
tretenem Pfade genauer beschreiben möchte, so veran¬ 
lasst mich unter Anderem dazu, die tägliche Erfahrung, 
dass auch heute noch nicht nur in Kliniken, sondern 
selbst in Laboratorien das hinlänglich abfällig beurteilte 
Verfahren von Esbach zur quantitativen Eiweissbe- 
stimraung benutzt wird. Es ist in der Tat auffallend, 
dass man sich- in vielen Kliniken noch immer an dieses 
mit so enormen Fehlern behaftete Verfahren hält, wäh¬ 
rend doch schon vor 20 Jahren die Roberts-Stol- 
nikoff'scheMethode von Hammarsten und seinen 
Schülern einer eingehenden Prüfung unterzogen und 
gerade für die Verwertung in der Klinik als hinreichend 
genau und durchaus brauchbar befunden worden ist. 

Nach Brandberg tritt eben wahrnehmbare Hel- 
ler’sche Reaktion in 2 bis 3 Minuten ein, wenn die 
Lösung 3‘/3 mg. Eiweiss in 100 cc enthält. Es ist also 
die auf Eiweiss zu untersuchende Flüssigkeit bis zu die¬ 
sem Schwellenwert zu verdünnen und aus dem Grade 
der Verdünnung der Ei weissgehalt zu berechnen. Man 
verdünnt den Harn zunächst auf das Zehnfache und 
lässt dann von diesem zehnfach verdünnten Harn je 
1—2—3 u. s. w. cc in eine Reihe von mit je 10 cc 
Wasser gefüllten Reagensgläsern zufliessen. Von den 
so erhaltenen Verdünnungen werden 2 quantitativ in 
der Reihe aufeinanderfolgende Harnlösungen gröbere 
Grenzwerte repräsentieren derart, dass die eine den 
Ei weissring noch zu früh, die andere ihn zu spät auf- 
treten lassen wird. Zwischen beiden wird der rich¬ 
tige Wert endgültig durch feinere Pipetlirung erhalten, 
indem man zu den weiteren Proben solche Volumina 
zehnfach verdünnten Harns nimmt, welche zwischen den 
beiden aufgefundenen Grenzwerten liegen. Für die Be¬ 
rechnung des Eiweissprozeutgehalts in Grammen ist von 

Brandberg die Formel angegeben worden, in 

welcher v das Volumen des zehnfach verdünnten Harns 
bedeutet, welches zu 10 cc Wasser zugesetzt werden 
muss um die Endreaktion zu erhalten. 

Dieses ganze Verfahren leidet an zwei Uebelständen, 
einmal daran, dass es sich scbablonenförmig nur an 
zehnfache Verdünnungen des Harns hält, somit nur 
grössere Ei weissmengen zu bestimmen erlaubt, und zwei¬ 
tens daran, dass die Formel nur dann verwendbar ist, 
wenn die Verdünnung nach dem vorgeschriebenen 
Schema ausgeführt wird. Das sind durchaus nicht ge¬ 
ring anzuschlagende Mängel, denn sehr häufig hat man 
es mit kleinerem Ei weissgehalt zu tun, für dessen Be¬ 
rechnung die Brand b e rg’sche Formel nicht brauch¬ 
bar ist, und andrerseits ist es auch bei grösserem Ei¬ 
weissgehalt häufig vorteilhafter von vornherein mit 
anderen Verdünnungen als den von Brand berg ange¬ 
gebenen zu arbeiten. 

So leicht es sein kann bei einfachen Operationen die 
zur Verwendung gekommene Harnverdünnung, also den 
Eiweissgehalt durch Multiplikation der Verdünnungs¬ 
zahl mit 0,0033 zu berechnen, so schwer und sinnver¬ 
wirrend wird die Berechnung, wenn man mit Bruch¬ 
teilen fortgesetzter Verdünnungen zu rechnen hat. Ich 
habe nun, um mich von der Brandbe rg’schen Schab- 

10 _i_ y 

lone emanzipieren zu können, die Formel -- 1 — so um- 

oü v 

gearbeitet, dass der Untersuchende im Stande ist mit 
Hilfe der modifizierten Formel jeden Ei weissgehalt ohne 
Weiteres zu berechnen, gleichviel in welcher Weise die 
Harnverdtinnung hergestellt wurde. 

ln der für den rechtzeitigen Eintritt der Reaktion 
bereiteten Mischung Y+a bedeute v das in cc ausge¬ 


drückte Volumen des verwendeten verdünnten 
Harns, a die Zahl der zugesetzten cc Wasser. Bezeichnet 
man mit s die Zahl, welche den Grad der zur Verwen¬ 
dung gekommenen Harnverdünnnng angiebt, so ist in cc 
ausgedrückt unverdünnten Harns enthalten 

1) in der Mischung v + a. 

v 


2) in 1 cc der Mischung v + a 

v 


3) in 100 cc der 


s (v + a) 
Mischung v -f- a 
100 v 


s (v + a) 

In diesen 100 cc der Mischung oder in 

10 


100 v 
s (v + a) 


unverdünnten Harns sind ~~ mg Eiweiss enthalten. 

O 

In 100 cc unverdünnten Harns berechnet sich also der 
Eiweissgehalt in Milligrammen aus 

lOÖ V 10 _ IQQ ; % 

s (v + a) 3 

4) als x = 8 oder in Grammen aus- 

' 3 100 v 

gedrückt. 

»> *'•.^ 

Es ist nun ganz gleich, in welcher Weise die Harn- 
Verdünnung bereitet wird; für jeden Arbeitsmodus er¬ 
möglicht meine Formel sofort die Berechnung des Pro¬ 
zentgehalts. Es seien z. B. 3 cc unverdünnten Harns 
und 0,6 cc Wasser zur Verdünnung nötig gewesen. Da 
in der Mischung v + a das Volumen in diesem Fall 
unverdünnten Harn bedeutet, so ist s = 1, also 
JLiv^aL = , 1 (3 + 0,6) = „ C( 

300 v — 300. 3 r 

Oder es bestehe in einem andren Fall v + a ans 
3 cc eines 8fach (1:7) verdünnten Harns und 1,5 cc 
Wasser. Dann ist 


s (v + a) 
300 v 


8 < 3 + 1' 5) - _ 0,04 pC«. 
300. 3 r 


Es seien endlich in v + a 0,5 cc lOfach verdünnten 
Harns und 17 cc Wasser enthalten. Dann ergiebt sich 

ÜL + j) _ 10 (0,6+17) = ^ 

300 v ~ 300,0,6 r 

Nicht unnütz dürfte es sein nun die Technik zu be¬ 
schreiben, die sich aus der raetodischeo Eiweissbestiro- 
mung nach diesem Verfahren seit Jahren in meinem 
Laboratorium herausgebildet hat. Das dazu nötige Zn- 
behör besteht aus: 1) einem doppelreihigen Stativ für 
12—20 Reagirgläser, 2) einer Tropfflasche für reine 
Salpetersäure, 3) einer in t /to cc geteilten 5—-10 cc 
fassenden Messpipette, 4) einer gewöhnlichen ungeaichten 
Pipette mit feiner Ausflnssöffnung, 5) einer 2 Minuten 
Sanduhr, 6) einer nach Rammelsberger eingerich¬ 
teten, in ‘/io cc geteilten, 60 cc fassenden Bürette für 
destilliertes Wasser, die mit einem das Wasser enthal¬ 
tenden Standgefäss dauernd verbunden ist. Man hat 
ferner Sorge zu tragen für gute Beleuchtung und für 
eiuen dunklein Hintergrund, am besten ein Stück schwar¬ 
zen Sammts, zur Sichtbarmachung der eben noch wahr¬ 
nehmbaren Helle r’schen Reaktion. — In die in der 
oberen Reihe befindlichen Probiergläser giesst 
ohne hierbei die Wandungen der Gläser zu benetzen, 
zu je 20— 2f> Tropfen Salpetersäure. Handelt es sich 
um einen eiwajssreichen Harn, wofür ja die vorausge¬ 
gangene Kochpnjhe genügende Anhaltspunkte ergeben 


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! 53 


bat, so messe ich gewöhnlieh in das erste Glas der un¬ 
teren Reihe mit der Messpipette 2 cc des filtrierten 
Harns und lasse aus der Wasserburette 18 cc zufliessen. 

Ich operiere also in diesem Fall mit lOfach ver¬ 
dünntem Harn. Von dieser gut durchgeschüttelten Mi¬ 
schung entnehme ich einige cc mit der ungeaichten Pi¬ 
pette und überschichte damit die im ersten Reagens¬ 
glase der oberen Reihe befindliche Salpetersäure. Man 
gewinnt nun sofort aus dem Grade der sichtbar wer¬ 
denden Reaktion Anhaltspunkte für das weitere Vor¬ 
gehen. Es kann nämlich bei sehr grossem Eiweiss¬ 
gehalt der Heller’sche Ring so stark ausfallen, dass 
es sich als praktisch erweisen kann die bereitete 
lOfache Harnverdünnung für die weiteren Operationen 
nochmals um das Zehnfache zu verdünnen. Man hätte 
dann mit der zehnfachen Harnverdünnung einfach das 
Gleiche zu tun wie vorher mit dem unverdünnten Harn, 
würde also später mit lOOfach verdünntem Harne zu 
rechnen haben. — Oder aber der beim ZufUgen lOfach 
verdünnten Harns sich bildende Ring ist schwach ge¬ 
nug, so dass ich zur weiteren Verdünnung voraussicht¬ 
lich nicht übermässiger Wassermengen bedarf, — dann 
luge ich mit der Messpipette von der lOfachen Harn- 
verdünnung zu je 1 oder zu je 2—3 cc in mehrere fol¬ 
gende Gläser der unteren Reihe. Und zwar empfiehlt 
es sich nur zu je 1 cc einfliessen zu lassen, wenn der 
Heller’sche Ring noch relativ stark ausgeprägt war, 
dagegen zu 2—3 cc, wenn er schwach kenntlich war oder 
nur zögernd auftrat. Im ersten Fall nämlich wird das 
Wasser, welches in die nur I cc lOfach verdünnten 
Harns enthaltenden Reagensgläser noch zuzufügen ist, 
jedenfalls eine für das spätere Ansaugen und Ueber- 
schichten ausreichende Mischungsmenge bewirken und 
voraussichtlich auch im Reagensglase Platz finden. Im 
zweiten Fall dagegen könnte die zur Verdünnung eines 
cc erforderliche Wassermenge vielleicht nur wenige 
Zehntel eines cc betragen, die weitere Arbeit wäre dann 
sehr erschwert, und die Differenzierung weniger genau. 
Daher ist es vorteilhafter in diesem Fall je 2—3 cc 
des verdünnten Harns weiter zu verarbeiten. — Diese 
Weiterverarbeitung hat in jedem Fall so lange stattzu- 
finden, bis ein solcher Verdünnungsgrad erreicht wird, 
dass innerhalb der dritten Minute die Heller’sche 
Reaktion noch nicht wahrnehmbar wird. Sagen wir, 
ich hätte im einen Fall zu 1 cc lOfach verdünnten 
Harns 6 cc Wasser, im anderen Fall zu 3 cc der lO¬ 
fachen Harnverdttonung 2 cc Wasser zufliessen lassen 
und hätte beide Male erst in der vierten Minute einen 
kaum sichtbaren Ring erhalten, so würde ich bei der 
nächsten Probe im ersten Fall 5 cc, im zweiten 1,5 cc 
Wasser zugeben nnd damit beide Male in unmittelbare 
Nähe des zu findenden Schwellenwertes gelangen. Es 
ist klar, dass man die Genauigkeit der Arbeit bis auf 
‘/»o cc fortführen kann, aber hier sollte nur der me¬ 
thodische Gang der Untersuchung gekennzeichnet, und 
angedeutet werden, wie die Arbeitsmethode zur schnellen 
Erzielung eines befriedigenden Resultats zu «individuali¬ 
sieren» sei. 

Für alle unter 0,0033 pCt. sich bewegenden Eiweiss¬ 
mengen hat man das Verfahren natürlich mit unver¬ 
dünntem Harn anzustellen, wobei die gleichen Verhält¬ 
nisse in Betracht kommen, die oben erörtert worden 
sind. Bei der Berechnung muss man sich klar machen, 
dass unverdünnter Harn einer Verdünnung von 1 ent¬ 
spricht, dass also dann s = 1 zu setzen ist. Der Grad 
der angewandten Harnverdünnung wird andernfalls 
durch die Zahl ausgedrückt, welche der Summe von 
1 cc unverdünnten Harns -\- der auf ihn entfallenden 
Anzahl cc Wasser entspricht. Cfach verdünnter Harn 
enthält z. B. auf I cc Harn 5 cc Wasser. 


Ich glaube auf Grund langjähriger nahezu täglich in 
meinem Laboratorium gemachter Erfahrung die angege¬ 
bene Arbeitsmethode gerade für die Klinik empfehlen zu 
dürfen, weil sie rasch und ausreichend genau zu abso¬ 
luten Resultaten führt (eine Bestimmung dauert selten 
länger als eine Viertelstunde), weil sie zweitens den 
Untersucher an keine Schablone bindet, und das Instru¬ 
mentarium denkbar einfach ist, und weil endlich jeder 
beliebige Eiweissgehalt bis zu 0,0033 pCt. bestimmt 

8 (v -f- a) 

und mit Hilfe der Formel ——- leicht berechnet 

300 v 

werden kann. 

St. Petersburg, 26. December 1903. 


Zur Wirkung des Euchinins bei Malaria. 

Von 

Privatdozent Dr. K. Baron Budberg. 
Dorpat 


Im Laufe des vergangenen Sommers hatte ich in 
einer Malariagegend des Simbirskischen Gouvernements 
Gelegenheit mich von der vorzüglichen Wirksamkeit des 
Euchinins zu überzeugen. Die in Summa aus den Be¬ 
obachtungen zu ziehenden Schlüsse setzen sich zu¬ 
sammen : 

1. Aus den bei mässigen Dosen nicht zu konstatieren¬ 
den störenden Wirkungen des Euchinins, die dem CbiniB 
eigen sind. 

2. Aus der dem Euchinin mindestens dem Chinin 
gleichwertigen spezifischen Wirkung bei Malaria. 

Was den ersten Punkt anbetrifft, so ist in Folge des 
fast ganz fehlenden bitteren Geschmackes das Medika¬ 
ment jedem Patienten selbst kleinen Kindern, etwa der 
Nahrung beigeraischt, leicht zu verabfolgen. 

Wegen der guten Löslichkeit des Euchinins in Alkohol 
kann die Verabreichung manchem Erwachsenen in Form 
eines Schnapses sogar zum Genuss gereichen. 

Das etwas starke Volum des leichten, etwas watte¬ 
ähnlichen, Pulvers, ein Gramm erfüllt einen Teelöffel, 
kann nicht zu besonderen Unbequemlichkeiten gerechnet 
werden. Auch der Preis ist bei der geringen Menge, 
die bei typischer Malaria zu deren Bekämpfung genügt, 
erschwinglich; 10—15 Kop. pro Gramm. 

Die unangenehmen Nebenwirkungen des Chinins, die 
sich in dem Bilde des sog. Chiniurausches zusaramen- 
fassen, fehlen dem Euchinin fast vollständig und wenn 
sie auch bei einzelnen empfindlichen Individuen oder 
grossen Dosen einmal, aber dann auch nur in massigem 
Grade, zu Tage treten, so gehen sie schnell zurück, 
selbst bei weiterer Verabreichung des Medikamentes, 
worauf bereits 0 verlach 1 ) binweist. 

Was nun die spezifische Wirkung des Euchinins be¬ 
trifft, so scheint es, bei der Verabreichung das Euchi¬ 
nins bei typischer Malaria sehr darauf anzukommeo, 
dass das Medikament von Hause aus in genügend grosser 
Dosis, nicht unter 1,0 und rechtzeitig, etwa ü Stunden 
vor dem Anfall verabreicht werde. 

In 28 Fällen die ich zu beobachten Gelegenheit hatte, 
liess sich der Anfall unfehlbar sicher in dieser Weise 
koupieren. Kleinere Dosen von 0,6 koupierten meist 
vollständig den Anfall oder schwächten ihn stark ab 
und blieben dann die Anfälle für einige Zeit aus, um 
dann meist erst unregelmässig später wieder in den 
ursprünglich regelmässigen Intervallen wiederzukehren. 
Eine einmalige Dosis von 1,0—1,2 dagegen liess die 
Anfälle in ganz akuten Fällen nicht wieder erscheinen,■ 

*) Deutsch. Med,-Ztg. 1897. Nr. 15. 


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während ältere Fälle nach ein bis zwei Wochen wieder 
rezidivierten. 

Kleinern Kindern verabreichte ich eine ihrem Alter 
entsprechend geringere Dosis, so einer kleinen 3jährigen 
Patientin mit Febr. interm. semitertiana 2 mal 0,3—6 
Stunden vor den auf einander folgenden Anfällen an 
demselben Tage. Beide Anfälle wurden vollständig kou- 
plert, doch nach Ablauf von 3 Tagen traten neue An¬ 
fälle und zwei in regelmässiger Form der quotidiana 
auf. Nach Verabreichung von 0,4 an 2 auf einander fol¬ 
genden Tagen 6 Stunden vor den zu erwartenden An¬ 
fällen, blieb Patientin weiterhin wohl. 

Nochmals die Beobachtungen zusammenfassend, scheint 
es zweckmässig von Hause aus eine grössere Dosis etwa 
6 Stunden vor dem zu erwartenden Anfalle zu verab¬ 
reichen. Erwachsene vertragen dabei ohne Nachteil 
1,0—1,2 welche Dosis 2—3 mal stets 6 Stunden, vor 
dem zu erwartenden Anfalle zu wiederholen ist, um 
weiteren Rezidiven vorzubeugen, die häufig einen un¬ 
regelmässigen Charakter zeigen und schwerer in An¬ 
griff zu nehmen sind. 

In der bereits reichen Litteratur über das Euchinin 
wird seine vorzügliche Wirksamkeit auch bei andern 
Leiden gerühmt, so namentlich neuerdings von S t e c k e l 2 ) 
beim Keuchhusten. Den Geburtshelfer würde namentlich 
interessieren die Wirkung desselben auf den uterus, ob 
es gleich dem Chinin die eigentümlichen kontrahierenden 
Wirkungen auf das obere Uterinsegment besitzt, ferner 
wie es auf den Foetus wirkt, auch den Ikterus neona¬ 
torum das Chinin wie von Runge beschrieben, erzeugt. 
Es sind hierin meines Wissens nach keine Beobach¬ 
tungen angestellt und wäre es wohl lohnend auch in 
dieser Richtung an Kliniken die Wirksamkeit des vor¬ 
züglichen Medikamentes zu prüfen. 


Referate. 


Die Ubiquität der Tuberkelbazillen und die Disposition 
zur Phthise Von C. Flügge. (Deutsche med. Wo¬ 
chenschrift 1904 pag. 161—166). 

Bei sorgfältigem Suchen nach tuberkulösen Herdon hat 
N ä g e 11 bei üoer 500 Sektionen in 93 pCt. solche Herde 
gefunden, Burkhardt bei Uber 1400 Sektionen in 91 pCt. 

Bel 1262 Sektionen nur Erwachsener (18—60 Jahre alt) fand 
B n r kh ard t: 

Bei 37 pCt. letale Tuberkulose. 

Bei 16 j>Ct. latente aktive Tnberknlose (d. h. diese wären 
auch an Tuberkulose gestorben, wenn nicht interkurrente an¬ 
dere Krankheiten zuvorgekommen wären). 

Bei 37,5 pCt. latente inaktive Tuberkulose (d. h. ausgeheilt). 

Bei 9 pOl- nichts von Tuberkulose. 

Die Tatsachen haben bei Vielen die Ueberzeugung wachge- 
rofen: 1) dass sozusagen Alle infiziert sind und dass daher 
der TuberkuloBebazillus ubiquitär sein müsse; 2) dass von den 
Infizierten aber nur die Disponierten der Krankheit erliegen. 

Beide Schlüsse sind falsch. Der Tuberkelbazillus ist in 
Tausenden von einwandsfreien Untersuchungen nicht gefnndeu 
wordeu im Schmutz der Strasse, der grossen Verkehrsstätten, 
Wohnungen etc. 

Nur wo notorisch Tuberkulöse vor Kurzem ihr Spntura 
entleert hatten, wurden Bazillen gefunden, so in Eisenbahn¬ 
waggons im November auf der Strecke Berlin-Meran z. B. 
Es bleibt als Quelle der Infektion nur der Phthisiker mit 
seinem bazillenhaltigen Sputum, das entweder durch Hu- 
Bten8tö«8e als feinste schwebende Tröpfchen wirkt, oder ein¬ 
getrocknet mit Staub vermengt. Die Infektion von perlsüch- 
tigen Rindern (Milch, Butter, Fleisch) ist möglich aber wohl 
ausserordentlich selten. Flügge tritt durchaus gegen Beh- 
ring’s neueste Publikationen auf. 

Was nun die Disposition betrifft, so zeigt doch die N ä- 
g e 1 i 'sehe und Barkhard t’sche Statistik, dass mindestens 
53 pCt. (37 -f 16) aller Menschen hochgradig zu Tuberkulose 
disponiert sind. 

Wie falsch also von unnützer Bazillenfnrcht und von al¬ 
lein entscheidender Disposition zu sprechen. Falsch ist es auch, 
alles Heil von verbesserten sozialen Verhältnissen (Wohnung, 


*) Klin.-Ther. Wochen sehr. Nr. 23. 1903. 


Nahrnng) zu erwarten. Die Zahl der Erkrankungen unter den 
Wohlhabenden ist gross genug, um dem zu widersprechen. 

Die Isolierung und Behandlung der Phthisiker im Sana¬ 
torium und die sorgfältige Behandlung des Spntnms solcher 
bleibt die wichtigste Massregel, die schon Früchte getragen 
(Abnahme der Tuberkulosesterblichkett) hat and noch weitere 
tragen wird. M a s i n g. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 

Dr. Stechow. Das Röntgen-Verfahrea mit besonderer 
Berücksichtigung der militärischen Verhältnisse. 

Berlin 1903. Verlag von A. Hirschwald. 

Bei der Bedeutung, welche das Röntgen-Verfahren schon 
wenige Jahre nach der Entdeckung der X-strahlen gewonuen 
hat, muss der Arzt über die neue Untersuchungsmetode 
orientiert sein. Eine vortreffliche Anleitung zur praktischen 
Verwendung der neuen Untersuchungsmethode giebt das Büch¬ 
lein von Stechow. Nach einer kurzen geschichtlichen 
Einleitung findet der Leser eine genaue Beschreibung aller 
beim Röntgen verfahren in Anwendung kommender Apparate 
wie auch der Einrichtuugen einer Röntgenstatiou. ln einem 
besonderen Kapitel über Photographie giebt der Verf. eine 
Anleitung zur photographischen Technik, soweit diese bei 
der Aufnahme mit ltöntgenstrahleu dem Arzte geläufig sein 
muss. Zum Schluss wird die Verwendung der Strahlen zu 
diagnostischen und therapeutischen Zwecken für die am häu¬ 
figsten in Betracht kommenden Fälle besprochen und die 
Beurteilung der Vorgefundenen Veränderungen z. Th. an 
der Hand von Krankengeschichten kritisch beleuchtet. Das 
Buch zeichnet sich durch eine klare Darstellungsweise aus 
und wird das Verständnis des Inhalts durch zahlreiche Ab¬ 
bildungen wesentlich erleichtert. Es kann deshalb nur warm 
zur Anschaffung für die Bibliothek des Arztes empfohlen 
werden. W. Beckmann. 

Paul Zweifel. Lehrbuch der Geburtshülfe. Stuttgart. 

Enke. 1903. 

Die vorliegende 5. Auflage der Geburtshilfe des Leipziger 
Klinikers ist wegen der fruchtbaren Resultate der Forschun¬ 
gen in der Geburtsbülfe, wie siegeradein den letzten Jahren 
zu Tage gefördert sind, vollständig umgearbeitet worden. 
Dadurch ist das Buch, welches eine weite Verbreitung ge¬ 
funden hat, auf die Höhe der zeitgemässen Forschungen ge¬ 
hoben und dürfte sich viele ueue Freunde erwerben. Anti¬ 
sepsis und Asepsis, Desinfektionslehre, Entwickelungsge- 
schichte, Beckenmessung, ektopische Schwangerschaft, Blasen¬ 
mole und Chorionepitheliom, Uterusruptur, Placente praevia, 
Eklampsie — das sind die Abschnitte, welche die grösste 
Umarbeitung erfahren haben. Das Buch trägt durchaus den 
Stempel individueller Anschauungen, die sich auf persönliche 
Erfahrung stützen und dürfte daher nicht nur vom Arzt, son¬ 
dern auch vom Spezialisten mit Interesse gelesen werden. 
Leider gestattet es der Raum nicht auf Einzelheiten einzu¬ 
gehen, es sollen deshalb hier nur einige strittige Fragen 
hervorgehoben werden. Wegen der Unmöglichkeit einer 
Scbuelldesinfektion empfielt Zweifel dieFriedri ch’schea 
Gummihandschuhe nach Berührung mit Infektionsstoffen, 
welche möglichst zu vermeiden ist. Die Möglichkeit einer 
Selbstinfektion resp. Spontaninfektion wird als unbewiesen 
bezeichnet. Nach dem Eintränfeln der 2proc. C r e d 6’schen 
Argentum nitricumlösung werden die Augen der Neugebo¬ 
renen mit Kochsalzlösung abgewaschen. Der Reife bezw. 
dem Tode des Kindes wird ein entscheidender Ein¬ 
fluss auf den Beginn der Geburt zugesprochen Zweifel 
unterscheidet 4 Schädellagen, wovon die III und IV Vorder¬ 
scheitellagen sind. Die Beckenendlagen sollen streng exspek- 
tativ behandelt werden. Die Anwendung des Crede’scbeu 
Handgriffes wird frühestens nach Ablauf einer Stunde ange¬ 
raten. Die Existenz des Milchliebers wild geleugnet. Die 
Rbeinstädter'sche Erklärung des Erbrechens Schwan 
gerer durch Bewegungen der schwanger gewordenen Gebär¬ 
mutter wird von Z. acceptiert. Die Theorie Kaltenbachs, 
derzufolge Hyperemesis ein Zeichen von Hysterie sei wird 
nur für einen kleinen Teil der Fälle als zutreffend erklärt. 

ln einem besonderen Kapitel wird die hereditäre Syphilis 
besprochen. Die Ovarialschwangerschaft wird als solche an¬ 
erkannt, die extrauterine Gravidität mit Werth als bösartige 
Neubildung behandelt. Gegen sekundäre Webenschwäche 
wird bei tiefsiehendem Kopf Secale cornutum empfohlen, als 
Regel soll gelten, dass Secale nur dann gegeben werden 
darf, wenn man jederzeit die Gebnrt künstlich vollenden kann. 
Bei dar Behandlung der Uterusrnptur wird der Laparotomie 
vor der Drainage mit T Drain der Vorzug gegeben. Letzterer 
ist dort durch den Riss in die Bauchhöhle zu bringen, wo 
die Verhältnisse den Baucbschnitt nicht gestatten. Bei 
Eklampsie wird die aktive Therapie (Entbindung möglichst 
bald nach dem ersten Anfall) uud der Aderlass in Anwen- 


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dang gebracht. Die Narkose boHbo kurz wie möglich dauern 
und nicht etwa stundenlang (Gefahr der Herzverfettung, Auf¬ 
lösung von roten Blutkörperchen und Entstehung von Lun¬ 
genödem)- Zur Entbindung werden der vuginale Kaiser¬ 
schnitt und Kolpeurynter und Metreurynter verwandt. Der 
Dilatator von Bossi wird wegen der Cervixrisse per- 
horresciert. Zur Ausführung der Kianioklasie wird das 
Auvard-Zweitelsche Instrument empfohlen, für die De- 
kapitation der Trachelorbekter von Zweifel. Verf. ist be¬ 
kanntlich Anhänger der sonst wenig verbreiteten Symphyse- 
otomie. Zum Schluss giebt Zweifel eine biographische 
Uebersicht der um die Geburtshülfe verdientesten Forscher. 
Dem Studierenden ist durch eine kurze Inhaltsangabe am 
Schlüsse jedes Kapitels das Studiren resp. die Repetition der 
Geburtshülfe wesentlich erleichtert. Die Ausstattung des 
Buches macht dem Enk e’schen Verlag Ehre. 

W. Beckmann. 


Mitteilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 15. Januar 1903. 

I. Fortsetzung der Diskussion über den Vor¬ 
trag Dr. Burchard , 8«UeberHnntington , 8che 
Chorea». 

Dr. Burchard: Herr Dr. B e h r hatte sich auf der vo¬ 
rigen Sitzung gegen mich gewandt, weil ich die Hnnting¬ 
ton ’sche Chorea als selbstständige Krankheit, als Krankheit 
sui generis dargestellt hatte. Ich muss trotzdem die Berech¬ 
tigung zu dieser Darsteilungsweise anfrecht erhalten. Ich 
möchte gleich betonen, dass ich in meinem Vortrage schon 
angeführt hatte, dass einzelne Autoren, z. B. Charcot die ge¬ 
nannte Krankheit nur als eine chronische Form der gewöhn¬ 
lichen Chorea anseheu, die Ansicht der grossen Mehrzahl der 
Autoren spricht jedoch für meine Auffassung. Im E i c h h o r s t’- 
schen Lehrbuche, Im Oppenheim 'sehen Werke über Ner¬ 
venkrankheiten, imNothnagel 'sehen Sammelwerke ist die 
Krankheit als vollkommen selbstständig dastehend geschil¬ 
dert. Die berühmtesten Nervenärzte teilen diesen Standpunkt, 
so Hitzig, Möbins, Schlesinger, Jendrassik, 
Wollenberg etc. C h a r c o t hat seine Ansicht 1886 ge- 
äussert, zu einer Zeit, wo noch, nicht genügend Beobach- 
tungsmaterial und pathologisch-anatomische Befnndevorlagen; 
sein Schüler Hnct nnd Professor J o 11 y mit seinem Schü¬ 
ler Zinn sind jetzt eigentlich die einzigen namhaften Ver¬ 
treter der Ch arcot'sehen Anschauung. Herr Dr. Behr 
bat in der vorigen Sitzung die Gründe angeführt, die gegen 
die Selbstständigkeit der H nntington 'sehen Chorea spre¬ 
chen sollen. Ich habe in meinem Vortrage mit Absicht die 
Motivierung und Gegenüberstellung der gegenteiligen An¬ 
sichten nicht gebracht, well ich der Ansicht war, dass ein 
solches Vorgehen über den Rahmen ia dem ein Vortrag in 
der hiesigen Gesellschaft stehen soll, hinaasgeht; da jedoch 
Dr. Behr die -Toll y’sclien Gründe angeführt hat, so halte ich 
mich jetzt auch für berechtigt, die Gründe der Gegenpartei vor- 
znbringen. Die Unterschiede zwischen der S y d e n h & m ’- 
sehen und der Huntington 'sehen Chorea sind folgende: 
die erstere befällt vorzugsweise das jugendliche Alter, die 
zweite Erwachsene; die Hnntingto n’sche Chorea zeigt aus¬ 
gesprochene Heredität, die Sydenham ’sche hat eine gänz¬ 
lich andere Aetiologie, sie bernht wahrscheinlich auf Infektion, 
worauf schon ihr häufiges Auftreten nach Rheumatismus, 
Masern, Scharlach etc. hindeutet, ihre häufige Kombination 
mit Endocarditis. Die Hnntington’sche Chorea ist anheilbar, 
progressiv, beginnt schleichend and ist exquisit chronisch. Die 
Syd enham 'sehe Chorea ist heilbar, gutartig, beginnt meist 
akut oder snbakut. Die psychischen Störungen bei ersterer 
zeigen eine degenerative Tendenz, sind chronisch nnd betref¬ 
fen hauptsächlich die intellektuelle Sphäre, bei der zwei¬ 
ten dagegen handelt es sich meist um vorübergehende 
Seelenstörnngen, die nicht zur Verblödung führen and den 
Eindruck von Intoxikationsdelirien machen. Schliesslich finden 
wir bei der Hnntington 'sehen Chorea stets wiederkeh¬ 
rende einheitliche pathologisch-anatomische Veränderungen, 
bie bei der gewöhnlichen Chorea vermisst werden. Das sind, 
scheint mir, Unterschiede genug. Wir haben aber auch chro¬ 
nische Formen der gewöhnlichen Sydenham 'sehen Chorea; 
ging eine solche aus einer akuten Form hervor, so ist die 
dacho klar; entwickelte sie sich aber von vorn herein chro¬ 
nisch, so muss der Verlauf derselben, die stete Progression, 
die Art der Geistesstörung zur Differenzialdiagnose herange- 
zogen werden; Ich will nicht bestreiten, dass hier Fälle Vor¬ 
kommen können, wo eine solche unmöglich wird. Es kommen 
aber chronische Formen der Chorea bei den verschiedensten 


organischen Gehirnerkraukungen vor, wie nach Kinderläh¬ 
mung, bei Tumoren, Cysten, bei der Paralyse, bei post- und 
praehemiplegischer Chorea, bei Arteriosklerose des Gehirns 
etc. Hier ist die Chorea lediglich ein Symptom, das durch 
Reizung einer choreogenen Zone za Stande kommt, and ich 
glaube, dass wohl weder Charcot, noch Jo 11 y diese Cho¬ 
rea mit der Sydenham 'scheu identifiziert haben. Aus die¬ 
ser grossen Groppe der chronischen Chorea-Formen kann 
man nun eine giosse Anzahl von Fällen absondern, die alle 
etwas Gleiches und Gemeinschaftliches haben, das sind die 
Fälle, die wir als Hnntington 'sehe Chorea bezeichnen. 
Man findet bei ihnen gleiche Aetiologie, gleichen Verlauf, die¬ 
selben pathologisch-anatomischen Veränderungen. Und daher 
sind wir berechtigt, dieser Groppe Selbstständigkeit znzu- 
sprechen. 

tAotoreferat). 

Dr. Behr: Wenn man die Kasuistik der H.'scheu Chorea 
durchgeht, so kommt mau zu folgenden kritischen Ergeb¬ 
nissen : 

I. Die patbol.-anat. Befunde sind zn widersprechend, um 
für die Systematik verwertet werden zn können. 

So konstatierte Weidenhammer (cf. Verb. d. Neurolo¬ 
gen nnd Irrenärzte za Moskau — Nenrolog. Ztrlbl. 1901. 
p. 1161) bei einem Falle von H. Chorea eine Encephalitis 
chron. hämorrhagica diffusa, und sah iu diesem Befände eioe 
Bestätigung derjenigen Anschauung, die obige Krankheit mit 
anderen diffusen Erkrankaugen des Zentralnervensystems 
wie progr. Paralyse and Dementia seuilis in Parallele setzt. 

Stier (cf. Neurolog. Zn tri bl. 1902 p. 910) spricht in seinem 
Falle von einer embryonalen Entwicklnngsanomalie, und nimmt 
sogar eine primäre Wucherung der Glia an. 

Kekaval nnd Raviart (cf Psychlatr. Wocbenschr. Nr. 
43, 1901 nnd Arch. des Neurolog. Vol. IX. 1900) nahmen 
hauptsächlich eine Veränderung der Neuroglia an, obgleich 
bei ihren Präparaten das Versagen der Weigert ’methode 
keine genaue Deutung znlassen konnte. 

Ladame (cf. Ztrlbl. f. Nervenheilk. ond Psychiatr. 1901, 
p. 566. nnd Arch. der Nenrolog. Vol. IX ) fand in einem Falle 
ausgesprochene Entwicklungsanomalien des Gehirns, wie 
Asymetrie der Hemisphären, Zweiteilang der R o 1 a n d o sehen 
Furche, Vorhandensein von 4 Stirnwindnngen etc. nnd sieht 
in diesem Befunde ein anatomisches Stigma bereditarinm der 
nervösen Zentren, nnd glaabt hiermit den familiären, heredi¬ 
tären nnd degenerativen Charakter der Krankheit erklären 
zu können. 

Der eine Autor findet also entzündliche Veränderungen des 
Zentralnervensystems, der andere embryonale Entwicklnngs- 
anomalien, der dritte Gliaveränderungen, der vierte versteigt 
sich in die Phantasie eines anat. Stigma hereditarinm. Bei sol¬ 
cher Divergenz der Anschauungen sei es jedenfalls ausge¬ 
schlossen aus dem auat. Bilde eiu Urteil zu gewinnen und 
anatom. Befunde als Belege für die Existenz einer distinkten 
autonomen Krankheitsspezies heranznziehn und zu ver¬ 
werten. 

II. Auch die klinische Betrachtung der H. Chorea 
ergiebt gleichfalls kein einheitliches Bild dieser Erkrankung 
Denn in ihrem Verlaufe sind alle verschiedenartigsten For¬ 
men der psych. Störungen beobachtet worden: wie paranoide 
Znstände, Verwirrtheit, Neigung zn zornigen Affekten etc. 
Ja es sind sogar Fälle sicher beobachtet worden, in welchen 
die Kranken in intellektueller Beziehung völlig intakt blieben 
(L ö w e n f eld t). 

III. Es ist nicht gelungen zn beweisen, dass die Bewe¬ 
gungsstörungen bei der H. Chorea sich wesentlich 
von denen beiden ebron. Formen der S y d e n h a m'sehen 
unterscheiden. (Cf. Joliy: Handbuch der praktischen Medi¬ 
zin von Ebstein nnd Schwalbe Bd. IV). 

IV. Was die A e ti o 1 o g i e betrifft, so ist gleichfalls die 
vorwiegende Bedentnng der Erblichkeit nicht erwiesen. Viel¬ 
mehr sprechen viele Momente, besonders die Tatsache, dass 
gerade die arme Bevölkerung von der Krankheit bevorzugt 
wird, entschieden für die Möglichkeit infektiöser Einflüsse- 

V. Diese vermeintliche Erblichkeit ist schliesslich das 
Einzige, was der Krankheit eine selbstständige Existenz eiu- 
zuränraen scheint. Und in der Tat sind die Stammbäume von 
choreatischen Familien sehr frappant in Bezng auf das häufige 
Anftreten dieser Krankheit. Dennoch folgt daraas keines¬ 
wegs die Berechtigung aus diesem häufigen Auftreten in be¬ 
stimmten Familien eine besondere Krankbeitsspezies zu kon¬ 
struieren. 

In ähnlicher Weise giebt es Familien, die durch Generati¬ 
onen vou der Taubstummheit bes. heimgesneht werden, wie 
andere bekanntlich von der Tuberkulose. Dennoch wäre es 
in ig daraus besondere Formen der Taubstummheit resp. Tbk. 
abzuleiten. 

Redner glaabt daher, dass die Erblichkeit als solche nicht 
ausreicht, om eine nene Krankheitsspezies aufznstellen, and 
von den übrigen abzusondern. Ueberhanpt das Aufgtellen von 
einer Krankbeitsspezies auf Grundlage von Stammbäumen er- 


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Scheine ihm prinzipiell falsch. Die Genealogea lehren ans: 
nicht mit Stammbäumen, sondern mit Ahnentafeln, welche 
beide Eltern paare gleichmässig nach aufwärts umfassen, zu 
operieren *). 

Die Aerzte sind im Allg. viel zu leicht bei der Hand ans 
Stammbäumen einzelner Familien Degeneration und degene- 
raiive Erkrankungen abzuleiten. Der Begritf der Degenera¬ 
tion, welcher unter der Herrschaft eines einseitigen Darvinis- 
mus entstanden war, müsste vielmehr von dem Begriff der 
Variation abgelöst werden. 

Wir müssten dem Beispiel der biolog. Wissenschaften fol¬ 
gen, nnd unter8nchen, in welchen Grenzen sich gewisse 
Veränderungen bewegen — ehe wir von Degeneration spre¬ 
chen. Ebenso müssten wir die verschiedenartigsten Ausdrucks¬ 
formen der Krankheiten erkennen und studieren, ehe wir uus 
entschliessen neue Krankheitsspezies zu konstruieren. 

VI. Wie schwankend der Begriff der H. Chorea trotz der 
Arbeiten von Wollenberg und Faklam, wie unsicher 
die Autoren selbst sind, dafür bietet die Literatur inanigfa- i 
che Beispiele. 

Besonders auffallend* ist diese Unsicherheit in einigen Be¬ 
sprechungen und kritischen Betrachtungen über familiäre 
Nervenkrankheiten. 

M a r g u 1 i e s baschrieb einen «Beitrag zu den Uebergangs- 
formen zwischen F ri ed r e i c h'scher Ataxie nnd Hdredo- 
ataxie c6r6bellense von Marie (cf. Neurolog.-Ztribl. 1902). 
Der Referent H a e n e 1 erklärt die Krankheit — offenbar ver¬ 
führt durch die gleichartige Erblichkeit — schlankweg als 
H. chorea, obwohl der Autor selbBt nicht in der Lage war 
eine präcise Diagnose zu stellen. 

Aehnlich ist es auch Unverricht ergangen, dessen Fälle 
von Myoklonie Schnitze f. chron. Chorea, Böttiger 
als H. chorea ansprachen. 

VII. Zum Schluss berührt Redner noch die Differential¬ 
diagnose der H. Chorea, und führt einen Fall ans seiner Pra¬ 
xis an, wo ein Mädchen von 20 J., die längere Zeit an chorea¬ 
tischen Bewegungsstörungen gelitten, unter dem Bilde einer 
heiteren, läppischen Erregung psychisch erkrankte. Da die 
Kranke ans einer nervösen Familie stammte, da die Chorea 
in einem verhältnissmässig späten Lebensalter einsetzte, da 
eine Psychose vorlag, so war der Gedanke an eine progressive 
Chorea gegeben. Bald aber löste sich der Zweifel, typische 
hysterische Anfälle erschienen, hysterische Stigmata wurden 
getunden, die Chorea und Psychose verschwanden, und die 
Hysterie blieb allein als dauernde Erscheinung. 

Ferner führt Redner die multiple Sklerose au, die ebenso 
bisweilen diagnostische Zweifel erwecke. Auch bereite die 
Maladie des Tic’s gelegentlich differentialdiagnostische Schwie¬ 
rigkeiten. 

VIII. Redner kommt zu dem Ergebnis, dass wir bei dem 
heutigen Stande der Wissenschaft nicht in der Lage sind die 
H. Chorea als selbstständige Krankheitseinheit anzuerken¬ 
nen, sondern dass wir es mit einer chron. Bewegungsstörung 
zu tun haben, wie dieselbe unter gewissen Bedingungen bei 
bestimmten Familien zum Ausdruck kommt. Diese Bewegnngs- 
störung ist weder durch klinische noch anatomische Charak¬ 
tere von der chron. Chorea der alten Autoren geschieden; nnd 
es besteht kein Grund nur auf Basis der Erblichkeit neue 
spezif. Krankbeitsbilder abzugrenzen und zu entwerfen. 

(Auszug ans einem Autoreferat). 

Dr. Sc h ö n f e 1 d t Gewiss gibt es keine spezif. pathol.- 
anatom. Grundlage für die klinische Abgrenzung der 
Chorea Huntington von der Chorea minor. Ebenso wenig 
berechtigt uns allein die Gruppierung d. Symptome dazu. 

Es sind aber 2 Erkrankungen, die nur äusserlich in der 
Art der Bewegungsstörung eine Aehnlichkeit mit einander 
haben. Denn diese Symptome von (scheinbar) gleichgearteter 
Hyperkinese Anden wir auch als Teilerscheinung apopl. In¬ 
sulte (sog. prae- und posthemiplegische Chorea) und anderer 
organ. Hirnkrankheiten. 

Was hat aber denn ein alter Hemiplegiker, der im späteren 
Verlauf choreat. Bewegungsstörungen in den gelähmten Ex¬ 
tremitäten darbietet, klinisch Gemeinsames mit der sich schnell 
entwickelnden typischen Ch. minor eines Kindes? 

Nur die Berücksichtigung des aetiologischen Faktors legt 
uns die Notwendigkeit einer prinzipiellen Trennung beider 
Erkrankungen nahe: die Huntington Chorea ist eine en¬ 
dogene (Jendrässik) d. h. in Folge ganz spezif. chorea¬ 
tisch-hereditärer Degeneration entstehende, — während die 
Ch. minor durch ein exogenes — zunächst noch unbekanntes 
infektiös-toxisches Agens verursacht wird. 

Wollenberg hat durchaus kein neues Krankheitsin¬ 
dividuum schaffen wollen, sondern spricht von der chron. pro¬ 
gredienten Chorea Huntington (hereditaria tarda 8- dege- 
nerativa) als von derjenigen Gruppe der familiären Degenera- 


*) Doch würden — abgesehen von den Herrscherfamilien 
nnd einigen Adelsgeschlechtern — doch nur wenige Familien 
solche Ahnentafeln aufstellen können. 


tion, «die den choreatischen Typus repraesentiert» and will 
nur die innere Grundverschiedenheit beider Formen von Cho¬ 
rea betonen, die einander durchaus nicht verwandt sind. 

(Autoreferat). 

Dr. Th. Schwartz: Die Huntington 'sehe Chorea ist 
eine exquisit hereditäre Krankheit und ist schon dadurch 
allein von der gewöhnlichen Chorea scharf abgegrenzt, deren 
Aetiologie eine andere ist. Auch der Verlauf der H u n t i n g- 
ton'sehen Krankheit, sowohl in anatomischer als intellek¬ 
tueller Hinsicht - weist nichts Gemeinsames mit der gewöhn¬ 
lichen Chorea auf, sodass eine Trennung der beiden Krank¬ 
heiten durchaus nötig sei. Seiner Ansicht nach stehen ge¬ 
rade die neuen Autoren auch so, und stimmt er Dr. Schön- 
teldt bei, wenn er mit Prof. Jendrassik die Heredität 
als Krankheitsursache eine endogene Ursache nennt, die mit 
dem Begriff der Degeneration Zusammenfalle. 

Dr. Burchard: Die pathologisch-anatomischen Verände¬ 
rungen, die Dr. B e h r angeführt hat, sind selbstverständlich 
Nebenbefunde nnd haben mit. der Huntington'schen Chorea 
nichts zu tun. Ebenso können die lymphoiden Veränderungen 
nur als Nebenbefund gelten. Ich gehe auch nicht so weit, zu 
behaupten, dass die patholog.-anatoraischen Grundlagen der 
Huntington 'sehen Chorea jetzt sicher feststehen, ich sage 
nur, dass ein einheitlicher Befand: hämorrhagische Entzün¬ 
dung der Gefässe und diffuse Encephalitis mit konsekutiver 
Atrophie der Hirnrinde bei der Huntington sehen Chorea fast 
regelmässig gefunden wird, bei den anderen Choreaformen 
aber nicht. Was das Faktum betrifft, das9 in einem Fall, den 
Be h r an führt, 10 Jahre lang keine Intelligenzstörung sich 
gezeigt hat, so ist auch in einigen anderen Fällen, wie 
Ewald, v. Söldner und K o r n i 1 o w berichten, der In¬ 
tellekt intakt geblieben; diese Fälle sind aber alle zu kurze 
Zeit beobachtet worden, um ein abschliessendes Urteil za er¬ 
möglichen. Die Intelligenzstörung kann sich erst nach langer 
Zeit entwickeln. 

(Autoreferat). 

Dr. Stender äussert sich dahin, dass die von Dr. Bar¬ 
ch a r d erwähnten pathol.-anat. Befunde für H n n t i n g t o n 
sehe Chorea nichts Charakteristisches hätten. — Die von Dr. 
Beh r vertretene Ansicht über das Wesen der Hunting¬ 
ton 'sehe Chorea fände sich in der modernen Literatur kaum 
wieder. 

2. Dr. Vier hoff hält seinen angekündigten Vortrag; Ue- 
ber Appendicitis larvata. 

«In neuerer Zeit ist man immer mehr bestrebt, das vielfach 
noch dunkle Kapitel des subdiaphragmatischen Schmerzes zu 
klären, einzelne Besonderheiten herauszufinden, und ihuen 
eine bestimmte pathologische bezw. anatomische Unterlage 
zu geben. So entstand die Pseudoperityphlitis 
Nothagel’8, die Neurose des Plexus coeliacus 
(F. A. H o f f m a n u) und die Appendicitis larvata. 
Ewald versteht unter A. larvata Fälle von chronischem 
Verlauf, die mit unbestimmten und anklaren Symptomen ver¬ 
laufen, die in ihrer Vielgestaltigkeit meist an alles Andere, 
als eine vom Appendix ausgehende Erkrankung denken las¬ 
sen, zumal ein akuter Anfall von Perityphlitis den Beschwer¬ 
den nicht voranszugehen pflegt. Die Beschwerden werden 
meist in der Magengegend, in der Nabelgegend lokalisiert, 
oder werden, falls Verwachsungen mit der Blase oder den 
weiblichen Sexaalorganen bestehen, auf diese bezogen. Ob 
man die Bezeichnung A. larvata unzweckmässig findet und 
sie durch eine andere ersetzen will, erscheint von unterge¬ 
ordneter Bedeutung. Für die Praxis liegt ihr Wert darin, 
dass nunmehr auf eine Gruppe von Fällen hingewiesen ist, 
die in so hohem Maasse atypisch verlaufen, dass sje meist 
nicht richtig gewürdigt werden. Und doch entscheidet die 
richtige Würdigung der Beschwerden über das Wohl und 
Wehe bezw. das Leben der Kranken. Duich die Resektion 
des Wurmfortsatzes lassen sich die Beschwerden mit einem 
Schlage beseitigen, resp. werden lebensgefährliche Komplika¬ 
tionen beseitigt. Differentialdiagnostisch kommen iD Betracht: 
Erkrankungen des Magens, der Nieren und Ureteren, Bowie 
der weiblichen Sexualorgane, atypisch verlaufende Gallenstein- 
koliken, Nearosen. Vortr. bespricht die Diagnose eingehend 
und weist besonders auf die Schwierigkeit gegenüber den 
Neurosen hin, wobei der psychischen Konstitution des Kran¬ 
ken besonders Rechnung zu tragen sei. Auch anf die häufige 
Kombination von Erkrankungen der Verdauungsorgane mit 
Neurosen wird liingewiesen. Hinsichtich der Differentialdiag¬ 
nose zwischen Ap. larvata und Erkraukungeu der Adnexe 
des Uterus ist zu beachten, dass die besonders iu Betracht 
kommende Salpingitis meistauf eine Infektion zurückzuführen 
ist, welche die Adnexe beiderseits in Mitleidenschaft zieht; 
demnach spricht die einseitige Erkrankung gegen Salpingitis 
und für Appendicitis 

Wenn sich auch in einzelnen Fällen der Diagnose unüber¬ 
windliche Schwierigkeiten entgegenstellen, so dürfte sie im¬ 
merhin in der Mehrzahl der Fälle bei sorgfältiger Berück¬ 
sichtigung aller in Betracht kommenden Momente gestellt 


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werden können. Zuweilen ist der {feschwollene and auf Druck 
empfindliche Wurmfortsatz zu fühlen, oder es gelingt densel¬ 
ben nach dem Vorschläge Ewald’s durch die künstliche 
Aufblähung des Darmes aus der Tiefe emporzuheben und dem 
palpierenden Finger zugänglich zn machen. Bei Personen mit 
fettreichen Banchdecken sollte die Narkose zu Hülfe genom¬ 
men werden. 

Die Therapie ist eine chirurgische. Sobald der Nachweis, 
dass der Wurmfortsatz ;'die Ursache der Beschwerden 
ist, gelingt, ist die Resektion desselben geboten. 

Eine besondere Beachtung erfordern die Leibs chmer* 
zen, Über die im kindlichen Lebensalter so häu¬ 
fig geklagt wird. Wenngleich dieselben meist harmloser Na¬ 
tur sind und vielfach durch Koprostase und durch abnorme 
Gährungen bei unzweckmässiger Ernährung hervorgernfen 
werden, so ist andererseits zn bedenken, dass gerade im kind¬ 
lichen Lebensalter der ersten perityphlitischen Attaque mehr 
weniger latent verlaufende Beschwerden vorauszugehen pfle¬ 
gen, die beachtet werden müssen. Neuere Beobachtungen zei¬ 
gen, dass die Perityphlitis im Kindesalter keineswegs selten 
ist; auch zeigt sie einen gefährlicheren Charakter als bei Er¬ 
wachsenen. 

Folgende Beobachtung des Vortragenden darf als lehrreich 
in dieser Beziehung angeführt werden. 

M. R. 10 J. 

Vor 2 Jahren Diphtherie, sonst ausser den gleich zu schil¬ 
dernden Beschwerden stets gesund. Vor 1 J. Tonsillotomie. 
Seit 1*/« Jahreg leidet Pa t an fast täglich auf¬ 
tretenden Leibschmerzen, die nicht genau 
lokalisiert sind, meist ln der Mitte des Ab¬ 
domens auftrete n, hauptsächlich nach dem 
E 8 s e n, so dass Pal. oft trotz gutem Appetit 
zu essen aufhört. Die Schmerzen sind vou wa¬ 
chsender Intensität, oft tragen sie einen quä¬ 
lenden Charakter, sind dann wieder leichter 
und cessiren dazwischen sogar einige Wochen. 
In ärztlich erBehandlungistPat. der Schmer¬ 
zen wegen nicht gewesen, hatanch ihretwe¬ 
gen nie zu Bett gelegen. Stuhlgang meist regelmässig, 
zuweilen nur bestand Neigung zu Obstipation. An Uebelkeiten, 
Aufstossen, Erbrechen irgend welcher Art hat Pat. nicht ge¬ 
litten. Am 14. September 1902 erkrankte sie plötzlich mit hef¬ 
tigen Leibscbmerzen, die vorübergehend etwas nachliesRen, 
so dass Pat. ihre Mutter auf den Markt begleitete. Bald da¬ 
rauf trat dann wieder eine Verschlimmerung ein, so dass das 
Beit aufgesucht wurde. Da kein Stuhlgang eintrat, wurde 
von der Mutter Karlsbader Wasser, 01. Ricini, Pulv. liquir. 
comp, eingegeben, es wurde jedoch alles erbrochen. Eine vom 
hinzugerufenen Arzt verabfolgte Morphium-Injektion schaffte 
nur wenig Linderung der stürmischen Erscheinungen. 

Nach ihrer Ueberführung in die Diakonissenanstalt am 
Morgen des 16. September wurde folgender Befund erhoben: 

Verfallener Gesichtsausdrnck, häufiges nicht faeculent rie¬ 
chendes Erbrechen, Puls 120 von ziemlich guter Qualität. Be¬ 
schleunigte Atmung, Unruhe. Zunge etwas belegt. Kein Fie¬ 
ber. Abaomen gleichmässig aufgetrieben, nur des Epigastrium 
partizipiert wenig an der Auftreibung. Zwerchfellsstand an 
normaler Stelle. Leberdärapfung erhalten. Abdomen im Gan¬ 
zen ziemlich empfindlich, keine besondere Empfindlichkeit des 
Epigastriums oder der Ueocoecalgegend. Der Mac Bor¬ 
ne y'sehe Punkt nicht empfindlicher als die andern Partien 
des Abdomens- Keine peristaltische Unruhe. Vom Nabel ab 
nach abwärts überall dumpfer Schall. 

Zunächst Besserung bei exspeklativem Verhalten. Dann 
wegen erneuter Occlusionserscheinungen Operation (Dr. F r. 
v. B e r g). 

Der resezierte Appendix erscheint äusserlich fast normal, 
weder geschwollen noch vergrössert, nur an seinem distalen 
Ende kolbenartig verdickt. Beim Aufschneiden ist er zu */ s 
durchgängig, das distale Drittel ist oblir.erierl und in straffes 
Gewebe amgewandelt. Die Schleimhaut des Appendix ist leicht 
katarrhalisch verändert, — Glatter Verlauf, Heilung. Dem¬ 
nach war durch die Operation die Aunahme bestätigt, dass 
die Beschwerden, die l J / a Jahre vor der Occlusion bestanden 
hatten, auf eine Appendicitis bereits znrückzufiihrau sind. Die 
Beschwerden waren nunmehr mit einem Schlage beseitigt. 
(Seit der Operation sind 4 Monate verflossen). 

(Autoreferat). 

Dr. v. Bergmann wendet sich gegen den Modus, eine 
schwer diagnostizierbare Krankheitsform als «larviem zu be¬ 
zeichnen. 

Schon gleich nach dem Vortrage E w a 1 d’s habe sich Prof. 
König gegen eine solche Berechtigung ausgesprochen. 

In jedem Falle von Appendicitis spielen sich charakteristi¬ 
sche Vorgänge ab: entweder bandelt es sich dabei um diffuse 
Entzündung oder Ulceration des Wurmfortsatzes, wodurch 
Infektionskeime der Bauchhöhle zugänglich gemacht werden; 
oder aber um Verlötung des Organes mit der Nachbarschaft 
— dann kommt es zu Zerrnngserscheinungen, oder aber es 


zeigen sich Reflexwirkungen auf andere Organe. Die Schwle- 
ligkeit der Diaguose mag oft sehr gross sein — dennoch 
brauchen wir keine solche Bezeichnung, da die Diagnose 
theoretisch Immer möglich ist Dass grosse Verdiesst 
E w a 1 d’s: uns auf ein typisches Bild besagter Krankheit 
aufmerksam gemacht zu haben, bleibt natürlich unange¬ 
fochten. 

Was den Vier h u ffschen Fall betrifft, so handelte eg 
sich schliesslich doch um eine Occlusion —auch die früheren! 
Attaquen können auf diese Ursache zurückgeführt werden. 

Die gewöhnlichen, diagnostischen Hilfsmittel, wie der Mao 
ßurney'Bche Punkt fehlen häufig — dies erschwert natür¬ 
lich die Diagnose sehr. — Ebenso täuscht man sich oft in 
Bezug auf den Palpationsbefund, der sich mit dem Operations¬ 
befunde oft gar nicht deckt, sondern den Krankheitsprozess 
in grösserer, zuweilen aber auch kleinerer Ausdehnung er¬ 
scheinen lässt, als sich bei der späteren Operation heraus- 
8 teilt. 

Dr. Hampeln wendet sich gleichfalls gegen den neuen 
Terminus: durch zuviel Unterscheidung leide die Klarheit ei¬ 
nes Kranheitsbildes. Die Ewald ’schen Fälle böten zwar eine 
dankenswerte Bereicherung der Kasuistik, aber keine Typen 
für eine neue Krankheit. Ebensowenig wie man von einer 
Nephrolithiasis larvata rede, passe ein solches Epitheton für 
die besprochenen Formen von Appendicitis. 

Dass chronische Leiden lange Zeit unerkannt bleiben, dann 
aber schliesslich durch Hinzutreten neuer Gesichtspunkte der 
Diagnose zugänglich werden, wird immer Vorkommen. 

Es ist geboten in jedem Falle von Peritonitis an Appendi¬ 
citis als Ursache zu denken. 

Was die Bezeichnung «larvata» betrifft, so wäre sie nur 
zutreffend in Fällen, wo sich bei der Operation keinerlei Ad¬ 
häsionen, sondern eine unkomplizierte Appendicitis vortünde. 

Dr. Büttner hält die Bezeichnung «larvata» zum minde¬ 
sten für entbehrlich. Das Verdienst Ewald’s bestelle darin : 
auf einen bestimmten Typus der Appendicitis hingewiesen zu 
haben, der nicht die bekannten Symptome aufweist, sondern 
die soeben vom Kollegen V i e r h u f f beschriebenen. Solche 
Fälle sind vor E.’s Veröffentlichungen häufig verkannt wor¬ 
den. Und doch scheinen sie nicht ganz selten zu sein. Wenig¬ 
stens hat E. nicht nur einen, sondern 10 derartige (darunter 
viele reine Appendicitiden, ohne Verwachsungen) diagnostiziert. 
Dieselben sind zur Operation gelangt — dabei erwies sich 
die Richtigkeit der Diagnose. 

Dr. Bornhaupt: Neuerdings hat Rehr auf die Ver¬ 
wechslung von Appendicitis mit Cholelithiasis aufmerksam ge¬ 
macht. ln hallen, wo beide KrAukheiten kombiniert Vorkom¬ 
men, wo also die Appendicitis von der Cholelithiasis verdeckt 
und daher übersehen wird, könne man allerdings von einer 
«App. larvata» redeu. 

Dr. Woloshinski: Solche Fälle, die lange ohne deutli¬ 
che Erscheinungen bleiben, können kaum als larvlert bezeich¬ 
net werden, höchstens bis zu dem Stadium, wo eben deutliche 
Erscheinungen die richtige Diagnose ermöglichen. Wie gros¬ 
sen Täuschungen man gelegentlich ausgesetzt Bei, lehrt ein 
Fall auf seiner Praxis. Bei demselben handelte es sich uiii 
vage, meist links im Leibe empfundenen Schmerzen — ob¬ 
jektiv war gainichts nachzuweisen. Pat. magerte mehr und 
mehr ab, da wurde, l ' t Jahr nach Beginn der Erkrankung, 
rechts iu der Gegend des Wurmfortsatzes ein kleiner fluktie- 
render Tumor fühlbar. Durch die nun stattfindende Operation 
erfolgte Heilung. 

Dieser und ähnliche Fälle lehren jedoch nur, dass es For¬ 
men von Appendicitis giebt, die erst spät diagnostiziert wer¬ 
den können. 

Dr. K e i 1 ra a n u : Ebenso wie eine Appendicitis durch an¬ 
dere Krankheiteu verdeckt werden kann (wie bereits Dr. 
Bornhaupt hervorhob) so könne sie wieder andere Krank¬ 
heiten vortäuschen. Es sei z. B. nicht selten, dass sie als 
Aduexerkrankung imponiere. Kann letztere ausgeschlossen 
werden, so ist das für die richtige Diagnose von grossem 
Wert. 

Dr. Vierhuff: Er sei gefasst gewesen auf Widerspruch 
zu stossen. Auch ihm sei an der Beibehaltung deB Terminus 
nicht viel gelegen. Er habe, wie er auch bereits in der Ein¬ 
leitung zu seinem Vortrage betont, in erster Linie die For¬ 
men, welche unter dem Bilde einer Epigastralgie auftreten, 
im Auge gehabt Dank den Veröffentlichungen Ewald’s 
werden auch solche neuerdings diagnostiziert; früher verkalf 
meist nur ein typischer Anfall zur richtigen Diagnose. 

Redner betont zum Schluss, dass es wichtig sei in jedem 
Verdachtsfalle von Appendicitis, auch den erkrankten Wurm¬ 
fortsatz wirklich herauszntühlen. Wo es nicht anders an¬ 
geht, müsse zudem Zwecke der Dickdarm mit Luft aufge¬ 
bläht weiden. 

d. Z. Sekretär: S. Kröger jun. . 


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Zuschrift ah die Redaction. 

ln dem Sitznngsprotokoll vom 28. October 1903 (diese Wo¬ 
chenschrift 1904, Nr. 5, pag. 46) über das hysterische Fieber 
findet sich die Aeossernng des Kollegen v. Voss: «Krae- 
p e l i n nnd K r a f f t - E b i n g, die von K a 11 m e y e r zitier¬ 
ten Autoren, denken nicht daran in der Hystero-Epi- 
lepsie eine Miscbform zn erblicken; J o 11 y scheint allerdings 
noch bei der alten Auffassung stehen geblieben zu sein». 
Diese Redewendung meines geehrten Opponenten erweckt einen 
Zweifel an der Richtigkeit meiner Behauptung und an meiner 
Berechtigung zu ihr. 

Ich sehe mich daher veranlasst die betreffenden Autoren 
zu zitieren: Kräpelin schreibt in seiner «Psychiatrie»: (II. 
Aufl. Leipzig 1887 pag. 401) «Dennoch giebt es zwischen bei¬ 
den Krampflbrmen unzweifelhaft eine Reihe von Uebergängen, 
welche bekanntlich zur Aufstellung des Zwischengebietes der 
«Hystero-Epilepsie» geführt haben». Was Krafft-Ebing 
betrifft, so liegt mir die russische Uebersetzung der III. Auf¬ 
lage seines «LehrbucliB der Psychiatrie» vor, (St. Peterab., 
Ricker 1890) wo auf pag. 696 vom hystero-epilepti- 
gchen Irresein die Rede ist, «einem Zustande der analog 
j s t dem psychischen grand mal der Epileptiker». Gleich da¬ 
rauf ist von «Epidemieen der Hystero-Epilepsie, die 
Rede, die in Klöstern, Morzine in Savoyen u. a. 0. häufig 
beobachtet worden sind». Meine Berufung auf diese beiden 
Autoren, war demnach nicht aus der Luft gegriffen. 

Es ist mir nicht unbekannt, dass ein Teil der Neuropatho - 
logen die Bezeichnung «Hystero-Epilepsie» nicht gelten lassen 
will und den gegebenen Fall entweder als Hysterie oder als 
Epilepsie klassifiziert. Diese Erwiderungen sind aber durch¬ 
aus nicht neu oder ezcessiv modern da sie doch zuerst von 
Cbarcot gemacht worden sind, also zn einer Zeit, wo sie 
den obeu zitierten Autoren bereits bekannt sein mussten. 
Ob Letztere in späteren Jahren einen anderen Standpunkt 
eingenommen haben ist mir nicht bekannt. Ohne aber auf 
weitere Erörterungen einzugehen, muss ich doch dabei blei¬ 
ben, dass es in manchen Fällen schwer fallen dürfte die kli¬ 
nische Nomenklatur der Hystero-Epilepsie ganz zu entbehren. 
Die Debatten Uber diese Frage sind eben durchaus noch nicht 
geschlossen. Schreibt doch Jolly noch 1900 in den «Krank¬ 
heiten des Nervensystems» (Handb. der prakt. Medizin von 
Ebstein und Schwalbe) buchstäblich folgendes: «Es 
giebt aber andere Fälle, in welchen zweifellos Mischformen 
beider Arten von Anfällen (sei. hysterischen und epilepti¬ 
schen) vorliegen n. s. w. Zur Bezeichnung dieser Mischformen 
spricht man von hystero-epileptischen Anfällen u. s. w. Es 
kann keinem Zweifel unterliegen, dass in manchen Fällen 
auch eine einfache Kombination beider Neurosen stattfindet». 

Uebrigens muss ich noch auf einen anderen Punkt des 
Sitzungsberichtes znrfickkommen. Kollege v. Voss legt mir 
in seinem Schlusswort eine Aeusserung in den Mund, die ich 
in dieser Form nicht gemacht habe, wie aus demselben Pro¬ 
tokoll pag. 36 dieser Wochenschrift leicht zu ersehen ist. Er 
sagt: «Endlich hält K a 11 m e y e r das seltenere Vorkommen 
der schweren Hysteriefälle in Deutschland für unwahrschein¬ 
lich». — Das tue ich keineswegs. Ich hatte vielmehr auf eine 
vom Kollegen v. Voss in seinem Vortrage aufgestellte Be¬ 
hauptung «die deutschen Autoren seien nicht kompetent über 
die Frage des hysterischen Fiebers zn entscheiden, da sie zu 
wenig schwere Hysterie zu sehen bekämen» buchstäblich er¬ 
widert: «Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Deutschland 
zu wenig Hysterische hat, um in dieser Frage entscheidend 
mitzureden». 

Dr. K a 11 m e y e r. 


Vermischtes. 


— Die Ausrüstung eines evangelischen Feld¬ 
lazaretts, wie ein solches vor einem Vierteljahrblindert 
während des türkischen Krieges im Rücken der Armee in 
Tätigkeit war, wird* anlässlich deB gegenwärtigen Krieges 
wieder geplant. Es hat sich zu diesem Zweck nuter dem 
Präsidium des Leibchirurgen, wirklichen Geheimrats Dr. 
G. v. Hirsch , ein Komite gebildet, das aus hohen Staats¬ 
beamten, Aerzien, Pastoren der evangelischen Gemeinden, 
Grossindnstriellen u. a. m. besteht und zur Entgegennahme 
von Spenden (zunächst ausschliesslich in Geld) bereit i?t, 

— Die Abteilungen des Roten Kreuzes in 
den baltischen Provinzen beabsichtigen eine gemein¬ 
same eigene baltische Sanitätskolonne auf den 
Kriegsschauplatz zu entsenden. Diese soll aus 5 Aerzten, 
15 barmherzigen Schwestern und 30 Sanitären bestehen. 


— In den fernen Osten wird sich, wie die «tilg. 
Rnndsch.» meldet, Dr. Paul Klemm als Chefarzt der Ri¬ 
gaer Abteilung des Roten Kreuzes und Leiter eines Lazaretts 
von 100 Betten begeben. Von Moskau aus begiebt sich 
Dr. Leo Bornhaupt als Leiter eines Lazaretts von 200 
Betten der Moskauer Abteilung des Roten Kreuzes auf den 
Kriegsschauplatz. 

— Am 2. Februar reisten von hier die für das Hospi¬ 
tal 8 c h i f f «M o n g oli a» bestimmte, aus 5 Aerzten, dem 
wirtschaftlichen Leiter, einem Provisor, einem Apotheker- 
gehülfen, 4 Feldschern, 9 Studenten, 11 Barmherzigen Schwe¬ 
stern, 50 Sanitären bestehende Sanitätsabteilung 
nach dem fernen Osten ab. 

— Die Hauptverwaltung des Roten Kreuzes 
macht im «Regierungsanzeiger» bekannt, dass Personen 
mit medizinischer Bildung ersucht werden, ihre 
Meldungen für den Sanitätsdienst im fernen 
Osten schriftlich an das Glied der Hauptverwaltung S. W. 
Alexandrowski zu richten. Persönliche Mel¬ 
dungen von Aerzten werden täglich von 3—5 Uhr in 
der Hauptverwaltung in 3t. Petersburg (Inshenerpaja 9) ent¬ 
gegengenommen. Neuerdings ist der Kammerherr S. W. 
Alexandrowski zum Bevollmächtigten des Roten 
Kreuzes im Rayon des Kriegsschauplatzes nnd au seiner 
Stelle der Director des Medizinaldepirtements Dr. W. v. 
An rep zum Leiter des Personalbestandes der Sanitätsabtei¬ 
lungen ernanut worden. 

— Der bisherige stellvertretende Chef des Zi¬ 
vil-Medizinalwesens im Kaukasus, wirkl. 
Staatsrat Dr. Fenomenow, ist mittelst Allerhöchsten 
Befehls vom 30. Januar in diesem Amte bestätigt 
worden. 

— Zum Chef des Laboratoriums zur Herstel¬ 
lung von An lipestpräparaten im Alexander« 
fort in Kronstadt, soll an Stelle des verstorbenen Mag. 
veter. Turtschinowitsch-Wysznekewitsch, der 
bisherige Assistent am bakteriologischen Institut der Mos¬ 
kauer Universität Dr. N. Berestnew ernannt worden sein. 
Dr. Berestnew hat sich einige Zeit auch in Bombay bei 
Dr. C h a w k i n mit der Herstellung von Antipestserum be¬ 
schäftigt. Im vorigen Jahre war er als Chef der Malaria¬ 
expedition in das Woroneshsche Gouvernement abkommandirt. 

— Der ältere Arzt des Chevaliergarderegiments I. Majestät 
der Kaiserin Maria Feodorowna, Staatsrat Dr. B e s • 
rodnow ist dieser Stellung enthoben und dem 
Mi litär-Medizinalre ssort zugezählt worden. 

— Der Chef der Veterinärverwaltung des Ministeriums des 
Innern wirkl. Staatsrat Peschtitsch, ist anf sein Ge¬ 
such wegen Krankheit verabschiedet worden. 

— Der zum Oberarzt des Libauer Stadtkrankenhauses an 
Stelle Dr. Johansens gewählte Dr. Rafael in Darben 
hat, wie der «Düna Ztg.» mitgeteilt- wird, kurz vor dem Ein¬ 
treffen seiner Bestätigung seitens des Livländischen Gouver¬ 
neurs den Kontrakt gelöst. Das Libauer Stadtamt hat in 
Folge dessen den Grobinschen Kreisarzt Dr. Robert 
Manring zum Oberarzt gewählt. 

— Dem Arzt des Hofmedizinalwesens, Staatsrat Dr. Ko- 
renewistdas Ritterkreuz des französischen Ordens der 
Ehrenlegion verliehen worden. 

— Der Gehülfe des Leiters der chemischen Abteilung des 
Instituts iür Experimental-Medizin Dserzgowski ist zum 
Leiter der praktischen hygienisch eo Abtei¬ 
lung dieses Instituts ernannt worden. 

— Die beim Mediziualrat bestehende ständige Kommission 
zur Bearbeitung der Frage über die Beziehungen der mensch¬ 
lichen Tuberkulose zur Perlsucht des Rindes bittet uns alle 
Aotoren von Arbeiten, welche diese Frage betreffen, zar Ein¬ 
sendung ihrer Arbeiten an den Präses der Kommission, 
Dr. L. B. Bertenson (Cnö. CeprieBcsaa, 20) anfzufordern. 

— Verstorben: 1) In Warschau der frühere Militär¬ 
arzt V a 1 er i a n K lj u k o w s k i im Alter von 71 Jahren. 
Seine ärztliche Tätigkeit hatte der Verstorbene vor mehr 
als 42 Jahren begonnen. 2) In Granica (Gouv. Petrikan) 
Dr. Alphons Gurecki, Arzt an der Warschau-Wiener 
Eisenbahn, im 50. Lebensjahre nach 25jähriger praktischer 
Tätigkeit. 3) In München der Privatdozent ffir Klimatologie 
nnd Balneologie an der dortigen Universität, Dr. Georg 
Freiherr v. Liebig, ein Sohn des berühmten Chemikers 
Jus tu 8 v. Liebig, im Alter von 76 Jahren. Nachdem er 
vor 54 Jahren in Giessen und bald darauf in London die 
Doktorwürde erlangt hatte, war er mehrere Jahre Militärarzt 
in Britl8ch-Indien nnd dann Professor der Naturgeschichte 
am Hindu-College in Kalkutta. 1858 kehrte er nach Deutsch¬ 
land zurück und liess sich als Salinenarzt in Reichenhall 
nieder, wo er sich eifrig mit Studien über die Wirkung der 
Luftdruckänderung auf Atmung, Blutkreislauf, Muskelkraft 
etc., sowie über die Heilfaktoren Reichenhalls beschäftigte. 
Seit 1877 fungirte L. als Privatdozent in München, wo er 


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auch die Resultate seiner einschlägigen Arbeiten in dem 
Bache «Der Luftdruck in den pneumatischen Kammern und 
auf Höhen» veröffentlichte. 4) In Frankfurt a. M. der dortige 
Ötadtarzt Geheimer Sanitätsrat Dr. Alexander Spiess, 
im 71. Lebensjahre. Der Hingeschiedene redigirte seit 1870 
die «Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheit«* 
pflege» und war seit 30 Jahren Sekretär des deutschen Ver¬ 
eins für öffentliche Gesundheitspflege. Er gehörte auch zu 
denen auf deren Betreiben seiner Zeit das deutsche Reichs¬ 
gesundheitsamt errichtet wurde. 

— Im Widerspruch mit den bisherigen Meldungen, bringt 
die «Berl. Ztg.» jetzt die Nachricht, dass Prof. Robert 
Koch in seinem Briefe sich dahin geäussert habe, dass er 
nicht daran denke, die Leitung der Berliner Anstalt für In¬ 
fektionskrankheiten aufzngeben, vielmehr die Absicht habe, 
sich mit frischen Kräften de in Studium der Tu¬ 
berkulose zuzawenden. 

— An die Stelle des zurnckgetretenen Prof. Po n fick 
ist, wie wir der «A. in. C.-Ztg.» entnehmen, jetzt der Pro¬ 
fessor der Augenheilkunde U t h h o f f (Breslau) in den ge¬ 
schäftsführenden Ausschuss der diesjährigen deutscheu Na¬ 
turforscherversammlung in Breslau getreten. 

— Zum Nachfolger des verstorbenen Prof. Jolly auf dem 
Lehrstuhl der Psychiatrie und Neurologie 
au der Berliner Universität ist der Direktor der 
Irrenklinik in Halle Prof. Dr. Theodor Ziehen berufen 
worden und wird dem Rufe Folge leisten. 

— ln Folge einer von dem Odessasclien Einwohner Sil¬ 
ber färb gegen den früheren Professor der Geburtshülfe 
und Gynäkologie der Universität Jurjew, Dr. A. N. Sso- 
lo w jew, welcher in Odessa eine gynäkologische Heilanstalt 
unterhält, angestrengten Forderungsklage hat der 
örtliche Friedensrichter verfügt, von dem Professor 
Ssolowjew 100 Rbl. znm Bestendes Klägers 
beizutreiben. Die Veranlassung der Klage war Fol¬ 
gende : Prof. Ssolowjew, der von der graviden Schwester 
Silberfarb’s konsultirt wurde, hielt es für notwendig sie 
iu seiner Heilanstalt unterzubringen und erhielt bei dieser 
Gelegenheit vou dem Kläger eine Zahlung im Betrage von 
200 Rbl. Da die Kranke aber nach der von Prof. S. vorge¬ 
nommenen Operation starb, so verlangte S 11 be r f a r b das 
eiugezahlte Geld zurück, was der Professor jedoch mit der 
Erklärung, dass er grosse Ausgaben bei der Operation gehabt 
habe, verweigerte, (ödes. Listok — Russ. Wr ). 

— Am 23. Januar vollendeten sich 50 Jahre seit dem 
Tage, an welchem 66 Studenten der damaligen raediko-chi- 
rurgischen Akademie den Kursus mit dem Arztgrade absol- 
virten, um sogleich als Aerzte in die während des-Krim¬ 
krieges an der Donau und iu Transkaukasien operirenden 
Truppenteile abkommandirt zu werden. Vou diesen 66Aerzten 
sind, wie.wir dem «R. Wratsch» entnehmen, gegenwärtig 
nur noch 3 (4,5 pCt.) am Leben, und zwar : das beständige 
Mitglied des militär-medizinischen gelehrten Komitös Dr. F. 
J. Piotrüwski (St. Petersburg), der frühere Militär-Medi¬ 


zinalinspektor vou Turkestan Dr. J. P. Ssuworow (Tasch¬ 
kent) und der ehemalige St. Petersburger Medizinalinspektor 
Dr. J. J. Dunkan (St. Petersburg). Von den freien Zu¬ 
hörern diese» Kurses, die damals nicht zu den Studenten 
zugezählt wurden, lebt noch Dr. Joseph Monkiewicz 
in Warschau. 

Die Sammlungen für das V irchow-Denkmal, welches 
bei der Charite in Berlin erlichtet werden wird, nehmen 
einen ertreulichen Fortgang. Neuerdings sind dem Komite 
aus -Tokio als Beitrag japanischer Aerzte 1600 Mark zuge¬ 
gangen. 

— Medizinische Kongresse: 1) Der II. L a t i n o - 
amerikanische Kongress für Medizin und Hy¬ 
giene in BnenoR-Ayres im April d. J. Es sollen schon 
300 Teilnehmer ans Argentinien und ICO ans Mittelamerika 
angemeldet sein. 2) Der I. französische Kongress 
für Klimatotherapie und Hygiene in Städten 
vom 4.—9. April n. St. in Nizza unter dem Vorsitz von 
Prof. Chantemes8e (Paris). 3) Die diesjährige T uAre r - 
kulose-Konferenz der Mitglieder des in ternatio¬ 
nalen Zentralbureaus zur Bekämpfung der 
Tu berkuluse wird vom 27.-29. Mai n. St. in Kopen¬ 
hagen stattfinden. Der internationalen Zentralstelle gehöre^ 
bisher 17 Länder an. 

— Der Kurpfuscher Otterson aus Mainz, welcher drei' 
Patienten zu Tode kuriert hatte, ist zu einem Jahre Ge¬ 
fängnis und 508 Mark Geldstrafe verurteilt worden. 

— Wie wir vor längerer Zeit mitteilten, bewarb sich der 
Prinz Friedrich Karl von Hohenlohe bei der por¬ 
tugiesischen Regierung um die Konzession auf der Insel 
Madeira Sanatorien für Lungenkranke anzule- 
gen. Ara 4. Januar ist nun dem Prinzen die Konzession er¬ 
teilt worden und hat sich in Folge dessen eine Gesell¬ 
schaft (mit beschränkter Haft) zur Errich¬ 
tung von Sanatorien auf Madeira mit einem Ka¬ 
pital von 800,000 Mark gebildet, Sitz der Gesellschaft ist 
Berlin und Geschäftsführer derselben Prof. Dr. Pannwitz 
(Charlottenburg). 

Bf. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters* 
burger Aerzte: Dienstag d. 17. Feb. 1904. 

Tagesordnung: G. Albanus: Ueber das primäre Lun¬ 
genkarzinom. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 9. Februar 1904. 


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XXIX. JAHRGANG. 



Neue Folge XXL jahrfc. 


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unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dr. Johannes Krannhals. 

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Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreis ist in Bassland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsertionspreis 
türdie 3ma!gespalteneZeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Originalartikelzugesandt. 
— Referate werden nach dem Satzevon 16Rbl. pro Bogen honorirt. 


WtT Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bieber 
in St. Petersburg, Newsky Prospect .Ns 14, zu richten. — Xanui- 
cripte sowie alleaufdie Redaction bezüglichen Mittheilungenbit¬ 
tet man an den geschä ftsführendenRedacteurDr.Budolf Wa¬ 
llach in St Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


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St. Petersburg, den 14. (27.) Februar. 


1904. 


Inhalt: Dr. med. J. Au sin: Die Chirurgie des Magenkarzinoins. — Dr. Bosse: Atropliia optici gebessert durch Or¬ 
gansalt- und Spermin-Behandlung, und Pruritus senilis geheilt durch Injektionen mit Sperminum-Poehl. — Biiclieranzei- 
gen und Besprechungen: F. von Winckel: Handbuch der Gebuitsholfe. — Prof. A. Goldscheidev: Diagnostik der 
Krankheiten des Neivensysteins. — Schweinburg: Handbuch der allgemeinen und speziellen Hydrotherapie. — Proto¬ 
kolle des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg —Vermischtes. — Mortallitäts- Bulletin St. Peters¬ 
burgs. — Anzeigen. 


Die Chirurgie des Magenkarzinoms. 

Von 

Dr. med. J. Ausin. 

(Erwählen in Knrland). 

(Vortrag, gehalten im Verein der Aerzte Nord-Kurlands). 


Bevor ich auf die karzinomatöse Erkrankung des 
Magens eingehe, will ich einige Worte über die Topo¬ 
graphie und die anatomischen Verhältnisse desselben 
vorausschicken. 

Der Magen, welcher eine bimförmige Erweiterung 
des Darmtraktns darstellt und den höchsten Punkt des 
Abdomen einnimmt, ist im Allgemeinen zwischen dem 
Zwerohfell und dem Colon transversum einerseits und 
zwischen der Milz ond Gallenblase andererseits gelagert. 
Er ist an zwei, ausserhalb desselben gelegenen Punkten 
befestigt. Der erste ist der 2—8 ctm. oberhalb der 
Cardia befindliche Durchtritt des Oesophagus durch das 
Zwerchfell. Den andern Punkt bildet das Duodenum, 
namentlich die Pars descend. und inferior, welche der 
Wirbelsäule und dem Pankreaskopf (3. Lendenwirbel) 
anliegen. Die Befestigung dieses letzten Punktes wird 
verstärkt durch die Mesenterialgefässe und das Treitz- 
sche Ligament. 

Von den beiden Oeffnungen des Magens ist die obere, 
die Cardia sehr tief, links von dem 11. Brustwirbel; 
und die andere untere, der Pylorus, mehr oberflächlich: 
bei leerem Magen links, bei gefülltem rechts von der 
Medianlinie, entweder an der Zwischenwirbehcheibc der 
12 Brust- und 1. Lendenwirbel oder an dem letzten 
Wirbel selbst gelegen. 

Von besonderer Bedeutung für die Diagnostik sind die 
Lageverhältnisse und Exkursionen des Magens. Hier 
muss hervorgehoben werden, dass der Magen im leben¬ 
den Menschen, nicht wie man früher vielfach annahm, 
quer zur Längsachse des Körpers gelagert ist, sondern 
(nach Doyen, Luschka und Anderen) normaler Weise eine 
vertikale Richtung einnimmt. Die kleine Kurvatur de9 
leeren Magens verläuft links votr der Sagittalebene von 


oben rechts nach unten links, und behält diese Verlaufs- 
richtung bis zum präpylorischen Teil bei. Hier biegt sie 
sich nach rechts um und erreicht und überschreitet so¬ 
gar bei Füllung des Magens die Horizontale, sich zu¬ 
gleich in ihrem obern Teil der Sagitallinie nähernd. Bei 
Betrachtung der grossen Kurvatur ist zu bemerken, dais 
der leere Magen in seinem präpylorischen Teil unter 
Bildung einer Tasche stark kontrahiert ist, während der 
Fundus mässlg gebläht bleibt. Die grosse Kurvatur steigt 
daher von oben links nach unten rechts herab. Mit der 
Füllung des Magens erweitert sich die grosse Kurvatur 
im präpylorischen Teil, so dass die untere Grenze des 
Magens, in der Mitte des Leibes eine fast horizontale 
Linie bildet. Der Umstand nun, dass der Pylorus bei 
leerem Magen mehr nach links, bei gefülltem nach 
rechts und vorne gezogen wird, erklärt, warum ein 
kleiner mobiler Krebs, der den Pylorus noch nicht ver¬ 
legt hat, im nüchternen Zustande unter dem linken Rip¬ 
penrand verschwinden, nach der Nahrungsaufnahme aber 
in der Mittellinie, oder gar nach rechts von derselben 
palpabel sein kann. 

Ein nicht minder grosses, chirurgisches Interesse 
als die Lagebeziehung des Magens zur Medianebene, 
nimmt die genaue Kenntnis der Verhältnisse, in wel¬ 
chen die vordere Fläche des Magens zu den Nachbar¬ 
organen steht, in Anspruch. Wir können die vordere 
Magenwand zweckmässig nach Hart mann in 3 Zonen 
einteilen: 

l) in eine rechte, unter der untern Lebet fläche 
gelegene, welche einen Hauptanhallspunkt beim Auf¬ 
finden des Magens nach Eröffnung des Abdomen ab- 
giebt; 2) in eine linke, chonlrokostale, welche dem 
Fundus entspricht und im linken Hypochondrium gelegen 
ist. Die obere Grenze derselben bildet den höchsten 
Ponkt des Magens, indem sie die Cardia um 3—5 ctm. 
überragt. Diese Zone ist uns auch unter dem Namen 
des halbmondförmigen, hellklingenden Traubeschen Rau¬ 
mes bekannt. 3) endlich in eine untere, welche direkt 
der vordem Bauchwand anliegt. 


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(Nach H a r t m a n nj. 

M. = Magen. L. = Leber. G. = Gallenblase. I). = Duodenum. 

Der Mageu bietet indes nicht immer diese Verhält¬ 
nisse dar, und wir finden bei pathologischen Verände¬ 
rungen je nach dem Silz der Erkrankung starke Ab¬ 
weichungen von diesen Ausführungen. Er kann sehr 
stark retrahiert sein, z. B. bei der Stenose des Oeso¬ 
phagus oder der Cardia, in welchem Falle der hun¬ 
gernde Magen oft tief unter dem linken Kippenrand 
verborgen, und der Pylorus dabei links von der .Mittel¬ 
linie angezogen ist. Wir werden zu ihm in solchen 
Fällen bei Operationen (Gastrotomie) nach Eröffnung des 
Abdomen trotzdem leicht gelangen, wenn wir uns erin¬ 
nern an die Beziehungen der untern Leberfläche zur 
vordem Magenwand. Es genügt mit dem Finger unter 
oie untere Fläche des linken Leberlappens zu gleiten, 
um ihn dort finden und mit einer Kornzange heraus¬ 
fischen zu können. 

Der Magen kann aber auch im Gegensatz zu dem 
hier Angeführten sehr stark ausgedehnt sein. z. B. bei 
der Stenose des Pylorus. In diesem Fall kann der 
untere Rand der grossen Kurvatur bis zur Symphyse 
reichen, und zu gleicher Zeit der Pylorus alle möglichen 
Lagen im Abdomen einnehmen. Es ist aber keine Not¬ 
wendigkeit, dass bei Pylorusstenose ausschliesslich eine 
Dilatation des Magens bestehn muss. Bei Pylorusste¬ 
nosen, die \ a Jahr und mehr bestanden hatten, habe 
ich bei Magenoperationen manches Mal einen Magen 
vorgefunden, der durchaus von normaler Grösse war, 
Und dessen Wand und Schleimhautlallen stark hypertro* 
pliiert waren. Daraus ziehe ich den Schluss, dass auf 
das Stadium der Kompensation (Hypertrophie) das der 
Insuffizienz und Dilatation folgt. 

Erwähnt zu werden verdienen die Lageverhältnisse 
des Magens bei Enteroptose wo das Omentum min. und 
Leberhiius nachgeben, und man den untern, nach oben 
konkaven Teil der kleinen Kurvatur, unterhalb des Pan¬ 
kreaskörpers palpieren kann (Roux). Der Pyloruskrebs 
erscheint in solchen Fallen hoch oben rechts von der 
Mittellinie, dicht am linken Band der Gallenblase, der 
dilalierte Magenkörper zum Teil unterhalb des Nabels. 
Es lockert der Pylorus in manchen Fallen von hoch¬ 
gradiger Ga.'tro- und Enteroptose auch seine Verbin¬ 
dungen, am Pankreaskopf, Mesenterialgefässen und 
Treitzschein Ligament, und man kann ihn nach links 
von der Mittellinie unterhalb des Nabels entdecken. 

Was die Ernährung des Magens aiilangt, so ist es 
ja bekannt, dass es Zwi ige der Arieria cneliaea sind, 
die unter einander reichlich anostomosicrend, ein wah¬ 
res, die Mogenwand mit Blut versorgendes, arterielles 
Gefiissnetz bilden. Bei dieser reichen Vaskularisation des 
Organs droht daher keine Gefahr einer Gangraen bei 
Bestktinneii demselben. Diese reiche Vaskularisation er¬ 


klärt auch die oft auftretende foudroyante Blutung bei 
Ulcus rotund. oder Magenverletzungen. fts erklärt 
dieses auch, warum ein jedes blutende Gelass in der 
Magenwand bei einer Operation sorgfältig unterbunden 
werden muss, und eine Außerachtlassung dieser Kegel 
den Verblutungstod nach sich ziehen kann. — Auch die 
Lymphbahnen sind für den Chirurgen von grösster 
Wichtigkeit. Nach Sappey unterscheiden wir zwei 
Lymphgefässnetze, beim Magen wie auch am Darm. 
Diese sind: 1) das Netz in der Muskelschicht und 2) 
das Netz in der Submucosa, welches die Magendrüsen 
umspUlt. Die beiden Netze stehn durch die Magen¬ 
wand nicht mit einander in Verbindung, müudeu aber 
in dieselben Sainmellymphgefässe und Lymphdrüsen. 

Nach Bernard Cuneo unterscheiden wir 3 Grup¬ 
pen von solchen Sammellymphgefässen • 1) eine obere, 

welche der Lymphdrüsenketto zuströmt, die die art. co- 
ronar. umgiebt und längs der kleinen Curvatur gelegen 
ist. 2) eine untere, welche die Lymphe den Drüsen zu- 
führt, welche unterhalb und rückwärts vom Pylorus 
gelegen sind. J) eine dritte Gruppe, durch welche sich 
die Lymphe in die Drüsen der .Milzkette ergiesst. Diese 
Summelgefässe (vasa efferentia) ergiessen sich in die 
suprapankreatischen Lymphdrüsen. Von diesen letztem, 
für die Magencliirurgie eminent wichtigen Drüsen, die 
der Weitei Verbreitung des Magenkrebses Schranken 
setzen, gelangt die Lymphe in die, um die grossen Ge- 
fässe, unterhalb der Zwerchfellskuppe gelegenen Drüsen, 
und auch in den Ductus tborac. 

Bezüglich des Sitzes des Magenkarzinorns hat man 
beobachtet, dass das Karzinom am häufigsten am prae- 
pyh>rischen Teil der kleinen Kurvatur und am Pylorus 
vorkommt; 8 > pCt. der Fälle. Auf die Cardia 10 pCt. 
und auf die übrigen Teile des Magens 10 pGt. 

Der Krebs in der Magen wand zeigt kontinuierliches 
und diskontinuierliches Wachstum; überschreitet nie¬ 
mals den Pylorus, wohl aber die Cardia. Diese Tat¬ 
sache findet ihre Begründung in der Verteilung der 
Lymphbahnen, die uns .Most durch seine Injektions- 
versuelie experimentell klar gelegt hat. Auf das dis¬ 
kontinuierliche Wachstum mancher Magenkarzinome hat 
uns namentlich v. Mikulicz aufmerksam gemacht, 
indem er darauf hin weist, dass man linsen- bis erbsen- 
gros.se Knötchen, die die Schleimhaut hervorwölben, in der 
Kichtung des Lymphstrnmes vom Haupttumor entfernt, 
findet. Daher wird man bei Pylorusresektionen in der 
Richtung zum Duodenum hin nur wenig von dem ge¬ 
sunden Gewebe initnehmen, nach der anderen Seite, 
zur Cardia hin, dagegen auch die scheinbar gesunde 
Magenwand 4 — 8 ctm. entfernen müssen. Dasselbe wird 
man tun bei Kardiakarzinom und solchem an der übrigen 
Magen wand. 

Die Verbreitung des Krebses durch Metastasen ge¬ 
schieht auf dem Wege der Lymphbnhn. Es erkranken 
zuerst die zunächst liegenden, regionären Lymphdrüsen, 
darauf die suprapankreatischen. Im weitern Stadium 
der Erkrankung, wo die Barriere der suprapankreati¬ 
schen Drüsen durchbrochen, und das Karzinom inope¬ 
rabel wird, etg'iff das Karzinom die Drüsen an den 
giessen Gelassen unter der Zwerchfellklippe, in selte¬ 
neren Fallen gelangen die Krebszellen von den supra- 
pankreatischen Drüsen aus in den Ductus thoracicus, 
in die I. v. anon. und die 1. Supiaklavikulardrüsen. 

Eine zweite Art der Weiterverbreitung des Krebses 
ausserhalb der Magenwand bildet das Uebergreifen auf 
ein benachbai tes Organ: auf die Leber, vordere Alagen- 
wanJ, das Pankreas die Blutgefässe u. s. w. Die in¬ 
fizierten Organe begünstigen dann die weitere Verschlep¬ 
pung der Keime durch Metastasen. Ist z. B. das Pe¬ 
ritoneum ergriffen, so entwickelt sich durch Metastasen 
sehr bald eine allgemeine Peritone,il-Karzinose, die von 


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65 


Aszites begleitet ist. Dpr Aszites hat eine sehr schlimme 
prognostische Bedeutung. Krebsknoten um den Nabel 
herum, die man bei vorgeschrittenem Karzinom oft 
beobachtet, deuten darauf hin, dass der Krebs auf die 
Lymphgefässnetze um die ven. paraumbil. überge¬ 
griffen hat, u. s. w. Der Tod erfolgt schliesslich, falls 
der Kranke in Folge des Pylorus- oder Cardiakrebses, 
nicht früher verhungert, durch Krebskachexie zu der 
sich alle möglichen Komplikationen hinzugesellen. 

Was nun die Symptome anbelangt, die ein Magen¬ 
karzinom an seinem Träger hervorruft, so müssen wir 
dabei solche unterscheiden, die der Krebs in Folge der 
Dyspepsie, und solche, die er durch mechanische Hin¬ 
dernisse hervorruft. Bei Sitz des Karzinoms in der 
Nähe der Cardia oder des Pylorus stellen sich, weil das 
Lumen verlegt wird, sehr frühzeitig funktionelle Stö¬ 
rungen ein. die die Ernährung beeinträchtigen und zur 
Abmagerung und Austrocknung des Organismus führen. 
Dieses ist jedoch ein Krankheitsbild, welches wir auch 
bei gutartigen Stenosen beobachten. Während bei dieser, 
soeben besprochenen stenosierenden Form des Krebses, 
namentlich Pyloruskrobs die Symptome sehr stürmisch 
auftreten, und in Folge der Stagnation des Magenin¬ 
halts frühzeitig Erbrechen und heftige Schmerzen her¬ 
vorgerufen werden, gestaltet sich das Bild bei der an¬ 
dern, nicht stenosierenden Form, ganz anders Hier 
treten die lokalen Symptome mehr in den Hintergrund 
und die allgemeinen Symptome sind die vorherrschenden. 
Es entwickelt sich in Folge der Dyspepsie eine charak¬ 
teristische Krebskachexie, wobei ohne beträchtlichen 
Schwund des Fette-- der Kranke anämisch aussieht; die 
Haut nimmt eine erdfahle oder graugelbe Karbe an und 
an den Gelenken, besonders an den Fussknöcheln treten 
Oedeme auf. Der llämoglobingehalt ist in solchen 
Fällen stark herabgesetzt bis auf 30 und 15 pCt. Bei 
Abmagerung, welche eintritt, wenn die Nahrung durch 
mechanische Hindernisse nicht anfgenommen werden 
kann, erhält sich dagegen der Hämoglobingehalt recht 
hoch. Nach einer Radikaloperation schwindet nicht 
immer, aber meist die Kachexie; daher ist die Kachexie 
ohne Oedeme keine strikte Kontraindikation gegen die 
Operation. Es entwickelt sich zum Schlüsse eine me¬ 
chanische Insuffizienz sowohl in Folge einer Stenose, 
als auch ohne solche, durch Dyspepsie bedingt, und ge¬ 
wöhnlich eine Alteration der Azidität. Es kommt 
schliesslich zum Erbrechen auch bei der dyspeptischen 
Form; das Erbrechen ist stark gegoren, enthält meist 
keine Salzsäure und kein Labferment, dagegen freie 
Milchsäure, der oft Blut (Kaffeesatz ähnlich) zugemengt 
ist. Doch auch solche Fälle giebt es, wo trotz beste¬ 
hendem Krebs, in dem Erbrochenen Salzsäure vorhan¬ 
den ist. 

Es erübrigt noch einiges über die Diagnose d«*s Ma¬ 
genkarzinoms vorzutragen. Wir werden uns bemühen, 
dieselbe zu einer Zeit zu stellen, wo das Karzinom sich 
noch im ersten Entwickelungsstadium befindet. Zunächst 
muss uns die genaue Anamnese Aufschluss geben, ein¬ 
mal über ein, möglicherweise in der Jugend bestandenes 
Ulcus oder hereditäre Belastung; denn die Umwand¬ 
lang einer Uleusnarbe in Karzinom, sowie das mehr¬ 
fache Vorkommen von Karzinom in einer Familie, ist 
uns wohl bekannt. Und weiter müssen wir durch die 
Anamnese in Erfahrung bringen, in welcher Weise 
Schmerzen und Erbrechen auftreten ; ob in nüchternem 
Zustande, oder nach dem Essen, und in letzterem Falle, 
wie lange Zeit nach der Nahrungsaufnahme. Treten 
Schmerzen bei nüchternem Zustande auf, so werden wir 
solche zur nervösen Dyspepsie zu rechnen haben. Er 
brechen bei nüchternem Zustande, schliesst meist auf 
Gastritis alkoholika. Periodenweises, in Zeiträumen von 
Tagen oder Wochen auftretendes Erbrechen, bei welchem 


: das Erbrocheue sauer ist und die Zähne oft stumpf 
I macht, deutet auf eine Superazidität des Mageninhalts 
J (Magensaftfluss). Viel Schleim im Erbrochenem spricht 
für einen chronischen Magenkatarrh. Häufiges, übel- 
! riechendes Anfstosseu nach dem Essen, und das Er¬ 
brechen von Kaffeesatzähnlichen Massen, sind schon 
: Zeichen von Karzinom, leider schon Symptome eines 
j spätem Stadiums der Krankheit. Schmerzen, die län- 
I gere Zeit — etwa 7—S Stunden nach der Nahruogs- 
j aufnahme auftreten, und wieder schwinden, wenn der 
Magen durch Erbrechen entlastet wird, deutea auf Py- 
j lorusstenose hin. Dieselbe kann bedingt sein durch 
Spasmus oder Karzinom. 

Nach der Anamnese werden wir die motorischen Kräfte 
des Magens und haupsächlich den Chemismus des Ma¬ 
geninhalts untersuchen. Finden wir keine Salzsäure 
oder die Menge derselben unter 2 pro Mille stark ver¬ 
mindert und kein Labferment, wohl aber Milchsäure, 
so können wir mit Sicherheit auf Magenkrebs schliessen. 
Allerdings kommt dieselbe chemische Veränderung des 
Mageninhalts auch bei der Achylia eastrica (Martins) 
vor, aber die gleichzeitig bestehenden Neurosen, chron. 
interstitielle Nephr. ond drgln. lassen diese Erkrankung 
sogleich vom Karzinom unterscheiden. Da es aber auch 
vorkommt, dass bei bestehendem Karzinom diese soeben 
besprochene Symptomentrias: Mangel der Salzsäure und 
des Labferments, un i das Vorhandensein von Milchsäure, 
fehlen, so müssen wir in solchen Fällen die Diagnose 
aus dem eventuell fühlbaren Tumor stellen. Nach Auf¬ 
blähung des Magens werden wir durch Perkussion oder 
perkussorische Auskultation nachzuweisen suchen, ob 
dieser Tumor dem Magen angehört; in diesem Falle 
wird er den Bewegungen des Magens, wie wir dieselben 
bei der Anatomie des Magens ausführten, folgen. 

Ein beweglicher Pyloruskrebs wird z. B. vom linken 
zum rechtseitigen Rippensaum wandern, ein Tumor, der 
an der vordem Magenwand sitzt, wird hervortreten, und 
ein solcher der hintern Wand verschwinden. Dieses Ver¬ 
fahren der Aufblähung des Magens ist von differential- 
diagnostischer Bedeutung, weil es uns die Möglichkeit 
giebt, die Magentnmoren von denen der Nachbarorgane 
— Kolon Pankreas, Gallenblase etc. — zu unterscheiden. 

Auf ein sehr wichtiges diagnostisches Hülfsmittel die 
Pylorusstenose frühzeitig zu erkennen macht uns Bour- 
get aufmerksam, iudem er darauf hinweist, dass Pflan- 
menschalen (nach andern Autoren auch Feigen, Trau¬ 
benreste oder Orangepulpa) einen auch wenig verengten 
Pylorus schwer passieren. 

Er richtet darnach sein Probefrühstück ein und giebt: 
200 ccm. Bouillon, 100 g. gehacktes Beefsteak, 50 g. 
Brot, und (1 gekochte Backpflaumen. Der normale Ma¬ 
gen wird 2 1 /- —3 Stunden darnach fast leer sein. 

Finden sich jedoch 5 Stunden nach der Aufnahme des 
Frühstücks noch Speisereste, namentlich Pflaumenscha- 
len im Magen, so ist der Pylorus verdächtig, und wenn 
er nach 12 Stunden noch Pflaumenschalen enthält, so 
liegt eine permanente Pylorusstenose vor Diese von 
Bourget angeführten Erfahrungen können wir freilich 
nur dann benutzen, wenn wir es nicht mit einer Atonie 
des Magens zu tun haben; eine solche fördert auch ohne 
Pylorusstenose ähnliche Resultate zu Tage. 

Allein viele der hier angeführten Symptome gehören 
nicht zur Frühdiagnose. Diese kann am Besten per 
exclusioncm gestellt werden, und von den französischen 
Autoren (Doyen, Roux) wird zusammeufasseud Fol¬ 
gendes vorgeschlagen: 

Je ler Patient über 35 Jahr, dessen Ernährung trotz 
Regelnnn der Diät und trotz konsequenter interner The¬ 
rapie sinkt, dessen Ktankheit in keine der bekannten 
Majenerkrankungoii einzureihen ist, gehört ins Kran- 


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6G 


konhaus zu wiederholten Magenuntersuchungen und even¬ 
tuell zur diagnostischen Probelaparotomie. 

Endlich kommen wir zum wichtigsten Kapitel unseres 
Thema, zur Betrachtung der Therapie. Wir werden in 
jedem Fall von Magenkarzinom, wenn keine Knntraindi- 
kation vorliegt, zur Operation raten; wissen wir doch, 
dass die int. Medizin gegen diese Krankeit machtlos ist. 
Dabei werden wir berücksichtigen müssen den Kräftezu¬ 
stand des Patienten. Patienten, die so schwach sind, 
dass sie nicht mehr im Stande sind zu gehn, oder sich 
aufzurichten, werden wir zu einer Operation nicht an¬ 
nehmen. Auch solche nicht, bei denen vorgeschrittene 
Kachexie mit Oedemen besteht. Absolute Kontraindika-. 
tionen sind ferner nachweisbare Metastasen und Aszites. 
Auch die Erkrankungen anderer Organe, wie schwere 
Lungenaffektionen, Nephritis, schwerer Diabetes und 
Herzkrankheiten sind als Kontraindikationen gegen eine 
Operation anzuführen. Auf die Grösse des Tumors 
kommt es dabei nicht sehr an, denn grosse Tumoren 
weisen oft keine Metastasen auf und sind dabei leicht 
entfernbar, während es vorkommt, dass bei kleinen be¬ 
weglichen inoperable Metastasen vorliegen, die die 
ganze Operation aussichtslos machen. 

Wir unterscheiden bei der chirurgischen Behandlung 
des Magenkarzinoms 2 Arten von Operationen: die ra¬ 
dikale und die palliative. Zu der radikalen zählen 
wir die Totalexstirpation und Resektion des Magens, und 
zu den palliativen die Gastroenterostomie, Gastrostomie, 
Pylorusausschaltuug und die Jejunostomie. 

* Die Totalexstirpation ist eine wenig nutzbringende Ope¬ 
ration. Denn auch da, wo sie wirklich indiziert ist, d 
h. wo der Tumor fast den ganzen Magen einnimmt, 
wird der Erfolg durch die gewiss schon vorhandenen, 
zahlreichen Metastasen, zweifelhaft sein. Nach den bishe¬ 
rigen Erfahrungen leben solche operirte Kranke nicht länger 
mehr als ein Jahr, wo sie dann der Metastasen we¬ 
gen zu Grunde gehn. Bei Tumoren von kleinerem Umfang 
ist die Totalextirpation überhaupt zu verwerfen und eine 
Resektion zu wählen, weil die fernere Ernährung des 
Kranken durch die übriggebliebene Magenwand, die sich 
ja bekanntlich später ausdehnt, unvergleichlich viel bes¬ 
ser vor sich geht, als ohne dieselbe. Ausserdem ist be¬ 
züglich einer Resektion daran zu erinnern, dass die 
Erfolge jetzt, wo die regionären und suprapankreatischen 
Drüsen mit entfernt werden, viel besser sind als früher. 

Es ist vielfach die Ansicht vertreten, dass die Ga¬ 
stroenterostomie eine nutzlose Operation sei, wozu einen 
Pat., der über kurz oder lang doch eingehn muss, durch 
eine Operation quälen? 

Doch, wenn auch zugegeben werden muss, dass die 
Mortalität nach dieser Operation eine ziemlich hohe ist 
(30—40 pCt.), und den durchgebrachten Patienten nach 
der Angabe von Mikulicz’s das Leben im Durch¬ 
schnitt mit ca. 9 Monate verlängert wird, so muss dem 
gegenüber doch hervorgehoben werden, dass wir die 
Kranken von ihren qualvollen Beschwerden befreien und 
vor dem schrecklichen Tode des Verhungerns schützen. 
Mögen ein paar hierher gehörige Beispiele dieses so¬ 
eben Angeführte illustrieren. Wölfl er sagt in seiner 
Festrede auf dem 15. Jubiläumskongress 1896: «Ich 
erinnere mich an eine Kranke, die fast verhungert und 
dem Tode nahe, in mein Ordinationszimmer mühsam 
sich schleppte. Sie litt an einem inoperablen Karzinoma 
pylori; sie hätte sicherlich nicht länger als 1—2 Monate 
gelebt. Ich wollte von einer Operation nichts mehr 
wissen, — da bat sie mich kniefällig um Hülfe! Ich 
machte die Gastroenterostomie, und diese Frau versah 
noch 2*/« Jahre lang und ohne weitere Störungen alle 
ihre häuslichen Geschäfte!*. 

Diesem Falle kann man den von mir operierten, den 
ich Ihnen heute vorstelle, zur Seite steilen, Es wird 


mir ein Patient gebracht, der abgemagert ist wie ein 
Skelett, von Schmerzen nnd Erbrechen geplagt, und 
ohne Unterstützung unfähig ist zu gehen. Diagnose: in¬ 
operabler Pyloruskrebs. Ich habe die Gastroenterostomie 
nach Wölfler ausgeführt. Heute nach 6 Wochen hat 
P. 30 Pfund zugenommen, verträgt alle Speisen uad 
klagt über keine Beschwerden. 

Was die Methoden der Gastroenterostomie anlangt, so 
giebt es deren eine ganze Anzahl. Da aber bei allen 
Methoden der G. E. der circ. vitios. aultritt, so wird 
meist, ihrer Einfachheit halber, der Gastroenterostomia 
antecolica antica nach Wölfler der Vorzug gegeben. 
In den Fällen dagegen, wo das Mesenterium des obern 
Jejunums kurz ist, oder aber die vordere Magenwand 
krank und stark mit der Umgebung verwachsen ist, wird 
man die Retrocolica postica nach von Hacker wählon. 

Bei der Ausführung der Anastomose wird man, um 
das spätere Auftreten des gefürchteten Circulus vitios. 
(Rückstauung des Mageninhalts in den zuführenden 
Schenkel) möglichst einzuschränken, folgende Punkte be¬ 
obachten. 1) Wir werden den Darm isoperistaltisch zum 
Magen lagern, und die Vereinigung der beiden Oeffnun- 
gen durch eine exakte Naht ausführen; ferner den zu¬ 
führenden Schenkel in Knickungen an den Magen fixie¬ 
ren. 2) werden wir den zuführenden Darmschenkel, das 
obere Jejunumstück ca. 50 ctra. lang nehmen. Ein kür¬ 
zeres würde bei der G. E. ant6colica des Colon kompri¬ 
mieren. und ein längeres die Ernährung beeinträchtigen. 
3) Bei bestehender Atonie des Magens werden wir un¬ 
terhalb' der Gastroenterostomie gleich in derselben Sit¬ 
zung eine Enteroanastomose nach Braun anlegen; 
im andern Falle, wo keine Atonie besteht, kann man 
die Enteroanastomose auf spätere Zeit, im Falle einge¬ 
tretenen Circ. vitios., verschieben. 

Der Murphyknopf wird bei der Gastroenterostomie im 
Allgemeinen nicht angewandt, meistens nur bei solchen 
Kranken, die bereits sehr herunter gekommen sind, und 
eiue längere Operation nicht vertragen würden. — Bei 
Benutzung des Murphyknopfes ist zwar kein circ. vitios., 
sind aber wohl andere Uebelstände beobachtet worden. 
Er kann einmal, anstatt den Darm zu passieren, in den 
Magen hineinfallen und auf diese Weise natürlich, wenn 
nicht durch eine zweite Operation entfernt, den Tod zur 
Folge haben. Weiter bei günstigem Abgang des Knopfes 
kann sich die Anastomosenöffnung, weil die Schleimhaut 
nicht vereinigt war, verengern oder gar verschliessen, 
und endlich sind Fälle bekannt, wo der Knopf, da er 
den langen Weg (den ganzen Darmtraktus) zu passieren 
hat, sich an irgend einer Stelle verfängt und Ileus her¬ 
vorruft. 

Neuerdings ist von Kocher an Stelle der Gastro-Je- 
junostomie eine Gastroduodenostomie nach vorhergehen¬ 
der Mobilisierung des Duodenum empfohlen worden. 
Dieselbe ist von Kocher, Villard und Jabullay 
in einigen Fällen mit günstigem Erfolge ausgeführt 
worden. Es scheint, dass die Idee bei dieser Methode, 
welche den normalen Verhältnissen angepasst ist, eine 
glückliche ist. 

Bei der Beurteilung der Indikationen zur Operation 
des Magenkrebses, werden wir uns von folgenden Ge¬ 
sichtspunkten nach von Mikulicz leiten lassen: 

1) Es liegt ein Fall von Stenosenerscheinungen vor, 
bei einem fühlbaren Tumor oder ohne einen solchen. 
Da ist die Operation strikt indiziert. Ob mau aber eine 
Totalextirpation (Resektion) oder eine palliative Ope¬ 
ration (G. E.) auszufiihren haben wird, wird sich nach 
Eröffnung der Bauchhöhle ausweisen. 

2) In einem Falle, wo Verdacht auf Karzinom be¬ 
steht, oder ein Tumor ohne ausgesprochene Stenosener¬ 
scheinungen vorliegt, wird man die Probelaparatomie 
machen. Ergiebt dieselbe, dass der Tumor inoperabel ist, 


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67 


und die Pylorus- und Kardiapassagen ganz frei sind, 
wird man von einer Operation Abstand nehmen. Die 
palliative Operation kommt erst in Betracht wenn sich 
eine beginnende Pylorus- oder Kardiastenose erweist. 

3) Von einer Operation werden wir absehn in den 
Fällen, wo bei negativem palpatorischem Befunde und 
Fehlen von motorischen Storungen ausgesprochene Symp¬ 
tome von Karzinom bestehen. In solchen Fällen hat das 
Karzinom eine so ungünstige und versteckte Lage, dass 
eine Radikaloperation, die hier allein in Betracht kommt, 
unausführbar ist. 


Atrophia optici gebessert durch Organsaft- und 
Spermin Behandlung, und Pruritus senilis geheilt 
durch Injektionen mit Sperminum-Poehl. 

Von 

Dr. Bosse, 

Ostseebad Cranz. 


Gustav F, Hotelbesitzer 52 Jahre alt, verheiratet, kinder¬ 
los, hat vor 25 Jahren Lnes durchgemacht, die leicht verlief 
nnd nnr oberflächlich behandelt wurde. Sonst will Patient 
bis auf rheumatische Schmerzen in den Beinen, die zeitweise 
bei Witterungswechsel auftreten sollen und Magenverstim¬ 
mungen mit Erbrechen nacli Exzessen in Bacho stets ge¬ 
sund gewesen sein. 

Vor 2 Jahren erblindete er ziemlich plötzlich anf dem 
rechten Auge. Im Juli vorigen Jahres, 1902, konsultierte er 
mich und sprach die Betörcbtnug aus, ob auch das linke 
Auge in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Ich verord¬ 
nte damals Jodkali, dann verlor ich den Patienten aus den 
Augen. Im Mai 1903 sah ich ihn wieder. Es hatte sich vor 
einem halben Jahr eine nemitische Atrophie auch des linken Op¬ 
ticus gefunden, die Sehkraft wnrde von Tag zu Tage schlechter. 
Patient war sofort in augenärztliche Behandlung getreten, es 
wurde Alles nur irgend mögliche mit ihm vorgenommen, Inunk- 
tionskuren mit Unguentum cinereura, Jodkali, Pilocarpin- und 
Strychnin-Injektionen, Galvanisation des Anges, Massage des 
ganzen Körpers. Ableitungen durch' künstliche Blutigel and 
Schröpfköpfe, wie gesagt nichts blieb unversucht, trotzdem 
nahm die Sehkraft des liukeu Auges von Tag zu Tage ab. 

Als ich den Patienten im Mal d. Jahres wiedersah, befand 
er sich in einem verzweifelten Zustande. Einige Tage vorher 
konnte er noch Spielkarten erkennen nnd mit diesen spielen, 
seit dem vorigen Tage erkannte er dieselben nicht mehr: 
halbfingergrosso Buchstaben erkannte er in Nähe von etwa 
20 cm.. Gesichte auf etwa 39 cm. Entfernung, darüber hinaus 
war für ihn Nacht. Er war darauf gefasst, in wenigen Wo¬ 
chen gänzlich erblindet zu sein und hätte sich gerne jeder 
erdenklichen Kur unterworfen, sofern sie nur die geringste 
Hoffnung auf Besserung böte- 

Während ich noch kurze Zeit hindurch Strychnin- und 
Pilocarpin-Injektionen fortsetzte, kam ich auf den Gedanken, 
dem Patienten Testikel-Extrakt nach Brown-Sequard einzu¬ 
verleiben, um durch Tonisierung des gesammten Nervensys¬ 
tems vielleicht auch auf den Opticus günstig einwirken zu 
können. 

Von dem nahen Schlachthofe in Königsberg wurde durch ! 
einen Fleischer das Skrotum eines Ballen beschafft und nun 
ging es au die recht umständliche Fabrikation des Extraktes. 
80 Stunden dauerte dessen Bereitung, da ich aseptisch ihn 
nicht herstellen konnte, entwickelte sich bald Fäulnis in dem¬ 
selben, einige weitere Skrota wurden besorgt, bald aber 
wollte keiu Fleischer mehr das Odium anf sich nehmen, das 
Gewünschte vom Schlachthofe zu holen. 

Da ich mich auf die Keimfreiheit meines Präparates nicht 
verlassen konnte, musste ich auf subkutane Anwendung des¬ 
selben verzichten und applizierte täglich 50 ccm. desselben 
als Klysma. 

Das erste Klysma erhielt Patient am 13. Juni 1903. Am 
folgenden Tage erzählte mir die Frau, dass ihr Mann seit 
Jahren znm ersten Male die Nacht über geschlafen hätte, 
seit langer Zeit leide er an Jucken auf dem Körper, das be¬ 
sonders in der Nacht aufträte, seine Hauptbeschäftigung bilde 
dann Kratzen, dessen Effekt denn auch sehr umfangreich zu 
Augen trat, und sie hätte die ganze Nacht über Obacht zu 
geben, um ihn soviel als möglich am Kratzen zu verhindern. 
Ich will sogleich vorausschicken, dass von diesem Augenblicke 
an der Prnritus verschwunden ist. Als Effekt der der Appli¬ 
kation des Hoden-Extraktes vorhergehenden Reinigungskly- 
stiere kann das plötzliche Anfhören des Pruritus wohl nicht 
angesehen werden, da der Stuhlgang des Pat. prompt zwei- ■ 


nml täglich erfolgte, die Reinigungsklystiere auch stets ohne 
Beimengung von Kot rein zurüc.kkamen. 

Nach der zweiten Applikation behauptete Patient, dass der 
lästige Schimmer vor dem Auge morgens nicht vorhanden 
gewesen wäre, nach einer Stunde sich aber wieder gefunden 
hätte, ferner, dass er ohne sein Glas -+- 1.25 Dioptrie besser 
sähe als mit demselben. 

Bis zum 26. .Toni wurden die Klysmen verabreicht, dann 
waren ßnllenhoden nicht mehr zu erhalten. 

Auf den mir freundlich erteilten Rat des Herrn Dr. Bu¬ 
scha u. Nervenarzt, in Stettin. Verfasser der Organ saft-The- 
rapie in Eulenbnrg’s Real-Encyklopädie entschloss ich mich 
nun, die Knr fortznsetzen vermittels Injektionen mit Spermi¬ 
num-Poehl und zwar hat Patient deren 16 erhalten. Während 
der Knr traten zweimal heftige lanzinierende Schmerzen in 
den Beinen auf, die Untersuchung ergab vollständiges Fehlen 
der Patellarreflexe, Patient erklärte sich ferner für seit län¬ 
gerer Zeit impotent. Er leidet also an der propnostisch un¬ 
günstigsten Form der Optikus-Atrophie, der tabetisehen. 

Während nun vor der Behandlung mit Testikel-Extrakt 
und Spermin der Zustand des Anges täglich schlechter 
wnrde, trat mit der Behandlung sofort ein anzenscheinlicher 
Stillstand ein. ja im Laufe derselben sogar eine deutliche, 
wenn auch geringe Besserung: seit Juli kann Patient wieder 
Karten spielen, sogar an der Taschenuhr die Zeit erkennen, 
allerdings nicht stets richtig. 

So ist der Zustand bis heute, also 5 Monate nach Beginn 
der Behandlung geblieben. Die lanzinierenden Schmerzen in 
den Beinen sind nicht mehr anfgetreten, jedoch ist die Im¬ 
potenz nicht, gewichen, auch nicht trotz ferneren Gebrauches 
von Yohimbin. 


Tn zwei Fällen von Jahre lang bestehendem Pruritns seni¬ 
lis habe ich eklatanten Erfolg von Spermin gesehen. Ein 
57-jähriger Patient erklärte nach einer Injektion von seinem 
Leiden befreit zu sein, ein 67-jähriger erhielt 1 Injektionen 
während welchen das Jucken zunahm, sodass derselbe die 
Kur abbrach. Acht Tuge später war das Jucken ver¬ 
schwunden. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 

F. von W i n c k e 1. Handbuch der Geburtshülfe. (Wies¬ 
baden. Verlag von Bergmann. 1903). 

Mit dem Erscheinen der ersten Hälfte des I. Bandes dieses 
Handbuchs beginnt der Verf. die Herausgabe eines umfang¬ 
reichen Werkes über Geburtshfilfe, das, wie fief. ohne Wei¬ 
teres annimmt, einem dringenden Bedürfnis der Geburts¬ 
helfer entgegenkomrat. Fehlte uns doch ein solches Werk, 
das auf der Höhe der Zeit stehend als Nachschlagebnch für 
den Spezialisten dienen konnte. Das von Peter Müller 
1888 bearbeitete 3bändige ähnliche Werk gehört ja bei der 
schnellen Entwickelung der Geburtshülfe schon der Ge¬ 
schichte an. War aber Jemand berufen die Bearbeitung eines 
solchen Werkes in die Hand zu nehmen, so konute es nur 
der Altmeister der deutschen Geburtshelfer v. Wiuckel 
sein, dessen riesenhafte Erfahrung und kritischer Blick die 
Garantie bieten, dass etwas wirklich Hervorragendes geboten 
werde, das sich dem V e i t’sclien Handbuch der Gynaekologie 
ebenbürtig znr Seite stellen könne. Die Namen der zahl¬ 
reichen Mitarbeiter wie auch der vorliegende Band, der ansser 
einem geschichtlichen Abriss die Physiologie und Diätetik der 
Schwangerschaft behandelt, berechtigen zu den grössten Er¬ 
wartungen. Die vornehme Ausstattung und prächtigen Ab¬ 
bildungen im Text und anf zahlreichen Tafeln bilden den 
entsprechenden Rahmen zum Inhalt. Wir behalten nns vor 
nach Erscheinen weiterer Bände auf das Werk näher einzn- 
gehen und erlauben nns jetzt nur auf den Beginn seines Er¬ 
scheinens unsere Leser aufmerksam zu machen. 

W. Beckmann. 

Prof. A. Goldscheitler: Diagnostik der Krankheiten 
des Nervensystems. 3. verbesserte nnd vermehrte 
Auflage mit 53 Abbildungen im Text. (Rerlin 1903. 
Fischers mediz. Buchhandlung. 268 S. Preis 8 Mark). 

Dem Bedürfnisse des Klinizisteu und Arztes nach einer 
praktischen Anleitung zur systematischen Untersuchung der 
Nervenkranke» und zur diagnostischen Verwertung der auf- 
gefundeuen Symptome, weshalb auch die spezielle Diagnostik 
iu dem Buche berücksichtigt worden ist. kommt dieses in vor¬ 
züglicher Weise entgegen. Es sei wie die früheren Auflagen 
bestens empfohlen. 

M ic li el s o n. 


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68 


Sch we i n b u r Handbuch der allgemeinen nn l spe- | 
zielten Hydrotherapie. (Wieshaden 1904. Bergmann). 

Der etwas anspruchsvolle Titel des vorliegenden Buchs 
scheint mir mehr zu versprechen, als der Verfasser zu bieten 
vermag. Es existieren ja mehrere neuere Werke über Hy- 
drotherapie, von denen beispielsweise dasjenige von Matthes, 
Viel eher Anspruch auf die obige Bezeichnen-; hätte. Mit der 
Wissenschaftlichkeit des Schwein b u r s'schen «Hand¬ 
buchs» ist's nicht allzuweit Her, einen praktischen Wert 
muss man ihm aber gewiss znerkenuen. üebersichtliche An¬ 
ordnung des Stoffs, möglichst kurze und tunlichst klare 
theoretische Erörterungen sind lobend hervorztiheben. Im 
speziellen Teil sind einige Kapitel doch garzu einseitig 
behandelt; so hebe ich z. B. den 1‘assns über die Entstehung 
des AI. Basedow ii hervor; der Autor beziehe sich nicht 
deshalb auf die M o e b i u s'sclie Theorie, weil sie die ein¬ 
leuchtendste etc. sei, sondern weil sie die letzte und mo 
dernste (.) sei. — Als Grundlage der hydriaiischen Behand- 
lung der Migräne wählt Verf. die Spitze r’sche Theorie 
aei Entstehuug derselben, lieber sollte er doch gestehen, 
dass er seine Behandlung rein o npirisch ausgebildel. hat 
die vor 1 Jahren in die Welt gesetzte, einzig auf reicher; 
Phantasie beruhende Spitze r'sche Theorie, wird wohl kaum 
je praktische Hedeutnng erlangeu. Das Buch ist im Uebrigen 
als praktischer Leitfaden brauchbar und kann als solcher 
empfohlen werden, 

Voss. 


Protokolle 

des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. 

1320. S i t z u n g d e n 5. Mai 1903. 

I. W e 8 t p h a 1 e n. «U e b e r die Anwendung des 

Oeles io der Therapie d er Magendarmkrank- 
h eite ii». h 

In früheren Zeiten hat bekanntlicli die therap uitische Ver- 
wendung des Oeles, sowohl intern als auch bei äusserer Ap¬ 
plikation e>ne grosse Rolle gespielt, ist dann in Vergessen 
neu geraten und findet allerdings hauptsächlich unter dem 
11 i M o® theoretischer Erwägungen wieder immer mehr und 
mehr Eingang. Ich wen-le das Oel an hanpisächlich bei der 
Behandlung mancher Magen-Oesuphagns und Darmleiden und 
bei der Cholelirhiasis. 

J. Magenkrankheiten. 

a) bei den Hyperazidität s- und Hy per Sekretion s- 
zuatänden des Magens. 

Wie besonders H. Stranss und nach ihm noch Andere 
(A k l m o w Peretz, Bach mann. Linossier u. A) 
hingewiesen haben sind die Fette, und uuter diesen lianpt- 
sächlich die Milchfette — Butter. Rahm, aber auch die vegeta¬ 
bilischen tetten Oele. im Stande eine abnorme lli'lsekretion 
herabznsetzen ohne jede Beeinflussung der Motilität des Ma¬ 
gens. Diese Beobachtungen aus der Klinik finden ihre Be¬ 
stätigung in den physiologischen Experimenten P a w I o w’s 
denen zufolge bekanntlich die HCIsekretion des Magens sich 
unter normalen Verhältnissen aus 2 Faktoren zusatnmensetzt 
dem p 8 y c h i 8 c h e n Magensafie der unter dem Einflüsse 1 

• 8 j r088 h.* ,,,is durch Vermittelung des n. vagus. sezerniert j 
wird und in seiner Zusammensetzung nach der Art der zu I 
geniessenden Speisen variiert und dem reflektorischen j 
Magensäfte dessen Sekretion durch die Sympathicusbahuen 
? f l, .. ne ,. Mi ' wi '* tun ? des Zentralnervensvstems vei mitleit wird, j 
Möglicherweise ist der hemmende Einfluss der Fette auf die i 
HClsekretiou des Magens, auf die Vermindei ung derjenigen I 
Reizgrösse zu selzen, die diese 2 Komponente der HOlsekre- 
lion, die reflektoiische liervornift und ihren Ausgangspunkt 
in den sensiblen Nerven der Magenmnkosa findet. Neben die¬ 
ser direkten Beeinflussung der HClsekretiou durch Fette, 
haben letztere aber noch eine weiteie indiiekte Bedeutung, 
indem sie als inteusive Fettbilduer durch Besserung der Er¬ 
nährung der oft enteioptotischeo unterernährten meist ner¬ 
vösen Patienten, deren Nervensystem günstig beeinflussen 
nnd auf diese Weise auch diejenige Ouote der Hyperazidität i 
und Hypersekretion beeinflussen, die durch «len Vagus vei- ! 
mittelt wird und auf einer abnormen Enegbaikeit des Zen¬ 
tralnervensystems beiuht. 

Auch in Fällen von gastrischen Krisen hei Tabes, die mit 
einer kontinuierlichen Hyperazidität des Magensaftes vcrlau- i 
fen, scheint das Trinken von Oel die Hyperaziditätsbesrhwer- 1 
den günstig zu beeinflussen, auch schien es mir als ob die 1 
Krisen bei Oelgebiauch milder abliet'en. doch wage ich sol- | 
ches natürlich bei dem wechselnden Verlaufe der Kiisen selbst | 
eines und deBselhen Falles nicht mit Sicherheit dem Oelge- i 
brauch zuzuschreiben. 


b) bei Ulcus ve n t r i e \ 1 i vin der soeben erwähnten 
günstigen Beeinflussung der Hyperazidität des Magens darcli 
Fette ausgehend, habe ich in den letzten Jahren bei Ulkus¬ 
fallen, die namentlich mit einer stärkere HOIs-'kretion einhör- 
gingen und daher therapeutisch schwierig zu beeinflussen 
waren, während der Ulkusktir neben dem sonst üblichen Re¬ 
gime noch Oel trinken lassen nnd hin von den günstigen 
Resultaten dieser Therapie überrascht gewesen. Unabhängig 
von mir hat Wal ko die gleichen Erfahrungen gemacht und 
empfiehlt, daher auf dem letzten Kongresse für innere Medi¬ 
zin in Karlsbad sehr warm die innere Anwendung grösserer 
Oeltnengen bei der Therapie des Ulcus venticuli und des 
ihm völlig gleichwertigen Ulcus dnodeni. 

c) Bei der Stenose des Pylorusbei oder nach 
Ulcus v e n t. r i c u 1 i. 

In diesen Fällen stammt die Empfehlung der Oeltlierapie 
von C o h n b e i m. der durch eine zufällige Beobachtung hierzu 
veranlasst, eine solche Therapie warm befürwortet. Es handelte 
sich in seinem Falle um einen Patienten der mit einer Py¬ 
lorusstenose behaftet eine ihm daraufhin in Vorschlag ge¬ 
brachte Operation ablehnte und sich, nachdem er längere 
Zeit hindurch auf eigene Hand Leinöl getrunken batte, we¬ 
sentlich gebessert wieder vorstellte. 

Aus eigener Erfahrung kann ich konstatieren, dass in vie¬ 
len Fällen gutartiger Pylorusstenose, nicht in allen, durch 
Einführung von Oel in den Mager, eine bessere Entleerung 
desselben in den Darm bewirkt wird. Ganz besonders beach¬ 
tenswert war uns in dieser Hinsicht die Beobachtung an ei¬ 
nem Kollegen, weh-her an einer typischen Ulcusstenose labo¬ 
rierte und regelmässig am Morgen seinen Magen spülte. Die¬ 
ser Kranke behauptete strikt, dass sein Magen bei der Ma¬ 
genspülung stets weniger Speisereste entnielt, wenn er bei 
der letzten Abendmahlzeit Oel getrunken hatte. Aelinliche 
Angaben habe ich auch von andern Patienten gehört. Auf 
welche Weise in solchen Fällen dai Od günstig wirkt ist 
schwer zu erklären, vielleicht macht es die Wänle schlüpfri¬ 
ger und erleichtert dadurch den Uebertritt der Spcuen. mög¬ 
licherweise wirkt aber auch das Oel namentlich in denjenigen 
Fällen günstig, bei denen es sich am eine reine Ulcusstenose 
d. h. tun eine Pylorusstenose bei noch bestehendem Ulcus han¬ 
delt, die ja bekanntlich recht häufig mit gleichzeitig bestehen¬ 
dem durch das Ulcus bewirkten Pylorusspasmus verlaufen 

In solchen Fällen ist es sehr gut denkbar, dass das Oel 
den Reizzustan I der Uleusftäehe herabsetzt, und die in dersel¬ 
ben blossliegenduti Nerven vor der Einwirkung des Magenin¬ 
inhaltes schützt nnd auf diese Weise die Entstehung eines 
reflektorischen Pyloruskrampfes hinten anhält und daher 
auch eine bessere Entleerung des Mageninhaltes in den Darm 
ermöglicht. 

IL bei Oesophagusstenose, hauptsächlich bei dem 
slriktnrierenden Oesophaguskarzinom. 

Hier ist das Oel meine einzige Therapie da ich bei diesem 
Leiden in Uebereinstiinmung mit audern. nach einer diagno¬ 
stischen Sondierung keine weitern Sonden ein führe. In vie¬ 
len dieser trostlosen Fällescheint das Oel sich wirklich zu be¬ 
währen. indem dasselbe namentlich, wenn es unmittelbar vor 
den Mahlzeiten getrunken wird den Durchtritt der Speisen 
durch die Enge erleichtert, als hochwertiges Nahrungsmittel 
die Ernähiung liebt, zuweilen auch die Defaekalion günstig 
beeinflussen kann. Auch hierbei hin ich geneigt den Huuptanteil 
der günstigen Wirkung des i leies auf die krampfstiliende Fällig¬ 
keit desselben zu beziehen, seitdem R o s e n Ii e i m gezeigt 
hat, nass hei dem Oesophaguskarzinom oft weniger die durch 
deu Tumor bedingte organische Enge daR Schluckhindernis 
abgiebt, als der Oesophaguskrampf, welcher durch die mit dem 
Karzinom verlaufende Sculeimhautirritation bewirkt wird. 

III. b e i Erkrankungen des Darmes. 

Hier wende ich das Oel per os au uni per Klysma haupt¬ 
sächlich bei der Obstipatio spastiea und bei der E n- 
t e r i t i s tu e ni b r a n a c e a. bei letzterer haopaächlich daun, 
wenn sich zu der Sekretionsuenrosp noch eine, Motilitätsnen- 
rose. ebeu die Obstipatio spasiic i hinzugeseilt, was sich durch 
den Abgang strangförmig geformt er Sehleitnmussen kennzeich¬ 
net. Wie ich es in einigen Arbeiten iiher die spastische Ob¬ 
stipation und die Enteritis meinbranacea glaube gezeigt zu 
haben, müssen wir das Wesen der spastischen Obstipatiou 
in einer Nein ose erblicken, bei der es sich als Teilerscheinung 
eines allgemeinen meisi funktionellen neivüsen Leidens umcine 
abnorme Erregbarkeit derjenigen Nervenfasern handelt, die 
Automatisch von der Darmmukosa aus den Heiz auf die Darm- 
muskularis veimitteln und diese zu einer gesteigerten weni¬ 
ger perisialiischen als tonisch ablautVnden Kontraktion anre¬ 
gen, was man einerseits an dem Aufueien schmaler bleistift- 
dünner oder glatter handartiger Faeces, andererseits auch 
du ich Palpation siiangfoi mig kontrahierter Darinschlingen er¬ 
kennen kann. 

In solchen Fällen kann man. wie schon früher einmal 
Dr. Moritz hen-m.-t liat. durch fiiuk-mlassen von Oel 


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69 


sehr günstige therapeutische Effekte et reichen, wobei gleich¬ 
zeitig das Oel auch als Nahrungsmittel wirkt und dadurch 
ans deu. schon oben erwähnten Gründen nicht allein ;ils 
symptomatisches .Mittel wiikt, sondern auch einer kausalen 
Therapie entsprechen kann. 

Nicht immer gelingt es die Patienten zum Trinken des 
Oeles zu veranlassen, daun greife ich zum Öelklystier, wel¬ 
ches ich gleichfalls in erster Linie bei der Enteritis uiembra- 
Dacea, der spastischen zuweilen auch bei der atouischen Obsti¬ 
pation empfehle, in letztem Palle besonders daun, wenn es 
mir darauf ankommt als Einleitung zu einer diaetetischea 
Behandlung den Darm mild und ausgiebig zu entleeren, was 
in dem Masse durch keine andere Massiegel erzielt weiden 
kann und in der besonderen Wirkungsweise des Oeles seine 
Begründung findet. 

Wie Dr. Koch aus dtm Alexander Hospital in einer aller¬ 
dings noch nicht veröffentlichten experimentellen Arbeit am 
Hunde erwiesen hat, gelangt das Oel, falls es lege ariis ap¬ 
pliziert wild und genüi-end lange, mehrere Stunden im Darm 
verweilt, mindestens bis an die lleoeokalklappe. Manches 
f piicht dafür, dass es gelingt das Oel noch höher hiuaufzu- 
treiben. Da es kaum wahrscheinlich ist, dass solches durch 
den mechanischen Druck bei der Einführung des Oeles in 
den Darm gelingen kann, so müssen wir zur Erklärung des 
Hinaufdringens des Oeles in höhere Dannabsclmitte vom Bec- 
tnm aus anf die antiperistatische Bewegung Grützner’s 
zurückgreifen deren Existenz anfangs vielfach geleugnet.jetzt 
nach den Untersuchungen H e m in e t e r ’s als zu Hecht be¬ 
stehend angesehen werden kann. Allerdings kommt es. falls ' 
wir bei dem Menschen einen guten Effekt erreichen wollen 
sehr darauf an, auf welche Weise das Oelklysma appliziert 
wird, ganz besonders, dass es schon gleich zu Anfang über 
die Ampulle in den Dann gebracht werde. Zu diesem Zwecke 
lasse ich die Patienten gewöhnlich zur Nacht sich mit erhöh¬ 
tem Kreuze lagern, lasse den Nelatonschen Darmschlauch 
anfangs nur wenig entführen und wählend das auf ca. 34° K. 
erwärmte Oel im Quantum von 500,0 einläuft, den Schlauch 
langsam vorführen. Ich muss diese Technik besonders be¬ 
tonen, als es bei brüskem Eiulühren des Schlauches oder wenn 
derselbe gleich von vorneheiein w eil vorgeschoben wird es ge¬ 
schehen kann, dass sich der Schlauch umkelirt nunmehr mit 
gegen den Anus gerichteter Spitze die Ampulle allein mit 
Oel anftillt. Ein kunstgerecht gestelltes Öelklystier, verweilt 
ohne Mühe stundenlang im Dann, meist bis zum nächsten 
Morgen und bewirkt an dem tolgeudeu, bisweilen noch au 
den folgenden Tagen mehrere reichliche Stubleutleeruugen. 

Die Empfehlung des Oeklysmas stammt ursprünglich von 
Dr. Oberchewski hierselbst, hat jedoch erst durch die 
Veröffentlichung und warme Empfehlung F1 e i n e r s allge¬ 
meine Yei Wendung gefunden. An Stelle des meist angewandten 
teuren Olivenöles erster Pressung (.^uile virge) wende ich 
jetzt ausschliesslich das billigete, im Uebrigeu aber völlig dem 
Olivenöl gleichwertige Sesamöl an. Für erwähnenswert halte 
ich noch, dass den Untersuchungen Dr. Koch’s zufolge 
ein relativ giosser Teil des Oeles vom Darm aus resorbiert 
wird, wodurch sich auch die bei längerer Anwendung von 
Oelklystiereu bemerkbare Körpergevvichtszunalime der Patien¬ 
ten erklärt. Nicht seiten klagen die Fat- bei der Anweudoug 
von Oelklystieren über einen meist mehrere Stunden nach 
Applikation auftretenden Oelgesehmack im Munde; worauf 
solcher zurackzutübren ist, dürtte zur Zeit noch unei klarlick 
sein. Sicher ist es, dass solches nicht darauf beruht, dass das 
Oel etwa durch Antiperistaltik bis iu deu Mageu gelangt uud 
von hier aus durch Ruktua hocu gebracht wird. Es gelaug 
Dr. Koch den Nachweis zu liefern, dass Patienten, denen am 
Abend der Magen leer gespült worden war and die darauf 
ein Oelklysma erhalten halten, am nächsten Morgen über Oelge 
schmack klagteu, bei einer nunmehrigen 2. Spülung im Spül¬ 
wasser nur so geringe Mengen von Fett enthielten, die le¬ 
diglich auf das Vorhandensein verfetteter Epithelien bezogen 
werden mussten. 

Das zum Klystier verwandte Oel war ferner mit Sudan 111 
rot gefärbt, wählend das Spülwasser aus dem Magen absolut 
farblos zurückkam. 

Ebensowenig glaube ich das Anftreteu des Oelgeschmackes 
auf suggestive Einflüsse zurückzufUiiren, da ich es noch nie¬ 
mals bemerkt habe, dass über Oelgesehmack früher als 2 
Stuudeu post Klysma geklagt wurde. 

IV. Cholelithiasis. 

Von dem Gedankeu ausgeheud, welcher sich ja auch jetzt 
immer mehr uud mehr in die klinische Auffassung der Gallen- 
steiukraukheit einbürgeit. dass der akute Galleii6teiuanfaÜ 
weniger in dem Waudeiu des Steines zu sucheu ist als viel¬ 
mehr in einer akuten Exazerbation einer latenten Cholecysti¬ 
tis habe ich auch bei diesem Leiden seit nunmehr 27» Jahren 
eine systematische (Miherapie iu Anwendung gebracht. Da 
die Gallenblase in offener Kommunikation mit dem Darm 
steht uud die Cliolec) stitis der Galleusteinkianken wohl sicher 
auf das Eindringen von Kiauklieitskeimen vom Darme aus 


in die Gallenblase zniiickgefübrt werden mnss ünd wir fer- 
tier wissen dass bei Gallensteinkranken oft eine Störung der 
Darmfunktion (Dian hoc oder Obstipation) von einer Leberko¬ 
lik gefolgt sein kann, so glaube ich, dass in der grössten 
Mehrzahl der Fälle die Therapie der Cholelithiasis in erster 
Lime auf die Behandlung des Darmes hinauslaufen dürfte und 
darauf gerichtet sein muss pathologisch gesteigerter Bakte- 
rientätigkeit im Darme entgegenzuarbeiten, beziehnngsweise, 
dieselbe zu vermindern. Bis zu einem gewissen Grade lässt 
sich solches aut' diaetetischem Wege erreichen, auch dürfte 
der empirisch festgestellte günstige Einfluss der Karlsbader 
Thermen bei der Cliolelitliiasis vielleicht theoretisch in erster 
Linie auf eine günstige Beeinflussung der Darmschleimhaut, und 
der iu ihren Drüsen vegetiereuden Bakteiien durch das Ther¬ 
malwasser erklärt werden können. Neben dieser allgemein ge¬ 
übten Therapie ordiniere ich jedoch in den letzten Jahren 
bei der Cliolelithiasis noch gern Oelklystiere, die ich Monate 
hindurch in regelmässigen 3 tägigen Abständen anwenden 
lasse- Ich suche dadurch noch einem andern, wie mir scheint, 
sehr wichtigen Factor gerecht zu werden, indem ich durch 
Herstellung regelmässiger Darmentleernngen der Möglichkeit 
selbst geringer Kotstauangen vorbeuge, die ihrerseits nament¬ 
lich bei gleichzeitig bestellender selbst leichter Kolitis durch 
ein pathologisch verlängertes Verweilen der Kotmassen im 
Darm leicht zu eiuer Steigerung der Bakterientätigkeit im 
Darm füllten kann und dadurch indirekt, die latent bestehende 
Cholecystitis verschlimmern dürften. 

Es ist ja kaum möglich bei einem so launischen Leiden wie 
bei der Cholelithiasis über den Effekt einer Therapie zu spre¬ 
chen, nur eine grosse Kasuistik kann hier entscheidend sein, 
und über eine solche verfüge ich nicht. Trotzdem habe ich 
den Eindruck gewonnen, als ob die kombinierte Therapie: 
Karlsbader Wasser mit Oelklysma, selbst ohne wesentli¬ 
che Beschränkung der Kost doch mehr leiste, als eine Karls¬ 
bader Kur allein. Bei vielen meiner Kranken, die selbst mehr¬ 
fach wiederholte Kuren in Karlsbad erfolglos dirrchgeraacht 
halten, ist es mir gelungen das Latenzstadium ihrer Krank¬ 
heit zu verlängern. Der Effekt pflegt hierbei nicht gleich 
einzntreten; zu Anfang dauern die Anfälle noch fort, doch 
schon nach einiger Zeit werden die schmerzfreien Intervalle 
länger, bis schliesslich die Attaquen auflange Zeit hinaus auf¬ 
hören. Werden nunmehr die Oelklysmen anf Monate hinaus 
ausgesetzt, so treten wieder Anfälle auf, die jedocii auszu- 
bleiben scheinen wenn im Verlaufe von 1 '/»—2 Jahren anf 1 
bis 2 Monate selbst bei vollstem Wohlbefinden die Kur wie¬ 
derholt wird. 

(Autoreferat). 

Diskussion: 

Hörschelmann: Ist das Oel nicht auch schon früher 
bei Gallensteinen intern gegeben worden? 

W e s t p h a 1 e n: Allerdings, aber immer nur rein empi¬ 
risch. 

Kernig: Wie soll das Oelklysma bei Gallensteinen wir¬ 
ken? Doch nur als EkkoproticumV 

W estphalen: Jawohl. 

Hörschelmann: Wirken Milchfette wie z. B. Butter, 
Schmand n. s. w. nicht besser wie Oel? 

Westphalen: Ich halte das Oel für eine besser ein- 
hüllende und einschmierende Substanz. 

H ö r s c h e 1 m a n » : Neuerdings werden auch mussierende 
Oele iu den Handel gebracht; ist die Anwendung derselben 
nicht auch in deu vou W. betonteu Krankheitsfällen zu 
empfehlen? 

Westphalen: Ich würde nicht raten dieselben bei Hy¬ 
perazidität auzuweuden; die Kohlensäure dürfte in solchen 
Fällen wohl eiuen zu starken Beiz ausüben. 

2. Wanach berichtet über folgenden Fall vonSarkom. 

Frau L., 42 J. a. bekam iin Herbst 1899 einen Stoss gegeu 
die rechte Brust und im unmittelbaren Anschluss daran 
schwoll die Brustdrüse au. Ein Arzt diagnostizierte Mastitis 
und machte einen Einschnitt, es entleerte sich jedoch nnr 
Blut. Die Geschwulst vergrösserte sich rapid und Pat. trat 
in eine hiesige Klinik, wo am 28. November 1899 die Ge¬ 
schwulst exstirpiert and für Sarkom erklärt wurde. Anfang 
Juli 1900 bemerkte Pat. wieder eine Geschwulst in der Brust¬ 
drüse und kam am 10. August iu die Behandlung des Vortr. 
Die rechte Mamma war von einer faustgrosseu, harten, eui- 
pfiudlicbeu Geschwulst eingenommen. Pat. sehr schwach, anä¬ 
misch, bat Ohnmachtsanfälle. Die Temperatur schwankt zwi¬ 
schen 38,3° und 39,5°, ohue eiueu bestimmten Typus einzn- 
halteu. Ein anderer «irund, als eventuell der Tumor, war 
nicht zu finden. Am 14- August 1900 typische Ampntatio ma- 
mae mit Entfernung der Brustmuskulatur und sorgfältiger 
Ausräumung der Achselhöhle. Es musste soviel Haut mit 
eutterui weiden dass eiue handtellergrosse Fläche der Gra¬ 
nulation überlassen und am 9. September durch Hauttrans¬ 
plantation nach Thier sch gedeckt wurde. Sofort nach der 
Operation fiel die Temperatur zur Norm und der Allgemein- 
zusiaud besserte sich schnell. Der Tumor war ein Spindelzei- 


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leusarkom. — Im März 1901 bekam Par. einen heftigen Stögs 
gegen die Narbe. Sofort entstand eine kleine Anschwellung, 
die ständig wuchs. Ref. sah Pat im Mai. — Rechts im Bereich 
der mit Transplantation gedeckten Stelle, zwischen 3- nnd 4. 
Rippe, dicht am Sternum sass eine in der Tiefe unbewegliche 
mandarinengrosse Geschwulst. Die Temperatur schwankte um 
38°. — Operation am 28. Mai 1901, wobei die 3. und 4. Rippe, 
der Rand des Stermum nebst allen benachbarten Weichteilen, 
inklusive die Pleura costalis, die an der innere Fläche des 
Tumors adhärent war, entfernt werden mussten. Es entstand 
so eih fast haudtellergrosser Defekt der gesamten Thorax¬ 
wand, dessen Deckung, etwa durch Lappenbildung, unmöglich 
war wegen der ausgedehnten narbigen Veränderungen in der 
Umgebung. Ref. half sich so, dass er die Lunge in deu De¬ 
fekt einuähte bis auf einen kleinen Spalt, durch den ein 
Tampon in die Pleurahöhle eingeführt wurde. Es folgte eine 
längere Fieberperiode, mit serös eitriger Sekretion ans der 
Pleurahöhle. Schliesslich heilte alles ans. Interessant war, 
dass die freiliegende Lungenoberfläche überhaupt nicht gra¬ 
nulierte. Ein Versuch sie mit T h i e r s c Irschen Epidermis- 
lappen zu bedecken misslang vollständig, die Lappen hafte¬ 
ten nicht. Iin Verlauf mehrerer Monate nahm allmälig das 
die Lunge bedeckende Endothel mehr und mehr den Charak¬ 
ter der Epidermis an; die Fläche wurde tiocken und war 
schliesslich mit einer hornartigen Decke bekleidet, die 
sich indessen deutlich von der umgebenden richtigen Epi¬ 
dermis unterschied. Nach einer längeren Zeit guten Befindens 
und voller Arbeitsfähigkeit fiel Pat. im Sommer 1902 auf die 
rechte Seite und sofort entwickelte sich unter hohem Fieber 
(bis über 39°) eine rasch wachsende Geschwulst im rechten 
M. Glutaeus raaxiiuns. Nach Entfernung dieser Geschwulst fiel 
die Temperatur prompt ab. Von jetzt an traten in immer ra¬ 
scherer Folge neue Sarkomknoien auf, die das Gemeinsame 
hatten, dass sie von hohem Fieber begleitet waten, meist in 
den Muskeln sassen (Vastus internus siu., Rectus abdominis, 
etc.), ott nach kleinen Traumen sich entwickelten. Unter zu¬ 
nehmender Kachexie, bei Temperaturen von 40--4L® starb Pat. 
schliesslich Anfang Mai 1903. Bis zuletzt waren in den in¬ 
neren Organen keine Metastaseu nachzuweisen, auch traten 
in den zahlreichen Operationsnarbeu keine Rezidive auf. 

Die Besonderheiten des referierten Falles sind: die unge¬ 
wöhnlich deutliche traumatische Entstehung der Geschwülste 
das durch sie bedingte konstaute nnd ebenfalls ungewöhnlich 
hohe Fieber und endlich die Art, wie der Defekt der Tho¬ 
raxwand durch Eiunähen der Lnnge gleichsam verstopft 
wurde, wobei die Lungeuobeifläche allmälig verhornte sodass 
weitere Massnahmen unnütz waren- 

(Autoreferat) 

Diskussion: 

Kernig: Bekannt ist, dass bei Sarkomen innerer Organe 
zuweilen Fieber besteht; speziell auch unter der Form des 
sogenannten chronischen Rückfallsfiebers. Betonen möchte ich 
aber, dass ein Magenkarzinom in der Regel nicht mit Fieber 
verläuft. 

Wan ach: Für «geschlossene» Karzinome ist allerdings 
charakteristisch, dass sie kein Fieber machen, so z. B. die 
Mammakarzinome. 

Westphalea: Es giebt einige ausführliche Arbeiten 
über Fieber bei Karzinomen. Fiebert ein Magenkarzinom, 
so handelt es sich meist um Komplikationen. 

Wan ach: Im Allgemeinen nimmt man doch wohl an, 
dass Fieber häufiger bei Sarkom als bei Karzinom angetrof¬ 
fen wird. 

Direktor: W. Kernig. 

Sekretär: Dobber t. 


Vermischtes. 


— Eine überaus grosse Zahl von Militär-Reserve* 
ä r z t e n ist anlässlich des ansgebrocheuen Krieges zum Dienst 
in den Fernen Osten aus allen Teilen des rassischen Reiches 
eiuberufen worden und befiudet sich zum grössten Teile be¬ 
reits auf dem Wege nach ihren Bestimmungsorten (haupsäch- 
lich nach Tschita, Charbin und Chabarowsk). 

— Die Hauptverwaltung des Roten Keruzes wie auch ihre 
Abteilungen eutfalten eine emsige Tätigkeit in der Ausrü¬ 
stung von Sanitätskolonnen für den Krieg. Ara 
12. Februar reiste von hier mit der NikolaibahD eine von der 
Hauptverwaltung des Roten Kreuzes entsandte sog. fliegende 
Sanitälskolonne mit 200 Betten und einem ausreichenden Per- j 
sonal von Aerzten, Feldschern, barmherzigen Schwestern, 1 
Sanitären etc. nach dem Fernen Usien ab. i fiese fliegende 
Kolonne, welche für den Sanitätsdienst unmittelbar hinter 
der Gefechtlinie bestimmt ist, steht unter der Leitung des 
bekannten Chirurgen vom Kiuderhospilal des Prinzen von 
Oldenburg Dr. E. Heuking als Chefarzt. — Eine ge¬ 


meinsame baltische tfolouiie des Roten Kreu¬ 
zes, die geplant wurde, kommt nicht za Stande, doch wird 
von jeder der drei baltischen Provinzen eine eigene Lazaret- 
Expedition ausgerüstet. Ans diesem Anlass richtet die kur- 
1 ä n d i 8 c h o Abteilung der Gesellschaft des 
Roteu Kreuzes an Personen, die in der von ihr formier¬ 
ten .Sanitätskolonue die A em t e r eines älteren Arztes, 
wie die übrigen Aerzte (mit Angabe der Spezialität), 
sowie von barmherzigen S c h w e s t e r n übernehmen 
wollen, die Aufforderung, ihre Meldungen dem Präsidenten 
der Verwaltung, Stallmeister D. D. Swerbejew, zugeheo 
zu lassen. 

--Zum Oberarz t des evangelischen Feldla- 
zarets, welches in letzter Zeit formiert wird, ist der be¬ 
kannte hiesige Chirurg Dr. Xa ver Dombrowski ge¬ 
wählt worden. 

— Zu Korpsärzten des neuformierten 3. nnd 
4. sibirischen Armeekorps sind ernannt worden: der 
Divisionsarzt der 15. Kavallerie-Division, Staatsrat Dr. Rja- 
binln — beim 3. Armeekorps und der Divisionsarzt der 27. 
Inf.-Divis., Staatsrat Dr. Grawirowski — beim 4. Ar¬ 
meekorps. 

— Der ausserordentliche Professor der Pharmakologie an 
der militär-medizinischen Akademie. Staatsrat Dr. Kraw- 
kow, ist zttm ordentlichen Professor ernannt 
worden. 

— Aus Berlin kommt die Nachricht dass der Professor der 
Geburtshälfe und Gynäkologie an der dortigen Universität. 
Geheimrat Dr. Adolf Uusserow, aus Gesundheitsrück¬ 
sichten zum 1. April sein Amt als akademischer 
Lehrer niederlegt. Die Berliner Universität, welcher 
G. seit mehr als 25 Jahren als Dozent angehört, erleidet 
durch diesen Rücktritt einen schweren Verlust. Prof. G u 8- 
serow, der gegenwärtig im 67. Lebensjahre steht, war bis 
in die letzte Zeit mit kaum geminderter Kraft und Frische 
tätig. Als sein Nachfolger wird der Prof. ord. der Gynäko¬ 
logie in Halle Dr. Ernst Bumm genannt. 

— Wie der cR. Wratsch» erfährt, ist der Privaldozent 
Dr. Leon Popelski zum Professor der Pharma¬ 
kologie an der Universität Lemberg gewählt 
worden. 

— Znm Dekan der raedizinischenFaknltfttder 
Warschauer Universität ist an Prof. Xgchaoa- 
8o w’s Stelle der Professor der Gynäkologie Dr. Schter- 
bakow ernannt worden. 

— Der jüngere Ordinator des St. Petersburger Marine- 
Hospitals Dr. L u k i n ist zum älteren Arzt der 8. Flot* 
teneqaipage ernannt worden. 

— Die Gesellschaft russischer Aerzte in 
Moskau hat in ihrer Jahresversammlung einen neuen Vor¬ 
stand gewählt, und zwar: den bisherigen Vicepräsidenten 
Dr. N. Jablokow, Oberarzt des Sophien-Kinderhospitals — 
zum Präsidenten, Dr. J. Ssarytschöw, Oberarzt 
des Alten Katharineubospitals — zum Vicepräsidenten, Dr. W. 
Schamschi n—znm Sekretär, Dr. S s o 1 o m k a—zum Kas- 
sirer und Dr. P. A. Herzen —zum Bibliothekar. Die Zahl 
der Mitglieder betrug 82, darunter 3 korrespondierende 
Mitglieder. Das Kapital der Gesellschaft ist auf 40,299 R. 
angewach8eu. Iin verflossenen Jahre hat die Gesellschaft 5 
Stipendien im Betrage von 750 Rbl. und 4 Unterstützungen 
im Betrage von 760 Rbl. erteilt. 

— Der dem St. Petersburger klinischen Militärhospital zur 
Vervollkommnung zukommandierte Arzt Dr. W1 Iwauow 
hat sich mit Genehmigung der Konferenz der militär-medizi¬ 
nischen Akademie als Privatdozent für Syphilis 
und Hautkrankheiten habilitiert. 

— Das Libauer Stadtamt hat mit seinen Verhandlungen 
wegen Besetzung des Oberarztpostens am Stadtkrankenhanse 
entschiedenes Unglücs. Nachdem Dr. Rafael kurz vor dem 
Eintreffen seiner Bestätigung den Kontrakt gelöst, hat jetzt 
auch, wie dte «Düna-Ztg.» erfährt, Dr. Uauiing dem Stadt¬ 
amte aus Berlin telegraphisch gemeldet, dass er den Posten 
eingetretener Umstände wegen ablehnen müsse. 

— Der etatniässige Arzt der Medizinalabteilung der St. 
Petersburger Gouvernementsverwaltung und ältere Arzt des 
finländischen Leibgarderegiments, Kollegienrat Dr. Ssu- 
c h o r 8 k i ist der erstgenannten Stellung (wegen 
Aufhebung des Postens) e n t h o b e n worden. 

— Dem Spezialisten der Petersburger St. Georgi-Gemeiu- 
schaft barmherziger Schwestern Dr. Taranow ist der 
Persische Löwen - und Sonnenorden JI. Klasse 
verliehen worden. 

— Der Professor der Operationslehre Dr. Berger wurde 
an Stelle des in den Ruhestand getretenen Prof. Duplay 
zum Direktor der chirurgischen Klinik ln 
Paris ernannt. 

— Für die projektierte ordentliche Pro¬ 
fessur für Ohren- und Kehlkopfkrank- 
beiten iu Lemberg ist dor Direktor der Klinik für 


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7t 


Kehlkopf-, Rachen- und Nasenkrankheiten an der Universität 
Heidelberg, Prot, extraord. Dr. A. Jnracz, in Vorschlag 
gebracht worden. 

Verstorben: 1) Am 7. Februar zu Wesenberg (Est¬ 
land) l)r. Leonhard Hirschhausen im 48. Le¬ 
bensjahre. Der Hingeschiedene stammte aus Estland und hatte 
«eine medizinische Ausbildung in Dorpat erhalten, wo er von 
1876—84 studierte. Nach Erlangung der Doktorwürde war H. 
kurze Zeit ärztlich tätig, siedelte aber bereits i. J. 1886 nach 
Wesenberg über, wo er sich dauernd als Arzt niederliess. 

2) In Minsk der dortige Gonvernements-Medizinalinspektor 
Dr. Paul Petro w im Alter Von 65 Jahren nach fast 
40-jäbriger ärztlicher Tätigkeit. 3) Am 12. Januar im Flecken 
Bjely Kljutsch (Gouv. Tiflis) der ältere Arzt des 2. kauka¬ 
sischen 8chtitzenbataillons Dr. Johann Twarjano- 
wltsch im 51. Lebensjahre am Herzschlage. Der Verstor¬ 
bene, welcher seit 1881 die Praxis ansgeübt hat, erfreute sich 
grosser Achtung und Liebe unter seinen Kollegen und Pa¬ 
tienten. Für seine Doktordissertation, welche die «Antropolo- 
gie der Armenier» behandelte, erhielt er von der Moskauer 
Antropologischen Gesellschaft den Preis des Prof, ßas- 
z w e t o w. 4) In Etfelnstok der ältere Arzt des 11. Dragoner- 
,i egiments Alexander Kaidan im 52. Lebensjahre, j 
Obschon er über 22 Jahre praktiziert bat, so bat er doch seine 
Frau mit fünf Kindern ganz mittellos zorückgelassen. 5) Am 
4./17. Februar in Freiburg im Breisgau nach längerem Leiden 1 
der frühere Professor der Psychiatrie an der dortigen Uni- 
versiiät, badischer Hofrat und russischer Staatsrat Dr. H er¬ 
mann E m i n g h a u s , im 59. Lebensjahre. Er war geboren 
in Weimar, habilitierte sich 1874 als Privatdozent in Würz¬ 
burg und wurde i. J. 1880 auf den damals nen begründeten 
Lehrstuhl der Psychiatrie in Dorpat als ordentlicher Profes¬ 
sor berufen. Als solcher war er zugleich der erste Direktor 
der neuen dörptschen Irrenanstalt, die ibm ihre erste Ein¬ 
richtung verdankt. 1886 folgte er einem Hufe an die Frei¬ 
burger Universität als Professor und Leiter der nenerrichteten 
psychiatrischen Klinik, welche Stellung er bis zum Jahre 
1902 inne hatte, wo ein schweres Nervenleiden ihn zwang, 
aeine Tätigkeit anfzugeben und in den Ruhestand zu treten. 
Der Verstorbene ist auch vielfach literärisch tätig gewesen. 

— Wie verlautet, iiat der Professor der Psychiatrie an der- 
Freiburger Universität Dr. H o c h e (Nachfolger des Prof. 
Eminghaus) einen Ruf nach Halle an Stelle des nach Berlin 
übersiedelnden Prof. Ziehen erhalten. 

— Dr. London von der Sektion für allgemeine Patologie 
des hiesigen Instituts für experimentelle Medizin wird, wie 
wir in der «Nord!. Ztg.» lesen, am 15. Februar in der Aula 
der Universität Jurjew (Dorpat) einen iJffeut* 
liehen Vortrag in russischer Sprache 
über die Eigenschaften des Radiums hal¬ 
ten. Der Vortrag, welcher durch Demonstrationen und Ver¬ 
suche erläutert werden wird, findet zum Besten des dortigen 
V erein s derMedizinstudier enden statt, wo¬ 
bei jedoch ein Teil der Einnahmen dem dortigen Comite des 
Roten Kreuzes znfliessen soll. 

— Das von Dr. S p r i m o n ln Moskau seit Jahren heraus¬ 
gegebene Referaten-Journal «Medizinskoje Obosrenije» (Medi¬ 
zinische Revue) ist in den Besitz der «Gesellschaft russischer 
Aerzte in Moskau» übergegangen. Die Redaktionskommission 
dieses Journals wird fortan aus den Aerzten Sprimon, 
N. Jablokow.J. Ssarytschew, M. Jakowlew 
und D. Gorochow bestehen 

— Livländische Landesirrenanstalt. Das 
vom Verwaltungsrat der Gesellschaft zur Fürsorge für Gei¬ 
steskranke in Livland ansgearbeitete Verwaltnngsstatut der 
livländiscben Landesirrenanstalt ist nachdem es entsprechend 
dem vom Minister des Innern am 4. September 1903 bestätig¬ 
ten Normalstatut für Heilanstalten nmgearbeitet worden, vom 
livländischen Adelskonvent angenommen und zur Bestätigung 
vorgestellt worden In der Irrenhansfrage beschloss der Kon¬ 
vent. wie wir der «Düna-Ztg.» entnehmen, den nenerwälten 
Direktor der Anstalt Dr. Albert Behr zu den Arbeiten 
der Baukommission mit beratender Stimme heranzuziehen und 

S emäss dem Antrag des Landratskollegiums, diesem einen 
[redit bis zur halben Höhe der in Aussicht genommenen Di¬ 
rektorgage, d b. 2400 R. jährlich, für Mühewallnng und Rei¬ 
sen des Direktors zu eröffuen. 

: — Die livländische Gesellschat zur Bekäm¬ 
pfung der Lepra hat beschlossen, das Leprosorinm 
in Nennst vom 1. Januar 1904 bis zur Einführung des 
Isolierzwanges und obrigkeitlicher Bestätigung der Spezial- 
äxzte für Leprakranke zeitweilig za sch Messen, 
sowie die in ^ennal befindlichen Kranken in das Tarwaatsche 
Leprosorinm ttberzuführen. Infolge dessen hat der Livlän- 
dieche Adelskonvent beschlossen, durch den Landmarschall 
gehörigen Orts HchritteziirEinführang des I so¬ 
ll e r zwange s der Lsprakisskeo zu tan. 

— Der dirigirende Arzt der brnudenbai gisehen Lungenheil¬ 
stätte u» B einig, ftoE Dr. M ö 11 e r ,berichtet in der 


«Zeitschrift für Tuberkulose und Heilstätten wesen» Uberseine 
Versuche zur Immunisierung gegen Tukerkulosb. 
Unter diesen erwies sich ihm die Auwendung des Bazillus 
der Blindschleichen -Tube rkulose als gefahrlos. 
Als Blindschleichen-Tuberkulose bezeichnet Möller eine 
Abart des Tuberkelbazillus, die er dadurch erzeugt hat, dass 
er diesen Bazillus Blindschleichen eiuimpfte. Hierdurch ver¬ 
liert der Bazillus eine Eigenschaft, die ihn befähigt, im 
Körper von Warmblütern zu gedeihen, nämlich das Wachs¬ 
tum bei 37" CelsiuB (Blut,wärme,). Der Blindschleichen-Tu- 
berkelbazillus wächst nur bei Temperaturen von höchstens 
25° 0. und geht bei höheren Temperataren, wie im Blute von 
Warmblütern, zu Grunde. Nachdem nun M. sich überzengt 
hatte, dass die Warmblüter nach Einspritzung von Reinkul¬ 
turen der Blindschleichenbazillen gesund bleiben und nach 
wiederholten Einspritzungen sogar immun gegen echte Tn- 
berkelbazillen werden, hatte er den Mut, die Einimpfungen 
an sieb selbst zu probieren. Er konnte sich, nachdem ersieh 
einmal subkutan und dreimal intravenös Blindschleicben- 
Tuberkulose injiziert batte, ohne an Tuberkulose zu erkranken, 
menschliche Tnberkelbazillen intravenös injizieren von einer 
Kultur, welche ein gleichzeitig infiziertes Mterschweinchen 
tuberkulös machte. Möller hält hiernach seinen 
Blindschlei chen-Tube rkelbazillns für das 
relativ ungefährlichste und doch genügend 
wirksame Bakterium unter den säurefesten 
Bazillen, welche zur Erzeugung einer Immu¬ 
nität gegen Tuberkulose bei Warmblütern 
überhaupt in Betracht kommen. 

Bf. 

— DieGesammtzahl der Kranken in den Civil- 
hospitälern 8 t. Petersburgs betrug am 31. Jan. 
d. h. 9454 (258 mehr als in d. Vorw.), darunter 493 Typhus — 
(17 mehr), 1051 Syphilis — (61 mehr), 256 Scharlach — (33 mehr), 
106 Diphtherie — (6 mehr), 116 Masern — (23 mehr) und 35 
Pockenkranke — (8 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 11. bis znm 17. Januar 1904. > 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht and Alter: 


Im Ganzen: 

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10 26 

62 

74 

74 

63 58 

31 

10 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 11, Febris reenrrens 3,Typbus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 1, Masern 22, Scharlach 7, 
Diphtherie 17, Croup 0, Kenchhasten 5, Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 30, Erysipelas 5, Grippe 5, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 95, Ruhr 3, Epidemische Meningitis 1, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 1, Rotzkrankheit 0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und 
Septlcaemie 9, Tuberkulose der Lungen 137, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 15, Alkobolismus und Delirium tremens 8, Le¬ 
bensschwäche and Atropbia infantum 40, Marasmus senilis 24, 
Krankheiten des Verdauungskanals 30, Todtgeborene 44. 


Mftohste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 17. Feb. 1904. 


Tagesordnung: G. Albanus: Ueber das primäre Lun¬ 
genkarzinom. 


NaohsteSitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 8. März 1904. 


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72 


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12. Juli 1892. 

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1. April 1893 und 3. Juli 1899. 


Erprobt : bei gewöhnlicher Verstopfung, Leberleiden, als 
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Verdauungskanals, Verstopfung bei Schwangeren und mit der 
Brust Stillenden, und gegen Gallenstein. 

Gewöhnliche Dosis in Pillen: 2 Pillen nach dem Essen 
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jmm wurde mit beRtetn Erfolg geprüft an der Chir. 

Klinik in Bern, Direktor Brof. Dr. Th. 
jrroil/lin Kocher, und an der I. Med. Unirersitüts - 

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nulrath Brof. Dr. von Leyden . 

Seine therapeutische und tonische Wirkung wurde erkannt bei 

Bhachitis , Scrophulose, Caries, Neurosen, Hysterie, An fi¬ 
rn ie, Cachejcie und Basedow 9 scher Krankheit. 

Im Allgemeinen ist Protyin liir den menschlichen Organismus ebeuso 


werthvoll wie die Superphosphate für die Pflanzen. 

Ausser Protylin stellen wir zur Zeit noch 

Eisenprotylin (Eisengehalt 2,3 pCt. und 
Bromprotylin (Bromgehalt 4 pCt. organisch gebunden) dar. 


Von Protylin u. Eisenprotylin ersuchen wir nicht einzelne Pulver, sondern 
stets nor die Originalpackungen von 25,50,100 oder 250 gr. zu verordnen. 

Muster und Literatur stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Alleinige Fabrikanten: 

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Basel (Schweiz) Grenzach (Baden). 

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Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Luitgart Heimberger, Bac. OcTp., ü 
J1BH., X. >29, KB.! 13. * ■ • • ■ 

Frau L. A. Bogoslawskaja, Ertelefi 
Pereulok 16, Qu. 6. 

Schwester Const. Schmidt, HeTepß. ct 
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Frau Elvine Juckam, Bac .ocTp., Cp. np 
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Dr. Alfred Stransky 

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Im Deutschen Alexander-Dospital wird 
Naohweis erthellt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.) 


J.08B. neap. Cn(5., 14 d^espa.va 1904 r. Herausgeber Dr. Rud ol f W an ach. Bachdrnckerei v. A. Wienecke, Katharinenbofer Pr. Ji >5. 


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XXlX. JAflkGANG. ST. PETKPSBTTBErKU Neue Folge XXI. lalitf. 



unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend. —Der Ahonnamentspreis ist in Bauland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. Für das halbe Jahr incl. Postzustellung; in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionsprell 
lürdie Brnal gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop.oder3öPfen.—Den 
Autoren werden 25 SeparatabzQgeihrer Originalartikel zugesandt. 
— Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 

8 St. Petersburg, de 

Inhalt: Dr. med. S. Rubin st ein: Die diagnostische Be 
Seilschaft praktischer Aerzte. — Vermischtes. — Anz 

Abonnement»-Aufträge sowie all« Inserats 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von Z. L. Sieker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect Jfc 14, zu richten. — Manns- 
oripte sowie alleaufdie Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsfQhrenden RedacteurDr.&udolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paalhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 

n 21. Februar (5. März). 1904 « 

deutung der zehnten Rippe. — Mittei langen ans der Ge- 
eigen. 

Dieser J>6 liegt «Ns 1 der Revue der Russischen Medicinischeo Zeitschriften» bei. 


Die diagnostische Bedeutung der zehnten Rippe. 

Von 

Dr. raed. S. Ru bin stein. 

(Mitan). 

(Vortrag, gehalten unf dem XV- AerzteUff der Gesellschaft 
Uvländischer Aerzte in Pernan). 

Meine Herren! Seit altersber sind wir gewöhnt in 
den Rippen — als Begrenzung des Thorax — einen 
Schutzwail für den Oberkörper und seine Eingeweide 
gegen öu$sere Gewalten zu sehen und wohl wir Alle 
suchten — und fanden in den Rippen in diagnosti¬ 
scher Beziehung nur Anhaltspunkte für die Bestim¬ 
mung der Lage der Brust* und teilweise auch der 
Bauchorgane. 

Dem ist aber in den letzten Jahren anders geworden; 
die Erkenntnis von der Bedeutung der Rippen für Aetio- 
logie und Diagnose mancher Erkrankungen ist ge* 
wachsen. 

Ich will in dieser Beziehung nur kurz auf die Un¬ 
tersuchungen von Freund hmweisen. Dieser Forscher 
hat auffallend verschiedene Laugen- und Breitenent- 
wickeluug des ersten Rippeoknorpels nachgewiesen und 
hat gezeigt, dass die Verkürzung desselben eine ganz 
scharf - gezeichnete Thoraxdeiormilät hervorbringt, die 
als Habitus phiisicus genau zu differenzieren ist und 
einen fnnkiionshemmenden Einfluss anf die obere Brust- 
apertur hat. Dadurch werde die Lungenspitze in einen 
krankhaften Zustand versetzt and zur Aufnahme von 
Bazillen geeignet. Finde man aber eine angeborene 
Gelenkbildung zwischen I Rippenknorpel und manubrinm 
sterni, so scheine dies einen gewissen Schulz gegen 
Phtise zu gewahren, ebenso wie mau bei erworbener 
Geienksbildung an dieser Stelle oftmals Heiiungsvor- 
gflnge in der tuberkulös gewordenen Lungenspitze wahr* 
nehme. 

Sehen wir. hier somit dem Verhalten der ersten 
Ripp» eine wichtige fltio 1 Ogise.he Bedeutung zu* 
geschrieben, so hat andrerseits die jüngsthin mehrfach 


klinisch beobachtete und anatomisch beschriebene Über¬ 
zählige, sogenannte Halsrippe ziemliches diagno¬ 
stisches Interesse erweckt. 

Am meisten Anlass zu Diskussionen sowohl in ft t i o - 
logischer &ls auch in diagnostischer Bezie¬ 
hung luU iedoch in-letzter Zeit die zehnte Rippe 
gegeben, deren Verhalten vielfach eine stigm&tiseke 
Bedejjgpg beigelegt worden ist. 

Bevw jrir.jcdoeh au& diese. Dinge näher eiogehen, 
wollen wir in kurzen Zügen die normalen anatomischen 
Verhältnisse der Rippen, mit besonderer Berücksichti¬ 
gung der zehnten, skizzieren. 

«Jede Rippe», sagt Küster, «besteht ans einem 
grösseren, hinteren, knöchernen und einem kleinen, 
vorderen, knorpeligen Teile, deren Verhalten znm Brust¬ 
beine und* untereinander erhebliche Verschiedenheiten 
darbietet. Die 7 oberen Rippen, welche man wahre 
nennt, erreichen den Seitenrand des Brustbeines, mit 
dem sie — mit Ausnahme der ersten — durch ein 
Gelenk in Verbindung stehen. Die fünf unteren Rippen 
erreichen den Brustbeinrand nicht nnd wwedeu deshalb 
als falsche Rippen bezeichnet. Die Knorpel der 8. 
bis 10. Rippe legen sich an- (len unteren Rand der 
höchst oberen Rippe an, mit welchem sie artikulieren, 
während die beiden letzten mit ihrem Knorpel freiender, 
man hat sie deshalb freie oder fluktuierende Rippen, 
genannt». Nach Ranber legen sich die vorderen 
Knorpel der 8., 9. uml 10. Rippe zugespilzt je an don 
Knorpel der vorangehenden Rippe an und werden dureh 
Bindegewebe damit verbunden, während die Knorpel 
der 11. nnd 12. Rippe frei zwischen den Muskel blättern 
der Bauchwand endigen. Doch ist — nach Ranber — 
aüch die 10. Rippe hier nnd da eine costa floctuans. 

Und damit sind wir an den springenden Punkt der 
[.ehre vou der diagnostischen Bedeutung der 10. Rippe 
gelangt, einer Lehre, um deren Auf- und Ausbau sich 
Stiller in Budapest die grössten Verdienste er* 
worben hat. 





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Äuf öruml vielfältiger. Beobachtungen lenkte dieser 
Forscher in mehrfachen Publikationen die Aufmerksam¬ 
keit darauf, dass in den allermeisten Fällen von Ente¬ 
roptose die, 10. Ripp» — im Gegensatz zum eben skiz¬ 
zierten Nörmallypus — mobil, beweglich, fluktuierend 
das heisst, dass der Knorpel derselben mehr weniger 
defekt sei. Die 10. Rippe endet dann, gleich der 11. 
und 12. frei zwischen den Muskelblättern der Bauch¬ 
wand. Die 10. Rippe könne ganz frei endigen, resp. 
durch einen fibrösen Strang mit der 9. verbunden sein; 
in extremen Fällen endige auch die 9 Rippe frei. 

Die Bedeutung dieses Vorkommnisses fasst Stiller 
folgendermassen zusammen: 

Da die mobile 10. Rippe so häufig bei Enteroptose 
— und zwar angeboren — vorkorame, so ist sie ein 
Stigma enteroptoticum. Da sich ferner in 
fast allen Fällen ein paralytischer oder atonischer Ha¬ 
bitus vorfinde — charakterisiert durch einen dürftigen 
panniculus adiposus, graziles Skelett, durch langen, 
schmalen Thorax, spitzen epigastrischen Winkel, breite, 
schlaffe Interkostalräume, sowie Lockerung des Rippen- 
gürtels — so ist das Kostalstigma in erster Linie auch 
ein Stigma a t o n i c u m. Da weiter diese atonisch- 
enteroptotischen Fälle von allgemeiner Neurasthenie be¬ 
gleitet sind, so findet er in der 10. Rippe auch ein 
Stigma ne urasthen icum. Da er endlich dieses 
sein Kostalzeichen auch in den meisten Fällen von ner¬ 
vöser Dyspepsie, die mit der Enteroptose im Grossen 
trnd Ganzen einen identischen Krankheitsbegriff ausmache, 
▼orfand, so ist es auch ein Stigma dyspepticum. 

Diese vier Elemente: die Atonie, die Neurasthenie, 
die Dyspepsie uud die Enteroptose — zu erkennen an 
dem Stigma der 10. beweglichen Rippe — bilden also 
die Grundzüge eines Krankheitsbildes, einer weitverbrei¬ 
teten nosologischen Gruppe sui generis, welche nach dem 
Zeugnis des kongenitalen Stigma und des ebenso kon¬ 
genitalen Organisalionstypus auf einer angeborenen 
Grundlage beruht.,.,StilLer ist auf Grund vielfältiger 
Beobachtung — über 7000 Fälle — von der Feinheit 
des Stigmas der 10. beweglichen Rippe so überzeugt, 
dass ihm der Grad der Motilität und des Defektes in 
den meisten Fällen einen Schluss auf den Grad der 
Krankheit, entweder der Neurasthenie, der Dyspepsie 
oder Enteroptose erlaubt. Nach Stiller muss mau 
diese Krankheitsspezies, die man bisher je nach dem 
bervortretendsten Symptom im Einzelfalle als Enterop- 
tose, nervö6eDy$epsie, Neurasthenie, Magenatonie, essen¬ 
tielle Obstipation angesprochen hat, unter einen gemein¬ 
samen Begriff und mit generellem Namen zus&mm.en- 
fassen. Er bezeichnet dieses gemeinsame Krankheit*- 
bild als As thenia u niVersal Ls congenita. 

Weiter legt Stiller einen Hauptwert darauf, dass 
die Magenatonie das erste uud konstanteste Zeichen der 
Enteroptose sei und hält das sogenannte Magen plät¬ 
schern für das erste, einfachste und beste Reagens 
anf die Magenatonie. Magenplätschern, wo und wann 
es aueh auftrete, sei stets pathognomonisch und deute 
immer auf eine Atonie des Magens hin. Jeder Magen, 
der gesunken sei, stelle eo ipso auch eioen Fall von 
Atonie vor. «Jeder ptotische Magen ist eo ipso ato- 
nisch», änssert er sich knrz. 

Es ist ihm also das sogenannte Magenplätschern neben 
der beweglichen 10. Rippe eines der wichtigsten An¬ 
zeichen jener grossen Krankheitsgruppe, der angeborenen, 
allgemeinen Asthenie, deren Teilerscheinung eben die 
Enteroptose ist. 

So weit in Kürze die Lehre Stillers. 

Bei der sich nun naturgemäss anschliessenden Frage, 
welche Benrteilung diese so prononzierte, zum Teil von 
den allgemeinen Anschauungen abweichende, zum Teil 
manches interessante Neue bringende, unzweilelhaft aber 


auf grossen Gesichtspunkten beruhende Lehre gefunden 
hat, müssen wir zwei Diuge auseinanderhalten: Einmal 
die Bedrteilung der angeborenen allgemeinen Asthenie 
als Typus, als Krankheit sui generis und dann die kri¬ 
tische Beleuchtung der Auffassung des Symptomes des 
Magenplätschern als solches sowie als Teilerscheinung 
des genannten Typus. Eine absolut scharfe Trennung 
beider Gesichtspunkte lässt sich bei ihrem vielfachen 
innigen Zusammenhang nicht durchführen, wie dies am 
Besten aus folgenden kurzen Angaben zu ersehen ist. 

Als Erster bat wohl K u 11 n e r der oben gekenn¬ 
zeichneten Lehre Stillers seine Zustimmung ausge¬ 
sprochen. Auch er hat die 10. bewegliche Rippe sehr 
oft gefunden; er hält sie ebenfalls für ein Stigma neu- 
rasthenico-enteroptoticum, das er oft bei Enteroptose 
und Magenatonie gefunden hat. Bei diesen Zuständen, 
besonders bei letzterem ist das bei oberflächlicher Be¬ 
rührung entstehende Plätschergeräusch ein pathognomo- 
nisches Phänomen, besonders wenn es während der Zeit 
der Verdauung hervorzuj-ufen ist. 

Pariser erkennt Stillers Lehre im Grossen und 
Ganzen an sowohl in Bezug auf das Kostalstigma als 
auch hinsichtlich des Plätschergeröusches. 

Auch Rosenbaum (in einer aus der Poliklinik von 
Albu hervorgegangeoen Arbeit) giebt an, dass er das 
von Stiller aufgestellte und durch die drei Kardinal¬ 
symptome: zehnte fluktuierende Rippe, leicht zu erzeu¬ 
gendes Magenplätschern und Viszeralptose charakteri¬ 
sierte Krankheitsbild der Astkenia universal is-congenita 
seht oft gesehen habe. Ebenso hat Strauss den nach 
Stiller aufgestellten Typus der Gastroptosen auf kon¬ 
stitutioneller Grundlage mit ihren Nebenerscheinungen 
beobachtet und hat in einer Dissertation seines Schü¬ 
lers Rudolf Meyer es aussprechen lassen, dass die 
von ihnen konstatierte Häufigkeit der Costa 10. fluc- 
tuans mit einem bestimmten Orgaoisationstypus des 
Rumpfes und mit Gastroptose Zusammenfalle. 

Nach Rose gehen konstitutionelle Defekte und Ano¬ 
malien, die sich in paralytischem Thorax und Gastroj)- 
tose manifestieren, häufig mit Stiller's Stigma der 
10. beweglichen Rippe und abnormen Plätschergeräu¬ 
schen einher. Westphaleu erkennt das Stil- 
ler'sche Bild der Splaochnoptose uud der Costa 10. 
fluctuans vollkommen an und erklärt deren Zustande¬ 
kommen durch ein Verharren im fötalen Zustand. 

Aber die Lehre Stille r’s ist auch nicht ohne Geg¬ 
ner geblieben. Auf die rein anatomischen Angriffe kann 
ich hier nur kurz hin weisen: Tandler hat auf Grund 
von Leickenuntersucbongen behauptet, dass die freie 
10. Rippe tatsächlich den Normalzustand darstelle; 
ebenso sagt Meinert, dass die fibröse Verbindung 
der 10. mit der 9. Rippe das Normale sei. Den schärf¬ 
sten Sturm auf die Stille r’sche Lehre hat aber die 
Boas’sche Schule ausgeführt. Zweig, ein Assistent 
von Boas, fand in 50 von 100 untersuchten Fällen 
eine mobile 10. Rippe und zwar war diese in 65 pCt. 
bei nervöser Dyspepsie und in G7 pCt. bei Enteroptose 
vorhanden; dagegen waren 84 pCt. seiner mit einer 
beweglichen 10. Rippe behafteten Patienten frei von 
allen nervös-dyspeptiscken Beschwerden. Auf Grund 
dieses seines Befundes kommt nun Zweig zur Schluss¬ 
folgerung, dass die Costa lu. fluctuans zur 
Diagnosestellung eines nervösen Magen- 
leidens mit he rangezog.an. w erden könne, 
ohne aber ein sicheres Stigma ueurasthe- 
nicura zu sein. Auch Klaus tritt dem entgegen, 
dass die 10. bewegliche Rippe an eine bestimmte äussere 
Körperform geknüpft ist, er hat sie sicher unabhängig 
von Splanchnoptose gesehen, die freilich in vielen Fälleu 
das vorstechendste Symptom einer konstitutionell« 
kongenitalen Schwäche der Gewebe seiu könne. 


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Sehen wir schon ln Bezog auf die 10. Rippe keine 
Einhelligkeit herrschen, so ist der Streit um die Bedeu¬ 
tung des Magen-Plätscherns ein noch grösserer. Wäh¬ 
rend Stiller jedes Plätschern, wann nnd wo es auch 
aoftritt, für pathologisch erklärt, hält es ein so erfah¬ 
rener Beobachter wie Kraus in diagnostischer Bezie¬ 
hung für wenig zuverlässig. Nach Rosen heim findet 
es sich auch bei ganz Gesunden, nach Riegel kann es 
am normalen Magen hervorgerufen werden, nach v. Me- 
ring können derartige Geräusche auch beim Gesunden 
Vorkommen, wenn auch weniger intensiv. Sternberg 
hält den Nachweis von Magenplätschern allein für un¬ 
genügend zur Diagnose der Atonie. Am striktesten hat 
sich in dieser Frage Eis ner, ein anderer Assistent 
von Boas, geäussert. Nach ihm ist Plätschergeräusch 
eine an und für sich gleichgültige Erscheinung. Bei 
Gastroptose hat das Plätscbergeräusch niemals irgend 
einen Wert. 

Neben diesen Autoren legen andere wieder Wert auf 
Zeit, Ort und den Grad des Piätschergeräusches; doch 
wurde ein näheres Eingehen anf diese Punkte uns von 
unserem Thema za sehr entfernen. 

Einen vermittelnden Standpunkt in allen diesen 
Fragen nimmt Cohn hei m ein, der sich selbst als zur 
Uoas’schen Schule gehörig betrachtet. Die von Stiller 
aufgestellte Lehre vom habitus enteroptoticus und der 
Bedeutung der 10. mobilen Rippe für die Diagnose der 
Enteroptöse und der fuuktionellen nervösen Magen- und 
Darmaffektionen erkennt er vollkommen an; dagegen 
hält er das Plätschergeränsch für die Diagnose der Äto- 
nie für gleichgiltig, da es einmal bei ganz gesunden 
Magen Vorkommen köune' und dann sich durch Ptose 
und Vertikalstenung des Magens bei erschlafften Bäuch- 
decken — wie ja auch Elan er das Zustandekommen 
der Plätscbergeräusche deutet — hinreichend erklären 
lasse. Das schliesst freilich nicht aus, dass er in jedem 
irgendwie erheblichen Plätschern im Epigastrium ein 
Zeichen/'der'Ästlieniä univeKsälis congenita'', > <iöä Habitus 
enteroptoiicus sieht. 

Da in diesen auch praktisch sehr wichtigen Fragen 
noch keine Einhelligkeit erzielt ist und da jeder Bei¬ 
trag zur Klärung derselben von einem gewissen Wert 
sein dürfte, habe ich mich auf Anregung von Prof. 
Rosni in Berlin an dem Material der unter Leitung 
von Geheimrat Senator stehenden Universitätspoli¬ 
klinik eingehender mit diesen Frägeu beschäftigt, wubei 
freilich der Schwerpunkt meiner Untersuchungen nach 
anderer, als der heute hier behandelten Richtung lag. 

Jedoch betreffen dieselben znm grossen Teil auch die 
uns interessierende Frage, so dass ich aus der genauen 
Beobachtung meines nicht ad hoc ausgesuchten Kran¬ 
kenmateriales zu eruieren vermute, wie oft man eine 
bewegliche 10. Rippo finde, bei welchen Krankheits¬ 
fällen man sie antreffen könne, wie oft ntlt dieser Costa 
dticima fluctuans das Symptom des Magen plätschern? 
kombiniert und ob das Magenplätscliern wirklich in allen 
Fällen eih Zeichen der Atonie sei. 

Ich untersuchte 101 Fälle — ans äusseren Gründen 
nur Fraüen — auf ihren Ernährungszustand, die An¬ 
zahl der durchgemachten Partus, deo Stand der Leber 
und Niere, auf Plätschergeräusche und auf das Vor¬ 
handensein einer 10. beweglichen Rippe; ferner worden 
Lage und Grösse, sowie sekretorische und motorische 
Funktion des Magens‘bestimmt. Auf die ausführlichere 
Schilderung der Untersuchuugsmethoden kann ich hier 
nicht näher eingehen, alle Einzelheiten werden in einer 
die Bedeutung des Magenplätscberns behandelnden Ar¬ 
beit an anderer Stelle genau veröffentlicht werden 1 ). 


’) Die Arbeit erscheint in Kurzem jn der «Zeitschrift für 
klinische Medizin». " . . . 


Die Patientinnen standen ira Alter von 15—70 Jahren 
und litten an aiien möglichen Krankheitsformen: Anä¬ 
mie nnd Chlorose, Tuberkulose in verschiedenen Stadien, 
Hysterie, Myalgien, Gastralgien, Cholelithiasis, Gastrop- 
tuse, Enteroptose, Atonie des Magehs, Gastroptose 
plus Atonie n. s. w. Von diesen 101 untersachten Patien¬ 
tinnen hatten onn eine bewegliche 10i Rippe 59, d. h. 
58,4 pCt., während bei 42, d. b. ’41,5 pCt. dieses 
Symptom nicht zu finden war. • 

Ein genaues Urteil können wir uns über die Bedeu¬ 
tung dieser Zahlen nur dann bilden, wenn wir das Ver¬ 
hältnis der Costa 10. fiuetnaus znm Plätschergeränsch 
ins Auge fassen. Da finden wir, dass beide Symptome 
in 5Q,5 pCt. aller Fälle znsaramenfielen; in 33,7 pCt. 
war Plätschern ohne bewegliche 10. Rippe, in 7,9 pCt. 
war letztere ohne Plätschern vorhanden. Was die 
Häufigkeit des Plätechergerfiasche6 an sich anlangt, so 
hatten wir. in 82,4 pCt. der von nns untersuchten 
FäHe ein Plätschergeränsch konstatieren können, währ 
rend nnr 17,6 pCt. ein solches nicht aufwiesen. 

Interessant Ist auch ein Blick darauf, bei welchen 
Krankheitsfällen wir eine bewegliche 10. Rippe gefunden 
haben. Wir sehen, dass dieselbe in 52,9 pCt. ber den 
von uns untersuchten Fällen von Anämie and Chlorose, 
in 45,4 pCt. bei Tuberkulose der Lungen, in 55,5 pCt. 
bei Hysterie, ia 44,4 pCt. bei Myalgie, in 80 pCt. bei 
Gastralgie, in 40 pCt. bei Cholelithiasis vorkam ; am 
wichtigsten scheint mir aber der Umstand; dass wir bei 
Gastroptose in nur 70 pCt, bei Atonie des Magens in 
nur 50 pCt., bei Enteroptose in 83,3 pCt. der Fälle 
eine bewegliche 10. Rippe fanden, während sie bei 
Gastroptose plus Atonie in allen Fällen zu finden war. 

Wenn wir natürlich bei der Kleinheit unseres Ma¬ 
terials uns durchaus nicht unterfangen, zn 
behaupten, dass nur in 50 pCt. von Atonien nnd 
in 70 pCt. von Gastroptosen eine bewegliche 10; Rippe 
zu treffeft sei, so* weisen doch andrerseits diese unsere 
Zählen’darauf hitr, däss die 1 Ausnähmen- -von’ dar Regöl 
auch hinsichtlich des Kostalstigmas nicht selten sind und 
dass gerade dadurch auch die Bedeutung dieses 3ympto- 
raes vermindert wird. 

Ebenso lehrreich ist das Verhalten des Plätschems; 
dasselbe liess sich — bald mehr, bald weniger oft — 
bei allen erwähnten Krankheitsfällen nachweisen, war 
aber bei Gastroptose, Atonie, Euteroptose, sowie bei 
Gastroptose plus Atonie zu finden. Hervorzuheben ist 
noch, dass wir bei 4 von 5 untersuchten -völlig ge¬ 
sunden Individuen Plätschergeräusche nachweisen konnten. 

Was lehren nns nun diese von uns gefundenen 
Zahlen? 

Vor Allem, dass bei einem nicht ausgesuchten, sort-i 
dern beliebigen poliklinischen Krankenmaterial eine 
10. bewegliche Rippe in 58,4 pCt. aller Fälle vorge¬ 
kommen ist. Diese Zahl entspricht mehr den von 
Zweig gefundenen 60 pCt., als der. Stille r’schen 
Angabe von 90 pCt. Dieser scheinbare Widerspruch 
wäre aber dadurch zu erklären, dass einmal Stiller 
seine Zahl aus einem sehr viel grösseren Beobachtungs* 
material ableitet und dann, dass er eben hur über 
Fälle von angeborener allgemeiner Asthenie berichtet, 
während unserer Schlussfolgerung Krankheitsfälle-aller 
möglichen Art zu Grunde lagen. Zu erwägen wäre noch, 
ob nicht auch Rasse und Nationalität des untersuchten 
Materials eine Rolle spielen und so die Differenz er¬ 
klären. (Z w ei g und ich arbeiteten in Berlin, wäh¬ 
rend Stiller seine Schlüsse ans dem Material der Bu* 
dapester Klinik zog). 

Weiter sehen wir, dass wir in uuserem Material nur 
wenige Fälle von Atonien (8 ira Ganzen) haben, sowie 
dass wir — im Gegensatz: zu Stiller — von einer 
Gastroptose per se und meiner mit Atonie verbundenen 


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Gastroptose sprechet!. Der Grund dazu lag in Folgen¬ 
dem : Die ungeheure Mehrzahl, 82,4 pCt. der von uns 
untersuchten Fälle hatte ein mehr weniger deutliches 
Magenplätschern, das in 50,5 pCt. der Fälle mit dem 
Kostalstigma zusamtnenfiel. Wir begnügten uns aber 
nicht mit diesen Symptomen allein, um die Diagnose 
Magenatonie zu stellen, sondern zogen noch die Prüfung 
der sekretorischen und motorischen Funktionen des Ma¬ 
gens hefan uud diese lehrte uns eben, dass das Ma- 
genplätschern und das • Kostalstigma allein nicht 
hinreichen, um die Diagnose Magenatonie zu stellen. 
Wir sahen, welch eine Menge von Individuen das Ma¬ 
genplätschern verbunden mit dem Kostalstigma, auf¬ 
weisen. Nun etwa annehmen, dass alle diese Individuen 
jahrelang mit einer verkappten, latenten Atonie des 
Magens nmherliefen, hlesse doch den Tatsachen etwas 
Gewalt antun! Zumal noch fast alle diese Patienten 
auf mehrfaches ausdrückliches Befragen angaben, sie 
hätten nie irgend welche Magenbeschwerden und ver¬ 
trügen selbst schwere Speisen ausgezeichnet 1 Und ge¬ 
rade auch Gastroptotikor, die eo ipso atonisch sein 
sollten, zeigten mehrfach dieses Verhalten! Ein so er¬ 
fahrener Beobachter und Meister der Diagnostik wie 
Stiller — der oft aus dem Exteriear der Patienten 
allein, ehe sie noch den Mund geöffnet, diese Zustände 
erkennt — ein so geübter Beobachter kann es sich ja 
erlauben, auf Grund des Kostalstigmas uni de9 Magen- 
plätscherns allein die Diagnose Magenatonie zu stellen. 
Dem praktischen Arzt aber, dessen diagnostischer Scharf¬ 
blick nicht so durchgebildet und ausgeprägt ist, ist die 
Costa 10 fluctuans ein wichtiger Fingerzeig, 
andere Methoden zu Rate zu ziehen, ehe er eine so 
schwerwiegende Diagnose, wie die der Magenatonie aus¬ 
spricht. 

Damit haben wir aber auch auf die grosse Wichtig¬ 
keit der 10. beweglichen Rippe in diagnostischer Be¬ 
ziehung hingewiesen. Sehen wir ans doch die Fälle 
hd, wo wir sie gefunden haben. Wir finden.da Tuber¬ 
kulose, Anämie und Chlorose, Gastroptose, Enteroptose, 
Atonie, das heisst Fälle, die einen geschwächten, in¬ 
ferioren, mit einem Makel behafteten Organismus be¬ 
treffen; einen Organismus, der eine gewisse Neigung zu 
Schwächezuständen und sogenannten nervösen Zuständen 
besitzt, ohne dass sie im gegebenen Augenblick ausge¬ 
sprochen vorhanden zu sein brauchen. 

Und hierin liegt, wie ich, meine Herren! nochmals 
znm Schluss betonen will, die diagnostische Wichtigkeit 
des S t i 11 e r’schen Kostalstigmas. Wenn es uns auch 
in manchen Fällen erlaubt, eine nervöse Dyspepsie, eine 
Atonie oder Enteroptose für sich oder als Teilerschei¬ 
nung eines allgemeineren Leidens, einer angeborenen 
allgemeinen Asthenie zu diagnostizieren, so braucht nicht 
jeder damit behaftete Mensch auch wirklich au diesen 
Uebeln zu leiden. Es ist in vielen Fällen ein War- 
nungszeichen, das uns zuruft auf der Hut zu sein und 
den mit diesem Stigma behafteten Organismus im Auge 
zu behalten, ihm besondere Aufmerksamkeit zu schenken. 
Mit einem Wort, es weist uns nur auf eine eventuelle 
Disposition des Organismus zur digestiven Neura¬ 
sthenie und allgemeinen Asthenie hin. Gerade aber der 
Hausarzt kann dann in geeigneten Fällen durch recht¬ 
zeitiges Eingehen und Aufmerken auf diesen Wink der 
Natur manches dazu beitragen, die «stigmatisierten Kin¬ 
der» zu stählen uud zu kräftigen und er dürfte dann 
durch geschicktes Begehen dieses Pfades es erreichen, 
dass die heran wachsende Generation ein corpus sanum 
trotz einer Costa decima fluctuans mit anf den Lebens¬ 
weg nimmt. 

Litteratnr: 

1) Cohn heim: Beil. Klin. Wochenschr. 1903. 
Nr. 14. 


2) El euer: Berl. Klin. Wochenschr. 1001. Nr. 16’ 

8) Eis ne r: Beil. Klin. Wochenschr. 1902. Nr. 22’ 
4) Freund: Therapeutische Monatshefte. 1902* 

H. 6. 

£) Kraus: Wiener Klinische Rundschau 1900. 
Nr.'25. ..... ; 

6) Küster: Art. Rippe in Eulenburgs Real- 
encyklop. 111 Aufl. Bd. XX. 

7) Kuttner und Dyer: Berl. Klin. Wochenschr. 

1897. Nr. 20 ff. ... 

8) Kuttner: Art. Magenverlagerung in Eulen¬ 
burgs Realencykl. III. Aufl. Bd. XIV. 

9) Kuttner: Berl. Klin. Wochenschr. 1901. Nr. 50. 

10) Meinert: Wiener Mediz. Wochenschr. 1900. 

Nr. 2. 

11) v. Me ring; Lehrb. d. Inner. Mediz. Jena 1901. 
pag. 408. 

12) R u d. Meyer: Aetiologisches über Gastroptose. 
Inaug. Dissert. Berlin 1898. 

13) Pariser: Deutsche Medizinalzeitung. 1902. 

Nr. 29, 30. 

14) Räuber: Lehrbuch der Anatomie des Menschen. 
Bd. I. Leipzig 1902. 

15) Rose: Deutsche Praxis. 1901. Nr. 17, 18. 

16) Rosenbaum: Deutsch. Med.Wochenschr. 1902. 
Nr. 25. 

17) Rose nhei m : Art. Magenuntersuchung in 
Eulenburgs Realencykl. III Aufl. Bd. XIV. 

18) Riegel: Magenkrankheiten. Wien 1397. 

19) Sternberg: Deutsche Medizinalzeitung 1900. 
Nr. 30, 72. 

20) Strauss: Berliner Klinik. H. 131. 

21) Stiller: Arch. f. Verdauuugskrankh. Bd. II. 

22) Stiller: Arch. f. Verdauungskrankh. -BJ. VII. 

23) Stiller: Berl. Klin. Wochenschr. 1899. Nr. 34 ff. 

24) Stiller: BerJ. Klin. Wochenschr. 1901. Nr. 39. 

25) Stiller: Berl. Klin. Wochenschr. 1901. Nr. 50. 

26) Stiller: Deutsch. Mediz. Wochenschr. 1002. 
Nr. 21. 

27) Tandler: Wien. Klin. Wochenschr. 1900. Nr. 8. 

28) Westphalen: Petersb. Mediz. Wochenschr. 
Sitzungsber. 1903. Nr. 13. 

29) Zweig: Arch f. Verdauungskrankh. Bd. VII. 


Mitteilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

-Sitzung vom 29. J a n n a r 1903. 

1. Dr. Bosse demonstriert einen Heisslnftapparat, welcher 
nacii dein Muster des zur Zeit auf der Königsberger Poli¬ 
klinik im Gebrauch befindlichen, von einem hiesigen Klempner 
konstruiert worden ist. Der Apparat zeichnet sich vor Allem 
durch seine ungemein einfache und handliche Konstruktion 
vor den bekannten Heissluftkasten aus, obgleich er genau 
dasselbe leistet, wie die tearen, und dadnreh sehr umständ¬ 
lichen Kasten, weil diese meist nur für einen bestimmten 
Körperteil konstruiert sind, wahrend der hier demonstrierte 
Apparat vermöge seiner sinnreichen Einrichtung unbegrenzt 
verwendbar ist. Der Apparat besteht ans einem reebtwink- 
lich gebogenen Rohr aus Eisenhlech. Der vertikale Schenkel 
trägt an ton die Wärmequelle in Form einer Methyalkohol- 
Lampe. Letztere ist nacii oben und unten verschieblich, der 
horizontale Schenkel des Rohres ist mit einer das Lumen 
gut verschliessenden Klappe versehen, welche ausserhalb 
einen Doppelgriff hat, der mit einer dünnen Kette versehen 
ist. Auf das Ende des horizontalen Schenkels wird eine aus 
fester Kartonpappe bestehende röhrenförmige Verlängerung ge¬ 
schoben. Letztere hat einen nach unten gerichteten recht¬ 
eckigen Ausschnitt, um die Hitze auch nach unten oder seit¬ 
lich, je nach Bedürfniss strahlen lassen zu können, was da¬ 
durch erreicht wird, dass man über das Karfonrohr eine vorn 
geschlossene, unten gleichfalls mit rechteckiger Oeffnung ver¬ 
sehene Klappe schiebt. Zur Herstellung geschlossener Räarne, 
bedient man sich eiufach halbbogenförmig gebogener Papp- 


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kaitons, welche seitlich einen Ausschnitt für den horizon¬ 
talen Schenkel des Apparates besitzen. Ueber diesen Hohl- 
ranm wird dann eine dünne Wolldecke gebreitet. 

Der Apparat selbst ruht verschieblich auf einem festen 
Stativ. Als Indikationen für die Anwendung des Heisslnft- 
apparate« sind zu nennen alle rheumatischen Gelenkerkran- 
kongen, ferner Ischias und eine ganze Reihe anderer nenral- 
giscner Erkrankungen. Vor allem aber werden nngemein 
günstig pleuritische Exsudate beeinflusst. 

n (Autoreferat). 

Dr. K ei 1 m an n hebt hervor, dass die lokale Applikation 
neisser Luft in der gynäkolog. Praxis häufig zur Anwen- 
gelange : er habe sich bisher des D e h i o'schen Schwitz- 
rohres bedient und dasselbe bei Beckenexsudaten mit gutem 
Erfolge benntzt. Man könne dabei Temperaturen bis zu 85° C. 
erzielen. 

2- Dr. v. Knorre demonstriert ein grosses (25 Pf. russ) 
vieiknotigpg Myom, welches er durch abdominale Totalextir- 
pation bei einer Patientin entfernte, die in Folge dieses Tu¬ 
mors die letzten 10 Jahre fast beständig das Bett gehütet hatte. 

Nicht die Grösse des Tumors oder seine ganz zerklüftete 
Form ißt es, welche unser Interesse beansprucht, sondern vor 
Allem die merkwürdige retroperitoneale Entwicklung der 
Geschwulst, die einen kurzen Bericht erheischt. Der Tumor 
lag mit fast */ 3 seines Volumens relroperitoneal zu beiden Seiten 
der Wirbelsäule und ragte bis in die Radix mesenterii hinein. 
Die Ausschälung bot viel Schwierigkeiten dnrcli den innigen 
Zusammenhang zwischen Perit. und den einzelnen Knoten, und 
erheischte wiederholentlich Spaltung nnd Resektion des 
Bauchfells über den einzelnen Tumoren. Nach Vernähung 
des Peritoneums wurde die bnchtige grosse, retroperitoneale 
Wundhöble zur Vagina zu drainiert, der Peritonealsack aber 
über der Vagina vollkommen geschlossen. Die Wundheilnng 
bis in die 3. Woche eine tadellose, Daoer durch eine kleine 
Trombose im Gebiet der V. Saphena vorübergehend gestört. 
Pat. gesund entlassen. 

(Autoreferat). 

3. Dr. Th. v. Boetticher demonstriert einen Fall von 
allgemeiner spastischer Gliederstarre mit Athetose und Chorea 
(Littlesche Krankheit). Patientin P. J. 7*/* a, n. 

Der Vater, Seemann, starb vor 3 Jahren nach langem 
Krankenlager (wahrscheinlich Tabes dorsal!*), Mutter, Auf- 
wärterin, vollkommen gesund. — Patientin 3. Kind. Das 
erste Kind Frühgeburt (angeblich nach heftigem Schreck) 
starb nach einigen Stunden, — das zweite gesund. — Pa¬ 
tientin kam aber als Frühgeburt leicht zur Welt. Gleich in 
den ersten Lebenstagen wurden spastische Störungen und 
choreatische Zuckungen an den Extremitäten und in der 
Rbckenmusknlatnr bemerkt. Im letzten Jahr hat die Starre 
in den Armen und Händen nachgelassen, so dass Pat jetzt 
Greifbewegungen machen kann, wenn auch behindert durch 
Chorea und Athetose der Finger. Stehen und Geiien hat 
Pat. nie gekonnt. Beim geringsten Versuch geraten die 
Beine in die extremste Abdnktionsstellung. Dabei sind ab¬ 
solut keine Lähmungserscbeinungen, keine Atrophien und 
keine Sensibilitätsstörnngen nachzuweisen. Die Augen sind 
bis auf eine leichte Abblassnng der Papillen normal, die gei¬ 
stige Entwickelung in Anbetracht der tranrigen sozialen Lage 
nicht schlecht. Pat. spricht 2 Sprachen, kann zählen und 
buchstabieren. Die Sprache ist sehr undeutlich nasal und 
dnreh Zuckungen gestört. 

Klinisch lässt sich dieses Bild gut aus der grossen Gruppe 
der infantilen Diplegien ausscheiden, da die für die Diplegie 
chaiakteristischen Atrophien nnd Lähmungserscheinungen 
vollkommen fehlen. Die Starre befällt hier mehr die unteren 
Extremitäten, während die oberen Extremitäten eine Tendenz 
zur Besserung zeigen. Patholog. anatomisch ist jedoch eine 
genaue Differenzierung nicht möglich, da die Befunde zu 
variable sind. Atrophische nnd hypertroph. Sklerose, Poren- 
cephalie Cysten. Encephalitiden und Hydrocephalus sind sowohl 
bei Diplegieu als auch bei der allgemeinen Starre angetroffen 
worden. 

Ancb die ätiologische Einteilung nach praenatal, natal und 
postnatal (Sachs) ist nicht durchführbar, da auch hier die 
Beziehungen nach keiner Richtung hin beständig sind, ln 
unserem Fall wird wohl die Friihgebnrt als Ui Sache anzu- 
sehen sein. (Lues resp. Tabes dors. des Vaters?) Nach 
Arsen Eisengebranch und Jodkali ist im letzten Jahr eine 
Besserung zu verzeichnen. 

(Autoreferat). 

Dr. M e y erkundigt sich bei Vortragendem nach der Be¬ 
schaffenheit des Aogenliintergrunde8. 

Dr. v. Bötticher. Nach deu Untersuchungen Dr. He- 
denströ ms betrage die Sehschärfe ‘,'s; der ophtalmosko- 
pisebe Befund ergebe ausser einer auffallenden Blässe der 
Nn. optici ganz normale Verhältnisse. 

Dr. Mey: er selbst hat einen ähnlichen Fali erlebt. Bei 
demselben bestanden aber alle Zeichen eines chron. Hydro¬ 
cephalus. Diastase der Schädel - Nähte, Opticusatrophie ; 


ferner ergab die Lumbalpunktion sehr reichliche Mengen von 
Cerebro-spinalflüssigkeit. Bei all^n derartigen Krabkheits- 
forraen müsse man stets an die Möglichkeit eines bestehenden 
Hydrocephalus denken. Auch in diesem Falle sind die Fon*- 
tanellen nicht ganz, geschlossen. ■ ■ ; ' 

4. Dr. Bertels berichtet über einen Fall von' Tktns Ja,-, 
ryngis (Vertigo laryngea). Ein Herr von 59 Jahren, Alko¬ 
holiker. starker Rancher, bekommt bet Gelegenheit' einer 
Exazerbation seines chronischen Katarrhs der Luftwege An- 
fälle von kurzdauernder Bewusstlosigkeit (ca. Min.) und 
zwar immer nur im numitfelbaren Anschluss an Husten* 
pamxysmen. Einige Male will die Frau des Patienten wäh* 
rend dieser Anfälle auch Znekuneen im Gesicht bemerkt- 
haben. Ferner erfolgten bei den Hustenstössen auch wieder¬ 
holt Blutungen aus dem Munde, der Nase, dem Ohr und untei*“ 
die Konjnnktiven. Mit dem Nachlass des akuten Katarrhs 
hlleben zuerst die ßlntnngen und dann auch die Anfälle von 
Bewusstlosigkeit fort: die letzteren erstreckten sich über 
einen Zeitranm von 6 Wochen nnd traten bis zu 5 Malen 
in 24 Stunden auf. Ein vereinzelter Anfall erfolgte einige 
Monate später, seitdem ist ca. 1 Jahr verflossen nnd Pat. ist 
in dieser Zeit frei von weiteren Anfällen geblieben Im 
Stadium der akuten Exazerbation des Katarrhs«, sind da¬ 
zwischen auch stickhustenähnliche Husten an fällen beobachtet 
worden, die aber niemals mit den Iktusanfällen zusammen- 
flelen. Als Knabe von 12 Jahre-' ist Pat. mit dem Hinter; 
köpf aufs Eis gefallen und soll danach Alles vergessen haben, 
was er bis dahin gelernt hatte. Im Alter von 40 Jahren 2 
enileptiforme Anfälle. Keine Gichtanfälle. Keine Anfälle vou 
Tabes. Im Larvnx nnd an den Thoraxorganen ausser den 
Anzeichen des Katarrhs nichts Pathologisches. Urin frei von 
Eiweiss nnd Zucker. 

Redner bespricht Im Anschluss an vorstehende Kranken¬ 
geschichte die Symptomatologie des Iktus laryngis ' und die 
znr Erklärung desselben aufgestellte mechanische nnd Re¬ 
flextheorie und erörtert die Beziehungen des Iktus «ur Epi-' 
lepsie, zur Tabes und zum Keuchhusten. 

(Autoreferat). 

Dr. Ilamneln dankt Vortragendem für die interessante 
Mitteilung, die er besonders in Bezug auf die ätiologische 
Frage so erschöpfend behandelt habe, dass kaum etwas We¬ 
sentliches dazu noch zu bemerken sei. 

Das Auftreten von Blutungen und Bewusstlosigkeit in 
Anschluss an einen Hustenanfall ist etwas sehr merkwür¬ 
diges und kann bei der Häufigkeit laryngealer Affektiopon, 
und wiederum ausserordentlicher Seltenheit besagten Sym- 
ptomenkomplpxes nur durch eine eigentümliche Vereinigung 
von individueller Disposition nnd anatomischer Konstellation 
erklärt werden- 

Die nach Quetschung des Abdomens, z. B. im Gedränge, 
vorkommenden Blutungen im Bereiche der obere.fi Körper¬ 
hälfte, sind in Anbetracht der hierbei einwirkenden grösseren 
Gewalt einfach mechanisch zu erklären — hier aber kann 
nur eine abnorme Zerreisslichkeit der Gefässe angenommen 
werden. 

Etwas Aehnliches mag sich bei einem Manne aus seiner 
Praxis abgespielt haben, der nach Anfällen von Angina 
pectoris fast jedesmal dement wurde, wobei es sich wahr¬ 
scheinlich um ähnliche Vorgänge in den Hirngefässen 
gehandelt haben mag. Ebenso merkwürdig war in einem 
Falle von Aortenaneurysma mit Verlegung der Trachea das 
Auftreten von Haoterophysem, wie es gelegentlich bei starker 
akuter Bronchitis vorkommt Alle diese Vorgänge beruhen, 
wie es scheint, auf einem Zusammentreffen von Disposition 
und eigenartiger anatomischer Konstellation. 

Dr. Burchard: Man müsse 2 Typen von Anfällen 
unterscheiden. Beim ersten handle es sich nm einen krampf¬ 
haften Hustenafall, der der Bewusstseinsstörung voransgeht; 
beim zweiten um einen nur kurzen, unbedeutenden Husten, 
sodann einer plötzlichen tiefen Inspiration mit sofortigem 
BewnsstBeinverlost. Vortragender habe zu wenig betont, 
dass es sich bei allen Fällen von Iktus laryugis um Leute 
mit chronischem Hirnten gehandelt habe, die damit in Zusam¬ 
menhang stehende Hyperästhesie der Schleimhaut mag die 
Anfälle reflektorisch ausgelöst haben. Für das Zustande¬ 
kommen der Bewusstlosigkeit scheine ihm eine Anämia ce- 
rebrl an verständlichsten. Bei einem Manne ans aeiner 
Praxis, der einen Anfall nach dem zweiten Typus durchmachte, 
handelte es sich nm gleichzeitige, kolossale Pulsverlang¬ 
samung (40 Schl, in der Min.). Eine solche kommt auf re¬ 
flektorischem Wege durch Reizvermittelung vom N. laryn- 
geus snp. auf deu Plexus cardiacns zu Stande, und vermag 
ihrerseits Hirnanämie und damit Bewusstlosigkeit hervorzu¬ 
rufen. 

Dr. Ed. Schwarz kannte den Pat„ der dem Vortrage 
Dr. Bertels zu Grunde liegt und möchte einen wichtigen 
Umstand, nämlich den chron. Alkoholismus, an dein er leidet, 
als ätiologisches Moment in den Vordergrand zieheu. Die ätio¬ 
logische Bedeutung des Alkoholisigus für diesen Fall dränge 


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sieh um so mshr auf, als Pat. während eines Jahres relativer 
Abstinenz, unter strenger Kontrolle seiner Frau, keinen ein¬ 
zigen Anfall gehabt. Man müsse diese Anfälle unter die epi¬ 
leptischen, wie sie bei Alkoholikern ia höherem Alter nicht 
ganz selten sind, rechnen. Jedenfalls lassen sich unter diesem 
Gesichtspunkte sämtliche einschlägige Symptome eindeutig 
erklären. 

Dr. von Bi mach a. Nach Semo n zu urteilen, scheint 
Iktus laryngis sehr selten zu sein. Er selbst hat einen inte¬ 
ressanten Fall erlebt: Patient, Maschinist, ist massiger Trin¬ 
ker nnd leidet an chronischem Hnsten, der in letzter Zeit 
besser geworden. Sein Kind hat den Keuchhnsten. Indem er 
dasselbe während eines Anfalles beruhigen will, gerät er 
selbst in ßewnsstiosigkeit mit Znngenbiss und Opisthotonus, 
dem sin Gefühl von Zuschnfiren der Keh^e unmittelbar vor- 
ansgegaagen war. 

Wenn man einen epileptischen Anfall mit laryngealer Aura 
ansschliessen könnte, so könnte es sich wohl om Iktus la- 
r yng. gehandelt haben. Jedenfalls scheint ihm dieser Fall 
mehr dahin zu gehören, als der Bertel b’ sche, der mehr 
nach Laryngospasmus anssehe. 

Dr. Bergen grün : Nach den Lehrbüchern zn urteilen* 
liessen sich Laryngospasmus und Iktus laryng. differential- 
diagnostisch kaum unterscheiden. Redner neigt am meisten 
zn der Annahme; dass es sich bei. letzterem nm reflektorische 
Nervenreizung handle- Gegenüber Dr. Bnrchard möchte 
er iedoch bemerken, dass Katarrhe der Luftwege dabei gar 
nicht so häufig seien, wie er behaupte. In einem Falle von 
Schrötter. bekam der Pat.. der eine auffallend blasse Keh- 
kopfschleimhaut. batte, bei jedem Glase kalten Wassers, das 
er trank einen Anfall. 

Znm Schloss bittet Redner die Gynäkologen sich darüber 
zu äfussern, ob der Iktus laryng. bei Frauen häufig sei nnd 
ob man Grund habe dafür Reflexvorgänge von den Genita¬ 
lien her zu-beschuldigen? , . . 

Dr. Schönfeldt: Die mechanische Erklärung für das 
Zustandekommen der Anfälle hat seiner Ansicht nach viel 
Bestechendes: so bei ei hem alten Manne mit luetischer Arte¬ 
riosklerose, der beim Wenden des Kopfes jedesmal einen Art¬ 
fall bekommt, sodass er nur io beständiger Begleitung vom 
Hause geht, wobei ihn sein Begleiter immer daran erinnern 
muss, nur nicht den Kopf zu wenden. 

Bei diflfaser ArteKoäklerose der Hirngefässe kommt es eben 
zu Zuständen, dierföh tpit ; dem decken,.was.wir-^petit meinen-, 
nen, sotfar die 'Aura" fehlt' dabei nicht; nnd es wäre denkbar, 
dass es sich in allen Fälten von Iktus laryng. um eine laryn- 
geale Anra mit nachfolgendem epileptischen Anfalle handle. 

Dr. Bertels: Nach den Darstellungen der verschiedenen 
Autoren und den eigenen Beobachtungen ist Redner zn der 
Aussicht gelangt, dass in der Regel im Beginne jedes Anfal-. 
les das Gesicht cyanotisch ist, nm einer späteren Blässe 
Platz zu machen; Redner hat letzteres nicht bemerkt, dennoch 
könne sehr gnt Hirninämie bestanden haben, ohne sich im 
Gesichte ansznprägen; aoeh Hesse sich dies mit der mechani¬ 
schen Theorie sehr gnt vereinigen. - 

Das Wesentliche für das Zustandekommen der Bewusstlo¬ 
sigkeit scheine ihm jedenfalls die Verlangsamung der Zirku¬ 
lation zu sein, wie sie ja auch bei jeder Ohnmacht in Frage, 
kommt 

Spasmen sind bei Iktus laryng. selten: z. B. das inspiratori¬ 
sche Ziehen -r im Gegensatz znm exspiratorischen Spasmns, 
der ja zu jedem Hnstenanfalle gehört. Anch in diesem Falle 
ist kein inspiratorisches Ziehen gewesen. Auch kann Laryn¬ 
gospasmus gewiss Vorkommen, er gehört aber nicht znm 
Bilde. Dies möchte Redner gegenüber den Einwänden Dr. 
Ri macbas bemerken. In dem vom Letzteren angeführten 
Falle eigener Beobachtung spricht der Zungenbiss doch sehr 
für einen echten epileptischen Anfall. 

Was die Verlangsamung des Pulses anbetrlfft, so lässt sie 
sich einfach durch die Gehlrnanäraie erklären. 

Auf die Frage Dr. Bergengriins antwortet Redner, 
dass zwei Fälle, wo os sich am Erkrankung von Frauen ban¬ 
delt, veröffentlicht sind -*• bei beiden handelte es sich nm 
chronischen Hasten. 

Dr. Vo8s fragt Dr. Berte i.s, ob er angebeu könne, wo¬ 
her die Blutung ans dem Ohre stamme, ob aus dem äusseren 
Gehörgange oder dem Mittelohr? 

Dr. Bertel 8 meint, dass ersteres Vorgelegen habe, er 
habe einige Zeit nach dem Anfälle Pat. ein Bluicoagu- 
lum ans dem Ohre gespült, dabei sei ihm nichts, was für 
eine Beteiligung des Mittelohres gesprochen hätte, aufge¬ 
fallen. 

;d. z. Sekretär: S. Kröger jnn. 


Vermischtet. 


— Der berühmte Zoolog Prof. ord. Dr. Ernst Haeckel 
in Jena beging am 3./16. Februar in körperlicher und .gei¬ 
stiger Frische seinen 70. Ge bu rtstag, der anch in web 
teren Kreisen gefeiert wurde. So veranstalteten der «Giar- 
dano-Bruno-Bund» und die «Ric h ar d - W agner * 
Gesellschaft für dramatische Kunst and Lit- 
teralur» aus diesem Anlass in Berlin eine Feier, die 
Haeckel als Vorkämpfer für die Geistesfreiheit nnd als 
Streiter wider die Geisteskneehtung galt. Die Festrede 
hielt der Abgeordnete Graf von Hoensbroech Über 
Geistesfreibeit. 

— Am 22. Februar begeht der Professor für Kehlkopf- and 
Nasenkrankheiten am hiesigen klinischen Institut der Gross- 
füratin Helene Pawlowna, Staatsrat Dr. W. N. Ni¬ 
ki tin das 30jährige Jubiläum seiner ärzt¬ 
lichen und wissenschaftlichen Tätigkeit. 

lR. Wr.). 

— Der bekannte Berliner Pharinakolog Prof. Dr. 0. Lieb¬ 
reich ist von dem Zentral verbände österreichischer Bai- 
neologen zum Ehrenmitglied gewählt worden. 

— Der stellvertretende estläudische Gouvernements-Medi- 
zinalin&pektor, Staatsrat l)r. K o s c h e 1 e w ist znm Stellv. 
Grofinoschen Gouvernements - Medizinalin¬ 
spektor ernannt worden, an Stelle des wirkl. Staats¬ 
rats Dr. Reipolski, der auf sein Gesuch verabschiedet ist. 

— Der stellvertretende ausserordentliche Professor der Bo¬ 
tanik an der militär medizinischen Akademie, Koliegienrat 
Woldemar Wahrlich, ist zum stellv. ordent¬ 
lichen Professor ernannt worden. 

-- Der ältere Arzt der Weljunschen Grenzwachenbrigade 
Dr. M a n o z k o w ist zum Divisionsarzt der tr&ns- 
baikalischen Kosakendivision ernau nt worden. 

— Zum Oberarzt des Libaaschen Stadt kran¬ 
ken haases ist, nachdem zwei Aerzte die Wahl nicht an¬ 
genommen haben, jetzt der dortige Frauenarzt Dr. Hein¬ 
rich M e y vom Stadtarat gewählt worden. 

— In der Jahresversammlung der Gesellschaft der 
Augenärzte in Moskau Bind gewählt worden: Dr. 
Loshetschnikow — zum Präsidenten, Prot. Dr. Krj o- 
k o w — zum Vizepräsidenten, Dr. L. Sserglewski — zum 
Sekretär und Dr. W. Strachow — zum Kassirer und 
Bibliotekar. (R. SbIowo. R. Wr ). 

— Zunr Nachfolger Prof. G n s s e r o w*s *Uf- dem- Lehr¬ 
stuhl der Oebartshfilfe uud Gynäkologie an der Berliner Uni-' 
versität ist Prof. Dr. Ernst Bum aas Halle berufen wor¬ 
den und hat den Ruf angenommen. Zum Ersatz für Prof. 
Bum hatte Prof. Klis tner (in Breslau, früher bekanntlich 
in Dorpat) einen Ruf nach Halle erhalten, ihn jedoch ab¬ 
gelehnt. 

— Wie verlautet, hat auch Prof. Dr. Hahn, Direktor 
der psychiatrische-! Klinik in Freiburg, einen Ruf nach Halle 
auf den durch Prof. Ziehens' Uebersiedelung nach Berlin 
erledigten Lehrstuhl der Psychiatrie a b g e 1 e h n t. 

— Im Januer beging, der Militär:Medizinalinspektor des si¬ 
birischen Militärbezirks, Geheimrat Dr. Engen Kasanski 
in Omsk sein 40 j übrige« Dienstjnbilänm. Der 
Jnbilar ist auch seit Jahren Präsident nnd Ehrenmitglied der 
Omsker medizinischen Gesellschaft. 

• - Verstorben: 1) In Nishni-Nowgorod der jüngere 
Arzt des Kljasroaschen Reserve - Infanteriebataillons Dr. 
Alexander Grünspert. Der Verstorbene war als Arzt 
seit 1893 tätig und beschäftigte sich speziell mit Kehlkopf- 
uud Nasen krank beiten. 2) Am 30. Januar in Wilna der frü¬ 
here Oberarzt dee dortigen hebräischen. Hospitals, vStaatsrat. 
Dr. Ludwig Samelson (Samuelsohn), im .74. Lebens¬ 
jahre. Der Hingeschiedene stammte aus Kariand und hatte 
seine medizinische Ausbildung an der Dorpater: Universität 
erhalten, an welcher er von 1852 bis 1857 stu lierte. Nach 
Erlangung der Doktorwürde war S. einige Zeit Stadtarzt in 
Karasubasar (Taurien), dann Oberarzt ain obengenannten 
Hospital in Wilna. 3) Am 19. Jäuuär in Werchneaneprowsk 
der Senior der Aerzte des Jekateriuöslawscben Gouverne¬ 
ments Kreisarzt Dr. Joseph Morosowski im Alter von 
77 Jahren. Nach Absolvlrung des JCiirsus^an der Kiewer 
Universität i. J. 1853 ist der. Versto rbene ein halbes Jahr- 
huudert hindurch ärztlich tätig gewesen, anfangs als Land¬ 
schaftsarzt, dann als Kreisarzt. Erst vor einem Jahr gab er 
seine Praxis auf. 4) In Rawa (Gonv. Petri kan) der Arzt 
an dem dortigen Heiligeugeisthospliaüm 32. Lebensjahre nach 
erst sechsjähriger ärztlicher Tätigjkeifc 5) Am 2. 15. Februar 
zn Stuttgart der frühere langjährige Präsident des württem- 
bergischen Medizinalkollegiuma v Geh- Mediziualrat Dr. C. v. 
Koch, in hohem Alter. Der Verstorbene trat i. J. 1902 
nach mehr als bOjährigem Dienst in deu Ruhestand. 6) In 
Nancy am 5./18. Februar im Alter vou 80 Jahren Dr. A r- 


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t h n f Liebeau11. der LegitlüdeJ- der dolligeii Sch Die de» 
BypnotJ»mo8. Von seinen Schrifteji nennen Mir hier «Du 
»omeil et des ätats nnalogoes» und «Etnde sur le Zooraa- 
gnätUme». 

— Dr. L. Hirsch h an »e n , dessen Nekrolog wir in der 
vorigen Nr. der Wochenschrift brachten, hatte in den letzten 
8 Jahren den Posten des Wierlftndischen Kreisarztes in We¬ 
senberg bekleidet and erst znm Schloss des vorigen Jahres 
wegen seines Herzleidens — diesen Posten mit der Stellung 
des Wesenbergseben Stadtarztes vernascht. 

— Znm Nachfolger des vor Kurzem verstorbenen Prof, 
extraord. der Kinderheilkunde Dr. ß. Pott in Halle ist der 
Strassburger Privatdozent Dr. Ferdinand Siegel t be¬ 
rufen worden. 

— Dem Altmeister der deutschen Chirurgie Prot. emer. Dr. 
Friedrich v. Esmarch in Kiel, soll in seiner Vaterstadt 
Tönning <in Schleswig-Holstein) ein Denkmal errichtet 
werden. Es wird ein schlichtes Monnment mit der Bronze- 
slatue des grossen Chirurgen sein, welcher am 9. Januar d. J. 
sein 81. Lebensjahr überschritten hat. 

— Dem Landarzt Paul Kramer ist gestattet worden auf 
der Landstelle S i 11 a unter Saadjerw (Livland) eine L a n d - 
apothekezu eröffnen. 

— Der Beschluss der liigaschen Stadtverwaltung die 
jetzige städtische Sauitätskommission in ein 
Sanitätsamt umzuwandeln, dem auch das städ¬ 
tische Krankeuwesen unterstellt verden soll, ist, wie das 
«ßig.Tagebl.» erfahrt, vom Minister des Innern bestätigt worden. 

— Zur Be k ft mp fung epidem i sch er Krankheiten 
in Livland wurde von aem livlftndischen Adelskonvent 
ein Kreditvon 2000 ß b 1. j ft h r 1 i ch aus der Landes¬ 
kasse bewilligt, desgleichen 1000 ßbl. für die Verpfle¬ 
gung syphilitischer Landgemeindeglieder 
im Hospital zn Alexandershöhe pro 1908 angewiesen. Für 
den Druck und die Verbreitung einer Flugschrift über 
die Lues in estnischer und lettischer Sprache wurden 
450 ßbl. aasgesetzt. 

— Die Herausgabe des «Archivs für Psychiatrie 
and Nervenkrankheiten» hat an Stelle des verstor¬ 
benen Professors J o 11 y der Kieler Psychiater Prof. Dr. 
A. S i e m e r 1 i n g übernommen. 

— Der verstorbene Moskauer Millionär Ssolodowei- 
kow hat zur Errichtung einer Entbindungsanstalt 

seiner Vaterstadt Sserpuchow (Kreisstadt im Gouv. 
oskau mit ca. 22,000 Einwohnern) 400,000 ßbl. testamen¬ 
tarisch vermacht. 

'-«-Dia Vorberei tungen zu einer amfassenden 
medizinischen Hülfeleis-tung für die verwun¬ 
deten Krieger im Fernen Osten nehmen einen er¬ 
freulichen Fortgang. Das «ßote Kreuz» bereitet in Charbin 
Medikamente für 30,000 Betten und Verbandmaterial im 
Werte von 70,000 ßbl. für 3 Monate vor. Für jedes Depöt 
sind 100 Tragbahren bestimmt Aussei dem wei den von der 


Hauptverwaltung des «ßofen Kreuzes» 2& Laäarette mit 5060 
Betten ausgerüstet. Zum Bestände eines jeden Laakretts mit 
200. Betten gehören 5 Aerzte, ein Administrator, 15 barmher¬ 
zige Sehwestern nnd 80 Sanitäre. Von diesen.Lazaretten sind , 
bereits 6 nach Charbin abgefertigt worden. Asch das Evan¬ 
gelische und das Holländische Feldlazarett 
weiden wohl in nächster Zeit vollkommen ausgerüstet in den 
Fernen Osten abreisen können, da ausser zahlreichen Dar¬ 
bringungen an Wäsche, Kolonialwaaree, Koneerven, Weinen 
etc. auch reiche Geldspenden beim Komitee fortgesetzt ein- 
flieusen. Auch in Berlin hat sicheln Half sic omitee 
des Evangelischen Feldlazaretts gebildet. Den 
Aufruf desselben haben unterzeichnet: die Professoren der 
Berliner Universität Dr. H. Schoeler (Opbthalmoiog) and 
Dr. ß. Seebe rg (Tbeolog), Pastor N. v. ßnckteschell 
(Hamburg), Pastor emer. Dr. H. Hai ton (früher in St. Pe¬ 
tersburg) und Kommerzienrat P o n f i c k (Frankfurt a./Malu). 
Vou diesen sind die drei Erstgenannten aus den Ostseepro- 
vinzen gebürtig und ehemalige Jünger der Dorpater Universität 

— Vakanz. Von der Verwaltung der Kiewschen Gesell¬ 
schaft zur Bekämpfung der Tuberkulose wird ein Arzt zur 
Leitungdes medizinischen und Wissenschaft^ 
lieben Teilsim Sanatorium der Gesellschaft gesucht 
Gehalt 1200 ßbl. (ohne Berechtigung zur Privatpraxis) bei 
freier Station nnd einer kleinen Wohnung. Das Sanatorium 
befindet sich 29 Wem von Kiew entfernt. Bewerber haben 
ihre Gesuche unter Beifügung ihres Curriculum vitae au 
den Präses der Verwaltung Prof. K. G. Tritsch el (Kien., 
TapaccoBCzaa, yx., 5) bis zum 10. März zu richten. 

— Epidemiologisches. Die Pestepidömie hat 
in fast allen Teilen Indiens nach deu letzten Nachrichten 
zngeuommen. Nicht weniger als 21,302 Todesfälle an der Pest 
wurden für die Woche vom 28. Dezember bis zum 3. Januar 
d. J. gemeldet, das heisst 4058 mehr als in der Vorwoche. 

— Wieder wird ein nenes Krebsmittel gemeldet, 

nnd zwar diesmal ans Paris. Der bekannte Chirurg Dr. 
Doyen, hat nämlich der Pariser Akademie der Wissen¬ 
schaften eine Arbeit über Kn bsbebandinng überreicht, welche 
in Einspritzangen eines Antitoxins bosteht, das er ans dem 
in bösartigen Neubildungen seit Jahreu konstatierten Mikro- 
cokkns ueoformans gewinnt. D. will mit diesem Antitoxin eine 
grössere Zahl von Heilungen erzielt haben- Bf. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 2. März 1804. 

Tagesordnung: E. ßlessig und Ueke: Ueber Pilz¬ 
massen in den Tb ränen wegen. 

NäohsteSitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 8. März 1&04. 


AWiMONCEN JEDER ART werden in der BueHhaadLuag von E. L. RICKER 

St. P etersburg, Nevsky- Pr. 1 4, sowie in allen in- und ausländ. Annoncen - Comp toiren angenommen. 


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Meran Frühjahr u. Hei bst), 
Reichenhall u. Grossgmäin (Sommer). 

Sän-Remo (Dezeiuber-März). 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Luitgart Heimberger, Bac. OcTp., 
ZHH., 1 . 29, RB. 13. 

Frau L. A. Bogoshrwakaja, Ertelefl 
Pereulok Jft 16, Qu. 6. 

Schwester Const. Schmidt, IleTepö. ct. 
MarrsieBCRaa ya.jt. 9, kb. 20. 

Frau Elvine Jüokam, Bac .ocTp., Cp. op. 
a- Jlnxaqeßa M 29L‘5-hS Koppaaopi, 
ROMHaTa Jft 229. - 

Oatra OBfiMOBa, CepiieacK., a-17, kb. 19. 

Frau HaaeniUSS, Ma«. lloxfeaiecK. 4.14 
11. 16 . - •—— 

Frau Tursan, CuacCRaa 21, kb. 6. 

Frau Oatharine Miohelaon, FarapiH- 
crah yji«ua x. 30, kb. 17. 

Frau Adelheid von Fersen, Catlia- 
rinencanal 81, Q. 20. 

Alexandra Xasarinow, ÜKRoaaeBCRaa 
— y*. a. 61 ,-bb. 62. - 


P.Lgi tizfid by_Cj O CK^ IC 

































83 


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des Thiocols. 


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„ Roche“ 


entgiftet« 
Kreosot ln Syruf 
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parat mit 10% organ. g&~ 
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Braune, dicksyrupöse, yeruch- und geschmacklose, ungiftige Flüssig¬ 
keit. Leicht resorbierbar, wirkt nicht reizend, sondern milde, juckreiz- 
und schmerzlindernd, lässt sich leicht mit Wasser Abwäschen und fleckt 

nicht die Wäsche. 

Als Schwefelpräparat und als vorzüglicher Ersatz für Ich¬ 
thyol angezeigt bei: 

Ekzem, rein oder 20°/o Salbe (sotoriige Abnahme des Juckens, des Näs- 
8eti8 und der Infiltration); Pruritus und Urticaria (sofortige juckstil- 
lende Wirkung); parasitäre Darmatosen wie: Scabies (Einreibuug mit 
grüner Seife, nach 1 Stunde Bad, vollständige Einreibung mit Thigenolum 
purum, abends 2. Thigenoleinreibung. In 2 Tagen Heilung); Favus etc..: 
Akne; gynäkologischen Aftektionen wie: Endo-, Para - und Perime¬ 
tritis, Beckenexsudate, als 10—20°/« Thigenolvagiualtampons oder 
Suppositorien ä 0,30 Itheumati-smus (Einreibungen mit Thigenol, Chloro¬ 
form ac. 10,0, Spir. champhor 40,0); Erysipel (pur oder lO'Vo Salbe); 
Fissura ani, Haemorrhoiden etc. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Cie., FaW Cta-ilM. Produkte 

Basel (Schweiz) >K Grenzach (Baden). 

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schmeckender 
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Form der Kreo¬ 
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loser Jodo- 
formersats. 


Profylin 

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eiweiss. Wirksamer 
als die bisherigen 
organischen 
und anorganischen 
Phosphor- u. l’lios- 
pborskurepräparatc 



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aiojBMX — noMoqb ncymecTBAHHiio amro BeauKaro ryMaHH^rn Abaa h TftMx cnac.TB 
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Erhältlich in allen Apotheken aller Länder 
Literatur und Proben Stehen den Herren Aerzten gratis zur Verfügung. 
Alleiniger Fabrikant: 

Chem.techn. Laboratorium v. Dr. Israel Roos, Frankfurt a. M. j| 

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PERTUSSIN 


Extract. Thymi 
saccharat. Taeschner. 


ges. gesch. Einfuhr von der russ. Behörde gestattet. 

Unschädliches, sicher witkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronchialkatarrh. 

Literatur in hervorrag. blättern Deutschlands u. Oesterreich-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertussin“ war eine überraschende; wenngleich icji 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden diu Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blauwerden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Wcissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertussin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als atbraete ich die freie herrliche Luft aut einem Aipen-Oiptel. Diese Leicht- 
athmigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkutarrht 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Neuhauscnj: 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertussin ein Mittel ist, das in kür¬ 
zester Zelt den mit Recht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
und fast unmerkbaren Bronchialkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 

Dr. Erich R. von Matzner ( Birkf cid, Steierm.): , 

Die drei mit Pertussin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu deu schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung;der starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereit? 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie duich folgende Engros-Depots: 

H. BierstUmpfel, Apotheker, Warschau. Matsmlkowska 136. Ad. Marcin- 
csik, Apotheker, Kiew. Paul Seebode. Apotheker, Riga, Kalkstr. 26. 
B. Schaskolsky, Petersburg. Carl Ferroin, Moskau. 

Hergestellt in der Kommaudanten-Apotlieke E. Taeschner, Berlin C. 1». 
Seydelstrasse 16. (8) 26—24 


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lm Detti.se.iien Alexander-Hospital wild 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger nnd Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 


Jlosn. neH8.Cn6.,20<DeBpaaa 1904 r. Heransgebei Dr. Rudolf Wanach. Buchdrnckereiv. A. Wienecke, Katharinenhofer Pr. J4 15‘ 


Diaiti zed by 







xxix. Jahrgang. ST PRTEB SBIIR &EB Nene Folge xxl Jahrg 

MEDICINISCHE WOGEENSCQKIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 

Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

Sonnabend.—Der Abonnementspreis ist in Russland8 Rbl. für das bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen in St. Petersburg, Newsky Prospect .Ns 14. zu richten. — llanus- 
Ländern20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsartionspreia cripte sowie alleaufdieRedactionbezüglichenMittheilungenbit- 
türdie SmalgespalteneZeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den tet man an den geschäftsführenden KedacteurDr.Budolf Wa- 
Antoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikel zugesandt, nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
—Refe rate werden nach dem Sat ze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. richten Sprechstunden Montag, Mittwoch u. Freitag von 2—3 Uhr. 

Jfi 9 St. Petersburg, den 28. Februar (12. März). 1904. 


Inhalt: Dr. W. v. Holst: Ueber «Morbus Basedowii». — Bücheranzeigen und Besprechungen: Operation ant 
Ohr. Die Operationen bei Mittelohreiterungen nnd ihren intrakraniellen Komplikationen. Von Dr. B. Heine. — Arthur R. 
H. Lehmann: Krankheit, Begabung und Verbrechen. — C. H. Stratz: Der Körper des Kindes. — F. v. Winckel: Hand¬ 
buch der Geburtshilfe. — Moebius: Goethe I. nnd II. Teil. — Hitzig: Physiologische und klinische Untersuchungen über 
das Gehirn. — Colin: Gemütserregungen und Krankheiten. — Prof. M. Koeppen: Sammlung von gerichtlichen Gatachten 
ans der psychiatrischen Klinik der königlichen Charitä zu Berlin. — Zuschrift au die Redaktion. — Vermischtes. 
— Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber „Morbus Basedowii“. 

Von 

Dr. W. v. Holst. 

Es ist eine gewöhnliche Erscheinung in der Geschichte 
der Medizin, dass eine weitverbreitete Krankheit erst 
dann allenthalben diagnostiziert wird, nachdem sie von 
einem besonders guten Beobachter in ihrer selbständigen 
Eigenart erkannt und beschrieben worden ist. Nachher 
wundert man sich drüber, dass ein so offenkundiges 
und klares Krankheitsbild übersehen werden konnte. 
Aehnlich geht es mit Krankheiten, die im Rufe stehen 
nnr selten vorzukommen. Mag ihre Feststellung auch 
noch so leicht sein, sie bleiben oft unerkannt, blos weil 
man bei der diagnostischen Ueberlegung nicht mit ihnen 
zu rechnen gewohnt ist. Ein weiterer diagnostischer 
Uebelstand ergiebt sich dadurch, dass trotz der mo 
derneo Systematik Richtung und Gang der Untersuchnng 
einesteils von halbbewnsslen Ideenvetbindungen, die 
beim ersten Anblick des Kranken in uns entstehn, aber 
in noch höherem Masse von gewissen signalisierenden 
Krankheitszeichen beeinflusst werden. So ist es wahr¬ 
scheinlich, dass jeder von uns beim Anblick eines grossen 
Krampfanfalls, der mit Bewusstseinsverlust verbunden 
ist, zu allererst an eine echte Epilepsie denken wird. 
Und doch dürfen diese scheinbar charakteristischen 
Krämpfe unter keiner Bedingung als differentialdiag¬ 
nostisch entscheidendes Merkmal aufgefasst werden, da 
sie bei einer Reihe von organischen Nervenleiden in 
gleicher Weise auftreten. Ausserdem brauchen wir die 
Krampfanfälle nicht einmal zur Begriffsbestimmung der 
Epilepsie, denn es ist ja bekannt, dass alle Arten epi- I 
leptischer Bewusstseinsstörungen und Char.ikterverän- I 
derungen bei Menschen Vorkommen, die nie in ihrem | 
Leben einen epilepliformen Krampfanfall Uberstanden ! 
haben. Auch auf die Basedowsche Krankheit wer- j 
den wir durch ein Signal aufmerksam gemacht, das ’ 
ao Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt und j 
sogar jedem Laien die Erkennung ermöglicht, Aber I 


mit. dem Exophthalmus, dem bekanntesten Zeichen 
der Basedowschen Krankheit, geht es ähnlich, -wie 
mit den Krampfanfällen bei der Epilepsie. Die Wurf¬ 
diagnose Basedow auf den Exophthalmus hin kann 
für Patient und Arzt verhttngnissvoh werden, wenn 
schliesslich eine Geschwulst oder eine Blutung oder ein 
weiter entferntes Aneurysma die Vortreibung der Augen 
verschuldeten. 

Mir ist ein Fall (im vorigen Jahre) zu Gesicht ge¬ 
kommen, bei dem nach jahrelanger erfolgloser Behand¬ 
lung gegen Basedow von chirurgischer Seite ein Aneu¬ 
rysma festgestellt und operiert wurde. Angesichts der 
Seltenheit dieses Zusammenhangs wird im Allgemeinen 
der Schluss vom Exophthalmus auf das Vorhandensein 
einer Basedowschen Krankheit berechtigt sein. Dagegen 
geht es ganz und garnicht an, nnr dort an Basedow zu 
denken, wo ein Exophthalmus dazu drängt. Wer sich 
ohne den Exophthalmus keinen Basedow vorstellen kann, 
wird diese Diagnose zum Nachteil seiner Kranken nicht 
allzu häufig stellen und nur so ist es erklärlich, dass 
dieses ausserordentlich verbreitete Leiden bei nns noch 
immer für ein verhältnissmässig seltnes gilt. 

Gegen die vermeintliche Seltenheit der Basedowschen 
Krankheit sprechen meines Erachtens folgende Zahleu: 
Auf 3U3 Patienten der S o k o 1 o wsk i sehen Heilanstalt 
kamen 21 Basedowkranke und von 190 Kranken meiner 
Privatambulanz litten 13 an dieser Krankheit. Das 
macht in beiden Reihen etwa 7,0 pCt., kurzum einen 
sehr bedeutenden Teil der Gesa mm (Ziffer aus. Nur bei 
5 von diesen 34 Basedowkrauken erreichte der Exo- 
phlhalmus eineu bedeutenden Grad, w ährend bei der über¬ 
wiegenden Mehrzahl jede merkliche Vorwölbung der 
Augäpfel fehlte. Da aber in keinem der 34 Krank¬ 
heitsfälle ein schnelles, rhytmisches Zittern vermisst 
wurde, das vorzugsweise die Hände, aber auch den 
ganzen übrigen Körper befällt, so müsste meiner An¬ 
sicht nach dieser universelle Tremor, der seit T. M a • 
ries Hinweis übereinstimmend als eins der konstante¬ 
sten Basedowzeichen geschildert wird, an Stelle des 


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Exophthalmus neben Struma und Tachykardie zum j 
dritten Kardinalsymptom avancieren. Aber auch beider : 
Beurteilung der Basedowstruma können mitunter Schwie- ! 
rigkeiten entstehen. Vor allem scheint es mir, als ob 
man allzu hohe Anforderungen an die Grösse dieser 
Strumaart zu stellen pflegt. Abgesehen von einem 

Krankheitsfall, bei dem schon vor dem Ausbruch des 
Basedowleidens ein Kropf vorhanden gewesen war und : 
einem zweiten besonders schweren Fall, der unter den 
Zeichen eines zehntägigen Kollapsdeliriums zum Tode 
führte, verhielt sich die Struma bei den 32 übrigen 
Beobachtungen in recht bescheidenen Grenzen. Oft war 
weder eine Vor Wölbung oder Veränderung der Hals¬ 
konturen sichtbar, noch liess sich die Struma, wie das 
sonst bei Kröpfen der Fall ist, einfach in die hohle 
Hand nehmen. — Wem nun dran gelegen ist, auch die 
leichteren Grade von Schilddrüsenschwellung nicht zu 
übersehen, der ist gezwungen immer wieder von Zeit 
zu Zeit in der betreffenden Gegend des Halses nach der 
eigenartigen Drüsenresistenz zu sucheu. Diese palpato- 
rische Pedanterie ist umso berechtigter, als nach den 
übereinstimmenden Angaben vieler Autoren bald durch 
ihre retrosternale Lage, bald durch die individuelle ana¬ 
tomische Konfiguration des Halses Strumen verdeckt 
und der Palpation fast gänzlich entzogen worden sind, 
die sich nachher bei der Resektion oder Autopsie nicht 
nur als pathologisch verändert, sondern sogar als be¬ 
deutend vergrössert erwiesen. Aber wo das Auge nichts 
sieht und der tastende Finger kaum die Drüsenresistenz, 
nur allenfalls ein leichtes Schwirren wahrnimmt, kann 
unter Umständen die Auskultation aus der diagnosti¬ 
schen Verlegenheit heraushelfen. Denn da Kocher mit 
seiner gewaltigen Autorität in dieser Frage dafür ein- 
tntt, dass nicht jeder Kropf, sondern nur Gefässstrnmen 
das unbedingte Hauptkennzeichen der Basedowschen 
Krankheit ausraachen, so erwächst für uns daraus die 
Verpflichtung di 9 vaskulären Symptome der 
Basedowstruma in Zukunft weit sorgfäl¬ 
tiger zu beachten. «Prof. Kocher», heisst es 
in dem Bericht seines Sohnes «welcher bei über 2000 
Strumaoperationen und noch bedeutend mehr Beobach¬ 
tungen die aus den verschiedensten Ländern gekom¬ 
menen Basedow-Kranken der genauesten Schilddrüsen- 
untersuchung unterwarf, kennt einen Basedow ohne 
Struma vaskulosa nicht». 

Von den vaskulären Erscheinungen, die Kocher 
als charakteristische für die Basedowschilddrüse bezeichnet, 
kommt ausser der «Expansivpulsation» des Drüsenkör- 
pers und seiner Emleerbarkeil durch Druck dem aus¬ 
kultatorisch wahrnehmbaren Blasen über den Haupt- 
gefässen der Thyreoidea die entscheidende Bedeutung 
zu. Ausser diesem Geräusch soll auch das mit ihm zu¬ 
sammenhängende Schwirren, das sich bei der Palpation 
bemerkbar macht, auf einer Wirbelbildung des beschleu¬ 
nigten Blutstroms in den unelastischen und allzu weiten 
Gefässneubildungen beruhen. Alle diese Gefässverände- 
rungen können übrigens gelegentlich in jedem beliebigen 
alten Kropf vor sich gehen uud ihn teilweise oder ganz 
zu einer Basedowstruma umgestalten. 

Selbstverständlich werden bei solchen Umwandlungen 
auch die klinischen Basedowsymptome nicht auf sich 
warten lassen. Zu meinem Bedauern muss ich ge¬ 
stehen, dass ich erst in allerletzter Zeit, nachdem mir 
die Arbeit von Kocher jun. bekannt geworden war, 
auf die vaskulären Zeichen zu achten begonnen habe 
und in Folge dessen garnichts Eigenes über sie berichten 
kann. 

Nach langwierigen Schwierigkeiten über das Wesen 
der Basedowschen Krankheit hat man fast allerseits 
die Reflex- und Neurosentheorie zum alteo Eisen ge¬ 
worfen uud ist dann, gewissermasson per exclusionem, 


über Kachexia strumipriva uud Myxoedein bei der all¬ 
gemeinen Stoffwechselstörung, die mit dem veränderten 
Chemismus der Schilddrüse Zusammenhängen soll, zur 
einstweiligen Einignng gelangt. 

Während man sich über das Wesen der Krankheit 
dank Möbius vor der Hand beruhigen kann, herrscht 
über die letzten Gründe, welche diese Funktionsstö¬ 
rung der Thyreoidea herbeiführen noch völlige Dun¬ 
kelheit. Bisweilen kann man s *gar die Meinung ver¬ 
treten hören, dass die Schilddrüsenveränderung der 
eigentliche Ausgangspunkt der Erkrankung sei. Mit 
demselben Schein des Rechts hätte man vor La voran s 
Entdeckung die Milzschwellung für den Ausgangspunkt 
der Malaria erklären können. Trotzdem erscheint mir 
ein Vergleich der Thyreoidea mit der Milz oder den 
Lymphdrüsen nicht ganz unberechtigt. Denn ähnlich 
wie letztere die Infektionserreger in sich aufnehmen 
und dabei nach Kräften unschädlich machen, könnte 
möglicherweise auch die Schildrüse den unbekannten 
Ursachen der Basedowschen Krankheit zeitweilig einen 
gewissen Widerstand leisten, ohne diese gesteigerte 
Inanspruchnahme sofort durch eine Anschwellung zu 
verraten. 

Das Mass ihrer Widerstandsfähigkeit mag bei ver¬ 
schiedenen Personen und zu verschiedenen Zeiten im 
Leben des Einzelnen sehr wechseln und besonders bei 
schwerer nervöser Belastung recht gering sein. Von 
mehreren meiner Basedowkranken ist mir Uber ähn¬ 
liche Zustände unter ihren nahen Angehörigen berichtet 
worden und zwei mal habe ich Mutter und Tochter zu 
gleicher Zeit wegen Basedow in Behandlung gehabt. 
Nichtsdestoweniger ist die Rolle, die der angeborene 
Empfänglichkeitsgrad bei dieser Krankheit spielt noch 
ganz unbestimmbar, solange wir uns weder Uber die 
Art des Giftes eine Vorstellung machen können, noch 
wissen, ob es sich um eine einmalige, mehrfache oder 
unausgesetzt wiederholte Vergiftung handelt. — Wem 
das Kausalitätsbedürfais keine Ruhe lässt, der möge 
nur seine Schlüsse von den schweizerischen Kropf- 
brunuen auf analoge Schädlichkeiten im Trinkwasser 
anderer Länder ziehen, eine halbwegs gestützte ätiolo¬ 
gische Hypothese giebt es leider noch nicht. 

Unter der Ueberschwemin ung des Körpers mit dem 
krankhaft veränderten und vermehrten Produkt der 
Schilddrüse leiden ausser dem Herz und Gefässsystein 
zwar auch die Gesaminternährung sowie die Gebilde 
der Haut, vor allem aber das zentrale Nervensystem. 
Bei der kurzbemessenen Zeit können nur einige nervöse 
Störungen berücksichtigt werden. 

Wenn ich mich an den landläufigen Nervositätsbe¬ 
griff holte, so muss ich gestehen, dass mir die Basedo¬ 
wschen als die allernervösesten Kranken erschienen 
sind. Dabei pflegten ihre Klagen über besiramte ner¬ 
vöse Beschwerden so charakteristisch und übereinstim¬ 
mend zu sein, dass ich oft fast unwillkürlich sofort zur 
Untersuchung der Schilddrüse geschritten bin. Nicht 
weniger typisch war meist das Benehmen dieser Kranken. 
Eilig tritt eine Patientin ins Ambulanzziramer, halb 
ängstlich, halb zornig streift ihr unsteter Blick durch 
den Raum, unausgesetzt rückt sie auf ihrem Stuhle 
umher und ihre hastigen, durch schnellschlägiges Zit¬ 
tern unsicheren Bewegungen können bisweilen au Veits¬ 
tanz erinnern. Kurzatmig unter vielfachem Räuspern 
werden die ersten Sätze hervorgebracht, dann kommt 
es gelegentlich zu einer überstürzten, ungeordneten 
Schilderung, an der schliesslich mancherlei verändert 
und korrigiert wird. Nach Verlauf einiger Zeit scheint 
die innere Erregung ein wenig nachzulassen. Das 
kommt auch den sprachlichen Aeusserungen zu gut und 
die Klagen werden jetzt wohlgeordnet und zusammen¬ 
hängend geäussert. Sie beziehen sich vor allem auf 


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das ewige Herzklopfen, die Blutwallungen zum Kopf, 
das quälende Hitze- und Pulsationsgeföhl, das über¬ 
mässige Schwitzen, den ungenügenden Schlaf und die 
beständige Müdigkeit trotz der unerträglichen inneren 
Unruhe. Zu dieser zwar schon genügend grossen Gruppe 
von Beschwerden gesellt sich bald noch ein einzelnes 
Symptom, bald noch eine ganze Reihe anderer Plagen. 
Der ruhrartige Morgendurchfall, die Menstruationsdiarrhoe, 
die gewaltig verstärkte Diurese und deren Relations¬ 
erscheinungen, Heißhunger oder unstillbarer Durst 
standen einige Male sogar im Vordergrund des Krank- 
heitsbildes. Dasselbe gilt von den ne u ral tri f atmen 
Schmerzen, die keinen Teil des Körpers verschonten. 
Auch für den geistigen Zustand ist die Uebererregbarkeit 
das dominierende Kennzeichen, und wir hören aus dem 
Munde der Kranken, dass selbst der unbedeutenste Reiz 
wie ein Kanonenschuss auf sie ein wirke. Daraus er- 
giebt sich unter anderm ein hoher Grad von Ablenk¬ 
barkeit und da die zu jeder geistigen Arbeit notwendige 
Konzentration sich nur mit grösster Willensanspannung 
erzwingen lässt, ist die Arbeitsfähigkeit auf einen kleinen 
Bruchteil herabgesetzt. 

Trotz der vielfach unausgesetzten Qualen und Berufs¬ 
störungen in Folge der Krankheit waren nur einige 
wenige von meinen Patienten gemütlich so niederge¬ 
drückt, wie man das erwarten könnte, bei der Mehr¬ 
zahl dagegen schwankte die Stimmung unberechenbar 
zwischen Trübsal und lloffnungsfreudigkeit. Zu wieder¬ 
holten Malen habe ich eine sehr hartnäckige Menschen¬ 
scheu auch bei leichteren Krankheitsgraden angetroffen. 
Doch schien mir in allen diesen Fällen die Menschen¬ 
scheu nicht wie sonst bei Depressionszuständen eine 
direkte Folge der traurigen Verstimmung zu sein, son¬ 
dern vielmehr ein Ausdruck der Furcht vor neuen Ein¬ 
drücken aller Art. Wo jede Arbeit, jedes Gespräch in 
Folge der Uebererregbarkeit durch Herzklopfen und an¬ 
dere Nachwirkungen verleidet wird, kann uns eine 
solche Reiz-Angst nicht wundern. Der grösste 
Teil der vorher ärztlich untersuchten Basedowkranken 
wurde mit dem Vermerk Neurasthenie oder Neurasthenia 
cordis an die Sokolowskische Heilanstalt resp. meine 
Privatambulanz verwiesen. Wenn es sich hierbei blos 
um eine Namensfrage handeln würde so könnte die 
differeutialdiagnostische Abgrenzung der leichten Base¬ 
dowfälle gegen bestimmte Neurastheniearten dem Gut¬ 
dünken des Einzelnen überlassen bleiben. Aber abge- 
sehn von dem theoretischen Interesse, das mit dieser 
Grenzfrage verknüpft ist, hat die rechtzeitige Entschei¬ 
dung für oder wider Basedow, noch präziser gefasst: 
die möglichst frühe Erkennung der Basedowischen Grund¬ 
lage eines beliebigen nervösen Symptomenkoinplexes für 
das fernere Wohl des Kranken die allergrösste Bedeu¬ 
tung. Denn den vermeintlichen Herzneurasthenikern ist 
mit einer Regimeordination und der üblichen beruhigen 
den Versicherung, dass ihre Herzerscheinungen mit den 
Nerven Zusammenhängen, ebensowenig gedient, wie einem 
nervösen Diabetiker. Wer sich der Mühe unterzieht in 
jedem Fall von Tachykardie, ohne grobanatomische Ur¬ 
sachen, nach anderen Zeichen von Basedow zu fahnden, 
dem wird die häufige Kombination dieser Herzstörung 
mit leichten Anschwellungen der Schilddrüse, allgemei¬ 
nem Tremor und gesteigerter nervöser Erregbarkeit 
schwerlich entgehen. Aber selbst wenn ausser der Herz¬ 
störung nur einige der weniger wichtigen Basedowsymp¬ 
tome nachweisbar wären, wie das Stellwagsche, das 
Grael'esche, das Möbiussche Zeichen, die zwar alle drei 
nur selten zn fehlen und frühzeitig aufzutreten pflegen, 
aber vom Kranken nicht empfunden und vom Arzt in 
den ersten Stadien leicht übersehen werden, so tut man 
bei aller diagnostischen Reserve und selbstverständlich 
ohne den Patienten mit der Basedowbezeichnnng zu er¬ 


schrecken, doch gut, den Krankheitsfall in therapeuti¬ 
scher Beziehung als Form fruste M. B. aufzufassen. 
Dieses Verfahren ist auch klinisch insofern berechtigt, 
als Uebergänge von monosyraptomatischer Herzstörung 
zum kompletesten Basedow von mir und andern Aorzten 
wiederholt beobachtet worden sind. Im ersten Semester 
1903 konnte Dr. med. S. Kroeger dem Aerzteverein 
zu Riga über einige solche Fälle nnter seinem grossen 
Basedowmaterial berichten. Unter meiner Beobachtung 
haben sich zweimal selche Uebergänge abgespielt und 
zwar handelte es sich beidemal um junge Männer am 
Ende ihres dritten Jahrzehntes, die ich schon lange 
wegen Herzklopfeu und einiger neurasthenischer Be¬ 
schwerden behandelt hatte. Bei dem einen von ihnen 
trat die recht bedeutende Struma nach einer leichten 
Malariainfektioo, bei dem andern nach einem masslosen 
Trinkexzess auf und ist seitdem bei beiden Kranken un¬ 
verändert geblieben. Schon anfangs sprach ich die nahe¬ 
liegende Vermutung aus, dass es der Schilddrüse zeit¬ 
weilig gelingt auch den based mischen Organismus zu 
entgiften, ohne selbst dabei nachweislichen Schaden Zu neh¬ 
men. Aber eine einzige Gemütsbewegung, eine schnell Uber- 
standene Infektion, eine einmalige Intoxikation, and das 
Gleichgewicht der Schilddrüsenfnnktion ist nachhaltig 
erschüttert. 

Aus der Voraussetzung, dass wir der Wahrheit am 
nächsten kommen, wenn wir die Basedowsche Krank¬ 
heit als eine Vergiftung des Organismus auffassen, er¬ 
gabt sich von selbst eine Behandlung, die auch für die 
leichtesten Formen von dem bei Neurasthenikern geübten 
Verfahren grundsätzlich verschieden ist. Trotz des mo¬ 
dernen Behandlungsenthusiasmns ist doch die Ansicht 
zur allgemeinen Geltung gelangt, dass der konstitutionlle 
Neurastheniker ohne alle physikalischen und sonstigen 
Heilmethoden am besten gedeiht. Da nichts ihm mehr 
schadet als die freie Zeit, in der er sich nach Belieben 
seinen Unlustgefühlen ergeben kann, so muss er noch 
mehr als jedermann zn einem regelmässigen Arbeitsleben 
erzogen werden. Und während hier der Segen auf 
Uebung uud Arbeit folgt, heisst für den Basedowkranken 
Ruhe das erste Gebot. Nur bei geistiger und körper¬ 
licher Ruhe steigen die Chancen auf einen erfolgreichen 
Kampf des Organismus mit dem unbekannten Gift. Um 
erregende Reize fernzuhaften und unnötige Kraftausgaben 
zu sparen muss man von Bromuatrium und Bettruhe 
reichlichen Gebrauch machen. Womöglich soll viel an 
freier Luft gelegen werden. Dass für neue Kräfte durch 
milchreiche aber fleischarme Nahrung gesorgt wird, ist 
selbstverständlich. Dabei scheint Levico nicht so sehr 
als Blutbildemittel wie durch Appetiterhöhung gute 
Dienste zu leisten. Die elektrische Behandlung habe ich 
früher in allen bekannten Anwendnngsarten oft und 
lange Zeit hindurch versucht, jedenfalls häufig genug 
um mich von ihrer gänzlichen Nutzlosigkeit zu über¬ 
zeugen. Aber auch zu Suggestionszwecken ist die elek¬ 
trische Behandlung nur bedingt benutzbar, weil die 
Rheostatenhandhabung in Folge des immer- wechselnden 
Hautwiderstandes und der Lieberempfindlichkeit vieler 
Basedow kranken eine gewisse elektrotherapeuti9che Er¬ 
fahrung voraussetzt. 

Einer meiner Kranken wurde ärztlicherseits während 
eines Aufenthalts in der Krim der Gebrauch von Schild¬ 
drüsentabletten verordnet. Die Folge davon war eine 
bedrohliche Verschlimmerung ihres vorher leidlichen Zu¬ 
standes. Auch vor der innerlichen Joddarreichung, die 
gleichfalls nicht einmal theoretisch berechtigt erscheint, 
muss nach den verschiedenen Berichten über Jodvergif¬ 
tung bei Basedowkranken nur gewarnt werden. Ueber 
die Ernährung mit Milch von schilddriisenlosen Ziegen 
und andere «Neutralisirungsversuche» fehlt mir jede Er¬ 
fahrung, 


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Wo der Organismus durch verstärkte Diurese und 
reichliche Durchfälle bestrebt zu sein scheint sich der 
Basedowgifte zu entledigen, sollte man ihn möglichst 
wenig daran hindern. Nur falls die Gesammtbehand- 
lung dauernd ohne Einfluss auf die Diarrhoen bleibt, ist 
man schliesslich zur symptomatischen Therapie ge¬ 
zwungen. 

Aber mit Diätetik und Ruhe allein kommt man meist 
nicht weit. So muss man denn auch bei dieser Krank¬ 
heit zu einer Art Uebung seine Zuflucht nehmen, ln den 
gewöhnlichen Halbbädern, deren Temperatur mit 26° R. 
beginnt und im Laufe von etwa 14 Tagen auf 20° er¬ 
niedrigt wird, besitzen wir das vollkommenste Mittel 
zur Uebung des insuffizienten Gefässnervensystems. 
Ausser der Drüsenresektion ist mir keine Behandlungsart 
bekannt, die das subjektive Befinden der Patienten und 
den objektiven Verlauf der Krankheit nur annähernd so 
günstig beeinflusst wie die Halbbäder. Nur ausnahms¬ 
weise, falls die Erkrankung von vornherein sehr schwer 
zu sein scheint oder unter bestimmten äusseren Voraus¬ 
setzungen würde ich mich entschliessen zur gefährlichen, 
ohne Narkose so qualvollen und nicht immer gleich 
erfolgreichen Operation zu raten, ohne einen Versuch 
mit Ruhe und Halbbäderbehandlung gemacht zu haben. 


BOcheranzeigen und Besprechungen. 

Operationen am Obr. Die Operationen bei Mittelohr¬ 
eiterungen und ihren intrakraniellen Komplikationen. 
Für Aerzte und Studierende. Von Dr. B Heine. 
(Berlin 1901. Verlag von S. Karger). 

Vorliegendes Werk basiert vorzugsweise auf den reichen 
Erfahrungen, welche Verf. als langjähriger Assistent an der 
Universitäl8-Ohrenklinik 7.u Berlin gesammelt hat. In klarer 
und übersichtlicher ' Weise schildert Heine die operative 
Behandlung der Mittelohreiterungen und ihrer Komplikationen, 
wie sie an der Lucae’schen Klinik üblich und erprobt ist. 
im Anfänge des Buches bespricht Verf. die Paracentese des 
Trommelfells, die Entfernung von Granulationen und Polypen 
und die Extraktion der Gehörknöchelchen. Darauf folgen die 
Operationen am Warzenfortsatz und die Eröffnung des Laby¬ 
rinths. Den zweiten grossen Abschnitt des Werkes bildet die 
Darstellung der operativen Behandlung der extraduralen und 
subduraleu Abszesse, der Erkrankungen der Hirnblutleiter, 
der Hirnabszesse und der verschiedenen Meningitisforineu 
otitisclien Ursprungs. Das Buch ist für jedeu Arzt geschrie¬ 
ben, der sich mehr oder weniger speziell mit der Ohrenheil¬ 
kunde beschäftigt. Von hohem Interesse ist es auch für den 
Chirurgen, der häufig in die Lage kommt, sich mit der ope¬ 
rativen Behandlung der eitrigen Erkranknng des Mittelohrs 
und ihrer Folgezustände befassen zu müssen. Allen diesen 
Kollegen kann das Werk zum eingehenden Studium auf das 
Wärmste empfohlen werden- 29 Abbildungen im Text und 
7 Tafeln illustrieren die verschiedenen Operationsverfahren 
und tragen vtel bsi zntn besseren Verhältnis des Textes. 

A. Sacher. 

Arthur R. H. Lehmann. Krankheit, Begabung und 
Verbrechen. (Berlin, 1901 Gnadenfeld & Co.). 

Ein vielversprechender Titel, geschmackvoller Umschlag 
nnd gute Ausstattung! Die zur «frdl. Benutzung» mitgege¬ 
benen Zeilen kauu Bef. leider nicht gebrauchen, da er zu we¬ 
sentlich anderen Anschauungen über das vorliegende Buch 
gekommen ist nnd dasselbe nicht als «ausseiordentlich wich¬ 
tige Etappe in der Erkenntnis des Menscheu» betrachtet. 
Wenn in unserer Zeitschrift von solchen Produkten überhaupt 
Notiz genommen wird, so geschieht es nni vor ihnen zu war¬ 
nen. Unter dem Scheine ernsten Streben’s nach Wahrheit 
wird der seichteste B|öds»nn aus dem Schatz der Naturheil- 
künde anfgetiseht. Es kommt einem unwillkürlich das Wort 
<ami cochon» in den Sinn, wenn man liest wie liebe- und 
rücksichtsvoll, dabei etwas überlegen, der Autor Moebius 
behandelt, \on dem er vieles entlehnt hat, u. a. die Bewun¬ 
derung für (jaII. Diesem genialen Forscher geschieht bitter 
Unrecht und sein Kredit kann ernstlich leiden, wenn seiue Leh¬ 
ren Eolche Vertreter fiuden. 


Wenn doch K n h n e nn 1 K.o n s o r t e n allein als Stützen 
der Anschauungen des Herrn Verfasser’« angeführt wären, 
so wäre das Buch einheitlicher ausgefallen. Als einzige Ent¬ 
schuldigung für manche Aeusserungen des Autors kann man 
nur gänzliche Unbildung oder aber grenzenlose Voreingenom¬ 
menheit gehen lassen. Zum Schluss eitlere Ich nur einige 
Aeusserungen, die mein Urteil über das Buch Illustrieren. 
Der Verf. «steht nicht an die zunehmende Nervosität auf die 
Impfung zu schieben» und «die Gangräu bei Diabetes be¬ 
ginne deshalb an den Zehen, weil dort nnten am meisten 
Krankheitsstoffe abgelagert würden». 

V 0 8 8. 

C. H. St ratz. Der Körper des Kindes. (Für Eltern, 
•Erzieher und Künstler). (F. Enke. Stuttgart, 1903). 

Eine schwierige, vielseitige Anfgabe hat sich der Verf. ge¬ 
stellt. Wir Aerzte müssen einem Buche, das in lesbarer 
Weise geschrieben, dem weiteren Publikum verständlich ist, 
nicht mit der Voreingenommenheit etwas Unwissenschaftli¬ 
ches vor uns zu haben, begegnen. 

Auch in diesem Gewände ist neuerdings viel Beachtenswer¬ 
tes erschienen nnd hierzu scheint mir das vorliegende Buch 
auch zu gehören. Ich möchte den Satz des Verf.: je länger 
ein Individuum Kind bleibt, je später das Geschlecht sich 
ansprägt, um so vollkommener wird seine Entwicklung! voll 
und ganz unterschreiben. Auch die Methode des Verf. als Nor 
mal werte nicht Durchschnittszahlen ans Tausenden von 
Fällen zu nehmen, sondern Mittelwerte aus analysierten, nicht 
so zahlreichen Fällen, verdient Beachtung. So ergaben seine 
Untersuchungen statt des allgemein angenommenen Durch¬ 
schnittsgewichts der neugeborenen Knaben (3340 gr. Mi not) 
3500 gr. als N o r m a 1 g e w i c h t. Es ist hier nicht der Ort 
genauer auf die ausführlichen Beschreibungen der Wachstums- 
Verhältnisse, der Messung nach Kopfhöhen etc. einzugehn. 
— Ob wirklich ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit 
der ersten Schädellage und der Rechtshändigkeit des Men¬ 
schen vorhanden, bleibt noch sehr hypotetisch. wie der Verf. 
auch zugiebt: ob sich nach zweiter Schädellage wirklich Links¬ 
händigkeit entwickelt? Vorzüglich ist die Ausstattung des Bu¬ 
ches; der reiche Bilderschmuck erinnert zwar ein wenig an 
«Le Nu au Salon», doch würden schematische Zeichnungen 
gewiss das künstlerische Lichtbild nicht ersetzen können. 

V o 8 8- 

F. v. Winckel. Handbuch der Geburtshilfe. Erster 

Band, I. Hälfte. (Wiesbaien. Verlag von J. Bergmann. 

1903). 

Das Handbuch, dessen erste Hälfte des ersten Bandes uns 
vorliegt, ist auf breitester Basis angelegt. F. v. Winckel 
giebt das Werk unter Beteiligung namhafter Autoren heraus 
und wendet sich in der Einleitung gegen den öfters zitierten 
Satz, als sei die Gebnrtshülfe ein längst abgeschlossenes Ge¬ 
biet, — im Gegenteil: in der Geburtshiiife giebt es manches 
Gebiet, welches durch genaue Nachforschung und Bearbeitung 
immer mehr der Erkenntnis erschlossen wird und gerade in 
jüngster Zeit in den Vordergrund des Interesses gestellt wird, 
wie z. B. Eklampsie. Befruchtung, Syncytinnm etc. 

Der erste Band wird eingeleitet durch einen Ueberbliek über 
die Geschichte der Gynaekologio von den ältesten Zeiten 
bis zum Ende des XIX. Jahrhunderts von F. v. Winckel. 
Hier beginnt der geschichtliche Ueberblick mit den Aegyptern 
3500—700. Babyloniern, Indern etc. Dann folgt ein Abschnitt 
über Physiologie, Diätetik der Schwangerschaft von Strass¬ 
mann. Pfannenstiel, Gönner, v. Rosthorn bear¬ 
beitet. Der Abschnitt über die Vorgänge bei der Befruchtung 
und die eisten Veränderungen des Eies enthält manches Neue. 
Eine Reihe ganz vorzüglich ausgefiihrter instruktiver Abbil¬ 
dungen illustrieren die komplizierten anatomischen Verhält¬ 
nisse. welche in jüngster Zeit Gegenstand der genauesten Un¬ 
tersuchung gewesen sind. Ebenso bringt das Kapitel über die 
anatomischen Veränderungen ira Organismus während der 
Schwangerschaft (Stoffwechsel, Schilddrüse, Veränderung des 
Blntes) manches Lehrreiche. Mit der Symptomatologie der 
Schwangerschaft schliesst der erste Band ab. Dem Text sind 
wie gesagt, eine Reihe von vorzüglichen Abbildungen beige¬ 
geben, die an Feinheit der Ausführung unübertroffen da¬ 
stehen. 

Mit Spannung sehen wir der vielversprechenden Fortsetzung 
des Werkes entgegen. 

Li n ge n. 

Moebius. Goethe I uni II Teil. (Ausgewählte Werke 

Bl. II und III). (Leipzig 1903- Ambrosius Barth). 

Kürzlich hat Rof. das Moebius ’sclie Buch über Rous¬ 
seau an dieser Stelle besprochen. Nun liegen 2 Bände über 
Goetne vor, von denen der erste eine fast unveränderte Neu- 
ausgabc, der zweite aber ganz neu ist. Es genüge darauf Uin- 
zuvveisen, wie interessant und dabei wahrscheinlich der Zu¬ 
sammenhang zwischen Goethe’s Produktivität und seinem cy- 


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89 


clisehcn Stimmungswechsel geschildert Ist. Am zweiten Bande 
bat Ref. das auf Gall’s Einteilung basierte geisiige Portrait 
Goethe’s besonders gefesselt; auch die Ansfiibrungen 
über seine Gesichtsbildung und die Abbildungen, die wir 
von ihm besitzen, siud wertvoll. Auf etwa ISO Seiten fin¬ 
den wir Zusammenstellungen Uber Goetbe’s Gesundheitszu¬ 
stand von 1767 bis 1882, ’ die Tagebüchern, Gesprächen und 
Briefen entnommen sind. Endlich folgt ein Abschnitt: Goethe 
und Gail. Das Verhältnis beider basierte auf gegenseitiger 
Bewunderung, nach M o ebi u s hat Goethe Gail mehr zu ver¬ 
danken als umgekehrt. Beide Männer waren anf dem Gebiet 
der Natnrforschung ihrer Zeit vorausgeeilt, Goethe er¬ 
kannte richtig die Entwickelung des Schädel’s aus Metanre- 
ren und Gail konzipierte die moderne Hirnlokalisation, wo¬ 
bei er der Hirnrinde im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen 
die ihr zukommende Würdigung angedeihen Hess. Nicht für 
den Arzt allein sind diese Bücher geschrieben, wer Goethe 
kennen nud schätzen will, sollte sie lesen. 

V 0 8 8. 

Hitzig. Physiologische und klinische Untersuchungen 
über das Gehirn. (Gesammelte Abhandlungen) Teil 
I und II. (Berlin, 1904. Hirschwald’s Verlag). 

Die soeben erschienene Sammlung der bahnbrechenden Ar¬ 
beiten Hitzlg’s begrtissen wir gern. Die im I anfe von 3 
Jahrzehnten veröffentlichten, in verschiedenen Zeitschriften 
erschienenen Untersuchungen sind nach ihrem Inhalt und 
Gedankengang geordnet, dadurch wird den neueren Forschern 
aut diesem schwierigen Gebiet viel Mühe und Arbeit erspart, 
die das Suchen der Einzelarbeiten erfordert. Auf den über¬ 
reichen Stoff einzugehen ist hier nicht der Ort, besonders, da 
viel Kaum der Polemik und aucli Prioritätsstreitigkeiten ge¬ 
widmet ist. 

Audi ohne uns ein Urteil in diesen Kraeen beizumessen, 
gereicht es nns znr Frende in Hitzig einen der Altmeister 
und Bahnbrecher auf dem Gebiet der Gehirn forsch nng zu be- 
grüssen und das vorliegende Werk dankbar entgegenzn- 
nehmen. 

V 0 8 S. 

Cohn. Gemütserregungen und Krankheiten. (Berlin W. 

1903- Vogel & Kreienbriuk). 

Das vorliegende Buch ist in vielen Beziehungen interessant. 
Der Antor weist mit berechtigtem Nachdruck auf den engen 
Zusammenhang des Gehirns mit der Funktion der vegetativen 
Organe hin und auf die Tatsache, dass Gemfitserregnngen 
physiologisch gewisse Organ-Wirkungen ansztilösen im Stande 
sind. Letzterer Umstand wird besonders von Bedentnng sein, 
wenn der Effekt pathologischer Natur ist. was nicht allzu 
selten der Fall ist (Chorea nach Schreck, Asthma nach Ge- 
mütserregnngen, plötzliches Ergrauen etc. traumatische 
(Schreck ) Neurosen u. s. w). Es ist ferner keine Fabel, dass 
depressive Affekte und andauernde melancholische Genifits- 
stimmung den I.ebenstonus herabsetzeu und den Organismus 
Krankheiten gegenüber weniger widerstandsfähig machen. 
Den Weg der Prophylaxe rindet der Verf. in einer richtigen 
Erziehung, die dem Individuum Widerstandskraft und Elasti¬ 
zität gegenüber den Gemiitserregnngen verleiht Das Buch 
ist anregend geschrieben nnd reich an eigenen Erfahrungen 
nnd Gedanken. 

V o 8 s. 

Prof. M. Koeppen. Sammlung von gerichtlichen Gut¬ 
achten aus der psychiatrischen Klinik der königli¬ 
chen CharitS zu Berlin. H904. Verlag von S. Karger. 
546 S). 

In den Jahren 1891—1901 kamen in der genannten Klinik 
381 gerichtliche Fälle znr Beobachtung. Von diesen weiden 
in der Sammlung 47 Gutachten mitgeteilt, welche in klini¬ 
scher oder forensischer Beziehung ein besonderes Interesse 
darboten. Ausser der Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit 
des Buches ist es sein grosser Vorzug, dass es die einheitli¬ 
che Auffassung eines auf diesem Gebiete besonders erfahrenen 
Autors bietet. Die zahlreichen Beispiele sind selir geeig¬ 
net. in schwierigeren Fällen der forensischen Praxis als 
Richtschnur zti dienen- 

M i c h e I 8 o n. 


Zuschrift an die Redaktion. 


Hochgeehrte Redaktion! 

Lieber Kollege! 

Der Krieg ruft Viele aus den Reihen unserer Aerzteschaft 
in den Feinen Osten. Gioss ist schon die Zahl derer, die als 
Militär- und Reserveärzte einberufen oder fieiwillig zum 
Kriegsschauplatz abgegangen sind. Viele werden ihnen noch 
folgen. Sie alle begleitet das lebhafte Interesse der Zuiiick- 


bleibenden nnd diese haben den dringenden Wnnsch mit den 
im Felde stehenden Kollegen Fühlung zu behalten. Der lin 
Verein 8t. Petersburger Aerzte angeregte Gedanke, dieses 
durch Vermittelung von Zasendongen aller Art - zu ton, ver¬ 
dient daher gewiss Beachtung und Unterstützung. Hier sofll 
aber noch etwas Anderes in Anregung gebracht werden: Die 
Vermittelung von Nachrichten über die auf dem Kriegsschau¬ 
platz wirkenden, oder auf dem Wege dorthin befindlichen 
Aerzte durch diese Wochenschrift. Wenn die Redaktion auch 
keine direkten Naeluichten von den einzelnen Kollegen er¬ 
hält, so können ihr vielleicht doch von deren Angehörigen 
und persönlichen Bekannten einige Daten aus Privatbriefen 
zur Verfügung gestellt werden. Diese könnten dann regel¬ 
mässig in einer besondere Rubrik dieses Blattes» etwa als 
«Nachrichten von den Kollegen anf- dem 
Kriegsschauplatz» Aufnahme finden und ans über den 
jeweiligen Standort, über Tätigkeit und Schicksale des Ein¬ 
zelnen unterrichten. Es ist wol zu hoffen, dass eine dahinge¬ 
hende Bitte der Redaktion an alle diejenigen Personen r die 
mit dem einen oder anderen Arzt im fernen Osten in brief¬ 
lichem Verkehr stehen, nicht vergeblich wäre. Den Lesern 
der Wochenschrift, aber wäre damit gewiss ein dankenswerter 
Dienst geleistet. Einsender dieses wüide sich freuen, wenn 
die verehrte Redaktion den hier angeregten Gedanken für 
ausführbar hielte. 

Mit kollegialer Hochachtung 

Blee sig. 

Die Redaktion begriisst die von Kollegen Blessig gege¬ 
bene Anregung mit Freude nnd stellt Ihre Spalten gern znr 
Veröffentlichung aller Nachrichten über die in dieser schweren 
Zeit in der Ferne arbeitenden Kollegen znr Verfügung. Die 
Redaktionen der anderen medizinischen, namentlich aber auch 
der grossen politischen Tageszeitungen würden uns zu 
grösstem Dank verpflichten, wenn sie durch Abdruck obiger 
Zuschrift die Angehörigen nnd Freunde der im Felde ste¬ 
henden Aerzte veranlassen würden, uds die gewünschten 
Nachrichten möglichst vollständig und schnell zuzustellen. 
Es lieRse sich auf diese Weise ein geistiges Band zwischen 
den fern Weilenden und den Zurückgebliebenen h»*ratellen, 
das beide Teile die lange Trennung leichter ertrageu lassen 
würde. 


Vermischtes. 


— Am 6. Februar beging der bekannte Patholog. Prof, 
emer. Dr. Edwin Klebs, welcher gegenwärtig iu Han¬ 
nover lebt, seinen 70. Geburtstag. 

— Der gegenwärtige Dekan der medizini¬ 
schen Fakultät, an der Universität Jnrjew 
(Dorpat), Professor der Physiologie Dr. W. Ku r tschinski, 
verlässt, wie verlautet, in nächster Zeit diese Stellung. An 
seine Stelle soll der Professor der Psychiatrie Dr. W. 
Tschish treten. Vom «Rish. Westn.» wird dagegen Prof. 
W. A fan«8j ew als Nachfolger Knrtschinskis im 
Dekanat genannt. 

— Der Gynäkolog Prof. Dr. Fehling in Strassbnrg ist 
von der i t a 1 i e n i s c h e n Gesellschaft für Gynä- 
k o 1 o g i e zum Ehrenmitglied ernannt worden. 

— Prof. Dr. Niel 8 Finsen in Kopenhagen hat von der 
Universität Edinburg den Karner on- Preis, 
der für Arbeiten in der praktischen Therapie bestimmt ist, in 
Anerkennung seiner bahnbrechenden Forschungen über die 
Anwendung von Lichtstrahlen zur Behandlung von Krank¬ 
heiten erhalten. 

-Zu K o r p 8 c h i r u r g e n der vier sibirischen 
Armeekorps sind ernannt worden: der ältere Arzt des 
Wladiwostokscheu örtlichen Lazareths, Staatsrat Dr. P o - 
nomarew; der Konsultant des Warschauer Ujasdow-Miti- 
täriiospitals, Staatsrat Dr. Topork ow; der Beamte für 
besondere Aufträge VH. Klasse bei der Ober-Militärmedizi- 
nalverwaltnng. Privatdozent der rail.-med. Akademie, Kolle¬ 
gienrat Dr. W reden nnd der Konsultaut des Odessaer 
Militärhospitals- Staatsrath Dr. Asarewitsch — alle vier 
mit Belassung in Ihren bisher eingenommenen Stellungen 

— Verabschiedet sind anf eigenes Ersuchen: der 
Arzt der Kauzellei des Alexanderkomites für Verwundete, 
wirkl. Staatsrat Dr. Karnitzki und der ältere Arzt des 
Moskaaschen Leibgarderegiments, Siaatsrat Dr. F r a n c k. 

— Zura ausserordentlichen Professor anf 
dem Lehrstuhl der Staat sarzneikuude an der 
Universität J nr j e w (Dorpat) ist der ältere Ordinator 
des Uigasclien Mllltärliospitals nnd Privatdozent der Hygiene 


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an der militär-medizinischen Akademie, Kollegienrat Dr. 
Schepilewaki ernannt, worden, gerechnet vom 11. Ja¬ 
nuar d. J. Sch. ist Arzt seit 1883 

— Am 16/29. Februar wurde in Bonn im Garten der 
klinischen Anstalt das Denkmal für den im Dezember 1902 
verstorbenen dortigen Professor der Chirurgie Max Schede 
in Gegenwart von zahlreichen Vertretern der medizinischen 
Wissenschaft enthüllt. 

— Die durch die Berufung der Hallenser Professoren 
Ziehen (Psychiater) nnd Bnmm (Gynäkolog) an die Ber¬ 
liner Universität entstandenen Vakanzen in der medi¬ 
zinischen Faknltät der Universität Halle 
werden voraussichtlich schon zu Ostern wieder besetzt sein. 
Als Nachfolger des Prof. Ziehen hat der Direktor der 
psychiatrischen Klinik in Breslau Dr. Karl Wernike 
einen Rnf nach Halle erhalten nnd an Stelle des Prof. 
Ba mni ist der Würzburger Gynäkologe Prof. Max Ho f - 
m«i er znm Direktor der Hallenser Gynäkologischen Klinik 
berofen worden. — Prof Wem jks steht, gegenwärtig im 
56. Lebensjahre nnd ist seit 1890 Prof. ord. in Breslau. Er 
ist. bekannt dnrch seinen anatomischen Atlas des Gehirns, 
sein dreibändiges Lehrbnch der Gehirnkrankheiten and eine 
Reihe anderer Pnblikationen. Prof. Hofmeier, der jetzt 
50 Jahre alt ist., war Assistent des berühmten Gynäkologen 
Prof. Schröder in Berlin und ist, seit 1888 Nachfolger 
Prof. 8 c a n z o n i s in Würzbnrg. Er leitet mit Prof. 
Olsliansen die «Zeitschrift für Gebnrtshülfe nnd Gynäko¬ 
logie» nnd veranstaltete eine nene Ausgabe von Professor 
Schröders «Handbuch der Gebnrtshülfe». . 

— Der hiesige Arzt Dr. Wl. Pantschenko hat die 
Konzession zur Herausgabe einer Wochenschrift unter 
dem Titel «SnaHie h JfCnaeT,» (Wissen und Leben) erhalten. 
Die Redaktion des nenen Journals hat der hiesige bekannte 
Physiolog, Prof. emer. Fürst J. P. Tarchanow Übernommen. 

— Verleih nngen fremdländischer Orden: Der 
prenssische Kronenorden T1T. Klasse — dem älteren 
Arzt des 6. Jenfsseischen Reservebataillons Dr. Kana wer; 
der Orden der Rumänischen Krone IV. Klasse 
— dem älteren Arzt des Wologdasclien Inf.-Reg. des Königs 
von Rumänien, Dr. W e r 1 y k : der Siamsche Kronen¬ 
orden *1. Klasse — dem Oberarzt des Pagenkorps Dr. 
D a n 1 n i; der chinesische Orden des doppelten 
Drachen 4. Klasse — dem Reservearzt des Militärressorts 
Dr. Klopfer. 

— Dem Beamten für besondere Aufträge VII. Klasse bei 
der Ober-Militär-Medizinalverwaltung Dr. W reden ist das 
ßrustahzeicben der Gesellschaft der Militär- 
chirnrgen der Vereinigten Staaten von Nord¬ 
amerika verliehen worden. 

— Das MMitärressort hat dem Institut für Experimental¬ 
medizin 10000 Rbl. angewiesen znr Erweiterung der im La¬ 
boratorium A. Wladimiroff’s von S. Nepovoshny 
begonnenen Produktion von Dysenterie-Heilserum, um sich 
auf diese Weise im Interesse der im Fernen Osten befind¬ 
lichen Truppen ein genügendes Quantum dieses Mittels für 
die Sommersaison zu sichern. 

— Verstorben: 1) Jn Jadrin (Oonv. Kasan) der Arzt des 
dortigen Ambulatoriums dpr Landschaft. Dr. Alexander 
Bngoras im 27. Lehenjahre an akuter Meningitis. Der 
Hingeschiedene hatte 1895 seine med. Studien an der militär- 
medizinischen Akademie begonnen, sah sich aber nach zwei 
Jahren wegen Teilnahme an den damaligen Unrnhen nnter 
den Studierenden genötigt, das Sfndinm in Berlin zu vollen¬ 
den. Nachdem er sodann die venia praktikandi in Russland 
erlangt hatte, ühernahm er die obenerwähnte ärztliche Stel¬ 
lung. ln welcher er sehr bald sich die Sympathie der Bevöl¬ 
kerung erwarb. 2l Am 9. Februar in Moskau der frühere 
Direktor nnd Oberarzt des Alexejewschen städtischen Hospi¬ 
tals für Geisteskranke, Staatsrat Dr. Viktor Butzke, 
im Alter von 58 Jahren. Der Verstorbene, welcher seit 1869 
die ärztliche Praxis ansgeübt hat, galt als ein tüchtiger Psy¬ 
chiater nnd erfreute sich allgemeiner Liebe nnd Achlnng 
sowohl nnter seinen Kolleeen als auch bei seinen Klienten. 
3) In Czenstochan der dortige praktische Arzt Dr. Heinrich 
Spiegel im 50. Lebensjahre, nach fast 25jährigerärztlicher 
Tätigkeit. 4) In Winfza Dr. Alexander Schatirim 
Alter von 52 Jahren. Es galt während seiner mehr als 
25jährigen praktischen Tätigkeit stets als ein Allen ohne 
Unterschied des Standes nnd des Vermögens zugänglicher 
Arzt nnd genoss daher besondt rs viel Liebe unter den ärmeren 
Leuten, denen er oft auch unentgeltlich die Arznei gab 5) 
In Kiel der Privatdozent für innere Medizin I)r. Alfred 
Gross. Der Hingeschiedene hatte i. J. 1899die venia prak¬ 
tikandi erlangt und war dann Assistenzarzt an der Kieler 
medizinischen Universitätsklinik. 6) In Lund der hervor¬ 
ragende schwedische Physiolog Prof. Magnus Büx 55 Jahre 
alt. Seine wissenschaftlichen Arbeiten betretfen die Muskel* 
Physiologie, die physiologische Optik nnd die Sensibilität der 


Haut. Auf letzterem Gebiet verdanken wir ihm die fnnda- 
mentale Entdeckung der Drnck-, Kälte und Wärmepnnkte. 

— Der Stadtarzt von Aren9burg(Insel Oesel), Dr. Ednard 
0 h m 8, ist auf sein Gesuch von diesem Amt enthoben 
worden. 

— Der Arzt Georg v. Helmersen ist znm Ordina- 
tor der Irrenanstalt auf 'Alexandersböhe bei 
Riga ernannt worden. 

— Feldlazarete und Sanitätskolonnen. Der 
Üvländi8chen Lokalverwaltung des Roten 
Kreuzesist es gestattet worden, ein üvländisches 
Feldlazaret von 200 Betten zu formieren. Da Dr. 
Paul Klemm, der als ärztlicher Oherleiter des Lazarets 
in Anssicht genommen war, verhindert Ist. dieser Aufforde¬ 
rung nachzukommen, so ist Dr. R. v. Oettingen. der 
bis vor Kurzem Assistent Prof v. Bergmanns in Berlin 
war. znm Oberarzt, des Lazarets gewählt werden. - Die 
estländische Verwaltung des Roten Kreuzes 
rüstet aus örtlichen Mitteln eine Sanitätskolonne mit 
100 Betten ans; die Kosten für dpn Unterhalt derselben 
werden voranssichtlch von der Hauptverwaltung des «Roten 
Kreuzes» in St. Petersburg ühernommen werden. Die ärzt¬ 
liche Oberleitung dieser estländiscben Sani¬ 
tät s k o 1 o n n e ist dem Dr. v. B r a c k e 1 aus Lihau über¬ 
tragen worden. — Der kurländischen Verwaltung 
des «Roten Kreuzes» ist die Bildung eines eigenen 
knrländischen Feldlazarets abgeschlagen, jednch 
die Errichtung einer einzelnen fliegenden Sanitäts¬ 
kolon ne gestattet worden. Der Name des ärztlichen Lei¬ 
ters dieser knrländischen Sanitätskolonne ist 
bis jetzt noch nicht bekannt. 

—- Für die in Wilna auf Anordnung der Russ. Gesell¬ 
schaft des Roten Kreuzes demnächst zu formierende Sani- 
tätskolonue für den Kriegsschauplatz werden, wie die 
Medizinalabteilung der livländischen Gnnvernements-Regie- 
rnng zur Kenntnis bringt, 5 Aerzte gesucht, nnd zwar 
müssen der Oberarzt und 2 jüneere Aerzte Spezialisten der 
Chirurgie nnd die beiden anderen jüngeren Aerzte Therapeu¬ 
ten sein. Der Oberarzt erhält 590 Rbl. nnd die jüngeren 
Aerzte 350 Rbl. monatlich. Der Oberarzt muss aber 
unbedingt rechtglänbiger Konfession sein, 
während die jüngeren Aerzte rechtgläubiger, lutherischer 
oder katholischer Konfession sein können. 

— Die bei der Moskauer Rommnnalverwal- 
tung angesteilten Aerzte haben sich an das Stadt- 
amt mit dem Gesuch gewandt, allen auf den Kriegsschau¬ 
platz sich begehenden Angestellten nicht nur ihre Aemter 
zu sichern, sondern auch ihren zurückgebliebenen Angehöri¬ 
gen die Gagen weiter zu zahlen. — Die Odessaer 
Duma hat bereits deu Beschluss gefasst, den Familien 
der städtischen Aerzte und auch anderer städtischer 
Angestellten, wenn diese zum aktiven Heeresdienste einberu- 
fen werdeu, die Hälfte der Gagen auszn zahlen. 

— — Zum Zentrum für die Operationen des 
«Roten Kreuzes» ist die Stadt Pensa gewählt 
worden. An diesem Orte werden die Depots angelgt, in 
welchen alle hei der Hauptverwaltung und den Lokalverwal¬ 
tungen des Roten Kreuzes eiogelanfenen Gegenstände kon¬ 
zentriert werden sollen. 

— Wie die «R. Wed» erfahren, hat sich der Verein 
von Studenten der Medizin in Jur.jew (Dorpat) 
an die Landschaftsverwaltungen mit der Bitte gewandt dem 
Vereine mit teilen zu wollen, wo Studenten der Medi¬ 
zin im Laufe der Sommerferien passende Be¬ 
schäftigung finden könnten nnd wie hoch sich das 
Honorar für diese Tätigkeit stellen würde. Erwünscht seien 
ferner Auskünfte über vakante Arztstellen. 

(M. D. Ztg.) 

- Das Oreanisationskomite des XII. Kongresses ma¬ 
nischer Naturforscher und Aerzte in Odessa 
hat in seiner Sitzung am 9. Februar beschlossen, darum an¬ 
züglichen, diesen Kongress auf die Zeit vom 31. August 
bis zum 8. September 1995 verlegen zu dürfen. (Ur¬ 
sprünglich war der Kongress auf die Zeit vom 16.—26. An- 
gest 1904 angesetzt). — Zu Repräsentanten seitens der 
Odessaer medizinischen Faknltät wurden die Professoren 
Batujew. Werigo, Podwy ssotzki und 0 h 1 o p i n 
gewäh it. (R. Wr.). 

— Der Verband der Aerzte Deutschlands zur 
Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen 
zählt gegenwärtig in 79 Sektionen 14447 Mitglieder mit 79 
Vertrauensmännern und 506 Obmännern. 

(A. m. Z.-Ztg). 

— Die estländische pharmazeutische Gesell¬ 
schaft in Reval hat in ihrer diesjäluigen Generalver¬ 
sammlung, an der die Apoteker Revals und anderer Städte 
und Ortschaften Estlands teilnahraen den dankenswerten 
Beschluss befasst, eine Reibe von Arzneimitteln, 


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nämlich die im Handverkauf Von der ärmeren Bevölkerung 
vielgefragten Tinkturen, Tropfen, Kräetermischungen etc. 
möglichst zu verbilligen. Es sind die auf Grnnd- 
läge diese Beschlusses für eine grosse Anzahl der gangbar¬ 
sten zusammengesetzten, sog. galenisclieu Mittel, beiaächtlich 
herabgesetzten Preise bereits in sämtlichen Ecvalschen Apo- 
teken eingetührt worden. 

Bf. 

— DieGesarnintzahl derKrankeu in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 7. Febr. 
d. h. 9314 (140 wen. als in d. Vorw.), darunter 489 Typhus — 
(4 wen.), 960 Syphilis — (91 wen.), 261 Scharlach — (5 mehr), 
102 Diphtherie — (4 wen.), 123 Masern — (8 mehr) und 34 
Pockenkranke — (! wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 1. bis znm 7. Februar 1904. 
Zahl der Sterbefälie: 

1) nach Geschlecht und Alter: 

Im Ganzen: 


M. W. Sa. 


“ 2 ^ 2 ^ S § 2 8 g S ? « 
II I I I I I I II I I 

hhM«^iO»NCO m 


2) nach den Todestirsachetl: 

— Typh. exantli. 1, Typh. abd. 15, Febris recurrens 1,Typhus 
ohne BestimmiingderFormO, Pocken 1, Wasern.20, Scharlach 11, 
Diphtherie 18, Croup 0, Keuchhusten 13, Cronpöse Langen* 
entzündung 26, Erysipelas 3, Grippe 3, Katarrhalische Lun- 
geneutzüudung 69, Ruhr 2, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 1, Kotzkrankheit 0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 1, Puerperalfieber 2, Pyämie und 
Septicaemie 9, Tnbeikulose der Lungen 102, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 18, Alkoholismus und Delirium tremens 3, Le- 
beusschwäche und Atrophia infantum 64, Marasmus senilis 32, 
Krankheiten des Verdanungskanals 76, Todtgeborene 88. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 2. März 1904. 

Tagesordnung: 1) E. Blessig und Al. U c k e: Ueber 
Pilzniassen in den Thiäuenkanälen. 

2) Al. U c k e: Beobachtungen an Fla¬ 
gellaten im diarrhoischeu Stuhl. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Verein b: Montag den 8. März 1904. 


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bung der Herztätigkeit. Bei kleinen chirurgischen Ein¬ 
griffen verhindert es die Blutung. 

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sogar stärker als Sublimat. Glänzende Eesaltate 
bei Behandlung des Typhus abdominalis. Mit her¬ 
vorragendem Erfolge angewandt bei Behandlung 
der Gonorrhoe, Cholera, Dysenterie, septischen 
Prozessen nach der Geburt ii. s. w., n. s. w. 

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notikuui, wirkt beruhigend bei Magenkrankhei¬ 
ten, Uebelkeit, Seekrankheit, Asthma, Epilepsie 
etc: Ein wichtiger Vorzug vor dem Kokain ist 
dem Chloreton eigen, es ist völlig ungiftig. 

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Verdauungskanals, Verstopfung bei Schwangeren und mit der 
Brust Stillenden, und gegen Gallenstein. 

Gewöhnliche Dosis in Pillen: 2 Pillen nach dem Essen 
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dele, nur hier ansgeiibte, viel bewährte Behandlung 

Herz- und Nervenleiden 

günstig; beeinflusst werden. 

Zwei Aerzte. ***** Prospecte durch die Verwaltung. 

Sommer- und Winterkuren. (21) 52-21, 


Chinin, Fleiscbsaft und Milch¬ 
phosphorsauren Kalk enthaltend. 

Vollkommenes physiologisches 
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Tin de Vial vereinigt alle 
wirksamen Principien desphos* 
phorsauren Kalks, des Chinin 
|j|g und des rolien Fleisches. Diese 

]BH drei Substanzen bilden ver* 

VAV eint das rationellste und voll- 
ständigste Tonic um. 

Li d er Dosis von einem 
Liqnenrglas vorjeder Mahlzeit 
ergänzt es die ungenügende Er- 
nälirnng von Kranken und 
Convalescenten. 

VIAL freres, phainiaciens, 36, 
■ !■>■■■ place Belieconr, Lyon, France. 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Frau Adelheid von Fersen, Cafba- 
rinencanal 81. Q. 20. 


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93 


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I ir&parat, wasser- 
Balleh, geruchlos, 
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tu bereu). undAntl- 
Diarrhoicum. 


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Thioeoh 

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bequemste nud 
billigste Verab- 
reicnungaform 
des Thtoooli. 


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„ Roohe“ 


entgiftetet 
Kroosot in Syroj 
form, eignet sieh 
■pesleli für Armen- 
und Kassenpraxls. 



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direosot- 6ezw. Suajaecl- 
cTfierapie. 

Wohlriechender, angenehm schmeckender Syrup. 

Bewirkt nach tausendfältigen Erfahrungen an Kliniken und in der Pri¬ 
vatpraxis bei lAUiffentnberkuloHr Besserung des Appetits, Hebnng der 
Ernährung, Zunahme des Körpergewichts, Abnahme der Nachtschweisse, 
des Hnstens, des Auswurfes und der katarrhalischen Erscheinungen. 
Weitere Indikationen: Influenza, Bronchitis, Keuchhusten, Chirurg. Tu¬ 
berkulose. allgemeine Schwäclieznstände, Skrophulose. 

Nach den Erfahrungen an der kgl. ined. Universitätsklinik zu Halle a. S. 
(Direktor Prof. v. Me ring) -erfüllt das Sirolin alle Bedingungen eines 
angenehm schmeckenden, tonischen Arzneimittels 4 *. (Ueber die Kranken- 
hausbehandlung der Lungentuberkulose, von Dr. Hugo Winternitz, 
I. Assist der Klinik. Deutsche Aerzte-Ztg., 1. Jan. 1902. 

Man verordnet: Sirolin Layenam oriyin. Erwachsenen 3—6 Theelöffel, 
Kindern 2—3 Theelöffel täglich vor oder unmittelbar nach dem Essen, rein 

oder in Wasser. 

Vor Nachahmung wird gewarnt Sirolin ist nur echt, wenn 
jede Flasche mit unserer Firma versehen ist. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoflmann-LaRoche & Co., Fatffik Cta.-Jliann. PrÄCte 

Basel (Schweiz) <*• Grenzach (Baden). 

(13) 11-6. 


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„Roohe“ 


haltbares Phosphor- 
«iweiss. Wirksamer 
als die bisherigen 
organischen 
und anorganischen 
Phosphor- u. 1‘hos- 
i>horsÄureprü|iarate. 


tirol 

„ Roehe“ 

bester, geruch¬ 
loser Jodo- 

fo r mer sa t». 


Thigeno! 

„Roehe“ 


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BchwefelprKparat 
mit 107, org. 
gebund- Schwefel. 
Geruchloser 
Iehthyolersats. 


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Sanatorium für Lungenkranke 

(Villen Hnngaria). 

Näheres durch den Prospekt. 

(19) 15 - 11 Leitender Arzt: Dr. G. Garn. 


Dr. Ertenmeyer sche Anstalten 

ftir Gemüths- n. Nervenkranke in Bendorf am Rhein. 

Für die verschiedenen Formen der t;i birn- und Nervenkiankli- besiehen 
drei besondere, von einander getrennte, selbstständige Anstalten. 

I. Heilanstalt für Gemüths- und Geisteskranke. Auch fiir Alkoholiker, 

Morphinisten und Epileptiker. Durch zwei Pavillons, die nach den 
modernsten Erfahrungen eingerichtet sind, vergrössert. — Central- 
heizung. Electr. Beleuehtnng. Dauerbäder. 

II. Wasserheilanstalt „Rheinau 4 *, Kurhaus für Nervenkranke. Bes. f. Neu¬ 

rastheniker, Bin kenmärker, Uerzkianke; ferner für Luetiker. Kranke 
in Gesellschaften der Angehörige finden hier Aufnahmen. Kohlen- 
säure-Soolbädei; Vlbrationsmassage: Bewegungs- und Uebmigsthe- 
rapie. Alle Arten von Electricität. Entziehungskuren. 

III. C'olonie „Albrechtshof-, Lamln irthsehnftliche Kescliäftignngsanstalt 

für geisteskranke, Pfleglinge. • 

An den Anstalten sind vier Aerzte thiitig. (23) 11- 6. 
Gesammtnreal der Anstalten: 1+0 Hectar --- 500 Morgen. 

Jede der drei Anstalten hat einen besonderen Proxpcd. 

Geheimer San. Rath Dr. A.Erlenmeyer. Sanitätsrath Dr.Halbey. 


Dr. Max Kunze, 

Kaiserl. Bat Med. 

ordinirt von Anfang September 
bis Ende Mai 

in Gries bei Bogen 

(Deutsch. Süd-Tirol). 

Verlag von Augnst Hfrschwald iu Berlin. 

Sooben erschien: 

Gesammelte Arbeiten 

zur Immunitätsforschung 

lierausg. von Geh.-fiat Prof Dr. P. Ehrlich. 
1904. gr. 8. Mit 12 Fig. 17 M. 

Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Luitgart Heimberger, Bac. Ocrp., 
flHH., i. 29, kb. 13. 

Frau H. A. Bogoslawskaja. Ertelefi 
Pereulok J9 16, Qu. 6. 

Schwester Oonst. Schmidt, üeTepß. ov- 
MaTßkeBCKaa yx.,x- 9, kb. 20. 

Frau Elvine Juckam, Bac .ocrp., Cp. np. 
A- JlaxaqeBa M 29, 5 -h# Kopp*xop», 
KOMHaTa Jß 229. 

0»ra CBiTaoBa, CeprieBCK., x- 17, kb. 19. 
Fran Hasenfuss, Mu. noxiaaeei. «. 14. 
kb. 16. 

Fran Tursan, CnaccKaa 21, kb. 6. 

Fran Catharine Miohelson, rarapaa- 
ck an yjiaga x. 30, kb. 17. 


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XXIX. JAHRGANG. 


ST. PITEBSBURGIB 1 " i " , Mee m “ re 

IEBICIIISOEE WOCHERSCIRIFT 


unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend. —Der AbonnementoprelB ist in Busaland 8Rbl.für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellungjin den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. DerlnBertionepreie 
für die 3mal gespaltene Zeilen in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzügeihrer Origmalartikelzugesandt. 
— Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


■V Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect Me 14. zu richten. — Kanus- 
CXipte sowie alleaufdie Redaction bezüglichen Mittheilungenbit¬ 
tet man an den geschäftsführenden RedacteurDr.Budolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


n io 


St. Petersburg, den 6. (19.) März. 


1904. 


Inhalt: Dr. Z. Blindreich: Febris gonorrhoica acutisBima. — Bücheranzeigen und Besprechungen: Biblio¬ 
graphie der gesamten wissenschaftlichen Literatur über den Alkohol und den Alkoholismns. Redigiort und herausgegeben von 
Dr. med. E. Abderhalden. — Ekgren: Taschenbuch der Massage. — Jerzabeok: Samariterbuch für die Angehörigen der 
bewaffneten Macht. — Protokolle des deutschen ftrztl. Vereins zu St. Petersburg. — Vermischtes. — Mortali¬ 
täts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Febris gonorrhoica acutissima. 

Von 

Dr. Z. Bl i n d re ich. 

(Riga). 

(Vortrag, gehalten in der Gesellschaft praktischer Aerzte zu 
Riga den 15. October 1903). 


Die Gonorrhoe ist eine typisch verlaufende Infektions¬ 
krankheit mit Inkubation, Prodromalstadium, Stadium 
incrementi und decrementi, ja, wie vorliegender Fall 
zeigt, sind auch Temperatursteigerungen sicher nachzu¬ 
weisen, wenn man es nur der Mühe wert hielte, fleissig 
die Messungen auszuführen. 

Solche Fälle von Febris gonorrhoica dürften wohl in 
der Literatur nicht vereinzelt dasteheu. Doch ist bei¬ 
folgende Krankengeschichte noch insofern von Interesse, 
dass sie uns belehrt, wie vorsichtig wir uns mit der 
Bestimmung der Diagnose im Beginne einer Infektions¬ 
krankheit zn verhalten haben. Jener Arzt ist noch gar 
nicht deswegen zu verdammen, dass er, ans Kranken¬ 
bett eines bis dahin gesunden Menschen gerufen, einen 
Typhus mit einer beginnenden Pneumonie verwechselte, 
oder wenn statt seiner anfangs diagnostizierten Menin¬ 
gitis sich eine schwere Form von Influenza entpuppte 
etc. etc., wohl ist es aber unpraktisch, die akute In¬ 
fektionskrankheit im Beginne überhaupt mit einem Na¬ 
men zn benennen. Ehe sich hierher gehörige Krank¬ 
heiten durch ihre typischen Erscheinungen manifestiert 
haben, tun wir gut, uns blos mit der Bezeichnung einer 
«akuten Infektionskrankheit» zu begnügen, ohne hier¬ 
durch unsere eigene Reputation allzusehr in starken 
Schutz zu nehmen oder das schnelle Genesen unserer 
Klienten zu beeinträchtigen. Zur Bestätigung des Ge¬ 
sagten diene folgender Fall: 

Herr S. Tb., Kaufmann, 22 Jahre alt, bis dahin stets 
gesund und gesunden Eltern entstammend, der auch nie 
an Malaria oder an einer anderen fieberhaften Krank¬ 
heit gelitten hatte, machte sich mir am 19. Februar 


vorigen Jahres wegen seiner Gonorrhoe, die er an dem¬ 
selben Tage bemerkt und selber richtig diagnostiziert 
hatte, behufs ärztlicher Behandlung vorstellig. Sofort 
mit antiseptischen Injektionen zu beginnen uni über¬ 
haupt alle sogenannten Abortivkuren mit starken Aetz- 
raitteln, mussten wir, da es sich gemäss den heftigen 
Entzündungserscheinungen um eine Erstinfektion han¬ 
delte, mit Dr. Martin Friedländer für unprak¬ 
tisch, ja für gefährlich halten. «Wir würden in diesem 
Falle nicht nur die Beschwerden des Patienten erheblich 
verstärken, sondern der Reiz des Medikamentes würde 
die Lymphangitis so verstärken, dass es mit Wahr¬ 
scheinlichkeit zur Vereiterung, zum periurethralen Abscess 
kommen würde. Denn wenn es selbst möglich wäre, 
durch die direkte Applikation eines Medikaments die 
Gonokokken auf der Oberfläche der Schleimhaot zu 
töten, so können wir doch nicht erwarten, dass unsere 
Mittel tief in die entzündeten Lymphgefässe eindringen 
und dort irgend eine nennenswerte Wirkung hervor- 
rufen können». 

In meinem Falle sah ich also zunächst von jeder 
direkten, lokalen Behandlung ab und suchte nur mit 
allen zu Gebote stehenden Mitteln das natürliche Heil¬ 
bestreben zu unterstützen. So musste er 3 Stunden pro 
Tag Umschläge mit Kompressen machen, welche in Eis¬ 
wasser gekühlt waren. Als sekretionsbeschränkendes 
und reizmilderndes Mittel verordnete ich ihm das be¬ 
währte Salosantal, 3 mal täglich 10 Tropfen auf ge- 
stossenen Zucker zu nehmeu. Nach ölägiger genauer 
Beobachtung sämmtlicher hygieinischer und diätetischer 
Massnahmen schritt ich zur direkten, lokalen Therapie. 
Als schmerzlinderndes und entziindungswidriges Mittel 
bewährte sich bei ihm Sol. Zinc. sulfocarbolic. 1.0:200,0 
sehr gut, der Ausfluss nahm nach lOtägigen Injektionen 
an Intensität immer mehr und mehr ab, ohne noch aber 
ganz zu verschwinden. Ara Morgen des 8. Ilärz war 
er noch bei mir in meiner Sprechstande, vo ich ihn 
mit der Zusicherang entliess, das? er recht bald von 
seiner ihn beunruhigenden Krankheit befreit sein würde, 
was ich umsomehr tun konnte, in Anbetracht seiner 


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streng geregelten Lebensweise und der genauen Aus¬ 
führung der ärztlichen Verordnungen. 2 Stunden darauf 
wurde ich eiligst zu dem Patienten gerufen, mit der 
Nachricht, dass Herr S. Th., von dessen Gonorrhoe die 
Umgebung nichts wusste, vergiftet sei. Bei dem Pa¬ 
tienten angelangt, konstatierte ich folgenden Befond: 

Die Temperatur beträgt 40,2°, der Puls 120; erleidet 
an starken Schüttelfrösten, die sich ca. '/«stündlich wie¬ 
derholten und von 3 Minuten Dauer waren; er wurde 
dabei so heftig gerüttelt, dass zugleich mit ihm auch 
das Bett bewegt wurde; ein starker Schweissausbruch 
des ganzen Körpers und ein Angstgefühl begleiteten die 
genannten Anfälle von Schüttelfrösten. Die anwesenden 
Laien konnten das plötzliche Erkranken des sich bis 
dabin stets gesund fühlenden S. Th., und dazu an 
so beängstigenden Symptomen, nnr den Folgen einer 
stattgehabten Vergiftung zuschreiben. Objektiv liess sich 
ausser einem unbedeutenden Rasseln in der vorderen 
rechten Brustseite nichts Abnormes nachweisen. Man 
konnte hier eine beginnende Pneumonie voraussetzen, 
doch waren auch andere schwere Krankheiten, welche 
mit Schüttelfrösten beginnen, nicht leicht von der Hand 
zu weisen. 

An dieser Stelle darf ich nicht unerwähnt lassen, 
wie wichtig es ist für uns Aerzte, in ähnlichen schwie¬ 
rigen Fällen das Goethe’sche Zitat uns ins Gedächtnis 
zurückzurufen, das da lautet: 

«Willst du immer weiter schweifen? 

Sieh, das Gute liegt so nah». 

Auch hier war es doch naheliegend, zunächst an das 
Produkt der Invasion der Gonokokken zu denken; viel¬ 
leicht schlummerten sie bis dahin, durch eine ungeeig¬ 
nete Bewegung des Patienten legten sie aber eine ver¬ 
stärkte Tätigkeit an den Tag uud riefen so Fieber und 
Schüttelfröste hervor. Vielleicht wirkte eine unge¬ 
schickt ausgeführte Injektion als auslösendes Moment 
für ein verändertes Verhalten der Gonokokken. 

In Anbetracht dieser Erwägung verordnete ich sofor¬ 
tiges Sistieren der Injektionen und innerlich erhielt er 
2stündlich 1 Pulver Salol ä 1,0; weitere Verordnungen 
wollte ich bei meinem versprochenen Abendbesuche 
um 8 Uhr treffen, in der Meinung, dass der Krankheits¬ 
verlauf irgend eiuen neuen Anhaltspunkt für die Diagnose 
bieten würde. Wie erstaunt war ich aber um 7 Uhr 
Abends, als ich meinen Patienten S. Th. in mein Sprech¬ 
zimmer eintreten sah. Ich glaubte anfangs, er sei in 
seinem Fieberwahne seiner Umgebung entlaufen. Durch 
einige vorsichtig gestellte Fragen suchte ich zuerst zu 
ermitteln, ob ich im Stande sein würde, ihn ohne Neben¬ 
hilfe wieder in sein Haus zurückzuführen. Seine tref¬ 
fenden Antworten belehrten mich aber sogleich eines 
Besseren und ich kam recht bald zur Ueberzeugung, 
dass alle diese Befürchtungen unnütz waren. Nach 
Verbrauch des vierten Salulpulvers war Patient voll¬ 
ständig fieberfrei und auch sonst normal; die Schüttel¬ 
fröste hatten schon nach dem 2. Pulver gänzlich aufge¬ 
hört. Bis 8 Uhr im Bette zu bleiben erschien ihm 
langweilig und so zog er es vor, mich zu Hause zu 
überraschen. 

Hier hatte also ein Tripperfieber rund 8 Stunden ge¬ 
dauert, auf den Verlauf der Krankheit hatte das inter¬ 
kurrente Fieber keinen Einfluss. Der Ausfluss bestand 
noch zwei Wochen, ohne dass Fieber oder Schüttelfröste 
wiederum zum Vorschein gekommen wären. 

Epikrise: Jede Krankheit erheischt die Vorsicht des 
Arztes beim Stellen der Diagnose, da von letzterer auch 
die Therapie und die Prognose abhängt. Manches Un¬ 
heil könnte verhütet werden, wenn die Aerzte den wich¬ 
tigen Grundsatz beherzigen würden, dass die Diagnose 


einer Krankheit nicht blos auf einzelne Symptome hin, 
welche meist doch so vieldeutig sind, zu stellen sei. 1 ) 

So wäre z. B. die 21jährige Frau eines Arztes nicht 
5 Monate lang auf Malaria behandelt worden, wenn man 
letztere nicht blos auf langdauerndes Fieber hin diagno¬ 
stiziert hätte; für die letzten 1 '/* Lebensmonate wurden 
an ihr, da noch andere Symptome, auch eine Geburt 
eingetreten waren, eine beträchtliche Anzahl anderer 
Krankheiten projektiert, zum Teil auch definitiv diagno¬ 
stiziert; auf dem vom zuletzt behandelnden Arzte aus¬ 
gestellten Totenscheine war als Todesursache Endokar¬ 
ditis ulcerosa zu lesen: die Sektion ergab aber eine 
Pyelonephritis, die übrigen Organe waren vollständig 
normal. 

Jeder Arzt wird wohl eine erkleckliche Anzahl von 
Fehldiagnosen aus der eigenen Praxis oder aus der 
soiner Kollegen aufzähleu können. Jedoch erscheint mir 
kein einziger Fall von solchem Interesse, wie der fol¬ 
gende, den ich hier in einigen Worten zu schildern nicht 
unterlassen kann, da er auch sehr lehrreich sein dürfte. 
Eines Nachts werde ich schleunigst zu einem 14-jäh¬ 
rigen Knaben gerufen, der an Fieber, heftigem Erbrechen 
und Schüttelfrösten plötzlich erkrankt ist. Die Eltern 
sind ausser sich vor Angst und Unruhe, weil ein älterer 
Sohn, ein 20jähriger Studierender des hiesigen Polytech¬ 
nikums vor einigen Wochen an einer Miliartuberkulose 
gestorben sei und dessen Erkrankung unter denselben 
Symptomen wie jetzt bei diesem jüngeren Sohne aufge¬ 
treten sei, ja das veränderte Aussehen, die ei¬ 
gentümliche Lage des Kranken im Bette erinnere an 
die jüngst durchgemachte Katastropho an dem älteren 
Sohne. Obwohl ich mich klüglich einer definitiv ge¬ 
stellten Diagnose enthielt, da sich objektiv nichts Ab¬ 
normes nachweisen liess, so tauchte doch heimlich in 
mir der sehnlichste Wunsch auf, dass wir doch schon 
endlich den Tag erwarten und ich eiuen Ophthalmo¬ 
logen herbeiholen könnte, der ev. in der Lage wäre, 
mittelst des Augenspiegels Tuberkel in der Cborioidea 
zu erblicken. Zu unserem Glück hatte aber am frühen 
Morgen das zunächst verordnete 01. Ricini eine gehörige 
Entleerung des Darrakanals bewirkt und damit auch 
eine vollständige Entfieberung herbeigeführt, auch von 
den übrigen Symptomen war nichts mehr zu sehen: 
die durch Obstipation gesetzte Belästigung wird von den 
Kranken, nicht seltener vom Therapeuten, in verschie¬ 
dener Weise gedeutet. — Gilt also Vorsicht, wie der 
vorletzte Fall zeigt, beim Stellen der Diagnose lang¬ 
dauernder Krankheiten, so ist unsere Vorsicht bei akut 
verlaufenden Krankheiten um so gebotener. 

M. H.! Den Vorwurf, durch meine Darlegung mich 
als Skeptiker des ärztlichen Kennens und Könnens aus- 
gegebeu zu haben, brauche ich doch wohl nicht zu 
furchten. Denn ich wollte durch meinen Vortrag einer¬ 
seits blos auf die Fieberform aufmerksam machen, 
welche ich «Febris gonorrhoica acutissima» benannt 
habe, wobei mir der Zusatz «acutissima» wegen der 
exquisit kurzen Dauer, die klinischen Erscheinungen 
abgerechnet, als die passendste Bezeichnung für dieses 
Fieber erschien. Dass es sich hier nicht um irgend 
einen septischen Prozess oder einzig um die Wirkung 
von Streptokokken gehandelt haben kann, wird wohl 
einleuchtend sein, wenn wir dieses so kurzdauernde 
Fieber — 8 Stunden und den sonst so überaus nor¬ 
malen Verlauf der Gonorrhoe in dem geschilderten 
Falle in Betracht ziehen. Auch war hier an keiue be¬ 
sondere Verletzung der entzündeten Schleimhaut zu 
denken, es wurde zu den Injektionen die denkbar zweck¬ 
mässige Spritze gewählt: eine 10 ccm. fassende, mit 
Olive aus Weichgumrai konstruierte, welche nicht durch 

*) Anmerkung des Referenteu: Dieser Fall von Pyelo-Ne- 
phritis ist nicht verlesen worden. 


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das Orificium externum hindurchgeführt, sondern nnr 
gegen dasselbe gedrückt werden konnte. Wozu sollten 
wir auch andere Kokken als Urheber des beschriebenen 
Fiebers anschuldigen, wenn das Corpns delicti, der Gono¬ 
kokkus Neisseri r so nahe liegt! — Andererseits lag es 
mir am Herzen, der notwendigen Vorsicht seitens des 
Arztes beim Stellen der Diagnose Erwähnung zu tun. 


BQcheranzeigen und Besprechungen. 

Bibliographie der gesamten wissenschaft¬ 
lichen Literatur über den Alkohol 
und den Alkoholisraus unter Mitwirkung 
zahlreicher Aerzte aller Länder mit Unterstützung 
der Kgl. Akademie der Wissenschaften in Berlin, 
redigiert und herausgegeben von Dr. med. E. Ab¬ 
derhalden (Berlin). (Verlag von Urban und Schwar¬ 
zenberg. Wien und Berlin, 1904). 

Der reiche Inhalt des 500 Seiten starken Werkes ist in zwei 
Hauptabschnitten (l Naturwissenschaftlich-Medizinischer und 
II sozialer Teil) geordnet und enthält wohl die ganze bisher 
erschienene Literatur der so wichtigen, vielleicht in nächst- 
liegender Zeit wichtigsten Frage für die Menschheit. Ausser 
der Chemie der alkoholischen Getränke sind besonders be¬ 
rücksichtigt die Physiologie und Therapie, sowie die psychi¬ 
schen Wirkungen des Alkohols. Russland ist in allen Teilen 
von Dr. med. A. Selenkoff bearbeitet worden. Die reich¬ 
haltige Bibliographie zeugt von der Grossartigkeit der bezüg¬ 
lichen Literatur und ist jedem sich für die Alkoholfrage in¬ 
teressierenden warm zu empfehlen. 

b • 

Ekgren: Taschenbuch der Massage. (Berlin. Verlag 
Karger. 1903). 

Der kurz gefasste Text ist mit einem Vorwort von Prof. 
Senator begleitet. Verf. hat in der 111. medizinischen 
Klinik zu Berlin Jahre lang massiert und legt seine Erfah¬ 
rung in diesem Büchlein nieder. Die technischen Handgriffe 
werden fiir alle : Körperregionen angegeben (Extremitäten, 
Bauchhöhle), auch die gynaekologische Massage findet Be¬ 
rücksichtigung. Die Herzmassage ist nach den modernen 
Prinzipien dargestellt. 

Lin gen. 

Jerzabeck. Samariterbuch für die Angehörigen der 
bewaffneten Macht. Militärärztliche Publikationen. 

Nr. 60. Verlag von J. Safär. Wien 1902. 

Die Absicht des Verfassers ist es, der von Prof, von Es- 
murcii ins Leben gerufenen Samariterbewegung auch in der 
Armee mehr Eingang zu verschaffen, da die Angehörigen der¬ 
selben, im Frieden wie im Kriege, leichter Unglücksfällen 
und Verletzungen ansgesetzt sind, als die Zivilbevölkerung 
und die medizinische Hülfe oft nicht zur Stelle ist. Das Buch 
enthält eiue gemeinverständliche Darstellung des mensch¬ 
lichen Organismus und aller möglichen Hülfeleistnngen, wie 
sie bei der Krankenpflege, Verletzungen, Hitzschlägen, Er¬ 
stickung (Ertrinken), Vergiftungen etc. in Betracht kommen 
können und entspricht vollkommen seinem Zwecke. 

W. Schiele. 


Protokolle 

des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. 

1321. Sitzung am 22. S e p t e m be r 1903. 

1. Dr. Hoe rsc helmann stellt dem Verein einen 9jäh- 
rigen Knaben vor and teilt t'olgeude Krankengeschichte mit c 
Pat. wurde im 7. Monat geboren, von der Mutter gestillt; 
gedieh gut. Im 5. Jahr machte er Morbiden durch, sonst 
ist er stets gesund gewesen bis zur jetzigen Erkrankung im 
Angnst 1902, die mit Schütteirrost, Fieber nud Husten ein¬ 
setzte. Nach c. 8 Tagen trat Besserung ein, Pat. erholte 
sich scheinbar ganz; aber nach 2 Monaten wurde er matt, 
verlor den Appetit, magerte ab und klagte Uber Atembe¬ 
schwerden und geringen Husten. Am 24. Januar dieses 
Jahres wurde er ins Nikolai-Kinderhospital anfgenommen. 


am 31- ins Peter-Panl-Hospital ühergeführt. Hier wie dort 
wnrde eine typische Pleuritis exsudativa dextra konstatiert- 
2 Schwestern (8 und 4 Jahr) sind gesnnd, ebenso der Vater; 
die Matter schwächlich, klagt hänfig Uber Brustschmerzen, 
ohne Husten. 

Unter beständigem leichten Fieber hielten sich die krank¬ 
haften Erscheinungen von Seiten der rechteu Pleurahöhle 
ziemlich unverändert bis zom 10. Febr., nnn stieg die Temp. 
an und hielt sich c. 14 Tage auf einer Höhe von 38,0—39,5*. 
Bei ziemlich gleich bleibenden pleur. Exsudat sind ira Kran¬ 
kenbogen am 19. und 24. Febr. in der Gegend der 5. und 
6. rechten Rippe Reibegeräusche notiert; von Seiten des Her¬ 
zens weder subjektiv noch objektiv besondere Erscheinungen, 
Herzgrenzeu und Töne normal- Am 30. März wieder Tempe¬ 
ra tnrSteigerung, Klagen über Schmerzen in der Brust, mehr 
links. Herztöne dnmpf, leichte Geräusche, Puls zeitweise 
arhytmisch. Herzgrenzen noch normal. Leichte Oedeme an 
den Füssen. Am 17. April Herzgrenzen vergrössort, am 21. wei¬ 
tere VergröSBerung der schon vergrösserteu Leber, die auch 
druckempfindlich ist. Während in den nächsten Tagen die 
Herztöne wieder rein werden, tritt deutliches perikarditisches 
Reiben auf iu der Gegend der Artikulation zwischen 3. 
rechter Rippe und Sternum. So wurde Pat. Anfang Mai ent¬ 
lassen und brachte die Zeit bis zum 6. Sept. auf dem Lande 
zu, um dann wieder im Nikolai-Kinderhospital Aufnahme 
zu finden. Status praesens am 6. Sept.: Knabe von 
guter Körperkonstitution, Ernährung mässig. Haut trocken, 
an Unterschenkeln und Füssen stark livid, ebenso Lippen- 
Schleimhaut. Die unteren Extremitäten, Scrotum und Penis 
sowie die untere Partie des Rumpfes mässig ödematös ge¬ 
schwellt. Die unteren rechten Interkostalräume verstrichen, 
VOR die Brustpartie abgeflacht. Rechts schwache Atera- 
exkursionen. Perkussionsschall RHO bis zur Mitte der sca- 
pnla verkürzt, von da abwärts vollständig gedämpft, beider 
Auscultation entsprechend oben bronchiales, unten sehr abge¬ 
schwächtes Atranngsgeränsch.. Stimm- und Pektoralfremitus 
oben verstärkt, unten kaum vorhandeu. EtVO bis zur 3. 
Rippe gedämpft tympanitiscb, weiter abwärts absolut ge¬ 
dämpft. Oben rauhes Atmen mit verlängertem Exspirium, 
nach abwärts bronch. Atmen und kleinblasiges Rasseln. 
Ueber der linken Lunge normaler Perknssionsschall, rauhes 
Atmeu- Während der linke vordeie Lungenrand beweglich 
ist, ist der rechte ganz unbeweglich. Keine Dyspnoe. 

Präkordialgegend leicht hervorgewölbt, keine Erschütterung 
derselben zu sehen, ebenso weder üerzchoc noch Einziehung 
der Interkostalräume; mit flach aufgelegter Hand leichte 
Pulsation zu fühlen. Grenzen der Herzdämpfung: Oben 
2. Rippe, links vom Ausatz der 2. Rippe an den Knorpel bis 
l 1 /* Otm. ausserhalb der mamilla, rechts von der 2. Articu- 
latio costosternalis bis etwa zur mamilla; nach unten geht 
die Herzdämpfnng in die Leberdämpfung über. Herztöne 
dumpf, rein, 2. Pulmonaltion leicht accentnirt Puls sehr 
schwach, jedoch regelmässig. Unterleib sehr aufgetrieben, 
Haut gespannt, glänzend; Umtang iu Nabelhöhe 75 Ctm. 
Deutliche Fluktuation, Dämpfung beginnt c. I Handbreit 
über dem Nabel. Untere Lebergrenze nur annähernd zn be¬ 
stimmen, c. 2—3 Fingerbreit unter dem Rippenrand. Stuhl 
gut, Zunge nicht belegt. Temp. 37,1. Herzdämpfung in den 
verschiedensten Körperlagen unverändert. An dem Hals 
weder plötzliches An- noch Abschwellen zu konstatieren. Die 
Diagnose lautete •' Pleuritis adhaesiva dextra, Symphysia 

e r i c a r d i i et Ascites, alles vermutlich auf tuberkulöser 

asis. Für die äymphysis pericardii sprachen haupt¬ 
sächlich : 1) die Vergrössernng der Herzdämpfang, die in ver¬ 
schiedenen Stellungen des Pat. unveränderlich ist, 2) die ab¬ 
geschwächten reinen Herztöne, 3) das Fehlen des Herzchoc, 
4) die Inkongruenz der subjektiven und der objektiven Er¬ 
scheinungen von Seiten des Herzens. 

2. Im Anschluss au die Vorstellung dieses Patienten de¬ 
monstrierte Ref. das Herz eines 9jährigen Mädchens. Es 
handelte sich um eine Endo-Perikarditis rheuma¬ 
tischen Ursprungs mit vollständiger Symphysis peri¬ 
cardii, welch letztere Diagnose im Leben gestellt war 
(Dr. Wj a s c h e n s k i). Das Herz mit dem Perikardinm 
(cor bovinuni) wog 650 grm. (das Herz eines erwachsenen 
Mannes wiegt c. 800 grm.). Neben der kompleten Ver¬ 
wachsung der beiden Perikardialblätter zeigt sich hochgradige 
Dilatation aller Herzhöhlen, massige Hypertrophie der Vpn- 
trikularwände, Schrumpfung und Verdickung der Mitral¬ 
klappen, sklerotische Verdickung des ganzen Endokardiums 
des linken Vorhofs, parenchymatöse Degeneration des E^erfc- 
muakels. ... 

(Autoreferat). 

Diskussion: 

Kernig. Ans dem Untersuchungsbefunde kann nicht mit 
Sicherheit auf eine bestehende Verwachsang des Herzbeutels 
mit dem Herzmuskel geschlossen werden. 

Hörschelmanu: Rechts besteht ohne Frage eine Ver¬ 
wachsung der Plenra und da eipe Perikarditis nachweislich 


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voransgegangen, tat eine Verwachsang aach des Perikardes 
kann anzazweifeln. 

Kernig: Eine palsatoriscbe Einziehung der vorderen 
Brnstwand resp. der Stelle des Spitzenstosses findet nicht 
statt, desgleichen fehlt anch das Phaenomen des pnlsas para- 
doxns. Ich glaube, dass (las Hanptleiden in der Bauchhöhle 
zu suchen sein wird d. h., dass es sich um einen lokalen 
Ascites, höchstwahrscheinlich tuberkulöser Natur handelt. 

Schmitz: Anf den ersten Blick macht es wohl den Ein¬ 
druck, dass im demonstrierten Falle eine tuberkulöse Peritonitis 
vorliegt; dafür würde auch die Temperaturkurve mit den be¬ 
sonders in letzter Zeit so bedeutenden Schwankungen zwi¬ 
schen niedrigen Morgen- und subfebrilen Abeudtemperaturen 
sprechen. 

H5rschelman n : Bei der Symphysis der Autoren d. h. 
der totalen Obliteration brauchen die von Kernig erwähnten 
Symptome nicht immer vorhanden zu sein. Durch Heranf- 
drängen des Herzens können jedenfalls die in Bede stehenden 
Erscheinungen nicht erklärt werden. Welchen Ursprunges 
der Prozess ist, dürfte schwer zu entscheiden sein; ich habe 
die Frage einer tuberkulösen Provenienz noch offen gelassen. 

Kernig: Der Aszites lässt sich meiner Meinnng nach 
nicht durch die Vorgänge am Herzen allein erklären. Jeden¬ 
falls steht der Aszites in keinem Verhältnis zu den übrigen 
hydropischen Erscheinungen. 

2. U c k e: Ich möchte mir eine Frage das demonstrierte 
Praeparat betreffend erlauben. Wie war der übrige anato¬ 
mische Befund? Waren irgeod welche Infarkte etc. vor¬ 
handen ? — Erscheinungen welche auf eine Verschleppung 
dnrcb die Blntbahn hingewiesen hätten. An dem Praeparate 
kann Ich jetzt keine Anzeichen einer Endokarditis finden. 

Hörschelmann: Wie deuten Sie denn die Verände¬ 
rungen am Endokard, besonders demjenigen des linken Vor¬ 
hofes, wie Verdickung, Trübung u. s. w. 

Kernig: Ich glaube auch aus den demonstrierten Be¬ 
funden schliessen zu müssen, dass eine chronische Endokar¬ 
ditis Vorgelegen hat. 

U c k e: Es ist noch eine Frage ob wir die vorhandene 
Verdickung ant entzündliche infektiöse Prozesse znrückzu- 
führen haben; dieselbe kann auch durch andere Momente 
z. B. chronische Stannngszustände hervorgerufen sein nnd 
etwa den arteriosklerotischen Veränderungen in der Aorta 
leichgestellt werden. Hinweise eines bakteriellen Ursprunges 
er Veränderungen finde ich nicht. 

Kernig: Ob derartige Veränderungen bakteriellen Ur¬ 
sprunges sind oder nicht ist schon eine andere, an und für 
sich höchst interessante Frage. Tatsache ist, dass eine we¬ 
sentliche Verdickung des Endokards vorhanden ist, welche 
doch wohl denselben Ursprong wie die Perikarditis gehabt hat. 

Franken liäuser: Eine bedeutende Verdickung des 
Endokards liegt tatsächlich vor — mithin Veränderungen welche 
wir wohl nicht anders als mit dem Namen einer chronischen 
Endokarditis werden bezeichnen können. 

Kernig: Zu beachten wäre ferner, dass eine rheuma¬ 
tische Endokarditis durchaus nicht immer anfänglich ulcerös 
zu sein braucht, sondern von Hause aus bindegewebiger 
Natur sein kann. 

Hörschelmann: Im Sektionsprotokoll ist ausdrücklich 
hervorgehoben, dass auf den Klappen verncöse Auflagerungen 
nachweisbar waren. 

U c k e: Ein derartiger Sektionsbefund dürfte allerdings 
für dieselbe Aetiologie sowohl der Peri- als auch der Endo¬ 
karditis sprechen. 

Direktor: Dr. W. K e r n i g. 

Sekretär: D o b b e r t. 


Vermischtes. 


— Ara 27. Februar hatte die Ehre, sich Seiner Kaiser¬ 
lichen Majestät vorzustellen: Der bekannte Gy¬ 
näkolog Professor Dr. Martin, welcher als Bepräsentant 
der Universität Greifswald bei der Jahrhundertfeier des St. 
Petersbuger Kaiserlichen klinischen Hebammeninslituts einige 
Tage hier weilte. 

— Am 1. März vollendeten sich 40 Jahre der ärzt¬ 
lichen Tätigkeit des Ober-Militär-Medizinalinspektors 
Geheimrats Dr. Wl. Speranski. 

— Wie wir in Berliner Blättern lesen, ist Prof. Dr. E. 
v. Bergmann (Berlin) nach Valladolid gereist, um an 
einem vornehmen Spanier eine Operation vorzunehmen. 

— Der Professor der militär-medizinischen Akademie Dr. 
S. B o t k i n (Therapeut) ist zum Leiter des Medizinalwesens 
in der Ussuri-Armee im fernen Osten ernannt worden. 

— Mit der Ausübung der Funktionen des estländischen 
Gouvernements-Medizinalinspektors ist an Stelle Dr. Ko- 


sch eie ws, welcher ins Grodnosche Gouvernement ilberge- 
führt ist, sein bisheriger Gehülfe Dr. Orshewski betraut 
worden, der wiederum vom Bevalschen Stadtarzt Dr. Lo • 
s i n s k i vertreten wird. 

— In der Generalversammlung der St. Petersburger 
medizinischen Gesellschaft sind der Präsident 
Prof. Dr. Stange nnd der Kassirer Dr. P. Dobradin 
wiedergewählt und der Vizepräsident Dr. Bretzel, sowie 
der Sekretär Dr. Brei tm an neugewählt worden. 

— Der ausseretatmässige jüngere Ordinator des Kiewschen 
Militärhospitals. Prof, einer, wirkl. Staatsrat Dr. Born- 
hanpt, ist auf sein Gesuch der erstgenannten Stellung 
enthoben worden. 

— Die Wahl des Dr. H Mey zum Oberarzt des 
Libauscben Stadtkrankenhauses ist vorn kuHün¬ 
dischen Gouverneur nicht bestätigt worden. In Folge 
dessen ist das Libausche Stadtamt zum vierten Mal zur Wahl 
des Oberarztes geschritten, ans welcher Dr. Kelterborn, 
der dieses Amt bereits provisorisch versieht, als Kandidat 
hervorging. 

— Vor Kurzem beging der berühmte Ophthalmolog Prot. 
Dr. S n e 11 e n in Utrecht seinen 70. Geburtstag. 

— Der Direktor des von Kaiser Alexander III. gegrün¬ 
deten Hauses zur Verpflegung von Geisteskranken (in üdel- 
naja bei St. Petersburg), Ehrenleibraedikus des Hofes Sr. 
Kais. Majestät Dr. Alexander T i m o f e j e w , ist für 
Auszeichnung im Dienste zum wirklichen Staatsrat 
befördert worden. Zugleich sind den Aerzten des obenge¬ 
nannten Hauses Orden verliehen worden, und zwar 
dem Dr. M. Wosskressenski — der St. Annen- 
Orden II. Klasse, dem l)r. St. P e t r o w — derselbe 
Orden III. Klasse und dem Dr. J. Tolotschinow — der 
St. Stanislaus-Orden II. Klasse. 

— Als Belohnung des Heldenmuts, den der Kreuzer «War- 
jag» und das Hochseekanonenboot «Korejetz» im Kampfe bei 
Cbemulpo am 27. Januar mit einem an Stärke und Zahl 
bedeutend überlegenen Feinde bewiesen haben, gernhte S. 
Majestät der Kaiser zu verleihen: dem älteren Arzt 
Chrabrostin und dem jüngeren Arzt ßanschtschi- 
kow vom «Warjag» — den St. Georgs-Orden 
IV. Klasse mit Schwertern, sowie dem jüngeren 
Arzt Merkusch ew vom «Korejetz» — den St. S t a n i s - 
laus-Orden III. Klasse mit Schwertern. 

— Die medizinische Gesellschaft in Leipzig, 
welche vor Kurzem das J ubiläuro ihres 75jährigen 
Bestehen 8 beging,* hat ans diesem Anlass folgende Ge¬ 
lehrte zu Ehrenmitgliedern ernannt: die Professoren 
v. Behring (Marburg), Erb (Heidelberg), E n g e 1 m a n 
(Berlin), Fiedler (Dresden), H e 1 f e r i c h (Kiel), Bobert 
Koch (Berlin), Kocher (Bern), v. K o e 11 i k e r (Würzburg), 
v. Strümpell (Breslau), v. W j n c k e 1 (München). 

(A. m. C.-Ztg ). 

— Verstorben: l) Am 26. Februar zu Moskau der 
Oberarzt des dortigen Evangelischen Hospitals und Privat- 
dozent der Moskauer Universität, wirkl. Staatsrat Dr. Max 
v. Strauch, im 48. Lebeusiahre. In Biga geboren und er¬ 
zogen, bezog der Hingeschiedene im Jahre 1876 die Dorpater 
Universität, an welcher er bis 1881 Medizin studierte. Nach 
Erlangung der Doktorwürde war St. anfangs Landarzt zu 
Alt-Pebalg (in Livland), siedelte aber bereits 1882 nach Mos¬ 
kau über, wo er sich als praktischer Arzt niederliess nnd 
bis 1887 anch als Ordinator an der Entbindungsanstalt des 
Moskauer Findelhauses fungirte. Vor ca. 5 Jahren habilitirte 
er sich als Privatdozent für Geburtshülfe und Gynäkologie 
an der Moskauer Universität nnd leitete nebenbei seine eigene 
PrivatkÜDik für Frauenkrankheiten. Der Verstorbene genoss 
den Bnf eines tüchtigen Gynäkologen und erfreute sich daher 
einer ausgebreiteten Praxis. Wie sehr seine Tüchtigkeit und 
sein Wert als Mensch und als Arzt speziell auch in deut¬ 
schen Kreisen geschätzt wnrde, beweist der Umstand, dass 
er nach dem plötzlichen Tode des allgemein geachteten Di¬ 
rektors des Evangelischen Hospitals Dr. P y c h 1 a n zu seinem 
Nachfolger im verflossenen Jahre gewählt wurde. Leider war 
es ihm aber nicht vergönnt, an dem Neubau nnd der Ein¬ 
richtung desselben weiter mitzuwirken, da der Tod ihn im 
besten Mannesalter abrief. 2) in Jalta einer der ältestea 
Aerzte dieses Kurorts Dr. WJ. Draitrijew im 65. Lebens¬ 
jahre. Der Verstorbene, welcher über 43 Jahre als Arzt tätig 
gewesen ist, hat sich grosse Verdienste um den Kurort Jalta 
erworben, für welchen er auch vielfach in Wort nnd Schrift 
gewirkt hat. Wir erinnern hier nur an seine Anleitung für 
Kranke und Aerzte «Die Traubenkur in Jalta», welche bereits 
1878 erschien, und seine kleine Broschüre über «Kefyr». 
3) In Odessa der Ordinator am Stadtkrankeuhanse Dr. Peter 
Baku sa im Alter von 57 Jahren nach 34jährigen ärzlicher 
Tätigkeit. 4) In Orjechow (Tanrien) der dortige freiprakti¬ 
zierende Arzt Joseph Scktscbedrowitsch im 30. Le¬ 
bensjahre am Herzschlage. Obschon der Hiugegangeoe erst 
seit wenigen Jahren dort als Arzt tätig war. so batte er sich 


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doch dfe Liebe nicht allein der Bevölkerung der Stadt, son¬ 
dern auch der umliegenden Dörfer und Ansiedelungen er¬ 
worben. 

— Am 9. März n. St. vollendeten sich 25 Jahre, seit der 
Berliner Prof. Dr. Max Nitze in der Gesellschaft der Aerzte 
in Wien das von ihm erfundene Oystoskop demonstrierte, 
welches den Grund zu einer neuen Aera für die Pathologie 
und Therapie der Harnkrankheiten gelegt hat. Zur Erinne¬ 
rung an diese wichtige Erfindung wurde dem Reformator der 
Urologie von zahlreichen Fachgenossen ein Album mit den 
Photographien und eine kunstvoll ausgestattete Adresse 
Überreicht. 

— Feldlazarete und Sanitätskolonnen für 
den Fernen Osten. Das ärztliche Personal des 
livländischen Feldlazarets wird aus folgenden 
Herren bestehen: dem Oberarzt Dr. W. y. 0 e t 11 n g e n, 
üen Chirurgen Dr. W alter und Dr. H. v. H a f f n e r, 
■sowie den Aerzten für innere Krankheiten Dr. W. Vier¬ 
haff und Dr. Baron Uugern-Sternberg. Der 
ustländischo Sanitätstrain steht unter der 
Oberleitung des Dr. v. B r a c k e 1 aus Liban und als Aerzte 
werden fungieren Dr. L o c k e n b e r g, Dr. Stendel* 
(Libau) und ein vor dem Rigorostun stehender Student der 
mil.-med. Akademie v. D e h n. — Als Aerzte für die 
kurläadische Sanitätskolonne sind die 
DDr. Katlerfeldt und A. Hildebrand in Aussicht 

f enommen. — Ausserdem wird in Riga eine berittene 
anilätskolonne von dem Stallmeister des Aller¬ 
höchsten Hofes P. W. Rodzjanko ausgerüstet. Diese 
Kolonne, an deren Spitze Rodzjanko selbst stehen wird 
ist, wie die «Düna-Ztg.» erfährt, dazu bestimmt, die Verwun¬ 
deten vom Schlachtfelde zu holen, um ihnen die erste ärztli¬ 
che Hülfe zu leisten, und wird zu diesem Behnfe über 50 
Pferde verfügen, die zusammenlegbare Zelte, BetteD, Möbel 
etc. mit sich führen. Das Personal besteht aus 3 Aerzten, 4 
Feldschern, 50 berittenen und 8 Sanitären zu Fuss. Zum 
Oberarzt dieser Kolonne ist Dr. W. Halle 
(Riga) uud zu Aerzten sind die DDr. H. L i e v e n (Riga), 
A. Krttger (Tuckum) gewählt. Mit dem Ankauf der chi¬ 
rurgischen Instrumente in Berlin uud Stockholm ist Dr. R. 
Siegmund (Riga) beauftragt worden. Die Ausrüstung 
der Kolonne ist auf 50,000 Rb). and deren Unterhalt im Mo¬ 
nat auf 7000 Rbl. berechnet. Diese kolossalen Kosten tragen 
allein Herr Rodzjanko und seine Gemahlin geb. 
Stroganowa. 

— ln der vorigen Woche ist Dr. R i c b a r d Butz, Or- 
dinator der Chirurg. Abteilung des hiesigen Marien-Magda- 
lenen-Hospitals, auf den Kriegsschauplatz abgereist, wo er 
alsOberarzteines Hospitals des «Roten 
Kreuzes» fungieren wird. 

— Der Privatdozent der Universität Jurjew (Dorpat) Dr. 
R. Böninghausen-Budberg hat, wie die «Nord- 
livl. Ztg.) berichtet, seitens des «Roten Kreuzes» den ehren¬ 
vollen Auftrag erhalten, im Vereine mit dom Zivilingenieur 
Kochendorfer 15 schwimmende Lazarete 
««f Barken einzurichten, welche sofort nach Eröffnung 
der Navigation auf dem Amur und dem Ssungari in Funktion 
treten sollen. 

— Offenbar in Veranlassung der auch von uns reproduzier¬ 
ten Bekanntmachung, dass der für das Wilnasche Lazaret des 
«Roten Kreuzes» gesuchte Oberarzt orthodoxer 
Konfession sein müsse, bringt der «Regierungs- 
Anzeiger» folgende Mitteilung: «Hinsichtlich der Konfession 
ües Oberarztes eines Lazarets oder einer anderen Institution 
des «Roten Kreuzes» stellten einige Blätter die Behauptung 
auf, dass der Oberarzt unbedingt orthodoxen Bekenntnisses 
sein müsste, während die Assistenzärzte auch anderen christ¬ 
lichen Bekenntnissen angehören dürfen. Dem gegenüber 
macht die Exekutivkommission des «Roten Kreuzes» bekannt, 
dass die Behauptungen der Blätter absolut unbegründet Bind 
und dem Geiste und den Statuten des Roten Kreuzes direkt 
znwiderlaufen. Unter dem oberen und niederen ärztlichen 
Personal des Roten Kreuzes befinden sich uicht nur Personen 
der verschiedenen christlichen und nichtchristlichen Bekennt¬ 
nisse, sondern auch ganze Lazarete, wie z. B- das Evange¬ 
lische Feldlazaret, das Finländische Lezaret, das War¬ 
schauer römisch-katholische Lazaret, die unter der Flage des 
Roten Kreuzes von Nichtorthodoxen ausgerüstet werden. 

— Das Kaiserliche St. Petersburger klini¬ 
sche Hebammeninstitnt beging am 24. Februar in 
Allerhöchster Gegenwart das 100 j ä h r i g e Ju¬ 
biläum seines Bestehens und zugleich die Einwei¬ 
hung seines neuen Heims aut Wassili-Ostrow. Nach 
Verlesung eines Allerhöchsten Gnadenbriefs auf den Namen 
des Instituts, gab der Direktor Leibakkoucbeur Prof. Dr. 
■Ott einen kurzen Ueberblick über die Geschichte des Insti¬ 
tuts. Der Neubau, welcher mit der Einrichtung 37* Millionen 
Rbl. gekostet hat, ist für 190 Kranke (darunter 50 zahlende) 
berechnet und entspricht allen neuesteu wissenschaftlichen 


Anforderungen. Ausser den Krankenzimmern, hat das Iti- 
stitut einen Operationssaal, zwei Auditoren für je 200 Zuhö¬ 
rerinnen ein Bibliothekziramer, einen Aktnssaal und Woh¬ 
nungen für die Angestellten. Sogar eine grosse Orgel ist 
vorhanden, die zur EiuWirkung auf den Gemütszustand der 
Kranken dienen soll. Bf. 

— DieGesamiutzahl der Kranken in den Civil- 
hospit. älern St. Petersburgs betrag am 14. Febr. 
d. h. 9498 (184 mehr als in d. Vorw.), darunter 486 Typhus — 
(3 wen.), 990 Syphilis — (30 mehr), 261 Scharlach — (0 mehr). 
99 Diphtherie — (3 wen.), 121 Masern — (2 wen.) und 40 
Pockenkranke — (6 mehr als in der Vorw.). 

Am 21. Febr. d. J. betrug die Zahl der Kranken 9560 (62 mehr 
als in der Vorwoche.), darunter 484 Typhus — (2 wen.), 1004 
Syphilis — (14 mehr), 242 Scharlach — (19 wen.), 105 Diph¬ 
therie — (6 mehr), 122 Masern — (1 mehr) und 50 Pockenkranke 
(10 mehr als in der Vorw.) 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 8. bis zum 14. Februar 1904. 

Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


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417 317 734 123 55 150 18 14 24 65 59 70 50 39 47 14 0 


Im Ganzen: 


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2) uach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 18, Febris reenrrens 1,Typhus 
ohneBestimmungderFormO,Pocken 4, Masern 15,Scharlach 10, 
Diphtherie 18, Croup 0, Keuchhusten 9. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 40, Erysipelas 2, Grippe 5, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 78, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie and 
Septicaemie 13, Tuberkulose der Lungen 107, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 31, Alkoholismus und Delirium tremens 7, Le¬ 
bensschwäche und Atrophia infantum 52, Marasmus senilis 31, 
Krankheiten des Verdauungskanals 52, Todtgeborene 44. 


Für die Woche vom 15. bis zum 21. Februar 1904. 
Zahl der Sterbefälle: 




1) 

nach Geschlecht 

und Alter: 





Im Ganzen: 

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61 

65 

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20 

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2) nach den Todesursachen. 

Typh. exanth. 0, Typh. abd. 10, Febris recurrens 2, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 1, Masern 16,Scharlach 11. 
Diphtherie 6, Croup 0, Keuchhusten 5. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 34, Erysipelas 4, Grippe 11, Katarrhalische Lnn- 

S inentztinduog 88, Ruhr 2, Epidemische Meningitis 0, Acuter 
elenkrheumatisraus 0, Parotitis epidemica O.RotzkrankheitO. 
Anthrax 0, Hydrophobie 1, Puerperalfieber 1, Pyämie und 
Septicaemie 4, Tnberculose der Lungen 101, Tuberculose an¬ 
derer Organe 21, Alkoholismus und Delirium tremens 3. Le- 
benssohwäche und Atrophia infantum 52. Marasmus senilis 25, 
Krankheiten dt r Verdauungsorgane 60. Todtgeborene 40. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 16. März 1904. 

Tagesordnung: Hellat: Zur Diagnose und Therapie 

der Nasenlues. 


NäehsteSitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 8. März 1904. 


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St. Petersburg, Nevsky-Pr. l4,sowie in allen in-ond ansländ. Annoncen-Coraptoiren angenommen. 


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12. Juli 1892. 

Akademie der Wissenschaften 
1. April 1893 und 3. Jali 1899. 


Erprobt: bei gewöhnlicher Verstopfung, Leberleiden, als 
antiseptisches Mittel für die Verdauungsorgane; bei Atonie des 
Verdauungskanals, Verstopfung bei Schwangeren und mit der 
Brust Stillenden, und gegen Gallenstein. 

Gewöhnliche Dosis in Pillen: 2 Pillen nach dem Essen 
oder zur Nacht vor dem Schlafengehen. 

Haupt-Depot: 62, rue de la Tour, (16) Paris. 

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Hane d. Finnischen Kirche 6— 8,Q. 19. TeaelHOHeaott 71. a. 4, kb. 11. 

Sophie Naftbal. Bac. octd. TyrooBi nep. Frau Qülaen, W.O.,17 Linie, Haus JÄ16, 
7, kb. 5. Qu. 18. 


Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Luitgart Heimberger, Bac. OcTp., 
J 1 HH., X* 29 , KB. 13 . 

Fran L. A. Bogoslawskaja, Erteleff 
Pereulok JÄ 16, Qn. 6. 

Schwester Oonst. Schmidt, IleTepö. ct. 

MaTBkeBCKaa yx., a- 9, kb. 20. 

Fran Elvine Juckam, Bac .ocTp., Cp. np. 
Ä- JlnxaueBa JA 29 , 5 -hö Koppixopi, 
KOMHaTa Jvl 229 . 

O »ra OBtTKona, CepriencK., 1 .17 j kb. 19. 
Fran H&aenfusa, Maa. Iloaianeea. a-14 r 
ib. 15. 


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Sirolin 

„Roehe“ 


wohlriechender, 
angenehm 
schmeckender 
8yrup, idealste 
Form der Kreo¬ 
sot-Therapie. 


Su/fos 
syrup 
„Roehe“ 


entgiftetes 
Kreosot in Syrup- 
form, eignet sich 
speziell für Armen- 
und Katsenpraxii. 


Profylin 

„Roehe“ 


haltbares Phosphor- 
ciweiss. Wirksamer 
als die bisherigen 
organischen 
und anorganischen 
Phosphor- u. Phos¬ 
phors äu re p rkpa rate 



ist ein Guajacolderivat, welches den ersten Platz 
in der Kreosot-Therapie einnimmt, dessen anti¬ 
tuberkulöse Wirkung im Laboratorium des Prof- 
Tavel in Bern experimentell festgestellt wurde 
und dessen therapeutischer Wert durch tau¬ 
sendfache klinische Beobachtung erhärtet ist. 


\Gegenüber allen anderen Kreosot-, bezw. Gnajacol- 

_1 präparaten besitzt das Thiocol die Vortheile völliger 

Löslichkeit im Wasser, absoluter Geruchlosigkeit, gänzlicher Reizlosig¬ 
keit für Schleimhäute, und grosser Resorbierbarkeit. 

Indikationen Lungen- und Kehlkopftnberkulose, namentlich 

_L_ im Initialstadium, chronische Bronchitiden, 

chirnrg. Tnberknlose (der Knochen, Drüsen etc.). Besondere Erwähnung 
verdient die Aowendung des Thiocols als Antidiarrhoicmn, insbesondere 
bei chronischen Diarrhoen. 

Anwendnngsweise. lI 

sung mit einem Symp als Deschmackscorrigens. Besonders geeignete An¬ 
wendungsweise sind Thiocoltabletten ä 0 , 5 . Bei Diarrhoen 3 Mal täglich 
0,5, am besten in Tabletten. 

Alleinige Fabrikanten: 

F. Hoffmann-LaRoche & Co. FaW Cta.-pharm. ProdUCte 

Basel (Schweiz) 5K Grenzach (Baden). 

(14) 10-6. 


Jtirol 

.Roehe“ 


bester, geruch¬ 
loser Jodo- 
formersatz. 


dfsferof 

„Roehe“ 


wasserlösliches 
Hg.-Prftparat, 
fällt nicht 
Elwolss, reizt 
nicht, greift 
Instrumente 
nicht an. 


Thigenol 

„Roehe“ 


synthetisches 
SchwefelprKparat 
mit IO“/, org. 
gebund . Sen wef el. 
Geruchloser 
Iehthyolersatz. 


P FRTIK^IN Extract. Thymi 
^ ** » U O O I 1 1 saccharat. laeschner. 

ges. gesch. Einfuhr von der russ. Behörde gestattet. 
Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronehialkatarrh. 

Literatur in hervorrag. Blättern Deutschlands u. Oesterreich-Ungarns. 
Aerztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertussin“ war eine überraschende; wenngleich ich 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden diu Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blauwerden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertussin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als atbmete ich die freie herrliche Luft auf einem Alpen-Giptel. Diese Leicht- 
athmigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkatarrbe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Neuhausen): 

Mein Urtheil geht dahin, dass das Pertussin ein Mittel ist, das in kür¬ 
zester Zeit den mit Recht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
und faBt unmerkbaren Bronehialkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 
Dr. Erich R. von Matzner (Btrkfcld, Steiemi.): 

Die drei mit Pertussin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ansgezeichneter Wirknngjder starke Hustenreiz nahm in wenigen Stunden bereits 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Temperatur fiel ab. 

Verkanf nur durch aie Apotheken, sowie durch folgende Engros-Depöts: 

H. Bierstflmpfel, Apotheker, Warschau, MarszalkowBka 136. Ad. Marcin- 
c>lk, Apotheker, Kiew. Pani Seebode, Apotheker, Riga, Kalkstr. 26. 
B. Schaskolsky, Petersburg, Carl Ferrein, Moskau. 

Hergestellt in der Kommandanten-Apotheke E. Taeschner, Berlin C. 19, 
SeydelStrasse 16. (8) 26—25. 


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Nebennieren. Entdeckt im Jahre 1900 durch Dr. J. Ta¬ 
kamine. Therapeulisch findet Adrenalin Verwendung 
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bung der Herztätigkeit. Bei kleinen chirurgischen Ein¬ 
griffen verhindert es die Blutung. 


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vorragendem Erfolge angewandt bei Behandlung 
der Gonorrhoe, Cholera, Dysenterie, septischen 
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lichen Geschlechts eingerichtet. Nähere Anfragen sind an den Unter¬ 
zeichneten Chefarzt zu richten. 



Dr. S t e i n 8 r t, Nervenarzt. 


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Äobb. ^5 JtfjpTa 1904 r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Buchdruckereiv. A. Wienecke, Katharinenho'er Pr.J$15, 


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xxix. Jahrgang. fiT PFiTEB SBTTB (tEB Neue XXI Jahr ^ 

HEDICIIISCHE WOCEENSCHHIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger MedicinischeWoehenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreis ist in Eussland.8 Rbl. für das 
Jahr. 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
Ländern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
fürdie 3mal gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikelzugesandt. 
— Referate werden nach dem Satzevon 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


V Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect .Ns 14. zu richten. — Mantis- 
cripte sowie alleaufdie Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden Redacteur Dr.Budolf Wa¬ 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Pcter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag.Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 


N 11 


St. Petersburg, den 13. (26.) März. 


1904; 


Inhalt: Dr. A. v. Bergmann: Die Resultate der Bassinioperation. — Referate: Gary: Ueber die Kontagiosität 
und die Behandlung der Alopecia areata. — Richter: Die Zahnpflege in der Armee. — Zablndowsky: Rörperübnngen in 
Krankheiten. — Gallez: Traumatisches Oedem des Hand- und Fussröckens. — Bticheranzeigen und Besprechungen: 
Cron: Studie über den Gefechtssanitätsdienst im Rahmen eines Korps. — Roth’s Jahresberichte über die Leistungen und 
Fortschritte auf dem Gebiete der Militär-Sanitätswesen. — R. Koch: Die Bekämpfung des Typhus. — Momburg: Ueber 
penetrirende Brnstwnnden und deren Behandlung. — Beobachtungen und Untersuchungen über die Ruhr (Dysenterie). — 
Zur Ausgestaltung der Marodenzimmer des K. nnd K. Heeres. — Cron: 1. Zur Verwendung der Sanitätsformationen im Ge¬ 
fecht. II. Die Gliederung einer Infanterie-DivisionsAnstalt. III. Einige Winke betreffs der Massnahmen des Chefsarztes einer 
selbstständig operierenden infanterie-Truppen-Division etc. — Protokolle des Vereins St. Petersbnrger Aerzte. — 
Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Die Resultate der Bassinioperation. 

Von 

Dr. A. v. Bergmann. 

(Nach einem Vortrag, gehalten in der Gesellschaft prakt. 

Aerzte zu Riga am 1. Oktober 1903). 

Die beiden wichtigsten Metoden der Operation einer 
freien Hernie verfolgen zwei verschiedene Prinzipien. 

Die Bassinioperation legt neben der gründlichen Ent¬ 
fernung des Bruchsackes den Wert auf die Bildung eines 
neuen Leistenkanals, dessen hinterer Wand sie eine 
besonders grosse Festigkeit zu geben bemüht ist. 

Die Operation nach Kocher, von ihrem Autor 
dreimal modifiziert, bezweckt durch Verlagerung des 
Brachsackes den Bruch zu beseitigen. Sie sieht in der 
Ausstülpung des Peritoneums die Ursache für den 
Bruch. Während diese Operation die Wände des Bruch¬ 
kanals in situ lässt, bringt sie die Ausstülpung des Pe- 
ritonenms dadurch in Wegfall, dass sie den isolierten 
Brnchsack nach oben aussen verzieht, fixiert und ihn 
abträgt oder invaginiert. 

Es konnte nun nicht fehlen, dass jede dieser beiden 
Operationsmetoden ihre Modifikationen hat, die Ko- 
chersche vom Autor selbst, die Bassinimetode von 
Ferrari, Parona, Girard, Postemski, Wölf- 
ler, Beck, Zoege vonManteuffel u.a.Ra- 
sumowski 1 ) hat eine Fusion beider Metoden em¬ 
pfohlen und Petrulis 2 ) berichtet über die Erfolge 
dieses Operationsverfahrens. 

Im Nachstehenden soll nun nicht eine kritische Un¬ 
tersuchung über den Wert jeder dieser Metoden resp. 
ihrer Modifikationen angestellt, sondern berichtet wer¬ 
den, welche Erfolge an der chirurgischen Abteilung des 
Rigaschen Stadtkrankenhauses erzielt worden sind mit 
der Bassinioperation, welches Risiko der Bruchkranke 


') Annalen der russ. Chirurgie. Bd. 5. 

*) Langenbeck Aich- Bd. 71. pag. 53 


bei der Operation läuft und wie der Prozentsatz der 
Rezidive sich ungefähr zur Zahl der Operationen stellt. 

Je grösser das in diesem Sinne zusaramengestellte 
Material, desto leichter wird die Entscheidung dem¬ 
jenigen der an die Frage herantritt, werden, weicher 
von. beiden Bruehoperationen er den Vorzug geben soll. 

So weit mir aus der Litteratur und durch persön¬ 
liche Mitteilung bekannt ist, hat in den Hospitälern 
Russlands die Koch ersehe Metode viele Anhänger, 
für diese Metode wird namentlich die geringe Zahl der 
Rezidive angeführt. 

Hirschkopf 8 ) hat von 195 nach Kocher ope¬ 
rierten Inguinalhernien 83 nachuntersucht und berechnet 
darnach die Rezidive auf 1,2 pCt. Weniger gut werden 
die Resultate wenn das Operationsmaterial viele schwere 
Brüche zählt (Madelung, P. Bernhardt), oder 
eine grössere Zahlenreihe betrifft, Galeazzi 4 ) hat für 
601 Bassinioperationen 5,99 pCt. und für 239 Kocher¬ 
operationen 5,02 Rezidive berechnet. Für 2032 zusam¬ 
mengestellte. Bassinioperationen berechnet Matano- 
wi tsch 6 ) 3,6 pCt. Rezidive. 

Die Angaben schwanken da sehr. R Otter*) berech¬ 
net nach 67 nachuntersuchten Fällen für seine 150 Bas¬ 
sinioperationen 1,5 pCt. Rezidive, Coley" 5 ) bei 75 g 
O perationen gar nnr 1,3 pCt., während Bassini 8 ) 
bei 250 Fällen 2,78 pCt. Rezidive, Zoege von M an¬ 
teuf fei 9 ) bei 71 nachnntersuchten‘Fällen 5,6 pCt. Re¬ 
zidive zählen und Gold ner 10 ) für 800 Bassiniopera¬ 
tionen der Klinik Albert, gestützt auf 466 Nachunter¬ 
suchungen gar 7,5 pCt. Rezidive berechnet. 


з ) D. Z. f. Chir. Bd. 56. pag. 59. 

*) Kocher: Operationglehre. 4. Aufl. pag. 362. 
r ') Bruns kl. Beiträge. Bd. 34. pag. 450. 

•) Berl. kl. Wochen9chr. 1899. pag. 141. 

7 ) Annals of surgery. Results of one thousand operationg 
etc. Ref. C. f. Chir- 1903. p. 1113. 

*) Langen!). Arch. Bd. 40. 

и ) Kahn: Inauguraldissertation. Jurjew. 1901. 

’•) Langenb. Arch. 68. p. 1. 



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104 


Ans diesen so sehr differierenden Zahlen wäre her- 
vorzuheben, dass dem so über&ns niedrigen Prozentsatz 
an Rezidiven, die Hirsch köpf für die Operation nach 
Kocher angiebt, Coley ond Rotter nahezu gleiche 
Sätze für die Bassinioperation an die Seite stellen 
können. 

Die Bestimmung des Rezidivprozents ist an dem Ma¬ 
terial der Krankenhäuser in den grossen Städten.— und 
nm solche handelt es sich — in den allermeisten Sta¬ 
tistiken sehr schwierig. 

Die Metode der Nachuntersuchung wäre fraglos die 
sicherste, wenn es gelänge den grössten Teil der Ope¬ 
rierten nachzuuntersuchen, oder wenn die Zahl der Nach¬ 
untersuchten an sich eine beträchtliche ist, wie z. B. 
in der Goldnerschen Statistik. Wenn man aber 
von seinen Operierten nur einige Dutzend Fälle nach¬ 
untersuchen kann, so gewinnt man durch die Ueber- 
tragung der daraus gewonnenen Zahlen auf die Ge¬ 
samtzahl der Operierten kein genaues Bild. 

An- unserem Material — 284 Operationen haben wir 
10 Fälle konstatieren können, bei denen das Rezidiv ein¬ 
getreten war = 3,8 pCt., von diesen liessen sich 5 zum 
2. Mal operieren. 

Diese Zahl ist gefunden worden durch Revision sämt¬ 
licher Ambulauzkarten seit dem Jahre 1895, in welches 
die ersten Bassinioperationen fallen. 

Da Riga ein zweites städtisches Krankenhaus für die 
arme und ärmste Bevölkerung zur Zeit noch nicht bat, 
ist diese Bevölkerung io erster Linie an die Ambulanz 
des Kranhenhauses gebunden. Der Umstand, dass diese 
Ambulanz von den beiden chirurgischen Abteilungsvor¬ 
ständen geleitet wird, macht es den Operierten leicht sich 
in derselben Ambulanz an einen anderen Chirurgen zu 
wenden, um sein Leid über die nicht nach Wunsch ge¬ 
lungene Operation zu klagen. Ich halte dafür dass un¬ 
sere so gewonnene Zahl der Rezidive ziemlich richtig 
sein wird. 

Resümieren wir aus allen publizierten Statistiken das 
Resultat und versehen dasselbe mit einem Zuschlag für 
alle nicht eiiminierbaren Fehlerquellen, so können wir 
•in runder Zahl etwa 5 pCt. als den Rezidivkoeffizienten 
annehmen. Mit dem gleiohen Prozentsatz ist aber nach 
G a 1 e a z z i auch die Kocher Operation belastet. Da¬ 
raufhin glaube ich dass, abgesehen von den glänzenden 
Erfolgen die Kocher selbst erreicht hat, der Chirurg, 
welcher vor der Wahl beider Operationsmetoden steht, 
sich sagen muss, dass er recht geringe Chancen hat bei 
der Kocher Operation einen günstigeren Prozentsatz in 
Bezug auf das Rezidiv zu erzielen als bei der Operation 
nach Bassini. 

Diese Chancen werden noch schlechter, wenn es sich 
um sehr vorgeschrittene Fälle mit breitem Bruchsack 
und weiter Bruchpforte handelt, denen gegenüber nach 
der Kritik, die Kocher den Resultaten Madelungs 
hat zu Teil werden lassen, die Verlagernngsmetode in¬ 
suffizient erscheint. 

Zu betonen ist, dass auch bei der Ausführung der 
Bassinioperation eine sorgfältige Auslösung und Abtra¬ 
gung des Bruchsackes zu geschehen hat, auf welche 
nicht weniger Gewicht zu legen ist, als auf die Bildung 
der widerstandsfähigen Wand des neuen Leistenkanals. 

Goldner fand unter 24 klinisch untersuchten Rezi¬ 
divhernien 7, welche sich da entwickelt hatten, wo bei 
der Operation kein Bruchsack gefunden wurde. Auch 
unter diesen rezidiv gewordenen Fällen befinden sich 
einige, bei denen von einer Eröffnung und Exstirpa¬ 
tion der Baucbfellausstülpung Abstand genommen wurde, 
weil dieselbe so gering erschien, dass man glaubte ihrem 
Vorhandensein sei keine weitere Bedeutung zuzumessen. 

Unter unseren rezidiv gewordenen Fällen ist nur einer, 
dessen Heilungsverlauf mit einer leichten Störung ver¬ 


bunden gewesen war, die übrigen waren alle tadellos 
prima intentione verheilt. 

Von den mit Eiterung Geheilten hat keiner sich mit 
einem Rezidiv vorstellig gemacht. Pie Eiterung ao sich 
braucht also nicht den Operationserfolg unbedingt zu 
vernichten, nur müssen diese Fälle ganz besonders vor 
zu frühem Aufsteheu ausgehütet werden. 

Wenn wir fragen was denn der Grund Für das Re¬ 
zidiv in allen unseren primär verheilten Fällen geweseu 
sein mag, so wird man in erster Linie technische Fehler 
beschuldigen müssen, bereits erwähnt ist die unterlas¬ 
sene Exstirpation der Peritonealausstülpung. 

Ein nicht unbeträchtlicher Teil unserer Fälle sind 
«Erstlingsoperationen* der Assistenten, dakana es dann 
schon passieren, dass im sogenannten unteren Wund¬ 
winkel der erzielte Verschluss kein ein wandsfreier war, 
auch Goldner hebt diesen Faktor besonders hervor. 
Ferner haben wir früher zur Naht durchweg Seide und 
zwar recht feine, wenn auch feste genommen, es scheint, 
dass diese nicht immer genügte dem starken intraabdo¬ 
minalen Druck Widerstand zu leisten. Bei den Rezidiv¬ 
operationen habe ich die tiefen Nähte entweder gar 
nicht mehr oder nur zum Teil wieder aufgefundeu. 

Wir verwenden seit etwa 2 Jahren zur Vereinigung 
des m. rectus abdom. und des obliquus internus einer¬ 
seits mit dem lig. Pouparti andrerseits ausschliesslich 
Silberdraht und haben den Eindruck gewonnen, dass 
seitdem die Rezidive seltener geworden sind. Ganz ver¬ 
meiden werden sich dieselben ja wohl nie lassen, da 
die Austrittsstelle des Saraenstranges immer ein locus 
minoris resistentiae bleiben wird. Der Samenstrang darf 
durch die Naht keine Einschnürung erleiden, sonst 
kommt es zu unangenehmen Folgeerscheinungen, na¬ 
mentlich Schmerzen. Ist nun die Austrittsstelle des 
Samenstrangs, der neue innere Leistenring — auch noch 
so weit nach aussen verlagert, so giebt irgend ein zu¬ 
fälliges Moment — Bronchitis mit starkem, anhaltenden 
Hustenreiz — die Möglichkeit der Vorwölbung des Peri¬ 
toneums und unter allmählicher Erweiterung der Durch¬ 
trittsstelle des Saraenstrangs entsteht abermals eine 
Hernie. 

In Bezug auf die Anlegung der Silberdrahtsuturen 
sei hervorgehoben, dass es wichtig ist die freien Draht¬ 
enden, nachdem man sie miteinander vereinigt hat, 
sorgfältig umzubiegen und in den Muskel hinein zu ver¬ 
senken da anderenfalls Schmerzempfindungen (Stiche) 
ausgelöst werden, die sehr lange anhalten können. 

Der sogenannte untere Winkel bietet ausser der 
Schwierigkeit der exakten Nahtanlegung ein weiteres 
Moment, das unangenehme Zufälle zur Folge haben kann, 
es ist das die Nachbarschaft resp. unmittelbare Nähe 
der Blase. 

Die Beteiligung der Blase an der Bruchbildung ist 
in letzter Zeit wiederholt betont worden. Die Blase 
mag auch durch ihre wechselnden Füllungszustände und 
den damit im Zusammenhang stehenden wechselnden 
Druck das auslösende Moment für ein Rezidiv bilden 
dort, wo die tiefe Naht den Verschluss nicht ganz bis 
zum toberculum pubicum zu Stande gebracht hat. 

Lotheissen 11 ) berechnet 3,2 pCt. Cystocelen für 
die Inguinalheruien, Bornhaupt 1 *) hat bei 106 auf 
unserer Abteilung operierten Inguinalhernien 27 mal eine 
Beteiligung (25,4 pCt.) der Blase nachgewiesen, d. h. 
in einem Vierteil der operierten Fälle war das Blasen¬ 
fett, jene Fettschicht welche die Blase umhüllt und sich 
durch ihre Massigkeit und Färbung von dem meist 
spärlich vorhandenen praeperitonealen Fett deatlich 
abhebt — dem Bruchsack eng angelagert und hätte bei 

M ) Brun 8 klin. Beiträge. Bd. 20. p 727. 

,2 ) Peternb. med. Wocb- 1899, Nr. 6. 


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105 


weniger vorsichtiger Praeparation des Brachsackh&ises 
die Möglichkeit der Verletzung der Blase geboten. 

Tatsächlich findet man anob in der Litteratur An¬ 
gaben 1S ) darüber, dass einige Tage nach der Bassini- 
operation Blasen beschwer den auftraten und cystosko- 
pische Untersuchung der Blase dann Fäden an der der 
Operation entsprechenden Stelle der Blasenwand er¬ 
kennen liess. Der Operateur hatte offenbar in dem 
Bestreben den Verschluss am unteren Wund Winkel mög¬ 
lichst exakt auszufahren mit der Nadel zu tief gegriffen 
und die Blasenwand in die Nabt gefasst. 

Damit wären wir auf das Kapitel der Operationsun¬ 
fälle gekommen, das glücklicherweise keine zahlreiche 
Kasuistik umfasst, jedoch in jeder grösseren Statistik 
vertreten ist. 

Diese Unfälle betreffen Verletzungen der Blase, des 
vas deferens und der arteria undvenafemoralis. Gold- 
n e r berichtet über zweimal eintretende arterielle Blu¬ 
tung, die die Durch trenn ung des lig. Poupartii erfor¬ 
derte (Fall 267 und 510). Einmal musste eine wand¬ 
ständige Ligatur an die vena femoralis gelegt werden 
(Fall 401). 

An unserem Material ist die Durchschneidung des 
vas deferens einmal vorgekommen — bei einer Erst¬ 
lingsoperation. Durch feinste Seidennähte ist das vas 
deferens wieder vereinigt worden und hat die Verletzung 
keine weiteren Folgen gehabt. 

Zweimal habe ich beim Anlegender Naht eine starke 
arterielle Blutung bekommen. Das erste Mal gelang es 
durch eine seitlich an die Arterie gelegte Ligatur der 
Blutung Herr zu werden, es war hier offenbar ein seit¬ 
lich abgehender Ast (a. epigastrica transversa) durch 
die Hagedornnadel dicht am Abgang von der art. fe¬ 
moralis abgetrennt worden. 

Der zweite Fall betrifft eine Längswunde in der Ar¬ 
terienwand, welche beim Anlegen der letzten tiefen Naht 
zu Stande kam. Eigentlich ist es mir nicht recht ver¬ 
ständlich wie hier die Verletzung zu Stande kommen 
konnte, da die letzte tiefe Naht ja ausserhalb des Be¬ 
reiches der Arterie zu liegen kommt. Eine Erklärung 
kann ich nur darin finden, dass ich das Bein des Pa¬ 
tenten in Abduktion gestellt hatte, weil es sich um ein 
korpulentes, muskelkräftiges Individuum handelte, bei 
dem ich das Operationsterrain durch die Abduktion des 
Beines mir besser zugänglich machen konnte. 

Ich habe die Arterienwand genäht und im Uebrigen 
die Operation typisch nach Bassini beendet. 

Da die Kasuistik der Arteriennaht gering ist, füge 
ich die Krankengeschichte hier an: 

L. R. 38 Jahre alt. Arbeiter. 4. Juli—7. September 

1902. 

Aufgenommen wegen Trauma (Brett auf den Nacken 
gefallen), behauptet P. seit der Verletzung erst den 
Bruch zu haben, der «offenbar nur durch dieselbe zu 
“Stande gekommen sein könne». 

Status. Mittelgrosser, sehr kräftiger Mann. Wall¬ 
nussgrosser Tumor am Nacken (beweglich, Lipom?) un¬ 
bedeutendes Haematom, normaler innerer Organbefund. 

Für 2 Finger durchgängige Bruchpforte in inguine 
dextro, hühnereigrosse leicht reponierbare äussere Leisten¬ 
hernie. 

9. Juli. Operation. Nach Freilegung .und Eröffnung 
des Bruchsackes erweist es sich, dass das Coecura und 
der Wurmfortsatz den Inhalt des Bruches bilden, zum 
Teil liegen diesefben extraperitoneal, im Bruchsacke 
sind sie der Wand desselben adhaerent. Diese Adhae- 
sionen werden gelöst, der processus vermiformis wird 
gelöst und abgetragen, er zeigt ausser Hyperaemie der 
Schleimhaut keine Veränderungen. 

,:, i Wiener kl Woch. 1903. Nossal: Wiener med. Woch. 

1903. 1. August. 


Der Bruchsack wird nun abgetragen und das Peri¬ 
toneum derart vernäht, dass der Stumpf des Wurm¬ 
fortsatzes intraperitoneal zu liegen kommt. 

Nun werden der rectus abdominis und der obliquns 
internus mittelst Drathnähten an das lig. Poupartii ge¬ 
näht — mittelst 4 Drahtsuturen. Der Korpulenz des 
Kranken wegen ist das Bein in Abduktion gelagert, 
beim Anlegen der äussersten — 4. — Naht entsteht 
eine starke arterielle Blutung, der Versuch dieselbe 
durch Anlegen vonKlemmpincetten zum Stehen zu bringen, 
misslingt, es muss das Poupartsche Band durchschnitten 
werden. Dasselbe ist anfgefasert und erscheint als derbe 
fibröse Membran unter welcher die Arterie ganz ober¬ 
flächlich liegt und einen Längsdefekt von etwa 1 ctm. 
Ausdehnung zeigt. 

Auf Digitalkompression steht die Blutung, es wird 
nun mit Darmnadeln und feinster Seide der Riss in der 
Arterie genäht, wobei möglichst die Intima vermieden 
wird; einige, in 2. Etage angelegte Nähte sichern den 
Verschluss. Die Blutung steht vollkommen, so dass die 
Wunde in typischer Weise verschlossen werden kann, 
ohne tamponierende Gazestreifen. Aseptischer Verband 
Immobilisierung durch eine Schiene. 

10. Juli. Der rechte Fuss fühlt sich kälter aD, 
keine Schmerzen, trotz der Schiene bewegt sich P. viel 
im Ijjett. 

13. Joli. V. W. reaktionsloses Aussehen der Wände, 
einige tiefe Nähte entfernt. Beide untere Extremitäten 
gleich warm. Der Puls in der a. femoralis d. ist etwas 
schwächer als links. 

17. Juli. V. W. Die,Nähte sämtlich entfernt. Prima 
intentio. 

20. Juli. Heute wird die Schiene entfernt. 

31. Joli. P. verlässt das Bett. Er bekommt ein Bad. 
Nach demselben treten starke Schmerzen über dein 
rechten lig. Poupartii auf und ist hier nun eine druck¬ 
empfindliche, harte Resistenz zu fühlen, dabei ist der 
Puls im Verlauf der ganzen femoralis deutlich zu fühlen 
und fehlt jegliche Andeutung eines aneurysraatischen 
Geräusches. Kein Oedem. 

3. August. P. lässt sich nicht im Bett halten, ob¬ 
gleich er angiebt beim Liegen weniger Schmerzen als 
beim Gehen zu spüren. 

Die Resistenz über dem Lig. Poupartii wird weicher 
und kleiner and weniger druckempfindlich, kein abnor¬ 
mes Geräusch. 

12. August. Die Resistenz über dem rechten lig. 
Poupartii ist ganz gering und wenig druckempfindlich. 

22. August. Die Resistenz über dem. rechten lig. 
Poupart. ist nicht mehr vorhanden. 

ö. September. P. sieht frisch und blühend aus, geht 
fest, sicher, und viel umher, nicht nur in den Baracken, 
sondern macht auch grössere Touren. Beide Beine sind 
gleich warm, haben an den Unterschenkela gleiche Zir- 
cumferenz — keine Spur von Oedem. 

Der Umfang des rechten Oberschenkels ist um 1—2 ctm. 
kleiner als der des linken. 

Die Bassinioperation ist vollkommen gelungen. 

Der Pols an der art. dorsalis pedis ist beiderseits 
gleich. 

Flexiou und Extension geschehen i n rechten Knie und 
der rechten Hüfte in normaler Exkursionsweite und mit 
derselben Energie wie am linken Bein. 

Beim Gehen behauptet Pat: am rechten Unterschenkel 
unterhalb des Knies Schmerzen zu spüren. 

7. September. Entlassen. Hat sich nicht wieder vor¬ 
gestellt. 

Dieser P’all mahnt grosse Vorsicht zu beobachten beim 
Auflagern des lig. Poupartii auf die Nadel. Hier hatten 
sich eine sehr oberflächliche Lage der Arterie und ein 
dünnes aufgefasertes, bandartiges lig. Poupartii ver- 


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einigt nm die Verhältnisse ganz besonders ungünstig 
zu gestalten. 

Die Zahl der Todesfälle bei der Bassinioperation be¬ 
trägt im Durchschnitt 0,3—0,7 pCt. Als Todesursachen 
findet man in erster Stelle Pneumonie, dann Erysipel, 
Pyaemie und Diabetes angeführt. 

Auch unter unseren Fällen haben wir einen letalen 
Ausgang zu verzeichnen (0,35), dürfen denselben aber 
nicht eigentlich der Operation zur Last legen, da er ein 
64jähriges Individuum betraf, welches seit längerer Zeit 
am Darm leidend, alle Beschwerden auf seine Hernie 
zurtlckftlhrte und durchaus dieselbe operiert haben wollte. 

Am 6. Tage nach der Operation trat Auftreibung des 
Leibes und ein septischer Zustand beim Patienten auf, 
Die sofort geöffnete Wunde ergab Eiterung in der Tiefe 
— Peritonitis — und als Ursache derselben eine Darm¬ 
perforation. Leider konnte wegen Verweigerung der 
Sektion der Charakter des perforierten Ulcus nicht 
näher festgestellt werden. 

Wir hätten endlich die Störungen im Wundverlauf 
zu besprechen, deren Bedeutuug einerseits darin liegt, 
dass sie durch die Verlängerung des Krankenlagers den 
Kranken materiell schädigen, ganz abgesehen von der 
Möglichkeit eines Rezidivs, das durch eine per granu- 
lationem gebeilte Wunde jedenfalls begünstigt wird, — 
andererseits darin, dass sie ein Kriterium für die Hand¬ 
habung der Asepsis an der betreffenden Abteilung ab¬ 
geben, eventuell als ausschlaggebend bei der Wahl des 
Operationsmcdus — ob Bassini oder Verlagerungsme- 
tode — sein können. 

Kocher' 4 ) und Grosse 14 ) vertreten die Ansicht, 
dass Eiterung bei der Bassinioperation häufiger vor¬ 
komme als bei der Kocheroperation. 

Es ist zweckmässig, dass die neuren Statistiken 
zwischen leichter Wundstörung und Eiterung unter¬ 
scheiden. In die erste Kategorie gehören die Haetna- 
toine, welche sich bei nicht sorgfältig genug ausgeführter 
Anlegung der Ligaturen gelegentlich bilden oder die 
Infektion eines Stichkanals — meist sind es die peripher 
gelegenen Nähte, welche durch einen kleineu Fehler in 
der Verbandtechnik nicht sorgfältig genug abgeschlossen 
worden sind. 

Die Unterscheidung zwischen leichter Störung und 
Eiterung findet einen sehr guten Ausdruck in der durch¬ 
schnittlichen Dauer des Aufenthalts in der Abteilung. 

Von unseren 284 Bassinioperationen heilten 252 prima 
intentione, 22 mit leichter Störung (7,7 pCt.), mit Eite¬ 
rung 10 (3,5 pCt.). Diese Operationen wurden an 233 
Kranken ausgeführt. 

Die Heilung prima intentione erforderte im Durch¬ 
schnitt 7 Tage, es blieben aber die Kranken dieser 
Kategorie durchschnittlich 20,3 Tage in der Abteilung. 
Von diesen 20,3 Tagen entfallen 2—3 Tage auf die 
Vorbereitung zur Operation, 8 Tage bleibt Patient im 
Bett und etwa weitere 8—10 Tage bringt er nooh auf 
der Abteilung zu, um sich für die Anforderungen des 
Berufes einigermassen zu traiuiren. 

Die mit leichten Störungen verlaufenen Fälle blieben 
durchschnittlich 22 Tage in der Abteilung, der geringe 
Unterschied von nicht ganz 2 Tagen kommt auch finan¬ 
ziell für den Kranken kaum in Betracht, welcher bis 
zu seiner Entlassung gewöhnlich noch einen Verband 
tragen muss, während die prima intentione Geheilten 
ohne einen solchen umhergehen. 

Die Fälle, welche eiterten, blieben 42,4 Tage bis zur 
völligen Benarbung im Krankenhause, brauchten also 
das Doppelte an Zeit und Geld für ihre Herstellung. 


14 ) Operationslehre. 

'*) D. Z. f. Ch. 57. 


Vergleichen wir nun die Resultate der einzelnen 
Statistiken, so haben wir bei den Bassinioperationen 
durchschnittlich 13—18 pCt. Störungen, von denen 
5—8 pCt. Eiterungen sind. 

H i rsc b köpf lfl ) berechnet für 195 Inguinalhernien 
die nach Kocher operiert worden sind 5,68 pCt. Eite¬ 
rung, berechnet aber keinen Prozentsatz für leichte 
Störungen, nun finden sich aber in dem Verzeichnis 
der Operierten 6, deren Wnndverlauf durch Haematome 
kompliziert war und 20 Fälle deren Heilung 12—18 
Tage in Anspruch nahmen. Da nach Kocher 11 ) die 
Kranken fast ohne Ausnahme nach 8 Tagen das Belt 
verlassen, so liegt es nahe hinter einer Heilung die 
4—10 Tage mehr beansprucht eine Störung des Wund¬ 
verlaufs zu vermuten. Würden wir alle diese Fälle 
summiren so kämen für die K ocheroperation ebenfalls 
13,84 pCt. Störungen (davon 5,68 pCt. Eiterung) mithin 
würde in Bezug auf den Wundverlauf kein Vorzug der 
Operation nach Kocher gegenüber der Bassiniopera¬ 
tion zu konstatieren sein. 

Lassen wir unser Material kurz Revue passieren, so 
finden wir, dass es sich dem Alter nach folgendermassen 
verteilt: 


im 

Alter 

bis 

zu 

10 Jahren standen 

4 

» 

» 

» 

9 

20 

9 

9 

20 

» 

» 

» 

9 

80 

9 

9 

86 

» 

X 

» 

9 

40 

• 

9 

54 

9 

» 

* 

9 

50 

> 

9 

38 


• 

» 

9 

60 

9 

9 

21 

» 

9 

» 

9 

70 

9 

« 

8 



72 

Jahr alt 

war 1 





73 

9 

9 

» 1 




Von allen diesen Operierten haben nur zwei sich unter 
lokaler Anaesthesie operieren lassen, alle übrigen zogen 
die Chloroformnarkose vor. 

Gruppiert man die Fälle zu je zehn und untersucht 
dann wie die Störungen und Rezidive sieb auf dieselben 
verteilen, so ergiebt sich folgendes Bild: 


die 

1. 10 Fälle haben 1 

leichte Störung aufzuweisen. 

> 

2. 30 

» 

» 

1 

» 

» 

nnd 2 Eiteraugen 
aufzaweiseo. 

» 

3. 10 

> 

» 

1 

» 

» 

and 1 Eiterung aat- 
zuweisen. 1 Rezidiv. 

» 

4. 10 

» 

» 

1 

» 

» 

aufzuweisen. 

» 

5. 10 


» 

— 


» 

aufzuweiseu. 

» 

6. 10 

» 

9 

1 

» 

» 

nnd 1 Eiterung anf- 
cnweisen- 

» 

7. 10 

» 

» 

2 


» 

und 2 (+ 1) Eiterung 
aufzuweisen. 

» 

8. 10 

» 


1 

» 

» 

anfznweisen. 1 Re¬ 
zidiv. 

> 

9. 10 

» 

» 

1 

» 

» 

anfzuweisen. 1 Re¬ 
zidiv. 


10. 10 

» 


— 

> 

> 

1 Eiterung aufeu- 
weiaen. 1 Rezidiv- 

» 

11. 10 

» 

» 

1 

» 

» 

aufzuweisen. 1 Re¬ 
zidiv. 

X* 

12. 10 

» 

» 

— 

» 

» 

anfznweisen. 1 Re¬ 
zidiv. 

y> 

13. 10 

» 

» 

— 


> 

anfznweisen. 1 Re¬ 
zidiv. 

» 

14. 10 

» 

» 

2 

» 

» 

aafzuweisen. 2 Re¬ 
zidive. 


15. 10 

» 

» 

1 

» 

» 

anfzuweisen. 1 Re¬ 
zidiv. 

» 

16. 10 

x> 

» 

1 

» 


aufznweisen. 

» 

17. 10 

2> 

» 

2 

» 

» 

anfznweisen. 

» 

18.-21. 10 Fälle sind ohne 

jegliche Störung verlaufen. 


22. 10 Fälle haben 2 leichte Störungen nnd 1 Eiterung 








anfznweisen. 


23. 10 

» 

» 

— 

» 

» 

haben 2 Eiteraugen 
anfznweisen. 


24. 10 

» 

» 

2 

» 

» 

aufzaweisen- 

» 

25. 10 

» 

» 

2 



aufznweisen. 

» 

26.-27. 

10 

Fälle sind ohne jegliche 

Störung verlaufen. 

» 

letzten 

14 

Fälle 

haben 1 

leichte 

Störung aufznweisen 


o. a. ü. 

") Operationsleine. 4. Aufl. pag. 361. 


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Goog] 



107 


in Summa 284 Fälle mit 22 leichten Störungen (77 pCt.). und 
10 Eiterungen (3,5 pCt.). • 

Der Operation zur Last dürfen eigentlich doch nur 6 Fälle 
von Eiterung gelegt werden = 2,1 pCt., da 4 Fälle aus 
Gründen eiterten die von der Operation unabhängig waren 
und zwar betrafen diese Fälle eine Darmperforation, eine Er¬ 
krankung au Typhus, eine an Carbunkel und eine iukarzeriete 
Hernie. 

Die statistischen Zusammenstellungen ergeben Folgendes: 

H e i d e n th a le r ,8 ) (Klinik Billroth) berechnet 49 pCt. 
Störungen aller Radiakaloperationen. 

Esc her ,9 ) bei 35 Bassinioperationen 28,5 pCt. Störungen 
5,6 pCt. Rezidive. 

Czerny 2°) bei 492, davon 260 Bassinioperationen 21,9 pCt. 
Störungen. 

v. B ü n g n e r 2I ) 21,2 pCt. Störungen. 

Wölfler, Nicoladoui u. A. 17—13 pCt. Störungen. 

Goldner 22 ) bei 800 Bassinioperationen 14,7 pCt. Stö¬ 
rungen 7,5 pCt. Rezidive. 

F ran z w ) (Klinik v. Eiseisberg) 100 Bassinioperationen 
25 pCt. (5 pCt. Eiterung). 

Ludwig 14 ) (v. Hacher) 143 Bassinioperationen 14,7 pCt. 
(8,4 pCt. Eiterung). 

' H a r .d y n 8 k i **) 153 Bassinioperationen 13,0 pCt. Eiterung 
3,88 pCt. Rezidive. 

Kalin (Zoege v. Manteuflfel) 2°) 161 Bassinioperationen 
13 pCt. (7,0 pCt. Eiterung) 5,6 pCt. Rezidive. 

Nach Abzug der inkarz. H. 140 Bassinioperationen 12,1 pCt. 
(7,8 pCt. Eiterung). 

ß a 8 s i n i 27 ) 251 Op. 14,0 pCt. (5,3 pCt. Eiterung) 2,78 pCt 
Rezidive. 

Riga Krankenhaus (Abt.lla)284 Op. 11,2pCt.(3,5 pCt. Eite¬ 
rung) eigentlich 9,8 pCt (2,1 pCt. Eiterung) 3,8 pCt. Rezidive- 

Wir können mit unserem Resultat zufrieden sein, 
was natürlich das Bestreben nicht ausschliesst noch 
bessere Erfolge zu erreichen, dem Kranken, der sich der 
radikalen Bruchoperation unterzieht das Risiko, das 
schliesslich jeder Operation anhaftet, noch geringer zn 
gestalten. 

LncasChampionniöre hat im vorigen Jahre 
in Anlass des Listerjubiläums 28 ) die aseptische Metode 
als ein «Laboratrriumswerk» bezeichnet, das für die 
Praxis ungeeignet und weit entfernt davon sei, mit der 
Exaktheit zu arbeiten wie die antiseptische Metode spe- 
zit 11 die typische Listerbehandlung. 

Ich bin der Ansicht, dass unsere Resultate diese Be¬ 
hauptung widerlegen, sie sind gewonnen ohne dass unser 
Krankenhaus mit den modernsten Errungenschaften der 
Architekten- nnd Ingenieurkunst (Lu c as Champion- 
niöre) ausgestattet wäre, ohne Bartbinde und ohne 
Operationshandschnhe. 

Die aseptische Metode ist demnach praktisch sehr 
wohl durchführbar, sie ist einfach zu handhaben, sie er¬ 
fordert aber ein gewissenhaftes Zusammenarbeiten des 
ganzen Personals, es mnss jeder der Mitwirkenden — 
auch die letzte Wärterin — davon durchdrungen sein, 
dass er an seinem Teil znm Gelingen des Werkes bei¬ 
trägt, ebenso wie er das Misslingen verschulden kann. 


"*) Laugenb. Arch. Bd. 40 p. 493. 

1B ) L. A. Bd. 43 p. 55. 

*°) Bruns klin. Beiträge 24 , 26, 29, 31. 36 und M a t a n o- 
witsch: Br. kl. Beitr. Bd. 34 p. 450. 
n ) D. Zeitsch. f. Chir. Bd. 38 p 649. 

*5 L. A. 68. p. 1. 

”) D. Zeitsch. f. Chir. 51. 

S4 ) Bruns kl. Beitr. 18 p. 687. 

”) Polu. Chir. congr. Krakau 1903. 

,Ä ) Kiihi.: PaxHKajbHoe aeueHie n&xouoä rpuxn. Jurjew 
Diss. 1901. 

* 7 ) L. A. 40. 

! *) Brit. med. Journ. 1902 Festnummer: die antiseptischeMe¬ 
thode In der Gegenwart und Zukunft. 


Referate. 


Gary. Ueber die Kontagiosität und die Behandlung 
der Alopecia areata. Archives de M6decine et de 
Pharmacie militairapi Janvier 1904. 

Das Dogma der Kontagiosität der A lopecia areata herrschte 
in Frankreich seit Bazini (1853) fast uneingeschränkt, wäh¬ 
rend iu Deutschland, England, Amerika etc. allgemein das 
Leiden als eine Trophoneurose angesehen wurde. In deo 
letzten Jahren hat sich bieriu eine Wandlung vollzogen, 
indem trotz der Arbeiten von V a i 11 a r d und Vincent 
sowie Sabouran d, die den Urheber der Area Celsi ge¬ 
funden zu haben behaupteten, auch iu Frankreich die tropho* 
neurotische Theorie bedeutend an Boden gewonnen bat. Der 
energischste Verfechter der nenen Lehre ist. J a q u e t, der die 
Alopecia areata mit einer allgemeinen Hypotonie des Ge¬ 
webes in Zusammenhang bringt, die sich besonders an den 
Gefässen (Varicocelen, Venaeektasieen) nnd als allgemeine 
Schwäche des Haarbodens und der Haare (agönesie pil&ire) 
änssert; zu diesen Erscheinungen tritt als auslösendes Mo¬ 
ment eine Zahncaries hinzu, die somit als die direkte Ursache 
der Alopecia areata anzuschuldigen ist durch Schädigung des 
N. trigeminus der betreffenden Seite. 

Gary kann sich zu einem Bruch mit der alten Kontagions- 
lehre noch nicht entschlieBsen, er greift zu einem Kompromiss 
und meint, man müsse zwei verschiedene Formen der Alo- 
ecia areata unterscheiden, eine nicht kontagiöse und eine 
ontagröse, wenn die Kontagiosität allerdings auch nur eine 
schwache sei. Für die Kontagiosität spricht die Zunahme der 
Pelade in der französischen Armee, die eiowandsfreien 
Beobachtungen von verschiedenen Epidemien des Leidens In 
Armee und Schulen. Unter Anderen führt er seine eigene 
Beobachtung einer Epidemie von 13 Fällen in seinem Ba¬ 
taillon an, wo ihm eine Uebertragung fan höchsten Grade 
wahrscheinlich erscheint, ln Folge dessen plaidiert Verfasser 
für Isolieren der Patienten und eine antibakterielle Therapie, 
wobei sich ihm das Jodkollodium gut bewährt hat 

W. Schiele. 

Richter. Die Zahnpflege in der Armee. D. militär- 
ärztl. Zeitschr. Heft I. 1904. 

Die Zahnpflege und Heilkunde ist eine in den Armeen bisher 
fast vernachlässigte Disziplin, der man erst in aller jüngster 
Zeit in der deutschen Armee Aufmerksamkeit zugewandt 
hat. Die Zähne verdienten aber eine viel grössere Beach¬ 
tung, da bekanntlich durch kranke Zähne oder den Mangel 
derselben häufig Verdauungsstörungen mit all’ihren schweren 
Folgen für den Organismus verursacht werden. Denselben 
schädlichen Einfluss können Bildungsfehler des Gebisses haben. 
Normaler Weise soll bei geschlossenem Munde die Vorder¬ 
reihe der Zähne des Oberkiefers die des Unterkiefers einwenig 
überragen; liegt Prognatie vor, d. b. Überragt siesie 
zu stark, so kann eine schneidende Berührung der Vorder¬ 
zähne beim Kauen nicht oder ungenügend stattfinden. Ueber- 
ragt im Gegenteil die« untere Reihe der Schneidezähne die 
obere (Progenie), so ist der Effekt der gleich ungünstige. 
Beissen die beiden Reihen senkrecht aufeinander (Ort ho- 
ge nie), so findet eine überstarke Abnutzung der Schneide- 
zähue statt. Endlich unterscheidet man noch den sog. schiefen 
oder gekreuzten Biss. Berausstehen einzelner Zähne ans der 
Reihe, und den offenen Biss, bei Aufeinanderruhen der Back¬ 
zähne eine offene Qnerspalte zwischen den Vorderzäbnen in 
Folge Verkürzung derselben (Fingerlutschen). Die meisten 
Bisafehler sind keine angeborenen Hemmnngshildnngen oder 
atavistische Degenerationszeichen, sondern eine Folge der 
Störungen der Nasenatmung in der Kindheit und den Ent¬ 
wickln gsjaliren, die die Kinder zur Atmung mit offenem 
Munde zwingen. Der äusBere Luftdruck spielt eine erst in 
letzter Zeit erkannte Rolle bei der Bildang der Kiefer und 
damit des Gebisses. Die grosse Häufigkeit der Zahnkraak- 
heiten illustriert am besten der Umstand, dass R. bei Unter¬ 
suchung von 1000 Mann eines sächsischen Infanterieregi¬ 
mentes, also bei noch jungen Leuten, nur 61 mit tadellosem 
Gebiss fand, während im Durchschnitt pro Kopf 5,9 fehlende 
oder mehr oder weniger zerstörte Zähne kamen. Nack dem 
Ergebniss seiner Untersnchungen wären in einem Infante¬ 
rieregiment jährlich, abgesehen von kleinen Eingriffen, etwa 
2100 Füllangeu, 2300 Ansziehongen zn machen and ca. SO 
künstliche Gebisse, was der Jahresarbeit eines vollbeschäf¬ 
tigten Zahnarztes entspräche. 

W. Schiele. 

Zabludowsky: Körperübnngen in Krankheiten. 
(Le Scalpel. Janvier 1904. Nr. 27 und 28). 

Bereits ein einfacher Lagewechsel erweist sich häufig als 
ein wirksames Mittel zur Verhütnng von Komplikationen bei 
Kranken (Dekubitus, hypost. Pneumonieen). ln anderen Fäl¬ 
len bissen sich durch LagerveräDderungen auffallende Besse¬ 
rungen erzielen, so durch Hochlagerung des Kopfes, anstatt 


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108 


niedriger Lage, bei Insomnie oder amgekehrt; durch Hochla- 

f erung der Beine bei Bettnässen; vollständige Strecknng 
er Beine bei Ischias; Hochlagerang entzündeter Glieder etc. 
Noch vielmehr lässt sich darch regelmässige Massage (Pe- 
trissage) und Heilgymnastik bei vielen bettlägerigen Kran¬ 
ken erreichen, vor allem aber eine starke Mnskelscnwächung 
and inaktivitätsatrophie vermeiden.%attirlich müssen diese Pro¬ 
zeduren nach Angaben und unter strenger Aufeicht des Arztes 
ausgeführt werden. Von bei weitem grösseren Wert sind die 
Körpertibnngen für Rekonvaleszenten und besonders solche 
der arbeitenden Klassen, die jetzt dnrch lange schwächende 
Krankheit meist ohne Vorbereitung wieder an die schwere 
Arbeit herangehen müssen. 

W. 8 c h i e 1 e. 

Gallez: Traumatisches hartes Oedera des Hand- und 
Fussrückens. (Le Scaipel 17. Janvier 1904. Nr. 29). 
Secrätan beschrieb als erster im Jahre 1904 ein eigen¬ 
tümliches Leiden, das er als «hartes Oedem oder traumatische 
Hyperplasie des Metacarpns oder Metatarsns» bezeichnete nnd 
folgenderraassen charakterisierte: In Folge eines Traumas des 
Hand- oder Fussrückens, — wobei jedoch keine Verletzung 
des Knochengerüstes vorliegt, — entwickelt sich eine Tame- 
faction an der betroffenen Stelle, welche im Anfang einem 
gewöhnlichen entzündlichen Oedera gleicht; dieses letztere 
verschwindet jedoch nicht, sondern nimmt in einigen Tagen 
einen harten Charakter an; lässt sich nicht wegdrücken; die 
Hant ist nicht faltbar; keine Zeichen von Entzündung, keine 
Hämorrhagie; bei Druck Schmerzhaftigkeit. Dag Oedera ist 
sehr hartnäckig und verschwindet erst im Laufe vieler Wo¬ 
chen, ja selbst Monate. Die Krankheitsursache ist noch an¬ 
aufgeklärt. Bei der Behandlung hat sich das Thiosinamin be¬ 
währt, daneben Heissluftbäder, die Massage ist za verwerfen 
(Grflnbaum). 

W. Schiele. 


BBcheranzeigen und Besprechungen. 

Cron. Studie über den Gefechtssanitätsdienst ira Rah¬ 
men eines Korps. Entwickelt an der Hand der 
militärischen Ereignisse bei der Westpartei im 
Treffen bei Nachod am 27. Juni 1866. 2 Hefte 

m. 9 Skizzen. M. 6-40. Verlag von J. Safär. Wien. 

Verfasser hat in seiner Studie die historischen Vorgänge 
eines Gefechtes aus dem prenssisch-Österreichischen Kriege 
von 1866 benutzend, die sanitären Vorgänge auf der Grund¬ 
lage heutiger Zustände und sanitäts-organisanitorischer Ein¬ 
richtungen in der österreichisch-ungarischen Armee besprochen. 
Das Werk ist also, wie Cron sich selbst ansdrückt, eine 
Kombinierung von Wahrheit und Dichtung. Besonderen 
Wert legt Autor auf die Besprechungen, die den einzelnen 
Kapiteln mit der Schilderang der militärischen nnd sanitäts- 
taktischen Ereignisse folgen. Ira 1. Heft wird der Sanitäts¬ 
dienst bis zur Beendigung, im 2. derselbe nach Beendigung 
des Gefechtes abgehandelt. Die Skizzen sind klar und über¬ 
sichtlich. Militärärzte und speziell solche in leitender Stel¬ 
lung werden vielfache Anregung nnd Belehrnng aus der in¬ 
teressant geschriebenen Arbeil schöpfen können. 

_ W. Schiele. 

Roths Jahresberichte über dio Leistungen und Fort¬ 
schritte auf dem Gebiete der Militär-Sanitätswesen. 

XXVIII. Jahrg. 1902. Mittler uod Sohn. Berlin 
1903. 

Das Buch bildet einen Ergänzuugsband zur deutschen mi¬ 
litär-ärztlichen Zeitschrift und bezieht sich der Bericht anf 
die Armeen von 18 Staaten nnd umfasst die Titel und eine 
Anzahl Besprechungen von 1369 Büchern und Aufsätzen, 
von welch’ letzteren ein Teil in der deutschen militärärzt¬ 
lichen Zeitschrift im Original erschienen ist, ein weiterer , 
Teil in demselben Blatte bereits besprochen worden Ist. Der j 
Sammelbericht ist ein wertvoller Ratgeber zur Orientierung j 
über die vielfach zerstreute und oft schwer zugängliche Lit- ! 
teratur auf diesem Gebiete. 

W. S'c h i e 1 e. 

R. K o c h. Die Bekämpfung des Typhus. Herausge- 
gegebeu von der Medizinalverwaltuug des königl.- 
preuss. Kriegsministeriums. Heft 21. Verlag von 
A. Hirschwald. Berlin 1903. Pr. 50 PL 

Koch ist auf Grund seiner Beobachtungen zu der Ueber- 
zeugung gekommen, dass die Typhusbazillen gleich denen 
der Cholera nnd den Malariaplasmodien nur sog. obligate 1 
Parasiten sind, d. h., dass sie nur im menschlichen Orga- I 
nismus gedeihen und sich vermehren können, ausserhalb der¬ 
selben aber, im Nasser und im Erdboden, bald zu Grunde j 


gehen. Bei der Bekämpfung dea Abdominaltyphus sind daher 
dieselben Prinzipien anzuwenden, wie z. B. bei der Cho¬ 
lera. Von der grössten Wichtigkeit ist eine frühzeitige 
sichere Diagnose, die ans bisher gefehlt hat. Koch ist es 
gelangen ein neues Verfahren ansznarbeiten, mit dem es 
möglich wird in durchaus zuverlässiger Weise die TyphuB- 
bazillen. wenn solche vorhanden, in 20—24 h ans den Fäces 
in Reinkultur darznstellen. Hierdurch lassen sich alle Ty¬ 
phösen, von denen bisher viele kaum selbst als typhnsver- 
dächtig galten, sicher erkennen and Isolieren and die für die 
Verbreitung des Typhus allein in Betracht kommenden Fä¬ 
kalien unschädlich machen. Anf diese Weise gelang et 
Koch nnd seinen Mitarbeitern den Typhus in einem Bezirk 
in der Gegend von Trier, wo er bisher beständig endemisch 
geherrscht hatte, vollständig anszarotten und ist die Krank¬ 
heit seitdem dort noch nicht wieder zum Vorschein gekommen. 

Die kleine Schrift erweckt höchst interessante Ansblicke 
in die Zukunft, da, wie Koch am Schlosse bemerkt, ein 
gleicher Erfolg sich bei allen Infektionskrankheiten wird er¬ 
zielen lasset!, die früh und sicher diagnostiziert werden kön¬ 
nen nnd bei denen wir den Infektionserreger kennen und un¬ 
schädlich machen können. Für die Cholera galt dieses schon 
seit längerer Zeit, bei der Malaria hatte Koch vor nicht 
langer Zeit, jetzt anch für deu Typhus den Beweis geliefert. 
Die gleichen Grundsätze müssten sich auch bei der Bekäm- 

^ der Rohr, Diphtherie etc. and wohl auch bei der 
'kulose mit demselben Resultate zur Anwendung bringen 
lassen. W. Schiele. 

Moraburg. Ueber penetrirende Brnstwunden und deren 
j Behandlung. Veröffentlichungen aus dem Gebiete 
des Militär-Sanitätswesens. Heft 19. Aug. Hirsch¬ 
wald. Berlin 1903. 

Auf Grund der neuesten Erfahrungen and Publikationen 
I behandelt Verfasser in eingehender Weise die Verletzungen 
der Lange und des Herzens mit kalten nnd Feuerwaffen. 
Autor kommt za dem Schiasse, dass eine jede penetrirende 
Brastwnnde als Schwere Verletzung aufznfassen ist, doch 
entspricht die schwere der Symptome häufig nicht der Schwere 
des Falles und umgekehrt. Eine exakte Diagnose ist daher 
schwierig zu stellen. Stichverletzungen bieten im Ganzen 
eine günstigere Prognose, doch hat sich die Prognose der 
Schussverletzungen seit Einführnng der kleinkalibrigen 
Schusswaffen bedeutend verbessert. Leichtere Verletzungen 
der Langen sind als solche wenig gefährlich, während selbst 
die feinsten Herzverletznngen eine sehr ungünstige Prognose 
geben. Die Behandlung soll bei den Pieara-Lungenverl9tzungeA 
im Allgemeinen eine abwartende, bei den Herzverletznngen 
in jedem Falle eine aktive sein. W. Schiele. 

Beobachtungen und Untersuchungen ifber die Ruhr (Dy¬ 
senterie). Die Ruhrepidemie auf dem Truppen¬ 
übungsplatz Döberitz im Jalire 1901 und die Rohr 
im ostasiatischen Expeditionskorps. Veröffentlichun¬ 
gen aus dem Gebiete des Militärsanitätswesens 
Heit 20. Aug. Hirsch wald. Berlin 1902. 

Der Feder des Dr. Battersack entstammt der erste 
Teil der Arbeit, historisch geographische nnd statistische Be¬ 
merkungen über die Ruhr, die Schilderung des Verlaufes einer 
Ruhrepidemie anf dem Truppenübungsplatz der prenssischen 
Garde. Döberitz, im Jahre 1901, und Ruhr beim deutschen 
Ostasiatischen Expeditionskorps. Im 2. Teil werden die Re¬ 
sultate der bakteriologischen nnd mikroskopischen Unter¬ 
suchungen behandelt, wobei Pfuhl und Schroiedick» 
die Technik der Untersuchungen und die Agglutination bei 
Ruhr besprechen, v. D r i g a 1 s k y sich mit der Frage der Ur¬ 
heber der Ruhr beschäftigt und Jürgens speziell die Darm- 
Amöben und die Amöben-Enteritis beschreibt. Das Ergebnis 
lässt sich kurz dahin zusammenfassen, dass sich in allen 
frischen Fällen bei den in Deutschland Erkrankten der 
Shiga’sche Bazillus in den Excrementen vorfand, aber keine 
Amöben, während der Stuhl der vom ostasiatischen deutschen 
Expeditionskorps stammenden (chronischen) Ruhrkranken 
Amöben in grosser Zahl enthielt, die bei Katzen typische 
Dysenterie hervorriefen, aber keine Ruhrbazillen. 

Die mit Abbildungen und 8Tafeln ansgestatter.e umfassende 
Studie bildet einen wertvollen Beitrag zu den Stadien über 
die Infektiouskrankheiten und nähert uns wiederum am einen 
grossen Schritt der endlichen Lösung der Frage der Aetiolo- 
gie der Ruhr. W. Schiele. 

Zur Ausgestaltung der Marodenzimraer des K. und K. 
Heeres. Militärärztliche Publikationen Nr. G4. 
Verlag von J. Safär. Wien 1902. 

Ein Militärarzt der österreichisch-ungarischen Armee giebr 
über obiges Thema seine Erfahrungen aus einer langen 
Dienstzeit zum Besten, die für Aerzte aller Heere von In¬ 
teresse nnd Bedeutung sind- W. Schiele 


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109 


Cron. I. Zar Verwendung der Sanitätsformationen 
im Gefecht. II. Die Gliederung eiuer Infanterie- 
Divisions-Anstalt. III. Einige Wicke betreffs der 
Massnahmen des Chefsarztes einer selbstständig ope¬ 
rierenden Infanterie-Truppen-Division etc. Militär- 
ärztliche Publ. Nr. 65. Verlag von J. Safär Wien 
1905. Preis M. 2.20. 

In der ersten der Monographien entwickelt Autor seine 
Ansichten über die Methode, nach welcher die Sanitätsforma¬ 
tionen bei dem dorch die moderne Wade geschaffenen Ge¬ 
präge des Gefechtes am rationellsten zu verwenden wären. 
Die 2. Arbeit beschäftigt sieb mit der zweckmässigsten Ein¬ 
teilung des Sanitätspersonals im Gefecht, wobei Cron 
energisch gegen alles Schematlsie’ren Front macht. Der Titel 
besagt die Aufgabe, die sich der Verfasser in der dritten 
Studie gestellt bat. Seine Ideeo entwickelt Cron an der 
Ijand von Beispielen nnd 35 Skizzen in klarer und über¬ 
zeugender Welse. 

W. Schiele. 


. i 

Protokolle desVereins St. Petersburger Aerzte. ! 


748. Sitzung vom 11. November 1903. 

Präses: Schmitz. Sekretair: Voss- 

1. Westpb alen spricht über Anchylostomiasis. 

Einen einschlägigen Fall hat er in diesem Jahre in Levico 
in 8üdtiroldank der Liebenswürdigkeit des Dr. Liermber- 
ger daselbst beobachten können. 

Unter Berücksichtigung der einschlägigen Literatur, giebt 
Ret ein Bild der Geschichte des Parasiten, seiner'Entwicke¬ 
lung, des Intektionsmodus, sowie deR Krankheitsbildes, wel¬ 
ches, ebenso wie anch die pathologische Anatomie vollständig 
dem Bilde der Anaemia gravis entspricht, die uns hier zu 
Lande sowohl als selbstständige Krankheit als auch als Bo- 
triocephalusanämie vollkommen geläufig ist. 

Ref. verweilt nur länger bei der Frage, auf welche Weise 
die Anchylostomen die Anaemie hervorrufen und beleuchtet 
beide Theorien, denen zufolge die BlulaTmut dadurch entsteht, 
dass die meist massenhaft im Darme des Wurmkrauken vor¬ 
handenen Parasiten diesem grosse Mengen von Blut entziehen, 
dessen sie zu ihrer Ernährung bedürfen oder dass es sich bei 
der Pathogenese der Anaemie um toxische haematolytisch 
wirkende Stoffe handelt, welche von den Parasiten produziert, 
vom Träger aus dem Darmkanale resorbiert werden- 

-Ohne direkt die erstere Ansicht, für welche tatsächlich sehr 
vieles spräche, vollkommen fallen zu lassen, bekennt sich 
Ref. zur zweiten Intoxikationshypotbese und zwar aus fol¬ 
genden Gründen: 

Für dieselbe sprächen die Versuche Lusanna’s und Ars- 
lan’s, welche in dem Harn von Anchylostomenkranken Gifte 
naehwiesen, die Kaninchen injiziert, haematolytisch wirkten 
und im Harne mit Taenien behafteter Individuen fehlten, 
auch weisen die Stoffwechselversuche B o h 1 an d ’s daraufhin, 
dass im Organismus Anchylostomenkranker ein Stoff zirku¬ 
liere, welcher Eiweiss zerstörende Eigenschaften besitze. 

Für die Toxintheorie müsse ins Feld geführt werden die 
vollkommen analoge Botriocephalusanaemie, bei der nach der 
experimentellen Arbeit Schauermann’s und F a 11 q u i s t’s 
die Anaemie dorch ein Gift entsteht, welches beim Hunde 
nachgewiesenerroassen Blutkörperchen lösend wirkt, das Kanin¬ 
chenblut jedoch unbeeinflusst lässt- 

Es, scheine ferner, dass auch andere in diese Gruppe ge¬ 
hörende schwere sog. perniziöse Anaemien durch Gifte entste¬ 
hen, die vom Digestionstraktus gebildet werden. Es mehren 
sich die Stimmen, welche die Anaemie bei der Achylia ga- 
strica auf toxische Einflüsse zurücktühren, namentlich 
seitdem der Nachweis von Martius n. A. geliefert ist, 
dass die Achylie durch Ernährungsstörung allein nicht im 
:Stande ist Anaemie zu bewirken nnd auch das Vorkommen 
der mit zur Erklärung herangezogenen Atrophie der Dai m- 
mukosa durch die Arbeiten Gerlach’s, Faber’s und 
Bloch’sals problematische Erscheinung, vielleicht als Kunst¬ 
produkt hingestellt worden ist Auch werde von manchen die 
Myelitis, die im Gefolge der mit Anaemie komplizierten 
Achylie beobachtet wird, gleichfalls auf Toxinwirkung zn- 
rückgeführt, wie sich dann schliesslich anch diejenige Auf¬ 
fassung immer mehr Bahn bricht, die viele Fälle von Anae¬ 
mia gravis auf Giftbildungen im Darme und Autointoxikatiou 
von hier aus bezieht (Diebella Sandoz, KnutFaber, 
Grawi tz u. A.). 

Auch Ref. verfügt über einschlägige Fälle, die durch eine 
ausschliesslich gegen den Darm gerichtete Behandlung (Karls¬ 
bad vegetabilische Kost) wenn auch nach vielen Rezidiven 
definitiv geheilt sind. 

(Autoreferat). 


Diskussion: 

Moritz: Bezüglich der perniziösen Anaemie mit Darm¬ 
veränderungen ist noch die 3. Theorie möglich, dass Darm¬ 
atrophie und Blutveränderungen beide Folgen der Toxicose 
seien. Es scheint noch nicht sichergestellt zu sein, wie es sich 
mit der Darmatrophie verhält. 

Westphalen: Die Frage vom intestinalen Ursprung der 
Anaemie ist noch nicht spruchreif. Auch ist die Tatsache der 
Atrophie nicht erwiesen. 

V o s 8: Durch die Arbeiten vonEdinger und Hel big 
welche meine Versuche zur experimentellen Herbeiführung von 
Rückenmarkveränderungen durch künstliche Anaemlsierung, 
durch Hinzufügung von Muskelarbeit ergänzten, wurde an¬ 
scheinend nachgewiesen, dass Anaemie nnd Ermüdung die 
Veränderungen im Rückenmark erzeugten. Edinger stellte 
bekanntlich die Theorie auf, dass infolge ungenügender 
Nahrungszufuhr die betr. Fasersysteme degenerieren, wegen 
gleichzeitiger erhöhter Arbeitsleistung. 

Westphalen: Die Entstehungsbedingungen einer Anae¬ 
mie durch Blntzerstörende Gifte sind gewiss andere, als die 
durch endogene Toxine. Wir sehen Leute, die an schwerer 
Kachexie leiden, auch im Bett anaemisch werden. 

Schmitz fragt erstens, ob sich die Charcot-Leyden’schen 
Krystalle in den Faeces bei Anchylostomiasis finden und ob 
auch für die Zlogelarbeiter die Infektion durch Italiener an- 
zunehroen sei. 

Westphalen: Charcot-Leyden’sche Krystalle finden sich 
nicht ausschliesslich bei an Darmparasiten Leidenden, ausser¬ 
dem finden wir sie zwar oft bei solchen Kranken, aber nicht 
immer. Die Wahrscheinlichkeit der Infektion von Italien aus 
ist wohl recht gross. Neuerdings sind umfassende Vorsichts- 
massregeln * zur Verhütung der Verschleppung getroffen 
worden. 

2. Ed. Beuking: Einiges über stärkere Blutungen nach 
Operationen an hypertrophischen Gaumentonsillen. 

n 5 Fällen batte Refer. Gelegenheit, Blutungen nach Ab¬ 
tragung der hypertrophischen Gatiraentonsillen zu beobachten, 
die das Maas der gewöhnlich nach solchen Operationen ein¬ 
tretenden weit überschritten nnd den in der Literatur in 
nicht geringer Anzahl verzeichneten «schweren» Zuständen 
bezüglich des Blutverlustes, des Kollapses nnd der aus diesen 
Zuständen resultierenden gefahrvollen Situationen an die 
Seite zu stellen sind. — In 4 Fällen handelte es sich um 
Tonsillotomoperationen; das eine Mal wurde eine Exstirpation 
der hypertrophischen Mandel mit der Scbeere angestrebt. Ein 
Fall wurde vom Refer. selbst die anderen von Kollegen ope¬ 
riert und Reter. von den Operateuren der Blutung wegen 
hinzngerufen. 

Eine Eigentümlichkeit, die sich in allen Fällen wiederholte 
bestand darin, dass die B1 u t u n g a u s d e in bei der Abtra¬ 
gung der Mandel angeschnittenen hinteren Gaumen- 
bogen (arc. palatopharyngeus) erfolgte. Auf 
diese Quelle der Blutung wird, wie Ref. naoh Einsichtnahme 
der Fachliteratur feststellen kann, weder in den Chirurg, 
noch spezialistischen Werken aufmerksam gemacht. Die Hart¬ 
näckigkeit der Blutung erklärt sich wohl zur Genüge aus 
dem Umstande, dass hierbei eine nicht ganz unbeträchtliche 
Mnskelwunde gesetzt wird (der hint. Gaumenbogen besteht 
aus recht massiver, von Schleimhaut überkleideter Muskel- 
Substanz); bei jedem Schluck- nnd Sprechakte, nicht weniger 
aber bei den meist zur Blutstillung angewandten Manipula¬ 
tionen, wie Abtupfen, Aufpinseln von Stypticis, kurzdauern¬ 
des Anfdrücken von mit Stypticis getränkten Wattebäuschen 
etc. wird an dieser Wunde gezerrt nnd die Bilduug eines so¬ 
liden Blutschorfes nicht gefördert, sondern eher verhindert. 

Den Beobachtungen des Berichterstatters zufolge, findet die 
Verletzung des hint. Gaumenbogens besonders bei jenen hy¬ 
pertrophischen Rachentonsillen statt, bei denen die Mandel- 
geschwul8t in Form einer Halbkugel zusammen mit den ihrer 
Basis festanllegenden Gaumenbögen sich gegen die Miteilinie 
der fauces verwölbt; im Gegensätze zu dieser Form wird der 
Ganmenbogen weniger der Verletzung ausgesetzt in jenen 
Fällen, wo die hypertroph. Tonsille mehr unter der Gestalt 
eines, gestielten Tumors über das Niveau der Gaumenbögen 
frei hervortritt. — Der Gebrauch des Tonsillotoms scheint 
mehr zur Verletzung zu disponieren als der des Messers oder 
Scheere - - wahrscheinlich wohl deswegen, weil man beim 
Gebrauch letzterer das Operationsfeld besser im Auge behält, 
als bei Benutzung des automatisch wirkenden Tonsillotoms. 

Auf Grund der von Damianos und Hermann (Wien, 
klin. Wochenschrift 1902 Nr. 9.) gesammelten Kasuistik von 
150 Fällen schwerer Blutnngen nach Tonsillotomie unterwirft 
H. die bisher angegebenen Quellen der starken Blutungen 
einer Kritik, wobei er zudem Schluss kommt, dass die noch 
allgemein gefürchtete Verletzung der Carotis int. bei nur ei- 
nigermassen vernünftig nnd sachgemäss ausgeführter Opera¬ 
tion gar nicht in Betracht komme; sie ist auch, soweit es 


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HO 


iu der Literatur Nachweise über Ungiücksfälle nach der 
Tonsillotomie Riebt, nur in einem einzigen Falle, in der die 
Operation von ganz unkundiger Haud ausgeführt war, passiert 
(Fall beschrieben von ßecl&rd). Dass Blutungen aus einer 
Verletzung der A. maxill. int. u. A. lingualis bei anorma¬ 
lem Verlaufe dieser beiden Gefässe auch bei regelrecht aus¬ 
geführter Tonsillotomie eintreten könnten, muss theoretisch 
wohl zugestanden wurden — doch weist die Kasuistik der 
«Unglücksfälle» Dach Tonsillotomie kein derartiges Ereigniss 
auf. — Von kleineren Arterien ist es nur die a. tonsillaris 
(meist ein Nebenast der a. pharyngea ascendens), deren Ver¬ 
letzung in einigen Fällen zu hartnäckigen Blutungen nach¬ 
weislich Veranlassung gegeben hat Diese kleine Arterie ist 
besonders dann einer Läsion ausgesetzt, wenn der Operateur 
sich auf eine gründliche Exstirpation der Handel (also meist 
bei Messer- uud Scheerenoperation) capriciert- in den aller¬ 
meisten Fällen von schweren Blntungen nach Mandelabtra¬ 
gung fehlte es jedoch an jeglicher Erklärung bezüglich der 
Quelle der Blutung. Hämophiler Zustand der Pat. hat 
nachweislich auch nur in einem ganz nnbedenetnden Bruch¬ 
teil der 150 kasuistisch in Betracht kommenden Fälle Vorge¬ 
legen. — .Referent meint nun, dass seine Beobachtungen über 
die Hattnäckigkeit der Blutungen nach Verletzung des 
hinteren (.♦aumenbogens zur (teilweisen) Ausfüllung 
dieser Lücke beitragen könnten. 

Bezüglich der Therapie einer stärker auftretenden Blu¬ 
tung rät Referent sofort zu dem Mittel zu greifen, welches 
ihm bisher in solchen Fällen ganz vorzügliche Resultate ge¬ 
liefert hat, während alle ihm vorausgeschickten Manipulatio¬ 
nen (Aufstreichen uud Einblasungen von Styptica, Adre- 
nalinpinselungen, innerliche Eingabe von Gelatinelösungen 
etc. etc.) sich als ganz unzuverlässig erwiesen batten, — näm¬ 
lich die Kompression der blutenden Steile mit¬ 
telst des in den Mund des Kranken eingeführ¬ 
ten Zeigefingers. So einfach dieses Mittel ist — eben¬ 
sowenig scheint es sich in den Kreisen der Spezialisten einer 
Beliebtheit zu erfreuen-, es werden ihm eine Menge teils ganz 
unzuverlässiger, teils sehr komplizierter Manipulationen vor¬ 
gezogen. Bei schwersten, sofort mit grösster Vehemenz anf- 
tretenden Blutungen, bei denen der Verdacht auf Verletzung 
einer der oben genannten grösseren Arterien Stämme begrün¬ 
det ist. würde die Fingerkompression vom Mnnde ans nicht 
genügen und nnr die Unterbindong der Karotis Abhülfe 
schaffen. 

(Autoreferat). 

Diskussion: 

L u n i n hat die Operation sehr häufig ansgeführt, bei Kin¬ 
dern fast nie (nnr einmal) stärkere Blutnng beobachtet. Bei 
Erwachsenen trat aach nnr einmal (bei einem Kollegen) eine 
Nachblutung auf, wo allerdings die Schleimhaut verletzt 
war. Trotzdem hier von Dr. H e n k i n g selbst die digitale 
Kompression ausgeführt wurde, trat nach 3 Tagen eine 
Nachblutung auf. Bei Kindern operiert L. ohne Cocain, da 
dieses mehr Beschwerden verursacht als der kleine Ein¬ 
griff. 

H eil a t: Wie He u k i ng klar an seinandergesetzt, kann 
mitunter die Situation allerdings schwierig sein. Es bintet 
nicht ans grösseren Gefässen, aber auch parenchymatöse 
Blutungen können nnangenehm sein. Es bintet häufiger bei 
Erwachsenen als bei Kindern, weil bei jenen das interstitielle 
Gewebe stärker entwickelt und straffer ist. Nicht nnr das 
Kapselgewebe kaun bluten. Bei einer Dame stand die Blnlnng 
die ca 2 Stundeu gedauert hatte erst nach Galvanokaustik. 
Bei einem 24-jähr. Manne batte H. die Operation vermittelst 
Tonsillotom ausgeführt, wobei die Mandel leicht zu fasqen 
war. 6 Stunden nach der Entlassung kam er zurück, die 
Blatang stand noch nicht. Beim Entfernen der Koagnla stür¬ 
zte der Mann ohnmächtig hin. Als er nach einigen Minuten 
Bich aufrichtete, stand die Blutung. Auch hier blutete tonsil- 
lares Gewebe, nicht die Kapsel. Auch ich lasse die Pat. 
nach dem Eingriff sitzen. Cocainpinselungen scheinen die Bln- 
tung nicht zu befördern. Bei Peritonsillitiden, Abszessen etc. 
können leichter Blutungen entstehen. Kürzlich beobachtete 
ich einen ähnlichen Fall, wo die Blutung 16 Stunden dauerte. 
Der Schnitt war wie gewöhnlich angelegt. Nachdem Marly 
direkt in die Wunde eingeführt war, stand erst die Blutung. 

Henking: Nachblutungen kommen gewiss auch nach Di- 
gitalkompre8sion vor. Das Parenchym bintet allerdings bei 
Erwachsenen leichter, doch bitte ich gelegentlich auf das 
Vorkommen von Verletzungen der Gaumensegel und Schleim¬ 
haut zu achten, die ich 3 mal im Rachen konstatieren konnte 
und 2 mal am Präparat gesehen habe. 

3. Ucke demonstriert das Präparat einer ausgeheilten 
Endokarditis mit multiplen Ulcera im Magen und Duodenum 
die wahrscheinlich auf den Gebrauch von Calomel in grossen 
Dosen (Diureticum) zurtickzuführen waren. 


Vermischtes. 


—■ Der Professor der Universität Jurjew (Dorpat) Dr. 
Zoege von Manteuffel wird, als Chefarzt an die Spitze 
einer besonderen Sanitätskolonne treten, die dem Oberkom¬ 
mandierenden der Mandschurischen Armee, Ueneraladjatauten 
Kuropatkin unterstellt ist. 

— Dr. 0. v. S c h i e m a n n ist zum Oberarzt des Evange¬ 
lischen Feldlazarets gewählt worden und hat die Wahl an¬ 
genommen. 

— An die Spitze des Holländischen Lazarets tritt Dr. 
Karl v. Rennenkampff, der bekanntlich als Arzt im 
Bnrenkriege bis zn dessen Beendigung in Süd-Afrika tätig 
war nnd gegenwärtig als Assistenzarzt am Stadthospital in 
Juijew (Dorpat) fungirt. 

— Der Direktor der 1. Schale des Kaiser 1. Pa¬ 
triotischen Frauen vereine und ältere Arzt des 
Kinderliospitals des Prinzen Peter von Oldenburg, Staatsrat 
Dr. D o m b r o w 8 k i, ist seiner Bitte gemäss der erstge¬ 
nannten Stellung e n th o b e n und an seiner Stelle Dr. v. 
Fick als Direktor der obengenannten Schale in den 
Di-enst gestellt worden. 

— Der ältere Ordinator des St. Petersburger städtischen 
Obuchowhospitals, Mitglied des medico-philantropischen Ko- 
mit6s, Staatsrat Dr. Dreypölcher, ist zum Direktor 
der Golizynschen Schule des Kaiser 1. Patrio¬ 
tischen Frauenvereins ernannt worden, unter ße- 
lassung in seinen bisherigen Stellungen. 

— Der Korpsarzt des X. Armeekorps, wirbl. 
Staatsrat Dr. Kons tantioo witsch ist dieser Stellung 
enthoben worden, unter Zuzählang zur Reserve der Militär- 
Medizinalbeamten für den Kreis Minsk. Zu seinem Nach¬ 
folger als Korpsarzt ist der bisherige Brigadearzt der 
3. Sappenrbrigade, Staatsrar. l)r. Radecki, ernannt wordeu, 
unter gleichzeitiger Beförderung zum wirklichen 
Staatsrat für Auszeichnung im Dienst. 

— Derstellv. Gouvernements-Medizinalinspektor des Schwarz- 
meer-Gouvernements, Kollegienrat Dr. W ussile wski, ist 
in die entsprechende Stellung im Gouverne¬ 
ment Minsk übergeführt worden. 

— Die Vorlesungen des Prof. Dr. S. S. Botkin 
über innere Krankheiten an der militär-medizini¬ 
schen Akademie sind für die Dauer seiner Abwesenheit auf 
dem Kriegsschauplätze im Fernen Osten dem Assistenten and 
Privatdozenten Dr. Gr. Malkow übertragen worden. 

— Inder Jahresversammlung der Gesellscha f t der 
Kinderärzte in Moskau sind der Präsident Dr. Alexan- 
d r u w , der Vizepräsident Dr. Jablokow, der Sekretär 
Dr. A. Ssokolow und der Kassierer Dr. Dreyer wieder¬ 
gewählt worden. Zorn zweiten Sekretär wurde Dr. A. Hip¬ 
pius neugewählt. 

— Das Stadthanpt von KUchinew, Staatsrat Dr. Leo¬ 
pol d S i c i n s k i, hat die von ihm bisher bekleidete Stel¬ 
lung des Oberarztes am örtlichen Gouvernements-Landschafts¬ 
hospital aufgegeben. 

— Unter den jüngst ernannten Senatorendes Kö- 
I nigreichs Italien befinden sich auch zwei Mediziner: 

| der ordentliche Professor der Physiologie in Rom Dr. Lnigi 
L n c i a n i nnd der ordentliche Professor der Physiologie in 
Turin Dr. A n g e 1 o M o s s o. (A. m. C.-Ztg.). 

— Der stellv. Gouvernements-Medizinalinspektor von Plotzk 
Dr. Fedorow ist znm estländischen Gouverne¬ 
ments-Medizinalinspektor ernannt worden. 

— Znm Dekan der medizinischen Fakultät 
der Universität Juriew (Dorpat) ist der Professor 
der Psychiatrie wirkl. Staatsrat Dr, W. T s c h i s h, gerech¬ 
net vom 21. Febrnar an, ernannt worden. 

— Dem Arzt Dr. Baron Vietinghof-Scheel ist von der 
livländischen Medizir.alverwaltnng die Konzession zur Eröff¬ 
nung einer inechanotlierapeutischenHoilanstalt 
in Per na u erteilt worden. 

— Zum Professor auf dem-Lehrstu hl der the¬ 
rapeutischen Hospitalklinik an der Odessaer 
Universität ist wie der «R. Wr.» erfährt, der Privatdo¬ 
zent der mil.-raed. Akademie Dr. A. Fawicki gewählt 
worden. 

— Der ausseretatsmässige Medizinalbeamte beim Medizinal¬ 
departement und Arzt bei der St. Petersburger Universität 
Dr. Do br ad in ist auf sein Gesuch der erstgenannten Stel¬ 
lung enthoben worden. 

— Verstorben: 1) Am 23. Februar in Enpatoria nach 
langer, schwerer Krankheit der frühere Protessor der Chi¬ 
rurgie an der militär-medizinischen Akademie, wirkl. Sta&tf- 
rat Dr. W. A. Ratimow, im 54. Lebensjahre. Der Hinge¬ 
schiedene stammte aus der Krim nnd hatte seine medizinische 
Ausbildung au der medico-chirurg. Akademie erhalten. Nach 


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111 


Absolvirnng des Kurses I. J. 1876 wurde B. zar weiteren 
Vervollkommnung bei der Akademie belassen, bei Begriun des 
russ.-törkischen Krieges aber als Feldchirnrg zar Kaukasi¬ 
schen Armee abkommandiert. Nach seiner Rückkehr aas dem 
Kriege fungierte er als Ordinator an der chirurgischen Ho- 
'spitalklinik des Prof. Bogdanowski, bis er 1886 zmn äl¬ 
teren Chirurgen des Alexanderhospitals ernannt wurde. Im J. 
1890 erfolgte seine Wahl zum Professor der Ciiirurgie und 
Leiter der chirurgischen Hospitalklinik der Akademie, welche 
Stellung er 1901 wegen zunehmender Krankheit aufgeben 
musste. Der Verstorbene, welcher auch vielfach literarisch 
hervorgetreten ist, war einige Zeit auch Präsident der chi¬ 
rurgischen Pirogow-Gesellschaft. 2) In St. Petersbarg am 27. 
Februar der ältere Arzt der St. Petersburger-Warschauer 
Eisenbahn, wirkl. Staatsrat Dr. Johann R ad eck i, int 
Alter von 70 Jahren nach mehr als 45-jäbriger ärztlicher Tä¬ 
tigkeit hauptsächlich als Frauen- und Kinderarzt. 3) Am 3. 
ilärz hierselbst der hiesige Arzt Dr. Anton Mishe- 
witsch im 65. Lebensjahre. Der Verstorbene hat seit 1862 
die ärztliche Praxis aasgeübt. 4) In Odessa am 25. Februar der 
städtische Sanitätsarzt Dr. Nicolai Ssokolow im 44. 
Lebensjahre. Nach Erlangung des Arztgrades an der Kiewer 
Universität hat der Verewigte 15 Jahre hindurch seine ärzt¬ 
liche Tätigkeit mit Erfolg seiner Vaterstadt Odessa gewid¬ 
met, anfangs als Ordinator am Stadthospital, die letzten 7 
Jahre als Sanitätsarzt. 5) ln Rostock der bekannte Kliniker 
Prof. emer. Dr. Theodor Thierfelder im Alter von 80 
Jahren. An der Rostocker Universität, wo er Direktor der 
medizinischen Klinik war, hat er von 1855 bis vor drei Jah¬ 
ren die Lehrtätigkeit ausgeiibt. 6) In London der königliche 
Leibarzt Sir Eduard Henry Sieveking im Alter von 
87 Jahren. Aus der grossen Zahl seiner Publikationen beben 
wir hier sein treffliches Handbuch tür Aerzte und Versiche- 
rnngsbeamte hervor, da9 vor mehr als 25 Jahren unter dem 
Titel «Der Vertrauensarzt bei Lebensversicherungen» (deutsch 
bearbeitet von Dr. Pierson in Dresden) erschien und zu 
den grundlegenden Arbeiten für die Versicherungsroedizin 
gehört. 

— Der Direktor der Würzburger gynäkologischen Klinik, 
Prof. D. Hofmeier hat den an ihn ergangenen ehrenvollen 
Ruf an die Universität Halle (als Nachfolger des Prof. 
B n m m) trotz der seitens des preussischen Kultusministe¬ 
riums gestellten änsserst günstigen Bedingungen ab ge¬ 
lehnt. Jetzt wird der Direktorder Erlanger Frauenklinik 
Prof. Dr. Veit als Kandidat für den vakanten Lehrstuhl in 
Halle genannt. 

. — Dem Sanitätsrat Dr. M. Salomo n (Berlin; iat für seine. 
Arbeit «Die Tuberkulose als Volkskrankhcit» von der H ufe- 
landschen Gesellschaft der Alvarenga-Preis 
verliehen worden. 

— Ehrengerichtliche Verurteilung eines 

Arztes. Im Korrespondenzblatt der ärztlichen Vereine des 
Königsreichs Sachsen ist soeben das Urteil des ärztlichen 
Elnengerichtshofes im Regierungsbezirk Dresden veröffent¬ 
licht worden, durch welches der praktische Arzt Dr. A. in 
Oberlössnilz wegen kontraktlichen Beziehungen 
zu der Bilz’schen Naturheilanstalt zu einer 
Geldstrafe von 1500 Mark, zur Aberkennung des 
Wahlrechts und der Wahl f ä h i g k e i t auf die Dauer 
von 5 Jahren und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt 
ist. (A. m. C.-Ztg.). 

— Wie wir dem «R. Wr.» entnehmen, ist zum Oberarzt 
der Sanitätskolonne, welche in Odessa auf Kosten einer Frau 
Aschkenasi formiert und auf den Kriegsschauplatz ge¬ 
sandt wird, der Privatdozent der Universität Jurjew (Dorpat) 
Dr. J. R. R u b i n s t e i n berufen worden. 

— Die Ausrüstungsstücke, welche ein Mili¬ 
tärarzt unbedingt haben muss, wenn er Truppen¬ 
teile in den Fernen Osten begleitet, sind nach dem im «Rus¬ 
sischen Invaliden» veröffentlicaen Verzeichnis folgende: Ein 
gewöhnliches Paar Stiefel und ein anderes Paar mit doppel¬ 
ten dicken Sohlen und Fellfütterung, ein Beinkleid aus dicken 
Hosentuch, Flanellleibwäscbe, Fausthandschuhe mit Pelzwerk 
gefüttert oder mit Daunen wattiert, eine Flanellleibbinde, 
eine Pelzjacke mit schwarzem Offizierstuch überzogen, einen 
sibirischen Doppelpelz eine hohe Pelzmütze mit laugen Ohren¬ 
klappen. ein Feldbett, eine Filzdecke, einen Pelzsack, ein Le¬ 
derpolster, eine dichte Pelzdecke, einen Gummimantel, einen 
Revolver, einen Säbel, eine elektrische Lampe, ein Reitpferd 
und ein zweites Pferd zum Tragen dieser Ausrüstungsge- 
genstäude- 

— Der XXI. Kongress für innere Medizin findet 
vom 5/18.—8 21. April d. J. in Leipzig unter dem Vorsitz 
des Prof. Dr. Merkel (Nürnberg) statt. Am ersten Sitzungs¬ 
tage werden die Proffi Marchand (Leipzig) und Rom- 
b e r g (Marburg) über die Arteriosklerose refe- 
riren. Die übrige Zeit ist den Einzelvorträgen und Demon¬ 
strationen gewidmet. Anmeldungen von Vorträgen bei dem 


ständigen Sekretär Geheimrat Dr. E. Pfeiffer, Wiesbaden, 
Parkstrasse 13. 

Vakanz. Für den Flecken Taps (Estland) mit ca.200) 
Einwohnern nnd die Umgegend wird ein freipraktizierender 
Arzt anf längere Zeit unter günstigen Bedingungen gesucht. 
Näheres in der örtlichen Apotheke. 

— Am 2. März hat der Verein der schnellen ärzt¬ 
lichen Hülfe in Riga seine erste Station 
eröffnet. Anf der Station ist eine beständige Dejonr. 
von einem Arzte nnd Feldscher eingerichtet nnd wird von 
diesen unentgeltlich die erste schnelle ärztliche Hülfe 
geleistet werden in allen Unglücksfällen, die auf den Strassen, 
bei Fabriken, Werkstätten, Eisenbahnen, Feuerschäden, allen 
öffentlichen Orten etc. in den Grenzen der Stadt Vorkommen. 
Die Hülfelei8tung bei Unglücksfällen in privaten Wohnnngeu 
gehört nicht zur Tätigkeit des Vereins. Bis jetzt haben 
bereits 24 Aerzte ihre unentgeltlichen Dienste dem Verein 
zugesagt. 

- 1 - Formalin als K o n s e r v i e r n n g s m i 11 e 1 
der Milch. In der letzten Sitzung der französischen 
Akademie der Wissenschaften wurde ein Bericht Trillat’s 
über die Verändernngen verlesen, denen das Casein ansge¬ 
setzt ist bei Zusatz von Forraalin zar Milch, wie solches be¬ 
kanntlich Prof. Behring empfohlen hat. Nach Trillats 
Versuchen ergaben sich beim Behringschen Verfahren 
zwei Uebelstände: es macht das Casein mehr oder weniger 
nnlöslich und daher die Milch weniger verdaulich und dann 
bewirkt es, dass immer freies Formalin in der mit diesem 
Antiseptikum konservierten Milch vorhanden ist. Daraus er- 
giebt sich eine Gefahr für das Funktionieren der Magen¬ 
schleimhaut, besonders bei der Ernährung der Säuglinge. 

Bf. 

— DieGesammtzahl der Kranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 28. Febr. 
d. h. 9596 (36 mehr als in d. Vorw.), darunter 468 Typhus — 
(26 wen.), 1025 Syphilis — (21 mehr), 238 Scharlach — (4 wen ), 
113 Diphtherie — (8 mehr), 115 Masern — (7 wen.) und 54 
Pockenkranke — (4 mehr als ln der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 


Für die Woche vom 8. bis zum 14. Februar 1904. 


Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im 

Ganzen: 

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* 

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344 

790 

132 

78 

115 

16 

8 

17 

67 

70 

77 

53 

72 

43 

11 

1 


2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 13, Febris recurrens 2,Typhus 
ohneBe8timmungderForml, Pocken 1, Masern 19,Scharlach 7, 
Diphtherie 15, Croup 0, Keuchhusten 5, Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 31, Erysipelas 4, Grippe 12. Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 90, Ruhr 2, Epidemische Meningitis 0, Akuter. 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0. 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und 
Septicaemie 13, Tuberkulose der Lungen 139, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 22, Alkoholismus und Delirium tremens 6. Le- 
bensschwäche und Atrophia infantum 33, Marasmus senilis 24; 
Krankheiten des Verdannngskanals 71, Todtgeborene 31. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 16. März 1904. 

Tagesordnung: 1) Hellat: Zur Diagnose nnd The¬ 
rapie der Nasenlues. 

2) G. Voss: Ein Fall von progressi¬ 
ver Bnlbärparalyse, mit Kranken¬ 
demonstration. 

NäohsteSitzung desDeutsohenärztlichen 
Vereins: Montag den 5. April 1904. 


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112 



ANNONCEN JEDER ART werden in der Buöhfiandtuiig ' von K. L. RICKE R in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in- und ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


Ein sehr nützliches Product aus Caseara-Sagrada 






Medicinische Akademie 
12. Juli 1892. 

Akademie der Wissenschaften 
1. April 1893 und 3. Juli 1899. 


C 13 H 10 0 


Erprobt: bei gewöhnlicher Verstopfung. Leberleiden, als 
antiseptisches Mittel für die Verdauungsorgane; bei Atonie des 
Verdauungskanals, Verstopfung bei Schwangeren und mit der 
Brust Stillenden, und gegen Gallenstein. 

Gewöhnliche Dosis in Pillen: 2 Pillen nach dem Essen 
oder zur Nacht vor dem Schlafengehen. 

Haupt-Depot: 62, rue de la Tour, (16) Paris. 

Depot in allen Apotheken und Droguenhandlunyen. 


Rationelle Heilung durch Phosphor 

RHOMNOL 


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hält 0,05 Gr.). 


dessen Hauptbestandteil reine Nucleinsäure ist, von Dr. Leprince hergestellt. 

C 40 , H 54 , Az 14 0 27 , P 4 . 

Erprobt: bei Phosphaturie, Neurasthenie, Rachitis, Blutarmut und Alterschwäche. 
Gebrauchsanweisung: 4 — 10 Pillen während der Mahlzeit. 

Dr. Leprince. 62, rue de la Tour, Paris. 

Erhältlich in allen besseren Apotheken. 


(29) 40-15 


SCHLOSS MARBACH b 


an) 


odensee 


eine vornehme Anstalt, in der durch hier ausgebil¬ 
dete, nur hier ansgeiibte, viel bewährte Behandlung 

Herz- u n (1 Nervenleiden 

günstig beeinflusst werden. 

Zwei Aerzte. ***** Prospecte durch die Verwaltung. 

Sommer- und Winterkuren. ( 21 ) 52 — 23 . 


MERAN 

Sanatorium für Lungenkranke 


(19) 15-12 


(Villen Hungaria). 

Näheres durch den Prospekt. 

Leitender Arzt: Dr. O. Oara. 


Vin de Vial 

Chinin, Fleiscbsaft und Milch¬ 
phosphorsauren Kalk enthaltend. 

Vollkommenes physiologisches 

Nährmittel. 


Tin de Vial vereinigt alle 
wirksamen Principien des phos¬ 
phorsauren Kalks, des Chinin 
und des rohen Fleisches. Diese 
drei Substanzen bilden ver¬ 
eint daß rationellste und voll¬ 
ständigste Tonicum. 

In der Dosis von einem 
Liqneurglas vor jeder Mahlzeit 
ergänzt es die ungenügende Er¬ 
nährung von Kranken und 
Convalescenten. 

VIAL freres, pharmaciens, 36, 
place Bellecour, Lyon, France. 



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Google 


























Bad Pernau. 



Prospeet. 


|<3)l as Bad Pernau, zugleich Kreisstadt in Livland, ist an der Pernauschen 

Meeresbucht gelegen, welche nach S-W offen ist. Die Stadt zählt circa 
16,000 Einwohner, hat Seeverbindung nach Riga und Eisenbahnverbindung 
nach Riga, Petersburg, Moskau etc. über Walk und Fellin. 

Die Gebäude der Stadt sind breit disponirt, die ausgedehnten Vorstädte 
haben einen ländlichen Charakter durch zahlreiche Gärten, Parkanlagen, 
und Alleen. Strandpromenade. 

Die sanitären Verhältnisse sind günstige durch Sandboden, artesische 
Brunnen, Bodendrainage aus Cement-Röhren. 

Curmittel: Reine staubfreie Seeluft, erfrischende Luftströmungen, wald¬ 
reiche Umgebung. Mittlere Lufttemperatur : im Juni 13,1° R., Juli 14,4° R., 
August 11,4" R. Die allgemeine Wirkung der Seeluft gilt als milde stimulirend. 



* * 




iir. 



UUg, 
ent- 
Heil- 
ralgie 
sser- 
»hlen 
i bis 
tion 


Dei¬ 


nen: 

itba- 


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******** 







Mildes Seebad, Salzgehalt o,6%, massiger Wellenschlag. Mittlere See¬ 
temperatur im Juni 15,0° R., Juli 16,i° R., August 13,4" R. Der Meeresgrund 

ist steinfreier, feinkörni¬ 
ger, fester Sand. Für 
Damen und Herren ge¬ 
trennte Badestege mit 
Badezellen. Das See¬ 
bad ist sehr milde, 

leicht erregend, beson¬ 
ders für Kinder sehr 

zuträglich. 

Die Badeanstalt, der Stadt gehörend, den modernen Anforderungen 
entsprechend, ist hart am Strande gelegen, hat gutventilirte, saubere Zellen. 
Verabfolgt werden : warme Seewasser-Bäder, eventuell verstärkt durch ver¬ 
schiedene Zusätze (Salz, Soole, Schwefel etc.), Schlamm-, Moor-, electrische 
und Kohlensäure-Bäder (System Fr. Keller). ‘Neuerdings hftizügekommen ist 
eine Abtheilung für hydrotherapeutische Proceduren aller Art, wie : Douche, 
Begiessungen, Abwaschungen, Fussbädet, Sitzbäder, Halbbäder, Einpackungen, 

Abreibungen etc., Massage, Heilgymnastik, Electrotherapie. Am Orte besteht 

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Seit 13 Jahren Leide Ich an einer hart¬ 
näckigen Neuralgie des Drillingsgesichts¬ 
nerves (des 2. nnd 3. Zweiges linken 
und des 2. Zweiges der rechten Seite), 
während welcher Zeit ich bei fast allen 
Berühmtheiten Europas Heilung suchte 
und die alleimöglichsten medizinischen 
Heilmittel aut probiert habe, einschliess¬ 
lich der grandiösen Mercurial- nnd Jod- 
Heilung, Klimat, Elektro- und Lichtthe¬ 
rapie nnd alle antinenralgischen. inne¬ 
ren nnd äusseren Mittel, jedoch ohne 
irgend einen wesentlichen Erfolg zu er¬ 
zielen — mit Ausnahme der temporären 
Besserung durch das Spanischfliegen- 
pfla8ter, Morphiumeinspritzungen npd 
Operation (Herausreissung der kranken 
Zweige des Drillingsgesichtsnerves) nnd 
wende ich mich jelzt durch diese Publi¬ 
kation an alle Aerzte, ob vielleicht einer 
von Ihnen ein Mittel oder eine Heilmethode 
kennt, dank welcher es ihm geluugeu 
ist eine vollkommene Heilung oder we¬ 
nigstens eine wesentliche Besserung in 
derartig fast hoffnungslosen Fällen zu 
erzielen nnd man durch Anwendung 
derselben auch gegen mein hartnäckiges 
Leiden, welches mich zum Morphinisten 
machte, auf Hülfe rechnen könnte- — 
Geil. Off. beliebe man zu richten an das 
St. Petersburger Hauptpostamt dem Vor¬ 
zeiger der Quittung der Annoncen-Exp; 
L. & E. Metzl & Co. snb. Nr. 11318- — 

(141 1-1. 


Dieser As liegt ein Prospect Uber «Bad Pernau* bei. 


J1.03B. ueHS.Cnö , 13 Mapta 1904 r. Herausgeber Dr. Rudolf \Y auach. Buchdruckei eiv. A. VVieuecke, Katharinenho*'er Pr.JSB I5- 


-- B +g iti zed-ky ■ 


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XXIX. JAHRGANG. 


UM/, c 

4 i 904 


ST. PETERSBURGER Nene Folge XXI Jahrg - 

I1DIC1IISCEE WOCHENSCHRIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio- Or. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der AbonnementBpreii ist in BueslandS Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustei!ung;in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnaertionipreis 
fürdie 3mal gespaltene Zeilen inPetitist 16Kop.oder35Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Origmalartikel zugesandt. 
— Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


KV* Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Bicker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect .Ns 14, zu richten. — Manus- 
cripte sowie alleaufdieRedaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführenden RedacteurDr.Btldolf Wa- 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-J?aulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von 2—3 Uhr. 


M 12 0 St. Petersburg, den 20. März (2. April). 


1904. 


Inhalt: Dr. E. Moritz: Zur Aetlologie der Arteriosklerose. — Dr. Matthias Hirschberg: Kosmetische Fehler 
der Hautgebilde und deren Behandlung. — Bucheranzeigen und Besprechungen: Prof. O. Henbner: Lehrbuch der 
Kinderheilkunde. — Therapie der Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrankheiten. Von Dr. Adalbert Heindl. — Kabschel. 
Velicb, Hraba. Die Lüftung und Heizung der Schulen. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. — 
Briefe aus Sibirien. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Zur Aetiologie der Arteriosklerose. 

Von 

Dr. E. Moritz. 


Die pathologischen Veränderungen des Gefäss-Systems, 
welche unter dem Titel Arteriosklerose im weitern Sinne 
znsammengefasst werden können, sind die fast unvermeid¬ 
lichen Konsequenzen höhern Alters, die anatomische Ba¬ 
sis des Marasmus senilis. Während beim gesunden und 
regelmässig lebenden Menschen die sklerotischen Ver¬ 
änderungen des Gefäss-Systems erst im 7. Dezennium, 
also jenseit des 60. Lebensjahres sich bemerkbar machen, 
sehen wir dieselben oft schon viel früher Störungen der 
Gesundheit bewirken und zum Tode führen. 

Unter den Schädlichkeiten, welche bekanntermasseQ 
vorzeitige Arteriosklerose bedingen, sind die am häufig¬ 
sten vorkommenden Syphilis und Alkohol. Obgleich nun 
hierüber wol unter den Aerzten kein Zweifel besteht, 
— so scheint mir doch noch die ßedentung dieser bei¬ 
den Faktoren nicht in ihrer vollen Schwere anerkannt 
zn sein. Darum habe ich versucht ziffermässige Belege 
dafür zu schaffen und zu diesem Zweck die letzten 100 
Fälle von Arteriosklerose des Deutschen Alex. Hospitals, 
welche Kranke im Alter bis 60 Jahre betrafen benutzt. 
Für den Versicherungs-Arzt kommen nur die 3 Dezennien 
von 30—60 Jahren in Betracht. 

Die betr. Krankengeschichten waren bezeichnet mit 
den für unseren Zweck gleichwertigen Diagnosen: Arte- 
riosklerosis, Aneurysma aortae, Angina pectoris, Myode- 
generatio cordis. Alle aus rheumatischer Endocarditis re¬ 
sultierende Klappenfehler, wenn auch der Herzmuskel 
später degenerierte, ebenso das einfache Fettherz der 
Säufer habe ich nicht berücksichtigt. Dagegen waren 
vielfach Komplikationen vorhanden: arteriosklerotische 
Klappenfehler der Aorta, Nephritis, Bronchitis, Emphy¬ 
sem and andere zufällige Erkrankungen, die zum Teil 
für den Exitus letalis von Bedeutung waren; in vielen 
Fällen ist die Diagnose durch Obduktion verifiziert. — 
In einzelnen Krankeil-Bögen fehlten Angaben über et¬ 


waige Lues (9) in anderen fehlten Angaben über Al¬ 
kohol (11) —, doch keinmal fehlten beide. 

In Bezug auf Lues ergab siob folgende Tabelle nach 
Altersklassen 


Fälle 

Jahr 

darun¬ 

posi¬ 

nlcus 

nega¬ 

ohne 



ter 

tiv 

molle 

tiv 

Angabe 

13 

31—40 

» 

8 

— 

5 

— 

43 

41—50 

» 

21 

2 

17 

3 

44 

51—60 

» 

18 

2 

18 

6 

100 



47 

4 

40 " 

9 


Rechnen wir die Fälle von Ulcus molle und die ohne 
Angabe ab, so bleiben uns 87, darunter 47 (54 pOt.) 
mit konstatierter Lnes gegen 40 bei geleugneter Lnes, 
und zwar hatte 

die Altersstufe 31—40 Jahr 62 pCt. 

» » 41—50 * 55 » 

» * 51—60 » 50 » 

Der jüngste Patient war 31 Jahre alt, — bei dem¬ 
selben wurde bei der Sektion Lues congenita konstatiert, 
die übrigen hatten alle ihre Syphilis wohlerworben; bei 
allen lag die Lues viele Jahre zurück — Minimum 
8 — Maximum 30 Jahre, bei der Mehrzahl (25) zwischen 
10 und 20 Jahren. Unter den 21 Fällen, welche unter 
der Haupt-Diagnose Aneurysma aortae verzeichnet sind, 
hatten 9 frühere Lues und 2 Ulcus molle eingestanden. 

Da das Kranken-Kontingent unsres Hospitals zu gros¬ 
sem Teil besser situirten Gesellschafts-Klassen angehört, 
kann man für dasselbe wol die von Erb für die Ge¬ 
samtzahl der erwachsenen männlichen Bevölkerung auf¬ 
gestellte Ziffer von 12 pCt. Syphilis als gültig annehmen 
(nach Fournier sind in Paris 15 pCt. aller Männer 
Syphilitiker). Somit würden die 54 pCt. Lues unter den 
Arteriosklerolikern wol beweisend genug sein, ganz ab¬ 
gesehen davon, dass sicher viele Fälle absichtlich oder 
aus Unkenntnis geleugnet wurden. Die 69 pCt. Syphili¬ 
tiker, die Etienne (Nanoy) unter 240 Fällen von 
Aorten-Aneurysmen fand darf man wol als allgemein gül¬ 
tige ungefähre Norm ansehen. Unsere kleine Tabelle be 


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1 IG 


stätigte das mehrfach behauptete frühzeitige Auftreteu 
der Sklerose bei Luetikern (ßdg r6n). 

Bezüglich des Alkohol habe ich folgende Zahlen ge¬ 
funden: Uebermässiger Alkohol-Konsum wurde einge¬ 
standen 47 mal, massiger, resp. mittlerer Alkohol-Kon¬ 
sum 88 mal, — 4 mal ganz io Abrede gestellt (alle 4 
leugneten auch Lues); Angaben über diesen Punkt fehl¬ 
ten 11 mal, — es waren also unter 89 Patienten 53 pCt. 
starke Trinker, 42 1 /* pCt. massige udü 4‘/2 pCt. Nicht- 
Trinker. Unter den oben erwähnten 47 Luetikern waren 
24 starke Trinker, 10 massige, — bei 7 fehlten die An¬ 
gaben über Alkohol — also unter 40 sklerotischen Lue¬ 
tikern 60 pCt. starke Trinker, 40 pCt. massige. 

Vorstehende wenn auch kleinen, aber aus unserem ein¬ 
heimischen Milieu stammenden Zahlen dürfteu genügen 
um die Wichtigkeit der erwähnten Schädlichkeiten für 
die Lebensdauer nochmals zu illustrieren. 


Kosmetische Fehler der Hautgebilde und deren 
Behandlung. 

Von 

Dr. Matthias Hirschberg. 

(Riga). 

(Vortrag, gehalten auf dem Livländischen Aerztetag. Pernau. 

1903). 


Meine Herren! Jeder praktische Arzt wird aus der 
Mitte seiner Klientel um Rat im Bezug auf kosmetische 
Fehler der Hautgebilde angegangen. Es ist daher rat¬ 
sam, dass wir auch diese kleinen Leiden nicht dem so¬ 
genannten niederen Heilpersonal oder gar Kurpfuschern 
jeglicher Art überlassen. Die Entwicklung der mo¬ 
dernen wissenschaftlichen Dermatologie und einer 
zielbewussten Technik machen es uns sogar zur Pflicht, 
sich auch dieses Gebietes aozunehmen. Nur muss jeder 
Arzt zu diesen Fragen Stellung nehmen, wie weit er 
den hier ins Unermessliche sich steigernden Wünschen des 
Publikums entgegenkommen darf, um einer ideellen Auf¬ 
fassung der Heilkunde treu zu bleiben, die darin be¬ 
steht, alle wissenschaftlichen Erfahrungen nach bestem 
Wissen und Gewissen zur Heilung von Krankheiten oder 
krankhaften Zuständen anzuweuden. Gerade in der 
Entscheidung von Fragen so delikater Natur, wie sie 
die Kosmetik der Hautgebilde manchmal vorstellt, be¬ 
darf es grosser Vorsicht. Bedenkt man, # dass hinsicht¬ 
lich vieler Schönheitsfehler die gegenseitigen Bezie¬ 
hungen der Geschlechter vielfach eine grosse Rolle 
spielen, und dass zugleich Perversionen des Geschmackes 
und krankhafte Moderichtungen hier zahlreich mitunter¬ 
laufen, dann wird man oft natürlich nicht nur nicht 
helfen wollen, sondern gewisse Bestrebungen geradezu 
zu verhindern suchen müssen, welche der gesunden 
Ethik und Aesthetik zuwiderlaufen. Man denke z. B. 
an das auffallende, höchst schädliche Strohgelbfärben der 
Haare, an gewisse Schminken, Haarmittel und rekla- 
menhaft, leider oft auch von Aerzten angepriesene Ver- 
jüngungstriinkchen. Um gegen diese Dinge energisch 
Front machen zu können, muss man freilich sich auch 
ihnen gegenüber nicht blind stellen. 

Unter den Alten wusste schon Ovid in seiner «Kunst 
zu lieben, und sich repräsentabel zu machen» einer Kunst 
de medicamine faciei *) und «ornatrix» eine «fucatrix» 
hinzuzufügen. Auch Martials Satyre schont diese 
Art der Kosmetik nicht. Dass diese schon im Altertum 
blüte, ist kein Wunder bei der Raffiniertheit der Ueber- 
kultur unter den ersten Zaesaren der Römer 2 ), deren 

') Bruchstücke c. 100 Verse, ars amatoria s. Remedia 
amoris (Ovid). 

a ) cf. J a m e s. Toilette d’une Romaine etc. (sehr inter¬ 
essant). 


tonangebende Erben die Romanen Italiens für das Mit¬ 
telalter und die Franzosen für die Neuzeit geworden sind. 

In den Kreis unserer heutigen Betrachtung werden 
wir nur jene kosmetischen Fehler der Hautgebilde 
ziehen, welche wirkliche Krankheiten vorstellen, und als 
solche zu Entstellungen führen oder sonstwie die ästhe¬ 
tischen Gesichtseindrücke der Umgebung unangenehm 
berühren, so dass sie den damit Behafteten auch sozial 
schädigen können. 

Da die hier in Betracht kommenden Leiden anend¬ 
liche Kombinationen vorstellen, so können hier nur 
die am häufigsten anzutreffenden betont werden, und 
zwar anatomisch in erster Reihe begrenzt als Krank- 
heiteu des schunheitlich auffallendsten Teiles des mensch¬ 
lichen Körpers, nämlich des Antlitzes. Eine Aus¬ 
nahme möchte ich mir mit der genaueren Schilderung 
eines physiol ogisc hen Zustandes erlauben. D. i. 
die Altersinvulution der Haut, welche freilich als Atro- 
phia cutis praematura senilis idiopathica auch eine 
Krankheit sui generis vorstellt. Die senile Degeneration 
der Haut, welche den absteigenden Teil der Entwick¬ 
lungsgeschichte derselben ausmacht, ist für die Beur¬ 
teilung vieler kosmetischen Fragen sehr wichtig 8 ) 4 ) 6 ) 6 ) ’’) 8 ). 

Die einfachen Gewebsverhäknisse der Haut in den 
ersten Monaten des fötalen Lebens ersehen 
Sie aus der Zeichnung nach von mir selbst angefertigten 
Hautpräparaten. Die Epidermis besteht aus zwei Zell¬ 
lagen auf einer wenig differenzierten zellreichen Cutis 
und Subcutis ohne Fett, Drüsen etc. — In den ersten 
Jahren nach der Geburt ist, abgesehen von der zarten 
Epidermis und den epidermalen Bildungen das sogenannte 
Hautskeiett, das fibrilläre kollagene Bindegewebe und 
elastische Fasernetz wenig ausgeprägt. Beim Neuge¬ 
borenen fehlen noch die elastischen Fasern. Das ver- 
hältnissmässig reichliche Fett, welches wenig trauben¬ 
förmig angeordnet ist, macht den Eindruck diffus 
injizierter Massen. In Folge dieser Verhältnisse bietet 
das Niveau der kindlichen Haut etwas Monotones, 
Charakterloses, grosse Polstermassen, tiefe Furchen, keine 
feinere Felderung, Behaarung ctc. — Die Jahre u m 
Zwanzig bilden in der Hautentwicklung den Höhe¬ 
punkt der Fülle, Elastizität, Kraft und Blüte. Feste 
Züge kollageneu Gewebes, ein elastisches Fasernetz, 
selbst bis an die Epidermis reichend, kräftige Muskel- 
bündel halten die polsternden Fettinassen stramm zu¬ 
sammen und bewirken die rasche Beweglichkeit. Auf 
dem Hautrelief sieht man die ausgeprägte feinlinige 
Felderung, Porenbildung und sonstigen Organisationen 
einer gesunden jungen Haut. — Aber früher als man 
denkt, ungefähr mit 25 Jahren beginnt schon die 
senile Degeneration, was sich nicht allzuschwer mikro- 
skopisch-färberisch nachweisen lässt. Die elastischen 
Fasern erscheinen dicker, vielleicht hyalin gequollen, 
weniger intensiv färbbar. Das kollagene Gewebe 
zeigt anch degenerative Färbe Verhältnisse. Es färbt 
sich in der Kontrastfärbung mit Fuchsin nicht durch¬ 
weg rosa, wie normale junge Haut,. sondern weist me- 
thylenblaugelärbte Kollazinschollen auf, wie sich 
sonst nur elastisches Gewebe färbt (Unna). Ailmälig 
tritt auch Verdünnung, geringere Kohäsion und ver¬ 
mehrte Pigmentation an den Zellen der Epidermis auf, 
desgleichen variköse (sklerotische) Veränderungen an den 
kleinen Gefässen, wahrscheinlich als Folge geringerer 
Widerstandsfähigkeit von Seiten des degenerierten ela- 


3 ) A n d r y, Prof. Journal des nialadies cutanöes par Foor- 
nier Nr. 12. December 1901. 

4 ) J. N e u m a n n. Lehrbuch der Hantkr. 1880. 

*) Schmidt. M. B. Virch. Arch, Band 125. 1891. 

8 ) Reizenstein. Monatsh- f. pr. Dermatologie. 1894. 
Bd. 18. Seite 1. 

7 ) Unna. (Orth. Sp. Pathol ). Hantkrankh. 1894. S. 988. 

•) Himmel J. M. Archiv f. Derm. 1903. Bd. 64. 1, 2. 


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117 


stischen Gewebes. Die Gesammtelastizität der alternden 
Haut, ihre Beweglichkeit and Mimik wird herabgesetzt. 
Infolge dessen kann sich auch das erste klinische Symptom 
der Altersinvolution der Haut — die Runzel etab- 
liereu, an welche sich dann kontinuierlich das übrige 
Welkwerden anscbliesst. 

Für die ärztlich kosmetische Behandlung sollten nur 
die praematuren Degenerationen in Betracht kommen. 
Natürlich werden wir uns nicht gerne dazu hergebeu, 
das wahre Alter durch Empfehlung von Farben, Emai- 
liernng, Pflästerchen (Schönheit*-, Mouches) u. A. kachieren 
zu helfen. Auf einen Versuch müsste man es ankommen 
lassen, seinen Patienten die Ueberzengung beizubringen, 
dass im Verständnis für das Altwerden eine grössere 
Kunst läge, als in der Kunst, nicht altern zu wollen. 
Freilich ist die Erziehung seiner Patienten zur Resi¬ 
gnation eine der schwierigsten Aufgaben des Arztes. 

Von pharmazeutischen Mitteln gegen frühe 
Falten und das Welkwerden sind verschiedene Tonika, 
Alkoholika und Essige, empfohlen worden, besonders da, 
wo Erschöpfungszustände, Nerven- und geistige Anstren¬ 
gungen (Denkerfalten) mitspielen. Bestehende Falten 
sucht man mit Oel oder Lanolin weich zu machen, sie 
dann zu glätten und durch Collodium elasticnm glatt 
zu erhalten®). Auch Faradisation, Massage, erweichende 
Kompressen erweisen sich bei solchen Inanationsstadien 
der Haut wirksam. Auf die prophylaktische Massage 
komme ich noch gelegentlich der Aknebehandlung zurück. 

Zeigt uns so schon die normale Wachstumgeschichte 
der Haut, dass neben lokalen Bedingungen allgemeine 
Körpereinflüsse auf die Schönheit und Gesundheit der 
Hautgebilde direkt oder indirekt einwirken, um wieviel 
mehr wird es bei allgemeinen Erkrankungen ersichtlich. 
Ja, es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass 
jede Krankheit, besonders chronischer Natur, kosme¬ 
tische Veränderungen im Gesicht hervorrufe. Kann 
man nicht ebenso wie von einem Bierherzen von einem 
Biergesicht reden ? Die Blausucht bei angebornen Herz¬ 
fehlern, die Gefässschlängelungen und Varikositäten bei 
Arteriosklerotikern und Eraphysematikern sind hierher ge¬ 
hörige Beispiele; ebenso die polstrige Haut Myxödema- 
töser, der blassweisslich-gelbliche Ton Nierenkranker, 
der gelbgrüne Ikterischer, der grangrüne Chlorotischer 
der kachektische Karzinomatöser, der Gesichtsausdruck 
Herzleideuder u. s. w. So interessant diese Erschei¬ 
nungen sind, so gehört ihre klinische Beobachtung und 
Behandlung eher dem Internisten und Chirurgen als dem 
Dermatologen. Wir werden daher von ihnen ebenso 
wie von der kosmetischen Beeinflussung des Gesichtes, 
infolge von Nerven- nnd Gehirukrankheiten absehen 
müssen. 

Von akuten exanthematischen Infektionskrankheiten 
lassen die Variola vera am häufigsten und die Varicellen 
in sehr seltenen Fällen und in vereinzelten Exemplaren 
kosmetische Fehler und Stigmata zurück. D. h. die 
bekannten Pockennarben. Das akute oberflächliche 
Erysipel bewirkt manchmal eine Verschönerung des 
Teints. Tadelnswert ist jedenfalls das Experiment, ober¬ 
flächliche bösartige Tumoren, den Lupus u. A. durch 
Erysipelimpfung bekämpfen zu wollen, wie es geschehn 
ist. Die Kenntnis der Narbenbildung bei Variola klärt 
auch Manches über Narbenbildung und Heilung über¬ 
haupt auf. Hier und da tauchen Metoden auf, welche 
Variola, Verbrennungen und andere tiefere Eiternngs- 
prozesse der Haut ohne Narben zu heilen versprechen. 
Eitriger Zerfall oder Pustelbildung mit alleiniger Be¬ 
teiligung der Epidermis werden nie Narben machen, 
Nekrosen mit Teilname der Kutis stets. Kaposi' 0 ) 
meint: «Darnach können Sie den Wert jener Auprei- 

•) Paschkis. Kosmetik f. Aerzte. Wien 1895. 

10 ) Kaposi. Lehrbuch. 


sungen ermessen, nach welchen das Auflegen oder Ein¬ 
schmieren dieser oder jener Salbe oder Tinktur, oder 
das Abhalten des Lichtes und vieles Andere z. T. Aben¬ 
teuerliche die Pockennarben verhütet habe. Die gün¬ 
stigere oder ungünstigere anatomische Anlage der Pocken 
ist imvoraus in dieser Beziehung bestimmend». 

Als Kaposi so schrieb, war die F i n s e n sehe") Rot¬ 
lichtbehandlung, d. h. die Abhaltung chemischer Licht¬ 
strahlen, sjpoch nicht bekannt. Dass dieselbe in der Ver¬ 
hütung tieferer Eiterungen gute Resultate zeitigen kann, 
haben Sie unter anderen Arbeiten auch aus einer Demon¬ 
stration von Dr. Berkholz auf dem üvl. Aerztetag 
1901 ersehen können. Der Mangel chemischer Strahlen 
schwächt wahrscheinlich die Virulenz ab, und die Eiter¬ 
bildung beschränkt sich auf die epidermoidalen Teile, 
Ist aber einmal die Cutis ergriffen, so 
wird auch diese Metode nicht Narbenbil¬ 
dung verhindern können. Aehnlich liegen die 
Verhältnisse bei Brandnarben. Ein Trost ist es, dass 
mit der Zeit alle Narben flacher werden. Durch 
Schrumpfung des Narbengewebes wird das gesunde Ge¬ 
webe näher gezogen und so das Niveau mehr weniger 
ausgeglichen. Welcher Narben behaftete und Pocken¬ 
narbige möchte aber seine Fehler gerne der Zeit zur 
Reparatur überlassen? Bei vereinzelten unschönen Nar¬ 
ben kann oft die chirurgische Plastik viel Nutzen 
schaffen. Von pharmazeutischen Mitteln ist dem Thiosin- 
amin (Allylthioharnstoff) das Wort geredet worden, 
welches nach Hebra junior ,a ) Narbengewebe erweicht 
und flexibel macht. Zu den ursprünglichen spirituösen 
Injektionen (10—15 pCt.) kamen durch Unna 1S ) Thio- 
8iuarainpflastermulle «gegen fibröse Tumoren verschie¬ 
dener Art, Keloide von Schnittwunden und Aetzungen, 
fibröse Stränge auf dem Boden von Varicen, Lepromen, 
Syphiloraen, Lupus . . . und sogar Pockennarben». Für 
diese Thiusinaminwirknng trat noch eine ganze Reihe 
von Autoren ein (Sinei air, Tonsey u. a.), von 
anderen wurde sie aber auch angefoebten (Ber¬ 
liner '*). *) Vereinzelte Pockennarben können 
kosmetisch durch subkutane Paraffininjek¬ 
tionen gehoben und repariert werden — nach der 
Gersuny sehen Metode, wie sie in neuester Zeit mit 
vielem Erfolg bei der Reparatur von Nasendifformitäten 
gleichviel ob luetischen, leprösen oder andern Ursprungs 
angewandt wird, wo durch Nekrose des Knochens oder 
Knorpels die Haut eingesunken oder sonstwie verzerrt 
ist. — Ob das Paraffin mit der Zeit resobiert und aus 
dem Körper eliminiert wird, das zu beurteilen, dazu ist 
die Zeit seit der Entdeckung dieses Verfahrens zu kurz. 

An zwei Moulagen sehen Sie eine von mir nach dieser 
Metode korrigierte Nase vor und nach der Korrektur. 
Ich benutzte Paraffinum solidum vom Schmelzungsgrad 
45° C. und eine einfache Punktionspritze mit breiter 
Nadel. Leichter zu injizieren ist ein Gemisch von Pa¬ 
raffinvaselin. 

Da es bei Operationen im Gesicht und an den sonst 
unbedockt getragenen Teilen auf schöne Narben an¬ 
kommt, wird mau sich jedes mal die Vidal sehen und 
Langersehen Spaltrichtungen 16 ) ,c ) der Haut ins Ge¬ 
dächtnis zurückrufen müssen. 

Die lokalisierten Leideu, welche zu kosmetischen 
Fehlern im Gesicht führen, wird man bekanntlich in 


“) Protokolle d. Livl. Aerztetages. Riga 1901. 

,2 ) H. H e b r a. ilonatsh. f. pr. Denn. (Unna) Bd. XV. 
S. 337. 

13 ) U u n «i. Monalsh. f. pr. Denn. Bd. XXIX. II. S. 500. 

14 ) Berliner Monatsh. f. pr. Denn. Bd. XXXIV 1902. 8. 321. 
*) Verhandlungen der deutschen dem. (Tesellsclr IV. Congr. 

1894 von H o o in. Klin. n. bakter. Erfahrungen über Thiosi- 
namin. 

’*) cf. v. Brunn «Haut». Bardeleben Anatomie 1897. 

IG ) Rau ber, Haut. Anatomie 1902. 


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118 


bösartige and gutartige scheiden. Bei den bös¬ 
artigen Tumoren und dem Lupus im Gesicht haben die 
zu treffenden Massnahmen natürlich ernstere Motive 
als die kosmetischen, diese kommen erst in zweiter Reihe 
in Betracht. Die Fragestellung heisst hier, mit welchen 
Radikalmitteln setzen wir hier die geringsten kosmeti¬ 
schen Defekte. Sie wissen, meine Herren, wie sich ur¬ 
sprünglich um die Behandlung des Lupus dank F i n s e n 
uud Röntgen fast ein ganz neues Spifcialgebiet, 
die Licht- und Radiotherapie herauskrystallisiert hat, 
die in ihren Kreis bald alle Hautkrankheiten hinein¬ 
ziehen möchte; Epitheliome, chron. Ekzeme, Mykosen etc. 
Eine neue Panacee! 

Wenn wir hier von den Uebertreibungen absehn, und 
man auch objektiv-kritisch daran noch festhalten muss, 
dass die Finsen- und X-Strahlen bisher ihres Rätsel¬ 
haften noch nicht entkleidet sind (J a r i s c h 17 ) und 
noch im Zeichen des Experiments stehn, so wird man 
dennoch der Lichttherapie in kosmetischer Beziehung 
viele Heilerfolge zusprechen müssen. Interessant sind 
die statistischen Berichte Finsens für das interna¬ 
tionale Zentralbureau über seine Heilerfolge bei Lupus 
vulg. (Gustav Fischers Verlag, Jena). Die näheren De¬ 
tails der Radio- und Finsentherapie klärt das Buch voii 
Freund 18 ) auf. 

Die längsten Dauererfolge in kosmetischer Bezie¬ 
hung haben bis jetzt beim Lupus vulgaris unzweifelhaft 
die chirurgischen Eingriffe aufzuweisen (Auslöffeln. 
Sticheln, plastische Operationen) und zwar in erster 
Reihe die Transplantationen gestielter Lappen nach 
Thierse h und ungestielter nach Krause ,9 ). Andere 
physiko-therapeutische Behänd Jungs weisen gegenüber dem 
Lupus v. werden mit dem Paquelin, der Elektrolyse, 
dem Mikro- und Heissluftbrenner 20 ) vorgennmraen. Die 
Zahl und Applikationsweise pharmazeutischer Mittel 
ist Legion (äusser lieb; Pyrogallussalbevon elektiver 
Wirkung, Spickmetode nach Unna mit in Liquor 
stibii chlorati getauchten Buchenstäbchen, Kreosot, Arsen¬ 
pasten, Kaliseifen und vieles Andere sogar Tuberkulin¬ 
seife nach Unna — intern: Kreosot, Fluornatrium, 
Injektionen mit Kochschem und Klebschem Tuber¬ 
kulin und Tuberkuloidin, kantharidinsaurem Kali nach 
Liebreich, mit Eiweiss nach D e h i o 21 ) etc.) — 
Erwähnt darf es werden, dass dieselben Metoden auch 
beim Hautkrebs und Epitheliom im Gesicht 
häufig zum Schaden der Kranken verwandt worden sind, 
wo das Messer als vorzüglichstes, ja einziges Mittel in 
Betracht kommt. 

Der Lupus erythematodes, welcher seinen 
Lieblingssitz im Gesicht hat und in seiner bekanntesten 
Schmetterlingsform einen auffallenden kosmetischen De¬ 
fekt vorstellt, bildet einen gewissen Uebergang zwischen 
den bös- und gutartigen Hauterkrankungen im Gesicht. 
Der Streit zwischen den deutschen und französischen 
Dermatologen über die Zu- respektive Nichtzugehörig¬ 
keit des Lupus erythematodes zur Tuberkulose 92 ) hat 
auf die Therapie schon insofern Bezug, als wir darauf 
bedacht sein müssen, dass trotz des auffallenden histo¬ 
logischen Unterschiedes zwischen L. vulgaris und erythe- 

*) Deutsch. Med. Wochenschr. Nr. 1903. A. E. Stein. 
Ueber Verwendung von liartein und weichem Paraff. (Da¬ 
selbst ausführl. Litteraturangaben). 

,7 ) J arisch. Hautkrankheiten 1900. S. 519. 

,8 ) Leopold Freund, ‘irundriss der gesamraten Radio¬ 
therapie furprakt. Aerzte. Berlin-Wien 1903. Urban Schwar¬ 
zenberg (cf. Seredde et Pantrier. Phototherapie etc. Paris — 
Naud). 

**) Lang. Lupus und dessen operative Behandlung. 1898 
Wien. 

l0 ) Holländer. Internat. med. Kongr. Moskau, D. med. 
Wochenschr. 1897. 

S1 ) Livl. Aerztetag 1902. Vortrag und Demonstration. Prof. 

D e h i o. 

") cf. Litteratur bei Ja risch. Hantkr. S. 551. 


matodes ein grosser Prozentsatz Lnp. erythematodes 
Kranker auch, abgesehen von der Haut, sonstwo tu- 
berkulö? sein kann. Neben dem Lupus erythematodes 
steht eine Hautaffektion, die ihrem Träger oder ihrer 
Trägerin schönheitlich peinlich sein kann — eine leicht 
schuppende Röte um die Haare der Augenbrauen und 
Stirn, welche seit der frühesten Jugend kontinuierlich 
besteht. Unna-Taenzer bezeichnen diese als Ule¬ 
rythema. Ich glaube in mehreren Fällen eine familiär¬ 
erbliche Anlage dazu bemerkt zu haben. 

Die Behandlung sowohl dieses Zustandes als auch des 
L. erythematodes muss eine möglichst reizlose und scho- 
neude sein. Sie ist schon insofern eine gegensätzliche 
gegen die Lupus vulgaris - Behandlung als mau bei vul¬ 
garis Hyperämisierung, beim erythematodes Anämisierung 
erstrebt. Von mechanisch operativen Eingriffen sind die 
Skarifikationen nach Vidal, die Nadelpnnktionen und 
die Elektrolyse die wichtigsten. Finsen- nnd Rönt- 
genkuren scheinen mir schon theoretisch insofern nicht 
am Platze, als sie hyperämisierend wirken. 

Die Skarifikationen, Akupnuktur, Mikropaquelin, Mi- 
krobrenuer-Unna und die Elektrolyse sind gegen hype- 
rämisierende Zustände der Haut, richtig angewandt, 
häufig zu verwendende kosmetisch-therapeutische Me¬ 
lden. Die Ausführung der Skarifikationen ist äusserst 
leicht und deswegen besonders empfehlenswert. Mau 
legt mit einem leichten (Star )Messerchen seichte para- 
lelle und sich kreuzende Schnitte an, so dass die 
Schnittfignr einem sehr feinmaschigen Netze gleicht. 
Die Tiefe der Schnitte muss ungefähr der bei der Pocken¬ 
impfung gleich sein. Die meist geringe Blutung wird 
durch Aufdrücken von Watte gestillt. Narben werden 
bei aseptischer, sachgemässer Ausführung nie entstehen. 

Pharmazeutisch-therapeutisch kommen beim Lupus 
erythematodes neben dem von Kaposi warm empfoh¬ 
lenen Eraplastrum Hydrarg. cingr. schwach reduzierende 
Mittel in Betracht — Schwefel, Resorcin u. a., welche 
am besten der Lassarsch en Ziukpasta inkorporiert 
werden könneu. 

Dass für die Behandlung der bösartigen und 
ernsteren Erkrankungen der Hautgebilder des Ge¬ 
sichts — Epitheliom, Lupus vulgaris and erythematodes 
— ernstere Massregeln, Zeit und Geduld nötig sind, ist 
selbstverständlich; und dass trotz gründlicher Hingabe 
hier oft die erwünschten Erfolge ausbleiben ist auch 
nicht neu. 

Ein Verdienst der neueren Zeit ist es, die kosme¬ 
tische Behandlung der angeborenen oder jedenfalls em¬ 
bryonal beanlagten Pigment-, Warzen- und Ge- 
fässraäler ausgebildet zu haben 2S ). Der Volksmnnd 
hat schon in seinen Bezeichnungen für diese Erschei 
nungeu, Maus, Kainszeichen, Feuermal etc., einen ge¬ 
wissen Horror vor ihnen ausdrücken wollen. Um so 
unverständlicher erscheint es, wie zu einer gewissen 
Zeit die Frauen, auch wenn ihr Gesicht rein war, sich 
künstlich solche Pigmentnaevi in Gestalt der bekannten 
Schönheitspflästerchen und Mouches anlegten. Freilich 
konnte man unter ihnen Vieles verbergen! 

Heute sind wir wohl zumeist diese Unsitte losge- 
wordeu and wir können sowohl die epidermoidalen 
Warzenmäler, als auch die angioraatösen Gefässmäler 
kosmetisch gnt beeinflussen, wegschaffen oder korri¬ 
gieren. Hinsichtlich der Prognose wäre zu bemerken, 
dass sehr ausgedehnte, multiple und multilokulare Maler 
sich von vornherein einer erfolgreichen radikalen Be¬ 
handlung entziehen (Froehlich), und dass Naevi verschie¬ 
denster Provenienz der Ausgangspunkt bösartiger Er¬ 
krankungen werden können. 


“) ef. Beiträge zur Behandlung der Mäler. Dr. Willi. 
Froehlich — Leipzig. Naumann. Mediz. Bibi. f. pr&kt- 
AeiÄte. 


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119 


Die einfachen Warzenrnäler Werden wie andere klei¬ 
nere Tumoren abgetragen. Weit mehr Schwierigkeiten 
machen die Gefässmäler wegen der Gefässverhältnisse. 
Die Gelasse zeigen neben der Vermehrnng an sich auch 
in ihrer Reaktion auf Reize sich anders als normale. 
Die gegen Gefässmäler zu ergreifenden Metoden werden 
auch durch den Sitz, durch die Form und Grösse beein¬ 
flusst werden. Es kann nicht gleichgültig sein, ob man 
es mit einem kleinen ganz flachen Naevustelangiektodes 
oder einem grossen kavernösen Angiom, ob mit einem 
diffus ins Gesunde übergehenden oder einem gestielten 
Tumor zu tun hat. 

Chirurgisch kommen totale und partielle Entfernung 
der Maler durch Ligatur der Gefässgeschwulst im Ganzen, 
die Exstirpation mit dem Messer, das Ausschälen mit 
dem scharfen Löffel und das Abbrennen mit dem Pa- 
quelin oder durch Galvanokaustik in Anwendung. 

Als leichtere chirurgische Eingriffe sind bei flachen 
Naevi die schon früher erwähnten Skarifikationen und 
Stichelungen mit dem Unnaschen Mikrobrenner 
sehr wirksam. 

Zur Verödung der Gefässe ist eine Menge von Me¬ 
toden herangezogen worden, selbst nach unserer.heu¬ 
tigen Auffassung unraedizinische, einerseits Aetzmittel, 
welche unschöne Narben erzeugen (auch die Vaccina- 
tion!), andererseits Blutgerinnung erzeugende Mittel 
welche gefährliche Thromben erzeugen können. Die 
gebräuchlichste Metode ist heute die Elektrolyse, 
welche bis hierzu bezüglich der kosmetischen Narben¬ 
bildung die besten Erfolge hat. Es werden Strom- 
stärkemaxima bis 50 Milliamp. angewandt. Man beginnt 
mit schwächeren und lässt stärkere Ströme allmählich, 
ja nur nicht ruckweise, einschleichen. Als Batterie ist 
schon eine 20elementige tragbare mit Chromsäure oder 
Leclanchö — Elementen in den meisten Fällen ausreichend. 
Ohne Galvanometer soll man nicht elektrolytische Kuren 
m^ch eiL pie Wi rkung liegt am negativen J 3 »! — an der 
Katode. Hier befindet sich die mit einem Unterbrecher 
versehene Elektrode mit einer oder mehreren Nadeln 
welche in die zu behandelnde Partie eingestochen wer¬ 
den. Als Anode wird eine biegsame Platte, Kugel oder 
Handelektrode genommen. — Es ist gut, sich mit dieser 
Methode vertraut gemacht zu haben, weil sie auch zum 
Epilieren z. B. bei angeborener Trichiasis (Mar.uweiber) 
die einzig erfolgreiche Behandlung darstellt. (Auode in 
der Hand, Nadel in die Follikel, c. 1'/* Milliamp., 
15. Sek.). 

Gehen wir nach dieser kleinen Abschweifung zu den 
gutartigen Hauterkrankungen im Gesicht über, wel¬ 
che kosmetische Beeinträchtigung hervorrufen, so bean¬ 
spruchen die Akne formen mit ihren Begleiterschei¬ 
nungen den ersten Platz. — Auf dem 6. Kongress der 
deutschen dermatologischen Gesellschaft ist die Akne 
als eine der Programmfragen diskutiert worden. Dort 
hat T o u t o n - Wiesbaden als Referent eine komplete 
Zusammenfassung der Aetiologie und Pathologie ge¬ 
geben. Nach ihm wird die Akne definiert als ent¬ 
zündliche, zur Eiterung tendierende pri¬ 
märe Affektion der H a a r t a 1 g fo 1 lik e 1, 
mit vorwiegender Beteiligung der Talg¬ 
drüsen, Affektionen, deren Einzelele¬ 
mente einen akuten Verlauf haben. Ob¬ 
gleich an einigen Gegenden des menschlichen Körpers 
(Lippenrand, labia minora, glans und präeputium penis, 
Tysonsclie Drüsen) auch haarlose Talgdrüsen Vorkommen 
gehören zur Aknebildung besonders Lanugo- 
haare mit relativ grossen Talgdrüsen, wie 
sie am Gesicht, Rücken und der Brust Vorkommen. Wo 
es sich um eine Entzündung der Haarbälge selbst han¬ 
delt, müsste man eher von Follikulitiden im engeren 
Sinne sprechen. Im Gauzen spielt sich aber bei beiden 


Prozessen eine Entzündung sowohl des epithelialen, als 
auch des dazu gehörigen bindegewebigen Teiles, des 
Blutgefässmantels des Follikels ab. 

Die Akne vulgaris, disseminata, juvenilis (inflamma- 
toria) ist die Hauptrepräsentantin der so definierten 
Aknegruppe. Darunter hat man aber nicht die Knöt¬ 
chen allein, sondern den gesammten aknösen 
Zustand zu verstehn. Diese setzt sich aus der Seborr- 
hoea oleosa (Schmeerfluss, Fettglanz), den Komraedonen 
(Mittessern), den entzündlichen Akneknötchen und Pus¬ 
teln (Finnen), den Milien (Hautgries), sowie einigen 
Begleit- und Folgezuständen-Atherom (Molluscum athe- 
romatosum), Pigmentöecken. Narben und Doppelkomme- 
donen zusammen. Die häufige, aber nicht konstante 
Hyperämie wird hier im Symptomenkomplex absichtlich 
weggelassen, um nicht die Akne vulgaris mit der Akne 
rosacea und telangiektodes zusaramenzuwerfen. 

Barthelemy meint, dass jeder Akne die fet¬ 
tige Seborrhoe (Acn6 sebacA fluaute Cazenave, 
Schmeorzfluss) vorhergehen muss. Der Fetterguss ent¬ 
stammt zum allergrössten Teil aus den Talgdrüsen. 
Unnas hyperhidrosis oleosa, deren Namen von der 
Auffassung entsprang, dass das meiste, auf die Haut 
sezernierte Fett von den Schweissdrüsen geliefert würde, 
hat sich als unhaltbar erwiesen. Die Seborrhoe des Ge¬ 
sichtes tritt vorwiegend an der Stirn, Nase, Schläfe, am 
Kinn besonders bei brünetten Individuen während der 
Pubertätsjahre auf (Kaposi). Nähere Angaben über den 
Grad, die Entwicklung und die lokale Verteilung der 
Fettsekretion macht Arn^zan 1 *). Beim Neugeborenen 
findet sich keine Fettsekretion, beim Mannbarwerden 
das Maximum; mit dem Altwerden vermindert es sich 
sukzessive. Im Entwicklungsgänge bildet die Nase das 
Zentrum der Ausbreitung der Fettabsonderung; es folgt 
das übrige Gesicht etc. Auf dem behaarten Kopfe be¬ 
wirkt die Seborrhoe jenen hässlichen und oft zur Alo¬ 
pecia pityrodes führenden Zustand, den man Pityriasis 
capitis, Schelfer, Schinnen Dennt (wohl zu unterscheiden 
von den Kopfnissen — Pedikulosis). Der Unterschied 
im klinischen Bilde zwischen der Seborrhoea oleosa und 
sicca (Ekzema seborrhoicum Unna) scheint darin zu be¬ 
stehen, dass bei der sicca zur gesteigerten Fettsekretion 
noch Verhornungsanomalien und entzündliche Vorgänge 
sich hinzugesellen. Wir sind hier auf einem in der 
Dermatologie noch sehr strittigen Gebiete, ebenso wie 
in der Frage, ob Mikrokokken die primäre Ursache der 
Seborrhoe (Unna, von Hoorn, Sabourand) abgeben, oder 
sich nur als unliebsame Gäste hinzugesellen as ). Dass es 
sich bei der Seborrhoe oft um reine Innervationsein¬ 
flüsse ohne Bazillen handeln kann, dafür scheint mir die 
Tatsache zu sprechen, dass ein fettiger Erguss bei Neu¬ 
rasthenikern und Chlorotischen plötzlich auftreten kann 

Das nächste Symptom der Akne vulgaris 3ind die. 
Komedonen (Mittesser), in Folge des schwarzen 
Kopfes als Akne punctata bezeichnet. Das pathologisch- 
anatomische Zustandekommen ist noch nicht völlig ge¬ 
klärt. Erschlaffung der musculi arrectores pili (Pospe- 
low), chemische Abnormitäten, mangelhafte Fettumwand¬ 
lung sind beschuldigt worden. Touton und Unna 
sehen im Komedo eine gemischte Horn- und Talgzyste. 
Der herausgedrückte, wurmähnliche Mittesser setzt 
sich aus Talg, Talgzellen und Membranen und Horn¬ 
zellen zusammen. Der schwarze Kopf ist nicht schwarzer 
Staub oder Schmutz, sondern ein Umwandlungsprodukt 
des Kreatins der Hornzellen (Unna). Diese Koraedonen 
können zur Atrophie der Follikel führen oder sich eud- 
zündlich in typische Akneknötchen transformieren (Akne 
papulosa, pustulosa, nodosa, indurata, tuberkulosa, phleg- 

M ) Arnozan. De la repartition des s&retions grosses 
normales k la snrface de la peao. Annaies de derra. 1893. 

(J a r i e c h S. 974). 


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monosa). Bemerkt sei, dass das papulöse Knötchen sich 
nicht immer erst ans dem Komedo entwickeln muss, 
sondern auch spontan als solches anftreten kann. Das 
Akneknötchen als Entzündung der Talgdrüse and ihrer 
Umgebung setzt sich anatomisch aus den bekannten Ele¬ 
menten der Entzündung zusammen: Exsudat, strotzende 
Gefässe, erweiterte, ödematöse Maschenräume im Corium, 
Rundzellen u. s. w. Die weiteren Folgen der entzünd¬ 
lichen Nenbildung von Bindegewebe, Induration, Nar- 
ben-Abszessbildung, Unnas Plasmom (Riesen-, Rund- und 
Plasmazellen) komplizieren das Bild der Akne vulgaris. 

Häufig vergesellschaften sich mit ihr noch die Milien 
um Lider, Wangen und Schläfe — kleine Epithelialge- 
schwülste als Reteutionsformen in einer präformierteu 
Talgdrüse oder als Abschnürungen ins Corium hinein. 
Tumorbildungen ähnlicher Art sind auch die Aterome 
und Molluska ateromatosa. Einfaches Auf¬ 
schlitzen hilft gegen sie nicht, sie müssen in toto mit 
dem Sack ausgeschält werden. 

Obgleich noch Vieles in der Aetiologie der Akne hy¬ 
pothetisch ist, so kann sie doch nicht ausser Acht ge¬ 
lassen werden. 

Während der Pubertät ist die gesammte physiolo¬ 
gische Tätigkeit, also auch des Hauttalgapparates ge¬ 
steigert. Einer angeborenen Neigung zur stärkeren 
Hornproduktion mit festzusammenhängenden Hornzelleu 
steht Missverhältnis zwischen Produktion und Ausschei¬ 
dung des Talges gegenüber. Diese Verhältnisse oder 
eine schon an und für sich dickere Haut präparieren 
einem eindringenden Virus den Boden (Touton). So 
kommen wir gegenüber der rein mechanischen Werth- 
heimschen Theorie zur bakteriellen, zu welcher 
die jüngeren Dermatologen immer mehr nnd mehr 
neigen. Neben Unna (Flaschenbakterien) sind es be¬ 
sonders französische Dermatologen, die den bakteriellen 
Akneerregern das Wort reden. Barthelemy war der 
erste (Sabourand* 6 ). — Die andern ätiologischen Mo¬ 
mente : Magenkrankheiten, Darmfäulnis, reflektorische 
Beeinflussung von Seiten der Genitalsphäre, Chlorose, 
Skrophulose, Artritis, Diabetes, chronische Rhinitis, chro¬ 
nischer Genuss von Alkohol, Kaffee sind vielleicht nur 
Gelegenheitsursachen, die aber bei der Therapie nicht 
vernachlässigt werden dürfen, ln neuester Zeit mehrt 
sich die Kasuistik der Chlor-, Brom-, Theer-, Phenazetin- 
und sonstiger chemischer Akneformen. Ob solche che¬ 
mische Produkte, trotz vieler Studien über die Ausschei¬ 
dung derselben, mittelbare oder unmittelbare Wirkung 
ausüben, ist noch nicht völlig aufgeklärt. Bei der Be¬ 
handlung wird man einschlagigenfalls diese Stoffe na¬ 
türlich zu vermeiden haben. 

Die Therapie der Akne vulgaris, der häufigsten 
kosmetischen Erkrankungen der Gesichts¬ 
haut, erfordert neben grösster Objektivität bedeutende 
Energie von Seiten des Arztes, 

Die Objektivität vermisst man beim Studium der 
Litteratur über diese Frage leider zu oft. Der Eine be¬ 
handelt die Akne nur von innen, der Andere nur von 
aussen; der Eine massiert, der Andere massiert nicht, 
weil er die Bakterien fürchtet; der eine desinfiziert den 
Darm mit Hefe, Menthol, Ichthiol und Urotropin, der 
aDdre die Haut mit Schwefel, Naphtol, Resorcin etc.; 
der eine hat chirurgische Neigung, stichelt, löffelt und 
skarifiziert, der andre elektrolysiert, röntgent und fin- 
sent. Die Amerikaner (Biffard, Robinson, Scher¬ 
well, De ns low, Winfield) fassen die Akne als 
Reflexneurose von der Urethra, resp. Vagina auf und 
behandeln lokal von dieser Stelle aus. Wo von Heilmit- 


-») Sabourand Les Maladies du cuircheveln. Paris 1932. 
Masson A. C. (Seborrhoe, Acn6s, Calvitie). 


teln soviel geboten wird, wird man bezüglich des Er¬ 
folges gewöhnlich etwas mistrauisch. Tatsächlich kann mao 
aber bei der Aknebehandlung gute Erfolge erzielen. 
Nur muss man sein Heil kritisch auf dem Wege, der in 
der Mitte zwischen allen diesen Hypothesen liegt suchen. 
Eine richtige Rücksichtsnahme auf den AMgemeinzustand 
auf eventoelle Chlorose, Syphilis, Tuberkulose, Magen¬ 
darm oder Genitalkrankheiten wird selbsverständlich an¬ 
gebracht sein. Häufiges Wechseln von Körper- and Bett¬ 
wäsche vom bakteriellen und Meiden von Käse, 
Fetten, Alkoholicis, Kaffee vom auto toxi sehen Ge¬ 
sichtspunkt müssen empfohlen werden. Das [I oip*augen- 
merk wird aber auf die äussere Behandlung gerichtet 
sein müssen, und da werden wir schwerlich mit einer 
Salbe odor Seife oder mechanischen Manipulation durch¬ 
kommen, sondern uns nach dem Ueberwiegen des jedes¬ 
maligen prädominierenden Symptoms der Seborrhoea 
oleosa, der Komedonen, der Papel oder Pustel, Indura¬ 
tionen etc. richten. Gegen die Seborrhoea oleosa werden 
Kalisaponate und sonstige spirituöse, fettlösende oder 
fettverseifende Mittel in Anwendung kommen. (Aehnliche 
Gesichtspunkte sind auch bei der Behandlung der Se¬ 
borrhoea der behaarten Kopfhaut, z. B. der Lassar’- 
schen Haarkor, massgebend). Auf die Zirkulationsver- 
hältnisse wird man mit heissen Lokal b-ä dem, 
Tupfungen and Dämpfen, (Saalfelds Dampfapparat) 
und Skarifikationen (cf. oben) einzuwirken suchen. 

Vereinzelte Aknepusteln, Abszesse, Milieu wird inaa 
chirurgisch beseitigen. A Is Nachkur, speziell nach der 
Schäl- oder Desinfectionskor mit Salben, wird die Ge¬ 
sichtsmassage sicher gutes leisten. Die beste Me- 
tode scheint mir die nicht instrumentälte nach Pospe- 
low 2ß ) zu sein. Ein Schema wird herumgereicht. Zain 
momentanen Bleichen and Entfärben der schwar¬ 
zen Coraedonenköpfe werden dieselben Mittel wie gegen 
Ephelideu, Chloasma, kleine Pigmentnävi gebraucht (Hy- 
drargyrum bichloratum, Bism. oxychloratum etc. Vor¬ 
sicht bei Akne). In neuester Zeit wird als vortreffliches 
Bleich- und Sommersprossenmittel Wasserstoffsuperoxyd- 
lösnng-Merk Salben zugesetzt*). 

Pondres wird inan bei weiten Poren, möglichst 
vermeiden. Röntgenstrahlen haben kein spezifische 
Wirkung, aber helfen wahrscheinlich wie die Schälpasten, 
oder indem sie vielleicht den Nährboden verschlechtern. 
Darin muss man Kaposi Recht geben, dass schm ge¬ 
schält wurde, bevor es noch Schälpasten gab. 
Freilich sind die m o d e r n e n Schälpasten sehr praktisch 
und vereinigen in sich viele ätiologische Bekämpfnngs- 
mittei gegen die Akne. Sie desinfizieren, saugen auf, 
wirken gegen die Hyperkeratose und Eutzündung im 
Corium und sind bequemer als die früheren Quecksilber- 
Salicyiseifen und (sogar!) modernen Pflaster und Mulle. 
Verwandt werden Resorzin, Naphtol, Schwefel in stär¬ 
kerer oder schwächerer Konzentration, je nachdem ob 
klinisch oder ambulatorisch vorgegangen wird. Beim 
Eintritt etwaiger Reizuugen treten die bekannten mil¬ 
dernden Ekzemmittel in ihr Recht, auf die einzugehn, 
zu weit fuhren dürfte. 

Von den anderen fälschlich als Akne bezeich- 
ueten kometischen Verunstaltungen des Gesichtes möchte 
ich noch zum Schluss die Akne rusacea und die 
Akne Mentagra oder Sykosis hervorheben. Es 
giebt ja noch eine ganze Masse als Akne bezeichneter 


2 ") Dermatol. Zeitschrift 1894. 

# ) Rp. Vaselini 10.0 
Lanolini 5,0 
Terendo adde paullatim 
Hydrog perox-Älerk 30 pCt. 20,0 
Bisra. oxychl 0,5—1,0 
Hg bichl. corr. 0,03 


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Krankheiten, z. B. die Akne varioloforrais anf der Stirn, 
die syphilitische Akne (Corona veneris), welche differen¬ 
tial-diagnostisches Interesse erheischen. 

Anatomisch stellt die Sykosis barbae eine Folliculitis 
und Perifolliculitis der dickeren Haarfollikel dar, bei 
der Sycosis trichophitica fiudet noch ausserdem eine 
Durchwucberung des Haares selbst mit Pilzfäden statt. 
Nach unsern heutigen Anschauungen können wir über¬ 
haupt nur von einer mikroparasitören Ursache der Bart¬ 
flechten reden. Die Krankheitserreger sind entweder 
Kokken, weswegen Unna diese Form die alte Syko¬ 
sis vulgaris — staphylogenes nennt, oder Tricho- 
phytonarten (Sycosis trichophytica, Herpes tonsurans 
barbae) — Sycosis parasitaria. Fabry hat die 
Sycosis sogar zur Tuberkulose in Beziehung gebracht, 
weil er einigeraal säurefeste, den Koch’schen ähn¬ 
liche Stäbchen gefunden hat. Es kann sich hier auch 
um Diphtherideen, Smegroa ähnliche Bazillen gehandelt 
haben, zumal keine Kulturen angelegt worden sind. 

Bei der Behandlung hat man streng die Sykosis 
vulgaris und die parasitica auseinander 
z u h a 11 e n ai ). Die vulgaris liegt verwandtschaftlich dem 
Ekzem sehr nah und wird gleich diesem in möglichst 
schonender Weise angefasst werden. Sie ist jedenfalls, 
wenu auch zu Rezidiven sehr geneigt, eine leichte Syko- 
sisform und Krankheit. 

Die Therapie der abszedierendeu und granulierenden 
Sykosis trichophitica (Bläschen, Kreise, Knoten Abscesse. 
abgebrochene Haare) ist eine viel schwierigere. Im Auge 
hat man hier folgende Gesichtspunkte zu behalten: 

1) Die Eröffnung der kleinen Follikelabszesschen und 
die Wegbarmachung für den Eiterabfluss und 

2) Die Desinfektion und Eliminierung der Pilze, wol- 
che auch ohne Mischinfektion mit Kokken das Bild der 
schweren Sykosis machen können. 

Der ersten Indikation entspricht am allerbesten das 
Epilieren vermittelst der Zilienpinzette, 
mit dem man nicht früh genug anfangeu kann. Mit dem 
Rasieren muss mau vorsichtig sein; am besten ist das 
Kurzschneiden mit der Maschine. Bei den sonst notwen¬ 
digen chirurgischen Eingriffen (auch bei Röntgenstrahlen) 
muss man an die kosmetischen Effekte und die eventuell 
sich einstellenden Narben denken. — Der zweiten Indikation 
entsprechen die bekannten Parasiticida Resorcin, Salicyl, 
Schwefel, Epicarin, Chrysarobin in flüssigen oder festen 
Vehikeln. 

Das mit Vorsicht angewandte Röutgenverfahren hat 
bei der Bartflechte gute Heilerfolge aufzuweisen gehabt. 

Da wir nun einmal mit der Sykosis oder Akne Men- 
tagra das Gebiet der fälschlich mit Akne bezeichneten 
Formen betreten haben, so ist es auch nötig der kos¬ 
metisch wichtigen Rosacea einige Worte zu widmen. 

Sie wird nur von den wenigsten Autoren (z. B. 
Schütz) als eine Haarbalgentzündung im Sinne der 
Akne vulgaris aufgefasst. Leloir, Vidal und Brocq 
lassen sie als eine Kongestion zur Basis der Vulgaris- 
elemente hinzutreten (n. Touton). Unna hält sie für 
ein Stadium seines künstlich konstruierten Ekzema se- 
borrhoicum. Die Grundkrankheit ist nach Tou ton und 
den meisten neueren Dermatologen eine Gefässstörung 
mit konsekutiver Hypertrophie und Hyperplasie aller 
Gewebsbestandteile, die zu jenen enormen Bildungen 


”) ct Le8 8ner’8 Dermatol. Vorträge für Praktiker. Bart¬ 
flechten nnd Flechten im Barte. (Anch die andern Lessner¬ 
sehen Vorträge sind f. d. Praktiker sehr empfehlenswert!) 


führen können, die man als Wein-, Kupfer-, Schnaps- und 
horribile dictu, Pfundnasen bezeichnet. 

Die Therapie wird neben der medikamentösen eins 
chirurgisch-physikalische sein müssen, ähnlich wie wir 
sie schon oben für andere kongestive Zustände angedeu¬ 
tet haben. Um die chirurgisch-kosmetischen Metoden ha¬ 
ben sich Josef und Lassar verdient gemacht 29 ) Er¬ 
wähnt muss werden, dass die Rosacea ebenso wie viele 
andere kosmetische Erkrankungen des Gesichtes, Skosis 
vulgaris, Ekzeme, chronisches Erysipel etc. von Nasen¬ 
erkrankungen abhängen, und daher diesen eine gewisse 
Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. 

M, H! Die gemessene Zeit erlaubt es mir nicht auf 
die für die kosmetischen Krankheiten der Haut so wich¬ 
tigen Erkrankungen der Anhangsgebilde derselben — 
der Haare und Nägel einzugehen. Ich möchte mir , 
erlauben mit folgenden Worten zu schliessen 29 ). 

«Die Zeiten sind vorbei, wo die Aerzte Aknepatien¬ 
ten — und ähnliche — mit leeren Worten abspeisten 
oder ihnen sagten, dass die Zeit oder Gewohnheit das 
Leiden bessern werde. — Unsere Zeit mit ihren hohen 
Anforderungen an Kosmetik und Toilettenkunst lässt es 
nicht mehr zu, dass auffallende Gesichtsverunstaltungen 
auf die Dauer mit Gleichmut ertragen werden. Auch 
hier können wir Aerzte Erfolge und Dankbarkeit 
ernten». 


BOcheranzeigen und Besprechungen. 


Prof. 0. Heubner: Lehrbuch der Kinderheilkunde. 
I. Band. Mit 47 Abbild, im Text und auf i Tafel. 
716 Seiten. (Verlag von J. A. Barth. Leipzig 1908- 
Preis 17 Mark). 

Vor uns liegt der erste Band des längst erwarteten Lehr¬ 
buchs, den Kenbaer als Festschrift znr Eröffnung der 
neuen Universitätsklinik und Poliklinik für Kinderkrankhei¬ 
ten an der Berliner Charite (29. Oktober ly03) lieraasgege- 
ben hat. 

Es mögen hier gleich die Worte angeführt sein, mit denea 
Heubner sein Vorwort schliesst: «Professor heisst Beken¬ 
ner. So sei also bekannt, wie ich bisher gelehrt habe und wie 
ich in den neuen schönen Räumen, die am heutigen Tage 
eingeweilit werden, zn lehren gedenke». Daher liest sich die¬ 
ses Bekenntnis eines der bedeutendsten Kinderärzte unserer 
Zeit mit ganz besonderem Interesse. 

Ueberall tritt uns in seinem Werke der hervorragende Be¬ 
obachter nnd erfahrene Arzt entgegen, dessen Führung wir 
nns gern überlasseu, denn wir wisseu, dass wir dabei nur ge¬ 
winnen können. In jedem Kapitel, es seien hier nur hervorge¬ 
hoben die Verdanungskraukbeiten des Säuglings, der Schar¬ 
lach, die Diphtherie, die hereditäre Syphilis, die Cerebrospi¬ 
nalmeningitis. die Rachitis, sehen wie das Resultat jahrelan¬ 
ger genauer Forschung und Beobachtung vor uns. Es würde 
zn weit führen, wenn wir auf Einzelnes eingehen würden, wir 
wollen nur kurz den Inhalt des ersten Bandes auführea. 
Er zerfällt in 6 Abschnitte: der erste behandelt die physio¬ 
logischen Besonderheiten des Kindes, der zweite die Krank¬ 
heiten des Nengeborenen, der dritte diu Krankheiten des 
Säuglingsalters, der vierte die akuten Infektionskrankheiten, 
der sechste die Wachstumskrankheiten. Ein ausführlichen 
Namen- und Sachregister schliesst den Band, den jeder Kin¬ 
derarzt mit grösstem Interesse ond Nutzen lesen wir4. 
Das Boch wird ihm eine Fülle gut dnrehgearbeiteter und 
geklärter Erfahrungen bieten. Möge der II. Band nicht an 
lange auf sich warten lassen! 

Weyert. 


”) Dermatol. Zeitschr. 1895. 

I s a a c. D. Dermatol. Gesellsch. 1899. 


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122 


Therapie der Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrankheiteu. 
Von Dr. Adalbert Heindl. (Alfred Hölder. Wien. 

1903). 

Vorliegendes Büchlein erscheint als VII. Band der den 
Bedürfnissen des praktischen Arztes gewidmeten «Medizini¬ 
schen Handbibliotek». In kurzer, leicht fasslicher Form giebt 
das Büchlein eine vorzügliche Uebersicht alles Wissenswer¬ 
ten über die Behandlung der Mund , Rachen- und Kehlkopf¬ 
krankheiten lm allgemeinen Teile bespricht Verf. die Unter- 
snchnngs- und Behandlungsmetoden der betreffenden Organe, 
im speziellen die Symptomatologie und Therapie jeder ein¬ 
zelnen Erkrankung derselben- Im Anhänge findet sich eine 
Auswahl von Rezeptforineln aller jener Medikamente, welche 
gegenwärtig verwendet werden. Die Ausstattung des Büch¬ 
leins ist einö sehr gute, der Preis desselben (M. 3.20) ein 
massiger. Den praktischen Aerzten kann es bestens empfoh¬ 
len werden. 

Sacher. 

. Kabschel, Velich, Hraba. Die Lüftung und Hei¬ 
zung der Schulen. Wien. Verlag von J. Sahir. 1904. 

Drei Vorträge über dieses für die Schulhygiene überaus 
wichtige Thema. Die hauptsächlichsten Forderungen sind 
folgende: Die Heizung soll eine gleichmässige Wärme von 
17—20° C. erzielen, mit Durchwärmung der Decke, Wände 
und Fussböden. Die Erwärmung soll durch Wärmeleitung, 
nicht durch Strahlung erreicht werden; die Temperatur der 
Heizflächen muss niedriger als 100" sein. Die Heizung darf 
auf die Zusammensetzung der Lutt nicht ungünstig einwirken. 
Die pro Schüler und Stunde in den Schulraum einzuführende 
Luftmenge soll im Mittel 20 m 3 betragen. 

W. Schiele. 


Protokolle desVereins St. Petersburger Aerzte. 


749. Sitzung vom 25. November 1903. 

Präses: Schmitz. Sekretair: Voss. 

1. F. Weber. Zur Therapie des Mastdarmvor¬ 
falls. 

Das Rectum wird nach W a 1 d e y e r in zwei Teile geteilt, 
den pelvinen und perinealen Teil, der erste ist mehr oder we¬ 
niger beweglich, während der zweite im Beckenboden fest¬ 
eingemauert ist. E s m a r c h vertrat die Ansicht, dass durch das 
Erschlaffen des Sphinkter und des Beckenbodens primär der 
untere Teil des Rektum prolabiert. der obere aber sekundär 
heruntergezogen werde; Jeanuel sieht, die Hauptursache 
des Mastdariuprolap8U8 iin Nachgeben des oberen Fixations¬ 
apparates des Rektum. Wal de y er und Ludloff stellen 
die Perinealheruie als Hauptmoment hin; dieselbe führt iu den 
Fällen, wo die Rektalwand nachgiebig und das Peritoneum 
sehr dehnbar geworden ist, leicht zum Vorstiilpen der vor¬ 
deren Rektalwand und allmälig zum vollständigen Rektal- 
prolaps- 

Als rationellste operative Behandlungsmetode muss dieje¬ 
nige angesehen werden, die die Entstehungsweise in Erwä¬ 
gung zieht, und die normalen anatomischen Verhältnisse wieder¬ 
herzustellen sucht. Keine einzige Metode kann als ideale hin¬ 
gestellt werden. Weber teilt alle Metoden in 3 Gruppen: 
1) Reseklionsmetodeu; 2) Aufhäugemetodeu, 3) Operationen 
die den Beckenboden stärken sollen. 

In der ersten Gruppe gebührt der Vorrang der Operation 
von Mikulicz, bei welcher der ganze prolabierte Teil 
reseziert, wird. Diese ist technisch ziemlich schwierig und 
nicht ungefährlich; die Resultate sind nicht besonders glän¬ 
zend; dass wird nicht verwundern, da bei der Resektion die 
Ursache, die den Prolaps hervorgerufen hat, nicht gehoben 
wird. Zur zweiten Gruppe gehören die Rektopexien, die be¬ 
sonders von französischen Chirurgen viel geübt wurden, uud 
namentlich die Kolopexie. Bei der letzteren wird durch den 
Bauchschnitt der untere Teil des S Romauum möglichst nach 
oben gezogen und in die Bauchwuude eingeuälit; dadurch 
wird der obere gelockerte Fixationsapparat des Rektum ersetzt- 

Um Rezidiven vorzubeugen müssen zwischen der Bauchwand 
Und dem Darm, sero fibröse Verwachsungen erstrebt werden. 
Der schwache Punkte der Kolopexie besteht darin, dass hier 
ier Beckenboden unberührt gelassen wird. 


Um den muskulären Beckenboden zu stärken sind eine ganze 
Reihe von Operationen angegeben worden; der Vorrang ge¬ 
bührt der Metode von Ott und Na pal ko ff. 

Verfasser verfügt über 3 Fälle, die er im Hospital Mariae 
M.igdalenae beobachten konnte: 

Fall I. E- Grigoriewa 59 Jahre alt; grosser Mastdarmvor¬ 
fall, nach einer alten Dammruptnr entstanden; zweimalige 
Perineorhaphie ohne Resultat, darauf Kolopexie kombiniert mit 
Vemähung der vorderen Ränder desSphincter externuB. Voll¬ 
ständige Heilung. 

Fall II- Johanna P. 32 Jahre alt; Mastdarmvorfall besteht 
von Jugend auf Eine Resektion nach Mikulicz wurde 
von einem baldigen Rezidiv gefolgt. Kolopexie mit sich drän¬ 
ge hliessender Massage nach Thure-Brand führt zur Heilung. 

Fall 111. Nicolaus Titofif, Fabrikarbeiter. 20 Jahre alt, lei¬ 
det von Kindheit auf, an einem Mastdarm Vorfall. Es wurde 
die Resektion des prolabierteu Teils ausgeführt (Dr. Bntz). 
die zur prompten Heilung führte. 

Alles resümierend sagt Vortr. folgendes: 

Bei der Behandlung des Leidens das Ideal, das heisst die 
Wiederherstellung normaler anatomischer Verhältnisse zn er¬ 
reichen ist unmöglich und deswegen mu89 man sich an die 
Metode halten, die dem Ideal sich am meisten nähert. Den 
oberen Stützapparat, des Rektum zu ersetzen vermag am be¬ 
sten die Kolopexie, die als leichte und ungefährliche Operation 
volle Beachtung verdient. Der geschwächte Beckenboden der 
durch die Kolopexie nicht beeinflusst wird, wird am besten 
durch die Massage gestärkt, und wenn letztere nicht zum 
Ziel führt, dann auf operativem Wege. Von den Operationen, 
die den Beckcnbodeu wiederhei stellen, verdient die Metode 
von Ott den Vorzug. Die Resektion des Vorfalls ist absolut 
indiziert, wenn der vorgefallene Teil inkarzeriert oder Irre- 
ponibel ist; in den anderen Fällen muss die Resektion, nach 
Möglichkeit eingeschränkt werden, da sie viel gefährlicher 
und was die Resultate anbelangt weniger sicher ist, als die 
anderen Operaiionsmetoden. 

(Autoreferat). 

Diskussion: 

Küttner fragt den Vortragenden, ob die Kolopexie nur 
nach dem Klimakterium gemacht werden solle, denn beim Ein¬ 
treten einer Gravidität könnte es doch immerhin zu Störun¬ 
gen, wie Darmabknickungen u. a. kommen. 

Weber; Der Darm wird seitlich eingenäht, sodass dergl. 
Uebelstäude vermieden werden- Doch kann ich nicht angeben, 
ob Fälle von Kolopexie mit erfolgter Gravidität beschrie¬ 
ben sind. 

T i 11 n g scheidet die grossen von den kleinen Prolapsen, 
nur bei ersteren käme die Kolopexie in Betracht. Er hat sie 
nie angewandt, da er gegen alle Fixationen In der Bauch¬ 
höhle trotz sero-fibröser Naht Mistrauen hegt; sowol die 
Nieren- als die Milzfixationen haben die Chirurgen enttäuscht. 
Man wisse nie ob die Fixation halten wird; hält sie, so muss 
er der Befürchtung von Küttner zustimmen, dass sie za 
Darmknickungen Anlass geben könnte. T. wendet bei grossen 
Prolapsen die Mikulicz 'sehe Metode an, bei kleinen bat 
er neuerdings mehrfach die Metalldrahtumscbnüruug von 
Th ier sch angewandt, die ihm ganz gute Resultate gege¬ 
ben hat; als unaugeuehiue Erscheinung sind nachher auftre¬ 
tende Schmerzen zu uennen. Die Empfehlung von R o 11 e r, 
die kleine Operation ambulatorisch anszuführen, kann T. nicht 
unterstützen, ebensowenig für sofortigen täglichen Stuhl zu 
sorgen, wobei er neuerlich eine Infektion gesehen. Nach län¬ 
gerem Verweilen des Drabtrings kann man ihn mitnuter ent¬ 
fernen und der Darm bleiht doch in der gewünschten 
Stellung. 

Hagentorn will nicht nur die anatomischen Verhältnisse 
berücksichtigt wissen, sondern auch die funktionellen Pro¬ 
lapse sind bei Kindern häufiger und lassen sieb bei Ihuen, 
wenn sie klein sind, oft durch medikamentöse Therapie nach 
Beseitigung der Grundursache (Därmkatarrh etc.) heilen. Bei 
grösseren Prolapseu halte auch ich mich au die Resektions- 
metoden. Die Kolopexie ist erst 15 Jahre alt, das Material 
nicht gross und daher die Möglichkeit einer Schädigung der 
Darmranktioneu nicht ausgeschlossen. 

Wan ach hat sich nie dazu eutschliessen können, die Ko¬ 
lopexie zu versuchen, wie Tiling hegt auch er Mistrauen zur 
Adliaesionsbiidung. Die Mi k n 1 ic z 'sehe Operation ist nicht 
so gefährlich, wie der \ ortr. auuimmt; die Naht ist nicht be¬ 
sonders schwierig, Striktnren treten nicht ein, wenn prima 
intern io vorliegt. Allerdings kann die Blutung beträchtlich sein. 
Um Rezidive zn vermeiden, muss reichlich reseziert werden, 
so hatte W. Gelegenheit in einem Falle, wo er '/* m. exzi- 
dierie trotz sehr schlaffen BeckenboJeu's nach 37, Jahren 
kein Rezidiv zu sehn. 

Weber (Schlusswort): Ich habe hauptsächlich die schwe- 
I ren Fälle im Auge gehabt. Die T h i e r s c h 'sehe Operation 
scheint mir nicht überall anwendbar, sie ersetzt nur den 


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Sphinkter, «feiten heilt der Hing ein, meist «oll 6t anseitern, 
doek besitze kh hierüber keine eigene Erfahrung. Die Kolo- 
pexie bat ihre Schattenseiten, doch kommen bei ihr weniger 
Rezidive vor als bei der Resektion so dass beisp. f- E i s e 1 s- 
b e r g ganz zur Kolopexie Übergegangen ist. 

2. Schiele. Ueber Haarschwund. (Wird im Druck 
erscheinen). 

Diskussion: 

Strauch stimmt im Allgemeinen den therapeutischen 
Ausführungen zo, doch ist er nicht Ar das allznbAnflge Wa¬ 
schen , besonders mit Seife nnd Alkalien; das ausgewaschene 
Fett ist schwer zu ersetzen. St. braucht meist Spiritus im 
Verhältnis von 1 : 4 aqoa, danach Einfettung. Ä}kh~ F onr- 
nier hält künstliche Entfettung für schädlich. l ~ 

Hallst fragt, ob dnrch die Alopecie eine Schädigung des 
GeeCmmtorganismus bemerkt werde. Die Hypothesen Über 
hu Haarwachstum erscheinen ihm angenügend. 

Schiele: Der Netzen des Kopfhaars ist allerdings nicht 
evident, doch kommen auch gewisse SchOnheitsprinzipien 
tu Betracht. S c h e 1 n ist der erste gewesen, der Theorien 
über das Haarwaehstum anfgestellt hat und sie verdienen 
jedenfalls Beachtung. 

K a 11 m e y e r: Wie soll Haarpflege bei Kindern gehandbabt 
werden? Das häufige Schneiden und das Rasieren nach Krank¬ 
heiten scheint doeb mitunter von Nutzen zd sein. 

Petersen verhält sich wie der Vortr. ablehnend znm 
Haarschneiden, auch nach Infektionskrankheiten. Er erin¬ 
nert an die Tatsache, dass nach Wochenbett and Krank¬ 
heit die Haare schwer durebzukttmmen sind, was dadurch er¬ 
klärt wird, dass während der mangelhaften Ernährung die 
Haare dünner werden. Nach der Rekonvaleszenz werdeu die 
Haare dicker, so dass am Durchmesser des Haai’s gewisser- 
massen die Dauer der Krankheit abgemessen werden kann. 

Kroug: lra russischen Priesterstande wird bekanntlich 
das Haar von früh auf nicht beschnitten. E» konnte darauf 
zu beziehen sein, dass die orthodoxen Geistlichen sich meist 
eines vorzüglichen Kopfschmnck’s erfreuen. 

Schiele (Schlusswort): Die Schädlichkeit des Kopfwa- 
schen’s besteht eicht in der damit verbundenen Entfettung, 
worauf Dr. Strauch hin wies; wenn aber ungenügend ans¬ 
gewaschen wil d, können Übrig bleibende Seifen und Alkalien 
eventuell wohl schädlich sein. 

Das Rasieren des Kopfhaar’s nach Infektionskrankheiten 
scheint wohl nur schädlich zu wirken; tritt danach stärkeres 
Wachstum auf, so wäre dieses ebeu auf die rasche Erholung 
and Kräftigung des Gesamtorganismus io der Rekonvaleszenz 
zn beziehen. 


Briefe aus Sibirien. 


Die nachstehenden Briefe sind von Dr. E. M a s i n g lun. an 
seine hier lebenden Angehörigen gerichtet und der Redaktion 
im Auszage in freundlichster weise znr Verfügung gestellt wor¬ 
den. Dr. Masing ist im Beginn des Krieges gleichzeitig mit 
einer grossen Zahl anderer Kollegen als fieservearzt ein- 
berafen worden nnd in den Fernen Osten abgereist. Ausser 
dem Interesse, das die persönlichen Nachrichten bieten, ver¬ 
dienen die Briefe auch Beachtnag weil sie so anschaulich die 
Reise in das ferne and so wenig bekannte Land anter den 
jetzigen Verhältnissen schildern. Wir hoffen aut weitere 
Nachrichten, namentlich auch über die Tätigkeit der Kolle¬ 
gen anf dem Kriegsschanplatz und bemerken nur noch, dass 
die Briefe vom Absender nicht zur Veröffentlichung bestimmt 
sind. Etwaige harmlose Indiskretionen seien daher entschnldigt. 

Die Redaktion. 

I. 

Ural, 14. Februar 1904. 

• . . Es geht im bisherigen Tempo immer weiter nach Os¬ 
ten. Der Passagierzug hält häufig an den vielen kleinen 
Stationen, ist aber im Ganzen recht comfortable. Wir haben 
von Moskau an trotz 2 malige« Achsenbrandes nur 3 1 /« Standen 
Verspätung, die allmählich eingeholt wird, so dass wir von 
MexbsGiHCKi heute Abend rechtzeitig fortfahren werden. Ge- 
spetst wird 2 mal tägl. anf grösseren Stationen, nicht be¬ 
sonders appetitlich, aber billig and reichlich: 2 Speisen kos¬ 
ten 00— 70 Kop., das Uehrige (Tee, Kaffee, Frühstück) macht man 
sich im Wagon nnd fühlt sich sehr fidel dabei. Nachts breite 
ich meine Laken ans, entkleide mich vollständig und schlafe 
9 Stad, ohne Unterbrechung. Etwas unbequem ist nur die 
Morgentoilette wegen grossen Zudraugs. Die übrige Zeit 
wird mit Lesen nnd Plaudern verbracht. — Am interessan¬ 
testen waren bis jetzt der Wolgafibergang (6 Min. Eisen¬ 
hahnfahrt) und der Ural. Hier kommen wir natürlich onr 
dnrch niedrige Uralpartieen, die aber stellenweise durchaus 
etwas GrossarUffes haben: An klänge an den Schwarzwald, 
nur Viel ärmere Vegetation, aus Kiefern und Birken beste¬ 


hend. Herrlichstes Wetter, dunkelblauer wolkenloser Him¬ 
mel, absolute Windstille, reinste Luft. Nachts — 20°, tags 
—5—10° Kälte im SchAtten, doch geht man auf d. Stations- 
pl&tforwen ohne Paletot auf und ab, da man die Kälte über¬ 
haupt nicht empfindet. Die Schneebrille wird mir gute Dienste 
leisten, da die Helligkeit beleuchteter Schneefelder brennend 
ist- Vom Kriege hören wir nor gerüchtweise. . . . 

II. 

HexBflÖHHcn,, 15.;Febrnar 1904. 

... In den letzten 24 Standen habe ich znm ersten Mal ei¬ 
nige Unbequemlichkeiten durchgemacht. Bis hierher waren 
wir in einem Wagon an« Moskau recht bequem und gemüt¬ 
lich gereist. Interessant waren namentlich die Uralpartieen, 
z. B. die Gegend von 3xaToycrb, die sich bei Monabelench- 
tnng ganz besonders reizvoll gestaltete. Hinter SxaToycrb 
fahren wir mit Hurrageschrei am Steinobelisk vorbei, der 
Earopa von Asien scheidet. Hier in HexbaGuucici angekommen 
erfahren wir, dass der Anschlnsszug nach Irkntsk seit 2 
Wochen nicht mehr gebe, und dass wir infolgedessen bis znm 
Nachmittag des folgenden Tages hier bleiben müssten. Als 
Nachtqnartier wurden einige leerstehende Wagons angebo- 
ten, die aber im Augenblick von einer Masse jüdischer Mili¬ 
tärärzte angeffillt waren, ln der Stadt war auch radikal 
alles besetzt, so dass wir all unser Gepäck im übrigens dicht 
von Menschen besetzten Wartesalon zusammentrugen and 
an« malerisch darauf gruppierten. Mein Feldbett leistete die 
köstlichsten Dienste, es wurde im Saal anfgeschlagen and 
Hess mich 4—5 Stud. trotz eines beständigen Jiinundber- 
wandelns schwatzender Menschengrappen nnd schreiender 
Aaswandererkinder ruhig abschl&fen. Heute verschafften wir 
aus nach vielfachem Verhandeln mit dem Stationscomaadan- 
ten bequeme Schlafplätze nach Irkntsk und fahren jetzt 
wieder glücklich weiter. — Die Stadt HexbflÖBHCKi, bosah ich 
mir heute Morgen. Es war gerade Jahrmarkt, and man sah 
die verschiedensten Menschentypen, die aber alle etwas mon¬ 
golisches Blut haben mnssten und zum Teil aach tatarisch 
unter einander sprachen. Merkwürdig unempfindlich sind sie 
gegen niedrige Temperaturen. Es waren fast 20° Kälte im 
Schatten, and die Jahrmarklsverkäafer standen nur in ziem¬ 
lich dünne Schafspelzen gehüllt im Freien hinter ihren klei¬ 
nen Tischen und fassen beständig ihre Eisenwaaren an. Viele 
Buden, die in ordentlichen Lokalen ontergebracht waren, 
hielten die Aussentemperatur auch keineswegs für niedrig 
genug, um die Türen zu schliessen. Auf meine Frage, ob es 
nicht kalt sei, erwiderte ein jovialer Kunde: «exaea Bory bi 
sTom roxy TenxeHbKo!» Etwas besonders Sehenswertes bietet 
die etwa 25000 Einwohner zählende Stadt nicht. Interessant 
war aber das ewig wechselnde Menecbengewimmel anf der 
Station: Ganze Familien, die mit Sack und Pack nach Russl. 
zogen mit schreienden, hungrigen Kindern, Haustieren und 
allen möglichen nnbeqnemen Hausgeräten warteten auf die 
nächsten Züge. R. nnd F. worden ihres vertrauenerweckenden 
Aensseren wegen von den Müttern vielfach konsultiert and 
konnten auch helfeo. Im Vordergründe steht natürlich die 
militärische Bewegung nach Osten. Täglich passieren mehrere 
Militärzüge, die Soldatenwagons habe ich mir angesehen: es 
sind Waarenwagons zum Teil mit Filz ausgeschlagen nnd 
mit kl- hochgelegenen Fenstern; in der Mitte steht ein kl. 
Zimmerofen, so dass die Leute meinen, matt könne aach ohne 
Pelz in diesen Wagons leben. Natürlich mögen ancli traurige 
Ansnahmen Vorkommen, aber im Ganzen ist der Transport 
nioht schlecht. — Wir Aerzte werden relativ sehr gut un- 
tergebracht: es werden nie mehr als 4 Personen in ein Coupi 
hineingelassen, so dass jeder einen Schlafplatz hat, und dieneu im 
gewöhnlichen Zuge ohne Zuschlag, and der Expresszog ist 
geradezu luxuriös ausgestattet mit reizenden Wasch-, Wan¬ 
nen- and Speisezimmern und guter Bedienung. Die Buffets 
auf deu Stationen sind meist nicht sehr sauber, aber mau 
bekommt für meist niedrige Preise durchaus essbare Speise. 
Möglich, dass weiter nach Osten hin das anders wird. — 
Jedenfalls bin ich bis jetzt gesond und wohlbehalten nnd 
hoffentlich bald in Irkntsk. — Es ist nicht möglich die vielen 
nenen Eindrücke auch nur einigerm&ssen zu ordnen nnd 
Wesentliches vnu Unwesentlichem za unterscheiden, daher 
kabt Nachsicht mit diesen Zeilen, die nichts sind als heraus- 
gegriffene Brach stücke eines grossen Panoramas, das aa mir 
vorüber zieht. . . . 

III. 

D. 17. Februar 1904. Wagon, 200 Werst hint Omsk. 

... 2 Tage fahre ich jetzt schon von HexbufaHccti» an and 
noch 5 Tage stehen mir bis Irkntsk bevor. Der Fahrplan ist 
des Krieges wegen verändert worden, und die Züge gehen 
etwas langsamer als in Friedenszeiten. Die Fahrgeschwindig¬ 
keit an sich ist garnioht so schlimm, ungefähr wie im enrop. 
Russland, dafür kostet der Aufenthalt auf den Stationen viel 
Zeit. Wenn anser Wagon bis Irkntsk vorhält nnd nicht ei¬ 
nes kl. Achsenbrandes wegen ausrangiert zn werden braucht, 
können wir über nichts klagen, denn das Essen ist beständig 


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fcnt Natürlich sind die Buffets immfer sehr belagert, and man 
mnss etwas Gewandtheit daran wenden, um rasch zum Ge¬ 
wünschten zu gelangen. — Der Charakter der Landschaft 
ist ein ziemlich Oder geworden. Riesige yon einigen Halmen 
und Sträuchern bewachsene Schneefelder mit einem Wald- 
sanm am Horizont. — Nur die Flüsse, bringen etwas Ab¬ 
wechselung hinein. Omsk passierten wir in der Nacht, so 
dass ich weder die Stadt noch den Irtysch gesellen habe. — 
Unsre Gesellschaft besteht jetzt aus 11 Mann: Fnhrmann, 
Rinne, Klopfer, Maydell, Girgenson aus Ptbg. — Fehrberg, 
2 Hollmanns, Walter, Russow und ich aus Dorpat.und Um¬ 
gegend. Wir halten durchaus zusammen, dejonrieren abwech¬ 
selnd nach einer Liste bei dem Handgepäck während der 
Stationsanfenthalle etc. und besuchen uns iu den respektiyen 
C'onpös. — Der wertvollste von uns ist jedenfalls K. . . , da 
er die hiesigen Verhältnisse recht gut kennt und weise, an 
wen man sich in zweifelhaften Fällen zh wenden hat. Ans- 
aerdem verfügt er über einen vorzüglichen Speisepaudel, der, 
— wie Überhaupt die Esswaaren, — als Allgemeingut ange¬ 
sehen wird und schon viel Freude bereitet hat. — Am Allge¬ 
meinen geht es uns Allen vorzüglich, obgleich kl. Leiden bei 
einzelnen von der grossen Zahl zu Tage treten: einer fieberte 
etwas, ein andrer laboriert an Migräne, etc. aber es ist un¬ 
bedeutend. . . . 

; IV. 

D. 19. Febr. 1904. Wagon, 6 Standen v. KpacHoapctci. 

. . . Immer weiter nach Osten geht es, jetzt schon d. 5. Tag 
in einem Wagon. Die Bewegung und das Rütteln ist für ei¬ 
nen schon der Normalzustand geworden, bei dem man sich 
wohl fühlt; hält der Zug, oder speist man auf 1 Station, so 
hat man das Gefühl des Schwankens. — Die Urwaldgegend 
(Tafira) ist so ziemlich passiert, wir kommen allmählich in 
das Kohlenbassin und die Hügelgegend des Jenisseistrom¬ 
gebiets. Der Urwald tritt übrigens nur stellenweise so nah 
an den Bahndamm heran, dass man ihn als solchen 
erkennt. Dann sieht man eiD dichtes Gewirr von Kie¬ 
fern, Fichten, Tannen, Birken mit undurchdringlichem Un¬ 
terholzgestrüpp von Wachholder u. a. Sträuchern, namentlich 
bei Mondschein ein^ sehr anziehendes Bild. Meist liegen zwi¬ 
schen Bahn uud Wald mehr oder weniger ausgedehnte, nicht 
bewachsene Felder. Die Schneeschicht ist dünn und bedeckt 
nicht einmal die verdorrten Grashalme des vorigen Sommers. 
Der Baumwuchs ist, wie gesagt, sehr dicht, doch erreichen 
nur einzelstehende Bäume grössere Dimensionen, während 
das Dickicht wegen Raum- und Luftmangel aus kurzlebigen 
und zum Teil verkrüppelten Exemplaren besteht. Von Zeit zu 
Zeit passiert die Bahn auf hoher Brücke einen Strom, bis 
’etzt Nebenflüsse des Ob. Die Fahrgeschwindigkeit hat merk- 
ich abgenommen, wir machen nicht mehr als 450—500 Werst 
in 24 Stunden, worin allerdings die häufig stundenlangen Auf¬ 
enthalte mit einbegriffen sind. — Die Stationsgebäude wer¬ 
den kleiner, die Buffeiräume sind für die ganze Passagier¬ 
menge recht eng und man muss sich beeilen, wenn man et¬ 
was Gutes, Essbares erhaschen will. Die Qualität des Gebo¬ 
tenen ist sehr gut, die Preise nach wie vor billig: heute ass 
ich z. B. einen delikaten pflöuHRi, mit Zubehör für 40 Kop. 
die Eisenbahnverwaltung soll die Preise genau normieren 
und die Zubereitung der Speisen kontrollieren. — Unser spe¬ 
zieller Essvorrat ist noch nicht erschöpft, wenn nötig kom¬ 
pletteren wir ihn in Irkutsk. Ihr wandert Euch vielleicht 
darüber, dass ich immer wieder auf die Essfrage znrück- 
komme, aber es ist notorisch eine sehr wichtige, einen we¬ 
sentlichen Teil unseres Interesses in Anspruch nehmende An¬ 
gelegenheit. — Unser Schlaf ist vorzüglich, nur nehmen 
Nachthemd und Laken mehr und mehr einen grau-schwarzen 
Farbenton an, der als «asiatisch» bezeichnet und übrigens 
ziemlich ignoriert wird. — «Auch sonst ist die Stimmung im 
ganzen famos». — Eine eigentümliche Veränderung ist doch 
mit einem vor sich gegangen. Vor 4 Wochen sass ich in 
Dpt. und interessierte mich für eine stille Klinik und ge¬ 
richtliche Medizin. Jetzt bin ich fast 5000 Werst von dort 
entfernt und plaudere über die Vorzüge und Nachteile einer 
Rückkehr nach Europa über den stillen Ozean und Amerika 
oder um Asien herum. — Am eigentümlichsten ist das Er¬ 
wachen nach Trän men, die mich nach Ptbg., Finland oder 
Dorpat geführt haben, und wenn man dann allmählich ka¬ 
piert, wo man ist. — Von Kriegsnachrichten erfahren wir 
nur wenig. . . . 

V. 

D. 21. Febr. 1904. Wagou, 400 Werst vor Irkntsk. 

. . . Vorgestern, Nachts fuhren wir bei KpacHoapcR* über 
die EHHcefl-brückc; natürlich war nicht viel zu sehen; ausser der 
imponierenden Länge der Brücke (Über eine Werst) war nur 
Hoch die riesige glatte Eisfläche bemerkenswert. Seitdem geht 
es mit wechselnder Geschwindigkeit in stellenweise land¬ 
schaftlich sehr anziehendem hügeligen Terrain weiter. — 
Heute morgen hätte es leicht ein kleines Eisenbahnunglück 
geben können, es wurde nämlich auf einer Station bemerkt, 


dass ein Wagonrad einfen wichtigen Eisehteil verloren hatte. 

— Der Wagon wurde gleich aasrangiert, die Passagiere 
(hauptsächlich Schwestern vom. Roten Kreuz) wünschten einen 
Dankgottesdienst, der aber wegen Zeitmangel nicht zu Stande 
kam. In Irkntsk treffen wir mit 12 Standen Verspätung morgen 
Vormittag ein. Dort will ich T. . . . oder B. . . . anfsuchen, 
denu 1—2 Tage werden wir ans dort wol notgedrungen 
aafbalten müssen. — Gestern hatten wir eine freadige Uebet- 
raschang: der Heizer nnsres Wagons -stellte sich als Este 

1 heraus. Sofort wurden natürlich längere Gespräche mit ihm 
i angeknüpft. Er erzählte, es lebten relativ viel aasgewanderte 
Esten in Sibirien, die fast alle zu Wohlstand gelangt seien. 
Ueberbanpt sei es ein reiches Land, der Wald stehe jedem 
1 zur Verfügung, die Kartoffel erreiche die Grösse von Kür- 
f bissen, und eine magere sibirische Kuh gebe soviel Milch 
i wie 3—4 baltische. — Wenn anch diese Beschreibung etwa® 

' übertrieben ist, so scheint sie doch im grossen and ganzen 
zu stimmen. Man sieht auf den Stationen kaum dürftig und 
zerlumpt gekleidete Menschen. Jeder Bauer hat einen Pelz, 
warme Stiefel nnd eine Fellmütze, da hier nie Leibeigen¬ 
schaft geherrscht hat, fühlt sich auch der einfache Mann 
ganz anders als in Russland. Auf einer Station drängte 
1 sich ein besoffener Baner in den von Offizieren gefüllten 
I Wartesaal I. Klasse: er betrug sieb laut and schlecht und 
■ wurde von 2 Oifizieren am Schlafflt hinausbefördert. Darauf 
kehrte er wütend zurück, verlangte nach dem Stationschef 
nnd erklärte, die beiden Offiziere verklagen zu wollen, nach¬ 
dem er ihnen noch ein paar kräftige Worte zugerufen hatte. 

— Ans Irkntsk schreibe ich wieder, hoffentlich erreicheu 
Euch meine Briefe. Ich schreibe stets über einen Tag. . . . 

VI. 

Irkatsk, d. 23. Februar 1904. 

Gestern um Mittagszeit kam ich hier an und war froh, eine 
l'/a täg. Panse eintreten lassen zu können, obgleich — wie 
ich Euch geschrieben habe — das Eisenbahnfähren einem 
ganz znr Gewohnheit geworden ist. 

Vom Bahnhof fahr ich direkt zu T.erfuhr aber, dass 

er vor drei Wochen mit Frau, Sack und Pack nach Livland 
gefahren sei n. vermutlich nicht mehr zarückkommen werde. 
Darauf wandte ich mich an B. . . ., der mich sehr liebens¬ 
würdig nnd laudsmannschaftlich aufnahm, mich speiste und 
mir ein Zimmer einräumte, in dem ich die vorige Nacht herr¬ 
lich schlief. Darauf besah ich mir die Stadt. Sie liegt sehr 
malerisch auf dem hügeligen rechten Ufer der Angara, des 
einzigen Abflusses des Baikalsees. Der Fluss ist bedeutend 
breiter als die Newa und soll eine reissende Strömung haben. 
Die hölzerne Eisenbakubrücke über ihn sieht etwas zart und 
gebrechlich aus und wird voraussichtlich bald durch eine ei¬ 
serne ersetzt werden. — Die Stadt selbst macht namentlich 
im Zentrum einen ganz europäischen, fast grossstädtischen 
Eindruck. Eine Reihe von mehrstöckigen, vielfach geschmack¬ 
vollen Häusern, elektrische Beleachtnng der Haaptstrasse und 
der sehr schmncken Läden, ein hübsches Theater, mehrere 
ganz schöne Kirchen u. s. w. Abends speisten wir in einem 
Restaurant unter Palmen und Ürchestermasik, kurz wir fühlen 
uns nach einem Bad und Wäschewechsel durchaus als Kultur¬ 
menschen. — Hente besuchten R.W. ... und ich das 

hiesige natnrhistorisck-ethnographische Museara; obgleich es 
heute geschlossen war, kamen wir doch via Hintertreppe und 
Trinkgeld hineia. Die zoologische Abteilung kann sich mit 
dem Ptbger. Museum natürlich nicht messen, namentlich die 
Aas8topfung ist recht mangelhaft. Doch sind da verschiedene 
interessante asiatische Säugetier- nnd Vogelarten nnd na¬ 
mentlich Fossilien vertreten, über die nns R. . . . als guter 
Zoolog die nötigen Auskünfte geben konnte. — Interessant 
war auch die ethnographische Abteilung, die namentlich Ge- 
brauchsgegenstände, Waffen, Kleider und Götzen der einzel¬ 
nen sibirischen Völkerschaften enthält. W. . . . war als 
Künstler ganz entzückt über einige Feströcke - von Jakuten¬ 
weibern: sie waren aus feinen Fellen zusammengenäht uud 
mit verschiedenfarbigen Glasperlen besetzt und sahen wirk¬ 
lich recht schmuck aus. Amüsant sind auch die meist furcht¬ 
bar aassehenden Götzen mit riesigen fletschenden Zähnen 
und gewnndenen Hörnern; harmloser machten sich der Feuer¬ 
gott und seine Frau, zwei glattgeschorene und freundliche 
Gesichter, die aus einer Lehramasse üervorzutaucheu schei¬ 
nen. — Kurz der Besuch des Musenras ist durchaus lohnend. 

Heute nachmittag will B. . . . uns noch im hiesigen Stadt- 
nnd Kinderhospital bernmführen. Seine eigne Klinik habe ich 
besehen. Sie ist sehr sauber und nett eingerichtet: 2 ln ver¬ 
schiedenen Stockwerken gelegene Operationszimmer, ein Rönt- 
genkabinet, Verbandzimmer und etwa 4 —6 Krankenzimmer; 
überall elektrische Beleuchtung, die von einer eigenen im 
Hofe anfgestellten Maschine geliefert wird; gute Bedienung 
nnd, wie es scheint, gute Pflege. Täglich am Morgen ist eine 
recht grosse Ambulanz. Alles das ist B. . . .’s eigenste 
Schöpfung. 


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125 


Morgen früh nm 5 Ubr muss ich weiter; zunächst 60 Werst 
per Eisenbahn, dann etwa 40 Werst per Schlitten über den 
Baikal nnd dann wieder Eisenbahn. Die Eisenbahn über das 
Baikaleis funktioniert nicht, da etwa vor 1 Woche eine Lo¬ 
komotive durchgebrochen ist, (ohne Menschenverluste). . . . 

(Fortsetzung folgt). 


Vermischtes. 


— Nachrichten von Aerzten auf dem Kriegs¬ 
schauplatz. Der .Redakteur der «St. Petersb. med. 
Wochenschrift» Dr. Wanach (Peter-Paul-Hospitai, Archi- 
jerejskaja Nr. 4) bittet nochmals uro Zustellung von Privat¬ 
im achrichten über im Felde stehende Aerzte. 

— Der Flaggroannsarzt des Stabes des Chefs der Eskadre 
des Stillen Ozeans, Staatsrat Dr. Alexander v. Bunge, 
ist zum Flagmannsarzt der genannten Eskadre ernannt 
worden. 

— Zu Ehren des Professors Dr. Zoege v. Manteuffel 
(Jurjew), der in diesen Tagen auf den Kriegsschauplatz nach 
dem Fernen Osten reist, wurde, wie die «Nordlivl. Ztg.» be¬ 
richtet, am 13. März von den Studenten des 5. Kursus der 
Jnrjewer medizinischen Fakultät ein Fackelzug veran¬ 
staltet. Boi dieser Gelegenheit überreichten die Studenten 
dem Professor auch eine Adresse worin sie ihm für die ste¬ 
tige Bereitwilligkeit und Aufmerksamkeit, die er ihren In¬ 
teressen entgegengebracht, ihren Dank aussprachen. Am 
Abend desselben Tages veranstaltete die dortige medizi¬ 
nische Gesellschaft eine Abschiedsfeier zu Ehren 
ihrer vier auf den Kriegsschauplatz abgebenden Mitglieder: 
des Prof. Dr. W. Manteuffel, ihrer beiden ehemaligen 
Sekretäre Dr. B. Bö t eher nnd Dr. Baron Paul v. Un- 
gern-Sternberg, sowie des Dr. Guido Walter. 
In zahlreichen Reden wurde den guten Wünschen für die 
ihrem schweren Beruf entgegengehenden Kollegen wärmster 
Ausdruck gegeben. 

— Zum Oberchirurgen der Mandschurischen 
A r m e e ist der vor Kurzem zum Korpschirurgen des 3. sibiri¬ 
schen Armeekorps bestimmte Beamte für besondere Aufträge 
VII. Klasse bei der Ober-Militär-Medizinalverwaltung, Pri¬ 
vatdozent der mil.-med. Akademie Dr. Wreden ernannt, 
unter gleichzeitiger Beförderung zum Staatsrat 
für Auszeichnung im Dienst und Belassung in sei¬ 
ner Stellung als Beamter bei der Ober-Militär-Medizinal Ver¬ 
waltung. Zn seinem Nachfolger al8 Korpachirurg 
des 3. sibirischen Armeekorps ist der ältere Ordi- 
nator des St. Petersburger Nikolai-Militärhospitals, Staats¬ 
rat Dr. H ü bb e n e t ernannt worden, unter Belassungin 
seinem bisherigen Amte. 

— Der vor Kurzem ernannte Korpschirurg des 2. sibirischen 
Armeekorps und Konsultant des Warschauer Ujasdowhospi- 
tals, Staatsrat Dr. Toporkow, ist von dem erstge¬ 
nannten Amt entbunden worden. 

— Die Odessaer medizinische Fakultät hat als Kandi¬ 
daten für den Lehrstuhl der chirurgischen 
Hospi tal k 1 i n i k an der Odessaer Universität 
primo loco den Professor Dr. N. Lyssenkow (Odessa) und 
secundo loco den Oberarzt des Odessaer Stadthospitals Pri¬ 
vatdozenten Dr. J. Sab an eie w in Vorschlag gebracht. 

(ß. Wr.) 

— In der Generalversammlung der Gesellschaft der 
Aerzte für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrank¬ 
beiten in Moskau wurde das beratende Mitglied der 
Moskauer Medizinalverwaltung Dr. Nikolai Schkott — 
zum Präsidenten, der Privatdozent Dr. E. Stspanow- 
zum Vizepräsidenten und Dr. A. F. Bjeljajew — zum 
Sekretär gewählt. 

— Die Stadtduma von Jalta hat beschlossen, zu blei¬ 
bendem Andenken an den nm diesen Kurort verdienten 
Dr. W. Dmitrijew, dessen Nekrolog wir in der vorigen 
Nr. brachten, fünf Stipendien bei der Stadtschule 
zu stiften und die von dem Verstorbenen gegründete 
städtische meteorologische Station nach seinem 
Namen zu benennen. 

— Als Bewerber um den vakanten Lehrstuhl 
der speziellen Pathologie und Therapie an der 
mil.-med. Akademie haben sich gemeldet: die Professoren N. 
Tschißtowitsch (von der mil.-med. Akad.) und M. W ol - 
kow (von dem weiblichen med. Institut), die Privatdozenten 
der mil.-med. Akademie E. S. Botkin, Th. Geissler, 
N. K n 1 b i n und N. Tschigajew, sowie der Privatdozent 
der Moskauer Universität — W. Nedzwecki. 

— Der Prof, extraord. der Chirurgie an der Heidelberger 
Universität und erste Assistent des Prof. Czerny, Dr. 
Walther Petersen, ist zum C h ef ar z t ei n e r der 
Hiilfsexpeditionen ansersehen, die das Zentralkomite 


des deutschen Boten Kreuzes den beiden kriegsführenden 
Mächten, Bussland und Japan, angeboten hat (A. m. C.-Ztg.). 

- Verstorben: 1) Am 8- März zu Beval einer der 
ältesten Jünger der alma mater Dorpatensis, der ehemalige 
estländische Goavernements-Medizinalinspektor, wirkl. Staats¬ 
rat Dr. E d u a r d v. F a 1 c k , im 92. Lebensjahre In Beval 
als Sohn des dortigen Batsherrn Job. Fa 1 c k geboren, ab- 
solvirte er das örtliche Gymnasium, nm sich dann von 
1834—41 dem Studium der Medizin an der Dorpater Univer¬ 
sität zu widmen, wo er der Korporation «Estonia» angehörte. 
Nach Erlangung der Doktorwürde i. J. 1845 war Dr. Falck 
successive Landarzt im Gouv. Smolensk, Oberarzt an den 
Hospitälern des Kollegiums der allg- Fürsorge in Tscherni- 
gow, dann in Tarabow, zuletzt in Beval, bis er 1869 zum est- 
ländischen Medizinalinspektor ernannt wurde. Im Jahre 1896 
nahm er seinen Abschied und widmete sich hauptsächlich der 
Bewirtschaftung des ihm gehörigen Gutes iu Estland. Der 
Hingeschiedene genoss den Buf eines tüchtigen Arztes und 
sicheren Diagnostikers und erfreute sich daher an allen den 
Orten, wo er die Praxis aasübte, einer zahlreichen Klientel. 
In dem gebrechlichen Körper des Greises lebte ein lebhafter 
Geist, der ihn noch in der letzten Zeit alle Tagesereignisse 
mit Interesse verfolgen liess. Bis zuletzt blieben ihm auch, 
wie die «Bev. Ztg.» berichtet, Gehör und Gesiebt ganz un¬ 
geschwächt, selbst die Feder konnten die zitternden Hände 
zur Not noch führen und als es zu Ende ging, war ihm ein 
leichter Tod ohne Kampf beschieden. 2) Am 21. Februar in 
Kamenez-Podolsk der Gehülfe des Gouv.-Medizinalinspektors 
Dr. W. K n r i 1 o w im Alter von 55 Jahren. Der Verstor¬ 
bene, welcher seit 1873 die Praxis ausübte, galt als ein er¬ 
fahrener Frauenarzt und war auch Direktor der örtlichen 
Hebammensohule. 3) In Sledlce der dort als Philantrop be¬ 
kannte Arzt Dr. Alexander Przibylski im 75. Le¬ 
bensjahre nach fast 5Qjähriger ärztlicher Tätigkeit. Er hat 
einen grossen Teil seines Vermögens der örtlichen Wohllä- 
tigkeitsgesellschaft vermacht. 4) InMzensk der Landschafts¬ 
arzt Wlad. Alexandrow im 45. Lebensjahre. Arzt war 
A. seit 1885. 51 In Neapel der hervorragende Patholog Prof, 
de Martino im Alter von 89 Jahren. Der Verstorbene, 
welcher in Wien, Berlin und Paris studiert hatte, bekleidete 
mehrere hohe Stellnugen: er war Leibarzt des königlichen 
Hauses, Präsident der medizinischen Akademie in Neapel, 
Mitglied zahlreicher Akademien etc. 6) In Brooklyn der Pro¬ 
fessor der Histologie am Long Island Kollege Hospital da¬ 
selbst, Dr. H. J. Seele y. 

— Der Prof. ord. der Dermatologie Dr. B i 11 e in Leipzig 
ist von der dermatologischeu Gesellschaft 
zum Ehrenmitgliede gewählt worden. 

— Der Direktor der Bonner Univorsitäts-Irrenklinik Prof. 
Dr. Pelmann tritt demnächst in den Ruhestand. 

— Prof. Dr. Veit (Erlangen) hat den Buf als Professor 
für Geburtshülfe und Gynäkologie iu Halle angenommen. 

— Der Privatdozent der pathologischen Anatomie an der 
Heidelberger Universität, Dr. »Ernst Scb walbe, erster 
Assistent des Prof. Arnold, ist znm ausserordent¬ 
lichen Professor ernannt worden. 

— X. Internationaler Ophthalmologenkon¬ 
gress in Luzern 13., 14., 15.. 16. und 17. September 
neuen Stils. (31. August 1., 2., 3. und 4. September alten St) 

Vom OrganUationskomite wird in einem zweiten Zir¬ 
kular bekannt gemacht, dass auf vielfach geäusserten 
Wunsch der Beginn des Kongresses bereits am 
13. September (31. August) statifiudet und nicht wie im 
ersten zirkular gesagt war am 19. September. 

Da nur die Arbeiten diskutiert werden sollen, welche den 
Teilnehmern am Kongress vor demselben gedruckt über¬ 
mittelt werden können, mnss die Einsendung des Manus¬ 
kriptes bis spätestens 1. Mai n. St. (18. April a. St ) an 
Herrn Professor Dr. Mellinger in Basel erfolgen. 

Der diese Arbeiten enthaltende erste Teil des Kongress¬ 
berichtes wird den Mitgliedern gegen Entrichtung des Bei¬ 
trages (25 Fr.) zugleich mit der Legitimationskarte zugestellt 
werden. 

Zur Ausstellung werden erbeten Gegenstände welche 
die Angenärzte sei es vom praktischen oder auch vom hi¬ 
storischen Standpunkte aus interessieren: Instrumente, 
Bücher, Bilder, Figuren, Medikamente. 

Anmeldungen bis spätestens 1. Juli n. St (18. Juni a. St.) 
bei Herrn Professor Dr. Siegrist in Bern. 

Quartier kann voraus bestellt werden durch Herrn Dr. 
F. Stöcker in Luzern. 

An die Stelle des verstorbenen Professor Pflüger ist 
sein Nachfolger an der Universität Bern, Herr Prof Sieg- 
rist getreten, und Herr Dr. E. Landolt in Paris wurde 
zum Vizepräsidenten des Kongresses ernanut. 

St. Petersburg, März 1904, 

Dr. Th. Ger mann , 
Korrespondent für Russland. 

Moxoßaa 38. f-iaaHaa JleveÖHina. 


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— X. Internationale rOpbthalmologen-Kon- 
Kress in Luzern 13. September 1904, Ausstellung. 

Das Komitä des X internationalen Kongresses tür Oph¬ 
thalmologie hat mich beauftragt, Sorge zu tragen für eine 
zweckmässige Ausstellung aller dem Kongresse übermittelten 
wissenschaftlichen Apparate, Instrumente sowie der verschie¬ 
denen Lehr- und Unterrichtsmittel. 

Ich ersuche daher alle Kollegen, sowie alle wissenschaft¬ 
lichen optischen wie mechanischen Firmen, die irgendwelche 
Objekte am internationalen Ophthalmologenkongresse in Lu¬ 
zern auszustellen wünschen, sich biszuml. Juli 1904 an 
mich zn wenden mit der genanen Angabe der Ausstellungs¬ 
objekte, des gewünschten Raumes sowie der Art und Stärke 
der allenfalls benötigten elektrischen Kraft. — Später ange- 
meldete Aasstellungsobjekte können nur noch in dem Hasse 
Berücksichtigung linden, als der noch verfügbare Raum es 
gestattet. 

Professor Dr- A. S i e g r i s t, 

Bern. 

Direktor der Universitäts-Augenklinik. 

— Im «Begiernngsauzeiger» Nr. 65 vom 16. März wird 
mitgeteilt, dass der Ehrenvormnnd, General der Infanterie 
Zeuraern übergeführt ist an die Abteilung des Vormund- 
Bchaftsrates zu Moskau, gerechnet vom 23. Februar 1904. 
Herr von Zentnern war bisher Kurator der St. Peters¬ 
burger Angenheilanstalt 

— Bei Gelegenheit ihres 10jährigen Bestehens hat die 
Gesellschaft praktischer Aerzte znLibauzu 
ihren ersten E h r e n m i t g 1 i ed e r n ernannt: die Profes¬ 
soren E. v. Beh r i n g- Marburg und Niels Finsen- 
Kopeuhagen 

— In Sachen der Dienstanstellung der Zivil¬ 
ärzte, Veterinäre nnd Pharmazeuten wird von 
der Ober-Militär-Medizinal-Verwaltnng be¬ 
kannt gegeben: Viele verabschiedete und freipraktizierende 
Privatärzte, Veterinäre und Pharmazeuten, die Gesuche um 
Anstellung ira Hilitär-Medizinaldienst angeregt haben, erklä¬ 
ren, nachdem ihre Anstellang bereits erfolgt ist, dass sie in¬ 
folge veränderter Umstände ausserstande sind, ln den Dienst 
zu treten. — Die Ober-Militär-Medizinal-Verwaltung hält es 
für notwendig, diesen Personen zu erklären, dass infolge des 
Allerhöchsten Befehls vom 30. Januar d. J., welcher für die 
Dauer der KriegBzeit verbietet, die Beamten des Militär-Me¬ 
dizinal-Hessorts der Reserve zuzuzäblen nnd sie häuslicher 
Verhältnisse wegen aus dem Dienste zu verabschieden, der¬ 
artige Erklärungen hinsichtlich der Unmöglickelt, in den 
Dienst zu treten, nicht berücksichtigt werden können und 
die Betreffenden sich daher an den Ort ihrer Ernennung be¬ 
geben müssen. — Gleichzeitig teilt die Ober-Medizinal-Ver¬ 
waltung im Interesse derjenigen Personen, die sich um eine 
Anstellung ira Militär-Medizinaldienst bewerben, mit, znr 
Beschlennignug der Sache und zur Vermeidung unnützer 
Schreibereien, hierüber Gesuche auf den Allerhöchsten Namen 
der Ober-Militär-Medizinal-Vei'waliung unter Beilegung der 
erforderlichen Dokumente und zweier Stempelmarken im 
Werte von je 60 Kop- eiuznsenden. 

— Für das Evangelische Feldlazarett, dessen 
Ausrüstung hierselbst in nächster Zeit beendigt sein wird, 
standen zu Ende der vorigen Woche an Mitteln bereits über 
110,000 Rbl. dem Komitd znr Verfügung, jedoch sind nach 
ungefährer Schätzung mindestens 200,000 Rbl. erforderlich, 
wenn man die Dauer der Tätigkeit des Lazaretts anf 10—12 
Monate aunimmt. Znr ärztlichen Bedienung des zunächst für 
60 Betten eingerichteten Lazaretts sind, ausser dem Oberarzt 
Dr. 0. S c h i e m a n n. noch vier Aerzte in Aussicht genommen. 
Bis jetzt sind bereits zwei Assistenzärzte gewonnen worden, 
und zwar: Dr. Woldemar Lange, der 1887 — 96 in Dorpat 
studiert hat und vor einiger Zeit in der Mandschurei bereits 
als Arzt tätig gewesen ist, sowie Dr. Eugen Kaegler 
welcher von 1888—94 ebenfalls in Dorpat studiert hat und 
zur Zeit Kirchspielsarzt in Rappel (im RevaUcheu Kreise) ist. 

— Die medizinische Fakultät der Moskauer Universität hat 
beschlossen, vom 1. Mai — 1. Sept. in den Universitätsklini¬ 
ken 100 Betten für Verwundete bereit zu halten. Den Unter¬ 
halt dieser Betten (36 Rbl. pro Bett monatlich) bestreiten die 
Professoren und Angestellten der Universität, welche hieran 
1 pCt- monatlich von ihrem Gehalt hergeben. Der Psychiater 
Prof Dr. W. Roth will auf seine Kosten vier Betten unter¬ 
halten und die Wohltätigkeitsgesellschaft beim Katharinen- 
krankenliause steuert ebenfalls zn den Unterbaltskosteu der 
Verwundeten bei. 

— Wie der «Sibir. Westnik» erfährt, ist der Rektor der 
Tomsker Universität angewiesen worden, die Kliniken nnd die 
Universität zur Aufnahme von Verwundeten in Bereitschaft 
zu setzen. 

Bei der Mandschurischen Armee wird anf 
Allerhöchsten Befehl der Posten eines Chefs 
des Sanitätswesens dieser Armee kreiert,dem 


die Feld-Hospitalverwaltung, die Feld-Medizinalvernjw 
and der Oberbevollmächtigte der Gesellschaft des Roten Krenzss 
unterstellt sein werden. Der genannte Chef im Range eine« 
Generalleutnants oder Generalmajors ist dem Kommandieren¬ 
den der Armee direkt anterstellt mit den Rechten des Chef« 
einer Hanptsektion der Feldverwaltnng nnd hat die Verfügen*; 
über das gesamte Sanitätswesen der Armee über das Perso¬ 
nal nnd die materiellen Mittel, die znr Befriedignng der sa¬ 
nitären Bedürfnisse der Armee bestimmt sind. 

— Beschleunigte medizinische Prüfungen. 
Das Ministerium der Volksaufkläruug hat im Einvernehmen 
mit dem Kriegsministerium angesichts der Ereignisse im Fer¬ 
nen Osten ule Universitäten Moskau, Kasan, 
Charkow und Kiew autorisiert, sofort medizinische Prü¬ 
fungskommissionen niederzusetzen, damit die endgültigen 
Prüfungen auf den Arztgrad bis zum Jani 
beendigt werden können. Eine gleiche Anordnung ist such 
für die militär-medizinische Akademie getroffen worden, an 
welcher die Prüfungen anf den Arztgrad zum 1. Mai been¬ 
digt sein müssen. 

— Die Gesellschaft des Roten Kreuzes hatte bis zum 10. 
März bereits 744 Personen (Aerzte, Studenten, barmherzige 
Schwestern und Sanitäre) in den Fernen Osten gesandt. In 
nächster Zeit folgen noch 445- 

— Epidemiologisches. Die P e b t ist, wie aus J o - 
h a n e s b u r g (Südafrika) gemeldet wird, im dortigen Kuli¬ 
viertel ausgebrochen. 27 Personen sind bereits der Krankheit 
erlegen. Die Europäer verlassen in hellen Scharen die Stadt, 
teils aus Furcht vor Ansteckung, teils aus Abneigung, sich 
den zu erwartendeu scharfen Bestimmungen za unterwerfen. 
Die Städte in Transvaal errichteten Quarantänestatioaeu, in 
die alle Verdächtigen nud alle ans Johanesbnrg znreiseuden 
Leute untergebracht werden. 

Bf. 

— Die Gesamtzahl der Kranken in den Civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 6. März 
d. h. 9588 (8 wen. als in d. Vorw.), darunter 491 Typhus — 
(23 mehr), 999 Syphilis — (26 wen.), 230 Scharlach — (8 wen-), 
93 Diphtherie — (20 wen.), 91 Masern — <24 wen.*) und 53 
Pockenkranke — (2 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. , 


Für die Woche vom 29. Februar bis zum 6. März 1904. 


Zahl der Sterbefälle: 
1) nach Geschlecht nnd Alter: 


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Im Ganzen: ,® -g 


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2) nach den Todesarsaehen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 17, Febris recurrens O.Typhni 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 5, Masern 18, Scharlach 17. 
Diphtherie 10, Cronp 0. Kenchhnsten 6, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 36, Erysipelas 3, Grippe 11, Katarrhalische Lun¬ 
genentzündung 126, Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Akuter 
Gelenkrheumatismus 0, Parotitis epidemica 0, RotzkrankheitO, 
Anthrax 0, Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyäroie nnd 
Septicanmie 6, Tuberkulose der Longen 97, Tuberkulose an¬ 
derer Organe 17, Alkoholismus und Delirium tremens 6. Le- 
benBschwäche und Atrophis Infantum 51, Marasmus senilis 23, 
Krankheiten des Verdannngskanals 74, Todtgeborene 40. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 6. April 1904. 

Tagesordnung: M. Kreps: Cy stoskopische Beobach¬ 
tungen mit Demonstrationen. 

Nächste Sitzung des Deutschen är Etlichen 
Vereins: Montag den 5. April 1904. 


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Prozessen nach der Geburt n. s. w., n. s. w. 


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D Ä „ Aerztliche Gutachten: 

Prof. Dr. Ernst Fischer (,Strassburg): 

,. ^ie Wirkung des „Pertussin* war eine überraschende; wenngleich ich 
ßinfo^F 6 !!- 6 * a £? n kann ’ da , 89 der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
Ka $ arr h verwände:Ite, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
, Er8c 1 b 1 recke J nde des Keuchhustens, das Blauwerden uud die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

5 r * , M ° de1 ’ Bezirksarzt a. D. (Weissenburg): 

.... dem Gebrauch des Pertnssln war es mir beim Erwachen plötzlich. 

Sl*iiK5V C i h die u freie herrliche Luft auf einem Alpen-Gipfel. Diese Leicht- 
Äkllcbem ÄÄ Uf ' d6r ic " lDfo1 ^ '“"Siähnger Broncbiallatarrhe 
Dr. Alfred MUller (Neuhausen): 

, 00 ,o^/ e !!‘? rthei .l^ ebt dahin - da88 das Pertnssln ein Mittel ist, das in küi- 
"7f 4 r,T den mit Hecht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
£" d “»merkbaren Broncbialkatarrh überzufuhren vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 
Dr. Erich R. von Matzner (Birkfeld, Steierm.): 

Thhiipn m i t Per . tn8s ;? behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 

° rmen , u ? d j edesma l erwies sich Ihr Präparat als von 
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/IniciaTi. »km. napn., nein«. »kbj. n Ciojomi. ofiiipcniy in. TlapinsS. 


Im Libauschen Stadt - Krankenhause 
sind zur Zeit zwei 

Assistenten-Stellen 

vacant, 

und werden Reflectanten hiermit er¬ 
sucht, ihre derbezüglicben Gesuche bei 
dem Libauscheu Stadtamte elnreicbeu zu 
wollen. Die Gage beträgt für die erste 
Zeit 500 Rbl. Jährlich bei freier Station, 
und kann solche Gage in der Folgezeit 
erhöht werden. 

Libau, den 10. März 1904. (50) 2-1. 




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A°»B. H 008 . CnO., ao Hapra 1804 r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Budidruckerei v. A. Wienecke, Katharin.nbofer Pr.jTlS. 


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MAY 4 i 904 


XXIX. JAHRGANG. 


ST. PETERSBUH&ER 


Nene Folge XXI. Jahrg. 


MEDICINISCHE WOCIENSCHSIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. * 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die „St. Petersburger Medicinische Wochenschrift“ erscheint jeden 
Sonnabend.—Der Abonnementspreis ist in EusslancL8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl.Postzustellung;in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Derlnsertlonsprei* 
für die 3inal gespaltene Zeilen in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfen.—Den 
Autoren werden 25 Separatabzüge ihrer Originalartikelzugesandt. 
—Referate werden nach dem Satze von 16Rbl. pro Bogen honorirt. 

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Abonnements-Aufträge sowie alle Inserat# 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von K. L. Eioker 
in St. Petersburg, Newsky-Prospect .Ns 14, zu richten. — Kanus* 
cripte sowie alleaufdie Redaction bezüglichen Mittheilungen bit¬ 
tet man an den geschäftsführendenRedacteurDr.Eudolf Wa- 
nach in St. Petersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu 
richten Sprechstunden Montag,Mittwoch u.Freitag von2—3Uhr. 

1904 ^ 


St. Petersbnrg, den 27. März (9. April). 


Inhalt: Dr. med. H. Lau: Zur Frage der Skrophulose. — Mitteilungen aus der Gesellschaft praktische* 
Aerz te zu Riga. — Briefe aus Sibirien. — Vermischtes. — Anzeigen. 


Zur Frage der Skrophulose. 

Von 

Dr. med. H. Lau. 
(Simferopol). 


Der Begriff der Skrophulose ist ein sehr unklarer, 
obgleich er sehr häufig gebraucht wird. Wenn auch in 
neuester Zeit darin eine kleine Abnahme zu bemerken 
ist, so ist doch von einem Aussterben dieses Ausdruckes 
noch lange nichts zu spüren, denn die Kliniker wollen 
die Skrophulose ungern missen, da der Symptomenkom- 
plex, welchen sie darunter verstehen, ihnen sehr häufig 
zu Gesicht kommt, also dieser Ausdruck ein praktischer 
ist. Trotzdem köuuen sie aber nicht angeben, worin 
das Wesen der Skrophulose besteht, durch welche 
Symptome sie charakterisiert ist, ob sie ein Allgemein¬ 
oder Lokalleiden ist, kurz und gut, man hat keine 
scharfe Vorstellung, wenn man den Ausdruck Skrophu¬ 
lose liest oder hört. 

Einige Autoren halten sie für Tuberkulose, andere 
für eine eigenartige Krankheit, wieder andere habenden 
versöhnenden Ansdruck Skrophulo-tuberkulose einge¬ 
führt, alle meinen aber dasselbe Leiden. Dieses kann 
man leicht durch einige Beispiele aus der Literatur 
beweisen. Neumann 1 ) hebt hervor, dass unter Skro¬ 
phulose manches unterläuft, was nicht dazu gehört, z. B. 
chronischer Ausfluss aus der Nase mit Anätzung der 
Oberlippe infolge eines Fremdkörpers in der Nase; 
Mittelohrentzündungen mit langwierigem eitrigen Aus¬ 
fluss und Granulationen werden als skrophulös ange¬ 
sehen, weil sie nicht behaudelt werden; ein impetigi- 
nöser Ausschlag der behaarten Kopfhaut kommt immer 
wieder und wird deswegen als skrophulös angesehen, 
und doch sind nur unerkannte Läuse die Ursache. Trotz¬ 
dem giebt es nach N e u m a n n eine echte Skrophulose, 
die in den selteneren Fällen eine langsam verlaufende 


*)H. Neumann, Ueber die Behandlung der Kinder¬ 
krankheiten. 2. Anfl. 1900. 


Organ tuberkulöse ist; häufiger aber tritt sie als chro¬ 
nische nicht spezifische Erkrankung bei tuberkulös infi¬ 
zierten Kindern auf, bei denen die Tuberkelbazillen 
nach Passieren der Lunge in den Bronchialdrüsen fest¬ 
gehalten werden und hier dann den primären Herd 
bilden sollen. Von hier aus breitet sich dann die In¬ 
fektion langsam im Bereich des Lymphgefässsystemsans, 
um gelegentlich von den tiefen Halsdrüsen in den ober¬ 
flächlichen zu Tage zu treten. Diese tuberkulösen Er- 
kranknngen der Halslymphdrüsen erschweren den Lymph- 
abfluss und rufen dadurch im Wnrzelgebiete der flaU- 
lymphgefässe Stauungen hervor, was zu den als skro¬ 
phulös angesehenen Erscheinungen, wie Schw Uung des 
lymphatischen Rachenringes, der Nasenschleimhaut mit 
Verdickung der Oberlippe, Phlyktänen des Auges und 
chronische Entzüadung des Ohres führt.. Gelegentlich 
kann daun auch der geschwollene lymphatische Rachen- 
ring von den Halsdrüsen aus tuberkulös infiziert wer¬ 
den, es findet also eine retrograde Infektion statt. 

M o n t i 2 ) hält die Skrophulose für eine Ernährungs¬ 
störung, hervorgerufen durch verminderten Stoffwechsel. 
Er teilt die Skrophulose in 3 Stadien ein: 

1) Skrophulöse Affektionen, welche ihren Grund im 
mangelhaften histologischen Aufbau der Gewebe, sowie 
in unvollkommen vor sich gehenden Stoffwechsel mit 
seinen Folgezuständen haben. Dadurch sind bedingt 
schlaffe Muskulatur, schlecht gebildetes Fettpolster, tor¬ 
pide and erotische Beschaffenheit der Haut, abnorm 
zarter Körperbau, Anämie, Herzschwäche, leichte hyper¬ 
trophische Schweilang der Lymphdrüsen, Störungen der 
Respirations- und Verdaoungsorgane. 

2) Skrophulöse Affektionen, die ihre Entstehung dem 
abnormen Verhalten der Gewebe gegenüber äusseren 
Einflüssen verdanken, also entzündliche Prozesse der 
Haut, der Schleimhäute, des Periostes, die eben durch 
ihre geringe Tendenz zur Heilung sich auszeichnen. In 

*) Monti, Statistische Beiträge zur Lehre von der Skro¬ 
phulose. (Arch. f. Kinderheilk. Bd. 26). ßef. im Jahrb. f. 
klnderhelUt. Bd. 51. 1900. S. 699 fl. 


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diesen beiden Stadien fehlt der Nachweis von tuber¬ 
kulösen Produkten vollständig und es ist deshalb nach 
Montis Ansicht nicht gerechtfertigt hier Tuberkulose 
anzunehmen. 

3) Hierher gehören alle skrophulösen Prozesse, die 
in Folge von Einwirkung der Tuberkelbazlllen zur Bil¬ 
dung von tuberkulösen Produkten führen und die also 
den Ausgang in Lokaltuberkulose darstellen. Zu dieser 
Gruppe wird gerechnet die Tuberkulose der Lymph- 
drüsen, der Haut, der Knochen und der Gelenke. 

Mouti sieht also das Wesen der Skrophulose in 
einer allgemeinen Ernährungsstörung, wodurch der ge¬ 
schwächte Körper sich von kleinen Schädigungen schwer 
erholt. Später tritt Infektion mit Tuberkelbazillen ein. 

A. v. Sokolowski 3 ) teilt die Skrophulose nach 
Aetiologie und Klinik. Aetiologisch ist die Skrophulose 
eine Abart der allgemeinen Gruppe tuberkulöser Er¬ 
krankungen und tritt nur lokal auf, indem sie die 
Drüsen, Schleimhäute und Haut befällt. Klinisch ist sie 
keine bestimmte Krankheitsform, sondern eine Prädis¬ 
position des Organismus, zumeist des kindlichen, zu 
einer speziellen Empfindlichkeit auf gewisse äussere Ein¬ 
flüsse; vor allem neigt der lymphatische Apparat zu 
gewissen Entzündungen chronischer Art von sehr lang¬ 
dauerndem und fast charakteristischem Verlaufe. Des¬ 
gleichen unterliegen auch die Schleimhäute bei Skrophu¬ 
lose häufig rezidivierenden Entzündungen, die sich an¬ 
fangs durch ungewöhnlich reichliche Sekretion charakte¬ 
risieren und das Bestreben zeigen, chronisch zu werden. 
Diese katarrhalischen Entzündungen rufen häufig Hy¬ 
perplasie der Schleimhäute hervor, an welchem Prozess 
alle in derselben lokalisierten Drüsen teilnehmen. An 
den Stellen, wo die Schleimhaut an die Haut grenzt, 
bilden sich auf letzterer Risse und Schrunden. Durch 
das herabfliessende Sekret wird eine Reizung und ver¬ 
schiedenartige impetiginöse Ulcerationen der Haut er¬ 
zeugt. Oefters können auch an den Schleimhäuten 
Geschwürsbi Id ungen katarrhalischer Natur entstehen. 
Die Rachenschleirahaut skrophulös prädisponierter Indi¬ 
viduen unterliegt oft krankkaften Einwirkungen. Diese 
Erkrankungen treten in den mannigfaltigsten Formen 
auf. Am häufigsten stossen wir auf Hypertrophie der 
Mandeln, dann diffuse Hyperplasien der Schleimhaut der 
hinteren Rachenwand; mehr oder minder hervortretende 
Granulationen an der hinteren Rachenwand. An solchen 
Erscheinungen nimmt häufig der ganze lymphatische 
Rachenring teil. Seltener tritt trockener Rachen¬ 
katarrh auf. 

Alle diese Dinge sind aber im Einzelnen nicht für 
Skrophulose charakteristisch; im Ganzen genommen und 
bei Berücksichtigung des Allgemeinzustandes (vergrösserte 
Drüsen, allgemeines Aussehn und dergl.) bilden sich 
charakteristische Veränderungen, die in der Mehrzahl 
bei skrophulös prädisponierten Individuen zur Beobach¬ 
tung kommen. 

v. Sokolowski hält demnach die Skrophulose für 
Tuberkulose, die den Körper schwächt, infolge dessen 
er auf Schädlichkeiten leichter und nachhaltiger reagiert. 
Einzelne Symptome sind nicht charakteristisch, sondern 
nur das Gesammlbild derselben. Nach seiner Beschrei¬ 
bung lässt sich aber im einzelnen Falle nicht bestimmen, 
ob man Skrophulose vor sich habe oder nur einen ein¬ 
fachen chronischen Katarrh bzw. eine Hypertrophie. 

Heubner 4 ) äussert sich über die Skrophulose 
folgendermaßen: «am dunkelsten ist die Pathogenese 
noch immer bei der Skrophulose. Haben wir hier in 

J ) A. v. Sokolowski, Artikel Skrophulose in Hey- 
mann'8 Handbuch der Laryngol. und Rhinol. Abteil. Rachen. 
1898. 

4 ) 0. H e u b n e r. Heber die Verhütung der Tuberkulose 
im Kindesalter in ihren Beziehungen zu Heil- und Heim¬ 
stätten. Jahrb. f. Kinderheilk. 1000. Bd. 51. S. 59 und GO. 


Wahrheit den Ausdruck der konstitutionellen krank¬ 
haften Veranlagung vor uns, die den Geweben, beson¬ 
ders deu Oberflächen, die unheilvolle Neigung verleiht, 
ursprünglich leichte Affektionen nicht zur Abheilung 
gelangen zu lassen, vielmehr in ihnen die Angriffspunkte 
für den Tuberkel bazillus zu erzeugen — oder sind diese 
chronischen Schleimhaut- und Hautkatarrhe schon Folgen 
einer tuberkulösen Infektion; das ist die noch immer 
unentschiedene Frage. Ich (Heubner) möchte jedenfalls 
darauf hinweisen, dass die Untersuchung der äusserlich 
wahrnehmbaren und exstirpierten Lymphdrüsen allein 
nicht genügt sie zu lösen. Da es bei der experimen¬ 
tellen Infektion immer auf das quantitative Verhalten 
des Tuberkelgiftes in dem zu prüfenden Gewebe an¬ 
kommt, so beweist der negative Ausfall des Infektions¬ 
versuches Doch gar nicht einmal das Fehlen geringer 
Mengen von Tuberkelbazillen in dem betreffenden Ge¬ 
webe. Ferner sei anf eine anatomische Erfahrung auf¬ 
merksam gemacht. Man hat ja nicht häufig Gelegenheit 
Fälle von Skrophulose post mortem zu untersuchen. 
In deu Fällen, wo ich selbst hierzu in der Lage war, 
fand ich jedesmal einige wenige oder auch zahlreiche 
Bronchialdrüsen verkäst, während die Halslyraphdrasen 
sich noch zum grössten Teil oder völlig im Zustande 
einfacher markiger Schwellung befanden. Endlich er¬ 
gab mir die diagnostische Tuberkulininjektion beinahe 
stets (einige alte und hochgradige Fälle ausgenommen) 
bei den einfach skrophulösen Kindern, die ich daraufhin 
untersuchte, den positiven Ausschlag. 

Ich möchte so auf Grund der eigenen Erfahrungen doch 
annehmen, dass die Skrophulösen zu der Zeit, wo sie 
uns in Behandlung kommen, gewöhnlich als tuberknlös 
bereits infiziert angesehen werden können», 

Heubner hält also die Skrophulose für Tuber¬ 
kulose, welche den Körper so schwächt, dass besonders 
die oberflächlichen Gewebe nach leichteren Erkrankungen 
schwer ausheilen. 

Kronenberg 5 ) teilt bei Besprechung des Ekzems 
am Naseneingang über Skrophulose folgendes mit: «von 
Allgemeinerkrankungen ist es besonders die Skrophn- 
lose, welche neben einzelnen anderen Stellen mit Vor¬ 
liebe am Naseneingang und Oberlippe zu Ekzem führt. 
Es entsteht durch dasselbe (Ekzem) mitbedingt hier jene 
bekannte (wesentlich durch Vermehrung und Erweite¬ 
rung der Lymphgefässe bedingte) Verdickang und Ver¬ 
längerung der Oberlippe, welche nach Behrendt 
(Lehrbuch der Hautkrankh. Berlin 1883 S. 220 0 
neben der Verdickung und Abrundung der scharfen Um¬ 
randung der Nasenlöcher wesentlich zur Erzeugung des 
für Skrophulose charakteristischen Gesichtsausdrucks 
führt». 

Nach Kronenberg verursacht mithin nicht allein 
das Ekzem die Verdickung der Oberlippe, sondern' es 
muss die skropbulöse Basis vorhanden sein. Worin aber 
diese besteht, sagt er leider nicht. 

Cornet®) versteht nnter Skrophulose eine Gruppe 
von Krankheitserscheinungen, die hauptsächlich jugend¬ 
liche Individuen heimsucht und auf bakterieller Ursache 
beruht. Die Symplome — die bekannten Erkrankungen 
der Haut, Schleimhäute, Sinnesorgane, Drüsen, Knochen. 
Gelenke u. s. w. — zeichnen sich aber durch Hart¬ 
näckigkeit und häufige Wiederkehr von den gleichen 
Erkrankungen nicht skrophnlöser Natur aus. Er unter¬ 
scheidet zwei Formen: die tuberkulöse und die pyogene, 
denen er als dritte noch die gemischte, die Kombination 
der ersten beiden anschliesst. Die erste, die tuberkn- 
löse, macht hauptsächlich im Körper multiple Erschei¬ 
nungen, während die pyogene mehr die Körperober- 

•’) E. Kronenberg. Art. Ekzem des Naseneingangeg in 
H e y in a n n’s Handbuch d. Larvngol. n. Rhinol. Abt. Nase. 
1900. 

H ) Cornet. Die Skrophulose. 19'J). 


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fläche bevorzugt. Zur Erklärung, dass die Skrophulose 
fast nur Ira Kindesalter vorkommt, nimmt Cor net 
dort, wo die Epidermis bzw. das Epithel intakt ist, 
eine grössere Durchlässigkeit der Haut bzw. Schleim¬ 
haut der jugendlichen Individuen an; ebenso soll in 
diesem Alter eine grössere Weite der Lyraphbahnen vor¬ 
handen sein. Die vereinzelten Keime durchwandern die 
oberflächliche Decke ohne örtliche Erscheinungen her¬ 
vorzurufen, passieren leiclit die Lymphbahnen, um in 
den nächstgelegenen Lymphdrüsen festgehalten zu werden, 
wo sie nun die reaktiven Erscheinungen erzeugen. 

C o r n e t unterscheidet also ätiologisch eine tuber¬ 
kulöse und eine eitrige Skrophulose, die ihren skrophu- 
lösen Charakter darin äussert, dass sie hartnäckig ist 
und multipel auftritt und ausserdem jugendliche Indi¬ 
viduen hauptsächlich in deren Lymphsystem befällt. 

E. Ponfick 1 ) nimmt zur Skrophulose schon eine 
ganz entschiedene Stellung ein, wie es aus dem 
Referat in der Berlin, kl. Wochenschr. ersichtlich ist: 
«das Wort Skrophulose wird immer seltener gehört, 
seitdem es gelang durch Einimpfung skrophulöser Be¬ 
standteile genau dieselben Erscheinungen hervorzurufen 
wie durch Impfung tuberkulöser Teile. Dies ist seit 
1884 in vielen wiederholten Versuchen immer wieder 
bestätigt worden. Bei sonst anscheinend gesunden 
Kindern finden sich oft chronische Hautentzündungen 
und Drttsenschwellungen, also das was man sonst als 
Skrophulose bezeichnet. Bei diesen Erkrankungen hat 
man stets Tuberkelbazillen oder Staphylo- und Strepto¬ 
kokken nachweisen können. Es kommen aber auch 
Mischformen vor. Wiederholt ist der Nachweis gelungen, 
dass zu rein serös-eitrigen Entzündungen später eine 
tuberkulöse Erkrankung hinzutrat. Die Schleimhäute 
sind für die Aufnahme von Inl'ektionsstoffen viel em¬ 
pfänglicher als die Haut. Au vielen Stellen sind sie 
schon von Natur gewulstet (Mandeln, Nasenschleimhaut). 
Diese Wulstung nimmt bei entzündlichen Prozessen stark 
zu und bietet dann leicht Eingangspforten für Bazillen, 
zumal mit der Wulstung 1 stets eine Lockerung ver¬ 
bunden ist». 

Nach Ponfick ist also die Skrophulose als eine 
chronische Entzündung der Haut resp. Lymphorgane 
anzusehen, hervorgerufen entweder durch Eitererreger, 
oder Tuberkelbazillen oder schliesslich durch beide zu¬ 
sammen (Mischinfoktion). Ob daher der Begr